Kleine Selbste inmitten all dessen, was wir wahrnehmen

Kleine Selbste inmitten all dessen, was wir wahrnehmen
„Hallo Königin des Lichts! Ich habe geputzt.“

Wenn meine kluge Freundin putzt, ist das experimentell zu verstehen. Um die Spannung zu erhöhen, sagt sie. Danach ist der Kühlschrank immer nach Themenbereichen sortiert.
Seitenblick zu ihr. Wieder schaut mich Önnemarie an. Sie macht sich keine Mühe ihr Das-soll-doch-wohl-ein- Witz-sein-Gesicht zu verbergen, was ich ignorierte. Ich hänge an meinem Seil, kopfüber, sanft kreisend über meinem Schreibtisch. Das macht Dan Brown auch.

„Ich schufte im Stillen und habe keinerlei bewusstes Wissen darum, was ich tue, geht diese Arbeit unterhalb meiner Bewusstseinsebene vonstatten.  Keine Hände, keine Füße, keine dichtgedrängten Gedanken können mir helfen. Die Samen müssen gegossen werden, nur mit einem anderen Wasser.  Ich brauche Licht, aber nicht von der Sonne“, rufe ich und lasse mich auf einer Woge des Nicht-Leiden-Könnens zweimal kreisen.

„Ach ja? Geht die Arbeit denn gut vonstatten?“

„Diese Handlung braucht keinen Bezug außer auf sich selbst.“ Ich atme tief in mich hinein.

„Du suchst also mal wieder nach Worten“, fragt sie.

„Genau, liebe Önnemarie. Wir können nicht alle in der Cheops-Pyramide unterkommen, um positive Schwingungen auf uns einwirken zu lassen. Es gibt einfach keinen anderen Ort, an dem sie sprießen, außer tief dort unten. Dort, wo es nichts mehr zu lernen gibt“, antworte ich.

„Eine recht elementare Beobachtung, findest du nicht?“ , merkt meine kluge Freundin schnippisch an.

Überlege kurz.
„ Ja. Und zutiefst verwirrend dazu, wenn  du erfährst, dass dir nichts fehlt und du alles, was du je brauchen wirst, in deinem Innern trägst. Noch verwirrender aber, wenn du noch nicht sehen kannst, was dir gegeben wurde, und womöglich in die alten Muster zurückfällst, des Immermehrwollens und wertvolle Zeit darauf verschwendest, dir Gedanken über etwas zu machen, was dich nichts angeht, wie zum Beispiel anderen ihren Eigentum neiden. Nichts mehr zu lernen gibt es nicht etwa deshalb, weil du dann alles weißt, sondern ganz im Gegenteil, weil du es dir nun endlich erlauben kannst, gelassen zu werden und nichts zu wissen – in der ruhigen Gewissheit, das alles, was du wissen musst, sich dir im rechten Moment bekannt machen wird.“

haengend

Zeichnung:Kunze

„Ach so, du hältst dich gerade mal wieder im Meer aller Möglichkeiten auf. Spielst du das Orakel von Delphi?“ (im Alterum das berühmteste aller Wahrsagezentren, schon in den Schriften von Homer erwähnt)

Ihre letzte Bemerkung hatte den Effekt, dass ich sie -naja, dass ich sie plötzlich nicht mehr ausstehen konnte. Mir sagen, was Sache war? Mich verwässern wollen? Mich verkürzen, also das kann selbst den friedfertigsten Menschen…

„Nein, ich spiele nicht Erdmutter Gaia. Alle Bilder der Welt des Geistes sind in einem einzigen Staubkorn sichtbar. Buddha-Sutra, um 420 ins Chinesische übersetzt“, sage ich in überheblichem Ton.  Wissenschaftlich ausgedrückt: das gesamte Universum spiegelt sich in jeder kleinen Zelle. Hologramm ähnliche, resonante Muster im energetischen Geschehen. Wir sind durchwirkt von resonanter Energie, meine Liebe“, bemerke ich weiter an und führe eine Tornadodrehung aus, schleudere dabei meine Ellenbogen abenteuerlich nah an ihr Gesicht.

„Du hast gut reden.  Gelassen werden. Wissen, dass dich alles im rechten Moment erreicht. Das braucht Vertrauen, in dieser unserer Umwelt Strukturen der Ordnung zu erkennen. Wir suchen doch stets und immer nach Rechtfertigungen für unser Handeln, egal ob wir aussteigen, heiraten, genießen, geschäftig herumeilen oder eine Partei wählen. Darauf sind wir doch geradezu programmiert. Irgendetwas in unserem Innern lässt uns immer schüchtern, wütend, traurig, verzweifelt, fröhlich, heiter, schlechter Laune oder auch ärgerlich auftreten. Gefühle blockieren. Erkenntnisse werden verhindert.  Mich interessiert, mit welcher Hilfe welcher Prozesse wir all unsere moralischen Programme schreiben? Ich habe Fragen an das Leben. Wir wollen Sinn. Aber wissen wir, ob der Sinn uns will?  Wieso gehen Dinge plötzlich, die zuvor undenkbar schienen? Wie viel davon verträgt das menschliche Gehirn? Wieso weiß ein Kaufmann nicht um gewisse Gebote des Lebens wie dieses: Nimm der Natur nicht mehr als du ihr gibst! Wo sind all die Wir-Werte hin? Das Bedürfnis nach einer zwingenden, umfassenden Erklärung, ist es uns nicht genetisch angeboren?  Jede Ja-Entscheidung ist von einer Nein-Entscheidung begleitet.  Immer müssen wir uns zwischen dem einen und dem anderen entscheiden. Illusionäre Erfolgsgefühle. Wie sehr lenken all die nicht getroffenen Entscheidungen unseren Weg? Was schließen wir alles damit aus? Ist das Dilemma nicht, dass wir entscheiden müssen, und zwar immer mehr, als wir erkennen können?  Hinzu kommt, was ich nicht erkennen will, erkenne ich auch nicht. Da bleiben doch höchstens zwei kleine Kräuselwellen am Ende  für dein Meer aller Möglichkeiten übrig. Wir leben in den unterschiedlichsten Welten. Vorstellungswelt. Traumwelt. Unsere Tagträume. Wirklichkeit, was ist das? All das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen?“, sagte sie.
In dieser kleinen Furche am Hals pocherte ihr Pulsschlag.

„Wenn ein Auto auf dich zufährt, du zur Seite springst, sind Auto und du Wirklichkeit.Sein ist Wahrgenommensein! Etwas ist in die Realität geschaltet“, antworte ich.

„Aha, und wie wirklich ist bitte unsere Vorstellungswelt, die Welt, die von unseren Gedanken bestimmt wird. Wie wirklich ist unsere Traumwelt, die vielleicht durch unsere Gedanken entsteht, aber vielleicht auch anders?Wer weiß das denn schon?“

Licht3

Foto: Kunze

„Die Wissenschaft der Quantenphysik sagt, wir sind Geist in einem Messinstrument namens Körper. Das Bewusstsein benutze den Körper, um Erfahrungen zu machen. Alle nicht in die Realität geführten Zustände existierten als Möglichkeit. Mathematisch beschrieben als Wellenfunktionen im „Meer aller Möglichkeiten“.  Das sei in jedem von uns, in der Materie der Erde, der Natur, in der Atmosphäre, im Kosmos. Mit unserem Bewusstsein samt Unterbewusstsein kollabierten Wellenfunktionen. Unser Verstand, das Gefühl sowie unser individuelles und das universelle Bewusstsein sind offenbar unsere Realitätsschalter. Wir schalten Realität. Wir erkennen und entscheiden. Das Erkennen der gewohnten Realität ist das Ergebnis eines genetisch unterstützen Lernprozesses.

„Also rechne damit, dass dein Gehirn zeitweilig mit sich beschäftigt ist.“

Über gewisse Realität gibt es einen Konsens. Und vergiss bitte nicht jene wissenschaftlichen Experimente, in denen nachgewiesen werden konnte, bereits nur durch Beobachtung wird Realität geschaltet. Wir Menschen dürften also nicht die Einzigen sein, die Realität schalten. Vor uns liegt eine Welt, in der die Materie ein kreatives Element ist, sagt die Quantenphysik ebenso. Wir schleusen ein in das Feld, dem Meer aller Möglichkeiten. Hier und jetzt. Alles, was passiert, alles, was verändert wird. Wir meißeln an unseren Materie-Standbildern. Wir stupsen mit unseren Gedanken an. Informationen überlagern sich. Angebot- Bestätigung und schon wird der Kollaps der Wellenfunktion ausgelöst. Es treten Teilchen in Wechselwirkung.

Wirken kann es nur, wenn es mit Sinn und Bedeutung versehen wird. Energie sozusagen erkannt und resorbiert wird. Sinnvoll-Bewertung. Dafür ist nicht der Verstand, sondern das Emotionssystem verantwortlich, also Angeborenes, Erfahrenes, Erlebtes, Konditionierungen. Das Doppelspaltexperiment von Wheeler  bestätigt genau die Interpretation, der sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Ein Lichtstrahl wird durch einen Doppelspalt gesendet. Weil der Schirm hochgeklappt wurde, findet das Licht keine Resonanz mehr.  Das Ziel ist nicht mehr bekannt, statt Teilchen produziert Licht sofort Wellen. Energie wandelt sich vom Quant zurück zur Wellenfunktion. Du weisst , Licht kann beides sein, Teilchen und Welle, je nachdem, wie wir es anschauen. Wenn es sich durch die dicken Schichten der Sonne graben muss, ist es ein Teilchen. Wenn Licht und Wasser interferieren, werden Lichtwellen gebeugt. Teilchenlöschung nennt die Physik diesen Vorgang. So verhält es sich mit unserem Glauben. Sind wir sicher, wir erreichen das Ziel, ist ein Feedback möglich. Zweifeln wir, dass das Ziel erreichbar ist, werden Ziel-Feedback und Realitätsschaltung augenblicklich gestoppt“,  (Und falls Sie nicht verstehen, wovon ich rede, dann sollten Sie am besten gleich wieder vergessen, was ich gerade gesagt habe.)

dreams

rot angemalt von mir.  danke http://www.manur.com

„Na toll, vermutlich sind  einige meiner Träume nicht mal meine,  sondern die Erfahrungen anderer, die im Meer  der Möglichkeiten abgespeichert wurden?“

„Du siehst die Sonne, den leuchtenden Himmel, den düsteren Regen, die feste Erde. Fühle die Wärme der Sonne und die Kühle des Regens. Was immer durch deine Sinne zu dir kommt, ist ein vertrauliches Zeichen für dich, ein Geschenk, das dich aufwecken soll und zugleich ein Hinweis: Eine Erinnerung an die Arbeit, die du zu tun hast.
Es gibt etwas so Subtiles, dass nicht von unserem eigenen Selbst getrennt ist, auch wenn es für uns nicht sichtbar scheint. Sich um etwas kümmern, was wir weder sehen noch hören noch berühren können. Das geht in jeglicher Hinsicht an die Grenzen menschlicher Erfahrung und darüber hinaus. Klingt absurd, ich weiß. Und es wird noch absurder, wenn du erkennst, dass es sich um sich selbst kümmert und immer wenn wir denken, wir müssen uns um es kümmern, kümmert es sich in Wirklichkeit um uns.   Es könnte dir alles rauben, woran du geglaubt hast. Es kann nach gar nichts für dich klingen. Wir stecken halt sehr tief in einer Illusion.

Information ist der Urstoff des Universums. Am Anfang war  Licht und es war nicht das Wort, sondern der Gedanke. Gedanken sind Energie. Energetische Wellen sind Wissen, sprich Informationsfelder. Wasser ist ein Informationsträger. Uhren gehen in Resonanz miteinander. Ehepaare gehen in Resonanz.  Hunde gehen mit ihren Herrchen in Resonanz. Soldaten gehen beim Marschieren in Resonanz, der Atemrhythmus von uns Menschen, Mantras, Singstimmen. Stell dich in die Nähe einer  der riesigen Telekom-Antenne, dann weißt du, wann ein Ort gestört ist. Umgekehrt spüren wir  sehr deutlich Kraftorte. Wir nehmen wahr, wozu wir Resonanz haben. Etwas bringt uns zum Klingen. Viele kleine Wellen, auf die wir uns einstimmen. Wir besitzen die Fähigkeit, Resonanz herzustellen. Und ja, wer weiß, wessen Gedanken du träumst? Es gibt zahlreiche Hinweise auf Menschen, die Fragmente von Geschehnissen empfangen haben, die sich aber in der Vergangenheit abgespielt haben. Edagar Cayce Kentucky beschrieb die Essener von Qumran 11 Jahre bevor die Schriftrollen in der Höhle von Qumran am Toten Meer entdeckt wurden. Unser Unterbewusstsein hat Eingebungen, fühlt, weiß, empfängt lebenswichtige Daten aus diesem Informationsfeld. Der Verstand überträgt jene Daten in Begriffen, Regeln und Schubladen.“

„Aktuell fühlt es sich in dieser Welt eher nach einem Wellensalat an. Träume, die durch von Selbstsucht versteinerten Herzen fließen. Eitelkeiten. Das Wesentliche versinkt im Wüstensand des Materialismus. Größer werden, in dem man anderen den Kopf abschlägt. Leidensdruck, weil ihr Leben nicht den Ansprüchen ihrer Umgebung genügt. Die Beruhigungsspille der Moderne:  ständiger Erfolg. Staatsdoktrin: Selbstentfaltung. Rastet nicht, sonst rostet es. Wenn du brav bist, scheint morgen die Sonne. Seien Sie bloß kein Vielleicht. Ehrgeizig wie ein Spitzensportler. Nichts wird einfach so getan“.

„Pfropfen, eine ganz heikle Angelegenheit. Unser ganze Existenz baut auf der Vermutung auf, das wir kleine Selbste inmitten all dessen sind, was wir wahrnehmen, umgeben von einem riesigen Weltall, das von uns getrennt und unabhängig ist. Doch wenn, wir die Erkenntnisse Quantenphysik oder auch Homer, Laotse, Empedokles und all die anderen großen Denker aus der Antike zu Ende denken, dann ist die Geschichte vorbei. Dann wurde die Welt in uns geboren und wir nicht in die Welt. Dann ist das gesamte Universum in dir und mir und du kannst spüren, wie viel Macht du in deiner Handfläche hältst.  Alles, was du erlebst oder wahrnimmst – sind lediglich Knospen an dem Baum, der du bist.“

„Hm, alles wurde auf mich aufgepfropft? Meine Welt, wie ich sie sehe, sind die – wie Empedokles meint – Knospen und Zweige, ich bin ihr Stamm und die Wurzeln des kosmischen Baumes tauchen tief in das Nichts in mir ein? Jenseits von allem, was existiert, weit jenseits dessen, wohin die Sinne reichen?…“

                                                                                                ALLES IST DEIN BUCH. DU BIST DEIN BUCH.
                                                                                 DU SCHREIBST DICH IN DEN TIEFEN DEINES SEINS SELBST.

Naja, ein bisschen zusätzliches Holz bedarf es aber noch bei dem einen oder anderen…bei mir…

Ja, jenseits dieser sinnlichen Welt, existiert etwas, was so radikal ist, dass es seelenruhig alle Vorstellungen auseinandernimmt, eine Realität, die jenseits dieser sinnlichen Welt liegt. So weit die Wissenschaftler auch in das Universum reichen mögen, du reichst weiter.  So scheint es.  Es ist materiell nicht erklärbar.

Woher „weiß“ der Organismus, wie Gewebe aufgebaut wird und wann der Aufbau beendet werden kann? Vielleicht weiß es die DNA. Die DNA meiner Hand ist nicht die DNA meiner Haarwurzel. Woher weiß die DNA, wie sie Hand und Haarwurzel reparieren soll? Alle sieben Jahre ändern/erneuern sich- bis auf wenige Ausnahmen – sämtliche Bausteine des gesamten Körpers komplett. Die Form, Struktur und Gestalt eines Organs bleibt hingegen ein Leben lang gleich. Es muss etwas jenseits der Bausteine geben. Neurbiologen sagen: Wenn alte Zellen neue Synapsen bilden wollen, dann müssen sie sich in ein unreifes Stadium zurückverwandeln, in dem sie dazu noch fähig waren. Rückführung einer kranken Zelle in eine gesunde Zelle nur noch eine Frage der Bioingenieurskunst?  Man weiß heute, Pessimisten  sind häufiger erkältet als Optimisten. Stress schwächt die Abwehrkraft gegen Krankheiten. Es gibt Heilgeschichten, bei denen eine unbeirrbare Überzeugung Körperfunktionen wieder herstellte. Im Wissen darum sind uns Naturvölker weit v.oraus. Im hinduistischen Sinne gibt es den „Funken“, die Verbindung der individuellen menschlichen Seele mit der Universalseele. Yogis können sich jederzeit in den Zustand tiefster Meditation versetzen. Dieser Zustand ist  bereits  in den 3000 Jahren alten Veden beschrieben. Wissenschaftler begleiteten einen Yogi auf dem Asien-Pazifikongress in Bombay. Für Tage lag der Mann in einer Grube, ohne Herzschlag, angeschlossen an Herzmonitoren. Stillstand, nur das zentrale Nervensystem nicht. Keine Atmung, keine Blutzirkulation – alles absolut unvereinbar mit dem Leben. Eine Art Winterschlaf. Sieben Tage nach Versuchsbeginn öffneten die Wissenschaftler die Grube. Massiert mit Öl am Kopf verlangte der Mann ein Glas Milch und Früchte. Nach 8 Stunden war er wieder frisch. Fünf Kilo Gewicht hatte er verloren.

Es gibt eine direkte Wirkung von geistiger Information auf Materie.

Es gibt Information auf übergeordneter Ebene, die Moleküle, unabhängig von Zeit und Raum, beeinflussen kann (Dr. U. Warncke,2012, Physik, Biologie, Philosophie).
Wieso tauchen in Erzählungen bis heute immer wieder bei Menschen Erinnerungen an frühere Leben auf?
Wenn das Bewusstsein unabhängig von den physiologischen Körperfunktionen existiert, warum sollte es dann nicht weiter existieren, wenn alle Körperfunktionen bereits erloschen sind?  Wenn das Bewusstsein universell und zeitlos existiert und unser Gehirn lediglich die Funktion einer „Antenne“ hat und all unsere Erfahrungen stattdessen in diesem  „Meer aller Möglichkeiten“ gespeichert sind, dann…

Out of the body

…bereits im ältesten Epos der menschlichen Existenz  – im Gilgamesh-Epos ,wirklich wunderbare Poesie –  werden solche Erfahrungen an der Grenze des Todes beschrieben.  Meine Mutter, zwei weitere Bekannte waren klinisch tot und beschrieben es sehr ähnlich.  Verlassen des Körpers. Licht, so schön, dass man es nicht wieder verlassen wollte, eine so schöne Wolke, von dem gewaltigsten Mitgefühl ummantelt, dass sie je verspürt hatten, liebevolle Wesen, Begegnung mit bereits verstorbenen Verwandten.  Alle waren nicht wirklich froh, wieder zurückgekommen zu sein. Meine Mutter konnte die Ärzte um sich herum sehen und hörte sie sprechen „Die darf uns nicht verloren gehen, zu jung. Sie hat Kinder“, so erzählte sie mir viele Jahre später.  Der Wiedereintritt in den eigenen Körper beschrieben sie alle als schmerzhaft. Sie wußte, dass sie sich außerhalb ihres Körpers befand.  Sie sah sich dort liegen, sah, wie die Ärzte um ihr Leben kämpften. Die anderen zwei Bekannten, die mir erst in den letzten  Jahren begegneten, berichten es analog. Van Lommel, Herzspezialist in Holland, führte Untersuchungen hierzu durch. Er vertritt die These, dass Bewusstsein seinen angestammten Platz nicht im Gehirn haben kann (Van Lommel 2010). Diese These wird auch von Professor Ewald an der Universität Bochum vertreten, Studienfach Mathematik, Chemie, Physik (Ewald,2006).

Ich weiß, jetzt fliegen die Argumente.  Ich spüre das skeptische Lächeln. Der fehlende Sauerstoff.  Halluzinationen. Körper. Geist zerfallen. Bloße Hirngespinste. Lebhafter Traum. Nun, Träumende erkennen, dass sie geträumt haben. In einem Traum sehen wir uns nicht gegenständlich von außerhalb. Keiner derjenigen wollte ihre Erfahrungen mit einem Traum gleichgesetzt wissen. Es war anders, meinten sie, klarer. Bis ins hohe Alter bestand für alle Betroffenen an dem Austritt aus ihren Körpern  kein Zweifel. Plutarch, der griechische Biograf, berichtete von einem Aridaeus aus Kleinasien, der imJahr 79 n.Chr., wie er bewusstlos geschlagen, Tote traf, einen Onkel, der ihn herzlich begrüßte. Viele berühmte Persönlichkeiten der Geschichte berichteten davon. Augustinus, Aristoteles, Plato, Goethe.  Von den Eingeborenen Australiens, den Indianern Nord- und Südamerikas, aus Zululand, Sibirien, Neuseeland, Tahiti und anderen Ländern, von den Buddhisten – das Muster ist überall bekannt.

Geburt ist kein Anfang. Tod kein Ende. Chuang-tzu

 „Wenn mich ein Hochasiate früge, was Europa sei; so müßte ich ihm antworten: es ist der Welttheil, der gänzlich von dem unerhörten und unglaublichen Wahn besessen ist, daß die Geburt des Menschen sein absoluter Anfang und er aus dem Nichts hervorgegangen ist. “ Schopenhauer

 

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Liebe geht durch die Zellen

schlussmacher

 

Ein kleiner, bescheidener Garten vor den Toren von L.A.. Wir schreiben das Jahr 2013 nach Christus.  Vermutlich. Einige Jahren sollen uns ja einige gekrönte Kaiser unterschlagen haben. Wie dem auch sei, Önnemarie und ich machen einen Dankbarkeitsspaziergang in der Natur. Innehalten und nah der einzigen Buche im Umkreis von 50 Kilometern hüpft meine kluge Freundin plötzlich hoch und noch höher. Auf und ab. „Energieausgleichsarbeit, um einen ganzheitlichen Gehirnzustand zu erlangen. Veränderungen erfordern gemeinsamen Einsatz“, keucht sie mir aus luftiger Höhe zu.
„Streitet ihr euch gerade mal wieder?“, rufe ich ihr zu.
„Auf jeden Fall. Und auch auf eine Art, die vielen Paaren bekannt vorkommt. Wir sind das Bilderbuchpaar von destruktiver Interferenz.  Schlechte Schwingung. Tiefe Schlaglöcher zeigen sich.“
„Ist es noch dieser Typ mit diesem schlimmen Fall von ununterbrochener emotionaler Entwicklung, mit dem du eine hormongesteuerte Teenager-artige Liebesaffäre durchlebst? Diese berauschende Affäre ist erneut geplatzt?“, frage ich. Das Lächeln gefriert mir.
Entsetztes Schweigen von Önnemarie.
„Also ihr pendelt wirklich einzig zwischen Sex und Verlassenheit. Kannst du nicht einmal dein Gehirn als Stimmgabel verwenden?“, frage ich besorgt
„Mutschekübchen, mein Unterbewusstsein will offensichtlich etwas anderes. Das kann selbst die besten Absichten und die positivsten Gedanken unterwandern. Da helfen nur Energieausgleichsprogramme, Umprogrammierung durch Hypnose oder Gewohnheit. Ich muss lernen, andere Überzeugungen auszustrahlen. Meine Aufmerksamkeit verlagere ich jetzt vom Kopf ins Herz. Om. Ich löse mich vom Geschwätz meiner Gedanken. Om. Ich atme bewusst ins Herz hinein und ich hüpfe auf und ab, denn das fördert  genau jenen Prozess. Unsere Zellen werden nämlich nicht von ihren Genen gesteuert – und wir auch nicht. 50 Billionen Zellen und alle haben sie Vollbeschäftigung. Der Lebenswille ist in unsere Zellen einprogrammiert. Rumi hält uns alle für fähig, uns den Himmel auf Erden zu schaffen, und er glaubt, dass das ewige Leben über den Körper hinausgeht.  Unsere Überzeugungen sind es, die dich und mich davon abhalten, wundervolle Liebesbeziehungen zu erleben. Verändere ich meine Überzeugungen, verändere ich meine Beziehungen. So einfach ist es natürlich nicht. Es wirken mit: Denken, Wahrnehmung, Stimmung, Erinnerung. Diese vier Bewusstseinsebenen müssen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Alle Organismen kommunizieren primä über Schwingungen. Im Grunde stehen wir auf der Bühne von aktiven Energiewirbeln. Was wir sehen, ist nicht unser Nachbar, sondern Photonen, die uns umwirbeln. Wir missachten sie ständig. Wir klammern uns an Worte. Die viel zuverlässigere, energetische Kommunikation überdecken wir oft“, schnaubt sie.

„Auf deiner Bühne befinden sich  höchstwahrscheinlich Billionen von Nano-Tornados. Du solltest vor allem dein allgemeines Genörgel beenden“, entgegne ich nüchtern.

„Das Wörtchen sollte hilft nicht. Es schafft uns keinen Zugang zur intuitiven Führung. Es gibt da einen grundlegenden biologischen Imperativ, der uns in die Gemeinschaft treibt, weiß du ja sicherlich.  Gute und schlechte Schwingungen spüren und zunutze machen. Die Kräfte, die wir nicht sehen, sind der eigentliche Stoff, aus dem Leben besteht. Durch gute Schwingung hilft uns die Natur mit, dass wir am richtigen Platz die richtige Person finden“, sagt sie.

„Hmm… klingt nach Feng Shui…die Umgebung so ausrichten, dass sie zur eigenen Energie passt…und damit dein Qi stärken“, erwidere ich.

„Ja, genau, sich nur noch mit Menschen und Dingen umgeben, die einen energetisch aufbauen. Quantenphysikalisch gesagt: sich am Punkt der Konvergenz der Wellen begegnen, an dem sie die stärkste konstruktive Interferenz bilden. Achte auf die guten Schwingungen. Sonst landest du in der Höhle des Löwen. Diese Schwingungsverschränkung außerhalb des Gehirns ist wesentlicher Bestandteil des Gesetzes der Anziehung und weniger bekannten Gesetz der Abstoßung. Ich rede hier von einem weiteren Prinzip der Quantenmechanik, die sogenannte Nonlokalität. Einstein nannte sie die unheimliche Fernwirkung. Einmal verschränkt, immer verschränkt. Quantenteilchen bleiben mit anderen Quantenteilchen verbunden, wenn sie einmal in Wechselwirkung waren, egal, wie weit sie voneinander entfernt wirbelten. Das sind doch klare Indizien für die potentielle Macht unserer Gedanken und Überzeugungen. Einfach nur schwingen wie eine Stimmgabel, die richtige Frequenz anschlagen.  Quanten-Nonlokalität ereigntet sich auch zwischen Gehirnen sagt der Physiker Goswami von der Universität in Mexico. Erscheint dir seltsam, was?“, japst sie mit wirren Locken.

„Das würde immerhin parapsychologische Phänomene erklären. Mediale Heiler, Eltern und Liebende kennen das Phänomen. Ich soll mich Honeymoon-Stimmung hingeben? Soll ich mir jetzt etwa eine Stimmgabel kaufen? „, frage ich und beäuge  sie misstrauisch.

„Ja-aaa, hole dir den Honeymoon-Effekt in dein Leben. Die gute Nachricht, du brauchst dir keine Stimmgabel kaufen. Du besitzt schon eine.  Willst du ihn- den Honeymoon-Effekt, dann strahle jene Gedanken aus! Deine Gedanken wirken wir eine höchst komplexe Stimmgabel. Ich  bin da ganz hartnäckig, auch wenn meine Beziehungen ganz schrecklich waren. Ich tue einfach eine Weile als ob! Allein mit dem positiven Denken ist es aber nicht getan. Dann hat man die Macht des Unbewussten nicht begriffen, das selbst die besten Absichten und positivsten Gedanken unterwandern kann.  Mit unseren Gedanken erzeugen wir Energiefelder. Wir können sie nicht nur wahrnehmen, sondern auch erzeugen. Das Universum ist nicht materiell. Es ist mental und spirituell.  Wir spüren doch auch, wenn uns jemand anstarrt. Immer mal wieder kommt es vor, dass man sich erschöpfter fühlt in der Umgebung manch eines Menschen, bei anderen lebendiger. Du erwähntest doch Feng Shui. Die Chinesen haben lange vor der Entdeckung der Quantenphysik viel über den Einfluss der nichtmateriellen Aspekte des Universums herausgefunden und erkannt, dass auch physische Dinge zu unserem energetischen Befinden beitragen. Physische Dinge haben genauso eine Schwingung wie wir. Und unsere Ernährung als auch unsere Gedanken sind das Kulturmedium für unsere Zellen! Erzeugte Energiefelder unseres Gehirns wirken sich auf das Zellverhalten, die Genexpression und die allgemeine Wahrnehmung und Stimmunglage aus. Wir hören zu viel auf unseren Verstand und zu wenig auf unsere innere Stimme. Bloß nicht davon abbringen lassen. Die Sprache ist vermutlich nur erfunden worden, um uns von unseren Gefühlen abzulenken.

„Naja, manche wollen keine bessere Beziehung, sondern eine, in der es viel Streit gibt“, gebe ich zu bedenken.

baum

„Hätte ich nicht so eine ambivalente Ausstrahlung gehabt, hätte er sich…Konstruktiv nicht destruktiv, das Zusammensein sollte die Energie erhöhen, nicht mindern. Stell dir das mal vor, Präriewühlmäuse sind den Menschen in Bezug auf langfristige Paarbindungen überlegen. Unser Geist bestimmt die Biochemie in unserem Blut. Der Geist interpretiert unsere Wahrheit, das Gehirn produziert die Biochemie, die zu diesen Wahrnehmungen passt. Unser Gehirn ist nicht nur eine Stimmgabel, sonderen eine  Farbmischmaschine. Gehirnse sind äußerst vielseitig. Hunderte von Variationen von jeder Farbe. Es verfügt über eine ganze Bandbreite neurchemischer Stoffe und Hormone, die in der Biochemie der Liebe mitspielen. In der ersten Leidenschaft bestellt unser Gehirn leidenschaftliches Rot, in dem es reichlich Testosteron ins Blut ausschüttet. Wenn das gut ging, bittet das Gehirn um verliebtes Rosa mit viel Dopamin, das uns anregt, nach mehr lustvollem Genuss. Sind wir dann überzeugt, den Richtigen gefunden zu haben, verlangt unser Gehirn nach Liebe-meines-Lebens-Lavendelblau, eine Mischung aus den Bindungsboostern Vasopressin und Oxytocin und erschreckend wenig Serotonin, was bedeutet, dass wir uns immer mehr auf diese eine Person fixieren. Und wenn es zu  keiner Scheidung kommt, mischt unserer Gehirn ein Immer-noch-verrückt-vor-Liebe-Blau mit einer großen Dosis des Schmusestoffs Oxytocin an“, erklärt mir meine kluge Freundin auf unserem Dankbarkeitsspaziergang. „Unser Gehirn verfügt über eine Reihe von Zutaten, neurochemische Farbtöne, die es in verschiedenen Proportionen zusammenmischen kann, um uns irgendwann zu Paaren werden zu lassen.  Vögel, Bienen verlieben sich nicht. Sie paaren sich. Die Seesterne lege in ihre Eier ins Wasser, und die männlichen spritzen ihr Sperma in dasselbe Wasser. Beides kommt zusammen und erzeugt eine neue Generation Seesterne. Unter ziemlich wenig Verschränkung!. Wir Menschen brauchen schon mehr Verschränkung. Dopamin bringt uns dazu, angenehme Erfahrungen zu wiederholen. Ist unser Dopaminspiegel hoch, sind wir gut drauf. Ocytocin ist unser Kuschelhormon oder Vertrauenshormon. Es spielt eine wesentliche Rolle bei der Paarbindung. Kostenlos zu erhalten über Küssen, Streicheln, Kuscheln und Sex. Der Zorn über das Verlassenwerden wird chemisch abgepuffert, zum Beispiel durch die Erhöhung des Serotinwertes.

 

to be continued…

 

 

Die Freiheit der Wahrnehmung

Die Freiheit der Wahrnehmung

We hardly ever realize that we can cut anything out of our lives, anytime, in the blink of an eye.

Praktische Weisheit der Schamanen des alten Mexico

Don Juan,  Yaqui-Indianer aus Yuma, Arizona und Sonora, Mexico, Erbe einer Linie von Sehern, die vor über zehntausend Jahren in Mexico ihren Anfang nahm, erklärte,  dass es Ziel und Absicht seiner Abstammungslinie die Freiheit der Wahrnehmung war – die Freiheit, das wahrzunehmen, was von der Quantenphysik heute als die eigentliche Natur des Universums begriffen wird: ein Universum aus Energie, das laut Don Juan von einer intelligenten Kraft organisiert wird, genannt Absicht.

Ein essentielles Werkzeug für die Seher aus Don Juans Linie waren ihre Magischen Bewegungen: Körperhaltungen, Bewegungen und Atemtechniken, die die frühen Seher ihrer Linie vor Tausenden von Jahren geträumt und angepirscht hatten. In diesen geträumten Positionen und Bewegungen bewusst zu atmen, stellt für den Praktizierenden ein einfaches und verfügbares Mittel dar, sein oder ihr Wohlbefinden zu steigern, indem der natürliche Fluß seiner oder ihrer Energie wiederhergestellt und neu ausgerichtet wird. Es befähigt ihn bzw. sie auch, präsent zu sein für die Erfahrung, anstatt in Gedanken und Emotionen aus der Vergangenheit gefangen zu sein, die mit einem bestimmten Atemmuster verbunden sind. Solch ein Zustand der Präsenz verleiht einem die Energie und die Zielgerichtetheit, die erforderlich sind, um das Leben zu rekapitulieren und/oder erneut zu betrachten und aus der Erfahrung zu lernen. Das ermöglicht eine neue Verbindung mit anderen, mit sich selbst, der Erde, dem (sichtbaren und unsichtbaren) Leben auf der Erde sowie auch mit den Planeten und Sternen, und es gestattet, sich neu zu entscheiden hinsichtlich der Art, wie Aufmerksamkeit und Energie im alltäglichen Leben genutzt werden.

Magische Bewegungen beziehen sich auf das Anspannen und Entspannen der Sehnen und Muskeln und ihr Wechselsiel sowie auf ihre energetischen Entsprechungen. Dies geschieht auf eine Weise, dass die  Intaktheit unseres gesamten Körpers sowohl als physische als auch als energetische Einheit verbessert wird und wir bewusst wahrnehmen, wie alle Teile unseres Seins – Sehnen, Muskeln, Knochen, Nervensystem, Organe, die ein gesunder Energiefluß zu einer Einheit werden lässt –, zusammenarbeiten.

Die Schamanen im alten Mexiko entdeckten eine Serie von Bewegungen, die wenn sie vom Körper ausgeführt wurden, sie in einen Zustand derartiger physischer und geistiger Leistungsfähigkeit versetzten, daß sie beschlossen, jene Bewegungen magisch zu nennen.

Blume

Angewendet auf unser tägliches Leben ist die magische Bewegung eine Kunst: Die Kunst, sich an die Vibration, Verfügbarkeit und Bewegung unserer eigenen Energie und an die jedes anderen in einer Weise anzupassen, die zur Intaktheit der Gemeinschaft beiträgt, die wir sind.

The recapitulation sets free energy imprisoned within us, and without this liberated energy dreaming is not possible.

Don Juan Matus, The Art of Dreaming

Absicht meint Intention. Gemeinhin verbinden wir mit dem Wort Intention, etwas, was wir tun wollen. Unser Ego lässt uns wissen: Ich will etwas verwirklichen.
Die Form von Absicht, die Don Juan hier anspricht, geht von einem anderen Handeln aus. Diese Art von Intention schafft Raum für die Energie, die durch uns hindurch arbeitet. Wenn wir in Harmonie mit dem Feld der Intention leben, sind wir in der Lage Wunder zu vollbringen. Wir ziehen die „richtigen“ Menschen ins Leben. Wir erlauben den Wörter zu uns zu kommen. Wir verlassen uns nicht mehr auf  vorgefasste Ideen.  Vom „Ich“ wegzukommen, ist etwas Lästiges und Schwieriges. Wir sind bis zu Grenze daran gewöhnt, Dinge zu benutzen, all das, was die Idee von der eigenen Wichtigkeit hervorgebracht hat. In der Alltagswelt finden wir nur Personen mit psychologischen Problemen und ohne Ideen, alle bis zum Hals gefüllt mit „Ich, Ich, Ich“. Weg vom Krämergeist des Alltagslebens.  Stattdessen Bewusstheit erweitern.

Don Juan versicherte, daß man, selbst wenn man kein Schriftsteller ist, schreiben kann, aber das Schreiben verwandelt sich von einer literarischen Handlung in eine schamanische Handlung. Was den Gegenstand und die Entwicklung eines Buches entscheidet, ist nicht der Geist des Schriftstellers, sondern vielmehr die Kraft, die die Schamanen für die Grundlage des Universums halten, und die sie Absicht nennen. Es ist die Absicht, welche über das Werk eines Schamanen entscheidet, sei es literarischer oder sonstiger Natur. Laut Don Juan hat ein Praktizierender des Schamanismus die Verpflichtung und Obliegenheit, sich mit sämtlicher verfügbarer Information anzufüllen. Es ist die Arbeit eines Schamanen, sich gründlich über alles, was möglicherweise mit dem Thema seines Interesses verknüpft ist, zu informieren. Die schamanistische Handlung besteht darin, jedes Interesse an einer Lenkung des Verlaufs jener Information aufzugeben. Don Juan pflegte zu sagen: „Wer die Ideen ordnet, die aus einer solchen Informationsquelle entspringen, ist nicht der Schamane sondern die Absicht. Der Schamane ist einfach ein makelloser Kanal.“ Für Don Juan war das Schreiben eine schamanische Herausforderung und nicht eine literarische Aufgabe.

Wenn wir wüssten, dass wir die Quelle in uns tragen, die verantwortlich ist für alles, würden wir uns niemals mehr fürchten. Wir könnten loslassen, in das Unbekannte navigieren, die Kraft der Stille wahrnehmen, so leben, wie wir sagen und zu gleichen Zeit die Flexibilität zu haen, jedweder Sache gegenüberzutreten, was außerordentlich schwierig ist, zu erreichen. Man ist nicht der Spieler in dieser kosmischen Schachpartie, man ist eine Figur auf dem Schachbrett. Was alles entscheidet, ist eine bewusste unpersönliche Energie, die die Schamanen die Absicht oder den Geist nennen.

Dem individuell Erreichbaren sind keine Grenzen gesetzt, wenn die Absicht makelllos ist.