Begeisterung

Am Ufer saß ich und lachte. Xalapa, Mexico

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Ich ging eine Straße entlang, die wir Menschen zwischen aufrechtstehenden Häusern gebaut hatten. Da wurde es am schönsten.

Oh, die kurzweilige Pause tut mir leid, Ihr Lieben. Ich musste Wolken lesen und mein innerer Bibliothekar staubte zudem auch noch alte Bücher ab. Zwischendurch telefonierte ich mit Engelchen Raphael. Und danach – ist ja klar-  hatte ich meinen Wünschen zu helfen. Einen Tag darauf fiel meine Photogen-Lampe aus. Dann suchte ich nach der hellen Seite der Dinge. Aber sie hatten keine, also rieb ich die dunkle, bis sie glänzte! Und heute, ja heute war ein großer FirstFlush TeaRoom Tag. Bonn. Liebe auf den ersten Blick. Eine Wohlfühloase. Herzensblick. Seelenblick. Dort steht nichts im Weg – man kann sich einfach auf das Fühlen und Geniessen einlassen. Schönste Gespräche fluteten mein Leben. Sieben-Schätze-Tee, Zimt, Rosenblüten-Tee, Marrakesh-Minze-Tee, Babera D`Asti-Rotwein, Käseteller, feinstes Knusper- Nougattörtchen.
Perfetto!

Und jetzt geht`s weiter mit Kaffee.

Einst gab es eine Zeit, da hatten wir Deutschen Steuern zu zahlen auf Salz, Zucker, Streichhölzer und auf Tee. Sie zählten  zu den absoluten Luxusprodukten. Die Teesteuer wurde im Jahre 1993 abgeschafft, fand man keine Rechtfertigung mehr dafür.  Doch die Kaffeesteuer ist bis heute existent. Warum auch immer, wird nur die Politik beantworten können. Pro Kilo Röstkaffee werden 2,19 und pro Kilo löslichen Kaffee sogar 4,78 Euro fällig. Nicht vergessen, als Gäste von Cafe`s  zahlen wir zusätzlich noch 19 Prozent Mehrwertsteuer. Folgendes lernte ich auch erst heute: wer seine Kaffee-Pads aus dem europäischen Ausland bezieht, sollte  besser Kaffeesteuer anmelden und abführen. Auch kleine Mengen sind zu versteuern.
Mit dem hohen Kaffeeverbrauch im 17. Jahrhundert kam die Kaffeesteuer auf. Beschweren wir uns bei unseren Vorfahren. Warum musstet Ihr damals nur so viel Kaffee trinken?  Seit 1948 wurde sie als Verbrauchssteuer eingeführt und existiert heute  noch in Deutschland, Dänemark und Belgien. Politik! Politik! Erklärt es uns bitte.

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Kaffeerösterei und Verkaufsladen in Xalapa, Mexico. Bohne für Bohne werden Mexicos Arabicas per Hand gepflückt.

Von den vielen Kaffeeproduzenten, die ihren Kaffee mit Bohnen oder Zuckerrohr in Mexico mischen berichtete ich bereits in vorangegangenen Artikeln. Auch erwähnte ich, dass die uns allen bekannte Marke Nescafè  ihren Konsumenten ausschließlich Abfallprodukte, also halb verfaulte Kaffeebohnen und nicht reife Bohnen reicht. Jene grünen Bohnen, die man dem Verbraucher serviert, werden darum auch noch mit künstlichem Farbstoff versehen, schließlich sollen wir zumindest das Gefühl vermittelt bekommen, wir kaufen braunen Kaffee. Danke Nescafè. Das ist fast zu freundlich. Ich erfuhr es während meines Aufenthaltes in Mexico. Dort erfuhr ich es von einem Kaffeeproduzenten, der mir den Lebensweg bzw. Werdegang einer reifen Kaffeekirsche erklärte. Vorbei am Haus des ‚Maestro Feng Shui‘ führte mich die Reise nach Coatepec. Eine Stadt im Staat Veracruz, deren beste Tage weit zurückliegen. Spuren aus der Zeit, als man mit Kaffee noch zu Reichtum gelangte, finden sich hier und da in Coatepec, Mexikos Kaffee-Hauptstadt . Einst ein heiliger Platz der Azteken, die diesen Ort auf ihrer Reise nach Zentral-Mexiko für sich entdeckten und in dem sie  30 Jahre  bleiben sollten. Der Name der Stadt stammt vom Wort Coati. Es ist ein Nahuati-Wort. Manche der Einwohner sprechen nicht nur Spanisch, sondern auch Nahuati.

Nicht nur über die Aufbereitung von Kaffeebohnen durfte ich bei dem  Kaffeeproduzenten- und röster lernen, dessen Name Angel ist, sondern zugleich weltbesten Kaffeezauber  zelebrieren.  Ich betone zelebrieren, denn jeder Schritt, der mich näher zu meiner Tasse Kaffee brachte, kam einer Zeremonie gleich. Es ging  um Gramm und Minuten. Eine exakte Grammzahl von feinsten Kaffeebohnen landete in einem Miniröster, der auf die Minute, nämlich 8 an der Zahl, all diese hin- und herspringenden Böhnchen gleichmäßig röstete. Es duftete herrlich. Anschließend wurden die frisch gerösteten Bohnen gemahlen – und zwar portionsgerecht! Was es doch alles für Maschinen gibt.

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Von dort  ging es ein Maschinchen weiter, in die italienische Kaffeemaschine. Ich trinke normalerweise Kaffee mit Milch. Diesen besonderen Kaffee wagte ich nicht mit Milch herabzuwürdigen. Genuss pur!  Pretty delicate! Cremig, auch ohne Milch. Stellt Ihn Euch vor, den Kaffeemann aus der uralten Fernseh-Werbung von Eduscho. So fühlte ich mich. Ich trank die besten Bohnen. Der Kaffee aus 1000 Meter Höhe, schmeckte nach 1001 Nacht.

Und das Schönste, alles  mega-ökologisch, alles im Kreislauf des indianischen Prinzips: Ich- nehme-etwas-aus-der-Erde, ich-gebe-etwas-an-die-Erde-zurück  –  energieschonend, das Abfallprodukt Kaffeeschale wird zur Herstellung von Biogas oder von Dünger verwendet. Die Asche als Abfallprodukt durch das Heizen von Kaffeeschalen kommt den Kaffeepflanzen zugute. Die Maschinen zum Rösten, Mahlen und Kochen von Kaffee werden durch Biogas angetrieben. Dieser Kaffeeproduzent leistet Pionierarbeit in Mexiko- und das ohne staatliche Unterstützung. Der Staat Mexico verwehrt ihm diese seit einem Jahrzehnt, obschon er sich zu `neuen Energien` Jahr um Jahr wieder bekennt. Darüber hinaus  produziert jener Kaffeefarmer den weltweit ersten, wirklich echten Kaffeelikör. Echt, weil zu hundert Prozent alle notwendigen Inhaltsstoffe aus der Frucht Kaffeebohne enthält. So auch der Alkohol, den man für die Herstellung von Likör benötigt. Dieser entsteht aus der Produktion von Kaffee.

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Ich stand ziemlich überrascht zwischen einer Kaffeebohnenschälmaschine (Trommelpulper) und dem Nebenprodukt, eine Art Met, als ich all jene Informationen gleich mit geliefert bekam.  So wie sie reif am Baum hängt, ist die Kaffeekirsche nicht nutzbar.  Immer wieder müssen Kaffeepflücker in die Plantagen, um nur die reifen zu pflücken. Reif, unreif, halbreif hängen nämlich alle zusammen am selben Zweig.

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Gepflückt werden sie zunächst zum Trocknen ausgebreitet. Sortiert wird über eine Maschine nach 1.,2. und 3. Qualität. Das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche ist wasser- und zuckerhaltig, die Schalen sind feucht und der Bohnenkern ebenso. Darum wird die gesamte Umhüllung entfernt. Eine reife Frucht besteht aus Pulpe (Kirschfleisch), Fruchtschleim, Pergamenthaut und der eigentlichen Bohne (ca.40 Prozent).

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Trommelpulper., dem man seine Jahre durchaus ansieht. Mir blutet das Herz. Seht Ihr sie auch – die Sonne, wie sie hinein scheint.

Das muss geschehen, ohne die Kaffeebohnen in ihrer Pergamentschale zu beschädigen oder zu erwärmen. Darum der Trommelpulper,  dessen Noppen erfassen die Kirschen und drücken sie gegen die Trommelwand, sodass die Bohnen aus der Kirsche gequetscht werden. So eine Art Vibrationssieb. Danach muss die Bohne entschleimt werden. Es folgen etliche Trocken, Reinigungs und Sortiervorgänge nach Dichte ( also Gewicht in Relation zur Größe), Größe und nach Farbe.

Die Coffea Arabica macht circa 65 Prozent Weltmarktanteil aus. Die zweitwichtigste auf unserem Planeten ist die Coffea Canephora mit rund 35 Prozent Weltmarktanteil. Ihr wird gemeinhin Unrecht getan, weil als in der zweiten Reihe stehend empfunden.  Wie das so ist mit dem Vergleichen. Doch mitnichten gehört die Bohne in die zweite Liga. Es gibt herausragende Canephora-Kaffees. Vollmundige, kräftige, feinherbe, karamellige Kaffees mit Nougat- und Cognacnoten. Ein echter Genuss. Nur kein Geschmack wie Arabic-Kaffee. Nun Weißwein ist bekanntlich auch ein schlechter Rotwein. Italiener schätzen den ausgeprägten Geschmack von Canephora-Kaffees, der meist auch noch sehr dunkel geröstet ist.

Die besten Canephoras- Kaffees
soll es in Uganda und in Indien geben. Häufig von über 70 Jahre alten Pflanzen, die ein sehr gereiftes Geschmacksprofil haben.  Hochwertige Verarbeitung, da die Pflanzen beschattet angebaut werden und  man einzeln Kirsche für Kirsche mittels „Picking“ erntet, getrocknet, mehrfach gewaschen, bis zu 72 Stunden fermentiert, um dem Kaffee sogar fruchtige Noten zu entlocken. In Indien wird Kaffee in zwölf sehr unterschiedlichen Regionen angebaut. Entsprechen beeindruckend ist die Geschmacksvielfalt. In Mexico wachsen noch einige wenige und ebenfalls sehr alte Canephoras-Pflanzen der Varietät Robusta.

Canephora-Kaffee teilt sich in zwei Varietäten auf – die Kongo- Gruppe und die Guinea-Gruppe. Und dann gibt es noch so ein paar Kreuzungen wie Conillion oder Robusta – diese finden sich vorwiegend in Brasilien.

Vietnam als Kaffeeproduzent

Canephora findet sich in vielen weiteren Ländern Westafrikas, aber auch in Vietnam. Überraschung – jedenfalls für mich.  Der Asiat ist inzwischen zweitgrößter Kaffeeproduzent. Auch hier gedeihen Topqualitäten. Das Wissen um den Kaffeeanbau reicht dort zurück bis in das Jahr 1745. Meine Güte, das war die Zeit des Heiligen Römischen Reiches. In Dresden wurde Frieden geschlossen. Preußen erkannte die Wahl des Habsburger Franz I zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation an. ( im Nebenfach mal Neuere Geschichte studiert. *gescheites Lächeln auf meinem Gesicht.  Ein einzelnes Stück Buch der Geschichte für 250 DM gönnte ich mir damals.  Das muss sich ja irgendwo  ausbreiten dürfen!)

Jedenfalls muss es da in Vietnam zu jener Zeit bereits eine französische Kolonie mit dem Namen Tonkin gegeben haben. Ich tippe auf Nordvietnam.  Exakt die Zeit, in der die Briten,  Italiener und Franzosen allüberall unterwegs waren.  Neue Handelsgebiete sollten erschlossen werden. Auf das Jahr genau stellt die katholische Kirche ihre Missionierungsversuchte im Tibet ein. Pflanzensamen wurden hin-und hergeschippert.

Irgendwann ging es wild hin und her zwischen den Franzosen und den Briten.  Die Angelsachsen zogen 1946 aus Vietnam ab und überliessen Frankreich dessen alte Kolonien. Ab in den Süden und oh, in den Norden Vietnams zogen sie auch  wieder ein, nachdem die Chinesen sich dort zurückzogen. Und was sagte Vietnam dazu? Einiges, doch Mister Ho wollte niemand hören. Weil Mister Americano,Truman in Person, ein  unabhängiges Vietnam nicht duldete, tanzten Mr. Ho und den Vietnamesen die Franzosen und China auf dem Kopf herum. Mister Ho flog sogar nach Paris, um klarzumachen, ihr könnt bleiben, aber wir wollen ein Nordvietnam mit eigener Regierung. Die Guerillakämpfe Indochinas begannen. Abertausende Vietnamesen kostete es das Leben. Mister Americano war das nur recht – bloß kein weiteres kommunistisches System aufblühen lassen. Nicht die Sowjets, sondern Mister Mao Tse-tung lieferte den Vietnamesen Waffen. Damit verlor Mr. Americano gänzlich den Einfluss auf Vietnam, Mao hatte das Sagen. Irgendwann klotzen die Amerikaner mit ihrer Eindämmungspolitik, fürchtete man den roten Farbeimer über die gesamte Welt auslaufen.  Mr. Americano setzte nach 1949 in Vietnam einen Kaiser ein, die Chinesen proklamierten Vietnam als unabhängigen Staat??? Das muss ich mir jetzt in Nord und Süd aufgeteilt denken, nehme ich mal an. Frankreich führt Krieg in Indochina, Amerika bezahlt ihn. Frankreich hatte von den USA mehr Geld für seinen Kolonialkrieg in Indochina erhalten, als durch den Marshallplan zum Aufbau seiner geschädigten Wirtschaft zuhause.

Ist schon gut. Ich suche uns die Karte  heraus.  Das muss man in Bildern verstehen wollen. Lage. Position

Thailand

Nur nicht jetzt vollends abdriften Martina. K a f f e e….

Ich bevorzuge den ganzheitlichen Ansatz. Das Aufkommen von Kaffee hier und dort und da will im  politischen Gesamtkontext verstanden werden. Mein teures Buch und der Klassiker  Deutsche Geschichte im Gebhardt sollen jetzt endlich einmal zur Geltung kommen dürfen. Seit so vielen Jahren warte ich auf diesen Moment. Jetzt gönnt ihn mir bitte. Danke.

Vietnamesische Pufferzone

Und überhaupt kann ich Euch ja wohl jetzt nicht mit der halben Geschichte stehen lassen. Ihr wollt doch sicherlich wissen, wie es ausging? Ich habe es jetzt wenigstens endlich verstanden: die Briten und die Franzosen hatten dort überhaupt nichts zu suchen. Und die Sowjets nicht und die Americanos nicht und China erst recht nicht. Tse-tung!

Flugblätter spielten eine große Rolle, Hauptquartiere, Nordvietnam fürchtete das mächtige China, die Amerikaner wussten darum. Na, braucht man ja auch eigentlich nicht lange zu, um so etwas zu erkennen. Moskau und Peking speihten auch nur noch Feuer. Sowjets dachten, China würde sich freuen, wenn Mr. Americano und Mr. Kreml sich auf vietnamesischen Boden zerfleischen würden. Warum haben die nur nicht mehr Tee getrunken? Tee heilt. Tee beruhigt.  Irgendwie sollen angeblich drei Patrouillenboote der Vietnams  1964 gegen einen US-Zerstörer im Golf von Tonkin geknallt sein und schon ging es los. Dass die Amerikaner mit der damaligen Kriegsführung der Vietnamesen, kleine wendige Männer, großer Dschungel,  nicht klar kamen, weiß man heute. Erst war schon unmenschlich, aber dann wurde es bestialisch, kamen die Nepalm-Bomben ins Spiel. Man geht von 5 Millionen Menschen, die ums Leben gekommen sein sollen, davon 80 Prozent Zivilisten. Traumatisierte, für´s Leben gezeichnete noch nicht mit gerechnet. 1968 waren die Americanos so geschwächt und moralisch am Boden, dass man in Paris Friedensgespräche mit den Kommunisten aufnahm.

Und heute ist Vietnam vereint und zweitgrößter Kaffeeproduzent weltweit.

Noch eine Tasse Kaffee? Ich nickte mit gespitzten Ohren, strahlend zustimmend mit einer Filmkamera in der Hand und der Idee eines Kaffeebuches im Kopf.

Und hier noch einen kleinen bildhaften Überblick über Mexicos Menschen in Arbeit

Man erklimmt, man sieht, man steigt hinab, man sieht nicht mehr, aber man hat gesehen. Mexikaner lassen sich nur allzu gerne ihre Schutze putzen.

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Taxifahrer allüberall. Für 3 Euro fährt einen ein Taxi von der Innenstadt bis 45  Minuten hinaus in ländlichere Gegenden

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Gas wird mit speziellen Autos angeliefert.

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      Dieser junge Mann verdient sein Geld mit dem Verkauf von Fast Food.  Verkauft wird aus der Schubkarre heraus.

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Tierzucht auf eigenen Farmen. Dieses Schaf ist gerade eine Nacht jung.       Frisch geboren.

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Eines von den vielen preiswerten Lokalen, die in der Regel von Familien geführt werden. In ihnen darf man exzellentes Essen genießen. Unterhaltung immer garantiert.

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Auch mit dem Fahren von Transportern verdienen sich viele Mexikaner ihr  Geld.

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oder mit kleinem Business wie diesen – Richtung Yucatan.

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   Militär und Polizei – nicht zu übersehen in Mexico. Diese Männer hier sind noch die harmlosere Variante.

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      und auch mit dem Nähen und Verkaufen von feinen Tüchern verdienen sich ältere Frauen ihre Geld. Diese Dame ist eine Maya-Frau.

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 Volorados in der Tempelstätte Tulum. Nach dem Auftritt sammeln sie Geld von den Zuschauern ein.

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                     Und auch das ist eine Einkommensmöglichkeit – direkt am Strand.

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Und manche Menschen sind auf das Geld von Mitmenschen angewiesen.

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Im Bambuswald

Im Bambuswald

Cafè Cultura

Wusstet Ihr, dass viele Kaffeeproduzenten ihren Kaffee mit Bohnen oder Zuckerrohr mischen und unsere bekannte Marke Nescafè ihren Konsumenten ausschließlich Abfallprodukte, also halb verfaulte Kaffeebohnen und nicht reife Bohnen, also grüne Bohnen servieren und diese darum auch noch mit künstlichem Farbstoff versehen werden, schließlich soll der Kunde zumindest das Gefühl vermittelt bekommen, er kaufe braunen Kaffee.

Ich erfuhr es heute von einem Kaffeeproduzenten, der mir den Lebensweg bzw. Werdegang einer reifen Kaffeekirsche erklärte. Vorbei am Haus des ‚Maestro Feng Shui‘ führte mich die Reise nach Coatepec. Eine Stadt im Staat Veracruz, deren beste Tage weit zurückliegen. Spuren aus der Zeit, als man mit Kaffee noch zu Reichtum gelangte, finden sich hier und da in Coatepec, Mexikos Kaffee-Hauptstadt . Einst ein heiliger Platz der Azteken, die diesen Ort auf ihrer Reise nach Zentral-Mexiko für sich entdeckten und in dem sie  30 Jahre  bleiben sollten. Der Name der Stadt stammt vom Wort Coati. Es ist ein Nahuati-Wort. Manche der Einwohner sprechen nicht nur Spanisch, sondern auch Nahuati. Auf dem Marktplatz wies mich beispielsweise ein Herr darauf hin, dass er nicht Spanisch, mit mir spreche, sondern Nahuati. Mir fiel es nicht auf, spreche ich beide Sprachen nicht gut – noch nicht gut. 😉

Ich habe heute sehr viel über die Aufbereitung von Kaffeebohnen lernen dürfen. Darüber hinaus durfte ich weltbesten Kaffeezauber zelebrieren. Ich betone zelebrieren, denn jeder Schritt, der mich näher zu meiner Tasse Kaffee brachte, kam einer Zeremonie gleich. Im Büro jenes Kaffeeproduzenten ging es um Gramm und Minuten. Eine exakte Grammzahl von feinsten Kaffeebohnen landete in einem Miniröster, der auf die Minute, nämlich 8 an der Zahl, all diese hin- und herspringenden Böhnchen gleichmäßig röstete. Es duftete herrlich. Anschließend wurden die frisch gerösteten Bohnen gemahlen – und zwar portionsgerecht! Was es doch alles für Maschinen gibt. Von dort  ging es ein Maschinchen weiter, in die italienische Kaffeemaschine. Ich trinke normalerweise Kaffee mit Milch. Diesen besonderen Kaffee wagte ich nicht mit Milch herabzuwürdigen. Genuss pur!  Pretty delicate! Cremig, auch ohne Milch. Stellt Ihn Euch vor, den Kaffeemann aus der uralten Fernseh-Werbung von Eduscho. So fühlte ich mich. Ich trank die besten Bohnen. Der Kaffee aus 1000 Meter Höhe, schmeckte nach 1001 Nacht.

Und das Schönste, alles  mega-ökologisch, alles im Kreislauf des indianischen Prinzips: Ich- nehme-etwas-aus-der-Erde, ich-gebe-etwas-an-die-Erde-zurück  –  energieschonend, das Abfallprodukt Kaffeeschale wird zur Herstellung von Biogas oder von Dünger verwendet. Die Asche als Abfallprodukt durch das Heizen von Kaffeeschalen kommt den Kaffeepflanzen zugute. Die Maschinen zum Rösten, Mahlen und Kochen von Kaffee werden durch Biogas angetrieben. Dieser Kaffeeproduzent leistet Pionierarbeit in Mexiko- und das ohne staatliche Unterstützung, der ihm diese seit einem Jahrzehnt verwehrt, obschon der Staat sich zu `neuen Energien` Jahr um Jahr wieder bekennt. Darüber hinaus  produziert jener Kaffeefarmer den weltweit ersten, wirklich echten Kaffeelikör. Echt, weil zu hundert Prozent alle notwendigen Inhaltsstoffe aus der Frucht Kaffeebohne enthält. So auch der Alkohol, den man für die Herstellung von Likör benötigt. Dieser entsteht aus der Produktion von Kaffee entsteht.

reife Kaffeekirschen

Reif sind Kaffeekirschen, wenn sie rot leuchten. Unter dem Label Cafe`Altura produziert jener Herr. Die Bezeichnung verweist auf Höhencafe und meint Kaffee, der aus dem Hochland stammt. (die Höchstgrenze liegt bei 1300 Meter, dann hört es auf mit guten Kaffeebohnen)

Ich stand ziemlich überrascht zwischen einer Kaffeebohnenschälmaschine (Trommelpulper) und dem Nebenprodukt, eine Art Met, als ich all jene Informationen gleich mit geliefert bekam.  So wie sie reif am Baum hängt, ist die Kaffeekirsche nicht nutzbar.  Immer wieder müssen Kaffeepflücker in die Plantagen, um nur die reifen zu pflücken. Reif, unreif, halbreif hängen nämlich alle zusammen am selben Zweig.  Gepflückt werden sie zunächst zum Trocknen ausgebreitet. Sortiert wird über eine Maschine nach 1.,2. und 3. Qualität. Das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche ist wasser- und zuckerhaltig, die Schalen sind feucht und der Bohnenkern ebenso. Darum wird die gesamte Umhüllung entfernt. Eine reife Frucht besteht aus Pulpe (Kirschfleisch), Fruchtschleim, Pergamenthaut und der eigentlichen Bohne (ca.40 Prozent).  Das muss geschehen, ohne die Kaffeebohnen in ihrer Pergamentschale zu beschädigen oder zu erwärmen. Darum der Trommelpulper,  dessen Noppen erfassen die Kirschen und drücken sie gegen die Trommelwand, sodass die Bohnen aus der Kirsche gequetscht werden. So eine Art Vibrationssieb. Danach muss die Bohne entschleimt werden. Es folgen etliche Trocken, Reinigungs und Sortiervorgänge nach Dichte- also Gewicht in Relation zur Größe), Größe und nach Farbe.

Wir planen ein Kurzfilm über seine Produktionsstätte  und  ein Kaffeebuch. Ich werde gerne jenen Kaffee mit nach Deutschland nehmen und einem guten Bekannten (Wein-und Feinkost) zum Verkauf ans Herz legen. Dank des Freihandelsabkommens mit der EU ist zumindest der Export vereinfacht worden. Sowohl Jürgen mit seiner Pioniersarbeit in Sachen Biogas als auch jener Kaffeeproduzent haben keine Zeit und wissen doch mit Blick auf  ‚eine heilende Entwicklung dieser Welt für alle Menschen‘, ihr fulminantes Wissen sollte jungen Zukunftsagraringenieuren und Zukunftskaffeeproduzenten gereicht werden. Ich nickte mit gespitzten Ohren, strahlend zustimmend mit einer Filmkamera in der Hand schlug ich Kurzfilm und Kaffeebuch vor.

Coatepec

typisches Straßenbild

40 Millionen Mexikaner leben von weniger als100 Pesos am Tag, Alkohol, Drogen

40 Millionen Mexikaner leben von weniger als 100 Pesos am Tag.  Alkohol, Drogen

Weiter ging es in ein Straßen-Lokal. Zwischen Haus und Haus ein Wellblechdach angebracht, ein paar alte Holztische, Plastikgeschirr. Tortillas, scharfe Saucen, Hühnerfleisch kleingehackt und frisch vom Grill, Koriander, Zitronen, ein Wasser, ein Saftgetränk, zwei Personen – 100 Peso, das sind umgerechnet 7 Euro. Die Mexikaner essen nicht wie die Thailänder um Punkt 12 Uhr, sondern gegen 14 Uhr. Drei Männer mit Gitarre, klein, groß, Akkordeon und Gesang kamen herbei, Straßenmusikanten im T-Chili-Sound, Musicà Mexicana. Die Dame der Küche kam eigens zu mir und klärte mich über die Schärfe der Saucen auf, sie wolle mir gerne weniger Pikante bringen. Als ich selbst bei jenen Saucen noch Reis in meinen Mund stopfte um die Schärfe zu neutralisieren, lachte sie herzlich und behielt mich im Auge. Ich lachte auch kurz darauf wieder.

Koriander ist übrigens ein wichtiges Gewürz in der mexikanischen Küche.

Weiter ging es in die staatliche Landwirtschaftsschule. Auf der Suche nach heimischen Plantas Aromatica und Medicina für meinen geplanten Kräutergarten schlug mir Jürgen vor, dorthin zu fahren. Uns wurde statt des Kaufes von Kräuterpflanzen eine Privatführung zuteil, total nett, eigentlich ist das Institut samstags geschlossen. Von Melisse über Ruta und Rosaceapflanzen, über Rosmarin, Lavendel – es gibt dort einiges Interessantes. Nicht nur, dass dieser Herr uns unerwartet durch das Gelände führte, dazu bekamen wir noch eine Pfefferminzpflanze, Ruta und gezogenen Schnittlauch geschenkt, worüber ich mich riesig freute. Der Ausflug endete in einem Wald von Bambus und einem reinen Bambushaus.

Bambushaus

Nicht jeder Bambus ist dafür geeignet . Es braucht eines bestimmten Reifegrades, ansonsten ist der Bambus nicht widerstandsfähig und dauerhaft beständig

Weiter ging es zurück auf die Rancho, die den Namen „Versteckter Hügel“ trägt, um das Auto zu wechseln. Mit dem Riesenschiff von Auto sollte bestelltes und bereits gestapeltes Kaminholz zu einem Italiener gebracht werden. Ich entschied mich, mitzufahren. Später erfuhr ich von diesem Herrn de Perez, er habe drei Jahre seines Lebens bei Schamanen verbracht, genoss die Wirkung sakraler Pilze, auf dem Weg zu höheren Wesen, Teil eines größeren Ganzen, persönliche Vertiefung, Bewusstseinserweiterung…Mindestens Homöopath mit 250 Mitteln auf dem Tisch gleich rechts neben der Eingangstür. Die Deckenwände kunstreich mit Mond und Sternen bemalt. Wir luden alle gemeinsam das Holz ab und erleichterten uns die Arbeit mit dem Singen des italienischen Songs Volare. Jürgen rutschte zwischendurch ein schweres Stück Kaminholz aus den Händen, das leider schwungvoll an meinem Oberarm landete. Der Herr de Perez holte gleich mal eine Ampulle vom Tisch – so schnell konnte ich gar nichts sagen, wie er mir die Pipette auf meine Zunge legte und mich mit was auch immer betröpfeln mochte. Nach einer Sekunde war meine Grobmotorik wieder unter Kontrolle, waren die Füße sortiert.

Das Monstrum von Autoschiff war vor zwei Wochen in der Werkstatt, Bremsen. Was wir bei dieser Fahrt feststellten, der rechte Reifen stand irgendwie schräg und die Bremse blockierte beim Herunterfahren des wenig kleinen Hügels. So wagten wir die Rückfahrt mit dem Koloss nicht mehr und wollten eigentlich zu Fuß zurück, was uns Signor de Perez verwehrte, stattdessen sollten wir eine halbe Stunde auf seine Frau warten, die uns zurückfahren würde. Aus der halben Stunde wurden zwei Stunden hochinteressantes Gespräch, über Sommersonnenwende, über wahre Heiler und  weniger wahre Kenner, die lediglich Touristen abzocken, über das neue/alte Wissen, über das Handeln, das heilende Wirken, um eine andere Welt zu schaffen. Jürgen übersetzte brav von Deutsch ins Spanische, vom Spanischen ins Deutsche. Wie gut, dass die Autowerkstatt am Auto herumpfuschte und der Herr uns auf keinen Fall zu Fuß zurückgehen lassen mochte! Seine Frau, Kind und er fuhren uns dann zurück zur Rancho. In jedem Fall wollen wir uns wiedertreffen. Herzliche Einladung in ihr Haus.

Da der Kaffeeproduzent, der mit neuen Energieformen sein Produkt produziert und sehr bewusst auf viele Pesos verzichtet, viel Zeit und Erfindergeist und Geld in diesen ökologisch vertretbaren Weg steckt, dort der Italiener mit spiritueller Ader, der mir die Adresse jenes Shamanen und auch sonst noch Hinweise auf mögliches Interessantes reichte.

Interessant ist auch, dass die Einheimischen hier vor Ort mit dem besonderen Tag der Mayas 21.12. so gar nichts anfangen können. Es scheint, als seien wir in Europa mehr damit beschäftigt? Oder es liegt daran, dass die indianischen Stämme weiter weg leben, Richtung Yukatan. Ich beschäftige Jürgen noch immer damit, doch bitte herauszufinden, ob hier irgendwo in der Region eine Zeremonie stattfindet, fern des Massentourismus. Senior de Perez will in jedem Fall ein Feuer zünden!

Morgen fahren wir auf eine Ranch, zweieinhalb Stunden entfernt, um dem Sohn eines Vaters mitsamt seiner 4oo ha großen und geerbten Ranch kennenzulernen. Dort arbeitet eine Biologin, die ebenso einen fantastischen Kräutergarten angelegt haben soll. Der junge Rancher sei Vegetarier geworden, wolle er nicht nur darüber reden, das reiche nicht, sondern entsprechend handeln. Sein Bruder, der in der Stadt lebt, erklärte ihn deshalb für verrückt.

Ich freue mich schon jetzt auf die Begegnung.