tueren oeffnen
Foto: E.Faccetti, merci,thanks,danke.

 

Solange ein Mensch redet,
solange kann er nicht einatmen.
Und so opfert er den Atem in die Rede.

Solange ein Mensch einatmet,
solange kann er nicht reden.
Und so opfert er die Rede dem Atem.

 

Ganz backsteinartig überkamen mich diese Gedanken, als ich gestern am Meer saß.  „Komm in den Wind“, rief es in mir und so bewegte ich mich auf ihn zu. Nein, nein, verschütten konnte er mich nicht. Doch stritten wir sehr wohl um den Vorrang.  Herzbeglückend. Die Natur spüren. Das Rauschen des Meeres. Sich näher bei seinen Wurzeln fühlend. Die Leichtigkeit des Daseins spüren.  Der Wind, der Wind als Weltodem,  der An-sich-Raffer. Wolkenwasser. Meereswasser. Wenn das Wassser austrocknet, so geht es in den Wind ein. Ebenso geht das Feuer  in den Wind ein. Wenn wir tief schlafen , gehen wir auch in den Odem ein.  Dies sind die großen Verbindungen.  Na jedenfalls liefen gestern  ein paar  Naturkräfte  am Meer zusammen. Ich lachte und genoss diesen lebenskräftig spielenden Wind voller Herzensfreude.

Das Resultat dieses Zusammenlaufens ist dieser Text.

Puste, Hauch. Atem = Odem. Sie wissen schon, der Hauch des Lebens.  Sinnbildlich steht Odem für den lebendigen Menschen. In allen Kulturen bekannt, ob als Prana,  Mana, Lebenskraft, Pneuma, Ruach, Qi… Das Leben (Odem) gibt das Leben, gibt es zum Leben.
Der Megakracher sag`ich ihnen. Die Rede ist von der Energie, jener Kraft, mit der wir überhaupt nur in der Lage sind, aufzustehen. Eben genau: Das Nichttotsein in dieser Welt. Sie ist es, die uns umspannt und aufrichtet. Also ganz sicher ein überaus unterschätzter Teil unseres Daseins, doch so wichtiger Teil unseres Selbstes. Der Hauch des Lebens ist in uns hineingeschüttet. Es ist noch komplexer, aber das soll an anderer Stelle erzählt werden.

maedchenmilch_klein2Wir atmen. Wir reden. Wir essen. Die drei Hauptgebiete dieser Welt. Und was sonst noch für kraftanstrengende Tätigkeiten. Das Reiben des Feuers und das Laufen um die Wette gehören auch dazu. Und ständig denken wir an unsere Wünsche. Dann ist da noch Hoffnung, dass sich der Wunsch erfüllt. Und da oben glüht die Sonne. Sie geht auf und verscheucht das Dunkle. Eine uralte Geschichte, die ich Ihnen gerade erzähle. Wahrlich.

 

Unsere Sinnesobjekte sind abhängig von unseren Sinnesorganen und diese wiederum von jenem Lebenshauch, vom Prana und von unserem Bewusstsein, dh. dem Prinzip des bewussten und unbewussten Leben.  Wenn wir etwas nicht riechen, also einen Geruch nicht zum Bewusstsein bringen,  sagen wir, ich war gedanklich anderswo. Unser  Geist war anderswo, darum bin ich mir jenes Geruchs, jenes Tones, jener Gestalt, jener anderen Sache nicht bewusst geworden.
Wonnig was. Der Lebenshauch, jener Atem, jenes Lebensprinzip liegt inmitten unseres bekannten Lebens, aber wir erkennen ihn nicht sofort als Hauch in unserem Munde und auch nicht als Tor  zu unserem Selbst. Das geschieht eher so, wie man einen Fisch im Wasser erspäht. Mit diesem  besonderem „Hauch“, „Lebensatem“, jenem „Prana“ unterscheidet man nicht in schmeckt und schmeckt nicht. Das ist ein Teil unseres Selbstes ,von dem die Selbste unserer Organe abhängig sind, wie von einem Prinzipale seine Leute. Denn wie der Prinzipale seine Leute ernährt, ernährt unser Bewusstsein-Selbst jene Selbste der Organe. Es ist eine lebende Kraft in uns.   So viel an dieser Stelle in bezug auf das Selbst und jene Lebensenergie. Sie werden sich eines Tages noch wundern, wenn Sie erkennen, was Sie vor allem sind und was Sie eigentlich nicht sind, aber gerade vorgeben zu sein  oder sein zu wollen.

 

windLanger tiefer Atem.
Mit dem Atem vermögen wir immer tiefer in unsere häufig verborgenen Gefühle vorzudringen, in unsere  innewohnenden Gedanken und inneren Bilder, derer wir uns darüber bewusst zu werden vermögen.

  • Erkenntnis 1: Wir müssen gar nicht  Lippenstift  Marke X auf unsere Lippen legen,  uns mit  Modemarken und Prestige-Aktivitäten unser Leben zuschütten.
    Es reicht das Erkennen.
    Aus dem Erkennen erwächst -bestenfalls – ein entsprechendes Handeln.
  • Erkenntnis 2: Wir können vielleicht auf ein paar Organe verzichten, aber auf den Lebensatem  sicher nicht.
  • Erkenntnis 3: Wir sollten bewusst wählen, was dasHeilsamste für uns Menschen und  für diese Welt ist.Kaufen, kaufen, kaufen? Haben, Haben, Haben? Knausern? Knausern? Knausern?
    Oder Erkenntnis?

Stellen Sie sich vor. Es gäbe nur SIE als Menschen, dem die ganze Welt gehöre. Fühlen Sie sich hinein, bitte.
Nur SIE. Ganz allein. Sie sind Unendlichkeit. Und das änderte sich nie.
Wie gelassen wären Sie wohl?
Wie unbewegt in sich selbst.
Der Mensch allein  ist gelassen.

Erkennen.
Sich selbst erkennen.
Die Prinzipien des Unbewussten und Bewussten erkennen.
Diese Welt erkennen.
Wahrheiten erkennen.

 

Wahr ist, wir sind in etwas gewurzelt. Das Hervorwachsen möchte ich erkennen.

Wahr ist, Liebe ist eine Macht.
Wahr ist, geliebt zu werden, schenkt Kraft.
Wahr ist, zu lieben, schenkt dir und anderen Kraft.
Wirst du geliebt, fließt Energie zu dir.

Wahr ist, jede Form von Aufmerksamkeit lässt Energie fliessen.

Die Aufmerksamkeit muss nicht zwingend liebevoll sein. Kinder und Egozentriker wissen, wie sie sich Aufmerksamkeit verschaffen. Sie entwickeln Strategien, die ihnen die lebensnotwendige Aufmerksamkeit, also Energie, möglichst zuverlässig sichern. Der eine ist schön, ihm ist die Aufmerksamkeit gewiss.  Schicksal. Nur was, wenn er oder sie  in unserem Wertesystem nicht mehr als schön gilt? Der Nächste singt auf der Bühne. Der Dritte ist ständig krank. Aufmerksamkeit ist allen gewiss, Energie ebenfalls. Der Nächste ist ständig fies und nervt. Ein Anderer verspricht ständig etwas zu tun, tut es dann aber nicht. Aufmerksamkeit ist ihnen gewiss. Für den kleinen Hunger zwischendurch, greift er darauf zurück, sich stundenlang zu verspäten, sodass du permanent sorgenvoll an ihn denkst. Wieder ein anderer bricht grundlos in Tränen aus oder bezieht – die Aufmerksamkeit nicht erhaltend – beleidigt nur noch seine Freunde in alle seine Vorhaben und Gespräche ein, die eigentlich dazu dienen sollen, den anderen zu verletzen. Doch letztlich nur dazu dienen, dem Verletzer Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Wahr ist auch, so flüsterte es mir ein weiser Mensch in mein Ohr, Raubtiere sind nur so lange zahm, so lange sie krank sind. Sobald man sie gesund gepflegt hat, rennen sie in ihr wildes Revier zurück.

komfortzone

Wahr ist, Geliebtwerdenwollen kann jeder.
Und will jeder. Lieben hingegen ist eine Kunst. Gelegentlich wird man auf Menschenliebe treffen. Aber machen wir uns nichts vor.  So ganz verlassen wir die Ich-Arena nie.  Nur ganz frische Kinder haben kein Ich. Wären da nicht ausreichend Eltern, die ihren Kindern das Ego mächtig stärken und sie nicht selten mit einem falschen Selbstbild auf das  Leben in einer Kultur der Zerstreuung vorbereiten. Unterhalten zu sein, wird von entscheidender Bedeutung. Das Leben lärmt. Das Hören der inneren Stimme wird dabei zur größten Nebensache. Das Ich will dann wissen, was es alles darf und wird zum Kontrahenten der Seele.
Wir sollten uns keine Macken schön-gucken, nicht die eigenen noch die anderer.

badenWahr ist, granatenartig treffen uns mitunter Schicksalsschläge.
Wir nehmen sie zumeist sehr persönlich. Wir verlieren Herz, Job, Geld, unsere Bewegungsfreiheit, geliebte Menschen. Selten schauen wir darauf, dass  Vieles  an uns vorbeizieht und andere trifft. Tot, krank, kaputt, hungrig und unglücklich ist für die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt der Normalzustand. Häufig erinnern wir uns erst nach Eintreten des Schicksalsschlages an unser bisherig glücklich geführtes Leben und wollen schon gar nicht das Glück nah dran sehen. Schon mal darüber nachgedacht in Ihrem  Leben voller Bitterkeit und Selbstmitleid? Von 10 Menschen, die in einer ungeheuer komfortablen Situation leben,  sind vielleicht 9 in ihrem Leben nie geliebt worden.


Energie.

Weichen Sie mal einer fordernden Hand aus. Bringen Sie sich mal aus der Schusslinie. Dann spüren sie jene geballte Ladung Energie, von der ich hier schreibe.
Wir alle leben davon. Wir entscheiden, welchen von ihnen wir Energie geben möchten, die sie unausgesprochen von uns verlangen. Einer, der Energie empfängt, ein anderer, der sie ausstrahlt. Ohne unsere Einwilligung fließt keine Energie von uns zu anderen.
Null, nada, zero.

Weisen Sie jemanden darauf hin, seine  speziellen Tricks durchschaut zu haben. Vielen Dank. Es ist garantiert das Ende jener Beziehung.  Was durchaus nicht immer schlecht ist, aber auch nicht immer wünschenswert. Wenn der Energiesuchende selbst Energie aufwenden muss, um an seinen Stoff zu kommen, sucht er sich meist in Windeseile einfacher anzuzapfende Quellen.
Die Quantenphysik erklärt es uns doch seit einigen Jahren: Entscheidend, ob Welle oder Teilchen ist,  ob das Licht beachtet respektive beobachtet wird. (also man seine Aufmerksamkeit zuwendet) Denn Elektronen sind auch nur Menschen, vice versa: Sie verändern ihr Wesen, wenn man sie beobachtet.
Durch Aufmerksamkeit fließt Energie. Von dem, der aufmerksam ist, zu dem, dem die Aufmerksamkeit gilt.
Erstaunlich, dass wir Menschen so wenig darüber wissen, was diese Erkenntnis für unseren Alltag bedeutet.

Immerhin: Ich weiß es jetzt und Sie doch jetzt auch, oder?
Ich haushalte jetzt mit meiner Energie. Nichts spricht dagegen, sie bis zur Erschöpfung herzugeben, aber ich sollte wissen, warum ich es tue.
Am besten nämlich freiwillig.
Die Natur sucht immer nach ausgeglichenen Verhältnissen, nach Balance.
Die ökonomische Variante bei uns Menschen ist nicht selten die, sich einem Menschen anzupassen, statt sich um die Erhöhung des eigenen Niveaus zu bemühen, holt man den anderen lieber auf das seine herunter. Die Überlegenheit eines anderen zu akzeptieren, damit tun wir uns schwer. Überlegenheit ist potentielle Macht. Macht auch über uns selbst, also Selbstschutz. Leider tun wir das gern im Sinn des Überlegenen und selten im Sinn der Sache. Seien Sie  so wachsam wie nur möglich bei jemanden, der sich Ihnen unterlegen fühlt und am breitesten grinst. Sie werden fast ausnahmslos versuchen, die Machtverhältnisse für sich günstiger zu gestalten. Und werden dabei selten mit offenen Karten spielen. Oh, sie können auch großzügig sein, aber wundern Sie sich nicht, wenn die Affen auf Ihrem Tisch tanzen.

 

maedchenköniginWir sind die Stars unseres Lebens.
Alle anderen sind nur unsere Statisten. Wir besetzen unseren Lebensfilm mit Rollen und Nebendarstellern. Wir sind der „Leading Character“ mit allen Szenen. Wir verschaffen anderen Menschen die Hauptnebenrolle in unserem Lebensfilm. Wir suchen uns jemanden, der uns anrempelt, der selbst Star in unserem Film sein will, der sich zwei unbedeutende Szenen in unserem Leben einholt. Kurz ins unser Leben gerät und spielt als sei er der Star und eigentlich selbst in seinem Film die Hauptrolle spielt. Sie verlangen nach ihrem eigenen Wohnwagen und erscheinen ständig zu spät am Set. Ist keine große Sache für sie, dieser Film. Ist ja nur deiner. Sie wissen um dein großes Herz für jede Kreatur, die da Geräusche macht.

Ein „Ich liebe dich“ ist dann der Selbstgänger.  Insistierend gefordert von einem Menschen, der von der „bedingungslosen Liebe“ träumt. Stirnrunzeln von meiner Seite.
„Welches Wort in dem Satz hast du nicht verstanden?“
Alle drei. Was meinst du mit dem ICH?. Was mit liebe? Und was mit dich?

Mir sagte jüngst ein sehr weiser Mensch: „Liebe entsteht aus Reichtum. Verliebtheit aus Mangel, liebe Martina. Liebe kennt kein Ego. Verliebtheit kennt nichts anderes. Wer den Unterschied nicht kennt, geht mit einem Sneaker  links und einem Stiletto-Schuh rechts aus dem Haus und hadert auf seinem ganzen Lebensweg mit durchgehend schief gepflasterten Gehwegen.“

Verliebtsein fällt für mich jetzt unter Geisteskrankheiten. Verliebtheit ist ein fieser Virus. Wer Glück hat, wird irgendwann wieder gesund und kommt zu Kräften. Verliebtheit ist garantiert ein Unterbrecherschalter für den Verstand. Andererseits, ohne Verliebtheit sähen wir die Welt klar. Womit wir für den Rest der Welt komplett verloren wären. Würden wir uns genügen, wären wir wunschlos glücklich, verliebten wir uns vermutlich nicht. Niemals.

Einatmen. Luft holen.

Das lateinische Wort Inspirare  meint zu deutsch Einhauchen, Einatmen.
Zufall ist das sicher nicht. Atmen wir richtig tief durch, purzelt plötzlich die Inspiration.

Und auch die Erkenntnis.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wieso es  beruhigt, wenn man durch das linke Nasenloch atmet? Wieso kann das Singen von vier einfachen Silben einen in einen Zustand der Ausgeglichenheit versetzen?

Atem ist Leben. Feuer stirbt, wenn es nicht entflammt. Unser Lebenshauch geht in den Wind, aber er geht deshalb nicht verloren. Mitnichten.Yoga ist nicht grundlos die Tankstelle für viele Menschen. Das Wort bedeutet Verbindung. Es macht uns bewusst, was im eigenen Herzen wohnt. Falls sie zerstreut umherlaufen, suchend bei Wohnungsämtern und Immobilienmaklern und Ihr Zuhause einfach nicht finden, atmen Sie tief ein. Weben Sie sich in den Lebenshauch ein, in die kosmischen Erscheinungen, deren Teil wir sind. Die Jahreszeiten, der Regen, die Sonne, der Mond, der Ozean, die Weltenräume, die Erde, der Himmel, der Luftraum, der Wind, die  Vögel, die Haustiere, die Sterne.

Erkennen.

miki asai foto

Die Türen zur Welt des wilden Selbstes sind nur wenige, dafür aber sehr besondere.
Haben Sie eine tiefe Narbe, ist es eine Tür. Wenn Sie sich nach einem tieferen Leben, nach einem erfüllten Leben, nach einem gesunden Leben sehnen, ist es eine Tür.

Heben Sie den Schleier, der das Herz verdeckt,  dort finden Sie, was Sie suchen.
Atmend.

 

 

 

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Aufrichtig sein

 

 

 

martina1

 

Am Ende reicht es nicht, zu denken, was wir wissen. Wir  müssen es leben.
Das in uns Lebende mit unserem Alltag in Einklang bringen – erkennen als die tiefste Art von Schwerkraft.

Einatmen.
Die Dinge sehen, wie sie sind.
Ausatmen.
Darauf vertrauen, dass du wissen wirst, wann und wie du handeln musst.

Präsenz zeigen.

Bunter Faden Leben

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Ich bin gesegnet.
Ich bin überhaupt noch nicht fertig mit Leben – das Leben schreibt weiter.  Durchaus, vieles schwebt unsortierbar im Kopf herum – wenig Festhalten können – sehr gut. Manchmal leide ich auch an mir, an meiner gleichzeitigen Sehnsucht nach Unterwegs-Sein – und Ankommen-Wollen. Ich lächle dann irgendwann und sage mir: Martina, das ist der Grundwiderspruch deines Lebens, der sich vermutlich nicht auflösen lässt. Und ich weiß wohl auch,  ich möchte mich gar nicht von allem befreien, was mein Leben einkerkert.
Vom Ufer der Rollenerwartungen abgefahren — hinaus in das offene Meer begab ich mich vor vielen, vielen Jahre auf Entdeckungsreise, um nach meinen heilenden und magischen Kräften in mir selbst zu suchen. Weisheiten, Erfahrungen, alle mit Energie geladenen Stellen in mir aufspüren wollend. Schwitzkuren dabei aushalten. Lernen, meinen Gefühlen zu vertrauen. Sammeln: Zuhören, Vergnügen, Trost, Kraft, Freude, Weisheit, Schweigen, Frieden, lachen, träumen, denn Träume machen stark, ja, auch  in die Irre gehen, überzeugt sein von einer Sache, in Cafe`s sitzen, wo Leute das Brot brechen und sich Geschichten erzählen, mitunter auch zur falschen Zeit am falschen Ort sein,und immer wieder ins Leben zurückkehren. Manchmal dem Willen Vorrang gegeben. Doch jetzt mehr und mehr vom Herz und der Seele leiten lassen. Und all dieses als meine Vergangenheit mit all ihren Lektionen respektieren. Der Mensch werden, der ich heute bin, in einer Welt, einer Wirklichkeit, die letztlich nach ganz wenigen Gesetzen funktioniert.

Kürzlich hat mich jemand gefragt, warum ich schreibe? Ich war leicht verblüfft über die Frage und zuckte etwas ratlos mit den Schultern.
„Hören auf das, was in mir ist. Etwas, was ich tun muss.“, waren meine spontanen Antworten.
Warum schreibe ich?

Manchmal bin ich wenig bei mir und das Schreiben bringt mich zurück. Im Schreiben kann ich mit mir so umgehen, wie ich es will und wie es im Leben da draußen oft nicht möglich ist. Selbstheilung, Selbsterkenntnis. Beim Schreiben muss ich mehr nachdenken. Geschriebene Worte sind nicht so flüchtig wie es gesprochene Worte sein können. In einer Unterhaltung mit Menschen geht es im Gespräch sehr häufig um Gewinnen und Verlieren  wer behält Recht?  Gedanken fliegen hin und her statt im Miteinander – vom – anderen – Lernen. Mit wem kann man schon im Gespräch schweigen?

Ich dachte nach und je weiter ich zurückging in meine Vergangenheit, desto klarer wurde mir, dass ich schon als kleines Mädchen viel schrieb, einen ganzen Schrank voller Tagebücher. Uuh, und ich blinzelte später dann auf so manche Zeile und dachte nur, oh wie peinlich, was hast du damals nur gedacht?… Aufsätze liebte ich im Unterricht. Berichtshefte bereiteten mir keine Mühe. Ich schrieb die Schreiben für andere, die Bewerbungen für andere, Geschichten um Filme herum, beruflich landete ich in der Schreibwelt. Und manchmal komme ich gar nicht mehr mit meinen Gedanken hinterher und stehe dann vor einem zehnseitigen Brief. Erschöpft davon, als hätte ich einen Tageslauf gemacht. Leer geschrieben. „Ich schrieb ja immer scho-ooonnn“, sagte ich, selbst höchst verblüfft darüber.

Das, was ich schreibe, ist ein Stück von mir. Schreiben ist auch der Versuch damit auf das zu hören, was in mir ist. Es hilft mir, mich ein bisschen besser zu verstehen. Oft ist es nicht fertig, aber das bin ich ja auch nicht.
Worte mit ihren Bildern sind mir wertvolle Begleiter in meinem Leben. Und ich bin glücklich, wenn sie auf jemanden treffen, der sie versteht. Also fühlt, was ich gefühlsmäßig schreibe. Ich mache mich mir selbst gegenüber  – ganz für mich alleine-  verbindlich.

Manchmal schreibe ich in der Nacht. Ich sammle die Gedanken des Tages, sortiere sie – Schreiben ist also auch eine geschriebene Form des Nachdenkens. Schreiben bringt Ordnung in mein Kopf-Chaos. Ich sehe die Schaumkronen auf dem Meer und fühle das Blau. Ich werfe mich in etwas hinein.
Schreiben tut mir einfach gut. In der Sprache ist alles möglich. Da können Figuren verschwinden und wieder auftauchen, völlig Absurdes, was man auschreibt, und dann plötzlich führt es einen ganz woanders hin und man lässt sich ziehen. Zumeist weiß ich nur sehr vage, was ich schreibe…

Wenn auch vage, es fühlt sich immer an, als zöge ich einen Kreis um mich, als wolle ich mir ein Stück Autonomie damit sichern… Puh, ja darum schreibe ich wohl auch.

Schön, dass Sie mir zugehört haben.

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Übung für das Wunderbare

Übung für das Wunderbare

 

 

Der dunkelrote Saft einer Brombeere spritze mir windschnittig ins Gesicht.
Nah eines Baumes stand der Grillmaster: Brunhilde mit einer Taschenlampe im Mund und garte Potatoes und Tomaten. Da standen wir nun auf einem Stückchen Wiese im Dunkeln. Als endlich der Grill feuerte, war es bereit zehn. Zwischendurch katapultierten sich die Sterne nach oben. Ich konzentrierte mich in meinem knautschigen Pullover auf meine Beere.  Der schwarze Himmel mit seinen Lichttupfern gab ganz schön an.
„Ahhhh, schnell noch genießen. Wie unglaublich klein wir doch sind angesichts so unvorstellbarer Dinge wie Spiralgalaxien, elliptischer Galaxien und irregulärer Galaxien“, sagte ich und staunte dabei in den Himmel.

„Ach Martina, dass etwas existiert ist ein ebensolches Wunder, wie dass alles andere existiert. Nimm die Beere, in die du gerade genüsslich beißt. Sie gehört zu den ältesten Arzneimitteln in Europa und Vorderasien. In Holland und Frankreich sind sie heute noch offizielle Heilpflanzen. Im Krieg sammelten wir die Blätter als Ersatz für Schwarztee für Altersheime. Und wir taten damit etwas ausgesprochen Gutes, ohne uns dessen bewusst zu sein. Der Sud ist ausgezeichnet gegen vielerlei Entzündungen – des Zahnfleisches, der Darmschleimhaut.  Seit Altertum ist sie uns Menschen als Heilpflanze bekannt. Botanisch gesehen ist dein kleiner Waldpionier übrigens keine Beere, sondern eine Steinfrucht. Sie hat große Reinigungskraft, innerlich wie äußerlich, deshalb galten sie von jeher überall dort, wo die Medizin eine sehr alte Tradition hat – in China, Indien, in den arabischen Ländern und im Mittelmeerraum – gleichermaßen als Heil-und Nahrungsmittel.  In ihr stecken Phenolsäuren, die potente Viren-und Krebskiller sind. Bei der Brombeere steckt vor allem die  Ellagsäure- auch eine Phenolsäure. Sie bildet gute Phase-II-Enzyme, die im frühen Stadium eine Entwicklung – zum Beispiel im Darm – Krebs hemmen. Sogar in schonend zubereiteter Marmelade findet sich noch Ellagsäure! Sie wird nur noch von Wallnüssen übertrumpft. Ihre Flavone haben gefäßabdichtende Wirkung. Das reichliche Kalium entwässert, der überdurchschnittliche Kalziumgehalt festigt die Knochen und ist wichtig für die Reizleitungen von Herz und Nerven. Also auch noch günstig bei hohem Blutdruck. Seit 2000 Jahren eine bewährte Medizin bei Heiserkeit, Husten und Halsweh, auch bei Durchfall. Und Brombeeren- und Himbeerenblätter sind ebenso ein gutes Mittel bei unreiner Gesichtshaut“, erklärte mir Brunhilde.
Wacklige Wörter kamen mir über die Lippen. „Ahh. Ich sehe…“ Mein Herz kullerte durch meine Brust. Das Gras piekste. Brunhilde verblüffte mich mal wieder. Ich stopfte mir die nächste Energiekugel mit großer Wirkung in den Mund und genoss die Frucht voller Süße. Dankbar bewusst, dass sie unserer Gesundheit sehr guttut.
„Schön, wenn scheinbar Alltägliches auf diese Weise in ein völlig anderes Blickfeld gelangt. Das ist ganz und gar eine gute Übung. Wir wählen etwas aus unserem Erfahrungsfeld, materielle Gegenstände oder auch Geräusche, Körperempfindungen, Gedanken und anderes  – betrachten, was auch immer –  auch Menschen, die unser Leben kreuzten und denken darüber nach, was alles geschehen musste, damit dieser Gegenstand sich so, wie er ist, in diesem Moment an diesem Ort befinden kann. Ja, auch was alles geschehen musste, damit wir auf einen bestimmten Menschen treffen sollten, treffen durften. Was alles geschehen musste, damit wir als Mensch, so wie wir sind, Form annehmen konnten bis in den gegenwärtigen Augenblick. Was alles geschehen musste für diesen Augenblick, wo wir zusammenkommen konnten.

„ Zurück bis zum Urknall?“ Brunhilde lachte.
„Und wieder zurück. Genau – und während des Prozesses achten wir immer schön auf unsere Gefühle.“
„Warum sollte ich mich auf so einen Weg begeben?, fragte Brunhilde.
„Na, wenn du wahrnimmst, was in deiner Gefühlswelt, in deinem Körper, in deinem Verstand abläuft, hast du mehr davon, als wenn du nicht wahrnimmst. Inhaltlich wird man vielleicht intensive Energie stoßen. Dankbarkeit verspüren für Dinge, für das Wunder Leben. Begegnungen, die ins Blickfeld rücken. Spüren können, wie alles, was vom Universum kommt, ein wunderbares Geschenk ist. Ein Gefühl von Energie in meinen Händen halten, dass ich uneingeschränkt genießen kann. Egal, was auch immer an Gefühlen, Emotionen dabei hochkommen mögen. Du könntest ja auch mal deiner Angst nachspüren. Bis auf den Urgrund in sie hineinentspannen? Vielleicht kann man sich dann, wenn man schon traurig ist, mit Begeisterung in die Traurigkeit begeben, und so weiter. Das sind doch gute Gründe für diese Übung“, sagte ich, völlig begeistert von der Idee. Ich erzählte Brunhilde von einem Stein in meinem Leben. „Erst kürzlich bekam ich von einer wunderbaren Menschin einen der schönsten Steine geschenkt, eigens für mich ausgesucht. Hätte ich unter vielen Steinen auswählen sollen, wäre es hundertprozentig jener Stein gewesen. Zweifelsohne kein anderer Stein.  Unsere Wege kreuzten sich auf höchst wundersame Weise. Wirklich wundersam? Oder  vielmehr ein Resultat von Verschränkungen im Feld der Quanten? Oder das Resultat einer ununterbrochenen Kette von Ursache-Wirkung? In jedem Fall ein wertvolles Geschenk in meinem Leben, zweifelsohne. Immer, wirklich immer,  wenn ich diesen Stein in meiner Hand halte, denke ich darüber nach, woher kommt dieser Stein. Welches Wissen trägt er wohl in sich? Was halte ich in meinen Händen? Was musste alles geschehen, damit dieser Stein, so, wie er ist, in diesem Moment,  in meinen Händen liegt? “

Sich öffnen für die Glückseligkeit über das Wunder aller Existenz….
Spüren und wissen, dass ALLES, was wir brauchen, zum richtigen Zeitpunkt in unser Leben kommt.

Dankbarkeit spüren…

Das Leben ist ein Knäuel, das jemand verwirrt hat

Das Leben ist ein Knäuel, das jemand verwirrt hat

 

Ein Zickzack-Tag. Wie leid ich mir tue! Wieso ist mein Leben nicht ordentlich aufgerollt. Millionen von Menschen rollen ihres der Länge nach auf. Mein Knäuel ist verwirrt.  Vom Himmel fällt hörbar melancholisch Wasser. „Präsent bleiben, Martina“, sage ich mir selbst. Atme tief.

„Niemand landet da, wo er hinwollte. Noch nicht einmal Gott“, liebes Herbstwittchen (in Anlehnung an Schneewittchen)“erklärt mir Brunhildchen. „Die Wahrheit ist doch, dass nichts nach Plan läuft, jedenfalls nicht nach unserem Plan.  Ja, mitunter verpassen wir das Ziel. Wir meinen es gut, geben uns Mühe und landen doch daneben oder davor oder dahinter. Wenn ich an mich und meine Überzeugungen denke, die gestürzt sind wie Bäume im Laufe meines Lebens, oder die Versprechen, die ich auf jeden Fall halten wollte und doch verleugnete wie Petrus einst Jesus, oder wie mein Stolz mein Knie nie beugen wollte und der Schmerz mich am Ende in die Knie zwang…“

„Ich soll mich von meinen Wahrheiten verabschieden?
„Bis auf den Kern. Jawohl! Entscheide dich, deine Überzeugungen zu ändern.  Unsere Gefühle, unsere Gedanken und Ziele ändern sich, wenn sie in der Welt landen. Du kannst gerne behaupten, die Erde sei flach. Aus voller Überzeugung deine eigenen Versionen verkünden, um irgendwann demütig zu erfahren, was schon immer wahr ist.  Du wirst irgendwann in die Wahrheiten hinein wachsen. In die Wahrheiten, die schon längst in deinem Herzen bereit stehen.  Du reifst in all deinen Irrtümern. Fragend, erklärend, zielend, verfehlend, wieder fragend. Der einzige Weg die Wahrheit zu erkennen, ist ihre vielen Hüllen zu durchleben. Betrachte dich als eine Frucht, die in ihrer Schale reift. Liebe die Frucht, die du bist, die in all diesen verschiedenen Schalen herangereift ist.  Alles ist gut, wie es ist.“

 

 

Das Leben ist alles.

maedchenmilch

Das Leben ist alles und es ist das Gegenteil von allem. Es ist fantastisch und grausam. Es ist Glück und Leid. Nun, Erfahrungen sind überhaupt nur in einer Umgebung möglich, in der es Gegensätze gibt. Ohne Dunkelheit kann man Licht nicht erfahren. Oben gibt nur einen Sinn, wenn Unten existiert. Wir brauchen ein Leben lang, um zu begreifen, was es zu begreifen gilt. Wir erfahren Begrenztheit, sind gefangen in Überheblichkeit und weben unsere Geschichten aus unseren Illusionen. Das tun wir mit großem, schrecklichem Ernst. Und immerfort wartet das unverstellte Leben geduldig auf uns.

Häufig erschaffen wir uns einen falschen Weg, um unsere ‚falsche Sicht‘ der Dinge aufrechterhalten zu können. Wir setzen unsere ganze Energie dafür ein, „dorthin“ zu kommen, weil wir meinen, das Leben spiele sich irgendwie ‚dort‘ ab.  ‚Dort‘ sei es goldener als das ‚Hier‘ Unsere Egos haben uns dabei fest im Griff. Wir sehen das Licht überall, außer, wo wir sind. Irgendwann dann stecken wir fest und erkennen – bestenfalls – dass das Leben sich immer dort abspielt, wo wir sind, egal, wie weh es tut. Uns wird nichts vorenthalten.

Unsinnige Konditionierungen, Eigennutz, destruktive Gedanken. Vorgefasste Ansichten. Schlagworte. Neid. Schützen, bewahren, besitzen, statt zu genießen. Die größte Form von Ignoranz überhaupt: urteilen über Menschen, die man überhaupt nicht kennt.
Vermutlich ist es Bestandteil des Menschseins, das wir das Leben verzerren mögen.  Unsere Sicherheitszonen, die wir weiträumig gezogen haben, weil wir auf keinen Fall unter der Ungewissheit, vom Leben ums uns herum möglicherweise verletzt zu werden, leiden wollen.

Selten sehen wir die Dinge, so wie sie sind. In alle ihrer Schönheit.
Den Vater, der 20 cm hohe Bäume gießt, die erst in einhundert Jahren ausgewachsen sein werden. Die Freundin, die zuhören kann wie ein See. Die alten Hände deiner Großmutter – vielleicht das älteste, was du in deinen Händen zu halten vermagst. Raum zu geben, damit jemand für sich selbst herausfinden kann, was es bedeutet, menschlich zu sein und Fehler zu vergeben. Sich ändernde Gesichtsausdrücke, die dich am Ende deines Bettes anblicken, während du dich von deiner Krankheit erholst. Eine Freundin, die sich zu einer inneren Musik dreht, lachend, die Arme weit geöffnet, in dem Versuch, die Welt zu umarmen. Augenblicke, nicht Worte.

Was sehen wir in anderen Menschen? Was nehmen wir von ihnen wahr? Womit fördern wir das Beste in einem anderen Menschen? Welche Lichtpunkte erkennen wir in ihnen?

Wie oft wird unser Gefühlsleben von der Fliegenklatsche oder von der Angst beherrscht? Wie oft töten wir Teile in uns, wie oft verjagen wir alles, was sich bewegt?  Wie oft tanzen wir mit uns Nahestehenden, aber auch mit Fremden, aus Angst einen wegscheuchenden Tanz und lassen die Dinge nicht an uns herankommen?

 

Manchmal ist Stille eine gute Antwort.