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Ein Hoch auf ein authentisches Leben.

 
Nie habe ich Liebe so wahr, so beschwingt erlebt, intensiv und lebendig, wie mit jenen Menschen, die mich in meinem ganzen SEIN erkannten, annahmen und liebten.  Es waren jene, die  in  Sanftmut  und Güte durchaus auch ein unerschüttlerliches Nein hervorbrachten. Und ich fühlte mich dennoch vollkommen in  Ordnung, so wie ich gerade im Moment war. Ich fühlte mich geborgen und in meiner Haut wohl. Ich war mit meinen getroffenen Entscheidungen im Reinen. Gefragt waren echte Worte und Werte. Wahrheiten waren gepaart mit Liebe, im Wissen darum, dass Wahrheit allein zu hart ist. Getragen von  der Haltung, dass neben einer Wahrheit immer noch mindestens eine andere Wahrheit existiert. Wissend, alles hat seinen eigenen Platz, seinen Ort im Universum. Getragen vom Vertrauen. Vertrauen hat nichts mit Kontrolle zu tun. Es war dieses Licht des Herzens, was sich als ein wunderschön, anziehendes Licht zeigte. Diese Liebe war wie jede andere Liebe auch vergänglich, aber sie hinterließ einen anderen Geschmack.

 

Jüngst hörte ich den Satz: „Fühlen ist lästig!“. Der Satz schien mir würzig genug, um darauf zu reagieren:
„Oh, es ist schon so, dass die Menschen vergessen, was du ihnen sagst. Menschen vergessen auch, was du für sie getan hast. Aber sie werden nie vergessen, welches Gefühl du ihnen gegeben hast!  Wir können uns nicht von außen sehen. Dafür benötigen wir andere Seelen, eine andere Ordnung des Sehens und Denkens. Du tust gut daran, dich in fühlender Weise anderen zu nähern. Der Spiegel könnte dich in den Genuss bringen, bis auf den tiefen Grund zu sehen. Die Tiefe ist das, was dich trägt. Vor dort aus gehend, hast du vermutlich mehr vom Leben. Du kannst natürlich ebenso gut  in der Welt der Illusion und Täuschung spielend leben und daran deine Freude haben. Du kannst hier niemals endgültig verloren gehen. “

 

Haben Sie schon einmal ein Musikstück gehört, bei dem Sie sich ganz fühlen? Sie schwimmen und lassen sich in das Gefühl ziehen. Nahe bei der Musik. Durchlässig im Gefühl.  Man bewegt sich durch diese wunderbare Melodie hindurch. Beim Ausatmen verschwimmen dabei sämtliche Trennlinien, die uns viel zu häufig im alltäglichen Leben beschäftigen.

 

buecherstapelEs gibt auf dieser Erde unendliche viele Möglichkeiten, ein menschliches Leben zu verbringen.
Unsere Gedanken treiben uns entweder durch Liebe oder durch Angst.
Ein Zustand, der mich umtreibt, ist immer gewesen, an meinem eigenen Platz zu sein. Damit meine ich , das zu SEIN, was in meinem Herzen liegt.  Mich ganz fühlen dürfen. Zu wissen, mir darf es gut gehen. In der Liebe, mit ihr und durch sie „gefeiert“ zu werden, als Mensch, der man ist – es gibt nichts Schöneres, als „sein Licht“ zu finden und darin auch von anderen erkannt zu werden. Gefeiert zu sein oder das Sein zu feiern. Sich zeigen und fallen lassen können, getragen von der Kraft der Liebe. Sich in das Große und Kraftvolle wie auch in die Schwachstellen, seine eigenen und die des anderen hineinzulieben. Selbst danach zu streben, den anderen in seinem Sein so wenig wie möglich zu stören, ihn in seiner Eigenart zu respektieren und zu unterstützen, seine eigenen Erfahrungen in der Welt zu machen, Aufmerksamkeit zu schenken. All dieses führt dazu, dass man sich „ganz“ fühlt. Danach streben  und jeden Tag ein wenig glücklicher sein. Seiner Lichtfülle Ausdruck geben. Allem Raum geben können, auch dem, was wir nicht verstehen. Es in unserer Liebe aufnehmen und sein eigenes Sosein leben.

 

Wir bewegen uns selten darauf zu, was uns Liebe schenkt. Stattdessen stellen wir Bedingungen, die erfüllt sein müssen, bevor wir aufeinander zugehen, entwickeln Lebensstile, füllen Bankkonten, lenken ab vom schlichten und vom wesentlichen Bedürfnis, gehalten zu werden. Darin sind wir wahre Meister. Wir kritisieren so gerne. Es sind  solche Sätze –  innere wie äußere Kritiker – wie „Du bist groß, überragst immer alle. Du bist zu perfektionistisch. Du klingst nicht sehr zuversichtlich. Du bist so impulsiv. Wieso kannst du nicht mal ein wenig weniger kontrolliert reagieren“, die uns bei diesem Gefühl, sich ganz zu fühlen im Weg stehen.  Hinzu kommen noch die Pauschalurteile: „Du bis ja immer…“ Wir urteilen nach äußeren Erscheinungen, erkennen zuletzt die inneren Qualitäten, das Licht und das wahre Sein.
Wir vergleichen uns mit anderen, statt uns selbst mit uns als jenen Menschen zu vergleichen, der wir  am Vortag waren. Eine großer Teil unserer Angst und inneren Unruhen stammt daher, dass wir in einer Kultur leben, deren Werte uns von der Essenz des Wesentlichen fernhalten. Innen wollen wir Frieden, außen wollen wir Erfolg. Wir wollen Aufmerksamkeit bekommen, obwohl das Geheimnis darin liegt, Aufmerksamkeit zu schenken. Selten denken wir darüber nach, dass wir unsere Worte nicht zurücknehmen können.  Und wundern uns dann, wenn Gesagtes ein kleines oder großes Echo bringt. Was nicht in Liebe und Wahrheit ausgesprochen wird, liegt dann wie ein Grauschleier in der Luft. Wir grenzen uns starr ab, schränken ein, drängen zurück, um mehr Platz zu haben.

Wir tolerieren gerne. Aber eigentlich tolerieren wir nur solange, es uns nicht weiter stört. Einlassen tun wir uns einzig auf jene, die wir wahrhaft kennen lernen wollen. Und selten wollen wir „das Andere“ kennen lernen und uns einlassen, mit Haut und Haar.  Wir dulden, aber ist ein Dulden  nicht eher Gleichgültigkeit?  Und Ignorieren ist auch noch keine Toleranz.  Toleranz gewährt man oder auch nicht. Heute hat Toleranz Argumente für den Respekt für „das Andere“.

Eine Maxime Goethes war sein Toleranzvorbehalt:  „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ Und so führt er weiter aus:  „Im Praktischen ist doch kein Mensch tolerant! Denn wer auch versichert, daß er jedem seine Art und sein Wesen gerne lassen wolle, sucht doch immer diejenigen von der Tätigkeit auszuschließen, die nicht so denken wie er.“

 

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Treffpunkt Leben.
Ein authentischer Mensch lebt im Einklang mit sich selbst. Sie kennen so eine Menschen vielleicht? Diese Menschen wirken echt, ungekünstelt, offen und entspannt. Ist man authentisch,  lebt man in Übereinstimmung mit seinen Werten. Ein authentischer Mensch löst bei anderen Menschen angenehme Gefühle aus. Er strahlt aus, das er zu sich selbst steht. Zu seinen Stärken und seinen Schwächen. Dadurch gibt er auch anderen das Gefühl, so sein zu dürfen wie sie sind. Menschen, die keine Fassade haben, ist man im Alltagsleben aufgeschlossener gegenüber.
Ein authentischer Mensch wird für uns erkennbar. Körpersprache, Mimik, Gestik stimmen überein. Stimmung und Wirkung passen. Je bewusster jemand seine Gefühle in den verschiedenen Situationen für sich selbst wahrnimmt, desto schneller und authentischer kann er reagieren. Einer seiner Stärken kann auch sein, sich seiner Schwächen bewusst zu werden und diese nicht jedem Menschen gegenüber oder in jeder beliebigen Situation auszuleben.

 

Auch unsere Persönlichkeit ist im Fluss.

Unserer Persönlichkeit ist kein zementierter Zustand. Panta rhei – alles fließt.

Ist ein Gefühlsausbruch authentisch? Ist ein Wutausbruch oder Weinkrampf authentisch? Ja, das ist es. Wenn Sie sich im Inneren eben in dem Moment genauso fühlen, wie es außen von Ihrem Gesprächspartner wahrgenommen wird. Nur, ob es immer für Sie von Vorteil ist, das gilt es zu bedenken.

Authentisch zu sein, bedeutet nicht Rücksichtslosigkeit. Es bedeutet auch nicht „Schuster bleib bei deinen Leisten“, weil uns Veränderungen Angst machen und wir uns von der Stresszone über die Panikzone schnellstmöglich wieder in unserer Komfortzone flüchten. Mit der festen Überzeugung: Es ist besser.  Das ist nicht mit Authentizität gemeint.
Zumeist sprechen wir jemanden authentisch, weil er oder sie sich gemäß unseren Vorstellungen verhält. Auch das ist nicht mit Authentizität gemeint. Alles vage und subjektiv.

„Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn verleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden. “ (F. Nietzsche)

 

Authentisch sein, bedeutet:

Der meint, was er sagt.
Der kennt sich aus mit seinen Schwächen und Stärken, mit seinen Gefühlen und Motiven.
Der weiß, warum er sich jetzt so und nicht anders verhält.
Der ist ehrlich. Wir Menschen neigen dazu, andere besonders kritisch, uns selbst aber mit einer rosaroten Brille zu betrachten. Ein authentischer Mensch geht seinen inneren Weg. Er weiß, alles was er ist, was er in sich  kennt und liebt, wird ihn unterstützen.

Dass, was Probleme macht, ist nicht, dass das Leben nicht einfach wäre. Was Probleme macht, ist das fehlende Vertrauen in das Leben.
Das Leben hat keine Probleme. Wir Menschen machen sie.

 

Mögen Sie sich!
Halten Sie sich bei Menschen auf, die sie feiern und wachsen sehen mögen.
Lieben Sie sich, um Ihrer Selbstwillen.
Gehen Sie ganz in Liebe auf.
Halten Sie sich an Ihren Füßen fest.

Es ist doch absurd, dass wir meinen, unseren Wert im Urteil anderer Menschen
zu finden, wir vergessen, wer wir wirklich sind und unser Glück außerhalb von uns suchen.
Im Einklang mit sich selbst, kommt man seinen Wahrheiten näher.

 

 Einfach Sein im Herzen.

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Das Risiko, berührt zu werden

Das Risiko, berührt zu werden

Foto: Dank an Naspr.

Uns selbst zu kennen, zu entdecken, wer wir sind, ist, als schlage man sich einen Weg den Berg hinauf durchs Unterholz.  Mich erstaunt es immer wieder, wenn ich neben jemand sitzen darf, der sieht, was ich gesehen habe. Und es macht mich dankbar und demütig, wenn ich auf einen Menschen treffe, der auch das kennt, was ich für meinen Weg und meinen Berg hielt.

Wir tragen ganze Welten in uns, während wir im Supermarkt aneinander vorbeidrängen, um die Zahnpasta aus dem Regal zu angeln.  Das ganze Drama des Lebens wühlt ins uns, während wir rennen, um die nächste Bahn zu bekommen. Wir brauchen nicht lange, um unsere emotionale Geschichte zu entwickeln.  Kindheit: Eine Hand rutscht jemandem aus, und die Angst vor der Liebe beginnt.  Eine Kritik an unserem Äußeren, ein scheinbar belangloser Satz einer Vertrauensperson, aneinandergereihte Wörter, die man ein ganzes Leben mit sich trägt- fehlende Selbstakzeptanz. Oft betrachten wir gerade das an uns falsch, das in Wahrheit Ausdruck unserer Individualität ist. Die meisten Beschreibungen unseres Charakters sind der Erwartungshaltung unserer Umwelt geschuldet.  Sie entwickeln ein Eigenleben wie im Märchen. Wir sind so durchsichtig und so undurchsichtig.

Deshalb ist es so kostbar, wenn wir jemanden zutiefst kennen. Es öffnet unseren Himmel.  Es nimmt den Druck vom Herzen.  Es lässt das Herz berühren. Es lässt den  Wind über dem Meer erklingen.

Während wir gehen und wagen, wir selbst zu sein,  gehen andere auch. Dessen sollten wir uns bewusst sein.
Erkennen können wir andere nur, wenn wir wagen, wir selbst zu sein. Dem Blick der anderen begegnen und erkennen, dass sie ebenso tief sind wie du. Eine mitfühlende Hand ausstrecken, andere in uns hineinlassen, fühlen, den Balsam der Berührung zulassen, vorausgesetzt man trifft noch auf Menschen die berühren mögen –  im Zeitalter von facebook und twitter scheint eine Freundschaftsgeste ja schon ein vorgefertigtes Plakat mit schlauen Worten zu posten. Von dieser Art von „Schein- Berührung“ schreibe ich hier nicht.

Unter all den Ängsten und Sorgen vor Verletzung, Zurückweisung oder Ausgenutztwerden, unter der Lawine von Ausreden und Erklärungen, w arum es jetzt gerade nicht geht, sitzt irgendwo ganz tief in uns der Impuls, dass wir einander brauchen, um uns heil und ganz zu fühlen.

Das Geschenk der Berührung. Eine kleine zarte Fingerspitze an Berührung befreit das Herz von seinem Druck. Eine winzige kleine Geste, eine Berührung kann  Welten verändern. Ein Hinhören, ein Zuhören, eine Umarmung, Einander durch Berührung verstehen – das funktioniert. Das Herz kommt am besten in Gesten zum Ausdruck.

So einfach ist das.

Das Drehtablett-Selbst

Das Drehtablett-Selbst

Die wichtigsten Dinge in unserem Leben beginnen so weit drinnen, dass wir sie zunächst kaum selbst hören. Oder wir halten sie so sehr versteckt, dass sie kaum wachsen können und eignen uns stattdessen ein Drehtablett-Selbst an.
Sie kennen kein Drehtablett-Selbst? Jahrelang anderen die Seite zudrehen, die sie verstehen können. Anderen immer das anbieten, was sie wünschen, was sie brauchen oder was ihnen angenehm war. Darin so richtig gut werden: in einer Gruppe, neben dem Partner, dem Ex-Partner, vor den Eltern, dem einen Freundeskreis und dem anderen, am besten gleichzeitig, um möglichst vielen alle Bedürfnisse zu erfüllen. Selbstlos, eifrig Zuhörer, zuverlässig und großzügig, dabei immer mehr vom eigenen Selbst verbergen. Anderen nur die ihnen angenehmen Teile von mir zeigen, ist etwas anderes, als mir treu zu sein. Der Preis: ein subtiles Leben voller Lügen, an dem man dauerhaft – mindestens – spirituell zu ersticken droht. Da nützen einem die Wellen und Weite eines Ozeans dann auch nichts. Aus dem Wechsel seines eigenen Gesichtes eine Kunstform zu machen, auch wenn an allen Gesichtern etwas Wahres dran ist. Angst vor Konflikten. Angst vor Zurückweisung. Angst, nicht geliebt zu werden. Angst, zu zeigen, was vielleicht niemand verstehen würde. Ein Mangel an Vertrauen, dass die Blume in mir da draußen überleben würde. Sich wie ein Drehtablett verhalten. In dem Moment, wo nicht alles von uns „gespielt“ wird, entsteht Unheil. Wir lassen erst dann los, wenn wir unsere Egos erschöpft haben. Wenn das Wasser durch die Fenster drückt oder man bereits auf dem Dach seines Hauses sitzt, weil man zu ertrinken droht, schimpft und sich bei anderen beklagt, sie gar noch dafür verantwortlich redet,  warum man nicht gerettet wird. Weggehen. Gehen bis man nirgendwo mehr hingehen kann und sich auf das Warten einlassen muss.  Warten auf das, was in der Tiefe auf einen wartet.

Kein Vogel kann fliegen, ohne seine Flügel auszubreiten. Und kein Mensch kann lieben, ohne sein Herz zu zeigen. Das ist vielleicht einer der ältesten inneren Gesetze, so unausweichlich wie die Schwerkraft. Da können noch so viele scheinbar schlaue Argumente hervorgeholt werden, hinter denen man sich verstecken mag. Es stimmt, junge Vögel zögern, bevor sie das erste Mal aus dem Nest springen, doch wenn sie die freie Luft erst einmal gekostet haben, breiten sie ihre Flügel aus. Sie haben das Vertrauen gefunden, die Kraft, abzuheben und zu landen. Bei uns Menschen bilden sich die Flügel nur, wenn wir das Herz öffnen.

In diesem Sinne
Licht und Liebe, in memory an J.O.

Liebe oder Angst

Liebe oder Angst

I would have given you all of my heart, but there’s someone who’s torn it apart
And he’s taking just all that I had…Sheryl Crow...But if you wanna try to love again
Baby, I’ll try to love again, but I know The first cut is the deepest, baby, I know…..ein paar Sekunden stiere ich wie hypnotisiert auf das Radio.
Angetrieben von rechtschaffener Empörung und lauwarmen Latte klammere ich mich am Kühlschrank fest. „Ich glaube es einfach nicht“, platzt es aus  mir heraus. Was mögen denn die Männer, Väter, Söhne, Jungs ingesamt –  Autos, Frauen, Macht, Skat, Essen, Trinken,Freunde,  Fußball, Sex.“
„Hä?“ Verwirrt schaut Önnemarie mich an.
„Was ist das Wichtigste in einem Menschenleben? Sag du es mir! Juan. Er hat so getan, als sei er zu Hause, dabei sitzt er vierhundert Kilometer entfernt bei seiner Freundin. Wandelt einstige Liebeleien in Freundschaft um“, erkläre ich.
Wie ich Önnemarie kenne, wird sie einiges dazu zu sagen haben. Gespannt erwarte ich ihre Reaktion.
Sie runzelt die Stirn. Und dann sagt sie unerwartet, nur zwei Worte. Aber das genügt, um meine ganze Welt auf den Kopf zu stellen.
„Welcher Juan?“
Ich schaue sie völlig verdattert an und weiß gar nicht, was ich sagen oder tun soll.
Und dann fällt plötzlich der Groschen. “ Oh! Ha, ha, ha…sehr witzig“, sage ich ehrlich erleichtert.
Ich lasse den Kühlschrank los. Klar, ich soll ja nicht mehr über Juan reden. „Ich soll so tun, als gäbe es ihn nicht, stimmt`s?“
„Als gäbe es wen nicht?“
„Ich weiß, ich weiß“, meine ich, „aber können wir damit mal kurz aufhören?“
„Aufhören womit?“, sagt sie, als hätte ich keinen Schimmer, was ich da rede.
Hör zu, danach rede ich nie wieder über ihn, versprochen“, sage ich und schiebe einen der Küchenstühle gleich neben ihren.
Kein „Nein, im Ernst!“. Keine Gesamtanalyse. Önnemarie runzelt erneut die Stirn. „Wovon redest du bitte?
Hast du von dem Fruchtpunsch getrunken?“, frage ich angesäuert.
„Was zum Teufel ist in dich gefahren?“, kontert sie.
„Was in mich gefahren ist? Du kannst dich nicht an Juan erinnern?“
„Weil du nie einen Freund mit Namen Juan hattest!“, sagt sie.
Darauf fällt mir nichts mehr ein. Aber nur eine Sekunde lang. „Das ist nicht witzig“, sage ich.
„Sehe ich so aus, als würde ich lachen?“ Sie balanciert die Tasse Tee auf einem Knie.
„Ach, hör doch auf“, meine ich und verschränke meine Arme vor der Brust. . „Im Ernst! Wie kannst du so tun, als würdest du den Mann nicht kennen? Ich hatte nach vier Wochen des Kennens mit einem Liebesbrief von ihm gerechnet. Aber auf so eine Lüge war ich nicht vorbereitet.  Leider kein Umschreiben der Geschichte möglich. Ähm, Augenblick mal, könnten wir das nochmal zurückspulen. Die Erkenntnis versetzte mir eine schmerzlichen Stich. “
Ich spitze die Ohren und lausche auf verräterische Geräusche.
„Tut mir leid, Martina. Da komme ich nicht mehr mit.“
„1.79 cm groß, längere blonde Haare, das süßeste Lächeln von Welt. Voller Stolz und Anmut.“
Abermals ausdruckslose Miene.
„Sehr gut aussehend“, füge ich hinzu.  Siegesgewiss renne ich an meinen Computer, trage ihn in die Küche und knalle ihr den Rechner vor die Nase. Ich klicke meinen Laptop aus dem  Johny-Depp-Bildschirmschoner-Schlafmodus wach.
„Ich habe hunderte Fotos auf meinem Laptop“, erkläre  ich kurz und bündig.
Nur da finde ich kein Foto. Ich schaue Önnemarie an. Sie bedenkt mich mit einem Blick, als wollte sie sagen: Hab ich dir doch gleich gesagt.
„Ach…ja klar, hab`ich auf die externe Festplatte hinübergeladen“, stammele ich.
„Wie du meinst“, entgegnet sie. “ Martina, denke an diesen Tag. Denke an jeden Tag als einen Tag des Lernens. Als eine Chance zu lernen und dem Geist neue Horizonte zu eröffnen.  Schaue auf deine Visionen. Auf eine neue, starke Weise. Heute. Liebe oder Angst, Martina. Was ist das Wichtigste in einem Menschenleben? “
„Was das Wichtigste im Menschenleben ist? Ähm….nun, wann immer sich die Menschen von der Liebe trennen, scheitern sie“, erwidere ich und muss mit meiner miserablen Laune zum Trotz lachen.  Es ist doch so: Man wird vollgestopft mit Wissen. Das Motto: ‚Teile und Herrsche‘ regiert die Welt. Wir leben abgetrennt von der Natur und von uns.  Am Ende versklaven wir uns selbst.  Man flösst uns ein, wir seien schwach und machtlos. Das alles ist vermutlich eine große, fette Lüge. Es gibt keinen Grund. Weshalb sollte ich nicht mächtig sein?
Und überhaupt! Was ist ein Menschenleben? Die ersten 30 Jahre versucht man etwas zu werden. Zunächst  ein gutes Kind, dann ein guter Schüler, ein guter Auszubildener, ein guter Berufstätiger, eine gute Ehefrau, ein guter Ehemann.  Alles, was ich aus diesem Blickwinkel sah, war: es ist nicht okay,  wie ich bin. Ich musste gut werden. Sie, liebe Leser, vermutlich ebenso.
Irgendwann begriff ich, dass ich das Spiel nicht verstanden hatte. Das Spiel ist: herauszufinden, was ich bereits bin.

Ich bin nicht als Martina geboren, sondern als Mensch. Ich lernte, wer ich bin, ob ich gut bin oder böse, erfolgreich oder nicht.  All das ist angelernt. Du siehst jemanden an und es heißt: schlauer, dümmer, älter, jünger, ärmer, reicher. Wir machen all diese Unterscheidungen, um Menschen in Kategorien einteilen zu können und sie dementsprechend zu behandeln. Wir betrachten die Menschen als von uns getrennt, weil wir nur das wahrnehmen, was uns von ihnen unterscheidet.

Eine der dramatischsten Erfahrungen ist es, mit einer Person zusammen zu sein und dann plötzlich zu erkennen, wie sehr sie dir gleicht und nicht anders als du ist.  Man erlebt, dass das Wesentlichste in dir undmir in der Tat ein und dasselbe ist. Man versteht, dass es überhaupt kein „anders“ gibt.

Es ist alles eins.

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Das Leben ist wie eine Fahrt in einem Vergnügungspark. Wenn wir die Fahrt beginnen und denken, es wäre die Realität, dann ist unser Gehirn problemlos in der Lage, es real erscheinen zu lassen. Die Fahrt geht hoch und runter, hin und her, mal Nervenkitzel, mit kalter Schauer. Sie ist sehr hell und in Farbe und es ist ziemlich laut – und es macht Spass – eine Weile lang. Man fragt sich. Ist das echt, oder ist das nur ne` Fahrt?  Andere sagen: Macht euch keine Sorgen und habt niemals Angst, denn das ist nur ne` Fahrt. Und wir bringen diese Leute um. Bringt ihn zum Schweigen! Ich hab in diese Fahrt investiert! Schaut Euch meine Sorgenfalten, mein dickes Bankkonto und meine Familie an, das muss echt sein.

Es ist nur eine Fahrt. Es ist nur die Wahl. Aber das macht nichts, denn es ist nur eine Fahrt, die wir jederzeit ändern können. Es ist nur die Wahl. Kein Aufwand, keine Arbeit, kein Job, keine Ersparnisse.

Nur die Wahl, hier und jetzt, zwischen Angst und Liebe.

UNSER EGO

Das Ego-Bewusstsein ist dabei der größte Betrüger , den man sich vorstellen kann. Weil man es nicht sehen kann. Und der größte Betrug dabei ist: Ich bin Du. Das Problem ist, dass das Ego sich da versteckt, wo man es am wenigsten erwartet. In sich selbst.
Es verkauft seine Gedanken als die Ihren. Seine Gefühle als die Ihren. Sie halten es für Ihr Selbst. Menschen verteidigen ihr Ego ohne Grenzen. Sie werden lügen, betrügen, stehlen, morden, um ihre Ego- Grenzen zu behalten. Die Leute haben keine Ahnung, dass sie im Gefängnis sitzen. Man realisiert nicht, wie durchtrieben das Ego wirklich ist.  Durch die Erfindung dieser ur-eingebildeten Abgrenzung entstehen dann echte Feinde. Etwas wie einen äußeren Feind gibt es aber nicht. Egal, was die Stimme in ihrem Kopf mir oder  Ihnen sagt,  Alle Feindbilder, die wir haben, spiegeln nur die Ängste unseres Egos wieder. Den Feind in uns.
Dein größter Feind ist dein eigene Selbstwahrnehmung, deine eigene Ignoranz, dein EGO.  Raum und Zeit sind eine Illusion der Wahrnehmung, sagt die Quantenphysik. Ein spirituelles Band hält hingegen die Welt, uns Menschen zusammen. Es erklärt Phänomene wie die Reinkarnation, Deja-vu, Karma-Gesetze.  Bewusstsein formt  Realität.

to be continuued…