Man sollte sich lassen

erde als schmetterling

 

 

frieden ma

…das sagte schon der Dominikaner Johannes Tauler um 1300, im tiefsten Mittelalter. Er wollte Spiritualität verbreiten, die sich im Leben bewährt.
Anders formuliert: „Das Ego sagt: Wenn alles passt, werde ich Frieden finden. Der Geist sagt: Finde Frieden, dann passt alles.“

frieden

 

 

 

 

 

 

maedchenklein

Ich sage: „Ach diesen Weg will niemand gehen.“
Er sagt: „Welchen?“
Ich sage: „Diesen Ich bin nichts-Weg.“

Antwortet er: „Du sprichst in Rätseln…“
Antworte ich: „Na, sieh dich doch um. Wo immer du auch hinsiehst, wir sind und wollen und wollen immer etwas sein, immer einer über dem anderen. Immer scheinen. Heute war es eine Abteilungsleiterin, deren A und O es war, mir zu sagen, sie sei Abteilungsleiterin! Dafür hat sie fast ihr Seele riskiert. Darin sind alle Menschen so gebunden und gefangen. Niemand will sich lassen. Alle sind sie groß oder reich, hoch und mächtig. Alle sind sie etwas.  An dieses Ich bin nichts will doch niemand daran, weder jung noch alt, weder arm noch reich.

Sagt er: „Na, ich bin doch auch was!“
Sage ich: „So, bist du? Eine dünne Hülle, wenn du mich fragst. Sie ist der Anfang deiner Einsamkeit. Ein großer Teil unserer Schmerzen, des Kämpfens, des Ringens, des Leidens hat mit der Idee zu tun, dass wir meinen, etwas zu sein. Etwas zu sein, trennt und schafft Unterschiede. Die anderen sind dann mehr was oder weniger was. Und dann? Dann beginnt das eigenwillige Wirken, Wollen und Begehren. Dann erheben wir die Gegensätze, die Bilder, alles Beschränkte, alle Vergleiche, Bejahung und Verneinung. Dann beginnen bestimmte Lebensweisen und Vorhaben. Dann bist du was und du bildest dir darauf etwas ein und andere verlassen sich auf das, was du bist, und dann passiert, was du vielleicht nie vermutet hättest: Du wächst und veränderst dich, um lebendig zu bleiben, aber die anderen wollen dich gar nicht anders, die haben sich so an dein Muster gewöhnt. Und dann hörst du sie sagen: „Das sieht dir aber gar nicht ähnlich.“ Und wie schnell ist man dann dabei, zurückzuhalten, wer man wirklich ist, nur um es andern recht zu machen. Und am Ende geht dein Licht ganz aus. Oder du  hast dir gar Bilder im Kopf eingerichtet, die dir sagen, es gibt Menschen, die sind geringer als du. Dann bist du ganz weit entrückt von deinem inneren Grund. „Was weißt du denn von deinem Nächsten?“, fragte Tauler einmal. Was wissen wir denn wirklich, wie es um unsere Mitmenschen steht? Was weißt du denn von seinem äußeren und inneren Lebensweg?

Die Zugehörigkeit zu einer spirituellen, zu einer kirchlichen „Familie“ oder zu einer Berufskaste macht nicht heilig. Johannes Tauler befand, der Eigenwille  ist wie ein Säule, an der sich alle Unordnung hält. Könnten wir die fällen, so fielen die Mauern alle nieder.

Es reicht, wenn wir lieben.

Man sollte sich lassen.

In Wahrheit sind wir alle nichts.
Das alles wird geboren aus Demut.
Da geht der Eigenwille verloren.

 

 

 

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