The road not taken

blumen malen2

 

Heute male ich in Gelb für Arabella. Es ist  ihre Lieblingsfarbe.

Heute trage ich das Lächeln, das mir Arabella gestern geschenkt hat.

 

Die liebe Blumenrettungs-Aktion dieser wundervollen Menschin  – alles wegen aufkommenden Frostes –  führte mich geradewegs  in meinem Denken zu einem Gedicht von Robert Frost.  „The road not taken“ ist  für mich eines der schönsten Gedichte des vierfach ausgezeichneten Pullitzer Preisträgers.

Es handelt vom Weg, den wir nicht gegangen sind.

Wege, die wir begehen. Spuren, denen wir folgen. Manchmal folgen wir den Spuren eines Freundes. Manchmal  gehen wir sie  alleine. Manchmal sind es  noch unbetretene Wege. Häufig sind es bereits abgetretene Wege.  Manchmal suchen wir Abkürzungen. Manchmal scheinen sie uns in die Irre zu führen und  erst viel später erkennen wir, dass genau diese Umwege zu uns gehörten, brachten sie uns das in unser Leben, was zu uns gehören sollte. Sie erweiterten unseren Horizont.

 

path of life
Manchmal lassen wir alles zurück. Manchmal wandeln wir auf längst vergangenen Schritten. Manchmal auf verhassten Wegen, manchmal auf kurzen.  Manchmal sind es Wege der Erkenntnis. Manchmal sind es Wege der Flucht. Manche Wege sind nicht leicht zu begehen. Manche Wege sind voller Unwägbarkeiten. Manche Wege sind feste Pfade, auf denen wir zielsicher am Ende des Pfades ankommen. Auf manchen Wegen reden wir uns ein, Wege erzählten uns, wer wir sind. Dabei sollen wir auf ihnen nur lernen.  Auf manchen Wegen erfahren wir Missgeschick, weil wir zu hohe Erwartungen in bezug auf die verkehrten Dinge haben. Sie lehren uns Genügsamkeit und innere Zufriedenheit. Andere Wege wollen wir mit Wut angehen, und scheitern kläglich. Wut lässt sich nicht mit Wut auflösen. Wut sammelt immer wieder neues Potential. Und wir  lernen, es ist die liebevolle Zuneigung, die neue Wege enstehen lässt .

Kein Weg ist so wertvoll wie der Weg der Geduld. Und wenn ich überall Steinen und Dornen auf dem Weg begegne und ihn mit nackten Füßen begehen muss, werde ich mich überall verletzen. Wenn ich meine Füße aber mit weichem Leder überziehe, dann kann ich überall hingehen. Genauso ist das mit der Geduld.

 

Wir suchen nach freien Wegen. Wir suchen nach erfüllten Wegen. Wir suchen im Außen, obwohl alles im Innern ist.  Wir versuchen aus dem Weg zu räumen und kämpfen gegen einen Schatten, der gar nicht existiert. Was wir denken, sind wir nicht. Was andere in uns sehen, sind wir nicht.

 

Sind wir bereit, diesen Weg zu verlassen? 
Sind wir bereit, unsere Wege in Frage zu stellen?
Haben wir den Mut, Allem zu begegnen?

Nur die Wahl zwischen Angst und Liebe…

Wir haben sie, die Wahl zwischen Angst und Liebe.

 

 

 

Robert Lee Frost (1874 – 1963) war Amerikaner mit Ehrendoktorwürden. Bekannt ist er vor allem durch seine Gedichte über das ländliche Neuengland. Er studierte zwei Jahre an der Harvard-Universität. Arbeitete neun Jahre als Farmer. Viele seiner Gedichte verfasste er vor Beginn der Arbeit. Er fing dann aber wegen mangelnden Erfolges wieder an als Englisch-Lehrer zu arbeiten. Später wanderte er mit seiner Familie nach England aus. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er wieder nach Amerika zurück. Viele seine Gedichte sind Naturgedichte. Metaphern spielen eine zentrale Rolle in seinen Gedichten. Er zählt zu den bedeutendsten Poeten des 20. Jahrhunderts.

 

Der nicht gegangene Weg

Zwei Wege trennten sich im fahlen Wald
und, weil ich nicht auf beiden konnte gehn
und einer bleiben, macht‘ ich lange Halt
und schaute auf des einen Wegs Gestalt,
soweit ich durch die Büsche konnte sehn.

Ging dann den andern – der, genauso schön,
den grösser’n Anspruch hatte auf Gebrauch,
denn Gras wuchs drauf und brauchte Drübergehn –
obgleich die Wand’rer, muss ich schon gestehn,
gebrauchten einen wie den andern auch.

Sie lagen vor mir, beide gleich, zuhauf
mit Blättern, die kein Tritt noch aufgestört.
Ich hob mir einen Weg für später auf!
Doch Wege führ’n zu and’rer Wege Lauf:
Ich wußte wohl, dass keiner wiederkehrt.

Und seufzend werd‘ ich einmal sicherlich
es dort erzählen, wo die Zeit verweht:
Zwei Waldeswege trennten sich und ich –
ich ging und wählt‘ den stilleren für mich –
und das hat all mein Leben umgedreht.

(Übersetzung von Walter A. Aue)


The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

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10 Kommentare zu “The road not taken

  1. arabella50 sagt:

    Ach, du allerliebste Freundin du Gute.
    Danke, danke, danke.
    Ein gelbes Gedicht, ein so schönes.
    Heute am Nachmittag, wenn ein wenig mehr Zeit ist hole ich es mir ab, wenn du gestaltest, damit es noch mehr Menschen Freude machen kann.
    Ich wünsche dir einen so schönen Start in den Tag, wie du ihn mir bereitet hast und grüße dich so lieb ich kann.<3

    • martinakunze sagt:

      Ach, Du LiebeLIebe,
      hole es dir ab. Lass deine Freude dein Verlangen sein.
      Ja, Freude teilen.
      Mein Lächeln, das ich mir bei dir abholte, lächle ich noch immer.:
      Ich wollte dir etwas schenken. Mir war danach.
      Deine ganze sich entfaltende Harmonie wird sich durch mich bewegen.

      Ich grüße dich lieb zurück.
      Freude. Freude. Freude.

  2. arabella50 sagt:

    Hat dies auf Einfach(es) Leben rebloggt und kommentierte:
    Ein Gedicht als Geschenk von der liebenswerten Martina, besser kann die Arbeitswoche nicht enden.
    Herzlichen Dank und geteilte Freude ist doppelte Freude und deswegen Teile ich diesen Beitrag mit euch.

  3. Wie wunderschön! 🌻

  4. SalvaVenia sagt:

    Sehr stark und eindringlich. 🙂

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