Vom Füllen des Tages

regenkinder

 

 

Über die Trägheit

„Wir haben viele Gründe glücklich zu sein und wir haben viele Gelegenheiten um glücklich zu sein, aber wir sagen, dass wir keine Zeit haben. Tatsächlich haben wir  nicht den Mut all diese Gelegenheiten zu nutzen. Sowie wir nicht einmal wahrnehmen, dass wir diese Gelegenheiten nicht nutzen oder die Ursachen erkennen, um glücklich zu sein.“

(Lama Tulku Lobsam)

Glück ist für alle da

herzinsel

Das Christentum  ist die frohe Botschaft der Liebe. In der Bibel ist kein Gebot  häufiger wiederholt  – und weniger beachtet- als das Gebot „Freut euch und seid außerordentlich froh“.  Unsere Region müsste demnach eine der glücklichsten Regionen der Welt sein.

Haben Sie eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, wenn  Ihr Herz einen Augenblick  lang von Liebe, Dankbarkeit und Freude erfüllt ist?

Werdet wir kleine Kinder, sagte Jesus.  Vergessen ist es.

Vergessen ist die Dankbarkeit. Vergessen ist die Fröhlichkeit.  Vergessen die Menschlichkeit. Vergessen die Bibelstelle: „Denen,die Gott lieben, wirken alle Dinge zum Guten.“  Status, Image, Rollenspiele kennen wir ja – auf dem anderen Weg, der vielleicht unpopulär ist, kann man wirklich wieder einmal etwas Menschliches mit einem anderen aufbauen. Es ist möglich, aber es ist Arbeit.

Ja,  ja, Glück ist gut für Sie, für uns alle.
Wie viele kostenlose Dinge schenkte Ihnen heute dieser Tag. Wie viel Glück schenkte Ihnen vielleicht ein anderer Mensch?

Sieht`s nicht immer ganz so glücklich in Ihrem Leben aus? Glauben Sie auch lieber an die schlichte Philosophie? Es werden die zu „Siegern“, die am wenigsten an ihre Menschlichkeit gebunden sind. Um „Wahrhaftigkeit“ geht es denen dabei nicht, die Ideologie Macht setzt sich durch.

Was ist das mit uns nur, dass wir es uns so schwer machen mit der Menschlichkeitß

Wir können die Gefühle nicht ertragen, die mit Menschlichkeit, mit Wärme, mit Zuwendung zu tun, Menschlichkeit wird als Schwäche gesehen. Der Fremde in uns wird ja andauernd stimuliert von der Welt, in der wir leben. Da sind Menschen, die uns erinnern an ein Herz, da sind Menschen, die uns erinnern an unsere Empathie, die wir einmal hatten. Und ausgerechnet diese Menschen können wir nicht ertragen, die müssen wir quälen, erniedrigen und herabsetzen, weil sie gefährlich sind, sie gefährden uns, weil sie etwas in uns wecken.

Es gibt eine Menge Menschen, aber  noch viel mehr Gesichter.

Der gesamte Raum lebt von der Pose – als ob. Das lernen wir ja schon in der Schule. Die Bengels melden sich oft, und schon scheinen sie als interessiert, dafür bekommen sie eine gute Zensur. Schon früh lernt man in unserer Kultur, dass nicht Wahrheit, sondern Pose zum Erfolg führt. Das Wichtige ist ja, wie man aussieht, und dass man für die Rolle, die man spielt, gelobt wird.  Dann braucht man nichts für andere Menschen fühlen. Darum werden auch gerade in Deutschland Dienstwege so gut eingehalten. Den Dienstweg einhalten, befreit von persönlicher Verantwortung.

Eichmanns persönliche Schuld für das, was er getan hatte, hat er nie gefühlt. Die Schuld hat er nicht gehabt. Aber als der oberste Richter sein Urteil verkündete und Eichmann vergaß  aufzustehen, sodass der Richter meinte, der Angeklagte solle aufstehen, wurde der Massenmörder rot.  Eichmann stand nicht nur auf, er wurde rot im Gesicht, voller Scham. Warum wohl? Er schämte sich, weil er sich nicht richtig verhalten hatte. Die Pose war es, die Eichmann bewegte, er spielte die Rolle nicht richtig, die er gelernt hatte. Er wusste doch, dass man vor einer Autoritätsperson aufzustehen hatte. Da fühlte er etwas. Für einen Eichmann war jener Moment nicht etwas Oberflächliches.

In kurzen und kräftigen Schritten verstehen wir es,  Schuldgefühle zu wecken und  tatsächliche Situationen zu vernebeln. Die Schuldzuweisung wird gebraucht, um den Selbstwert des anderen herunter zu setzen, um es gefügig zu machen. Wie soll ich mich auf Schuld einlassen, wenn sie mich gleich wertlos macht?  In so einem Gefühl, kann ich mir nichts.  Du taugst nichts, wenn du so bist. Du bist böse, wenn du so etwas machst. Auf diesem Wege kommt abhanden, was der Person eigen ist. Wir verleugnen dann unsere traurigen Gefühle, lehnen sie ab, denn traurig sein, verursacht Schuldgefühle.

Man darf nicht schwach sein. Man darf sich nicht bemitleiden. Man darf,  wenn man sich gut fühlt, nicht zeigen, dass man sich gut fühlt, dann heißt es, sogleich, du machst dich wichtig. Das heißt, alles, was uns eigen ist, was ganz natürlich ist, was positiv, ja sogar Selbstliebe ist, wird heruntergemacht. So darf es nicht sein. Die Schwäche wurde uns schon als Kind schlecht erklärt. Als Kind lernt man sehr früh, dass es besser ist, nichts zu merken, zu fühlen, so zu tun, als wäre alles in Ordnung.  Das, was uns angetan wurde, geben wir weiter, und indem wir es weitergeben, können wir weiterleben. Viele Menschen haben den Hass gegen die Schwäche in sich.

Liebe wurde entzogen statt ausgesendet.

Viele haben auch den  Hass auf den Fremden in sich.  Was ist das überhaupt für ein Hass? Warum brauchen wir solche Feindbilder in unserem Leben?  Es ist der Hass darauf, dass wir selbst Opfer waren. Es ist der Hauss darauf, das wir gar nicht das Opfer in uns als Opfer erkennen dürfen. Wir bestehen darauf, andere zu Opfern zu machen. Dann brauchen wir nie zu wissen, dass wir selbst Opfer waren. Wir müssten nämlich sonst sehen, wie unsere Eltern wirklich waren.

Auch das falsche Mitgefühl dient der Leugnung destruktiver Gefühle.
Wie soll man mit Menschen umgehen, deren empathische Gefühle so verschüttet sind?

Konformismus verträgt sich mit jeder Ideologie. Er findet sich überall dort, wo Macht ist.

Das volle Ausmaß der Gewalt gegen Kinder ist nicht wirklich bekannt. Die Menschen leugnen lieber die Existenz  dessen, was  ihrem Mythos der Ordnung zuwiderläuft.
Hinter einer Fassade moralischer Korrektheit verbirgt sich Destruktivität.  Im Namen von Regeln werden Gefühle niedergewalzt. Darin liegt auch der Grund,w arum es  in der Welt der Angepassten nicht möglich ist, Gewalt einzudämmen, die sie verschlingt. Um zu ihren Wurzeln zu gelangen, muss man erkennen, dass die offene Gewalt und die latente konformistische Gewalt von gleicher Herkunft ist.  „Konformistisches Denken ist nicht daran interessiert  etwas zu begreifen.“ Darauf verwies schon Heinrich Böll in seinem Buch Wie alles anfing. Konformistisches Denken kennt nicht das Potential, das im Verstehen liegt.
Der Konformist braucht die Gewalt des anderen, denn sie bestätigt sein Feindbild.

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kinder im Sudan2 kinder im Sudan

(alle Fotos: copyright martina kunze, bitte kopieren Sie diese Fotos nicht einfach raus – hier geht es um mehr als nur Fotos. Danke.)

Dies sind Erinnerungen an sudanesische Kinder, grausam ermordet während des Massakers in Rwanda 1994. In Rwanda richtete man eine Gedenkstätte, einen Raum ein, der diesen Kindern ihre Namen zurückgeben mochte. Kinder, die Träume hatten, wie Kinder  sie hier in unserem Land haben.  So unterschiedlich sind  die Träume von Kindern auf der Welt eben  nicht. David, 10 Jahre, wollte Fußballer werden. Diese  hier abgebildeten Kinder sind mit Macheten  oder mit Holzknüppeln erschlagen worden. Manche von ihnen überlebten nur, weil die Täter annahmen, sie seien bereits tot und sie deswegen von ihnen abließen.

sudanIm Sudan, konkret im Südsudan, in Juba, Bor und Umgebung fürchten Menschen gerade wieder sehr und ganz konkret um ihr Leben. 

All die Jahre der angeblich erfolgreichen Entwicklungshilfe verpuffen mal wieder im Nirwana. Die Berichte der Entwicklungshelfer müssen nicht schön geschrieben werden – das werden sie nämlich gern. Fehler im System schaffen genau jenen Umstand. Jedes Scheitern ihrer Arbeit vor Ort und in den Verwaltungen Deutschlands rechtfertigt sich nun  im Schatten des erneuten Ausbruchs von Gewalt. Die ersten Ausreisenden sind vermutlich jene  per se zu  „Gutmenschen“ deklarierten. Die einheimischen Mitarbeiter deutscher Entwicklungshilfe, die die Wäsche von deutschen Entwicklungshelfern für 50 Cent die Ladung bügeln mussten, ihnen die Wasserkanister ins Haus schleppten, für sie zum Markt zu laufen hatten, um ihnen das Bügeleisen zu kaufen, all jene, die offiziell Putzmanndienste für Entwicklungshelfer leisteten, die hier in Deutschland zuvor arbeitslos waren, gerissen genug, um jene Leistung offiziell als Babysitting für Entwicklungshelfer mit Familie abzurechnen, all jene, die seit Jahren dafür sorgten, dass Projekte, die offiziell schon gar nicht mehr existierten, so taten als existierten, ja, ja, liebe Steuergeldzahler, auch das gibt es in der Entwicklungszusammenarbeit,

 

Entwicklungshelfer, sogenannte „Gutmenschen“, die Projekte auf dem Papier laufen lassen, wollen sie nicht zurück nach Deutschland, naja, vermutlich werden jetzt doch liebend gern in den Flieger einsteigen. Vermutlich sind auch die Schutzbarrikaden auf dem UN-Camp bereits errichtet?
Als es im Kosovo 2003 zu den März-Unruhen kam, war von der täglichen Patrouille-Truppe KFOR seltsamerweise nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Rückzug ins Camp. Einen Tag später wurden viele Stacheldrahtzäune aufgestellt. Panzer rollten vor sämtliche kirchliche Einrichtungen. Das UN-Gebäude mit Soldaten umstellt. Da war allerdings schon alles wieder vorbei – zu spät. Menschen verbrannten bei lebendigem Leib. Tote, Verletzte. Sämtliche UN-Autos ausgebrannt. Sämtliche Fensterscheiben des UN-Gebäudes eingeschlagen. Wild wurde umhergeschossen. Die  ja bereits kriegserfahrenen Zivilisten tankten  ihre Autos voll und fuhren in Gedanken ihren Fluchtweg über die albanische Grenze.  Auch damals war klar, wenn es zur Evakuierung gekommen wäre, wozu es nicht hätte kommen können, war der Flughafen als erstes gesperrt, aber wäre es dazu gekommen,  wären die einheimischen Mitarbeiter jener internationalen Entwicklungshilfeorganisationen zurückgeblieben. Sehr wohl bezogen sie uns hingegen  mit ein,   als man über die Flucht nachdachte – und  man hätte uns mitgenommen.

Bereits 450 Menschen sollen wieder in Juba  getötet worden sein. Es geht weiter.
Vierzig Jahre Bürgerkrieg, wenige Jahre des Friedens.
Es sind bereits  traumatisierte Menschen, die jetzt erneut Schutz suchen auf dem UN Camp. Werden sie ihn dort finden?   Es geht wieder um Macht. Der Flughafen ist geschlossen. Uganda schickte bereits Soldaten und unterstützt den südsudanesischen Präsidenten. 45 Soldaten der USA sollen eingeflogen sein. 12 Bundeswehrsoldaten, die im Einsatz der UNMISS ihren Dienst dort weiter verrichten sollen. Wie beeindruckend, die werden bestimmt, das Unheil abwenden können.  Die Kämpfe finden nicht mehr nur in Juba statt, sondern  bereits vor den Ölfeldern.
Manchmal muss man sich wundern, warum die großen Abgesandten der Internationalen Gemeinschaft so wenig Weitblick aufbringen.
War dieses Desaster, war dieser Machtkampf nicht schon längst vorauszusehen?

kueche im Sudan

sudanesische Frauen nach dem Friedensabkommen sudanesische Kinder

 Diese Frauen freuten sich 2005 über das geschlossene Friedensabkommen. Wer erklärt es ihnen und diesen fröhlichen Kindern,
das ihr Leben nun wieder ein Leben in Angst und Schrecken sein wird? Wer erklärt ihnen die wahren Gründe dafür?

Unity ist ein Gliedstaat im Sudan. Er ist das Zentrum der südsudanesischen Ölförderung. Mitarbeiter von Ölfirmen bereiteten sich auf eine mögliche Evakuierung vor. 200 suchten bereits Zuflucht in einer UN-Basis. Die chinesische Ölfirma CNPC flog 32 Mitarbeiter aus.
Die Ölförderung sei aber bisher nicht beeinträchtigt worden, heißt es in der internationalen Presse.

 Wieder Menschen, die panikartig flüchten.

trinkwasser

So sieht Trinkwasser für viele der Sudsudanesen aus. Die wenigen, die Leitungen auf ihren Höfen haben, verkaufen es mitunter teuer an ihre Nachbarn, Für viele Menschen  zu teuer. Auch ein einstiger einheimischer Mitarbeiter deutscher Entwicklungshilfe ging diesem Zusatzgeschäft nach. Wann immer er mit dem Dienstwagen deutscher Entwicklungshilfe vorfuhr, zuckten die Menschen in der Umgebung zusammen, wussten sie, jetzt will er Geld. Sie  konnten es aber nicht bezahlen.  Foto: Kunze

Was hat das mit uns zu tun, werden Sie jetzt fragen?

Nun, mal davon abgesehen, dass es unsere Entwicklungshilfe ist, die es scheinbar wiederholt nicht vor Ort schafft, sind es vor allem faustdicke Ölinteressen, die den Motor für den Bürgerkrieg anheizen  und Bestandteil hinter den humanitären Zielen sind. Dahinter kleben milliardenschwere Aufträge für deutsche, österreichische und andere europäische Firmen. Der Siemens-Konzern kündigte im Januar 2002 an, dort das weltweit größte Dieselkraftwerk zu errichten; einige Tage zuvor hatte die russische Firma Slawneft ein 200-Mio. US$-Abkommen zur Förderung von Öl und Gas unterzeichnet. Khartum kündigte an, die Produktion von rund 210 000 Barrel pro Tag Anfang 2002 bis zum Jahr 2005 zu verdoppeln. Mit der kanadischen Ölfirma Talisman Energy befasste sich ab 8. November 2001 ein Gericht in New York wegen des Vorwurfs, sie habe die sudanesische Armee 1999 zu „Aufräumarbeiten“ im Fördergebiet aufgefordert. Ganze Dörfer seien daraufhin mit Luftangriffen und Bodentruppen ausgelöscht worden. Lizenzen haben sie all schon viele Jahre.  Öltransport, Ölförderung. Bahnlinienbau. Im Süden und Zentrum wird das Öl gefördert. Im Norden ist die Verbindungslinie , der Hafen Port Sudan. Chinesische und deutsche Politik standen in jenen Jahren im krassen Gegensatz. Deutschland sorgte für Bahnlinienbau im Süden. China sorgte in Kooperation mit der Nordregierung für eine Nordpipeline. So berichteten die Zeitungen im Jahr 2004. Mittlerweilen ist der Sudan in zwei unabhängige Staaten aufgeteilt. Der Leidensweg, den diese Menschen jetzt wieder ganz aktuell  erdulden müssen, ist zweifellos nicht losgelöst vom ökonomischen Krieg um die Kontrolle der Ressourcen im Land es Südens. Auch im Nachbarland Zentral African Republic (ZAR) wünscht Frankreich jetzt EU-Gelder, um militärische Einsätze durchführen zu können. Will man einen Völkermord verhindern? Kupfer, Gold, Diamanten. Uran-Minen sind bereits in der Hand französischer Atom- Konzerne. In Sachen Öl wandte man sich China zu. Regionen, die an den Tschad und an den Sudan grenzen. Von den Reichtümern des Landes hat die Bevölkerung nie profitiert.

Ex-Außenministerin Condoleezza Rice saß  fast 10 Jahre lang im Direktorium der Öl-Firma Chevron. Diese fördern seit Jahren gemeinsam mit Shell und Exxon Öl in Nigeria. Chevon  war einer der Hauptspender für die Republikaner bei US-Wahlen.

rose und Sabina

GOD BLESS YOU.

Das sind Sabina (vorne i. Bild) und Rose . Zwei Frauen, Witwen, die in den Jahren des Bürgerkriegs alles nur Machbare möglich machten, damit Schwächere versorgt wurden. Noch heute engagieren sie sich – es ist ihr Leben. Beide sind zudem beschenkt mit wunderschönen Gesangsstimmen,  und so sorgen sie auch noch dafür, dass ein Kinderkirchenchor lebt. Ich erlebte sie als humorvolle, fröhlich-singende Frauen in ihrem Sein, in ihrer Arbeit. Sie halten die Hände von Kindern, die plötzlich zu Waisen werden. Sabina kämpft als Witwe und Mutter eines Sohnes selbst um das tägliche Überleben,  adopierte aber noch ein Mädchen. Weniger als sieben Kinder sind nie auf ihrem Hof. Alle essen sie von einem Teller. Das Leben in Juba ist sehr, sehr teuer geworden, seitdem die UN sich dort platzierte. Ein Deo kostete vor wenigen Jahren umgerechnet  6 Euro. Getränke sind Luxusgüter. Tägliches Wasser muss teuer bezahlt werden. Die überhaupt nur anzumietenden Häuser wurden sogleich von der internationalen Gemeinschaft belegt, weil nur sie die horrenden Mieten oder Kaufpreise zahlen konnten.

Hunderttausende vertrieben, Zehntausende verschleppt, Verhaftungswellen. Ugandische Rebellen kidnappten Kinder aus dem Sudan und setzen sie in Uganda als Soldaten ein- so zeichnete sich das Leben von Sabina und Rose und die meisten der Sudanesen, die nicht aus dem Norden kamen – und das  für vierzig Jahre.  Für Stunden versteckten sie sich hinter Hügeln, um älteren Menschen Nahrung zu bringen oder eine Decke in  einem vom Bürgerkrieg zerrissenes Land.

Auch nach dem Friedensabkommen im Jahr 2005 wirken Sabina und Rose weiter als Sozialarbeiterinnen in Juba. Sie kümmern sich um Kinder, deren Eltern gestorben sind, um alte Menschen, deren Familien alle umkamen im Bürgerkrieg. Sie fahren in die abgelegenen Gegenden, was immense Gefahren mit sich bringt,  ist der Süden des Sudans eines der vermintesten Gegenden der Welt.  Zudem existieren  jede Menge Rest-Munitionslagerstätten. Splitterspringminen des Typs S. Mi  wurden im Norden des Sudans aufgefunden,  die waehrend des zweiten Weltkriegs von Deutschen hergestellt und eingesetzt wurden. Da die Produktion und der Einsatz mit Kriegsende eingestellt wurden, steht zu vermuten, dass die Minen entweder durch Grossbritannien oder durch Ägypten eingefuehrt wurden. Chinesische, Russische, Italienische. Munition, Waffen aus China und Korea, sowie alle weiteren „Herren Länder“  treten hierbei in Erscheinung. Und  auch vor dem Einsatz von  Chemiewaffen schreckte man nicht zurück.

flugzeug

Ein abgeschossenes Passagierflugzeug. Das Überbleibsel eines jahrzehnelangen Bürgerkrieges. Foto: Kunze

minenfahrzeug

Ja, all das fand und findet weit von uns entfernt statt.  Wenn man Ereignisse bagatellisiert und als belanglos ablegt, kann  man sich auch von Gefühlen trennen.Es gelingt uns täglich dieses zu tun, sonst würden wir doch etwas unternehmen und dafür sorgen, dass sich  in dieser Welt für alle Menschen ein besseres Gesicht zeigt,  oder nicht?

Wir tun es nicht. Wir fordern höhere Mauern für das sichere Europa. Wir fallen auf die Angstmetaphern der Medien noch immer hinein. Wir glauben solchen Politikern, die uns verniedlichende Denkschablonen servieren: „Jetzt schauen wir wieder nach Vorne“.

Hören Sie sich manchmals auch so etwas sagen?: Das sind doch Wilde. Was können wir für diese Gewalt afrikanischer Buschmänner?

Stellen Sie sich mal vor, wir würden alle wegen unserer Gedanken zur Rechenschaft gezogen werden.  Was, Sie hatten in Ihrem Leben noch keine Wutgedanken, keine Rachegedanken, keine Verurteilgedanken, keine rassistischen Gedanken, keine „Ich könnte dich gerade erschießen, weil du mir Schmerz zufügst-Gedanken?  Sie wünschten noch nie jemanden zur „Hölle“. Ich behaupte, jeder von uns hatte schon solche Gedanken. Machen Sie sich nur jetzt keine  Sorgen.  Sie haben nichts zu befürchten, die Gesellschaft sagt doch: Nur die physischen Handlungen können geahndet werden.

Und solche Gedanken sind ja auch nicht so schlimm, schaffen wir es doch immer wieder, sie uns selbst zu vergeben.
Die Frage, warum können wir dann eigentlich nicht der anderen Person vergeben, die Rache übt, möchte ich an dieser Stelle dann aber doch schon stellen? Die andere Person lebt doch nur aus, was wir gedacht haben?

Nein, nein, es geht hier nicht darum, gewalttätige Akte zu rechtfertigen oder irgendeinem diesen nahzulegen!  Die Frage ist doch, jedenfalls ist das meine Frage,  warum wir solche Leute aus unseren Herzen ausschließen? Müsste die Frage nicht eher sein, würden wir es viel besser machen, wenn wir in seiner Haut steckten?  Seine oder auch  ihre Angst ist nicht so verschieden wie Ihre oder meine Angst? Oder, sehen Sie das anders?

Wir ächten und strafen, statt uns auf das Heilen zu konzentrieren.

Es ist  der sicherste Weg, sich keine Rechenschaft mehr ablegen zu müssen, über das, was man tut. Es zerstört die Verbindung zwischen dem Ereignis und den Gefühlen, die sie in uns auslösen. Oder  man lenkt die Aufmerksamkeit auf ein stark gefühlsbesetztes Detail („Das Boot ist voll-Gerede“. „Die wollen doch nur unsere Sozialhilfe), um uns damit  an der unserer Wahrnehmung irre zu machen,  weckt es Zweifel, ob wir nicht falsch fühlen.  Wer da auf das eigentliche Problem beharrt, der riskiert,  exkommuniziert zu werden.

Die eigene Schwäche auf andere abwälzen, die ihr ausgeliefert sind. Unsere Gesellschaften institutionalisieren solches Verhalten. Und auf der globalen Ebene wirkt sich so etwas dann wie folgt aus:

„Die anderen hoffen auf Frieden. Wir hoffen darauf, im Urlaub nicht entführt zu werden.
Die haben Angst, dass ihre Kinder verhungern. Wir sorgen uns darum, dass unser Deo versagt oder wir beim Telefonieren im Auto erwischt werden.
Wir kaufen uns deren Frauen und behaupten, sie würden uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen.
Unsere Beichtväter sind die Steuerberater, unser Ablaßhandel ist Unicef.
Herr, wir wissen nichts von den Hermes-Bürgschaften für Staudammprojekte und Turnschuhproduktionen.
Herr, wir sind so hohl, wie wir voll sind. Wir können uns nicht mal unsere vierstelle EC-Kartennummer merken.
Herr, mit 12 Jahren ist man in Asien zu alt zum Teppich knüpfen, weil die Finger zu groß sind.
Herr, wir haben keine Ahnung von Sklavenhandel.
Und klar: Sie werden alle über die Natozäune stürmen. Sie werden auf unseren Teak-Holz-Möbeln gammeln. Sie werden unsere blonden Töchter heiraten und mit ihnen Wer wird Millionär gucken. Sie werden in unseren Swinger-Clubs swingen. Sie werden uns mit ihrem Reis,Langkornreis, Parfümreis, Basmatireis, Milchreis bewerfen.
Sie werden mit unseren Geländewagen im Stau stehen und über die Ökosteuer fluchen. “ (Auszug aus Vater unser von Hagen Rether)

Ich ergänze:
Vater unser, vergib du ihnen doch ihre Schuld, wir vergeben uns unsere Kredite und  eine Entwicklungshilfe, die es einfach nicht hinbekommt.

Und dann haben wir doch unser Fernsehen. Da  wirst  du vollkommen schmerzfrei. Betäubungsmittel in immer höheren Dosen  bekommste da verabreicht – quasi über Gebühr, so ne Art privates Wachkoma..unsere vertonte Bild-Zeitung.  Kaufland wird zum Gotenstaat erklärt.
Bei den anderen steigen die Raketen wieder auf, hier bei uns der Patriotismus

Warum stellen wir uns gegen das, was uns miteinander verbindet? Ja , richtig. Wir hassen das Menschliche in uns und bestrafen es im Fremden außerhalb von uns. Und die Folge: Eine Welt, in der Beziehungen beziehungslos werden, in der Menschen mit anderen so umgehen, als müssten sie ständig Bestätigung für „richtiges“ Verhalten bekommen, in der das eigene Selbst und seine Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden dürfen und in der es immer um Unter- oder Überlegenheit geht.

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Die Welt ist nicht von Menschen bedroht, die böse sind, sondern von denen die Böses zulassen. (Albert Einstein)

Die größte aller Freuden besteht darin, andere glücklich zu machen, das Beste in ihnen zum Vorschein zu bringen und ihnen zu helfen, sich selbst zu helfen. Bringen wir uns und anderen Glück, heben wir beiläufig die ganze Welt ein wenig mehr auf die Ebene des universellen Friedens und Verstehens.  Wir können nicht glücklich sein, wenn wir jemand abwerten, an einem Groll festhalten. Ebensowenig können wir wirklich glücklich sein, wenn wir dafür sorgen, dass andere für unser Glück leiden müssen. Lasst uns lieber Schönheit aussenden, durch unseren Umgang mit der Natur, durch eine liebevolle Weisheit im Umgang mit anderen, durch unsere Bereitschaft hilfreich und verständnisvoll zu sein, dadurch, dass wir der Liebe dienen. „Ihr seid das Licht der Welt“ , das ist eine der Botschaften von Jesus gewesen. Putzen wir unser Licht und lassen es leuchten. Denken wir daran, dass Glück geteilt werden muss, um real zu sein. (eine afrikanische Lebensphilosophie :Ubuntu). Es ist das, was uns in unseren Gedanken beschäftigt, was  -je nachdem – so viel Freude oder so viel Problem hervorruft.
Glück ist gut für Sie, für uns, für alle- auch für die Menschen im Sudan und anderen Konfliktzonen.  Glück ist gut für den Körper, für  den Geist und die Seele. Glück braucht einen Kreislauf – es muss ein lebendiger, vitaler Fluss sein, der stetig anwächst und andere Leben berührt.
Es geht nicht darum, ein Gefühl herbeizwingen zu wollen. Es kommt still und tief auf seine eigene Weise – und dies geschieht, wenn wir in der Liebe leben. Glück und Freude sind das Ergebnis tätiger Liebe.  Freude, Begeisterung, Lob und Dankbarkeit gehören alle zu derselben wunderbaren Familie. Alles Geschenke, die man gibt und empfängt. Sie stammen alle aus der tätigen Liebe im Innern, und wir geben es unserer Welt, die auf ihre eigene Weise froh darauf anspricht.

Es gibt nichts, was mehr inspirieren könnte, als jemand zu beobachten, der Freude am Leben hat, an seiner Arbeit, was sie auch sein mag, und der Freude am Menschen hat –  an allen Menschen, gleich welcher Herkunft, welcher Nation, welchen Glaubens.  „Werdet wieder Kinder“. Sie werden nicht rassistisch geboren. Ihr Blick ist noch klar und nicht getrübt durch Vorurteile und Angst.

Wir haben Gitterstäbe für Verbrecher geschaffen.  Manchmal aber frage ich mich, ob wir bemerken, welche Gitterstäbe wir uns selbst geschaffen haben? All das unbewusste Material, dass sich durch verdrehte Art Ausdruck verleiht.

Die, die wir ausgrenzen, tragen die Wunden aller auf der Haut. Sie sind die Zeugen für den Schmerz, mit dem wir nichts zu tun haben wollen.

Juba droht ein erneuter Bürgerkrieg. Sabina und Rose, zwei Frauen, die nichts anderes leben als Liebe in einem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land wünsche ich auf diesem Wege Gottes Segen. Möge Gott Euch  und alle in Juba und Umgebung schützen.

Heilsame kleine Unfälle

fehler gibt es nicht

Samenkörner, die Entwicklung und Wachsen für uns bedeuten. Pflanze sie. Du brauchst auch nicht zu graben, und das Wachsen zu prüfen.
Das Samenkorn weiß, was es werden wird.  Benutze deine Gabe der Fantasie. Hole sie dir zurück.  In Augenblicken wie diesen kann man aus einer Tüte an wertvollen Lektionen lernen.  Es gibt „nur“ das Leben – gewoben mit den Fäden unserer Erfahrungen.  Die Fülle liegt ganz und gar in unserer Bewusstheit.
Geld kauft Dinge,keine Erfahrungen. Die Göttin des Glücks wurde von den alten Griechen nicht ohne Grund kahlgeschoren dargestellt mit einer Locke an der Stirn, an der man sie packen muss, solange sie vor einem steht. Ist sie vorbei, kann sie nicht gehalten werden.  Und dann herrscht das Unerfreuliche, Leidige.  Wer Mut hat, wird es am Ende auch gut haben, weil eine bejahende Haltung das Förderliche, das Gute anzieht.

Das ist ein Lebensgesetz. Wer es missachtet, tut sich schwer. Wer Ja sagt, hat Glück.

Mut, alles als gut zu bejahen. Kein heimliches oder lautes Verneinen, kein Zweifeln, kein Sorgen, kein Ver-urteilen, kein Ablehnen, kein Grollen, kein Schimpfen, kein Trotzen,  kein schwermütiges  oder bitteres Rückwärtsblicken, keinen unerfreulichen Verhältnissen zum „Opfer“ fallen – all dieses greift unsere Reserven an. Es vermindert unser Gut-Haben.

Falls wir auf jemanden wütend oder neidisch sind, berauben wir uns selbst der Gesundheit, der Harmonie und des Guten.  Was wir dem Gegenüber suggerieren, fällt letztlich auf uns zurück. Wir nehmen uns etwas weg, wenn wir versuchen, das Glück eines anderen zu beinträchtigen.

Dazu gehört auch, in solchen Situationen lieber etwas Negatives über den Menschen zu hören, der uns angeblich Unrecht getan hat, statt das Gegenteil.

Wir wissen und fühlen , ob und wann wir jemandem verziehen haben. Das ist gewissermaßen der Indikator. Es teilt sich uns deutlich mit. Immer.

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Solch innige Momente mag ich auch gern wahrnehmen. Lieben Gruß. Foto: Kunze

 

Niemand kann uns Unrecht tun, wenn wir es nicht gestatten. Alles ist ein Spiegel unseres Bewusstseins, unseres Zustandes, jenes Gemisch aus Vorstellungen, Überzeugungen, Stimmungen. Die Handlungen des anderen spiegeln uns die eigene Einstellung wider. Sie erinnern uns an unseren Bewusstseinsstand und darum können kleine Unfälle (accidents) heilsame Wirkung haben. Es sind Boten, wie wir uns selbst sehen. Sie erinnern an unsere  unverarbeiteten Wunden. Ich möchte es als eine besondere Form der „Zusammenarbeit“ bezeichnen, auch weil sie einen in die tiefsten Tiefen zu schleudern vermag.

Hindernisse, unangehme Gefühle – wir stoßen auf sie. Wir stoßen auf unsere inneren Widerstände. Nur allzu gerne ergreifen wir die Flucht, statt gerade ihnen Beachtung zu schenken. Wir geben dem Gefühl der Mutlosigkeit nach, statt uns in den Zug des Wachstums zu setzen, statt uns die Lektion  z u H e r z en
zu nehmen.

Solche Erfahrungen beinhalten einiges, auch das Prinzip der Gemeinsamkeit. Es kann die Chance bedeuten, gemeinsam ein Ziel zu erreichen:

 Eine von Vergebung, von  Gutwilligkeit und Liebe geprägte Stimmung zu schaffen.

„Des Menschen Feinde werden seine eignen Hausgenossen sein (Matthäus 10,36).“

Nelson Mandela ist verstorben. Sein Tod berührt mich. Ich traf auf ihn, während meiner südafrikanischen Zeit.
Vor diesem Mann kann man sich nur verbeugen. Er hat der Vergebung ein Gesicht gegeben.

Den Frieden verdanken die Menschen in Südafrika vor allem ihm.
Ihm war die Wahrheit wichtiger, als das Abstrafen.

Übung für das Wunderbare

Übung für das Wunderbare

 

 

Der dunkelrote Saft einer Brombeere spritze mir windschnittig ins Gesicht.
Nah eines Baumes stand der Grillmaster: Brunhilde mit einer Taschenlampe im Mund und garte Potatoes und Tomaten. Da standen wir nun auf einem Stückchen Wiese im Dunkeln. Als endlich der Grill feuerte, war es bereit zehn. Zwischendurch katapultierten sich die Sterne nach oben. Ich konzentrierte mich in meinem knautschigen Pullover auf meine Beere.  Der schwarze Himmel mit seinen Lichttupfern gab ganz schön an.
„Ahhhh, schnell noch genießen. Wie unglaublich klein wir doch sind angesichts so unvorstellbarer Dinge wie Spiralgalaxien, elliptischer Galaxien und irregulärer Galaxien“, sagte ich und staunte dabei in den Himmel.

„Ach Martina, dass etwas existiert ist ein ebensolches Wunder, wie dass alles andere existiert. Nimm die Beere, in die du gerade genüsslich beißt. Sie gehört zu den ältesten Arzneimitteln in Europa und Vorderasien. In Holland und Frankreich sind sie heute noch offizielle Heilpflanzen. Im Krieg sammelten wir die Blätter als Ersatz für Schwarztee für Altersheime. Und wir taten damit etwas ausgesprochen Gutes, ohne uns dessen bewusst zu sein. Der Sud ist ausgezeichnet gegen vielerlei Entzündungen – des Zahnfleisches, der Darmschleimhaut.  Seit Altertum ist sie uns Menschen als Heilpflanze bekannt. Botanisch gesehen ist dein kleiner Waldpionier übrigens keine Beere, sondern eine Steinfrucht. Sie hat große Reinigungskraft, innerlich wie äußerlich, deshalb galten sie von jeher überall dort, wo die Medizin eine sehr alte Tradition hat – in China, Indien, in den arabischen Ländern und im Mittelmeerraum – gleichermaßen als Heil-und Nahrungsmittel.  In ihr stecken Phenolsäuren, die potente Viren-und Krebskiller sind. Bei der Brombeere steckt vor allem die  Ellagsäure- auch eine Phenolsäure. Sie bildet gute Phase-II-Enzyme, die im frühen Stadium eine Entwicklung – zum Beispiel im Darm – Krebs hemmen. Sogar in schonend zubereiteter Marmelade findet sich noch Ellagsäure! Sie wird nur noch von Wallnüssen übertrumpft. Ihre Flavone haben gefäßabdichtende Wirkung. Das reichliche Kalium entwässert, der überdurchschnittliche Kalziumgehalt festigt die Knochen und ist wichtig für die Reizleitungen von Herz und Nerven. Also auch noch günstig bei hohem Blutdruck. Seit 2000 Jahren eine bewährte Medizin bei Heiserkeit, Husten und Halsweh, auch bei Durchfall. Und Brombeeren- und Himbeerenblätter sind ebenso ein gutes Mittel bei unreiner Gesichtshaut“, erklärte mir Brunhilde.
Wacklige Wörter kamen mir über die Lippen. „Ahh. Ich sehe…“ Mein Herz kullerte durch meine Brust. Das Gras piekste. Brunhilde verblüffte mich mal wieder. Ich stopfte mir die nächste Energiekugel mit großer Wirkung in den Mund und genoss die Frucht voller Süße. Dankbar bewusst, dass sie unserer Gesundheit sehr guttut.
„Schön, wenn scheinbar Alltägliches auf diese Weise in ein völlig anderes Blickfeld gelangt. Das ist ganz und gar eine gute Übung. Wir wählen etwas aus unserem Erfahrungsfeld, materielle Gegenstände oder auch Geräusche, Körperempfindungen, Gedanken und anderes  – betrachten, was auch immer –  auch Menschen, die unser Leben kreuzten und denken darüber nach, was alles geschehen musste, damit dieser Gegenstand sich so, wie er ist, in diesem Moment an diesem Ort befinden kann. Ja, auch was alles geschehen musste, damit wir auf einen bestimmten Menschen treffen sollten, treffen durften. Was alles geschehen musste, damit wir als Mensch, so wie wir sind, Form annehmen konnten bis in den gegenwärtigen Augenblick. Was alles geschehen musste für diesen Augenblick, wo wir zusammenkommen konnten.

„ Zurück bis zum Urknall?“ Brunhilde lachte.
„Und wieder zurück. Genau – und während des Prozesses achten wir immer schön auf unsere Gefühle.“
„Warum sollte ich mich auf so einen Weg begeben?, fragte Brunhilde.
„Na, wenn du wahrnimmst, was in deiner Gefühlswelt, in deinem Körper, in deinem Verstand abläuft, hast du mehr davon, als wenn du nicht wahrnimmst. Inhaltlich wird man vielleicht intensive Energie stoßen. Dankbarkeit verspüren für Dinge, für das Wunder Leben. Begegnungen, die ins Blickfeld rücken. Spüren können, wie alles, was vom Universum kommt, ein wunderbares Geschenk ist. Ein Gefühl von Energie in meinen Händen halten, dass ich uneingeschränkt genießen kann. Egal, was auch immer an Gefühlen, Emotionen dabei hochkommen mögen. Du könntest ja auch mal deiner Angst nachspüren. Bis auf den Urgrund in sie hineinentspannen? Vielleicht kann man sich dann, wenn man schon traurig ist, mit Begeisterung in die Traurigkeit begeben, und so weiter. Das sind doch gute Gründe für diese Übung“, sagte ich, völlig begeistert von der Idee. Ich erzählte Brunhilde von einem Stein in meinem Leben. „Erst kürzlich bekam ich von einer wunderbaren Menschin einen der schönsten Steine geschenkt, eigens für mich ausgesucht. Hätte ich unter vielen Steinen auswählen sollen, wäre es hundertprozentig jener Stein gewesen. Zweifelsohne kein anderer Stein.  Unsere Wege kreuzten sich auf höchst wundersame Weise. Wirklich wundersam? Oder  vielmehr ein Resultat von Verschränkungen im Feld der Quanten? Oder das Resultat einer ununterbrochenen Kette von Ursache-Wirkung? In jedem Fall ein wertvolles Geschenk in meinem Leben, zweifelsohne. Immer, wirklich immer,  wenn ich diesen Stein in meiner Hand halte, denke ich darüber nach, woher kommt dieser Stein. Welches Wissen trägt er wohl in sich? Was halte ich in meinen Händen? Was musste alles geschehen, damit dieser Stein, so, wie er ist, in diesem Moment,  in meinen Händen liegt? “

Sich öffnen für die Glückseligkeit über das Wunder aller Existenz….
Spüren und wissen, dass ALLES, was wir brauchen, zum richtigen Zeitpunkt in unser Leben kommt.

Dankbarkeit spüren…

Was brauche ich für mein Glück?

Was brauche ich für mein Glück?

Zeichnung Kunze

Geduldig sein. Möglichst viele verschiedene Erfahrungen machen. Ermunterung teilen.  Lachen teilen mit jenen, die schon lange nicht mehr gelacht haben. Tränen teilen mit jenen, die vergessen haben, wie das geht. Vertrauen in einen Zeitplan, der die große Unbekannte in unser aller Leben ist. Stille Augenblicke.  Mich selbst lieben. Meine Haarfarbe, meine Augenfarbe, meinen inneren Glanz, Aussehen, Geruch, mein Lachen, meine Ausstrahlung. Meine Fehler! Meine Träume. Mit der Liebe anderer Menschen in Berührung kommen. Eigene Standpunkte entwickeln,  kreativ sein können.  Irgendwo anfangen. Immer wieder. Kaum Brauchbares zustande bringen. Nicht immer gleich den besten Weg kennen. Die Düfte der Welt schätzen. Frisch gebackenes Brot, Regen, Vanilleduft, brennendes Zedernholz, getrockneter Salbei, Zitronenthymian.  Nein sagen können. Dampfbäder, Meditation, heiße Bäder an kalten Tagen. Heilsame Energie aufnehmen. Orte, die mich inspirieren. Größere Zusammenhänge erkennen.  Augenblicke der Langeweile, der Träume, des Miteinanderseins, der aufregenden Entdeckungen. Handschriftliches. Pausen vom Computer. Verbindungen zur Welt ringsum spüren. Schöne Blumen. Liebe, die aus dem Herzen kommt. Vergeben, Akzeptieren. Wahrnehmen, was ich fühle.  Wahrnehmen, was andere fühlen. Die Kraft, die es mir ermöglicht, meine Welt zu definieren. Immer wieder. Geistig wachsen. Vom Herzen leiten lassen. Einen Schritt nach dem anderen. Von Wünschen ausgehen,  nicht vom Willen…