Maya: Bewege den Wind

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Rad der Medizin

 

Krankheitskonzeptionen der Maya

Ist Ihnen heiß oder kalt?
Die Maya sagen, besonders Deutsche seien „heiß“. Wie sie darauf wohl kommen, frage ich mit einem Lächeln auf meinen Mund?

Durch Wut, Ärger, Trunkenheit oder auch durch die falsche Ernährung könne man heiß werden, sagen sie. Neugeborene seien heiß und auch Pubertierende gelten als heiß, mächtige Personen ebenso. Wenn Eltern keine Kinder bekommen, empfehlen Maya-Heiler den Eltern,  „heiße-“ Nahrung zu sich zu nehmen. Traurigkeit könne hingegen jemanden „kalt“ machen.
Es gibt  für die Maya heiße und kalte Nahrung, ebenso wie es  heiße und kalte Pflanzen, Tiere oder eben Menschen gibt.

Zu den „kalten“ Nahrungsmitteln gehören Schweinefleisch, Schmalz, Fisch, Bohnen, Avocados, Tomaten und Früchte und natürlich noch viele andere, die ich an dieser Stelle ausspare. Zu den „heißen“ Lebensmittel gehören Hühnerfleisch, Käse, Kaffee, alkoholische Getränke, Honig und Rindfleisch. Auch hier ist die Liste beliebig erweiterbar.

Um gesund zu bleiben, sei es wichtig sowohl „heiße“ als auch „kalte“ Speisen zu sich zu nehmen, damit eine Balance im Körper entstehe.

Krankheiten unterteilen die Maya auch  in kalt oder heiß.  Erkältungen, Fieber, Verbrennungen und Nierenprobleme gelten als heiß. Kopfschmerzen, Suslo, der Seelenverlust, Knochenbrüche und Erbrechen gelten als kalt.

Das Heiß-Kalt-Syndrom ist in ganz Mesoamerika bekannt, doch variiert das System von Region zu Region stark.

 

maya schamanin

Maya-Schamanin

Ein großer Teil der Mayabevölkerung besitzt medizinisches Grundwissen. Besonders Frauen haben ein breites Repertoire an Hausmitteln und besitzen Kräuterwissen. Es gibt Heilkundige wie die Parteras. Sie sind Hebammen. Es gibt die Hueseros. Sie befassen sich mit den Knochenbrüchen, Verrenkungen und Verstauchungen. Sie heilen im ganzen Land, manche sogar im Ausland. Es gibt die Curanderos. Dies sind Frauen und Männer, die von Gott berufen sind, andere  von ihnen erlernen den Beruf vom Vater oder einem anderen Verwandten. Sie behandeln Kranke, die nicht durch Hausmittel geheilt werden können.

Zahorines sind Wahrsager. Auf der Basis der Ritualkalender beantworten Zahorines Fragen aller Art,  geben Prognosen oder machenTraumdeutungen. Zudem werden sie bei sehr schweren Krankheiten hinzugezogen. Zahorines rufen verschiedene Heilige an, bis einer dieser aus der geistigen Welt zu ihr spricht. Die Ausübung sei eine Berufung, die vorbestimmt sei, sagen die Mayas.

Schamane wird man durch göttliche Bestimmung. Sie erfahren ihre Bestimmung durch Träume, die in den Wäldern verloren schienen und durch auf mysteriöse Weise gerettet wurden. Es kann auch durch Nahtoderfahrungen geschehen. Erfahrene Schamanen führen in die Zeremonie- und Heilpraktiken ein.

cenote 1Die Gebete von Schamanen umfasssen eine lange Liste von heiligenNamen,einschließlich der Maya-Gottheiten und katholische Heilige.
Ebenso gehören Altare, heilige Orte wie die Cenoten, die Unterwasserwelt der Maya, dazu. Das Rezitieren von Namen ist im Gebet der Schlüssel.
Die Heilige Drei-Einigkeit findet in der Regel zuerst Erwähnung tu kili `ich k`aba Dios Yumbil, Dios Mehenbil, Dios Espiritu Santo – im Namen des Heiligen Vaters, des Heiligen Sohnes und des Heiligen Geistes.
Es folgen Namen von baalamo `ob – der spirituelle Beschützer. kanano`ob – Beschützer. iik`o´ob – Winde. meyajo`ob – spirituelle Helfer. joyao`ob – Wässernde und tepalo òb – Herrscher. Es folgen katholische Heilige: Santa Maria, Santa Ana, Santa Lucia, Jungfrauen, Erzengel Michael, Santo Cristo Chumayel, San Francisco und weitere Heilige.
Das Gebet selbst wird leise gemurmelt. Die Wörter sind heilig. Gebete können bis zu dreißig Minuten dauern.  Maya Phrasen werden ebenso rezitiert. Es kann durchaus geschehen, dass ein Schamane, während in der Kirche gesungen wird, neben dem Altar der Kirche kniet und die Becher hält, um Getränke zu reichen. Die Maya akzeptieren bestimmte Aspekte des kirchlichen Glaubens. Der Regengott würde allerdings nie in einer katholischen Messe erwähnt werden.

 

Bevor eine Behandlung durchgeführt wird, zünden die meisten Heilkundigen Kerzen an und verbrennen Copal.  Dabei werden Gott, die Heiligen und Numina angerufen. Falls sie das unterlassen, werden sie von diesen bestraft.

 

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La curandera. Die Heilerin. Gemälde von Josè A. Gonzàlez. Atitlan, 2005, Museum Völkerkunde Hamburg

 

Als Krankheitsursache seien die Awas oder akwas sehr wichtig. Die meisten entstehen im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln. Dies sei ein natürlicher Vorgang, bei dem weder Gott noch die tzuultaq`a`involviert seien. Wie awas in den Körper gelangen, scheint auch den Maya unklar. Hauptsächlich seien aber Kinder von den awas betroffen, sagen die Maya. Sie werden im Mutterleib von dieser Krankheit befallen, wenn die Mutter sich vor einem Nahrungsmittel oder einem Geruch ekelt oder ihre Gelüste auf ein bestimmtes Nahrungsmittel nicht stillen kann. Nach der Geburt weisen die Kinder dann körperliche Merkmale auf, die Bezug zu den jeweiligen awas haben.
Die Liste der Ursachen für awas ist lang und sie treten ohne Ekelgefühle auf.

Beim Tomaten-awas finden sich rote Flecken auf der Haut des Kindes. Die Mutter hat sich in diesem Fall entweder vor Tomaten geekelt oder aber keine bekommen, als sie Appetit auf diese hatte. Die fettige Haut eines Kindes wird vom awas manteek, dem Schweinefett-awas verursacht. Hierbei ekelte sich die Mutter vor fettem Essen.

Die Auswahl der Nahrungsmittel ist nicht willkürlich, sondern folgt dem Heiß-Kalt-Konzept.  Die meisten awas-erzeugenden Lebensmittel sind kalt. Die  Awas werden als kalt klassifiziert, weil das Blut schwach fließt.  Durch kalte Nahrung kühlt die Mutter ab, dadurch auch der Fötus und das führt zu einer kalten Krankheit. Ausschließlich heiße Nahrungsmittel sind aber auch nicht gut für den Embyro. Heiße Lebensmittel wie Käse können ebenso zu awas führen. Eine ausgewogene Balance  sei daher wichtig. Schwangere sollen ebenso zu „heiße“ Personen meiden.

Durch ein Ritual, dass sich rawasinkil nennt, soll das Kind in den meisten Fällen wieder geheilt werden können. Rawasinkil meint: die Winde herausbekommen. Meist führt die Mutter das Ritual durch. Die Mutter geht mit ihrem Kind nachts an den ersten drei Nächten des abnehmenden Mondes jeweils an eine Wegabbiegung. Dort wird das rawasinkil jede Nacht je nach Art des awas abgehalten.  Vom Lebensmittel durch welches jenes awas ausgelöst wurde, wird ein Stück abgebissen und ausgespuckt. Mutter und Kind sollen das tun. Oder das Lebensmittel wird am Körper gerieben und dann – ohne zu sehen wohin – weggeworfen. Dann rennt die Mutter schnell mit ihrem Kind nach Hause.
Das Nahrungsmittel kann aber auch verbrannt werden. Das Kind soll den Rauch inhalieren. Die Asche wird danach weggeworfen. Zumeist werden die kalten Lebensmittel verbrannt. Durch das Verbrennen wird das Lebensmittel heiß und wenn das Kind  – erkrankt durch jenes kalte Lebensmittel – es als ein Heißes inhaliert, wird der „Schaden des Kindes aufgehoben“. Das Objekt und sein Abbild am Kind werden wiedervereinigt.

 

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Mexico über den Wolken

Aigres

Aigres sind Winde, die in den Körper hineinfahren, um ihn krank zu machen. Die Maya glauben, dass die meisten Krankheiten durch Winde in den Körper gelangen. Malaria beispielsweise  mala aria bedeutet schlechte Luft. Die Schamanen der Maya haben die Kraft, die Menschen davon zu befreien.

Es gibt drei Arten von agires.

Bei der ersten gelangt der Wind zufällig in den Körper. Das lässt sich leicht behandeln.

Mehr Respekt haben die Heiler vor der zweiten Art, die von unreinen Personen oder Dingen ausgeht.  Kuhmist soll helfen, damit schwitzt der Patient. Der Erkrankte soll darüber hinaus kalte Speisen zu sich nehmen. Die Farbe Rot soll auch schützen.

Die dritte Art von aigres wird von missgünstigen Personen geschickt. Dann fließt Blut an die wärmste Stelle des Körpers,den Kopf. Das Gehirn erhitzt sich und das Denken fällt schwer. Dies könne durch einen Fluch geschehen, den jede Person auszusprechen vermag. Die Windgöttin trägt ihn zum Opfer. Erkrankte leiden dann an Erbrechen, Krebs, Tumore oder Anämie. Im Westen Guatemalas haben die Heilkundigen eine andere Vorstellung hierzu. Dort vermischt es sich mit dem Kalt-Heiß-Syndrom. Die Winde befallen jemanden.

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Maya-Schamanen. In der Mitte Hunbatz Metz

 

Nimm dich in Acht vor dem gelben Abendwind

Im ländlichen Yucatan Mexicos gibt es das Santiguar-Ritual, um die Erkrankten von diesen Winden zu befreien.  Es ist ein Reinigungsritual. Santiguar ist ein spanisches Wort und bedeutet: ein Kreuz auf etwas markieren. Für die Maya ist es ein Heilritual, in dem der Schamane, der je-meen, betet und den Patienten mit heiligen Blättern „bürstet“ und so reinigt.

Manchmal hinterlässt der Heiler ein Kreuz auf dem Körper des Patienten, manchmal auch nicht. Die heutigen Schamanen Mexico`s haben  einen Altar in ihren Räumen. Ich durfte während meines Aufenthalts jemanden begleiten. Auf Don E`s. Altar sah ich damals eine alte Holzbox, die Jungfrau Fatima, die Jungfrau Guadelupe und noch eine andere Jungfrau, Virgen de Perfecto Socorro wird sie genannt , das Kreuz Jesu und einen Engel stehen. Ein Kerzenhalter mit fünf Kerzen stand vor dem Altar, etwas, was den Schatten eines Vogels warf, frisch gepflückte Pflanzen und in einer anderen Ecke stand ein leeres Glas. Der Schamane bewegte sich so, dass der Patient Richtung Osten sah. Die Ausrichtung nach Osten ist für die Maya enorm wichtig. Zeremonien, Altare sind immer nach Osten ausgerichtet. In das Glas kippte der Maya aguardiente, einen klaren Likör, der aus Zuckerrohr hergestellt wird. Die Kerzen wurde angesteckt. Ein gefaltetes Stück Stoff nahm er in seine Hände und holte holte daraus etwas, was er zwischen Daumen und Zeigefinger hielt und kurz darauf in den Likör eintauchte. Das Etwas  nennen die Maya koj kaan, Mund der Schlange. Sie brauchen jetzt nur an ein Stück Klapperschlange denken, dann wissen Sie, was im Likör getränkt wurde.

Kommt ein Patient beispielsweise mit Kopfschmerzen, werden damit der Nacken und die Schultern viele Male berührt, also abgetupft. Dabei wurde der unteren rechten Hälfte des Nackens spezielle Aufmerksamkeit gewidmet. Danach legte der Schamane das Stück Schlange zur Seite und rieb mit seinen Fingern den Likör aus dem Glas auf den Nacken des Patienten. Danach wurde der Nacken mit dem Bund der heiligen Pflanzen und dem Likör ,sipche, besprenkelt und abgeklopft.
Die Blätter sind so angeordnet, dass sie Spuren eines Kreuzes auf der Haut hinterlassen, was der Pflanze eine sehr heilige Qualität verleiht. Der Likör gibt den Blättern zusätzliche Kraft. Der Patient steht und der Schamane „bürstet“ Kopf und Schulter mit dem Blättern. Danach folgt das „Bürsten“ des Rückens.  All das ist begeleitet von Gebeten. Am Ende bringt der Schamane die Luft über dem Kopf zum Zirkulieren. Mit den Blättern wird im Uhrzeigersinn geweht und beendet wird das Ganze mit einer spiraligen Bewegung der Blätter, als würde darüber die Krankheit aus dem Körper himmelwärts gezogen. Ein Kind, das stetig mit den Augen blinzelte wurde mit Santiguar behandelt und der Mutter wurde anschließend eine Tasche voll Blätter mitgegeben sowie weitere Medizin. Das Mädchen blinzelte nicht mehr!
Es wird auch gerne die Kräuterpflanze Ruda, eine ebenso heilige Pflanze in Mexico, für das Ritual verwendet.

wind

Mit dem Santiguar wird der Wind bewegt, iik in Mayan.

Für die Maya gibt es etwa 21 verschiedene Winde.
X-akat iik`ist ein Wind, der auf dem Grund des Boden herumhüpft.
Buhua`an iik`ist ein Wind, der vom Himmel kommt und Menschen verletzt.
x-buyut iik`ist ein Wind, der den Körper des Menschen wie eine Decke umhüllt.
Es gibt den wirbelnden Wind, Wind, der kommt und Menschen verletzt und wieder weit in den Himmel zurückkehrt, Wind, der sich wie ein Schmetterling bewegt, Wind, der Seelenwind genannt wird, tankas iik. Es gibt den  x-toh iik`, den Wind, der geschossen kommt wie ein Pfeil. Es gibt den Wind, der einem im Rücken trifft und den Wind, der sich wie ein Drachenflug formt. Er kommt aus dem Wald oder aus einem stehenden Gewässer.

 

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Kontaktaufnahme mit den himmlischen Wesen

Santiguars sind die am häufigsten verwendeten Reinigungszeremonien in Yucatan, dem Mayland in Mexico. Die unterschiedlichsten Beschwerden werden damit behandelt, auch bei  Kopf- und Magen-, Hals- und Ohrenschmerzen. Durch die Techniken und das Wissen des Schamanen werden die Informationen, die hinter jeder Krankheit liegen, entsprechend interpretiert. Der Schamane liest dies in den Körnern von Mais oder anderen Gegenständen. Im Falle von Maiskörnern werden dreizehn von ihnen in einem heiligen Muster ausgelegt. Die Numerologie ist der Kern dieses Verständnisses.

Die Zahl 13 ist die heiligste aller Zahlen für die Maya. Zwei Reihen mit je drei  Paaren von Körnern, machen sechs in jeder Reihe. Das dreizehnte Korn ist das Zentrum, das die Maya „Herz“ nennen. Puksi`ik`al in Maya.  Er schüttelt sie alle zusammen und zieht Körner heraus, schüttelt sie wieder zusammen, ordnet sie nach numerologischen Schemata an und „sieht“ übernatürliche Kräfte.

Dies wird dreimal wiederholt. Während er dazu betet, erhält der Schamane Inspiration. Dann liest er seine saastun.  Das ist zumeist ein schmales Glas. Es können  auch andere Glasgegenstände oder die berühmten Kristallkugeln der Maya sein. Alles, was mit Luftbläschen gefüllt ist. Diese Luftbläschen nehmen eine Schlüsselrolle ein in der Kommunikation innerhalb ihrer spirituellen Welt. Sie lesen in den Anordnungen der Luftblasen. Mit der Kombination von  Maiskörnern und dem Lesen in Luftblasen ist ein wirkungreiches  kuenta vollzogen.

Mitunter werden sechzig Maiskörner und vier saastun`ob verwendet.  Glaskugeln in allen möglichen Farben, die alle gemeinsam zwischen den Fingern positioniert und ins Licht des Himmels gehalten werden. „Siehst du die kleinen Löcher im Himmel? Sieh, du kannst die Engel sehen!“  Ti àan t ka` an èlo. Dort sind sie im Himmel. Ihre Worte kommen herunter. Leuchten die saastuns, hat der Schamane sein Zeichen erhalten. Durch das saastun sehen sie den Himmel.

Auf einem Holztisch werden die Körner ausgelegt, wieder zusammengetan und geschüttelt, wieder ausgeworfen. Fünf, fünf, fünf, eines bleibt über, beten,  wieder werden alle kombiniert, zur Hälfte wieder aufgeteilt. Nachdem dieses siebenmal wiederholt ist, arrangiert der Schamane sie zu Clustern 1, 4, 1,2, und 5.  Dann noch ein Cluster mit 5 und zwei, die darüber platziert werden: sieben Punkte. Am Ende bleiben drei Körner über. Die werden in der Mitte des Tisches platziert. Und irgendwie sahen die Cluster in ihrer Anordnung aus wie die  Maya Zahlen: einen Balken für die Zahl 5, Punkte für die Zahl 1. Der Patient wird gefragt, wie lange er schon unter der Krankheit leidet. Am nächsten Tag soll der Patient mit speziellen Blätter und drei Eiern wiederkommen. Die Zahl am oberen Ende des Tisches entscheidet, wie viel der Patient davon am nächsten Tag mitbringen soll. Sie gibt auch Auskunft darüber, wie viele Tage der Erkrankte die Medizin nehmen soll. Die Instruktionen hierzu kommen aus der unsichtbaren Welt.
Susto ist in ganz Lateinamerika als ein Krankheitskonzept bekannt.

Bei den Maya werden die Menschen in starke und schwache Menschen eingeteilt. Kinder und alte Menschen gelten als schwach. Aber auch positive, besonders begehrenswerte Eigenschaften führen zu Schwäche. Darunter fallen Schönheit, Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit. Die positiven Eigenschaften können zu Eifersucht bei anderen führen, darum gelten sie schwach. Es gibt ebenso starke und schwache Pflanzen. Je dorniger oder wilder eine Pflanze ist, desto stärker ist diese.
Ein Mensch kann sich durch emotionale Ungleichgewichte eine temporäre Schwäche zufügen. Hunger, Überarbeitung, Eifersucht, Alkoholkonsum, Wütendsein.
Schläge, Wunden, Hämatome, Verbrennungen schwächen den Körper. Die Schwachen sind empfänglich.

Jeder emotionale Schock oder die Angst kann ein susto auslösen. Ein schweres susto kann durch übernatürliche Wesen verursacht werden, sagen die Maya. Geister eines Toten besuchen einem im Traum.
Die leichteren Sustos werden mit Kräutern geheilt, oder es werden Lehmpuppen hergestellt, ausgestattet mit Haaren, Kleidung des Erkrankten. Damit geht der Patient in Begleitung an den Ort des Verlustes. Dort wird der susto aufgefordert, die Person zu verlassen und in die Puppe überzugehen. Dann wird die Puppe begraben.
Curanderos behandeln sustos so:
Drei Kerzen werden entzündet, Limette, Mejoral (ein Schmerzmittel ähnlich dem Aspirin) und die Heilpflanze Ruda werden vermischt und auf den Körper aufgetragen. Dann wird in das Gesicht des Kranken geblasen, damit er reagiert. Susto kann auch mit Tabak, Schnaps, Knoblauch und Rauch geheilt werden.  Alles wird gemischt und in das Gesicht des Patienten gespuckt, damit das Böse, tzini, entfernt wird.

Ein Mensch kann seine Seele verlieren. Dies geschieht auf verschiedene Arten.  Sie kann sich aus natürlichen Ursachen vom Körper lösen. Aber auch „Numina“ (göttliche Wesen) können die Seele absichtlich ergreifen und sie der Person entwenden. Am häufigsten gehe eine Seele außerhalb des Dorfes, in Aufenthaltsorten wie Wald, Höhle oder am Fluss verloren, sagen die Maya. Die Krankheit nennen sie „Berg-awas“.
Durch Schrecken oder Furcht kann sich die Seele lösen, auf den Boden fallen und von einem tzuutaqà eingesammelt werden. Die Seele kann sich auch durch ein Bad im Fluss lösen. Ein asoziales Verhalten gegenüber den Mitmenschen kann ein Einschreiten bewirken. Es muss nicht immer die sich fehlverhaltende Person treffen, es kann sich auch gegen ihre Angehörige richten. Die Symptome von Seelenverlust seien ständiges Hinfallen, Zittern und Schwachsinn. Stirbt der Mensch frühzeitig, weil er seine Seele nicht wiedererlangt muss die Seele im Reich des lokalen tzuultaq`a bleiben und für diesen arbeiten.
Diagnostiziert wird der Seelenverlust anhand des Pulsschlages. Es handelt sich um eine „heiße“ Krankheit. Um die Seele wiederzuerlangen, muss der Patient wieder an die Stelle gehen, wo er sie verloren hat. Bei den Quichè Maya gibt es „Rufer“, Frauen, die einen dorthin begleiten. Der Name des Kranken wird gerufen, gebetet und dabei Copal und Kerzen verbrannt. Wurde die Seele an einem Fluss verloren, wird eine Figur aus Bienenwachs mit Nägel, Haaren, Kleidung des Kranken und Copal am Fluss verbrannt. Die Pflanze rismal wird verbrannt, der Rauch eingeatmet. Die Seele kehrt entweder sofort oder nach einigen Tagen zum Kranken zurück, meist im Schlaf.

Aus diesem hier Beschriebenem kann keine Verallgemeinerung für Krankheits- und Behandlungskonzeptionen des  „gesamten Mayalandes“ abgeleitet werden. Die Behandlungen sind von Region zu Region verschieden. Es existiert eine große Heterogenität. Die Maya sind sehr heterogen. Jede Gruppe Dorf, Familie, jede Region hat seine eigenen Krankheitskonzeptionen, die innerhalb einer Sprachgruppe stark variieren können.

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Heilwissen der Maya

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Was ist Krebs?

„Eine Entartung körpereigener Zellen», sagen westliche Mediziner.
„Ein Ungleichgewicht des ganzen Systems, des Menschen mit sich selbst, mit seinem Umfeld, mit der Natur und mit dem Schöpfer“, sagen die Maya.

Ein Schweizer Mediziner sagt:

„Wir geben Chemotherapie, wir machen alle drei Monate ein Bild, und hoffen, dass die Therapie anschlägt. Überspitzt gesagt: Es geht weiterhin darum, Tumorzellen zu vergiften, zu verstrahlen, herauszuschneiden. Und mit diesem technischen Ansatz stosse man an Grenzen.“

 

Unterschiedliche Definitionen, unterschiedliche Behandlungen.

 

Die Maya sagen:

Ajajpul Ajal Q’ana  würde das bezeichnen, was in der westlichen Medizin als Krebs bezeichnet wird. Zumindest in einigen Maya-Sprachen.

Krankheit sei eine Verletzung der Balance von Energie, des Gleichgewichts oder der Harmonie einer Person.
Krankheit sei das Resultat eines Verhaltens, das nicht mit den Regeln der Gemeinschaft zu vereinbaren ist. Die Seele löse sich vom Körper, sie entferne sich, und oftmals verliert sie sich an den heiligen Orten. In dieser unsichtbaren Welt bewohnt von Lebewesen, die sich von den Menschen sehr unterscheiden; an diesen Orten wird sie gefangen genommen, sagen die Maya.

Eine Vielfalt an Pflanzen stehen den Maya  – neben spirituellen Zeremonien – zur Verfügung, um zu heilen. Sie behandeln erkrankte Hautpartien mit einer Heilpflanze und setzen sie anschliessend dem Sonnenlicht aus. Dabei nutzen sie unterschiedliche Tageszeiten, also unterschiedliche Wellenlängen des Lichts, beispielswiese das langwellige, rote Sonnenlicht am Morgen oder am Abend.

Das westliche Prinzip  der Photodynamischen Therapie ist, Tumorzellen mit bestimmten Wirkstoffen empfindlich auf Licht zu machen.

Das energetische Potential –  die Lebensenergie eines Menschen – wird durch den Zeitpunkt der Geburt bestimmt, sagen die Maya. Der Mensch steht mit einem Nahual, einem Geist in Verbindung, der sein energetische Potential bestimmt.
Krankheiten entstehen aus der Verletzung und dem mangelnden Respekt vor der Natur, sowie aus Verletzungen von Grundprinzipien der sozialen Ordnung oder religiöser Prinzipien. Einige Krankheiten werden in Verbindung mit einer Besitzergreifung durch Geister interpretiert. Auch Epidemien werden in ähnlichen Kontexten interpretiert.

Ihr Konzept ist ein ganzheitliches, in dem religiös-spirituelle Kräfte von hoher Bedeutung sind. Im Popol Vuh, ihrem Heiligen Buch, finden sich einige Hinweise zur Medizin und Pflanzenheilkunde. Geist, Körper, Lebensenergie stellen für die Maya eine Einheit dar.

 

Ein Schweizer Mediziner sagt:  Krankheit und Mensch werden getrennt betrachtet.

Für die Maya (betrifft alle ganzheitlich behandelnden Heiler)  ist es völlig unverständlich, wie westliche Mediziner überhaupt jemanden heilen können, wenn sie nicht das Ganze – die Erkrankung, die Persönlichkeit des Patienten, seine Lebensumstände und sein Umfeld – betrachten. Die Maya-Heiler bauen ein enges Verhältnis zu den Erkrankten auf und glauben, dass diese Verbindung den Heilungsprozess maßgeblich beeinflusst.

Der wichtigste Faktor für Ärzte ist die Körpertemperatur. Bei den Maya ist es der Pulsschlag. Heiler können mindestens 18 bis zu 42 Pulstypen unterscheiden.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist Krebs ein Sammelbegriff, in dem Zellen unkontrolliert wachsen und gesundes Gewebe verdrängen oder zerstören. Sie besitzen eine überlange Lebenszeit und benötigen hohe Ressourcen. Sie verbreiten sich über Blut- und Lymphgefäße. Unsere Medizin teilt sie in gut- und bösartige Krebszellen ein.

Die Maya kennen keine chirurgischen Eingriffe.
Zum Tragen kommen ihr spirituelles Weltbild und ihre Annahmen über das Wirkungsgefüge der Entstehung von Krankheiten. Disharmonie mit der natürlichen und sozialen Umwelt. Die Ursachen der Disharmonie müssen gesucht werden, um das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen. Dies geschieht durch einen spirituellen Prozess.  Das zentrale Nervensystem wird beeinflusst, und damit andere für das Immunsystem relevante Hormone. Zellinternes ebenso wie Zellexternes spielen eine Rolle bei der erfolgreichen Behandlung von Krebs.

zwiebel

Es existiert ein differenziertes Heilungs- und Geburtshilfewissen bei den Maya.
Bei Brechreiz kann es die Zwiebel sein. Bei Lähmung der Käse. Krankheiten wie auch Heilpflanzen können kalt oder heiß an Wirkung sein. (wie im Ayurvedischen und in der chinesischen Medizin)

Zu den kalten Pflanzen zählen beispielsweise Kürbis, Melone oder Aloe Vera, da sie kühlend und entzündungshemmend wirken. Warme Pflanzen wie Chili oder Cayennepfeffer regen die Durchblutung an und wirken wärmend.
Bei einem Sonnenstich wird zunächst eine wärmende Brühe aus Rosmarin und Chilischoten verabreicht, um für kurze Zeit die Temperatur zu erhöhen. Danach werden wasserhaltige kalte Pflanzen wie Kürbis, Melone oder Gurke gegeben, um das Fieber langsam zu senken.

 

Behandlungen erfolgen durch eine Kombination von Pflanzen und Mineralien sowie spiritueller Rituale. Pflanzen spielen in Heilprozessen bei allen Maya Gruppen eine Rolle, aber es existieren große regionale Unterschiede, in der Art und Intensität der Nutzung von Pflanzen. Es gibt Heiler, die mehr als 500 Pflanzen kennen und ihre Einsatzmöglichkeiten schriftlich notiert haben. Immer aber geht es um die Balance-Prinzipien.
All is about Harmony.  Familienmitglieder nehmen in aller Regel an den Heilprozeduren mit teil. Sie „fiebern“ sozusagen mit.
Das „Heilige Feuer“ hat eine große Bedeutung. Es schafft eine Allianz zwischen Patient, Heiler und den Heilmitteln.

Pflanzen werden völlig anders genutzt als bei der uns bekannten Krebstherapie. Sowohl die Herstellung als auch die Anwendung unterscheiden sich. Pflanzen sind für die Maya Teil des Universums, so wie es der Patient ist. Viele Heiler sprechen mit den Pflanzen und fragen den Maya Gott um Erlaubnis, bevor sie auf diese Zugriff nehmen. Sie werden nur zu bestimmten Zeitpunkten eingesetzt. Die Aufbereitung erfolgt durch Rituale, ebenso die Anwendung, die häufig mit Tieropfern verbunden sind. Zeitgleich findet ein intensiver Dialog mit dem Universum und den Göttern statt.

Spezielle Massagen, Schröpfen (Ventosa), Pinchar (vergleichbar mit Akupunktur in Verbindung mit Aderlass) sind weitere Behandlungsmethoden der Heiler. Für die geistige Heilung setzen sie wie die Medizinmänner ihrer nordischen Verwandten Gebete, Seelenrückführungen, Traumreisen, Geistführer, Amulette, Räucherwerk und Mano (Handauflegen) ein.

 

Der heilige Trank Essiac
1922 machte die kanadische Krankenschwester Rene Caisse eine interessante Entdeckung. Sie lernte eine alte Dame kennen, die ihr erzählte, sie habe vor 20 Jahren eine Krebserkrankung besiegen können. Dazu hätte sie 12 Monate lang zweimal täglich eine spezielle Kräutermischung der Ojibwa zu sich genommen, die ihr ein alter Medizinmann empfohlen hatte. Rene Caisse erfuhr, dass diese Essenz aus vier Kräutern angesetzt wurde: Klettenwurzel, kleinem Wintersauerampfer, Rhabarberwurzel und nordamerikanischer Rotulme. 50 Jahre lang setzte sie das Elixier mit guten Erfolgen bei aussichtlosen Fällen ein, die von der Schulmedizin nicht mehr behandelt werden konnten. (am Ende des Artikels erfahren Sie mehr dazu)

 

 

schamane

Carmen del Playa, Yucatan Mexico, Foto Kunze

 

Onkologie trifft auf die Maya

Krebs soll es schon vor 150 Millionen Jahren gegeben haben, sagt die Forschung. Vor knapp 100 Jahren wurde an fossilen Funden von Saurierskeletten Veränderungen entdeckt, die in ihrer Beschaffenheit einem Knochenkrebs entsprechen.
So. So. –  Na, dann sind es wohl die Gene?

Erkrankte damals auch jeder dritte Saurier im Gebiet des heutigen Österreichs an Krebs?  Nahmen die Brustkrebserkrankungen bei Saurierweibchen  auch stetig zu? Lag die Zahl der  an Krebs Erkrankten im damaligen Gebiet Deutschlands  bei 2 Millionen Saurier?  Und gab es damals auch schon Saurier, die ein politisches und finanzielles Interesse an dem Verkauf von Medikamenten hatten und Saurier, die es nicht ganz so ernst nehmen mochten mit dem Eid des Hippokrates?

Schon vor über 2000 Jahren beschäftigte die Menschen Brust- und Gebärmutterkrebs, sagt die Forschung ebenso.
Ein evolutionäres Erbe, das wir vermutlich mit unserer Chemie in Nahrungsmitteln und weiteren Umweltbelastungen verschlimmert haben?

Galen (129-200) erklärt Krebs als das Ungleichgewicht der vier Körperflüssigkeiten.

 

Nun wollen die Schweizer westliche Medizin mit dem Wissen der Maya in Beziehung setzen.

Es scheint als sei altes Wissen wieder gefragt und aktueller denn je. Jahrtausendaltes Wissen erfährt eine Renaissance.
Die Sehnsucht danach, seine Gedanken zur Ruhe zu bringen, sein wahres Ich zu erkennen, das Yoga-System der Inder,  die chinesiche Medizin, die Heilkunst der Essener oder auch das Wissen der Maya erhalten Zulauf.

 

Das MACOCC – Projekt
(ETH Zürich, Universität Zürich)

In der Schweiz bemüht man sich um einen integrativen Ansatz zur Krebsforschung und will nun altes Maya-Wissen mit einbeziehen.

 

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Don Alejandro, Maya-Quiche Ältester. Der Ältestenrat der Maya Guatemala ist mit in das Forschungsprojekt einbezogen.

Acht Maya Heiler aus Guatemala besuchten im letzten Jahre eine Klinik in der Schweiz. High-Tech begegnet  Gebeten, Feueritualen, Zeremonien und Pflanzen. Erstmals untersuchen Wissenschaftler nach westlichen Forschungsstandards, wie die Maya Krebserkrankungen diagnostizieren und behandeln. Fünf Maya-Ältestenräte wirkten zuvor bei den in Guatemala abgehaltenen Zeremonien hierfür mit.

Das ist auch neu für die Maya, die nach Jahrhunderten der Verfolgung und Diskriminierung grosses Misstrauen gegenüber Aussenstehenden haben und ihr Wissen lange geheim hielten. Sie leben noch heute sehr zurückgezogen in den Wäldern der traditionellen Maya-Regionen.  In ihrem eigenen Land begegnen ihnen viele Vorurteile, umso mehr freut es sie, dass sie in der Schweiz Medizinern auf Augenhöhe begegnen können.

„Anfangs habe ich wie alle meine Kollegen die Maya-Medizin nicht ernst genommen. Inzwischen denke ich, dass wir einander nicht länger ignorieren dürfen. Die Lebensumstände und Psyche eines Patienten miteinzubeziehen und seinen Kampfgeist zu wecken, wie es die Maya-Heiler tun, sollte ebenso zur Therapie gehören wie Medikamente zu verabreichen. In dem Bereich können wir viel von den Maya lernen“, sagt Eduardo Gharzouzi, Onkologe am Guatemala National Cancer Institute (INCAN)

Die Maya sind sich der Gefahr durchaus bewusst, dass sie Wissen verlieren könnten. Sie sehen darüber hinaus aber  eine Chance, dass Maya-Wissen dokumentiert wird und erhalten bleibt. Zudem verweist man auf den Maya Kalender und den Beginn einer neuen Epoche. Damit verbindet sich für die Maya die Absicht, „der Welt etwas zu geben“ , sagt Don Alejandro, und zum anderen, wolle man eine „Brücke zwischen den Maya und der westlichen Welt bauen.“ Zudem würde es die Zusammenarbeit einzelner Maya-Councils stärken. Und es diene zur Stärkung der Position der Maya in ihrem eigenen Land, denn dort seien sie nicht sehr geschätzt. Sie bekommen keine Unterstützung vom Staat. Im Zuge dieses Projekts wird über den Bau eines Maya-Krankenhauses und eine Maya- Universität nachgedacht, um das Wissen zu pflegen und zu stärken.

 

Historisches Misstrauen, sprachliche Probleme, Priester-Heiler, die ihr Wissen nur an Personen reichen, die auf der gleichen Stufe sind, der enge Rahmen von Wissenschaftlern, medizinisch-wissenschaftliche Fragestellungen, die umschrieben werden müssen, da es beispielsweise bei den Maya keine Worte für Organismus oder Metastasen gibt – gibt es überhaupt Metastasen ? Kann aus einer Hautzelle ein Leberzelle werden? Es wird Gründe geben, warum die Maya so ein Wort überhaupt nicht kennen. Wie dem auch sei, es gibt eine Reihe von Hindernissen, die überwunden werden wollen.

Fünf verschiedene Maya-Sprachen müssen per Tonband erfasst und von Sprachkundigen  ins Spanische und ins Englische übersetzt werden – medizinische Begriffe, spezifische Bedeutungen. Zudem müssen Prieser oder Leiter der Maya- Councils hinzugezogen werden. Einige der Begriffe sind den Linguisten nicht bekannt, weil sie nur auf der höchsten Hierarchiestufe der Priester-Maya verwendet werden. Das Krebsverständnis der Maya muss in Prozessen beschrieben und in Bezug zu Krebstherapien gesetzt werden. Die Erarbeitung von Interviewfragen waren verbunden mit großen Zeremonien.

Das zentrale Element der Zeremonien ist das Heilige Feuer. Es gab im Jahr 2012 13 Interviews mit Heilern. Die  herausragende Bedeutung der Zahl kam auch  bei der Anzahl von Interviews zum Tragen.  Kosmologische Repräsentation auf allen Ebenen. 13 Himmelschichten, 13 Himmelsgötter, 13 Opfergaben, die Betonung der Ostseite der Altare, der Altar selbst als  Zentrum innerhalb der vier Ecken (kan tu`uk- il) nicht nur auf dem Altartisch, sondern in seiner Ausdehnung auf Zermonialplätzen insgesamt

Es treffen fundamental unterschiedliche Kosmologien aufeinander, die sich im innersten Kern vermutlich nicht mit Sprache fassen lassen.

Ein integrativer Ansatz soll der Onkologie mehr Klärung in der Forschung bringen. Dazu gehören auch diese Fragen:  Unter welchen Bedingungen erkennt das Immunsystem Krebstumorzellen? Welche Signale rufen Aktivitäten hervor?

 

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Herz und Mund in Einklang bringen

Lernen können Ärzte sicherlich von den Maya, wenn es um den Kontakt zum Patienten geht.
Ein Heiler kann allein durch den intensiven Kontakt mit einem Patienten – also durch das, was in der westlichen Medizin nahezu überhaupt nicht mehr stattfindet – schon überaus genaue Diagnosen stellen. Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass schon bei der ersten Ritualbehandlung, bei der zwischen Heiler und Patient kein Wort gewechselt wird, die Behandlung in eine positive Richtung gelenkt wird, sich Blutdruck und Urinwerte beispielsweise senken oder normalisieren. Die Medizinmänner führen das allgemein darauf zurück, dass Heiler schon von Natur aus ein anderes – offeneres – Verhältnis zu Körper und Seele hätten. Deshalb seien sie sich ihrer seelischen Potenz bewusster, als es die Weißen seien.

Die Patienten brauchen keinen Wissenschaftler, der Anweisungen aus dem Laborhandbuch ausführt. Sie wollen an ihrer Gesundheit und an ihrem Tod teilhaben. Deshalb sei die Verbindung und Kommunikation zwischen Heiler und Patient die Voraussetzung für eine Genesung.

 

Träume

Träume sind Kräfte, die man nicht ignorieren dürfe, sagen die Maya. Beil Albträumen und Selbstzweifeln, die sie als Dunkelheit ansehen, die vergleichbar sei mit einer Geleemasse, würde man innerlich verhärten, wenn man sie nicht erobere und vertreibe.  Man müsse ihnen gegenüber treten, beispielsweise mit einem Salbei-Dampfbad und anderen reinigenden Kräutern. Salbei wird aufgrund seines geraden hohen Wuchses mit dem männlichen Prinzip assoziiert, während das biegsame Süßgras für das Weibliche steht. Beide Kräuter werden bei Reinigungszeremonien eingesetzt.

Man müsse die Botschaften der Träume nutzen, um den dunklen Einflüssen zu begegnen.

„Verhärtendes Gelee“, die beste Definition, die ich bislang für eine Neurose gehört habe.

 

Abgelöste Seelen

Heiler arbeiten mit Gebeten und Gesängen, sie räuchern und trommeln. Sie sind die Pflanzenkundige. Sie nutzen die Schwitzhütten. Wenn es jedoch um die Seele geht, dann konsultieren sie gern einen Schamanen, als Mittler zwischen den Welten. Nicht jeder Medizinmann ist ein Schamane, auch wenn es  diese Kombination gibt. Der Schamane arbeitet mit Träumen, Geistführern wie Krafttieren und Visionsreisen.
Eine der wichtigsten Aufgaben eines Schamanen ist die so genannte Seelenrückholung. Die Maya wissen, dass sich ein Teil der Seele abspalten kann, um sich etwa vor einem Trauma zu schützen. Sozusagen als Überlebensreflex nach einem schweren Unfall, einem Missbrauch oder nach einer Operation.

 

hunbatz men Schamanen 2014

Hunbatz Men mit Schamanen, Palenque. Yucatan, Mexico Foto: Kunze

Die Curanderas oder Curanderos Mexicos

Heiler werden bei den Maya curanderas oder curanderos genannt und  auch H`men, gesprochen Hemän, was so viel wie Wissender bedeutet. Sie sind Priester und Heiler.

Sie haben das Wissen von ihren Vorfahren weitergegeben bekommen.
Die alten Mayapriester-Heiler wünschen nicht, dass ihr Wissen verloren geht. Sie lehrten ihnen in ihren Träumen, die Fähigkeit des Heilens.

Ihre Ausbildung dauert etwas 10 Jahre. Schon als Kinder werden sie von erfahrenen Heilern angeleitet.

Dennoch soll an dieser Stelle erwähnt werden, das Durchschnittsalter der Mayapriester liegt bei weit über 60 Jahren. Meist fehlen Nachfolger für diesen speziellen Beruf, der außerdem noch eine Berufung voraussetzt. Die Bonner Altamerikanisten leiden ein wenig an Zeitdruck, weil sie Sorge haben, ihnen könnten die „Daten  und Analysen ausgehen.“

 

In den 80er Jahren schlossen sich einige der Heiler Mexicos in verschiedenen Organisationen zusammen. Fehlende Unterstützung, bisweilen mussten sie sich darüber hinaus als „Hexen“ oder „Hexer“ diffamieren lassen. Ihre Medizin wurde in ihrem eigenen Land verunglimpft.

Es ist traditionelles Heilwissen der indigenen Völker dieser Länder. In Träumen bekommen sie vieles gesagt. Immer geht es um die Harmonie von Körper und Geist, um den Fluss der Lebenskraft, um das Ausgleichen von Ungleichgewichten in Körpern. Diese Lebenskraft nennen die Maya Ch`uel.
Die traditonelle Medizin der Maya arbeitet mit Pflanzenheilkunde, Pulsdiagnostik, Schwitzhütten und schamanischen Ritualen, wobei das Wesentliche dabei Gebete sind.

Ihre Medizin ist  eng mit der traditionellen chinesischen Medizin verwandt, bei der es ebenfalls um die Ausrichtung der Lebensenergie (Qi) geht. Die Maya hielten das Ch’ulel für ein Zeichen der Wechselwirkung von Körper und Geist.

Dieses Ungleichgewicht wird mit Pflanzen und Kräutern, einer eigenen Form von Massage und Akupunktur, Hydrotherapie, mit Feuerritualen und Gebeten behandelt.

I`lol  ist eine Heilerin, die den Puls fühlt.
K`oponej witz ist eine Heilerin, die in den Bergen betet.
Tzak`bak ist eine Heilerin, die die Knochen kennt.
Jve`tome ist eine Hebamme.
AC vom ol  ist eine Heilerin, die die Pflanzen kennt.
(gilt alles auch für Heiler)

 

In der Kultur der Maya hatten die HeilerInnen eine wichtige Rolle in der Gemeinschaft inne, vor allem in den Kulturen von Yucatán und Campeche. Sie nutzten ihr umfangreiches Wissen über Heilmittel, um kranke Menschen wieder in einen Gleichgewichtszustand zu versetzen. Diese Heilpraktiken wurden viele Generationen lang mündlich überliefert, und einige Nachfahren der Maya-Heiler praktizieren sie auch heute noch.

Der Heiler ist in vielen Fällen eine traditionelle Autoritätsperson oder ein Führer der Gemeinschaft und wird meist als Diener der Allgemeinheit angesehen“, schreiben Hernán García, Antonio Sierra und Gilberto Balam in ihrem Buch „Wind In The Blood: Mayan Healing And Chinese Medicine“. „Diese Heiler sind immer noch von entscheidender Bedeutung für die Gemeinschaften. Allen gesellschaftlichen Änderungen zum Trotz stehen sie auch heute noch in so hohem Ansehen, dass sie auch weiterhin ihre Heilkunst ausüben können.“

 

 

weinraute

Weinraute – Zauberpflanze. Mönche, die ihr Keuschheitsgebot halten wollten, pflanzten Weinraute. Sie mäßigt die Lust bei Männern. Achtung! Zur Stärkung  der Augen  ist sie aber sehr gut.

Verhütung mit Weinraute und Schokolade

Frauen gehen in die Dörfer und vermitteln ihr Wissen über Körper, den Zyklus, die Empfängnis, Wissen über Pflanzen. Die Weinraute (Ruta graveolens) war den Maya schon seit mindestens 1000 Jahren bekannt. Hildegard von Bingen beschrieb das Heilkraut ebenso im Mittelalter. Heute ist bekannt, dass die Weinraute eine östrogene Wirkung hat.
Sie kochen einen Liter starken Weinrauten-Tee, wenn die Blutung schwächer geworden ist. Darin wird noch eine Kugel traditionell hergestellte Schokolade aufgelöst. Schokolade nimmt eine wichtige Rolle in der Maya-Medizin ein. Der Trunk wird auf einmal getrunken. Die Frau wiederholt das jeden Monat. Dieses Verhütungsmittel ist der Pille sicherlich unterlegen, aber die Frauen achten so mehr auf die Signale ihres Körpers, auf die Zeichen der Fruchtbarkeit. Sie sind von Kindesbeinen an eigenverantwortlicher als die „westlichen“ Frauen, die  von Beginn an eine Bevormundungsmedizin gewöhnt werden.

 

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Kakaotasse der Maya

Die Maya aßen Schokolade in rauen Mengen.

Schon vor 2600 Jahren nahmen die Maya regelmäßig Schokolade zu sich. Nachdem Archäologen Schokoladenreste in einer alten Teetasse fanden, vermuten sie, dass die Maya bereits 1000 Jahre früher als bisher angenommen Schokolade tranken. Somit war das uralte Superfood Kakao ein regelmäßiger Bestandteil ihrer Ernährung. Einige vermuten sogar, dass es zu jeder Mahlzeit Kakao gab.

„Kakao war das Getränk der einfachen Bevölkerung, aber auch die Speise der Herrscher und Götter“, berichtet Jonathan Haas, Kurator einer Ausstellung zum Thema Schokolade im Chicagoer Field Museum, in einem Gespräch mit National Geographic. „Und tatsächlich lautet der wissenschaftliche Name für den Kakaobaum Theobroma cacao, die Nahrung der Götter.“

Dank des hohen Flavanol-Gehalts von Kakao und Kakaoprodukten trug Schokolade aller Wahrscheinlichkeit nach erheblich zur Gesundheit der Maya bei. Flavanole sind Antioxidantien, die auch in Rotwein, Beeren und Tee enthalten sind und eine günstige Wirkung auf Herz und Gehirn haben. Kakao ist zudem reich an Magnesium, einem für viele Körperfunktionen wichtigen Mineral, und enthält neben hohen Mengen an Kalzium, Eisen, Kupfer, Zink und Kalium auch jede Menge Ballaststoffe.

 

 

Mit der Pulsdiagnostik können die Heilerinnen den seelischen Zustand der Schwangeren und des Kindes spüren. Mit einem Kerzenritual und Gebeten nimmt die curandera Kontakt mit der Seele der Schwangeren und ihres Kindes auf. Sie bittet um Schutz für Mutter und Kind. Liegt das Kind am Ende der Schwangerschaft nicht richtig, wird sie das Kind mittels Kräutertees, einer Drehung von außen und Bittgebeten im Geburtskanal richtig positionieren.

Sind Sie jetzt irritiert?  Die Seele dem göttlichen Schutz unterstellen? Ist das reiner Humbug? Es braucht doch Ultraschall. Kann Sicherheit geschaffen werden ohne Apparate und Technik? Die Curanderas können umgekehrt die Zweifel von „westlichen“ Frauen daran, ob es eine göttliche Macht gibt, die uns Menschen  beisteht, gar nicht verstehen. Und so staunen wir übereinander. Unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Behandlungsmethoden.

 

Die Psychoneuroimmunologie hat es herausgefunden, dass die Fähigkeit unseres Immunsystems ganz direkt mit dem Befinden unserer Seele zu tun hat. Verdrängte Traumata (eine verirrte Seele) könne krank machen – so krank, dass wir daran sterben können. Was für die Schulmedizin eine Neuerung scheint, ist uraltes Wissen der Maya und Kulturgut weiterer  indigener Völker.

 

Die zyklische Natur des Lebens

Das Gebet bei einer Behandlung oder auch Geburt ist  die Hauptsache. Es ist ganz wichtig, dass sich eine Seele nicht verirrt. Sie muss geschützt werden, sagen die Curanderas.
In Deutschland steigt die Zahl der Kaiserschnitte kontinuierlich. Existentielle Situationen werden versucht im Leben zu beherrschen.  Immer mehr Frauen wünschen sogar einen Kaiserschnitt.

HeilpraktikerInnen und andere Behandler mit alternativen Methoden wissen um die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele.
Vielen werden ebenso um den Schock von Diagnosen wissen, auch den Traumata durch schulmedizinische Methoden, denen sie mitunter ohne Unterstützung ausgesetzt sind.

„Die Maya glaubten fest an die zyklische Natur des Lebens: nichts wird ‚geboren‘ und nichts ‚stirbt‘. Dieser Glaube spiegelt sich auch in ihrer Sichtweise der Götter und des Kosmos wider“, ist auf der Website „Ancient History Encyclopedia“ zu lesen.

Die zahlreichen Rituale und Zeremonien der Maya standen in engem Zusammenhang mit diesen Zyklen.

Ein derartiger spiritueller Glaube ist mit einer Vielzahl potenzieller gesundheitlicher Vorteile verbunden, darunter weniger Stress, eine Verbesserung der psychischen Gesundheit und vielleicht sogar ein längeres Leben.

 

Biopiraterie – Jenseits der Vorstellungswelt der Cuanderas

Kaum erkannt, schon ging es los.  Der Bundesstaat Mexicos gehört zu einem der artenreichsten der Welt. Das indigene Volk hat bis heute ungeheures Wissen über die Heilwirkung von Pflanzen und Tieren. Multinationale Konzerne haben dieses schon längst erkannt. Immer auf der Suche nach Profit, alles in Geld verwandeln, was dieser Planet bietet, sind Pharmakonzerne seit den 90er Jahren auf der Jagd nach dem indigenen Heilwissen und den natürlichen Ressourcen. Patentrechte machen es möglich, das sie in ihren Besitz gelangen. Kulturgut und Wissen anderer Völker – ihre heiligen Pflanzen werden zur Ware und zu Monokulturen, weil Pharmakonzerne sich damit  mehr Profit versprechen. Dabei gibt es auch hier vor Ort genügend Heilpflanzen. Kolonialherrendenken im 21. Jahrhundert. Statt ihre Arbeit zu schützen, werden sie erneut ausgebeutet. Das Armutsgefälle wird dabei gänzlich unberührt gelassen.

673 indianische Heilkräuter hat die Schulmedizin inzwischen anerkannt und erfolgreich eingesetzt.

 

Zeremonie Corazones

 

Ergänzend zum Kräuterheilgetränk Essiac

1959 wurde der Leibarzt John F. Kennedys, Dr. Charles Brusch, auf die „Essiac“ genannte Mischung aufmerksam. Selbst ein begeisterter Forscher der Kräuterheilkunde experimentierte  gemeinsam mit der inzwischen 70-jährigen Rene weiter und erweiterte die Mischung um nochmals vier Kräuter: Brunnenkresse, Rotklee, Braunalge und Kardobenediktenkraut. Diese Mischung konnte nun unter dem Namen „Flor Essence“ ausschließlich oral verabreicht werden. Vorher wurde der kleine Wiesensauerampfer injiziert.
Doch trotz nachweisbarer Heilwirkung u.a. bei Tumorerkrankungen, Rheuma und Diabetes lehnt die kanadische Regierung bis heute „Flor Essence“ als Medikament ab. 1992 brachte dann ein kanadisches Unternehmen die Kräutermischung als „Heiltee“ auf den Markt. Heute wird „Flor Essence“ in 55 Ländern vertrieben und kann sowohl zur Vorbeugung als auch zur Unterstützung von Heilbehandlungen eingenommen werden. Damit ist einmal mehr beweisen, dass sich ein Blick auf die indianische Heilkunde durchaus lohnen kann.

Es braucht etwas Geduld bei der Anwendung dieses Naturheilmittels. Es stärkt den Körper.  Es soll immer sehr nützen, bei jedem Zustand, der dem Körper zu schaffen macht.

Die Ojibwa Indianer sagten von ihrer Naturheilmedizin,  es  sei ein heiliges Getränk, das den Körper reinige und jeden wieder zurückbringe ins Gleichgewicht mit dem „Großen Geist“. Es baut das Blut auf, hilft der Verdauung, wirkt sehr günstig auf die Darmflora und verhindert Verstopfung. Die Essence regtdas Immunsystem stark an und entgiftet den Körper. Sie verleiht rundum ein Gefühl von Wohlbehagen.

 

Quellen:

Indianisches Heilwissen.

Paul Bakkius: Gesund durch Indianerheilwissen.

Schweizer Projekt : Onkologie & Maya-Wissen
ETH Life, Zürich.

Doris Braun, Heilpraktikerin in Stuttgart, engagiert sich für eine größere Vernetzung und einen direkten Austausch mit den Curanderas  Mexicos.

Informationen zu OMIECH, einer Organisation indigener Curanderas in Mexico finden Sie unter http://www.medidnamaya.org. OMIECH arbeitet daran, dass dieses Wissen nicht nur nicht verloren geht, sondern sich auch verbreiten kann.
Oder unter: FFGZ Stuttgart, http://www.ffgzstuttgart.de

 

mehr zu Biopiraterie: Verlorenes Wissen

 

 

Olmeken und Maya waren Nachbarn

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Ein Stück Schöpfungsmythos der Maya in Stein geschlagen. Fries aus Kalkstein mit Stuck versehen.
Popol Vuh Relief in El Mirador, Peten, Guatemala. (Quelle: M.B. Project). Der Popol Vuh ist das
Heilige Buch der Quichè-Maya.
„It was like finding the Mona Lisa in the sewage system,“ sagte Robert Hansen 2009.
Hunaphu und Xbalanque, die beiden Helden-Zwillinge, die in die Unterwelt gehen, um ihren Vater, One Hunaphu
oder Hun Hunaphu, zu retten.
  In der Mythenwelt der Maya stellen sie Sonne und Mond dar.

 

 

Rund 8000 Hieroglyphentexte hat die Maya-Kultur hinterlassen, sagt die Wissenschaft. Sie reichen von kurzen Namensangaben bis zum in Stein gemeißelten 2000-Zeichen-Geschichtsbuch auf der großen Tempeltreppe von Copán und zu den geheimnisvollen „Codizes“, Büchern aus Baumrinde, von denen nur drei den Scheiterhaufen der spanischen Eroberer entgingen. Insgesamt gibt es etwa acht- bis neunhundert verschiedene Schriftzeichen. Gesichert lesen können die Forscher nach konservativer Schätzung etwa 500.
Bis heute kann kein Forscher genau sagen, wie viele Glyphen tatsächlich verwendet wurden. Und längst ist auch  noch nicht alles entdeckt und ausgegraben. Da wird sicherlich einiges Wissen hinzukommen, anderes wird möglicherweise umgeschrieben werden müssen.

Wie reich die Sprache der Maya einst war, wird vielleicht deutlich, wenn  man sich veranschaulicht, dass wir mit unserem Alphabet  auf  gerade mal 26 Buchstaben zugreifen.

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Skizze. Inschrift auf einer Stele

Ein Überbleibsel aus den „dunklen Zeiten des Kulturverlustes“: Bis in die 60er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts war in vielen Städten und Regionen Mexicos die Sprache der Maya, unter Androhung von hohen Strafen, noch verboten.

 

Bonner Altamerikanisten wollen nun eine Maya- Sprachen -Online-Datenbank anlegen.  Die Bonner gelten innerhalb der Wissenschaft als das „Entzifferungslabor“.  Der Leiter des Instituts, Professor Nikolai Grube, ist ein international anerkannter Wissenschaftler. Der Epigrafiker meint dazu:  „Für viele noch nicht entschlüsselte Zeichen gibt es Deutungshypothesen – die lassen sich leichter überprüfen, wenn man alle Texte kennt, in denen das jeweilige Zeichen vorkommt.“

Viele Zeichen, die jetzt noch nicht lesbar sind, sollen mit Hilfe der Online-Datenbank lesbar werden.  Die digitale Welt der Buchstaben soll sozusagen eine „Rasterfandung“ nach unbekannten Zeichen ermöglichen. Auf der Basis der bislang bekannten Schriftzeichen ist  ein Wörterbuch des Klassischen Maya geplant. Dazu erfasst das Team der Uni Bonn Abbildungen aller Schrifttafeln, Stelen und sonstiger Texte – mit allen Hieroglyphen, mit Umschrift der Aussprache und mit englischer Übersetzung. Hinzu kommen auch Kommentare zur Grammatik, Stichworte zum Inhalt und Hinweise auf noch offene Übersetzungsfragen.  Es ist ein Langzeitförderprojekt mit einer voraussichtlichen Laufzeit von rund 15 Jahren, dem das Land Nordrhein-Westfalen 10, 7 Millionen zur Verfügung  stellen mochte.

Zehntausend erschlossene bislang bekannte Schriftträger werden auf der Basis epigrafischer und linguistischer Analysen zu einem Wörterbuch der Klassischen Maya-Sprache , das zugleich als Online-Datenbank den gesamten Sprachschatz und dessen Verwendung in Schrift abbildet. All das klingt nach einem Mammut-Projekt.
Die Maya versahen ihre Texte mit Datum, die Entwicklung ihrer Sprache lässt daher genau verfolgen.

So weit mir bekannt, gibt es 30 verschiedene Maya-Dialekte.  Noch heute hört man in ihrer gesprochenen Sprache das typische Knacken der Kehlkopf-Verschlußlaute, die sich nicht wesentlich von der Sprache der alten Maya unterscheiden.

Dass wir „heute endlich die Maya-Schrift fast so gut lesen können wie die Schriftsysteme des Alten Orients, ist eine archäologische Sensation, die sich fast unbemerkt von der Öffentlichkeit in den letzten zehn Jahren zugetragen hat“, sagt der heute 47-jährige Wissenschaftler und Geschäftsführer der Abteilung Altamerikanistik und Ethnologie an der Universität Bonn.

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Professor Nicolai Grube. Foto: Planet Wissen

Als Student tourte er zu Fuß, per Boot, auf Maultierrücken oder wie heute mit Allrad-Fahrzeug durch Mexico, Guatemala oder Honduras, immer auf der Suche nach neuen Maya-Inschriften. Weit über die Wissenschaft hinaus engagiert Grube sich in Mittelamerika. In Guatemala gründete der Bonner eine Maya-Schule, sammelt Geld für ein Behindertenheim in Belize. Grube beherrscht längst mehrere Maya-Dialekte.

„Die Wiederentdeckung der Maya-Kultur liegt gerade mal 150 Jahre zurück. Wissenschaftliche Forschung hat erst Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen. Es ist noch eine junge Wissenschaft.“

Nikolai Grube ist kein Indiana Jones. „Die großen Aufgaben beginnen immer am Schreibtisch“, stellt der Wissenschaftler nüchtern in einem Interview fest. Viele Maya-Forscher früherer Generationen arbeiteten schließlich nur dort, am Schreibtisch, in der Bibliothek. Eugen Förstemann erwähnt Grube, der vor dem Krieg anhand des Dresdener Maya-Kodex fast den gesamten Kalender entschlüsselte, und ein Genie wie den Leningrader Ägyptologen Jurij Knorosow. Sie setzten nie einen Fuß ins Gelobte Land.

 

Der Dresdner Codex
Für die Maya-Forschung liegen Tausende von Dokumenten vor, meist in Stein gehauen, oft auf Keramik, Jade, ja sogar in Muscheln geritzt oder wie bei den vier Codices in Dresden, Paris, Mexico und Madrid,  in Form eines Faltbuches. Zur Zeit der Codices-Abfassung schrieb man nicht mehr in Stein wie in der Klassik, sondern auf Papier. Und das brannte rasch. Deshalb sind die vier geretteten Codices mehr als nur Papier. Jedes Jahr reisen etwa 20 Gruppen der Maya nach Dresden und halten dort Zeremonien ab. Ich traf in Cancun auf einen mexikanishen Journalisten. Er wollte sich aufmachen nach Dresden, um die Menschen davon  zu überzeugen, dass jenes Dokument ein wichtigste Erbe ihrer Ahnen ist, dass in die „Hände“ der Maya zurückgegeben werden sollte.

 

maya dresdner codex

Dresdner Codex. Die Dresdner Kostbarkeit hatte der kurfürstliche Hofkaplan und Bibliothekar Johann Christian Götze 1739 während einer Einkaufstour „bey einer Privat-Person in Wien gefunden, und als eine sonst unbekannte Sache gar leicht umsonst erhalten“. Weiter lässt es sich nicht zurückverfolgen.

Der Codex, so resümiert Maya-Forscher Grube, „war ein Wahrsager-Handbuch für intellektuelle Maya-Schreiber, ein hoch esoterisches Buch, das sich nur an eine kleine Gruppe von Spezialisten wandte.“ Es belegt jedoch – und das ist auch für die Experten neu –, dass mit dem „Kollaps“ am Ende der Klassik nicht alles komplett zusammenbrach und „Dunkle Jahrhunderte“ des Kulturverlustes über das Maya-Land hereinbrachen.

Heute weiß man, der Codex wurde nicht in einem Arbeitsgang, sondern über mehrere Jahre hinweg von verschiedenen Autoren geschrieben. Manche Seiten wurden begonnen, aber nicht fertiggestellt.

Museum Antroplogia taverne 199

Maya- Götter. Tulum Mexico. Foto: Kunze

Nikolai Grube erklärt:

Kapitel 1 stellt die zwanzig Götter der Maya vor. Sie werden angerufen, damit sie im weiteren Buch präsent sind.

Im Kapitel 2 stellt der gleiche Schreiber in immer neuen Abwandlungen die Mondgöttin vor. Vermutlich war dieser Abschnitt ein „Handbuch“ über Krankheit, Heilung, Gefahren bei Geburt und Abwendung von Kindstod. In einigen Szenen werden die Götter als Kinder beschrieben, denn die Mondgöttin war für die Geburt der Götter ebenso zuständig wie für die der Irdischen.

Mit Kapitel 3 taucht ein neuer Schreiber auf. (Grube: „Der große Intellektuelle“) ist hauptsächlich an esoterischen Dingen interessiert, insbesondere an astrologischen Fragen. Er stellt die Auswirkungen des Planeten Venus vor, der die Maya sehr faszinierte. Venus hatte nichts mit Liebe zu tun, sondern galt als aggressiv. Mit dem Venuskalender wurde der Erfolg von Kriegszügen berechnet.

Kapitel 4: Der große Intellektuelle befasst sich ausgiebig mit Finsternissen. Die Maya kannten den Zusammenhang zwischen Sonnen- und Mondfinsternissen und wussten, wann eine Finsternis auftreten kann. Doch ob sie im Maya-Gebiet auch zu sehen war, konnten sie nicht voraussagen.

Kapitel 5: Vom gleichen Schreiber stammen Multiplikationstafeln für die Zahl 78. Grube: „Die Bedeutung der Zahl kennen wir nicht. Aber es war sicher eine wichtige magische Zahl, die auch anderen Kalenderberechnungen zugrunde lag.“

Da im Dresdner Codex nur eine einzige Periode aufgeführt wird und nicht alle 13, „gehen wir heute davon aus, dass der Codex ursprünglich länger war und einige Seiten fehlen“, interpretiert Grube. Inschriften der Klassischen Zeit deuten darauf hin, dass die gegenwärtige Welt 33 mal 400 Jahre dauern wird. Demnach würde das Ende im Jahr 8077 n.Chr. nahen.

Speiseopfern für den Regengott in Kapitel 10. Der sitzt an wechselnden Orten und bekommt unterschiedliche Gaben: Fleisch, Fisch, Maisfladen. Nikolai Grube: „Das sind exakt die Zeremonien, die die Maya-Schamanen auch heute auf den Maisfeldern durchführen.“

Auf den Restseiten des Codex haben verschiedene Schreiber kurze Kapitel aufgetragen über die Reisen des Regengottes und den Mars und seine zyklischen Bewegungen. Welche Bedeutung der Mars für die Maya hatte, ist noch völlig unklar. Auf dem letzten Papierrest steht eine Multiplikationstafel für die Zahl 91 – was auch immer sie zu bedeuten hatte.

 

Die Archäologie der Maya-Kultur erfährt eine ungeahnte Beschleunigung.

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Aus frühester Frühzeit: Popol Vuh Relief. Spuren zur Entwicklungsgeschichte der Maya im Regenwald von Peten, in der Stadt El Mirador in Guatemala. Datiert auf 200 v. Chr. Entdeckung durch das Team von Richard Hansen, Idaho State University. Foto: Archäologisches Institut Amerika.

 

 Sensationelle Funde von Schriftzeichen verblüffen die Wissenschaftler immer wieder, so auch die Ausgrabungen in El Mirador, Guatemala.

Es ist ein Glücksfall, wenn weitere Schriftnachrichten auf Stuck oder Putz an einer Wand oder im Fries gefunden werden. Denn das Medium für Schrift war in der Präklassik nicht die Steinstele wie in der Klassik, sondern Papier.

Die ältesten charakteristischen Papierklopfer, mit denen die Rinde des Feigenbaums nach einem Wasserbad zu Papierstreifen gehämmert wurde, stammen von 900 bis 700 v.Chr.

Während Richard Hansen und sein Team  im Jahr 2009 Wassersammelstellen der Maya untersuchten, fanden sie ein Relief (li. i.Bild) an einem Haus. Es zierte die Wand eines Wasserkanals. Jedes Haus der Maya in El Mirador war mit einem Regenwasserleitungssystem versehen. Das Wasser wurde darüber in einem Reservoir im Zentrum der Stadt gesammelt.  Für die Wissenschaft ein großartiger Fund, der in seiner Bedeutung erhebliche Auswirkungen für die bisherige Einteilung der Epochen Präklassik und Klassik hatte und ihrer Annahmen über erste Schriften.

Mit der Ausgrabung der abgelegenen Stadt El Mirador in Guatemala nah der mexikanischen Grenze und der Pyramide von Nakbe stürzten Lehrmeinungen zusammen.

 

 Olmeken und Maya sind Nachbarn

Der Beginn der Maya-Hochkultur musste um ein halbes Jahrtausend zurück in die Frühzeit gelegt werden. Die  klassische Epochengliederung wurde zur Makulatur. Und damit könnten die Olmeken nicht mehr alleine die (Vor)-Väter der mesoamerikanischen Hochkultur sein. So werden sie auch im Anthropologischen Museum in Xalapa, Veracruz, Mexico, präsentiert.  Die Maya werden mit den neuen Erkenntnissen zu ihren geschichtlichen Nachbarn.

Noch vor wenigen Jahren galt unter Altamerikanisten die Meinung, Schrift habe sich in Mesoamerika erst in der Zeit nach der olmekischen Kultur entwickelt. Als früheste Schriftzeichen galten Funde aus Oaxaca, die man in die Zeit von 300 v.Chr. datiert hatte. 1998 begann ein Team von Archäologen unter der Leitung von Mary Pohl, Kevin Pope und Christopher von Nagy in San Andres mit Ausgrabungen. San Andres war vor gut 3000 Jahren eine Art Vorort von La Venta gewesen und gehörte damit in die zweite Phase der Olmekenkultur ab ca. 900 v.Chr.

Die Olmeken gelten als eine Art Mutterkultur des Kontinents. In der epi-olmekischen Inschrift auf der La-Moharra-Stele wird bereits das verwendet, womit die Maya berühmt wurden: die „Lange Zählung“ –  ein Kalendersystem.  Eine Kombination aus piktographischen und glyphischen Elementen sowie der Gebrauch des 260-Tages-Kalender und die Verbindung von Schrift und Kalender waren bereits vorhanden.

Auch in Kaminaljuyu im Hochland von Guatemala, einem Maya-Ort mit olmekischen Einflüssen, tauchte komplexe Schrift auf.

 

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San Lorenzo und Umgebung,  Zona del Olmeca Foto: Kunze

Die älteste olmekische Siedlung ist San Lorenzo. San Lorenzo war die erste Stadt, die die Olmeken direkt nach ihrem unerklärlichen und plötzlichen Kultursprung – vom Steinzeitbauern zur Hochkultur – um 1200 v.Chr erbauten. In der Nähe im Ort Cascajal fanden Wissenschaftler  im Süden von Veracruz in einem Steinbruch im Jahr 2006 Schriftzeichen auf dem Cascajal-Stein, die sie  auf 900 v. Chr. datierten.

Olmeken Cascajal

Skizze Cascajal-Stein. Cultura Olmeca

 

Olmeken Cascajal stone

 

„Das ist geschriebene Sprache.“ Der Stein ist der erste wirkliche Beweis dafür, dass die Olmeken auch die geschriebene Sprache kannten. Hier hat man es mit einer völlig neuen Schrift zu tun, die nicht verwandt ist mit anderen bekannten Schriften Mittelamerikas. Sie soll nur und ausschließlich während der San Lorenzo-Zeit der Olmeken angewandt worden sein. Weder gibt es irgendwelche Anzeichen darauf, wo sich diese Schrift entwickelt haben kann,  noch habe sich diese Schrift ausgebreitet und weiterentwickelt.

Die Chiffren sind waagerecht angeordnet, was für mesoamerikanische Verhältnisse ungewöhnlich ist, da hier normalerweise von oben nach unten geschrieben wurde. In die Platte sind 62 Zeichen geritzt, von denen 40 wiederholt vorkommen. Die Zeichen sind abstrakt und greifen nicht auf erkennbare Bilder zurück. Einige sind aus der olmekischen Ikonographie bekannt, was sie aber dort bedeuten, weiß man nicht. Der Cascajal-Stein, so Michael D. Coe, „ist eine Herausforderung für die Wissenschaftler – bis jetzt ist nur dieser Text der Olmeken bekannt“. Er folgert: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich aus dieser Schrift eine andere entwickelt haben könnte.

Einfach da. Plötzlich da wie die Kenntnisse der Olmeken in  Architektur, Mathematik, Astronomie, Geometrie, Vermessungstechnik, Logistik und anderem? Mich würde es nicht wundern, wenn da irgendwo wieder Thot auftauchte.
Ach, es gibt noch so viel zu entdecken.

 Cultura Olmeca

 

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Figura Atlihuayàn aus der Zeit der Olmeken, in San Lorenzo ausgegraben. Anthropologisches Museum , Xalapa, Veracruz, Mexico. Foto: Kunze

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Cultura Olmeca. Nachzeichnung. Zu den Werkzeugen von Archäologen, Epigrafern gehören immer auch Zeichenblock und Kohlestifte. Museum Mexico. Foto: Kunze

 

 

Die  Pyramiden der Klassik wie Chichen Itza, Tikal und Uxmal nötigen Hochachtung ab ob der architektonischen, logistischen und administrativen Leistung vor 1500 Jahren. Doch sie sind nur Abziehbilder der Maya-Bauten in der Präklassik: In der ersten Maya-Großstadt, Nakbe, entstanden schon ab 800 v.Chr. Pyramidenbauten von fast 50 Meter Höhe. Andere Siedlungen folgten: Lamanai, Cerros, Yaxha, Calakmul, Uaxactun, Tintal, Peru-Waka, San Bartolo und El Mirador. Der Peten, die Waldregion im Herzen der Yucatan-Halbinsel, entpuppt sich mehr und mehr als die Wiege der Maya-Kultur.

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Palast. Maya Stätte Nakbe

 

El mirador

El Mirador Foto:authenticmaya.

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El Mirador, Guatemala. Die zwei großen Pyramiden gehören  zu einem Komplex verschiedener auf Plattformen errichteter Gebäude.  2,8 Millionen Kubikmetern  Die höchste Pyramide der Welt. Foto: gizaforh.org

In El Mirador brach der Bau-Boom um etwa 300 v.Chr. aus und ließ die Siedlung bis zu ihrem rätselhaften Ende um 150 n.Chr. zur größten Stadt der Maya-Epoche werden. Die Stadt gilt als Wiege der Maya.  Sie hatte mit rund 4000 Komplexen deutlich mehr Bauten als Tikal und beherbergte mit der 72 Meter aufragenden Tapir-Pyramide das höchste Bauwerk der Maya-Welt. Eine entwickelte Gesellschaft mit Landwirtschaft, Arbeitsteilung, Kunst und zentraler Führung ist nicht wegzudiskutieren. El Mirador, das Machtzentrum der Maya-Präklassik im Tiefland, war mit einem weiten Ring von Satelliten-Siedlungen umgeben. 18 bis 24 Meter breite und 4 Meter hohe Dammwege durch das morastige Gelände verbanden die Metropole mit den Umlandsiedlungen und den über 20 Kilometer entfernten Nachbarstädten wie Nakbe und Tinta. Um 150 n. Chr. wurde El Mirador aufgegeben. Archäologen bezeichnen den frühen Niedergang der blühenden Kultur im Peten im zweiten nachchristlichen Jahrhundert als „kleinen Kollaps“. Der kann bislang noch weniger erklärt werden als der flächendeckende Zusammenbruch, der um 800 n.Chr. das finale Ende der Maya-Hochkultur brachte.

Heute weiß man:

Die Maya hatten eine fortgeschrittene Kultur entwickelt – und das deutlich früher als die Forscher bislang dachten.

Sie sind geschichtliche Nachbarn der Olmeken und nicht wie bislang dargestellt, die Nachfahren der Olmeken.

Ihre Schreiber konnten nicht nach Gutdünken etwas erfinden. Es gab Regeln und Traditionen. Begriffswörter wurden aneinandergereiht, grammatikalisch richtige und komplexe Sätze gebildet. Ganze Sätze mit Verb, Subjekt und Objekt lassen sich auf den Fundstücken durchlesen. Es gab eine standardisierte Schrift.

Ihr geheimes Wissen hielten die Maya in Büchern fest.

Die Maya haben die Olmeken in ihrer Kunst zitiert. Sie haben sie sehr verehrt.

Olmekischer Schmuck wurde über Generationen bei den Maya vererbt.

Olmekische Wörter wurden entlehnt. Teure olmekische Jadestücke landeten in Opferdepots der Maya. Olmekische Orte waren sakrale Stätten, in denen Maya gern siedelten.

Ihren berühmten Kalender der „Langen Zählung“ übernahmen die Maya von den Epi-Olmeken.

Man glaubte viele Jahre, dass Schriftsysteme auf der Welt nur einmal erfunden worden seien, nämlich im alten Orient.
Man glaubte,  alle Schriften auf der Welt  seien von den Schriften des alten Orients inspiriert worden
Man hat den amerikanischen Völkern eigentlich nie zugetraut, eine eigene Schrift zu besitzen.
Man sah die Bilder und glaubte, dass es eine Bilderschrift sei, wo jedes Zeichen für einen Begriff steht.
Man hat geglaubt, die Indianer können keine komplexen Schriften entwerfen.

Haben sie aber.

Man hat aus ihnen ja auch „Indians“ gemacht, obwohl sie nicht aus Indien kommen.

Sie verfügten über eine landwirtschaftliche Technologie, die viel weiter entwickelt war, als das, was wir in Europa kennen.
Sie waren in der Lage mit dem tropischen Ökosystem umzugehen und mit dem Urwald zusammenzuleben.

Städte wie Tikal oder Calakmul hatten 70 bis 80.000 Einwohner

Die Herrschaft der Gottkönige und die Paläste der Gottkönige gingen zuerst zugrunde. Und in einem zweiten Schritt, etwa 150 Jahre später, hat dann auch die Bevölkerung die Städte verlassen.

Heute ist es den Forschern möglich, festzustellen, wie damals der Pinsel angesetzt wurde, wie die Linien geschwungen sind und welche Ausprägung die einzelnen Hieroglyphen haben. Das ist weit mehr als Kunstgeschichte, das kommt schon kriminalistischen Arbeiten nahe.

Dennoch: Ob  unsere Wissenschaft mit all ihren Interpretationen  immer richtig liegt, sei dahingestellt. Manche Maya hätten dazu sicherlich noch einiges mehr und anderes zu sagen. Manche Funde werfen nicht mehr Licht auf die mesoamerikanische Kultur,  sondern mehr Fragen und machen sie noch rätselhafter. Die Geschichte hat bislang gezeigt, dass sie sich immer wieder geirrt haben und auch Bilder einer Zivilisation entworfen haben, die völlig unrealistisch waren.

Der Bonner Wissenschaftler Nicolai Grube mag – trotz aller neuer Erkenntnisse – daran festhalten, dass das „Erstgeburtsrecht für die Schrift bei den Maya liegt“.  Seltsam, wie ich finde. Vielleicht gab es die Maya ja schon vor 20.000 Jahren, dann allerdings wäre Grubes Festhalten nachvollziehbar.

Was man beispielsweise auch immer wieder liest: Die Maya waren plötzlich wie vom Erdboden verschwunden.
Die Maya sind nicht verschwunden, auch in der Zeit, als die Spanier kamen, hat es Königreiche gegeben. Sie waren nur nicht mehr so zu erkennen. Sie waren nicht mehr so prächtig, hatten keine großen Hauptstädte mehr und keine steinerne Architektur.

Und: ES GIBT SIE HEUTE NOCH.
Es sind etwa 10 Millionen Maya, die in Mexico und Guatemala und den angrenzenden Ländern Belize und Honduras leben. Und sie sprechen noch ihre Sprache und haben auch einen Großteil ihrer Kultur bewahrt.

Es bleibt in jedem Fall spannend.

 

Quellen:
Bild der Wissenschaft. Michael Zick.
Planet Wissen. Interview
Archälogisches Institut America, Zach Zorich.
Anthropologisches Museum Xalapa, Mexico
Kris Hirst, Archäologin

 

 

Es ist jetzt die Zeit umzukehren

maya-kalender

Die Hopi-Indianer sprechen in ihren Prophezeiungen von
„Einherzigen“ und „Zweiherzigen“.

Und auch die Maya weisen darauf hin, dass jeder Mensch sich unbewusst zwischen zwei Wegen entscheiden muss. Zwischen dem Weg des kollektiven Verstehens und der Toleranz oder dem Weg der Angst und Zerstörung. Der Weg der Hopi wird zwischen Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Kooperation oder Materialismus, Gier und Korruption entschieden. Der zweiherzige Mensch ist für sie ein Mensch, der nur den Gesetzen des Materialismus und der Technologie folgt. Für die Hopi`s bedeutet Frieden eine Welt, die im Gleichgewicht ist. Ist sie das nicht, wird sich die Natur, die „große Reglerin“ rächen.
Diese Zweiteilung nehmen die Hopi`s nicht willkürlich vor. Sie sagen, diese Information haben sie vom Schöpfer selbst bekommen. Die Trennung zwischen diesen beiden Gruppen wird am Ende des „Zeitalters“ vorgenommen.
Taiowa ist der Name des Schöpfer bei den Hopi`s.

Und entsprechend sind sie wachsam gegenüber den „Zweiherzigen“, die von Gier und Korruption beherrscht werden, egal aus welcher „Rasse“ oder welchem Volk. Ganz besonders jenen, die gezielt zusammenarbeiten für die „Weltherrschaft der Dunklen Kraft“.

Auch für die Maya ist Harmonie das A und O.  Ihre Kalender sind vollendet proportionierte Zahlensysteme, die der Aufzeichnung der Harmonien von Raum, Zeit, des Seins und der menschlichen Erfahrung in Resonanz, ihren Qualitäten zu Hunab Ku dienen und sie widerspiegeln. Sie glauben, es ist möglich, in spiritueller Harmonie mit der Natur und allem Lebendigem zu leben, wenn man sich nach dem Tzolk`in ausrichtet.  (synchronicity)

Diese Zeit des Durcheinanders, in der viele Menschen beschliessen, irgend einen Pfad zu gehen, heißt  die „Zeit der Reinigung“ (Läuterung).

In der ersten Prophezeiung von Dos Mundos, wird die Zeit von 1999 bis 2019  als die „Zeit ohne Zeit“ bezeichnet. Es ist jene Übergangszeit, in der sich das alte und das neue Zeitalter überlappen. Erst nach 2022 kann man wohl wirklich vom Beginn des neuen Zeitalters sprechen.

Die Maya sagen uns:

Es existiert keine Achtung mehr füreinander.
Sie beobachten die Kultur der Europäer.
Eure Kinder dürfen nicht mehr einzigartig sein. Überall lernen sie, dass sie nichts mitzuteilen hätten.
Eure Frauen dürfen ihre schöpferischen Kräfte nicht mehr anwenden. Sie werden in Kunststoffkleidung gezwungen, sodass ihre Poren nicht mehr atmen können. Sie müssen aus wertloser Nahrung das Essen zubereiten, statt lebendiger Hitze des Feuers verwenden sie Strahlen, die zerstörerisch sind.
Eure alten Leute haben keine Bedeutung mehr. Sobald sie aufhören zu arbeiten, fragt niemand mehr nach ihrer Weisheit.
Eure kranken Menschen werden durch die erbarmungslosen Räder der Medizin geschickt, denn Krankheit ist bei euch etwas, das es zu bekämpfen gilt.
All das geschieht deshalb, weil eure Gesellschaft auf der zerstörerischen Grundlage der Gier nach immer mehr und immer besserem aufgebaut ist. Dafür gebt ihr euer Leben – ihr arbeitet bis ihr tot umfallt.

Die Maya fühlen sich  mit den „Einherzigen“ aus allen Kulturen innig verbunden, egal ob weiß, Moslem, Indianer.  Das Ziel ist für sie nicht die eigene Dominanz, sondern das Erwachen der Menschheit.

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„Steht auf. Wacht auf. Nicht eine noch zwei Gruppen werden zurückgelassen, gemeinsam werden wir uns wieder sehen an dem Ort, wo wir alle herkommen.
Don Alejandro spricht vom „spirituellen Erwachen“. Das Leben handelt nicht nur „vom Essen.“ Die „Schlafenden“ meint er damit. Sie sehen die Zukunft nicht. Reicht die Botschaft weiter zum Nächsten, damit wir Frieden finden können. Dafür braucht man kein Geld. Lasst uns zusammen gehen.“
Der Oberste Maya-Älteste des Ältestenrates Don Alejandro, Wandering Wolf

Don Alejandro im Jahr 2010 in Budapest:

„Unsere Großältesten kommen nicht physisch zurück, aber es sind ihre Lehren, die zurück kommen und wachsen werden in uns selbst. Alles was sie uns zurück gelassen haben an vielen Stelen, das ist das Wissen, das  zurück kehrt. Wenn ihr auf die Worte, die ich sage, hört und achtet,  wenn ihr diesen Worten lauscht, dann ist es, als ob ihr auf sie schaut und noch einmal, es sind nicht meine Worte, sondern die Worte unserer Ahnen […]

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Don Alejandro gehört zur ethnischen Gruppe der Maya-Quichè, Guatemala.Es bedeutet süßer Baum.
Seine Frau Elisabeth Araujo übersetzt für den Maya-Priester ins Englische. Pensylvianna, Nordamerika

Zur Welt und zum Frieden:
In allen seinen Reden, weist Don Alejandro  darauf hin, dass es nicht seine Worte sind, sondern die seiner Ahnen.

Wir werden uns eines Tages daran erinnern, dass wir alle EINS sind, dass wir Kinder der Sonne sind.
Wir sind eine Familie. Wir sind Mensch.
Wir haben ein Zuhause: diese Erde.

Die Frauen werden die Mütter der Gesetze werden. Die Zeit ist gekommen. Die Frauen sind die besten Lehrer. Sie sind die besten Gesetzgeber. Und sie werden die beste Regierung sein.



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„Bringing life messages is the most sacred thing that exists.“.

 

Die Hoffnung auf Leben  in der Zukunft

Sie seien nicht gekommen, um uns Angst zu machen, sondern Hoffnung.
Die Mutter Erde trägt Blut in sich, wie wir auch.
Wir haben eine runde Erde. Der Westen lebt im Zentrum. Wir sind umgeben von Sternen, Vulkanen, Flüssen, dem Ozean, und die Menschen im Westen sagen, wir haben das Recht, alles zu nutzen. Wir müssen das tun.  Wir brauchen das.
Die indigene Welt denkt nicht so.
Wir sind im Zentrum und wir haben die Sterne, Vulkane, Flüsse und die Ozeane.
Wir leben unter dem Gesetz von Mutter Erde. Wir sind nicht hier um zu zerstören. Wir verletzten die Mutter Erde nicht. Es nimmt uns das Leben.
Die indigene Welt denkt an morgen für die Kinder, und die Kinder ihrer Kinder und deren Kindeskinder.

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Die Meere sind vergiftet. Die Nahrung ebenso. Die Fische  so gut wie ausgestorben. Die Luft ist belastet.

Wache auf. Sieh über dir, was dort geschrieben steht. Jeder von uns, ist mit einem Schicksal gekommen. Alle Flüsse fließen in eine Richtung, die zum Ozean hin. Wir müssen alle in eine Richtung gehen, Weiße, Schwarze, Reiche, Arme, Indigene, Nicht-Indigene.  Ich bin nicht mehr wert als du. Wir fühlen denselben Schmerz. Wir fühlen dieselbe Einsamkeit.
Das ist eine schöne Pflanze. Sie ist nicht gut für mich. Aber sie ist gut für das Tier meines Bruders.

„Let the morning come, let the dawn come for the nation to find peace and be happy.
Stand up, everyone.“

Niemand soll zurückbleiben. Wir reden nicht nur für Indigene. Wir reden für alle Menschen. Wir sind Blumen dieser Erde. Wir blühen in verschiedenen Farben, verschiedenen Größen und wir duften verschieden.
Wir sind jene von gestern, von heute und wir werden jene von morgen sein. Es ist jetzt die Zeit umzukehren.

Jeder von uns hat eine Mission zu erfüllen. Wir können Euch nicht sagen, lernt von uns. Wir können nicht die Einzigen sein, die sprechen. Jeder muss sprechen. Wir sind nur ein Finger an einer Hand von fünf.
Diese 5. Zeit der Sonne hat keine Zeit mehr. Die Erde ist vergiftet. Wir müssen mit der ganzen Welt sprechen.

Das Geld hat keinen Wert mehr, wenn das Wasser und die Nahrungsmittel vergiftet sind.
Wir können Luft nicht kaufen. Wir können Wasser nicht kaufen. Wir können die Sonne nicht kaufen.
Kinder vergesst nicht eure Erinnerungen. Wir haben Euch gute Ratschläge und gute Gründe überreicht.

Für deine Kinder und für ihre Kinder und Kindeskinder:  Wir kommen von den Sternen. Wir gehen jetzt zurück. Diese Worte sind in uns und in jeder Sprache von uns. Es ist nicht mehr viel Zeit.  Die Sonne wird verschwinden. Es wird große Veränderungen geben, auch wenn wir sie nicht wollen. Wenn die Elektriziät ausfällt, bleiben die Menschen in den hohen Gebäuden in ihrem 30. und 40. Stock stecken. Dann wird das Ego des Menschen enden.

don alejandro5Selbst wenn du unter einem Stein mit deinen Tieren lebst. Du hast das Leben. Und wir werden einander finden, egal ob in Zentralamerika oder anderswo.

Die Welt ist heute geteilt. Einige interessiert es nicht, weil sie sagen, sie kommen in den Himmel, während andere daran interessiert sind, die Erde auszubeuten und sie in Geld umzuwandeln. Das Militär interessiert sich nur, die Welt zu erobern. Sie denken nicht darüber nach, wer stirbt. Sie denken nicht darüber nach, wen sie töten. Sie sind nur an ihrer eigene Größe interessiert.

Ich will dir etwas sagen, mein Bruder. Das interessiert mich nicht so sehr. Alles hat seine Zeit. All das wird sowieso auf den Boden fallen. Das ist Jetzt. Morgen nicht mehr. Die, die heute glücklich sind, werden morgen weinen.  Und die heute weinen, werden morgen Lösungen finden. Unser Hauptinteresse ist, damit aufzuhören, diese Erde zu vergiften. Damit Leben ist für alle Menschen auf dieser Erde. Die Prophezeiungen der Maya und Hopi`s unterscheiden sich nicht. Jene aus dem Zentrum werden den Adler des Norden  mit dem Condor des Südens vereinen. Wir werden unsere Brüder wieder vereinen.  Wir sind Eins, so wie die Finger an einer Hand.

2012 hat nichts mit dem Maya-Kalender zu tun. Der Maya-Kalender ist ein kosmischer Kalender. Es endet ein Zyklus. Was wir jetzt brauchen ist Liebe Wir müssen die Erde lieben. Unser Leben hängt an dieser Erde.
Es geschieht vor unseren Augen, dass sie getötet wird.
Wir wollen keinen Krieg. Wir wollen keinen Plastik. Wir wollen keine Ausbeutung mehr von Mineralien. Wir wollen keine Chemikalien. Wir denken an das Leben unserer Kinder. Unsere Hoffnung ist der neue Zyklus der
6. Sonne. Die Zeit werden wir auf eine neue Weise leben. Wir müssen alle zusammen kommen Wir müssen mit Geduld leiden. Es werden ernste Probleme auf uns zukommen, weil wir sie produziert haben.
Telefon, Technik, Computer. Kameras. Wir fliegen. Autos.

don alejandro6

Seid geduldig. Seid glücklich, wenn der neue Zyklus beginnt.

Lasst uns die Erde nicht zerstören. Lasst uns an ihrem Wunder erfreuen.

Don Alejandro wies darauf hin, dass sich die Prophezeiungen der Maya nicht von denen der Hopi unterscheiden. Davon mehr im nächsten Artikel

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martina kunze

Teetrinken und abwarten

Teetrinken und abwarten

Ist nicht schon die Idee des Erwachsenenwerdens ein Betrug?Bonn-Beuel am Rhein Foto: J.O.

Mit den Zutaten des Tages lässt sich immer irgendetwas anfangen, und sei es, dass wir uns nur hinsetzen und unsere letzte Tasse Tee genießen.

Ich genieße eine feine Tasse Weißen Tee. Es ist sicherlich nicht meine letzte  Tasse Tee. Dazu einen Honigtoast, vielversprechende Geschmacksvariationen. Sonne auf der Nase, Sonnenhonig in den knautschig-müden Mundwinkeln.  Der Duft des Frühlings erfüllt die Umgebung. Mein Baum der Weisheit neigt sich dazu noch in der Ecke zu mir herab, überladen mit süßen Einsichten in das Wesen des Lebens:

„Wenn es nichts zu tun gibt, tu nichts.“

Manchmal fasziniert mich ein Gedanke, wenn ich ihn laut ausspreche.

 „Der Name des weißen Tees geht auf den weißen Flaum zurück, der die Teeknospen umgibt. Er wird auch der Kaiser der Tees genannt. Nur die ungeöffneten Knospen werden für die Teeherstellung verwendet, nur jene, die der Sonnenstrahlung kaum ausgesetzt waren.  Seit über 2000 Jahren wird Weißer Tee in China getrunken. Ich trinke ihn seit ein paar wenigen Jahren. Pai mu tan. Pa—iiiii  mu ta-aaan“, erklärte mir meine kluge Freundin in ihrem Rüschenkleid mit den tausend Spitzen, ernst und sonnig-rosig. Direkt neben mir landete ein „Ahhh“ mit typischem Teetassengeräusch.  Es blubberte wie in einem Teich, in dem etwas versinkt. „Schmeckt blumig-mild, wenig bitter. Täusche dich aber nicht, in den Knospen gibt es reichlich Koffein. Weißer Tee hat eine Wirkung, die sich positiv auf unser Immunsystem auswirkt und die Abwehrkräfte stärkt. Hierfür sind vor allem die hochkonzentrierten Vitamine C und E verantwortlich. Darüber hinaus hat er eine antibakterielle Wirkung und kann den Blutdruck und den Cholesterinspiegel senken sowie positiv auf die Blutzucker- Balance einwirken. Grüner als auch weißer Tee enthalten Wirkstoffe, die deine Zella-a-alterung verringern“, rief sie mir zu, warf sich schreiend ins Gras und ließ sich den Abhang hinunterrollen. Ernüchternde Erkenntnisse. Wie unglaublich klein wir doch angesichts so unvorstellbarer Dinge sind, zum Beispiel so etwas wie  kluge Freundinnen in nächster Nähe  haben zu dürfen. Die Hälfte unseres Karmas besteht aus Zutaten, mit denen wir arbeiten müssen. Die andere Hälfte, die entscheidendere, besteht aus dem, was wir in diesem Leben daraus machen.

„Komm schon!“, rief meine kluge Freundin. Ich rollte. Das Gras piekste, meine Perücke löste sich (Ich war Antonio Banderas als Zorro, meine kluge Freundin war Anita Ekberg in La Dolce Vita. Gruppenkostümparty, elegante Festivität). Unten angekommen, verblüffte mich die Stille. Meine kluge Freundin lag ein paar Schritte von mir entfernt. Wörter wackelig, und sich ihrer selbst nicht sicher. Sterne schossen an uns vorbei. Eins meiner Lieblingsszenarien sah so aus, dass ein Taxi direkt neben mir hielt, der Taxifahrer die Autotür öffnet und mich fragt, wohin er  meine kluge Freundin und mich fahren darf. Aber es war mal wieder eins dieser Schicksale, das in regelmäßigen Abständen dafür sorgt, dass  man nicht den leichten, soeben frisch gepflasterten Weg einschlägt, der mit Straßenschildern und Kastanienbäumen deutlich markiert ist. Irgendwie standen wir auf, nahmen den dunklen, dornigen Weg und watschelten nach Hause, vorbei an großblütigen Rosen, Lorbeerhecken, merkwürdigen Ansammlungen von Getier, Gemüse und Gestein, über Rasen. Wir rutschten und glitschten über Spuren von Treibsand, vorbei an wispernder Streichquartettmusik. Ich trug meine Zorromaske und meine Brille in der Hand und sah aus wie ein  gelehrter Waschbär. Aus irgendeinem Grund sah mich meine kluge Freundin an.

„Sagt man nicht Teein statt Koffein?“, fragte ich in ungraziöser Haltung.
„Du weisst wo-o-ohl schon Martina, das Herz ist das am meisten überschätzte Organ. Das Wesentliche passiert über die Augen!“ sagte sie mit einer Bärenstimme. Die Dreidimensionalität erschien in meinem Kopf. Wie klug jemand sein kann. Schneller-als-das-Licht. „Weißer, Grüner, Oolong und Schwarzer Tee stammen von der gleichen Pflanze. Alle  enthalten Koffein. Oft wird es als Teein bezeichnet. Die chemische Zusammensetzung ist mit Koffein identisch! “
Standortbestimmung. SIE IST NOCH HIER. Meine kluge Freundin. Drei Stufen von mir entfernt.  Ein Atemzug. Ein verschmierter roter Ekberg-Lippenstiftmund, eine Sicherheitsnadel am Pullover „Hallo, ich heiße Anita Ekberg“. Ich war einigermaßen beruhigt. Der Rest meines Körpers hielt sich  eindrucksvoll wie ein Kanzler. Mao Zedong wäre stolz auf mich gewesen.
„Du weisst wo-o-ohl schon, dass es komplexere Dimensionen jenseits unser eigenen analog zu unserem Aquarium gibt, liebe kluge Freundin. Du weisst doch sicherlich auch,  im Kern stellt das Universum eine Art Fantasie dar,  ein gigantisches Gewirr von Licht- und Schattenlinien. Zerlegst du mich in meine Teile, erhältst du mich – holographisch betrachtet –  nur als kleinere Ganzheiten, in jedem kleinen Teil ist das Ganze enthalten.  Was ganz ist, das ist ganz. Was aus dem Ganzen kommt, ist auch ganz. Nimmst du das, was aus dem Ganzen kommt, bleibt das Ganze ganz. Das ist überhaupt der einzige Grund, warum subatomare Teilchen miteinander in Kontakt bleiben können, unabhängig von den sie trennenden Entfernungen. Alles durchdringt alles. Alle  Örtlichkeiten, alle unsere Aufteilungen sind künstlicher Natur. In gewisser Weise stehen wir beide inmitten eines Superhologramms, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren und aus dem wir zapfen.  Selbst das Gehirn soll ein Hologramm sein. Erinnerungen sind danach nicht in Neuronen verschlüsselt, sondern vielmehr in Mustern von Gehirnimpulsen, die das gesamte Gehirn kreuz und quer durchdringen. Nur darum können du und ich so viele Erinnerungen auf so geringem Platz speichern.  Jedes Stück Information steht mit jedem anderen in Beziehung. Aus Argumentationsgründen erscheint es mir an dieser Stelle notwendig, dich daran zu erinnern, dass, wenn dir meine Erscheinung der Gegenwart nicht passt, du dir mit geeigneten Werkzeugen in deinem kreuz-korrelierendem Gehirnsystem Szenen der Vergangenheit verfügbar machen kannst. Zapf das Superhologramm an.  Vielleicht findest du dort ein angenehmeres Outfit von mir!  Die harte Realität konstruieren wir rein mathematisch. Einigen Wissenschaftlern zufolge, scheint deine Wahrnehmung lediglich als eine holographische Projektion d e i n e s Bewusstseins. Programmiere deinen Überzeugungen über mich anders. Du trägst die Verantwortung für deinen Blick auf diese deine Welt.  Wie schon die östlichen Religionen lange erklären, die Welt ist Maya, eine Illusion“, stieß ich hervor.  Mein Herz kullerte durch meine Brust. Der Drahtrand ihres Engelflügels schob sich an mir vorbei. „Nicht in einer Million Ming-Dynastien glaube ich daran“ , ächzte sie.
„Tja , du magst ja Atheistin sein, aber ich bin gläubig“, sagte ich.
Meine kluge Freundin rechnete mit ihrer letzten Stunde, die geschlagen habe. Es ist dunkel. Wo ist der Weg? Nicht nervös, sondern locker und unbekümmert sei sie, erklärte sie voller Inbrunst, hob dabei ihre Augenbrauen mit beträchtlichem Scharfsinn. Und so schlichen wir durch den‘ Urwald Birmas‘ im sagenumwobenen Naturschutzgebiet Bonns. Nur ihre offenen Augen, ihre Geduld und Ausdauer, ihr wacher Geist und ihr ausgeprägter Geruchssinn, ihre feine Beobachtungsgabe des Firmaments, der Natur und der Zeit brachten uns sicher zurück. Nach einigen Stunden des Herumschwimmens gegen die Strömung auf der Sieg kamen wir an. Ostern 2013. Frauen auf Wanderschaft.  Meine kluge Freundin trägt das Blut einer Hochkultur in sich.

Osterlamm

Wann ist die wichtigste Zeit? Jetzt. Michaels Osterlammrettung 2013. Foto: Danke Jutta.

Im Gegensatz zu anderen Völkern nehmen wir uns nur wenig Zeit für Fragen, woher wir kommen, wohin wir gehen, warum wir träumen,  was will ich eigentlich wissen, Fragen zu verschiedenen Problemen unseres Lebens. Wir sind daran gewöhnt, scheinbar selbst das ganze Wissen zu besitzen. Meinen, andere hätten von uns zu lernen. Vergessen, unsere Erfahrungen kommen aus zweiter Hand. Wir wissen zumeist, was andere zu den Problemen unseres Lebens sagen. Wir sind vom Vergessen geprägt, sind Menschen, die in Angst leben. Häufig glauben wir auch, wir seien im Besitze der besseren Zutaten. Glauben, wir backen den besseren Kuchen. Es kommt aber sehr oft vor, dass nicht derjenige mit den besten Zutaten den besten Kuchen backt – immerhin geht es beim Backen nicht nur um die Zutaten, sondern um die Mühe, die Sorge, die Liebe, die man in den Backvorgang steckt.

Wir bezeichnen andere Kulturen als fremd, und das oft auch nur, weil sie nicht genauso sind wie wir und ihr Leben anders gestalten, als es unseren Vorstellungen entspricht.  Viele der alten Völker haben dieses Netz, in dem alles mit allem verbunden ist, nie verlassen. Schlafenszeit ist für die Aborigines Traumzeit oder auch das ‚kosmische Netz‘: jener Ort, an dem wir die Wirklichkeit unseres Lebens und der Welt weben.

Maya: Ursprung der Welt, auch Welt der Illusionen.

Die Maya gelten als die Meister der Zeit und die‘ Hüter des Universums‚.  Ihre Kalendersysteme sind so perfekt, das kein Computer an sie herankommt. Sie haben Kenntnisse vom Universum, die so umfassend und vielfältig sind, dass wir mit unseren Wissenschaften nur staunen können. Unsere Geschichtsbücher sprechen kaum von ihnen, obwohl ihre große Zeit gerade mal etwas mehr als tausend Jahre zurückliegt.

Die Mayan rechneten mit vielen astronomischen Zyklen – darunter auch jene von Merkur, Venus und Mars. Mayas konnten auch Sonnen- und Mondfinsternisse vorhersagen.

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Carmen de Playa, Yucatan, Mexico

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Seit tausenden von Jahren haben sie ihr Wissen gehütet, in den Ländern Guatemalas, Mexico, Honduras und Belize.  Das Weisheitsbuch der Maya heißt ‚Popul Vuh‘. Am Anfang war Nichts, oder anders ausgedrückt: Alles war in Einheit. Im Popul Vuh  findet sich die Schöpfungsgeschichte, der Ursprung des Lebens, wie sie sich in allen anderen Kulturvölkern dieser Welt gleichen. Denn alles steht mit allem in Verbindung. Am Ende steht in allen Kulturen die Erschaffung der Menschen. So auch bei den Maya: nach drei unvollkommenen Versuchen, werden die Menschen schließlich aus Mais geformt.  Jeder Baum, jeder Stein, jedes Gewässer trägt ihnen zufolge die Erinnerung vom Beginn der Zeit in sich.

Viele von ihnen erzählen folgende Geschichte:  Als wir noch im Himmel gewohnt haben, wurde es eines Tages ziemlich eng. Der große Geist entschloss sich daraufhin, uns zur Erde zu senden, um dort als Wesen mit einem physischen Körper zu leben. Und dann hieß es: Jene von euch, die dabei sein wollen, wenn Mutter Erde lebendig und erfüllt mit Leben wird, müssen sie auch beschützen. Wir geben euch machtvolle Medizin der freien Wahl und des freien Willens. Damit seid ihr die Hüter der Erde.

Maya sehen sich als Geschöpfe dieser Erde. Gleichzeitig betonen sie, dass sie von den Sternen kommen. Man nennt sie die Hüter der Zeit und des Universums, weil sie riesige Zeiträume ebenso wie die Umlaufbahnen vieler Planeten genau gemessen haben.  Es gibt für sie keine Trennung. Senòra Mildred, eine sehr besondere Dame vom Stamme der  Maya in Mexico- Yucatan sagte mir immer: „Alles ist Harmonie. Jedes kleinste Teilchen beeinflusst alles andere, und jeder kleine Gedanke kann große Veränderungen bewirken.“

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Erde: Maya-Symbol der Bewegung  und langsamen Veränderung. Dieses Symbol erinnert uns daran, dass es größere Kräfte wirken, und dass Veränderungen, besonders in schwierigen Zeiten, Geduld benötigen. Das Erde-Symbol hilft dir, dich zu zentrieren, auf dem Weg in deine inneren Gedanken, um dein Bewusstsein wachsen zu lassen, in der Weise, wie du es dir wünschst.

In allen Kulturen finden sich Götter oder wichtige Persönlichkeiten mit dem Namen Maya. Die Mutter Buddhas heißt Maya. Der Schatzmeister des ägyptischen Kind-Königs Tutench-Amon hat diesen Namen. Unser Kalendermonat Mai ist ebenfalls vom Namen der römischen Göttin Maia abgeleitet.

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Auszug aus dem Maya-Kalender, Mexico, anthropologisches Museum Xalapa.Foto:Kunze

Die Maya bauten all ihr Wissen und Forschen auf der Überzeugung auf, dass es nur e i n e Energie gibt – ein Grundmuster des Lebens also, das überall gleich ist. Diese Energie pulsiert in jedem Gedanken, in jedem Atemzug, im Wachstum von Lebewesen, in einem Gedanken, der gerade entsteht, im Wasser der Ozeane…überall.  Auch unsere moderne Physik beginnt heute dieses Wissen wieder zu erahnen.

Wolfram

Stephen Wolfram. Sein ehrgeiziges Ziel: das eine Programm finden, auf dem alles basiert.

Was sagt die ‚New Science‘ ?:
Stephen Wolfram, ein Wunderkind, schrieb mit 15 Jahren seine erste wissenschaftliche Arbeit, langweilte sich an der Universität von Oxford, schuf Ende der Achtziger die Standard-Software für Mathematiker, legte mit Isaac Newton ein 1200-Seiten-Buch an, Computerwissenschaftler. Für ihn ist das gesamte Universum nichts anderes als eine gewaltige Rechenaufgabe. „Vielleicht gibt es eine einzige, sehr einfache Regel, die die Basis für alle Phänomene im Universum ist.“ (Terra Matter,März 2013)

Physiker Alain Aspect führte bereits 1982 ein Experiment durch. Entdeckt wurde von seinem Forscherteam in Paris, subatomare Teilchen sind fähig, unmittelbar miteinander zu kommunizieren und zwar unabhängig von der räumlichen Distanz, die sie trennt. (Danke an J.O.) Bereits Nobelpreisträger Werner Heisenberg formulierte  in den siebziger Jahren die „Heisenbergsche Unschärferelation“ und hielt fest, dass sich der Aufenthaltsort von Elektronen nicht exakt feststellen lässt. Ihre Position sei ‚unscharf‘. Ein Atomkern, nehmen wir an, er wäre so groß wie ein Streichholzkopf, dann wären die Elektronen in ihrer Elektronenwolke von diesem Kopf, dem Atomkern, so weit entfernt wie die Spitze des Eifelturms vom Boden, auf dem er steht. Beim Eifelturm sind es Stahlträger. Beim Atom ist es ein NICHTS.  Die Sache mit dem NICHTS ist schwierig zu erklären und noch schwieriger zu verstehen, sind wir in unserer materiellen Welt verhaftet. „Universelle Energie ist in uns und um uns herum. Wir müssen nur lernen, in diesem Medium wieder richtig zu schwimmen. 1981 stellte Rupert Sheldrake seine Hypothese der morphischen Felder auf, die die Entwicklung von Strukturen beeinflussen sollen.  Im morphischen Feld ist alles gespeichert, was jemals an Informationen entstanden ist; jeder Gedanke, jede Schwingung hat sich verewigt. Befinden sich ähnliche Schwingungen, so gehen wir in Resonanz und ziehen diese Gedankenenergie durch das Gesetz der Anziehung an.  Denken wir an das, war nicht haben wollen, ziehen wir es an. Was meine Energie hat, wächst.  Die universelle Matrix verbindet alle Dinge im Universum.
durch Gedanken im Menschen entsteht eine gewisse Schwingungsqualität. Die Schwingungen, die zu uns passen, ziehen wir an. Wer frustriert ist, zieht weitere Frustration an. Man unterliegt sozusagen dem gedanklichen Jo-Jo-Effekt negativer Art.  Isaac Newton formulierte das Prinzip der Wechselwirkung „actio est reactio; Aktion = Reaktion.   Denken ist sozusagen eine Art von geistigem Karma. Besser von Kausalität. Jedes Ereignis muss immer einen Grund haben. Die universellen Gesetze wirken, ob wir sie kennen oder nicht, ob wir daran glauben oder nicht.

Masaru Emoto, japanischer Wissenschaftler bewies mit seinem Team, dass Gedanken und Worte die kristalline Struktur des Wassers beeinflussen. (Wir bestehen zu 70 Prozent aus Wasser)Positive Gedanken liessen wunderschöne Kristalle entstehen, negative Gedanken zerstörten die kristallinen Strukturen.

 Das Herzenswissen der Mayan

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Die Mayan erfanden einen Webstuhl, der die Wirklichkeit durch ein Muster von Zahlen und Zeichen erfassen kann.  Mit den Zahlen 1 bis 13 stellten sie die Energie des Universums dar. Diese Zahlen stellen die Impulse dar, welche alles in Bewegung halten. Wie Wellen, die einander ergänzen und gegenseitig hervorbringen.   Die Maya gaben den Zahlen Namen und Bedeutungen.
Die Zahl 3 bedeutet Rhythmus. Die 9 weist auf größere Zyklen und Zusammenhänge hin. Die 1 ist der Beginn einer Welle und die 13 ihr Ende.  Sie nannten die Zahlen auch Töne. Jeder Ton hat seine eigene Stimmung, aber alle sind notwendig, damit Neues entsteht und Bestehendes sich weiterentwickelt. Diese 13 Zahlen sind die ‚unsichtbare Hand‘, die das Webmuster entstehen lassen. Zum Weben braucht es Fäden. Diese sichtbaren Fäden nennen die Mayan die 20 Sonnensymbole. Mit Hilfe des Pulsierens der 13 Zahlen werden sie zu einem Muster gewebt. Sie wußten, wie wir uns fühlen, hat nicht nur mit uns zu tun, sondern auch mit dem, was sozusagen „in der Luft liegt“, der Energie des jeweiligen Tages.  Für die Mayan trägt ein Mensch die Energie jenes Tages, an dem er geboren wurde.

13 Zahlen ineinandergewebt mit 20 Symbolen ergeben 260 verschiedene Möglichkeiten und Tage. Für die Mayan ist das eine heilige Zeit. Es ist die Zeit, das ein Kind für die Entwicklung bis zur Geburt benötigt. Es ist die Energie des Lebens – der Webstuhl der Wirklichkeit. Es ist der Tzolkin-Kalender der Mayan.

Sonnensymbole

Sonnensymbole – eines der 20 Sonnensymbole ist immer das prägende Grundmuster eines Menschen.

Folgt dem Imix-Tag (Urmutter) ein Ik-Tag (Ik bedeutet Wind, Ausdruck für Bewegung, Atem, Inspiration) folgen daraus andere Tätigkeiten, beispielsweise für die Landwirtschaft oder Heilkunst.

Insgesamt existierten bislang nur drei handschriftliche Maya-Kalender – einer davon in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden. Die 3,5 Meter lange Schrift auf Feigenbaumrinde – der Codex Dresdensis – enthält einen Weissagungskalender und astronomische Tafeln. US-Forscher berichteten in der  „Science“ ( Mai 2012) von der Entdeckung des bisher ältesten Maya-Kalenders. Alles stamme aus dem 9. Jahrhundert. Der bislang älteste Maya-Kalender stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der neue Fund ist also etwa 500 Jahre älter. William Saturno von der Boston Universität gräbt seit 2001 in Guatemala. Die Maya-Hochburg Xultún ist seit 1915 bekannt, doch schwer zugänglich. Die Aufzeichnungen in Xultún stammen von einem Schreiber, der gewöhnlich in den Maya Codices schrieb, sagt der Archäologe Nikolai Grube von der Universität Bonn. In den Malereien werden verschiedene Kalenderzyklen beschrieben – und zwar in einem Format, das den sehr viel späteren Maya-Codices ähnelt. In Stil und Inhalt korrespondieren die Malereien mit den Berechnungen der Kalender sowie der Sonnen- und Mondfinsternissen im Dresdner Codex, sagt Grube.Zudem fanden die Forscher vier lange Zahlenreihen, die insgesamt 7000 Jahre in die Zukunft reichen.  Die drei erhaltenen Maya-Codices stammen aus der Postklassik, also aus den letzten zwei Jahrhunderten vor der Spanischen Eroberung von Mittelamerika. Die Maya-Klassik reicht vom 3. bis zum 10. Jahrhundert. Im 9. Jahrhundert begann die Maya-Kultur zusammenzubrechen. Es war keine glückliche Zeit für die Maya. Xultún blühte zwar noch in dieser Zeit, doch rundherum begann es, in den Städten bergab zu gehen. Astronomische Aufzeichnungen waren bisher nur in Bücherform Maya bisher erhalten und gefunden. Die Wände in Xultún könnten eine „Kritzelfläche des Astronomen gewesen sein, auf der er rechnete. Es könnten also Entwürfe für ein Buch sein – doch auch das Umgekehrte sei denkbar.