Eine weiße Flocke für M., Teil 7: Inuk`s spirituelles Erwachen

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Was bisher geschah:

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Siebenpunktkäfer-Oberführer

Inuk Coton de Tulèar, Möpschen Windston und Quokka Glitschig haben sich in den Dunkelwald aufgemacht. Sie sind  aus den unterschiedlichsten Gründen im Verlies gelandet. Möpschen will nun Inuk, der sich in Prinzessin  Emèrelle verliebt hat,  zum Schrottplatz der Liebe führen. Aber vor allem soll Inuk dem alten Mann namens Wortspinner die Geschichte von den unbeschreiblichen Gedanken und der Prinzessin, die Herzen hören konnte, erzählen. Wortspinner lebt als Allerhöchster Akademiker  in einem achteckigen Turm in Dunkelwald.  Seit Jahren schon sucht der alte Mann nach einem Weg,  um sich aus der Dunkelheit zu befreien. Möpschen weiß, dafür braucht Wortspinner die richtige Geschichte. Möpschen, die kecke Dame mit dem roten Schal und der roten Handtasche voller Löffel, ist davon überzeugt, Inuks Geschichte wird nicht nur Wortspinner, sondern ebenso sie, Quokka und Inuk wieder ins Licht führen. Ja, Inuk kennt die Geschichte von der Prinzessin, die ganz tief hören kann. Nichts ist für sie unmöglich in ihrem Reich der Gedanken. Selbst die einfachen Worte klingen bei ihr wie ein leises Lied.  Doch um die Geschichte Wortspinner erzählen zu können, gilt es einige Abenteuer zu bestehen. Der Weg führt durch das Labyrinth und das ist ein Ort voller Tücken…
 

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Quokka Glitschig

Die Löffelschlacht mit den Siebenpunktkäfern gehörte bereits zu einer dieser Tücken. (Inuk, Teil 6: Ein Löffel voller Angst

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Möpschen -Lulu Windston

 

 

 

Inuk dracheulalaUlalawacker ist ein Wanderer mit Blumenkohlohren. Der afrikanische Weitohr-Drache hatte der Prinzessin einen Wortkoffer der schlauen Spinne Kwaku überbracht. Das gesamte Universum war voll mit ihren Spinnweben. Ein feines Netz, das mit den Augen der Menschen nicht zu sehen war. Und als der Himmelsgott den Wortkoffer abwarf, verfing sich der Koffer in ihren gesponnenen Spinnweben. Neugierig wie sie war, öffnete Kwaku den Koffer. Schnell verteilten sich alle Wörter über die gesamte Welt  und landeten in ihrem Spinnennetz. Seither passt die Spinne auf die Wörter auf. Ihre goldene Regel: Kein Mensch darf ein Wort alleine besitzen. Manchmal verteilt sie neue Wörter an die Menschen. So geschah es auch mit der Prinzessin. Ulalawacker sollte den Wortkoffer zur Prinzessin bringen. Der Drach war es, der der Prinzessin Emerèlle erzählt, das Inuk im Verlies saß.

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Prinzessin Emèrelle

Das ist Prinzessin Emèrelle. Sie ist sehr traurig und will Inuk befreien. Die Spinne Kwaku überredet Ulalawacker, die Prinzessin zu Wortspinner zu bringen. Dank ihres weltumspannten Spinnennetzes weiß Kwaku natürlich schon längst, dass Inuk, Möpschen und Quokka unterwegs sind zu Wortspinner. Der kleine Drache stimmt dem nur zögerlich zu,wollte er doch bloß diesen Wortkoffer überbringen. Und überhaupt ist seine Drachenflamme viel zu klein, als dass er daran glaubt, damit große Abenteuer bestehen zu können. Doch Kwaku besteht darauf und spinnt den beiden eine Treppe, über die sie das Schloss unbemerkt verlassen können.  (Inuk, Teil 5)

 

 

 

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Das Land Coton ist die Heimat von Inuk, Möpschen und Quokka. Im Schloss lebt Prinzessin Emerèlle gemeinsam mit ihrem Vater. Hier wohnt auch seit vielen Generationen die Hundefamilie Coton de Tulèar. Zum Entsetzen der gesamten Verwandtschaft, allen voran seiner Mutter, kam Inuk mit viel zu großen Ohren zur Welt.
„Oh, oh, oh, das ist eine Tragödie!Schrecklisch! Meine Kulleraugen möschten weinen“, schrie Louise Labè bei seiner Geburt. „Oh, oh, oh!“ Inuk war eine Enttäuschung.
Inuk war der einzige, der vom Hundewurf am Leben blieb. Der kleine Hund interessierte sich nicht, wofür sich ein Hund interessieren sollte. Inuk vermochte Klänge zu hören, die niemand sonst hörte. Er liebte vor allem das Lesen schöner Geschichten.  „Mon Dieu,… Isch bin eine Hund von Welt.. eine französische Hund.“
Er war ein Coton de Tulèar, der sich in die Prinzessin verliebte.Und weil sich das nicht für  einen französischen Hund gehört, wurde er vom Hohen Rat der Hunde ins Verlies gesperrt. Inuks Herz sank bis in die letzte Pfote. „Oh, oh, oh! Er ist eine Kind von meine èrz!“rief seine Mutter und fiel noch vor Inuk in Ohnmacht. Im Verlies traf Inuk auf Möpschen und Quokka.

 

Prinzessin Emèrelle singt nur allzu gern in ihrem Gitarrengarten. Der Garten hat ein Baum. Er heißt Eduardo. Seit seinem ersten Baumlebensjahr ist er vernarrt in die Prinzessin.  Ulalawacker, ein afrikanischer Wanderdrache, trifft in diesem Garten auf die Prinzessin und übereicht ihr den Wortkoffer.

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Das Labyrinth. Hier haben Inuk, Möpschen und Quokka momenan einige Abenteuer zu bestehen

Und nun geht`s weiter:

„Und an allem ist Inuk Schuld“, fuhr Quokka Möpschen bitter an. „Er hat uns die Siebenpunktkäfer beschert und darum mussten du und ich mit den Lö….Löffeln kämpfen….und ich mich so…o …oo…“ Quokka wurde noch wütender. Er vergrub den Kopf in die Hände. Möpschen zuckte mit den Schultern und watschelte hin und her.
„Pardon!“ murmelte sie und schielte auf Quokka. “ Es ist die gute Absicht, die zählt. Er hat sie doch gezähmt mit seiner Geschichte über den Baum, der zu schnell zu hoch gewachsen ist.“ Sie raffte ihren roten Schal zurecht, streckte ihren Fuß aus und schaukelte ihn vor und zurück, was ziemlich lange dauerte.
„Urgh!“, machte Quokka.
„Quokka, er weiß viel von der Liebe. Er kennt die Geschichte von der Prinzessin. Er wird uns helfen. Wir müssen ihn zu Wortspinner bringen. Ich will wieder ins Licht. Ich will leben wie eine Prinzessin! Ich will gesprenkelt von Licht auf die  Liebe treffen! Es soll funkeln in meinem Herzen! “
„Liebe. Liebe. Hört. Hört“, sagte Quokka. „Die Flachköpfe haben bestimmt schon von uns gehört und sind auf dem Weg zu uns.“
„Wirklich?“
„Horch doch mal, sagte Quokka. Du kannst hören, wie ihre Schwänze durch die Wege schleifen.“
Es wurde still um die beiden.
„J…ja“, sagte Möppschen mit erstickter Stimme.
„Hörst du mir zu?“, fragte Quokka.
„Ich höre dir zu“, sagte Möpschen.
„Gut“, sagte Quokka. „Die Flachköpfe sind abstoßend hässlich. Sie spucken auf den Boden. Sie sind nichts weiter als kleine Päckchen aus Blut und Knochen und haben vor allem Angst.  Das macht sie gefährlich. Sie haben so ein schlaues Lächeln. Und es  gibt noch immer so viele Gänge, die nirgendwo hinführen….. Ganz ruhig….ganz ruhig…“, sagte Quokka, um sich selbst zu beruhigen.
Es war kompliziert. Möpschen zog ein Wahrheitsbaum-Blatt  und einen Schreibstift aus ihrer roten Handtasche.
„Ich weiß, was du jetzt brauchst“, sagte sie zu Quokka.
Sie setzte sich neben Quokka und fing an zu schreiben. Sogleich stürzte  sie sich auf ihr allerschwierigstes negatives Gefühl , das sie in sich trug: den Neid. Möpschen wollte Quokka zeigen, wie stark sie war. Inuk hatte ihr die Geschichte vom Wahrheitsbaum und seinen Blättern erzählt. Wer sich traute, seine eigenen negativen Gefühle auf ein Blatt der Wahrheit zu schreiben, macht sich auf zu einer Reise und lässt die Magie  in sein Leben. Inuk war der beste Geschichtenerzähler-Hund mit großen Ohren, den sie kannte.

 

Inuk quokka0Quokka schielte auf ihr Blatt und verzog das Gesicht. In Möpschens Kopf ratterte es.

„Worauf und auf wen bin ich neidisch? Auf alle, die nicht in der Dunkelheit leben müssen. Ich bin auf alle neidisch, die es leichter haben, die das Leben ohne Mühe und Anstrengung bewältigen. Ich bin auf alle neidisch, die in einem großen Bett schlafen. Möpschen trug eine beträchtliche Liste von Tulèar-Bewohnern in sich, die sie deswegen zu ihren Feinden erklärt hatte. Sie alle schrieb sie auf ihr Wahrheitsbaumblatt.
„Heute werden wahre Gefühle eingeladen!“  Ihr Stift wirbelte durch die Lüfte.

naturmedizin6Und während sie so schrieb, setzte sich eine Schnecke auf die Spitze des Blattes. Schnecken lebten schon sein Urzeiten auf Wahrheitsbaumblättern. Sie schmeckten einfach besser.
„Ich bitte um Entschuldigung. Ich bin soeben hier eingetroffen“, sagte die Schnecke.
„Ach beim Himmel, störe mich nicht“, schimpfte Möpschen leise.
„Wie gesagt, ich bin noch nicht lange hier“, wiederholte die Schnecke.
Mit klopfendem Herzen spähte sie auf das Blatt hinunter. Möpschen hatte das unangenehme Gefühl, beobachtet zu werden. In ihr herrschte eine hibbelige Stimmung und so funkelte sie die Schnecke böse an.
„Wenn Sie sich aufregen, wird es nur noch schlimmer! Beherrschen Sie sich, sonst beherrscht es Sie!“, gab die Schnecke zu bedenken. Sie verschränkte ihre Fühler vor dem Kopf und sagte erst einmal gar nichts weiter.
„Was beim Himmel…?“ flüsterte Möpschen und guckte zerknirscht.
Sie verspürte große Lust, einen Löffel aus ihrer Tasche zu holen.
„Haben Sie Eltern?“, fragte die Schnecke Möpschen nach einer Weile.
„Äh?“
„Ein Ma?“, rief die Schnecke ihr zu.
„Tot!“, sagte Möpschen.
„Ihr Pa?“,rief die Schnecke.

inuk eich„Hab ich nicht gesehen. Ist auch egal, ich werde eines Tages eine Prinzessin sein und eine Krone aufhaben!“, sagte Möpschen.
„Ein schöner Traum. Sie können ruhig froh sein, dass Sie solche Träume haben. Mal abgesehen davon, dass es keinen interessiert, ob Sie froh sind oder nicht“, sagte die Schnecke. Sie schnalzte mit der Zunge und setzte sich in Bewegung.
Sie wollte damit sagen, dass man ruhig tun sollte, was einem Frohsein schenkt, weil es schließlich keinen etwas angeht außer einen selbst.
Möpschen schnappte sich die Schnecke und legte sie auf die Mitte ihres Wahrheitbaumblattes. Sie zog einen Löffel aus ihrer Tasche und klopfte damit auf das Haus der Schnecke.
„Woher kommst du?“
Die Schnecke streckte Möpschen ihren Hals entgegen. Er wuchs und wuchs stängelartig aus dem Schneckenhaus heraus. Sie wollte sehen, was da an ihrem Haus geschah. Ihr Kopf schwebte in der Luft, um besser sehen zu können.
Quokka schien noch immer vor Sorge benommen. Die mögliche Begegnung mit den Flachköpfen machte ihm zu schaffen.
Möpschen runzelte derweil die Stirn.
„Ich komme aus dem Tunnel, der aus lauter Kammern besteht. Ich bin durch endlose Gänge gekrochen. Die Wände sind dort so rau und dabei habe ich mir mein Knie angeschlagen. Meine Lieblingsspeise sind Wahrheitsbaumblätter.“
Möpschen warf der Schnecke einen schnell prüfenden Blick zu.
„Und woher wusstest du, in welche Richtung du gehen musstest?“, fragte Möpschen.
„Ich bin eine Hellseher-Schnecke. Ich bin der letzte Nachfahre der einst so stolzen tahitianischen Grünschnecken, deren Kenntnisse bis in den Dunkelwald hineinreichen. Wir kommen von einem überhimmlischen Ort. Wir landeten vor Millionen von Jahren hier auf der Erde. Irgendwann aber fingen einige von uns mit ihren Gedanken und Gefühlen zu kämpfen an. Sie legten ihre ganze Aufmerksamkeit darauf und alles verkomplizierte sich unter uns Schnecken. Der Sprachrhythmus der Schnecke verlangsamte sich.
„Jetzt bin nur noch ich übrig“, seufzte sie.
„Wirklich?“, sagte Möpschen und sah die Schnecke genau an, sagte jedoch nichts weiter.
Und essen tat die Schnecke schnell. Sie wurde runder und runder und Möpschens Wahrheitsbaumblatt wurder kleiner und kleiner.

„Jesses, sieh einer das an!“ Möpschens Glück ging weiter….“Das ist ja´n Ding“.
Sie berührte ihr linkes Ohr. Wenn Möpschen ihr linkes Ohr berührte, purzelten Blitzideen.
Diese stolze tahitianische Grünschnecke wird sie durch das Labyrinth bringen. Es war gefährlich. Hier haben alle Wege Windungen und Krümmungen, Sackgassen und falsche Türen, die jeden für alle Ewigkeit schlucken können. Da kann eine Hellseher-Schnecke helfen.
„Wie lange brauchst du, um uns in den Dunkelwald zu führen?“, fragte Möpschen die Schnecke.
„Zu lange“, vermutete Quokka.
„Ganz genau“, sagte die Schnecke und nahm sich noch eine heftige Ecke des Blattes, kaute, schlang und zermalmte.
„Äh?“, sagte Möpschen. Sie setze den Löffel zwischen die beiden Fühler der Schnecke.
„Hör`zu du, ich bin Möpschen-Lulu Windston. Wir zwei passen hervorragend zueinander, euer hochwohlgeborene Schnecke. Willst du Prinzessin sein?“ Sie fegte den Löffel vom Kopf der Schnecke und zeigte dabei ein breites, weises Lächeln.
„Sie meinen, ich könnte Prinzessin sein?“
„Jawohl, Euer Hoheit, aber nur, wenn du uns durch das Labyrinth führst. Ja“, sagte Möpschen. „Ja.“
„Wenn ich Prinzessin bin….“,begann die Schnecke.
„Shhh…nein, behalte deine Zukunftspläne für dich. Das ist doch ein geheimer Plan“, flüsterte Möpschen ihr zu.
Die Schnecke wünschte sich so sehr, Prinzessin zu werden. Sie wünschte es sich so sehr! Und weil sie es sich so sehr wünschte, glaubte sie mit jeder Faser ihres Herzens an Möpschens Plan.

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Das Schloss

Inuk hob seinen Kopf vom Boden und seufzte.
„Isch liebe die Prinzessin. Ich muss…“
Er hatte  lange geschlafen und träumte von der glitzernden, glänzenden, lachenden, singenden Prinzessin. Inuk wollte bei Prinzessin Emèrelle sein. Für immer.
Draußen vor dem Schloss ging die Sonne unter und die Sterne erschienen einer nach dem anderen. Davon bekamen die Vier aber nichts mit. Sie waren in der dunklen Welt, was überhaupt nichts mit Licht zu tun hat.
„Pardon.Wer sind Sie?“, fragte Inuk.
„Ich bin eine Hellseher-Schnecke. Ich kann Dinge sehen und mich an Dinge erinnern!“ antwortete die Schnecke. Sie schaute dabei auf Inuks niedliche Ohren.
„Mon Dieu. Unglaubelisch!Sie sind eine  Èllseherin? Es ist mir eine Ehre, Sie kennen zu lernen. Ich bin Inuk Coton de Tulèar, eine französische Hund. Qùi. Qùi“
„Oh, ich freue mich. Ja, ja, ich bin eine spirituelle Schnecke. Mein Ur-Ur-Großvater mütterlichseits besaß schon diese Fähigkeit des Hellsehens. Ich lasse einfach meine beiden Fühler wachsen und erhöhe meine Schwingung. Und dann atme ich ein und wieder aus. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa….
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa….. und Ooooooooooooooooooooooooooooo. Und ich gehe weiter und weiter. Und das durchstrahlt mich und alles wird so leicht und ich habe keine Angst mehr und ich vergesse, dass ich eine Grünschnecke bin und dann kommt ein blauer Strahl und ich vertraue und werde immer sanfter und dann sehe ich manchmal Dinge, die über das Reich des Sichtbaren hinausgehen. Ich bin dann in Verbindung mit meiner Seele. Und die sieht viel mehr als ich. Sie ist nie weit weg von  mir. Wenn ich sie etwas frage, antwortet sie mir. Sie lernt , so wie ich lerne. Das Universum ist mehr, als Sie bisher gedacht haben. lieber Inuk. Meine Seele sieht zum Beispiel, dass ich meine Herausforderungen selbst geplant habe. Das wir uns hier im Labyrinth begegnen, ist also weder zufällig noch sinnlos.“

Möpschen schielte so gelangweilt wie möglich zu Inuk. Sie riss sich stark zusammen. Sie selbst konnte ja auch Gedanken lesen. Aber das behielt sie lieber für sich. Inuk tanzte es vor Augen. Sein Herz schlug schneller.
Die Grünschnecke setzte unbekümmert fort: „Und ich atme ein Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa und aus Oooooooooooooooooooooooooooo…“
„Was ist spirituell?“,platzte es aus Inuk heraus.
„Das ist so…“, sagte die Schnecke. „Ich bin überhaupt nur hier, weil meine Seele sich  entschieden hat, ein betreffendes Ereignis zu verstehen, und darum durchlebt sie es wiederholt.Ich lande seit Jahren immer wieder in demselben Schlamassel. Immer wieder schramme ich mir mein Knie an der rauen Wand auf.  Die Sache mit dem Spirituellen ist nun, dass ich mir nicht sagen muss, ich hätte etwas falsch gemacht oder ich werde bestraft. Von der Seele und mir ist es eine sehr mutige Entscheidung, diese Erfahrung mehrmals zu machen.“
Die Schnecke streckte ihre zwei Fühler stolz in die Höhe.
„Ich kann mich natürlich schon beim ersten Mal fragen, was soll ich lernen? Aber wer tut das schon…? Spirituell ist, wenn ich darauf vertraue, dass jede Erfahrung, jedes Ereignis eine Bedeutung hat. Die verstehe ich nicht immer sofort, aber ich vertraue darauf, dass all meine Herausforderungen einen Sinn haben. Das ist nicht immer einfach, weil sich vieles erst später erklärt. Aber ich vertraue darauf, dass all das geschieht, damit das Licht meiner Seele stärker und stärker leuchten kann. Ich meditiere immer. Meditationen führen anderswohin. Und….“
„Licht“, sagte Inuk laut. Und dann flüsterte er das Wort noch einmal: „Licht.Geschichten sind Licht.“
Inuk war im Verlies auf der Suche nach dem kleinsten Schimmer. Er sehnte sich nach Licht. Er glaubte, dass Licht das Einzige ist, was dem Leben Bedeutung verleiht. Und im Verlies war so wenig davon. Und plötzlich schien es ihm mitten in sein Gesicht.
„Licht hat mit dem Leben zu tun. Ja. Ja. Leben ist Licht“, sagte die Schnecke.
Quokka stampfte dazwischen.
„Ahh! Ich lache mit tot! So was Blödes! Leben bedeutet Leiden. Genug Mister Winnetou aus Cucaraschta. Es wird Zeit. Die Flachköpfe kommen immer näher. Wir müssen weiter!“ Sein Herz schlug heftig. Er spähte angespannt ins Dunkel. Quokka gehörte wie Möpschen zu den Unglücklichen. Sie lebten schon viele Jahre im dunklen Verlies. Quokkas Herz war gebrochen. Quokka war aus dem Licht gefallen. Das geschah auch schon vor vielen Jahren.

Möpschen zog vier Löffel, Minikocher und Suppe aus ihrer roten Handtasche. Diese Handtasche hatte es in sich.
„Wenn die Zeiten schrecklich sind, ist Suppe die Antwort. Suppe?
Sie rührte die Suppe um. Quokka streckte seine Nase in die Luft.Es roch köstlich.
Alle schnüffelten sie. Mit jedem Schnüffeln fühlten sie sich stärker und mutiger.

Und Mut brauchten sie für ihre Reise in den Dunkelwald.

Dort lebte Wortspinner. Zu ihm wollten sie gelangen.

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Wortspinner

Wortspinner war über sechzig, bartstoppelig, mit verrunzelter Haut. Altersschwere Augen hingen in seinem Gesicht. Zur Hälfte war er gemein. Zur Hälfte war er nett. Er hielt nichts mehr von der Liebe. „Du-umm-köpfe ha-b-en hier ni-nichts zu su-uchen“, sagte er immer. Liebe war für ihn nicht mehr als das Warten auf Schmerz.  Er rempelte Verliebte immer an und erklärte ihnen, wie schrecklich die Liebe ist. Er schwelgte in Selbstmitleid….

…Fortsetzung folgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Teil 6: Einen Löffel voller Angst. Für M.

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Quokka kroch auf Händen durch Geröllhalden. Er ging als Erster.
„Möppchsen, sorge dafür, dass Inuk nicht stehenbleibt“, sage Quokka.
„Du geht hinter mir“, flüsterte Möppschen Inuk zu.

Hintereinander machten sie sich auf den Weg. Sie krochen auf Händen und auf Knien. Inuks Blumenkohlohren streiften die Wände. Es sollte nicht lange dauern, da trafen sie auf den ersten versiegelten Gang.
„Der Weg führt in eine Schlucht hinauf, auf beiden Seiten ragen hohe Felswände in die Höhe. Dort gibt es etliche dunkle Plätze. Dort sind die Dinge, die wir nicht wissen können. Die wollen wir auch besser nicht wahrhaben, denn die machen etwas mit uns“, erklärte Quokka.
Ein Schauer überlief ihn. Sein Mantel raschelte vor Schreck.
An Inuk gewandt, ertönte  ein: “ Das ist ja man ganz schön dunkel hier, nich?“
Quokka stöhnte wie ein Gequälter.
Inuk  bekam Gänsehaut.
„Ja, das ist es“, gab er zur Antwort.
Möppschen machte große Augen und nickte. Ihre Gefühle wuchsen. Und je stärker das Gefühl, desto heller wurde sie. Eine Träne tropfte ihr auch noch gleich aus der Hand.
„Es ist fürchbar. Es riecht hier so nach Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit“, stöhnte Möppschen.

inuk eichSie fing ein kleines Lied an zu singen, das in etwa so ging:
Ich bin nicht die Prinzessin fein, aber eines Tages, da werd ich`s sein. Werd ich wohl . Sein, sein, sein. Fein. Fein.Fein. 
Sie konnte eigentlich nicht singen. Sie grölte eher.  Machtvolle Kraft stieg ihr durch die Zehen und in ihre kompakten Waden. Manchmal  sang sie vor lauter Angst so laut, dass sie ihre Nachbarn weckte. Mit ihrem Gesang saugte sie Energie aus der Erde, die sie stark machte. Aber hier, hier im Labyrinth ließ sie trotz des Singens alles frösteln.
Sie hatten schon eine weite Entfernung zurückgelegt. Es war karg. Es war grau. Inuk hielt sich dicht bei Möppschen auf. Er hatte Angst. Sie hatte Angst. Quokka hatte auch Angst. Doch er ließ sich nichts
„Suppe?“, rief Möppschen.
„Äh, möchten Sie  eine Pause machen?“, fragte Inuk.
„Verboten. Nich hier. Zu gefährlich.“ Er ballte die Faust zusammen und starrte nach oben ins Dunkel.
„Ich habe von Gerüchten gehört. Hier laufen sie herum…“
„Pfff. Wer läuft hier herum?“, fragte Möppschen.
„Na, die sich von Angst ernähren. Die riechen das durch ihre Augen, Ohren und Nasen, wenn jemand Angst hat. Die hören, wie man atmet „, sagte Quokka.
Sie waren noch lange nicht im Dunkelwald angekommen und es wurde jetzt schon gefährlich.
Inuk fasste Möppschen an die Hand.
„Kommt, höchste Zeit, dass wir hier verschwinden. Wir müssen uns hüten“, sagte Quokka.
„Sich hüten….?“, fragte Inuk.
Doch da waren sie schon. Es müssen tausende gewesen sein. Lauter kleine rote Käfer mit markanten Punkten auf dem roten Panzer tauchten auf. Genau vor der Nase von Quokka schwirrte einer von ihnen umher. Sie ziehen sich erst zusammen. Sie hängen überlegen an einem Faden. Sie kreisen um einen herum. Und dann breiten sie plötzlich ihre Flügel aus und stürmen in Tanzpose auf einen los.

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„Hey?“, rief Quokka. „Was is`n los?“
Quokka zeigte seine starken Zähne. Sie waren da. Die Siebenpunktkäfer.
Möppschen tropften die Tränen nur so aus der linken Hand. Lauter tanzende Schatten, riesig und wahrhaft erschreckend.
„Sehr töricht“, dröhnte der Käfer. „Sehr töricht, Angst zu haben! Zu dumm.“
Er balancierte auf Quokka`s Nase zu.
„Wer ist denn das da ganz tief unten?“ fragte der Käfer mit einer Stimme, die einen frösteln ließ
„Ich bin`s.  Gestatten Sie, isch àbe die Ehre. Mein Name ist Inuk.“
„Oh je“, sagte der Käfer. „Ein Hund mit Benimm.“
„Wie wahr!“, flüsterte Möppschen. Sie hielt ihre rote Handtasche etwas höher, um ihr Gesicht vor dem angetürmten Haufen Käfer zu schützen. Es half nicht. Sie glitschten überall hin. Doch Möpschen wäre nicht Möpschen, hätte sie ihre rote Handtasche nicht voller Suppenlöffel. Sie wurde immer heller vor Aufregung. Das Licht schien in ihre Tasche. Sie  zog schnell einen Stapel Löffel aus ihrer Tasche und warf einen zu Inuk und einen zweiten zu Quokka. Danach  machte Möppschen einen Schritt zurück und setzte sich auf einen umgedrehten Suppenlöffel. Die restlichen Löffel verteilte sie auf ihre beiden Hände. Sie wurde richtig wild und schnaubte in sich hinein.
„Kein Knabbern mehr. Ein ernst zu nehmender Löffelschlag“, rief sie so laut, dass schon dabei einigen Käfern vor Schreck der Faden riss. Sie purzelten in die Tiefe, landeten auf dem Rücken und waren außer Gefecht gesetzt.
„Der Tag der Löffel ist da! Ist das klar!“ brüllte sie den Käfern in die  Ohren.
„Ja..“, murmelten die restlichen Käfer irritiert zurück.
„Guck sich einer an. Hätte nie gedacht, dass es so viele Löffel gibt auf der ganzen weiten Welt“, rief Quokka ihr zu.
Und schon ging es los .
„Autsch!“. Jeder Löffelschlag saß. „Autsch!“, zischte schon der nächste Käfer.
„So ist es gut, noch einen kleinen Löffelschlag….“  Möppschen drehte sich blitzschnell auf dem sitzenden Löffel in in alle Himmelsrichtungen.  Mechanisch schepperten die vielen Löffel auf die Käfer ein.
„Autsch…“
„Kriech weiter, Käfer…sonst…“, befahl sie dem nächsten und schaute ihm direkt in die Augen.
„K…ann nicht…, hörte sie den Käfer mit zittriger Stimme sagen.
„K ..eine Kraft…“
„Das kann nicht sein!“, sagte Möppschen und zuckte mit den Schultern.
„Es ist aber so…“, flüsterte der Käfer mit schwacher Stimme.
„Wie?..Aber du musst…“, rief Möppschen.
„K…ann nicht…“ wiederholte der Käfer mit schwacher Stimme.
Sie streckte einen Löffel aus und schaufelte den Käfer hinein.Und so geschah es, dass Möppschen voller Suppengerätschaften mit einem Käfer auf einem Löffel festsaß.
„Beim Himmel. Wie heißt du denn?, fragte sie.
„Coccinelli“. Der Käfer hob sein Kopf.  „Vielleicht solltest du mich einfach irgendwo, äh, absetzen“, schlug der Käfer vor.

„Fass dich an deinen Gürtel und schwing dich fort, Käfer!“, brüllte Quokka dem Käfer zu, der noch immer vor seiner Nase herumschwirrte. Der Käfer schwang in einem weiten Bogen vor und zurück.  Klar, dass er es nicht mochte, beleidigt zu werden. Käfer. Inmitten all seiner Brüder und Schwester Käfer genannt zu werden, war eine Beleidigung.
„Ich bin kein Käfer!“
„Bist nur ein Käfer“, wiederholte Quokka.
Es war die lauteste Stimme, die der Käfer je gehört hatte.

inuk oberkaefer
Er sah wie Quokka ihn anstarrte und  donnerte zurück: „Was auch immer du tust. Deine Taten werden Folgen haben! Du wirst es bereuen.“
Doch er fühlte auch, dass es unter diesen Umständen  besser war, sich aus dem Staub zu machen. Also schnappte er sich seinen Faden und drehte ab.
„Ich sag`s dir, ich bin kein Käfer! Ich bin hier, weil ich sieben Punkte habe. Kannst du nicht Punkte zählen? Ich bin ein Siebenpunktkäfer! Ich bin der Ober-Siebenpunktkäfer“  Der Käfer lächelte sein gefährliches Lächeln.
„Ein Käfer ist ein Käfer ist ein Käfer.“ Quokka schwang seinen Löffel.
Der Käfer  machte „Urrgh!“ und hinterließ beim Abdrehen einen kleinen Silberstreifen von Licht.

Ein kurzen Moment wurde es leuchtend. Quokka suchte nach Inuk.

„Möppschen, ich fall gleich tot um! Sieh´dir mal Inuk an. Möppschens Gedanken um Coccinelli verstummten schlagartig.
Sie machte eine gummiweiche 180 Grad-Drehung.
Der Käfer Coccinelli klammerte sich am Löffel fest, als würde er gleich der Matschbacke vorgeführt.

„Ups!“, rief Möppschen aus. „Ich falle in Ohnmacht!“  Sie musste Luft holen.

 

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inuk marienkaefer3Inuk war umzingelt von Käfern. Es schien, als habe er das Vertrauen der Käfer gewonnen. Hier und da flackerte ein Licht auf. Kurz darauf hörte man ein  „Ha-ha-ha!“  Es ging lustig zu.
„Siehst du auch, was ich sehe?“, fragte Quokka nach.
Wonach sieht es denn aus?“, fragte Möppschen.
„Horch doch mal!“, sagte Quokka. „Du kannst ihn hören.“
„Hier liegt was in der Luft“, brummte Möppschen.
Sie starrten auf die aufgetürmten Käfer, die  mit verträumten Augen und  glänzendem Silberstreifen vor Inuk saßen und seiner Stimme lauschten. Alles summte hier plötzlich. Alle schienen  miteinander verbunden.
Coccinelli beleuchtete den Löffel, in dem er saß. Sein Herz warf eine Welle aus. Er breite seine Füßchen aus und machte es sich gemütlich. „Siebenpunktkäfer lieben Geschichten“, erklärte er.
„Ah“, sagte Möppschen. „Verstehe.“  Sie räusperte sich.

 

Inuk erzählte den Käfern noch eine Geschichte. Sie handelte vom Baum am Berge.
Ein kleiner Junge ging allein durch die Berge. Die Berge wurden „Bunte Kuh“ genannt. Ein alter Mann fand den Jungen an einen Baum gelehnt. Er fasste den Baum an und sprach zu dem Jungen: „Wenn ich dir den Baum mit meinen Händen schütteln wollte, ich würd`s wohl nicht schaffen. Aber der Wind, den wir nicht sehen, der schafft es. Wohin er will, kann er ihn biegen. So ist das auch mit uns Menschen. Wir werden am schlimmsten von unsichtbaren Händen gebogen.“
Der Junge schaute den alten Mann verwundert an. Der sprach weiter: „Sieh dir den Baum an, mein Junge. Je mehr hinauf in die Höhe, umso stärker wollen seine Wurzeln in die Erde. Dieser Baum wuchs sehr schnell hoch hinaus. Jetzt steht er hier einsam in den Bergen. Er wuchs über die Menschen und Tiere hinaus. Wenn er reden wollte, hätte er niemanden, der ihn verstehen könnte, so hoch wuchs er hinaus. Und nun wartet er und wartet er. Vermutlich wartet er darauf, dass er vom Blitz getroffen wird. Das ist wie mit uns Menschen.  Die Gefahr ist beim Wachsen, nicht nur ein Hoher zu werden, sondern auch ein Frecher, ein Arglistiger, ein Höhnender. Wir suchen die Freiheit, alles will in die Höhe. Wir suchen nach den Sternen, wir bellen vor Lust im Keller  und wollen dem Sturm ausweichen. Und dann werden wir doch in den Sturm geworfen. Und im Sturm verschärft sich alles. Viele sehen nur nach oben. Der Mut aber will lachen. Der Mut sieht nach unten, weil er erhoben ist. Also, wirf den Helden in dir nicht weg. Wirf die Hoffnung in dir nicht weg. Vergiss nicht mein Junge, jeder Sturm hat ein Loch in der Mitte. Durch das Loch musst du in  Stille hindurchgehen, dann werden deine Wurzeln stark. Den Sturm überlebst du nur von der Mitte. Wann immer du in den Sturm geworfen wirst, komm zurück in die Mitte. Wenn du wissen willst, wie man den Sturm der Erfahrungen erträgt, musst du wissen, was ein Vogel weiß. Beobachte einen Vogel im Sturm.

Die Geschichte endete in der Stille. Mucksmäuschenstill war es.
„Stille ist beim Erzählen von Geschichten genauso wichtig wie die leere Leinwand für den Maler“, flüsterte Coccinelli Quokka und Möppschen zu.

Möppschen fiel der Löffel aus der Hand. Was nicht so gut war für Coccinelli, der es sich in ihm sehr gemütlich gemacht hatte. Überrascht hob der Käfer die Brauen.
„Oh, ich bitte dich…hör mal…“ entfuhr es ihm. „Oh nein…“
Und schon fiel der Käfer im Galopp. Einige Sekunden lang beschnüffelte er den Boden. Seine Ohren rauschten. Vor den Augen tanzten ihm blitzende Lichter. Sein Kopf fühlte sich, als habe ihn ein hartes Ding getroffen. Die Beinchen protestierten wild. Zur gleichen Zeit schnalzte Möppschen mit der Zunge. Click.Click. Die großen Schatten waren verschwunden. Alle Käfer leuchteten. Sie streckten ihre Flügel aus und genossen die Wärme.
„Das ist wirklich erstaunlich, Möppschen!“ Quokka starrte sie mit großen Augen an.
„Ja. Magie“, seufzte sie.
Vor ihren Augen tanzten tausende Siebenpunktkäfer.

Coccinelli navigierte sich zurück zu Möppschen und stieß ihr mit der Stiefelspitze an die Wade.
„Es gibt viele Möglichkeiten, seine Angst zu besiegen“, rief der Käfer den beiden zu. „Eine ist, Geschichten daraus zu machen.“

 

Und so geht es bald weiter:

Das Labyrinth war vinuk irrgartenoller Tücken. Aber sie mussten zu Wortspinner gelangen. Nur er konnte ihnen helfen. Er war über sechzig, bartstoppelig, mit verrunzelter Haut. Altersschwere Augen hingen in seinem Gesicht. Zur Hälfte war er gemein. Zur Hälfte war er nett. Er sah keinen Grund mehr auf die Liebe zu warten. Liebe war für ihn nicht mehr als das Warten auf Schmerz. Er vertrieb auch Kinder und Liebespärchen aus seinem Turm. „Du – …Dum-m-köpfe ha-aben hier ni-nichts zu suchen“, sagte er immer. „Es ist ein Kreu- z mi..mit der Ju-ugend. Keinerlei Si-inn mehr für für Eti-kette und Be-nehmen.“ Er rempelte sie an und erklärte ihnen, wie schrecklich die Liebe ist. Er schwelgte in Selbstmitleid. Ansonsten war er der Allerhöchste Akademiker.

 

 

 

 

 

 

Teil 5: Inuk und der afrikanische Drache

Inuk dracheulala

 

 

inukkoenigibett

 

 

inuklandsaß  Prinzessin Emerèlle in ihrem Gitarrengarten und sang vielstimmig zu ihrer Gitarrenmusik. Der Garten hatte einen Baum. Er hieß Eduardo. Es war ein besonderer Baum und so auch ein besonderer Garten im Land Coton. Emerèlle liebte es unter diesem Baum zu sitzen. Dort konnte sie über das Leben staunen. Die kleinen Zweige waren ihre Freunde. Sie ließen sie riechen und da der Prinzessin leicht Tränen kamen, weinte  sie so manche Träne an diesem Baum. Der Baum  Eduardo liebte die Prinzessin ebenso. Seit seinem ersten Lebensbaumjahr kannte er die Tochter des Königs. Er entzifferte  all ihre Geheimnisse.  Immer wenn sie weinte, blätterte er liebevoll, damit sich Emerèlle die schönsten Blätter als Landeplatz für ihre Tränen aussuchen konnte.

 

Ulalawacker, der klein Weitohr-Drache machte sich mit seinem Wortkoffer auf. Es eilte, denn schon morgen wollten sich

inukprinzessinengitarrengartenInuk, Möpschen Windston und Quokka in den Dunkelwald aufmachen. Dort lebte Wortspinner in seinem Turm. Möpschen wollte Inuk  zum Schrottplatz der Liebe führen. Aber vor allem sollte Inuk Coton de Tulèar dem alten Mann die Geschichte von den unbeschreiblichen Gedanken und der Prinzessin die Herzen hören konnte erzählen.  Seit Jahren suchte er nach der richtigen Geschichte, die ihm hilft, sich aus der Dunkelheit zu befreien. Möpchsen wusste, Inuks Geschichte würde sie alle ins Licht führen. Doch es war kein ungefährlicher Weg. Und darum überredete sie Quokka Glitschig, Inuk und sie zu begleiten.
Der Weg dorthin führte durch das Herz des Labyrinths, vorbei an den Flachköpfen.  Sie waren stark in den Armen, aber schwach im Kopf. Sie kannten viele Gemeinheiten. Und Dunkelwald war gewaltig dunkel. Und wie das so ist mit Dunkelheit. Man kommt sich so klein vor.

inukprinzessinengitarrengartendrachen

Der Weitohr-Drache dachte darüber nach, ob er zuerst eine Verbeugung machen und dann den Koffer überreichen sollte oder umgekehrt.
„Wie geht das?“, murmelte er vor sich hin. „Nein, nein, isch mache erst eine Hofknicks.“
Am Ende mache der Wanderwacker nichts von alledem, sondern setzte sich einfach neben die Prinzessin, die so wunderschön sang.

Die Prinzessin staunte nicht schlecht, als sie den Wanderwacker Ulalawacker plötzlich neben sich sitzen sah.
„Wirst du mir etwas sagen?“, fragte die Prinzessin.
„Darauf kannst du wetten!“, antworte der afrikanische Weitohr-Drache. Er sprang auf, raffte seine zweieinhalb Drachenschwänze und verbeugte sich.
„Euer Prinzessin, meine Name ist Ulalawacker. Isch komme von eine weite Reise.“
Blumenkohlohrigst stellte Ulalawacker seine Ohren auf und schnalzte mit der Zunge afrikanische Klicklaute.
„Click. Click.“
„In Ordnung“ , sagte die Prinzessin.
Emerèlle hoffte insgeheim, dass sie etwas über den klitzekleinen Inuk erfahren würde. Seit Tagen träumte sie von dem Hund, der ihr die schönsten Worte geschenkt hatte. „Ich verehre Sie.“

Ulalawacker erzählte seine Geschichte: “ Der Himmelgott hat eine Koffer mit Worten vom Himmel fallen lassen. Naja, eigentlich habe wir die Worte der schlauen Spinne Kwaku zu verdanke. Sie wollte so berühmt werden wie die andere Tiere. Wie die  schöne Elefante und Tiger und Löwe. Kwaku gehörte leider zu den wenig angesehenen Tieren.
„Ich habe das Recht, berühmt zu werden!“, sagte sie. „Ich möchte auch wie die Könige überallhin getragen werden! Wenn ich so schlau bin wie der Fuchs und das Krokodil, werde ich respektiert werden.“ Sie dachte darüber nach, was schlau sein könnte. Und so wuchs in ihr die Idee,  ein Netz zu weben. Als Spinne ein Netz weben, schien ihr schlau.  Erst war es eine kleines, aber dann fand sie Vergnügen am Weben ihres Spinnennetzes. Es wurde immer größer und größer. Und noch größer und weiter und noch größer wurde es. Sie garnte so fein, dass die Fäden von Menschen nicht zu sehen waren. Irgendwann  war das ganze Universum voller Spinnweben. Als der Himmelgott dann den Koffer abwarf, landete er im Netz der Spinne. Kwaku öffnete die Koffer. Sie wollte doch wissen, was im Koffer war. Alle Wörter wehten sofort aus dem Koffer und landeten  in ihre große, große Netz. Seitdem sind alle Wörter über die ganze Welt verteilt. Kwaku passt seitdem auf alle Wörter auf.  Kein Mensch darf eine Wort alleine  besitzen, hat sie gesagt. Sie müssen immer wieder zurückgegeben werden. Sie bekommen aber auch andere Wörter dafür. Für alle Menschen, die darum wissen, ist Kwaku sehr berühmt. Aber manche Menschen denken auch weiterhin, es sei dumm, sich darauf etwas einzubilden. „Ein ziemlich wertloses Ding“, sagen sie.
„Und wieso hast du jetzt einen Koffer mit Worten dabei?“, fragte die Prinzessin.
„Isch? Isch bin die Freunde von Kwaku. Es hat ziemlich gewackelt an einem seiner Fäden. Und Kwaku krabbelte eilig zu der Stelle und fand viele Worte von Inuk. Die Worte sind alle für disch. Kwaku hilft, damit Worte ganz nah kommen. Dorthin, wo sie ankommen sollen. Weil es schließlich niemanden anderen etwas angeht, außer einem selbst. Inuk wünscht sich nichts sehnlicher auf der Welt, als bei der Prinzessin zu sein“, erzählte der afrikanische Drache. Die Prinzessin war so glücklich.
„Inuk will mich wiedersehen“, sang sie.
„So einfach ist es nicht, Prinzessin. Er sitzt im Verlies. Sie habe Inuk eingesperrt, weil er verliebt ist“, erklärte Ulalawacker weiter.
Einen Moment war es still. Ulalawacker schielte zur Prinzessin.  Sie schaute traurig nach unten.
Mit seinen Weitohren konnte er hören, was die Prinzessin leise dachte.
Inuk. Inuk. Was soll jetzt nur geschehen?  Es wurde stockfinster in ihrem Herzen.
„Pardon. Sehr liebenswürdig. Vielen Dank, dass du mir die Nachricht bringst! “ schluchzte sie.
Emerèlle wusste, irgend etwas musste jetzt geschehen, aber sie hatte keine Ahnung, was sie jetzt tun konnte. Das Verlies lag im Labyrinth. Ihre goldene Treppe endete sieben  Meter über  dem Verlies. Ihr war der Weg dorthin nicht nur strikt verboten, er war für sie unerreichbar.
„Ich muss ihn retten, Ulalawacker! Ich muss einen Weg finden!“, flüsterte sie leise.
Sie dachte daran, alle Erdwissenschaftler und alle Himmelswissenschaftler des Königreichs zusammenzurufen
„Davon möchte isch Ihne abraten. Die werden alle nicht ihre Karriere riskieren.“, sagte der Drache und bot ihr ein Lächeln.  Er holte einen Lederbeutel aus der Tasche und verteilte weiße Körnchen. Er hob die Hand und blies einige in die Luft.
„Pfff!“
„Weg ist er der Gedanke.“
Die Prinzessin staunte nicht schlecht.
„Herauskristallisiertes von die afrikanische Flußwasser Bunguba“
„Dann muss ich mit meinem Vater sprechen. Er ist der König dieses Landes. Er wird Inuk retten…“sagte sie entschlossen.
„Davon möchte isch Ihne auch abraten!“, erwiderte Ulalalwacker. Erneut zog er ein paar glitzernde Körnchen aus dem Lederbeutel. Wieder hob er die Hand und blies einige in die Luft.
„Pfff!“
„Isch bin ein Wanderwacker und habe schon viel erlebt in die Welt, Prinzessin. U-la-la, Ihre Vater will bestimmt nicht, dass Inuk Sie wiedersieht!“ Er schüttelte den Kopf. Völlig unmöglich. Der König würde seiner Tochter niemals helfen.

Inuk war der erste Hund in Coton, der sich entschlossen hatte, mit einem Menschen zu leben.
„Man erzählt, dass man alles erreichen kann, wenn man es will. Ich will es auch schaffen!“. Sie konnte kaum noch reden.  Eine dicke Träne tropfte auf ihre Gitarre. Eduardo, der Baum, weht sogleich drei Blätter zu ihr. Dicke Krokodilstränen weinte sie.
Ulalawacker seufzte.
Was sollte er jetzt machen? Den Koffer nehmen und die Prinzessin damit alleine lassen? Er lächelte in sich hinein. Aus der Ferne hörte er Kwaku`s tiefe Stimme.
„Wir müssen zur Tat schreiten.“
“ U-la-la. Zur Tat schreiten? Was meinst du mit zur Tat schreiten?“
„Du bringst die Prinzessin zum Turm. Dorthin, wo der alte Mann Wortspinner wohnt.“
Ulalalwacker wackelt aufgeregt mit seinen Drachenschwänzen.
„Muss das denn sein?“, jaulte der Weitohr-Drache.
„Ja, muss.“
„Aber wie? Isch bin eine  kleine afrikanische Drache. Meine Feuer ist keine große Flamme mehr…“
Ulalawacker machte Trippelschritte vor und zurück. Er tänzelte vor Aufregung.
„Denk nach! Du bist nicht blöd!“platzte es aus der Spinne heraus. “ Ich werde Euch eine Treppe spinnen. Es wird ein paar Tage brauchen. “
Der Drache räusperte sich.
„Nachdenken. Ja. Ja. U-la-la. Isch bin eine große Adler. Isch kanne fliegen vielleicht?“
Arme Prinzessin, sie schien noch immer traurig.
„Prinzessin“, sagter er und schnalzte ein erneutes Click.Click. „Prinzessin, schöner Mist.“
Sie schluckte.
„Prinzessin“. Er streckte seine Hand nach ihr aus, aber sie schlug sie weg und fing erst richtig an zu heulen.
Ulalalwacker rutschen die Augenbrauen höher. Eduardo wehte noch einmal drei Blätter zu ihr hinüber.
„Impumelelo! Impumelelo! Erfolg. Erfolg. Wir werden es schaffen. Prinzessin, isch habe eine Idee….“

Für M.

Teil4: Eine weiße Flocke für M.

coton

Etwas Licht kommt im Dunkeln auf.

 

Inuk erwachte aus seiner Ohnmacht. Seine Augen gingen hin und her, hin und her. Reglos lauschte er der Dunkelheit. Seinen ganzen Mut  musste er aufbieten, um nicht zu zittern. Wie Pilze aus feuchter Erde entsprang alles an Gefühlen aus ihm.  Kummer, Angst, Unsicherheit, Verzweiflung, Zaudern, Angst, Zorn. Er spürte den Boden nicht mehr unter seinen Füßen.
Nach einer Weile schlich er sich langsam an eine Mauer heran.  Auf allen vieren tastete er sich vorwärts.
„Genug! Genug! Sie kommen nur von meine Denken! Worauf soll das hinauslaufen. Unglaublisch…….Wirklisch!“, murmelte er. Er wischte sich mit der Pfote den Schweiß von der Stirn. Inuk ahnte nicht, dass  kaum 50 Schritte entfernt von ihm Lulu stand.
Und plötzlich ließ ihn etwas aufschreien. „Auuutsch!“
Etwas hartes, knochiges hatte ihn am Fuß gepackt und zerrte heftig daran.
„Au!“ schrie er erneut vor Schmerzen. Inuk strampelte mit den Beinen. Plötzlich umfasste ihn ein harter Griff am zweiten Knöchel.

Seine Augenlider flatterten.
„Du!“, rief er. „Lass das bittè!“
Sein Herz fing an zu klopfen.
„Ich àbe eindeutig AUA gesagt! Wer bist du?“, wollte Inuk wissen.
„Ich bin Möpschen-Lulu Windston!“, kicherte sie und tätschelte Inuk.
Inuk fragte gleich weiter: „Du würdest mir doch nie etwas antun?“
Möpschen ließ sich auf  Inuks Körper fallen und nuschelte: „Das kommt darauf an!“
Ssssstttt….
Und dann leuchtete plötzlich ein furchtbar grelles Licht auf. Möpschen hatte einen Streichholz angesteckt. Inuk guckte erstaunt hoch. Für einen kurzen Moment konnten sie sich sehen.
Möpschen rückte an Inuks Gesicht heran. Sie hielt die Flamme ganz dicht an sein Gesicht und musterte ihn.

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Möpschen Windston

inukstreichholz„Großer Gott, wie siehst du denn aus? Du hast ja Riesenohren!“. Sie seufzten beide und zwar gleichzeitig.
„Es ist mir eine Ehre, Sie kennen zu lernen“, sagte Inuk.
„Oh, la la, die Ehre ist ganz meinerseits. Du rührst dich nicht von der Stelle, verstanden?“, erwiderte sie.
„Ja.. .“, antwortete Inuk. „Aber isch…“
„Für Fragen ist jetzt keine Zeit. Höre mal gut zu, hier drinnen ist es sehr schwer, sich zurechtzufinden. Du bist hier in einem Labyrinth. Hier haben alle Wege Windungen und Krümmungen, Sackgassen und falsche Türen, die dich für alle Ewigkeit schlucken können.“

„Abär isch kann nicht hier bleiben. Isch liebe die Prinzessin. Isch muss…“

„Ach, das ist ja süß. Liebe. Liebe. Hört. Hört. Ich werde dir zeigen, was aus Liebe werden kann.  Ich werde dir den Schrotthaufen zeigen. Tja, da gibt es nichts zu lachen, mein Junge.“
„Davon weiß ich nichts“, sagte Inuk.
„Das kannst du auch nicht, bevor du nicht verlierst, was du liebst. Die gewöhnlichen Leute der Welt sind zufrieden, wenn andere so sind wie sie selbst, aber sie mögen es nicht, wenn andere anders sind als sie selbst.  Genug von Liebe.“ Sie blies den Streichholz aus. „Du solltest lieber davon reden, wie ich dich retten kann. Ich werde dich nach Dunkelwald bringen. Aber dafür müssen wir an den Flachköpfen vorbei. Sie werden hier im Verlies gefürchtet. Wenn sie dich kriegen, machen sich dich zu einem siebentägigen Festessen!  Sie hassen die Liebe und sie hassen Geschichtenerzähler. Nur Lügen können dich vor ihnen schützen. Das ist kein bisschen witzig, ihnen zu begegnen!“

Eine Träne tropfte aus ihrer Hand. Dann eine zweite.  Und noch eine dritte. Wenn Möpschen emotional bewegt war, tropfte es immer Tränen aus ihrer linken Hand. Sie lächelte entschuldigend.
Wo ist das denn… Dunkelwald?
“ Dunkelwald ist im Nichts- und Niemand-Land.

dunkelwaldIm Dunkelwald gibt es einen Turm. Der ist ein Denkmal für die Dummheit der Liebe. Dort kannst du die Ergebnisse der Liebe sehen. In ihm lebt  ein alter Mann. Alle nennen ihn Wortspinner. Er stammelt immer Worte wie  „Aber,…… aber,….. aber…. Er wackelt manchmal mit seinem knochigen Mittelfinger und macht mit seinem Kopf ruckartige Bewegungen. Und dann kommen seltsame Sätze aus ihm heraus. N…icht einmal d….denken darfst du d….daran!  W…wir s…spre-echen doch n…nicht vom l…leeren Raum, wenn, wenn….w….wenn wir vom Himmel sprechen. Und manchmal kreischt er hysterisch. Und manchmal wird er fuchsteufelswild. Er ist herb wie der Herbst und er kann mild wie der Frühling sein. Und er hat einen scharfsichtigen Spinneblick. Mit dem Blick sucht er…..“ Möpschen stockte. Sie entschied sich, ihm nicht nicht alles zu erzählen. Noch nicht…
Inuk schluckte. Sein kleines Herz sank bis hinunter in die Schwanzspitze.
„Wozu willst du mich zu ihm bringen?“, frage er.
“ Du  kennst die Geschichte vom unbeschreiblichen Geheimnis der Gedanken und der Prinzessin, die Herzen hören konnte. Die Geschichte wird dich retten. Erzähl sie ihm“, antwortete Möpschen. „Wortspinner liebt Geschichten und er  ist der einzige, der dich hier herausführen kann. Gleich im Morgengrauen machen wir uns auf. Ich werde Quokka rufen. Er wird uns helfen.

 

Ja, Inuk kannte die Geschichte von der Prinzessin , die ganz tief hören konnte. Sie konnte sogar das Gras wachsen hören. Und sie konnte Knopflöcher platzen hören. Sie hörte  auch Blumen lachen. Nichts war für sie unmöglich in ihrem Reich der Gedanken. Ihre Stimme klang singend. Selbst die einfachen Worte klangen wie ein leises Lied.

Im Verlies gab es kein Licht. Und vor allem keine Prinzessin Emerèlle, die Gitarre spielte und sang.  „Prinzessin. Prinzessin. Prinzessin.“ Diese drei Wörter drehten sich in Inuk`s Kopf. Die Tapferkeit. Woher sollte er die Tapferkeit hernehmen? „Es war einmal… es war einmal….“wiederholte er. Das waren die mächtigsten Worte, die sich Inuk überhaupt nur vorstellen konnte. Er wollte versuchen, so tapfer wie möglich zu sein.

 

Quokka musste sich am Türrahmen festhalten. Er hatte das Gefühl, das ihm jeden Augenblick die Beine wegknickten.
„Bei allen Göttern! Ich soll einen Hund und dich zum Turm bringen?  Sogleich wuchs eine dicke rote Beule auf seiner Stirn. Der Gedanke machte ihm Ärger im Kopf. Mit einem mulmigen Gefühl wandte er seinen Blick zu Möpschen. Sollte sie sich doch alleine mit dem Hund vergnügen. Schlurfende Schritte waren zu hören. Als dachte er nach und versuchte sich klarzumachen, was jetzt von ihm erwartet wurde. „Tausende Wege sind möglich und sicher werden uns die Flachköpfe Fallen stellen. Heimtücke ist eines der ausgeprägtesten Wesenszüge dieser Zweiherzigen. Sie sind gewieft. Willst du meinen Wagemut herausfordern?“ Er fragte sich, ob Möpschen verrückt geworden war.
„Quokka, es bleibt uns nichts anderes übrig, als es zu tun – es sei denn, du willst die Welt aufgeben“, lenkte Möpschen ein. Sie bohrte ihm die ganze Zeit ihren Finger in den Rücken. Möpschen zapfte seine Gedanken an. Mittlerweilen war es schon ganz normal für sie, Gedanken zu lesen.
„Du sollst nicht immer so dicht an mich herangehen! “ , drängte Quokka und schob sich an ihr vobei.
„Inuk kennt die geheimnisvolle Geschichte der Gedanken. Geschichten bedeuten Licht. Licht ist kostbar in einer dunklen Welt. Er kann uns das Licht zurückbringen. Seit Jahren sucht Wortspinner nach der richtigen Geschichte. Wir müssen ihn und seine Geschichte zu dem alten Mann bringen. “
„Die Flachköpfe interessieren sich nicht für Licht. Ahhh.“ Er sagte das Wort  noch einmal: „Licht.“

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Das Labyrinth. In diesem Verlies saß Inuk fest.

 

Ständig war Quokka auf der Suche nach dem Licht. Nicht den kleinsten Schimmer hatte er bisher finden können. So verzweifelt war er an manchen Tagen, so große Sehnsucht hatte er nach dem Licht. Gefangen waren sie alle im dunklen Verlies. Aber ohne Licht konnte keiner einfach fortlaufen. Mit jedem Schritt, mit dem man in es eindrang, veränderte es sich hinter einem. Er wusste, wenn er das Licht finden würde, wäre sein Leben voller Bedeutung.

„Wir werden vor Kälte zittern. Das wird übel wie noch nie! Wir werden nur kurze Nickerchen machen können.  “ Er hatte den Mund zu einem Strich zusammengekniffen. Seine Schläfen pochten.  Er spähte angestrengt ins Dunkel. „Wir werden das heimtückischste Herz der Welt durchwandern. Du weisst, sie werden versuchen sein Vertrauen zu gewinnen. Ihm sämtliche weiße Zähne zeigen. Und wenn sie dann sein Vertrauen haben,  stoßen sie ihn zurück und verweigern sich ihm. Allem verweigern sie sich. Vor allem das, was er sich am meisten wünscht, werden sie ihm vorenthalten. Sie vergeben nichts. Keine Freunde, sondern Flachköpfe.  Wir müssen durch den Tümpel der Schatten. Wir brauchen die Schmetterlinge. Nur mit ihnen kommen wir leichter voran“, sage Quokka.“Hörst du mir zu, Möpschen?“, fragte er.

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Quokka

„Ich höre dir zu“, sagte Möpschen.
„Gut“, sagte Quokka. Während er das sagte, schwang an seinem langen Nagel der rechten Vorderpfote ein dünnes Seil mit einem Medaillon. Es schwang vor und zurück, vor und zurück.
„Tu, um was ich dich bitte, und dein Leben wird voll von Bedeutung sein“, sagte Möpschen

 

Inuk hatte sich gegen die Welt, ihre Urteile und Gewohnheiten gestellt. Er bekam nun zu spüren, was es bedeutete.  Sie hatten ihn in ein Verlies gesperrt. Inuk war unter den ihm Vertrauten der Andere geworden. Ein Anderer,  auf den Möpchsen schon immer gewartet hatte.

Die große Glocke schlug siebenmal.
Möpschen und Quokka flitzen zu Inuk.

Inuk fühlte sich plötzlich in einer Hand sitzend. Sein Herz klopfte vor Angst. Es dauerte einen schrecklichen Moment.
Eine Stimme dröhnte in sein Ohr.
„Oh ja! Ich werde dir ein Seil umlegen, damit wir dich nicht verlieren.“ Quokka band das Seil mit Medaillon um seinen Hals. Er setzte ihn wieder auf den Boden und verabreichte ihm einen Schubs von hinten. Es war ein kräftiger Schubs.  Inuk riss die Augen auf.
Ich will tapfer sein, dachte er sich. Es schien ihm die einzig mögliche Reaktion.  So tapfer sein wie im Märchen, das er in der Bibliothek gelesen hatte.
„Entschuldige disch! Mon Dieu!“, sagte Inuk.
„Werde ich nicht“, antwortete Quokka.
„Entschuldige disch“, wiederholte Inuk und stellte sich aufrecht hin.
„Nein!“,  zischte Quokka. Seine Zähne blitzten weiß wie Gletschereis. Die Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Isch àbe eine Ehre, Sie unfreundlicher Löffèl.“ Inuk strich sich mit der Pfote durch die Haare. „Unglaubèlisch! Wer sind Sie?“ wollte Inuk wissen. Er zitterte vor Empörung.
„Geht das wen was an? Du bist hier in der dunklen Welt, was überhaupt nichts mit Licht zu tun hat. Hier gibt es das Böse. Du riechst nach Angst. Und die Ohren. Was hast du denn für Ohren…“, sagte Quokka aufgeregt.
Worte ohne Licht flogen hin und her.

„Hört auf!“, rief Möpschen mit hoher Stimme dazwischen. „Quokka  Glitschig! „, mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie ihn an und  und holte tief Luft. Ihre Knöchel traten weiß hervor.  An diesem Punkt war es sehr wirkungsvoll über seine Füße zu laufen.  Das tat sie sogleich. Ihre Augenbrauen rutschen noch eine Etage höher. Sie war kurz vor dem Durchdrehen!  „Also wirklich! „, sprudelte es aus ihr heraus. Quokka schluckte. Ihr tropften erneut Tränen aus ihrer linken Hand. Inuk schluckte ebenso.

„Beim Himmel, wir sind nicht für die Dunkelheit geschaffen. Entschuldige dich schnurstracks bei Inuk.“
Quokka klemmte ein Kloß in der Größe einer Bratkartoffel in seinem Hals.  Er blies beide Wangen auf, reckte sein Kinn in die Höhe und im nächsten Moment schielte er zu Inuk hinüber. Inuk stellte seine Lauscher auf. Aber er sah zumindest nicht so aus, als würde er gleich in Ohnmacht fallen. Möpschen trat Quokka noch einmal entschieden auf die Füße.
„Streng dich an!“, blaffte sie Quokka an.
„Seid doch mal still“, rief er zurück.
Quokka steuerte auf Inuk zu.
„Hollidiho, ich bin Quokka! Na, du kleine Krabbe“,  tönte er mit einer  richtig schön tiefen Stimme. „Hör zu. Morgen. Morgen ist es so weit. MORGEN….Ähm..Das Seil habe ich dir umgebunden, damit du uns nicht verloren gehst. “
„Aber…“, sagte Inuk.
„Kein aber“, sagte Quokka. Kein aber. Nicht eins.“
„Du schummelst ja, Quokka. Du sollst dich doch bei Inuk….“, sagte Möpschen.
Quokka schloss seine Augen.
„In Ordnung. Ich entschuldige mich bei dir, Inuk!“ Quokka räusperte sich. „Ich bin hier, weil ich sechs Kühe, zwei  Ziegen und drei Hühner gestohlen habe. Aber so schlecht bin ich gar nicht.  Ich bin gekommen, um dir hier in der Dunkelheit Gesellschaft zu leisten.“
„Hä? Gratuliere Quokka! Komm erzähl`s ihm! „, sagte Möpschen Windston.
„Einem Hund was erzählen? Du spinnst wohl!“, empörte sich Quokka.
„Stell dir vor, er sei nichts als eine Stimme in der Dunkelheit.“
„Ich sag`s dir. Aber ich erzähl`s dir nur, weil`s keinen Sinn hat, es dir nicht zu erzählen. Es hat keinen Sinn, Geheimnisse vor einem schmutzigen kleinen Hund zu haben. Ich bin nicht so verzweifelt, dass ich einen Hund anlügen müsste.“
„Und dann…Quokka“, sagte Möpschen.
„Und dann…“ ermutigte Inuk ihn.
„Und dann hab ich noch meine ….ich hab das Schlimmste gemacht….Und dann hab ich meine eigene Tochter verkauft. Ich bin von ihr weggegangen und sie hat geweint und nach mir gerufen und ich hab mich noch nicht mal umgedreht. Hab ich nicht. Oh Gott, ich bin einfach weitergegangen.“  Quokka schniefte. Sein Herz war gebrochen. Und es schien, als würde sein Herz nie wieder heilen können.
So eine Traurigkeit. Inuk lernte die Unglücklichen kennen. Was für ein Lichtblick war seine Prinzessin! Wenn sie lachte, lachte die Welt.  Und sie lacht oft und alles um sie herum schien noch heller zu strahlen. Wenn sie sang, war ihr Kleid über und über mit Schmetterlingen besetzt, die sie anblinkten und ihr zuwinkten.

Möpschen wusste, dass Quokka aus dem Licht gefallen war. All das lag viele Jahre zurück. Doch lebten die Erinnerung und der Schmerz jeden Tag. Böse zu anderen zu sein, half ihm im dabei, sein schiefes Herz wieder zusammenzubasteln, aber leider verkehrt herum.  Natürlich halfen seine Worte nie wirklich, denn sein Handeln hatte ja immer auch Folgen unter denen andere zu leiden hatten. Wie dem auch sei: Möpschen, Quokka und Wortspinner hatten die Orientierung verloren. Sie  brauchten ihr Licht wieder.

Es herrschte für einen  Moment  lang Schweigen.
Inuk versuchte sein Unbehagen zu verbergen. Er wollte keine Enttäuschung sein. Und mit Folgen kannte er sich gut aus.
Quokka kratzte sich am Kopf und weinte in der Dunkelheit des Verlieses. „Inuk…“
„Ja“, sagte Inuk leise.
„Wir brauchen deine Hilfe. Du besitzt eine Geschichte.  Du musst sie Wortspinner erzählen. Wir bringen dich zu ihm. Wir müssen den Grund unserer Reise verheimlichen, damit hier im Verlies keine Panik ausbricht.  Es wird  kein Weg ohne Gefahren werden. Wenn wir es schaffen, und du nur deine Geschichte weitererzählst, werden wir unser Licht zurückbekommen…..frei sein …Und…. ich kann dann meine Tochter suchen gehen.“
Quokka hob eine Pfote  und legte sie vorsichtig auf eines der Blumenkohlohren Inuk`s.
„Kannst dann auch froh sein. Wir werden dich ins Schloss bringen. Da, wo die klitzekleine Prinzessin lebt. “
Es gab Grund zu hoffen.

to be continued….