Aus dem unmittelbaren konkreten Leben

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Kennen Sie solche Menschen, deren Worte wohltuend wie ein Segen sind, und deren Stimme einen wie einen warmen Mantel umschließen?
Einen Menschen, der neben einem sitzt und schweigt,  und man spürt es ist sein Schweigen, das einen viel näher an die Wahrheit führt, als jedes gesagte Wort.
Sie leben jenseits eines aufgeblähten Egos. Sie wissen, dass sie das, was sie suchen, nicht in den Universäten finden. Ihre Lebensläufe sind eine große Schule der Liebe. Ihre Welt ist nicht aus den Fugen geraten. Sie wissen, um Ziele zu erreichen, muss man auch verzichten können. In ihren Leben geht es nicht um eine zwanghafte Bedürfnisbefriedigung, um ja den großen Augenblick nicht zu verpassen, der nur eine Ego-Befriedung beinhaltet. Das Ego, das nie wirklich befriedigt werden kann.
Sie beuten die Erde nicht gedankenlos aus, sondern tragen einen Dank für das, was sie ihnen reicht. Sie bringen der Erde Wertschätzung und Dank entgegen.

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Sie achten auf das rechte Reden und das rechte Denken. Sie wissen, Gedanken der Böswilligkeit, des Neides, der Enttäuschung, der Mutlosigkeit  rauben dem Körper seine Gesundheit. Ein missmutiges Gesicht entsteht nicht einfach so. Es entsteht durch missmutige Gedanken. Sie schaffen sich kein eigenes Gefängnis mit Gedanken des Zynismus, des Misstrauens und des Neides. Sie lassen Luft und Sonnenschein in ihre Herzen.
Sie sind freundlich zu allen, nicht nur zu solchen, die von persönlichem Vorteil erscheinen.
Sie sehen das scheinbar Wertlose als wertvoll an. Sie haben Verlangen und Abneigung aufgegeben.
Sie empfinden ihre Aufgaben und Pflichten als ein Dienen.

Sie wissen, der Zweifel ist der Zwilling des Glaubens. Sie kennen die Tränen, die in Lachen umschlagen. Sie atmen gleichmäßig aus und wissen, dass sie in diesem besinnlichen Zustand sicher sind. Sie bleiben bei ihren Gefühlen und fühlen sie tief durchdringend – nicht um sie herum. Sie wissen nur an jenem Ort können sie heilen.

Sie wissen, der Wille zum Tun entspringt dem Wissen, dass wir tun können. Wir können friedlich denken. Wir können unserem Leben einen legitimen Sinn geben. Wir können unseren Charakter und unsere Gedanken darin stärken. Sie wissen Schwäche kann nicht überdauern in einem System, in dem sich alles um Macht dreht. Sie wissen von ewigen Gesetzen wie  „Nie hat Hass, Hass gestillt“. Sie wissen, Toleranz entsteht nie aus Unkenntnis, sondern aus Kenntnis.

Es gibt sie tatswahrhaftig. Und manchmal darf man ihnen begegnen. Sie berühren einen mit einem offenen, warmen Herzen. Sie ermöglichen einem einen offenen Blick, ein wirkliches Gespräch, einen wirklichen Kontakt. Sie geben, was gefehlt hat.Vertrauen wächst. Und es gelingt aufzustehen.

 

Meine Schwester besuchte einst ein Ricarda-Huch-Gymnasium. Es war eine Mädchenschule. Darüber gelangte Ricarda Huch, die Grande Dame des 19. Jahrhunderts  auch in mein Leben. Zeitgleich kletterte ich noch auf Bäumen und baute mir ein Flugzeug aus Strohballen auf dem nahen Feld meines Zuhauses (Strohballen waren damals noch eckig, nicht rund. Sehr gut zum Bauen geeignet). Darauf setzte ich mich und flog mit ausgeweiteten Flügeln durch die Welt meiner Träume. Auf drei aufeinander gestapelte Ballenzu sitzen, schien mir nah des Himmels.
Ricarda Huch war eine Philosophin, Autorin, Dichterin und Historikerin. Sie gehörte zu jenen Frauen des 19. Jahrhunderts,  die sich, wie auch  Louise Otto Peters und einige andere,  sehr verdient um die Bildung von Frauen gemacht haben. Sie waren es, die neben dem Lernen von Nähen und Hauswirtschaft für Mädchen noch eine andere Schulbildung forderten.  Ja, ja, nichts kam von allein in das Leben von Frauen. Hart darum gekämpft haben sie bereits in der Vormärz-Ära (1830, später dann 1864 & Co) um Mädchenbildung und Frauenrechte.

„Die einen haben ihren Goethe – wir haben unsere Huch“, so wurde sie damals gefeiert. Sie lebte unbürgerlich, fühlte es aber nicht so.
Mir sind bis heute Sätze von ihr in Erinnerung:  „Liebe ist das Einzige, was wächst, indem wir es verschwenden.“

Ich litt, während meine Schwester auf der Geige übte. Und so stöberte ich in ihren Sachen, die  auf ihrem Schreibtisch lagen. So etwas tut man als kleinere und jüngere Schwester. Das dürfen kleinere und jüngere Schwestern. Es gehört zur Entwicklung von jüngeren Schwestern. Man muss im Leben einmal aus dem Kinderzimmer einer Schwester hinausgeworfen worden sein. Kinder müssen lernen, sich durchzusetzen im Kreise einer Familie, in der alle älter sind, als man selbst ist.( hee.hee.) Ich stolperte also über diese seltsamen Buchstaben in dem Buch meiner Schwester:  spirat ubi vult“ – und verstand sie nicht. Na toll. Ich konnte sie auch nicht fragen, denn ich wusste wohl, dass ich nicht einfach stöbern sollte.
Heute verstehe ich etwas mehr und weiß, es bedeutet: Der Geist weht, wo er will.
Ich könnte dieses hier jetzt nicht schreiben, hätte ich nicht gestöbert.

Ist es nicht so? Grübeln wir nicht häufig stundenlang über eine Frage? Hadern wir nicht häufig mit Fragen, die das Selbstdenken nicht lösen kann?  Und dann plötzlich taucht die fertige Antwort am nächsten Morgen aus dem Schlafe auf.

Auch Mutter Meera weiß dazu etwas zu sagen:

Frage: „Wie kann ich erkennen, wer ich wirklich bin?“
Mutter Meera: „Gib‘ dies „Ich“ auf und du wirst es wissen. Die guten Qualitäten des Geistes können unendlich erweitert werden. Du mußt dich mehr und mehr öffnen, immer noch liebevoller und friedvoller werden, immer mehr im Gleichgewicht und in der Harmonie sein .“

 

Solche Menschen, die ich hier gerade beschreibe und einem manchmal begegnen, haben ihr Ich aufgegeben.
Sie wissen um das machtvolle Geschenk der Entspannheit und Gelassenheit.
Sie vergeuden ihre Zeit nicht mehr mit dem Eifern des Ichs.
Sie wissen Liebe ist die Antwort auf alle Probleme. ( Amma. In Dank Marieke Oeffinger, Schauspielerin und Synchronsprecherin)

Es ist ein großes Geschenk, solchen Menschen begegnen zu dürfen.

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So oft habe ich es schon probiert…

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Wir brauchen Worte, um kommunizieren zu können.
Doch die wahre Kommunikation zwischen Menschen findet nicht auf der verbalen Ebene statt.

Nur, was Sie tun zählt, nicht was Sie sagen.
Erst dadurch, dass man das Brot ist,
erhält man eine wahre Bedeutung vom Brot.

Worte haben nur auf der Ebene des Verstandes eine Bedeutung.
Wir überstrapazieren sie.
Sie bringen uns an den Rand der Katastrophe.

Unsere edlen Worte werden von unedlen Handlungen aufgehoben. Anstatt unsere Handlungen zu vertiefen und auszuweiten, verfeinern wir unsere Definitionen und glauben dabei auch noch, dass wir wissen, was wir definieren können!

Aber  so oft habe ich es schon probiert und es nie geschafft.

Nun.
Es ist keine Frage von schwer oder leicht. Sie haben einfach keine Alternative, entweder Sie versuchen es oder nicht. Das liegt an Ihnen.

(zit. nach Maharaj)

Auf der Suche nach dem Ton

Auf der Suche nach dem Ton

Zeichnung:Kunze

Es gibt da etwas. Sprache.  Über zehntausend Generationen hinweg gespeichert. Einst von Menschen auf den Bäumen sitzend erschaffen. Wir leben mit ihnen und aus ihnen.
Sie wurde an einem Samstag des Jahres 3761 v. Chr. von Gott in Adam hineingelegt. Bitte nicht mit dem Alter des Universums gleichsetzen. Den Fehler beging noch Friedrich der Große.
In allen Religionen ist die Sprache so entstanden. Wörter sind  also immer Urenkel.

Mehr als 600 Millionen Wörter prasseln im Lauf eines Lebens aus Lautsprechern und Zeitungsspalten auf den durchschnittlichen Mitteleuropäer. Ein Sturzbach von Vokabeln, treffenden und verfälschenden, nichtsnutzigen, aggressiven und noblen stehen sich gegenüber.

Mit Worten bringen wir unsere Gefühlsatome in Form

Wir sprechen mit Armen, Händen und Fingern, mit Rückgratverkrümmung und Muskeln, wie dem Zittern der Unterlippe und dem Zucken der Pupille. Gestik, Mimik, es gibt einen unüberschaubaren Vorrat an Haltungen und Bewegungen, die Worte eindrucksvoll begleiten.

LippenAuch wenn die Wortsprache  nicht durchweg die wichtigste Möglichkeit der Verständigung ist: Worte sind machtvoll. Sie sind es. Das vergessen die meisten von uns. Mit Worten ermutigen, demütigen, kämpfen wir um Positionen, um Anerkennung, beurteilen, bewerten wir, loben, kritisieren und weisen wir anderen Verantwortung zu. Wir reden grob und verletzen Menschen. Mit Worten deuten wir um. Wir bauen  eine Festung um die Mauer des Ichs.  Mit Worten schaffen wir Realitäten. Mit ihnen seufzen wir.  Manche Worte sind so messerscharf wie ein Skalpell. Mit Worten erfahren wir mehr voneinander. Wir geben Beziehungen einen Rahmen. Wir orientieren uns. Wir erzählen uns Geschichten. Mit Worten bleiben wir realistisch und zugleich versuchen wir das Unmögliche. Mit Worten widmen wir uns den wahren Dingen des Lebens: beisielsweise der Wespe auf dem Brot.
Wir kleben mit ihnen Namensschilder auf die Fülle der Erscheinungen und den Strom der Gefühle. Wir machen uns mit Worten die Umwelt handhabbar. Lügende Worte, das Verdrängungssystem von uns Menschen, um unsere Wunden zu verdecken und weiterhin zu funktionieren.

Worte können aber noch so viel mehr. Unsere Worte können  Menschen Möglichkeiten aufzeigen, von denen sie vorher noch nichts wussten. Worte können Menschen ein Gefühl der Zufriedenheit mit sich selbst vermitteln.
Worte sind Tröster. Worte sind unsere Kuriere.

Unsere Erfahrung ist es, nach der wir uns ausrichten (William James, Begründer der modernen Psychologie)

Denken Sie gut über diesen Satz nach.
Er  enthält eine Erkenntnis von unschätzbarem Wert.

Wohin unsere Worte wandern, dorthin fließt auch unsere Energie. All das stärken und festigen wir, worüber wir sprechen. Wenn wir ständig ständig darüber klagen, was in unserem Leben schiefgelaufen ist, werden wir mehr von jenen Erfahrungen machen, die wir eigentlich vermeiden möchten.  Wenn wir viel über den Stress jammern, über die Veränderungen, verstärken wir in unserem Bewusstsein unseren Stress und die Veränderungen. Worauf wir uns konzentrieren wird stärker.
Ja, ich weiß und Sie wissen es auch schon längst, der geträumte Traum des Planeten ist hochgradig funktionsgestört, und wir Menschen leiden an einer geistigen Krankheit: Angst. Die Symptome zeigen sich in all den Emotionen: Wut, Hass, Traurigkeit, Neid und Enttäuschung. Emotionales Gift, dass in jeder unserer Wunde schlummert.  Eine ungerechte Handlung bricht eine Wunde  in unserem Innern auf. Und aufgrund unserer eigenen Konzepte und Glaubenssätze hinsichtlich dem, was wir unter Gerechtigkeit und Fairness verstehen, ist es wirklich leicht, sich zu verzetteln. Wir  sind Wortverbraucher.  Extreme zu wählen ist so leicht! Ein einziger Ton ist einfach, da gibt es  nicht viel zu lernen, das ist unkompliziert. Aber es fehlt ihm alles, was schön ist. Je komplexer, desto schöner. Leichter gesagt, als getan.

Wie machen wir das?
Ängste in Kraft und Stärke verwandeln.  Die Fallen in unserem Leben klären. Herzensbrüche heilen.  Selbstkonzepte aufgeben. Falsche Entscheidungen herausfinden, die wir treffen, um unser Ego zu erschaffen und am Leben zu erhalten.  Wer seine Talente für andere einsetzt, wird auch mit der eigenen Unvollkommenheit konfrontiert. Widersprüche in uns auflösen.  Welcher Art? Nun,  ist Ihnen schon aufgefallen: Wir lieben und lieben häufig doch nicht. Manche können vermutlich behaupten, sie liebten jemanden, weil sie jenen gerade nicht kennen. Wir sprechen und schweigen dennoch. Wir sind allein und dennoch unter Menschen. Wir sind in der Menge gehören ihr aber nicht an. Viele von uns arbeiten heute schneller, erreichen aber dennoch weniger als früher. Wer alles erreichen will, erreicht am Ende nichts. Man muss schon sehr viel Kraft in einer Gesellschaft wie dieser haben, um über seine eigene Unsicherheit zu sprechen.
Wunden heilen, indem wir jenen vergeben, von denen wir glauben, dass sie uns Unrecht getan haben; und zwar nicht, weil sie unsere Vergebung verdienen, sondern weil wir uns selbst so sehr lieben, dass wir nicht mehr für ihre Ungerechtigkeit bezahlen wollen. Vergebung ist der Schlüssel.

Es ist Zeit, das goldene Kind in uns wiederzufinden. Tiefendimension des Lebens, die einen weiten Raum schafft.

…weil wir alle über uns hinauswachsen können. (Bergpredigt)

Wir kommen aus dem Licht, wo das Licht aus sich selbst seinen Ursprung hat. Wir kommen aus jener Quelle der Existenz. Sie quillt aus sich selbst.  Was ist das Zeichen, dass es in uns Menschen ist? Es ist Bewegung und Ruhe: mitten in der Welt lebend, wo Gegensätze zusammenkommen.

Wähle nicht! Lass die Bewegung zu. Lass die Ruhe zu. Und lass Bewegung und Ruhe zusammen ruhen. Werde eine Sinfonie, nicht nur ein einziger Ton. Ohne abzulehnen, ohne zu verurteilen, ohne sich zu verlieren, ohne Voreingenommenheit, ohne Anhaftung, ohne Kontrolle, dem Widerstand nicht ausweichend.  Das was zurückkehrt, ist der Weg voran.

GEHE IMMER WEITER

Manchmal muss man einen Gang zurückschalten, um schneller zu werden. Selbstbesinnung führt zu intensiver gedanklicher Klarheit. Wenn wir uns dem Leben in die Arme werfen, erfahren wir nun einmal Schönes und Widersprüchliches. Gehe immer weiter. Einfach immer weitergehen.  Einfach in Bewegung bleiben. Dabei mit allen Sinnen anwesend sein.

 

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   Have faith.

  Everything depends on faith
(Babaji)