Das Leben will Erfahrung

schreiben

Und es ward eine Idee.
Grünes Licht für das kreative Denken.
Es rattert und piepst. Ihr Kopf kann jetzt was erleben.

Moment bitte. Erst einmal Nichtstun. Darauf warten, dass der Tee zieht.
Mehr geht auch gar nicht, sonst wird der Tee zu stark. Innehalten.  Danach mein IPhone zu einem Smoothie pürieren. Und diese Emails abschaffen! Null. Zero. Die bringen mich jetzt nur aus dem Rhythmus. Alles ist still und friedlich. Fröhlich.

Einen Brief schreiben im Wald ohne Computer. Einen Ausflug in die Natur.  Nur…Natur und …“Lieber Freund“ hinschreiben. Tinte auf das Papier fließen lassen. Empfindungen, Gedanken, Erlebnisse, Scherze – handgeschrieben. Für mich ist es etwas Wertvolles, wenn mir jemand ein Stück Persönlichkeit in meine Hände legt. Ein unvergleichliches Gefühl, wenn ich mit dem Stift in der Hand meine Gedanken auf ein Blatt Papier bringen kann. Freuen Sie sich auch, wenn Leute sich Zeit nehmen? Für Sie? Dieses ehrliche Geschenk: Ich bin jetzt da und das richtig. Das kann man sich nicht kaufen.
Briefpost. Schenken. Zeit für einen Brief. Zeit zum Schreiben. Zeit zum Lesen. Schenken und zum Geschenk erhalten. Eine Briefmarke. Nein, keine Postkutsche, aber Zeit nehmen, die volle Aufmerksamkeit schenken, etwas Echtes in der Hand halten, die Handschrift eines Freundes sehen und ihn in seiner Persönlichkeit spüren. Wort für Wort, ihn ganz lesen und nicht nur überfliegen. Briefe mit Parfüm besprühen.
Handgeschöpftes Büttenpapier, Füllfederhalter. Mit dem Herz in der Hand schreiben. Das Besondere an seiner Handschrift wieder entdecken. Sie ist Teil unserer Persönlichkeit. Der Druck, der Schwung, Impulse, alles spiegelt sich in der Schrift wider. Schreiben von Hand hilft uns beim Denken, beim Erinnern und Verstehen. Schreiben mit dem Stift in der Hand trainiert das Hirn. Verstehen heisst nicht ohne Grund be-greifen oder er-fassen. Keine Löschtaste, man muss den Gedanken im Kopf schon formuliert haben, ehe man schreibt.  Der Zeitgewinn auf der Tastatur scheint einigen Wissenschaftlern ein vermeintlicher Vorteil. Wir speichern sowieso nur jene Informationen ab, mit denen wir uns intensiv und länger beschäftigen. Bei jenen, die das Zehn-Finger-System nicht beherrschen, gilt das Tippen für so manchen Neuropsychologen auf der Tastatur als „störanfälliger Prozess“.

Also, einen Brief….

Ich habe gestern und heute viel an dich gedacht, wenn du willst, an uns gedacht.
Es ist viel, viel geschehen in den letzten Monaten. Und davon möchte ich dir heute berichten…..

Es ist wichtig, etwas zu können, was niemand kann. Menschen wollen sich von anderen unterscheiden. Das ist ein Erbe aus der Steinzeit. Nun traf ich gestern auf einen Mann, der ein Nichts sein wollte. Das kann nicht jeder. Auf Wasser stand er übrigens auch nicht. „Wasser, nein danke, sagte er mir. „Ich habe kein Boot. Ich bin nicht mal gern im Wasser. Es liegt in den Genen. Eine verwässerte…“ Ich fragte ihn, warum er denn ein Nichts sein wolle?
Er wolle aus der Unruhe heraus kommen und im Laufe eines Arbeitstages nichts mehr erkämpfen müssen, antwortete er mir. Er zeichnete das Bild des Hamsters, der er nicht mehr sein möchte. Du weisst schon, der rennende Hamster,  den ihm die Gesellschaft zum Lebensentwurf gereicht hat, von ihm angenommen in der Erwartung, später dafür mit Sicherheit belohnt zu werden, heute schon mit einer fragwürdigen Art von Anerkennung. Er wolle auch nicht mehr stolz sein auf sein Grad der Erschöpfung, nur weil andere daraus ableiteten, er habe viel gearbeitet und etwas geleistet. Er mag nicht mehr brav Vorgaben erfüllen oder stetig mit Menschen konfrontiert sein, die sich auf ihn stürzen, um ihm zu sagen, was er hätte besser machen können, aber ihn nicht dabei etappen, wenn er etwas „richtig“ mache. Er habe die Nase voll von dem Erfolgszwang, der letztlich nur Anpassungsdruck  im narzisstischen Management-Milieu bedeute. Und er sprach  von jenem Kulturinfarkt, dem er nicht erliegen wolle. Du weisst schon, von allem zu viel und überall das Gleiche.
Ich fragte ihn blinzelnden Auges, ob er Wildnispädagoge werden wolle oder mit dem Holzroller in die Revolution?“  Wir lachten. „Ich will wieder mehr träumen!“ , sagte er mir. Vor mir stand ein Mann und es schien, als formte er eine neue Weltkugel, indem er sich in Ordnung brachte. Suchend nach Dingen, die tiefer gehen.

„Ich will wieder mehr träumen!“ Diesen Satz wiederholte er sechsmal. Die gute alte Freundin Wiederholung lässt grüßen. Bis man es selbst glaubt. Nun ja, Gutes wird durch Wiederholung nicht schlecht.  Es reicht nur nicht, darum zu wissen. Vom Wissen muss man zum Tun gelangen. Veränderung braucht nun einmal eine gebündelte, massive Anstrengung und wohl auch liebe Menschen, denn eine hilfreiche Struktur wird von Beziehungen getragen.

Ich bin die Sehnsucht, die nicht mehr warten kann“, fügt er hinzu. „Der einfachere Weg ist nicht immer tatsächlich der einfachere. Ich will mehr träumen. Das bin ich wert! Und Sie sind fabelhaft.“ Lächelnd forderte er mich auf, meine rechte Hand auf meine linke Schulter und meine linke Hand auf meine rechte Schulter zu legen.  Er blickte mich an und fuhr dann fort: „Umarmen Sie sich ruhig einmal selbst. Ich weiß, dass auch Sie Ihre Träume und Sehnsüchte, dass Sie ihr Wissen in die Tat umsetzen können. Auf seinem Gesicht lag ein breites Lächeln.

wenig leicht

Der Glaube an die Veränderbarkeit gibt Kraft zum Handeln. Ein starkes Motiv, eine große Idee, eine unglaubliche Energie getragen von einem unerschütterlichen Optimismus. Nicht den Rückzug oder die Resignation suchend. Alles ist eine Frage der Haltung. Was geht und was nicht geht, das steht erst dann fest, wenn man es probiert hat.

Jede Veränderung ist eine Tür, die nur von innen geöffnet werden kann.

Wer bin ich?
Dazu ein- wie ich finde – gut gemachter 1 Minuten-Kurz- Film mit Langzeitwirkung.

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8 Kommentare zu “Das Leben will Erfahrung

  1. Arabella sagt:

    Papier und Stift sind durch nichts zu ersetzten.
    Wie immer ist es wohl das rechte Maß!
    Einen leider nur virtuellen Gruß zu dir, den die Gedanken schon längst überflügelt haben.<3

  2. sugar4all sagt:

    Liebe Martina! Welch wunderbarer Beitrag von dir ❤ !!

  3. Erika Laufer sagt:

    Du schreibst so wunderbar und landest mit jedem Satz einen Volltreffer ins Herz. Danke für diesen Text, der mich gerade ein Stück vorwärts schubst…liebe Grüße Erika

    • martinakunze sagt:

      Liebe Erika,
      …und du bist fabelhaft!!!! ich danke dir von Herzen für deinen lieben Kommentar. Schön, wenn man es einem gelingt, mit seinen Worten ein Lebensgefühl eines anderen Menschen aufzugreifen..zu berühren. ICH danke DIR. martina

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