tueren oeffnen
Foto: E.Faccetti, merci,thanks,danke.

 

Solange ein Mensch redet,
solange kann er nicht einatmen.
Und so opfert er den Atem in die Rede.

Solange ein Mensch einatmet,
solange kann er nicht reden.
Und so opfert er die Rede dem Atem.

 

Ganz backsteinartig überkamen mich diese Gedanken, als ich gestern am Meer saß.  „Komm in den Wind“, rief es in mir und so bewegte ich mich auf ihn zu. Nein, nein, verschütten konnte er mich nicht. Doch stritten wir sehr wohl um den Vorrang.  Herzbeglückend. Die Natur spüren. Das Rauschen des Meeres. Sich näher bei seinen Wurzeln fühlend. Die Leichtigkeit des Daseins spüren.  Der Wind, der Wind als Weltodem,  der An-sich-Raffer. Wolkenwasser. Meereswasser. Wenn das Wassser austrocknet, so geht es in den Wind ein. Ebenso geht das Feuer  in den Wind ein. Wenn wir tief schlafen , gehen wir auch in den Odem ein.  Dies sind die großen Verbindungen.  Na jedenfalls liefen gestern  ein paar  Naturkräfte  am Meer zusammen. Ich lachte und genoss diesen lebenskräftig spielenden Wind voller Herzensfreude.

Das Resultat dieses Zusammenlaufens ist dieser Text.

Puste, Hauch. Atem = Odem. Sie wissen schon, der Hauch des Lebens.  Sinnbildlich steht Odem für den lebendigen Menschen. In allen Kulturen bekannt, ob als Prana,  Mana, Lebenskraft, Pneuma, Ruach, Qi… Das Leben (Odem) gibt das Leben, gibt es zum Leben.
Der Megakracher sag`ich ihnen. Die Rede ist von der Energie, jener Kraft, mit der wir überhaupt nur in der Lage sind, aufzustehen. Eben genau: Das Nichttotsein in dieser Welt. Sie ist es, die uns umspannt und aufrichtet. Also ganz sicher ein überaus unterschätzter Teil unseres Daseins, doch so wichtiger Teil unseres Selbstes. Der Hauch des Lebens ist in uns hineingeschüttet. Es ist noch komplexer, aber das soll an anderer Stelle erzählt werden.

maedchenmilch_klein2Wir atmen. Wir reden. Wir essen. Die drei Hauptgebiete dieser Welt. Und was sonst noch für kraftanstrengende Tätigkeiten. Das Reiben des Feuers und das Laufen um die Wette gehören auch dazu. Und ständig denken wir an unsere Wünsche. Dann ist da noch Hoffnung, dass sich der Wunsch erfüllt. Und da oben glüht die Sonne. Sie geht auf und verscheucht das Dunkle. Eine uralte Geschichte, die ich Ihnen gerade erzähle. Wahrlich.

 

Unsere Sinnesobjekte sind abhängig von unseren Sinnesorganen und diese wiederum von jenem Lebenshauch, vom Prana und von unserem Bewusstsein, dh. dem Prinzip des bewussten und unbewussten Leben.  Wenn wir etwas nicht riechen, also einen Geruch nicht zum Bewusstsein bringen,  sagen wir, ich war gedanklich anderswo. Unser  Geist war anderswo, darum bin ich mir jenes Geruchs, jenes Tones, jener Gestalt, jener anderen Sache nicht bewusst geworden.
Wonnig was. Der Lebenshauch, jener Atem, jenes Lebensprinzip liegt inmitten unseres bekannten Lebens, aber wir erkennen ihn nicht sofort als Hauch in unserem Munde und auch nicht als Tor  zu unserem Selbst. Das geschieht eher so, wie man einen Fisch im Wasser erspäht. Mit diesem  besonderem „Hauch“, „Lebensatem“, jenem „Prana“ unterscheidet man nicht in schmeckt und schmeckt nicht. Das ist ein Teil unseres Selbstes ,von dem die Selbste unserer Organe abhängig sind, wie von einem Prinzipale seine Leute. Denn wie der Prinzipale seine Leute ernährt, ernährt unser Bewusstsein-Selbst jene Selbste der Organe. Es ist eine lebende Kraft in uns.   So viel an dieser Stelle in bezug auf das Selbst und jene Lebensenergie. Sie werden sich eines Tages noch wundern, wenn Sie erkennen, was Sie vor allem sind und was Sie eigentlich nicht sind, aber gerade vorgeben zu sein  oder sein zu wollen.

 

windLanger tiefer Atem.
Mit dem Atem vermögen wir immer tiefer in unsere häufig verborgenen Gefühle vorzudringen, in unsere  innewohnenden Gedanken und inneren Bilder, derer wir uns darüber bewusst zu werden vermögen.

  • Erkenntnis 1: Wir müssen gar nicht  Lippenstift  Marke X auf unsere Lippen legen,  uns mit  Modemarken und Prestige-Aktivitäten unser Leben zuschütten.
    Es reicht das Erkennen.
    Aus dem Erkennen erwächst -bestenfalls – ein entsprechendes Handeln.
  • Erkenntnis 2: Wir können vielleicht auf ein paar Organe verzichten, aber auf den Lebensatem  sicher nicht.
  • Erkenntnis 3: Wir sollten bewusst wählen, was dasHeilsamste für uns Menschen und  für diese Welt ist.Kaufen, kaufen, kaufen? Haben, Haben, Haben? Knausern? Knausern? Knausern?
    Oder Erkenntnis?

Stellen Sie sich vor. Es gäbe nur SIE als Menschen, dem die ganze Welt gehöre. Fühlen Sie sich hinein, bitte.
Nur SIE. Ganz allein. Sie sind Unendlichkeit. Und das änderte sich nie.
Wie gelassen wären Sie wohl?
Wie unbewegt in sich selbst.
Der Mensch allein  ist gelassen.

Erkennen.
Sich selbst erkennen.
Die Prinzipien des Unbewussten und Bewussten erkennen.
Diese Welt erkennen.
Wahrheiten erkennen.

 

Wahr ist, wir sind in etwas gewurzelt. Das Hervorwachsen möchte ich erkennen.

Wahr ist, Liebe ist eine Macht.
Wahr ist, geliebt zu werden, schenkt Kraft.
Wahr ist, zu lieben, schenkt dir und anderen Kraft.
Wirst du geliebt, fließt Energie zu dir.

Wahr ist, jede Form von Aufmerksamkeit lässt Energie fliessen.

Die Aufmerksamkeit muss nicht zwingend liebevoll sein. Kinder und Egozentriker wissen, wie sie sich Aufmerksamkeit verschaffen. Sie entwickeln Strategien, die ihnen die lebensnotwendige Aufmerksamkeit, also Energie, möglichst zuverlässig sichern. Der eine ist schön, ihm ist die Aufmerksamkeit gewiss.  Schicksal. Nur was, wenn er oder sie  in unserem Wertesystem nicht mehr als schön gilt? Der Nächste singt auf der Bühne. Der Dritte ist ständig krank. Aufmerksamkeit ist allen gewiss, Energie ebenfalls. Der Nächste ist ständig fies und nervt. Ein Anderer verspricht ständig etwas zu tun, tut es dann aber nicht. Aufmerksamkeit ist ihnen gewiss. Für den kleinen Hunger zwischendurch, greift er darauf zurück, sich stundenlang zu verspäten, sodass du permanent sorgenvoll an ihn denkst. Wieder ein anderer bricht grundlos in Tränen aus oder bezieht – die Aufmerksamkeit nicht erhaltend – beleidigt nur noch seine Freunde in alle seine Vorhaben und Gespräche ein, die eigentlich dazu dienen sollen, den anderen zu verletzen. Doch letztlich nur dazu dienen, dem Verletzer Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Wahr ist auch, so flüsterte es mir ein weiser Mensch in mein Ohr, Raubtiere sind nur so lange zahm, so lange sie krank sind. Sobald man sie gesund gepflegt hat, rennen sie in ihr wildes Revier zurück.

komfortzone

Wahr ist, Geliebtwerdenwollen kann jeder.
Und will jeder. Lieben hingegen ist eine Kunst. Gelegentlich wird man auf Menschenliebe treffen. Aber machen wir uns nichts vor.  So ganz verlassen wir die Ich-Arena nie.  Nur ganz frische Kinder haben kein Ich. Wären da nicht ausreichend Eltern, die ihren Kindern das Ego mächtig stärken und sie nicht selten mit einem falschen Selbstbild auf das  Leben in einer Kultur der Zerstreuung vorbereiten. Unterhalten zu sein, wird von entscheidender Bedeutung. Das Leben lärmt. Das Hören der inneren Stimme wird dabei zur größten Nebensache. Das Ich will dann wissen, was es alles darf und wird zum Kontrahenten der Seele.
Wir sollten uns keine Macken schön-gucken, nicht die eigenen noch die anderer.

badenWahr ist, granatenartig treffen uns mitunter Schicksalsschläge.
Wir nehmen sie zumeist sehr persönlich. Wir verlieren Herz, Job, Geld, unsere Bewegungsfreiheit, geliebte Menschen. Selten schauen wir darauf, dass  Vieles  an uns vorbeizieht und andere trifft. Tot, krank, kaputt, hungrig und unglücklich ist für die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt der Normalzustand. Häufig erinnern wir uns erst nach Eintreten des Schicksalsschlages an unser bisherig glücklich geführtes Leben und wollen schon gar nicht das Glück nah dran sehen. Schon mal darüber nachgedacht in Ihrem  Leben voller Bitterkeit und Selbstmitleid? Von 10 Menschen, die in einer ungeheuer komfortablen Situation leben,  sind vielleicht 9 in ihrem Leben nie geliebt worden.


Energie.

Weichen Sie mal einer fordernden Hand aus. Bringen Sie sich mal aus der Schusslinie. Dann spüren sie jene geballte Ladung Energie, von der ich hier schreibe.
Wir alle leben davon. Wir entscheiden, welchen von ihnen wir Energie geben möchten, die sie unausgesprochen von uns verlangen. Einer, der Energie empfängt, ein anderer, der sie ausstrahlt. Ohne unsere Einwilligung fließt keine Energie von uns zu anderen.
Null, nada, zero.

Weisen Sie jemanden darauf hin, seine  speziellen Tricks durchschaut zu haben. Vielen Dank. Es ist garantiert das Ende jener Beziehung.  Was durchaus nicht immer schlecht ist, aber auch nicht immer wünschenswert. Wenn der Energiesuchende selbst Energie aufwenden muss, um an seinen Stoff zu kommen, sucht er sich meist in Windeseile einfacher anzuzapfende Quellen.
Die Quantenphysik erklärt es uns doch seit einigen Jahren: Entscheidend, ob Welle oder Teilchen ist,  ob das Licht beachtet respektive beobachtet wird. (also man seine Aufmerksamkeit zuwendet) Denn Elektronen sind auch nur Menschen, vice versa: Sie verändern ihr Wesen, wenn man sie beobachtet.
Durch Aufmerksamkeit fließt Energie. Von dem, der aufmerksam ist, zu dem, dem die Aufmerksamkeit gilt.
Erstaunlich, dass wir Menschen so wenig darüber wissen, was diese Erkenntnis für unseren Alltag bedeutet.

Immerhin: Ich weiß es jetzt und Sie doch jetzt auch, oder?
Ich haushalte jetzt mit meiner Energie. Nichts spricht dagegen, sie bis zur Erschöpfung herzugeben, aber ich sollte wissen, warum ich es tue.
Am besten nämlich freiwillig.
Die Natur sucht immer nach ausgeglichenen Verhältnissen, nach Balance.
Die ökonomische Variante bei uns Menschen ist nicht selten die, sich einem Menschen anzupassen, statt sich um die Erhöhung des eigenen Niveaus zu bemühen, holt man den anderen lieber auf das seine herunter. Die Überlegenheit eines anderen zu akzeptieren, damit tun wir uns schwer. Überlegenheit ist potentielle Macht. Macht auch über uns selbst, also Selbstschutz. Leider tun wir das gern im Sinn des Überlegenen und selten im Sinn der Sache. Seien Sie  so wachsam wie nur möglich bei jemanden, der sich Ihnen unterlegen fühlt und am breitesten grinst. Sie werden fast ausnahmslos versuchen, die Machtverhältnisse für sich günstiger zu gestalten. Und werden dabei selten mit offenen Karten spielen. Oh, sie können auch großzügig sein, aber wundern Sie sich nicht, wenn die Affen auf Ihrem Tisch tanzen.

 

maedchenköniginWir sind die Stars unseres Lebens.
Alle anderen sind nur unsere Statisten. Wir besetzen unseren Lebensfilm mit Rollen und Nebendarstellern. Wir sind der „Leading Character“ mit allen Szenen. Wir verschaffen anderen Menschen die Hauptnebenrolle in unserem Lebensfilm. Wir suchen uns jemanden, der uns anrempelt, der selbst Star in unserem Film sein will, der sich zwei unbedeutende Szenen in unserem Leben einholt. Kurz ins unser Leben gerät und spielt als sei er der Star und eigentlich selbst in seinem Film die Hauptrolle spielt. Sie verlangen nach ihrem eigenen Wohnwagen und erscheinen ständig zu spät am Set. Ist keine große Sache für sie, dieser Film. Ist ja nur deiner. Sie wissen um dein großes Herz für jede Kreatur, die da Geräusche macht.

Ein „Ich liebe dich“ ist dann der Selbstgänger.  Insistierend gefordert von einem Menschen, der von der „bedingungslosen Liebe“ träumt. Stirnrunzeln von meiner Seite.
„Welches Wort in dem Satz hast du nicht verstanden?“
Alle drei. Was meinst du mit dem ICH?. Was mit liebe? Und was mit dich?

Mir sagte jüngst ein sehr weiser Mensch: „Liebe entsteht aus Reichtum. Verliebtheit aus Mangel, liebe Martina. Liebe kennt kein Ego. Verliebtheit kennt nichts anderes. Wer den Unterschied nicht kennt, geht mit einem Sneaker  links und einem Stiletto-Schuh rechts aus dem Haus und hadert auf seinem ganzen Lebensweg mit durchgehend schief gepflasterten Gehwegen.“

Verliebtsein fällt für mich jetzt unter Geisteskrankheiten. Verliebtheit ist ein fieser Virus. Wer Glück hat, wird irgendwann wieder gesund und kommt zu Kräften. Verliebtheit ist garantiert ein Unterbrecherschalter für den Verstand. Andererseits, ohne Verliebtheit sähen wir die Welt klar. Womit wir für den Rest der Welt komplett verloren wären. Würden wir uns genügen, wären wir wunschlos glücklich, verliebten wir uns vermutlich nicht. Niemals.

Einatmen. Luft holen.

Das lateinische Wort Inspirare  meint zu deutsch Einhauchen, Einatmen.
Zufall ist das sicher nicht. Atmen wir richtig tief durch, purzelt plötzlich die Inspiration.

Und auch die Erkenntnis.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wieso es  beruhigt, wenn man durch das linke Nasenloch atmet? Wieso kann das Singen von vier einfachen Silben einen in einen Zustand der Ausgeglichenheit versetzen?

Atem ist Leben. Feuer stirbt, wenn es nicht entflammt. Unser Lebenshauch geht in den Wind, aber er geht deshalb nicht verloren. Mitnichten.Yoga ist nicht grundlos die Tankstelle für viele Menschen. Das Wort bedeutet Verbindung. Es macht uns bewusst, was im eigenen Herzen wohnt. Falls sie zerstreut umherlaufen, suchend bei Wohnungsämtern und Immobilienmaklern und Ihr Zuhause einfach nicht finden, atmen Sie tief ein. Weben Sie sich in den Lebenshauch ein, in die kosmischen Erscheinungen, deren Teil wir sind. Die Jahreszeiten, der Regen, die Sonne, der Mond, der Ozean, die Weltenräume, die Erde, der Himmel, der Luftraum, der Wind, die  Vögel, die Haustiere, die Sterne.

Erkennen.

miki asai foto

Die Türen zur Welt des wilden Selbstes sind nur wenige, dafür aber sehr besondere.
Haben Sie eine tiefe Narbe, ist es eine Tür. Wenn Sie sich nach einem tieferen Leben, nach einem erfüllten Leben, nach einem gesunden Leben sehnen, ist es eine Tür.

Heben Sie den Schleier, der das Herz verdeckt,  dort finden Sie, was Sie suchen.
Atmend.

 

 

 

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5 Kommentare zu “

  1. sugar4all sagt:

    Liebe Martina! Ich mag deine Beiträge so sehr, weil sie in die Tiefe gehen und ich lese und lese und denke mir….wundbar geschrieben!! Der Atmen…das Leben…sich selbst in diesem Einklang zu finden ..<3 DANKE dir, für diese wunderbaren Zeilen….sie lassen mich nun nachdenken und das ist gut so!
    Alles Liebe ❤ – Karin

    • martinakunze sagt:

      Oh du Liebe, ich danke dir von Herzen. Ja, darum geht es wohl, um das „richtige Atmen“, um die Harmonie mit dem ganzen prallen Leben in diesem Weltenraum (sagten die Maya, erzählten und erzählen uns alle indigene Kulturen – noch heute) . Ich freue mich über Dein mich lesen, du, die da große Wortpoesie in diese Welt zaubert und Tiefe in aller Kürze und Würze auf den schönsten Punkt zu bringen vermag, dass sie einen mitten im Herzen erreicht…wahr ist, ich bin froh, dir begegnen zu dürfen. mit einem Lächeln. m.

  2. magguieme sagt:

    Es gehört alles zum Leben dazu. Nur dabei verharren, das fände ich schade. So habe ich zum Beispiel nichts gegen das Ego, mein Ego, dein Ego. Doch es Fixieren, das ist nicht Sinn der Sache.

    • martinakunze sagt:

      Freude, liebe magguieme, und einen herzlichen Dank für deinen weisen Hinweis. Nein, das Ego sollte nicht abgeschafft werden, sondern nur das eigentliche Selbst gestärkt, damit es (das Ego) sich nicht zu sehr aufbläht…Balance, Harmony…you know..hee.hee. flügelschlagend… herzlich lachend, dich liebevoll anlächelnd.

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