In meinem Herzen kreiselt es

dichter

 

 

Ich nahm mein kleines Köfferchen und machte mich auf zu einer Verabredung. Mein Kleid war enger geworden. Wie weiß ich nicht. Ich zwängte mich hinein. Die Haare straff zurück, so wirkte mein Kinn wenigstens etwas länger.  Ein unvergessenes Abendessen mit einem Dichter besiegelte meine gestrigen Abendstunden. Vollmundige, auf der Zunge fast zergehende Shrimps bereichert mit Curcuma und Koriander-Samen, dazu einen köstlichen Ingwer-Orangen-Champagner-Aperitif, garniert mit einer Zitronenscheibe und Petersilienblätter noch gekrönt.  Alles sinnlich aufgepeppt.  Und der süße Regen fiel auf den den springlebendigen Fluss.

 

Das Hineintauchen in die Welt eines Bezauberes tat meiner Seele gut. Und ich hörte und staunte. Der liebe Dichter verschaffte mir Zugang zu interessanten geistigen Pfaden. Für Stunden versank ich in die Stimme und Gedankenwelt dieses Mannes.  Der „unausbleibliche Effekt des Schönen sei die Freiheit von Leidenschaften und deshalb sei eine „schöne leidenschaftliche Kunst“ ein Widerspruch“,  sagte Schiller vor einigen hundert Jahren. Ich kann  dem Ästhet  der Reinheit  darin nicht zustimmen. Schön und leidenschaftlich können sehr wohl eine Symbiose eingehen. Ich denke, den Ort gestern gefunden zu haben. Jede Zeile seiner Gedichte und Gedanken kostete ich aus.
Einem Kenner von Rilke und Mascha Kalèko begegnete ich. Sie wissen schon Rainer Maria: Der Park ist schwarz und die Stämme stehen wie viele Männer.  Die breite Lindenallee tastet mit hundert welken Händen, wie weit es zur Erde ist… und die verehrte Frau Mascha Kalèko, jenes lyrisches Ich, das  klein, schwarz, zierlich mit Ironie und Melancholie sehr anmutig gemischt so „halb fünf war“, als sie sich zum erstenmal „freiheitssuchend aus dem Hause stahl“. Also Gesprächsstoff durch den gesamten Abend.
Ich noch immer den Aufwind magischer Synchronizitäten genießend. Vermutlich wird irgendwann die Komaklinik ihre Tore für mich öffnen müssen.

Erst vor wenigen Tagen beschenkte mich eine allerliebste Menschin, Marieke Oeffinger, Schauspielerin und Synchronsprecherin, mit dem wohl schönsten Herzgeschenk. Ich rechnete  so gar nicht mit…ähm.Und so fielen zwei bis drei Tränen. Sie beglückte mich mit einem Foto von Amma, eigens für mich bei Amma eingeholt. Dazu schenkte sie mir einen so wundervollen- von ihr und ihrem Vater produzierten- Dokumentarfilm über das Wirken jener indischen Heilerin und großen spirituellen Persönlichkeit Indiens. Sowieso liebe ich Dokumentarfilme. Aber der nun, der ließ meinen Stehkragen platzen und mein Herz anschwellen. Ein großes Freudenfeuer folgte.

marieke

Am Freitag, 10.10. war die Schauspielerin im Ersten – also ARD – im Film „Let`s Go!“von Michael Verhoeven zu sehen. Ein starker Film.  Eine wahre Geschichte. Nachkriegsdeutschland.  Ein jüdisches Ehepaar, das den Holocaust überlebt hat. Eine Tochter, zeitlebens geprägt von mangelnder Empathie der Mutter.

Meine demütige Ode: „Liebe Marieke, ich sah ihn mir bereits siebenmal an. “
Ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit sitzt in meinem Herzen. Ein Licht der Liebe und der Freude schwingt in mir.

Amma`s Gebet lautet  nicht nur sprechen, sondern lächeln, in sich hineinhören, zuhören, wortlos schenken und helfen, Bewegung und gelassene Stille.
Dass mir Amma über Marieke auf diese besondere Weise begegnet, mag ich als einen großen Augenblick der Seligkeit in meinem Leben bezeichnen.

„Die Welt soll wissen, dass es möglich ist, sein Leben selbstloser Liebe und dem Dienst am Nächsten zu widmen.“ —Amma

Wo wahre Liebe ist, geschieht alles ohne Anstrengung.”

Ammas Religion ist die Liebe.

Ich bin fasziniert von Ammàs Leben und ihrer Lebensphilosophie.

Amma umarmt die Welt

 

Und gestern nun saß ich mit jenem Dichter des Gedichtbandes Muschelblau, Der Gedichte erster Teil an einem Tisch. Der zweite Gedichtband  von Michael Damarowsky mit dem Titel „Erdenengel“  erscheint in wenigen Tagen. Ich durfte gestern bereits lauschen.
Er wusste genau, was er tat. Er ließ seine Verse zum Klingen bringen. Er ließ sich Zeit zwischen seinen einzelnen Gedichten, machte größere Pausen, suchend, blätternd, erklärend. Und so fuhr er mit mir durch die Welt seiner Gedichte und Geschichten. Völliges Vertrauen im Anvertrauen. Beflügelt, enthoben von Raum und Zeit. Es zog mich in die Zwischenräume, durch die das Konkrete umso klarer hindurch schien.
Tiefe Glücksgefühle.

Nächste Woche werde ich Erdenengel. Der Gedichte zweiter Teil sowie den Autor Michael Damarowsky  in diesem Blog vorstellen.

Mein Lieblingsatz des gestrigen Abends: „Ist Gott.“

Was für eine Befreiung.
Und es ist mir so was von piepegal, dass es für jeden „Uneingeweihten“ Leser an dieser Stelle völlig hirnverbrannt klingen muss.

Solche Zauberstäbe gibt es gar nicht, sagen Sie?  O doch, liebe Leserin, lieber Leser. Die gibt es.
Göttliches Bewusstsein und unser Selbst sind eins.
Dazwischen gibt es nur unser Ich, unser kleines oder manchmal auch großes Ego und unsere persönliche Perspektive.
Es ist die schöpferische Bewegung in allem.

 

Wahrnehmung findet, was sie sucht!

Darüber schrieb ich schon an vielen Stellen in diesem Blog.

universuminmir

Denken Sie es sich so…

Sie ist eine virtuelle Stimulation unseres Bewusstseins. Unser Sehnen, unsere Dramen, unsere Probleme sind so fiktiv, wie das Leben selbst. Alles ist eine holografische Projektion unseres Bewusstseins. Die Umwelt, die wir wahrnehmen, ist unsere Erfindung. Die Außenwelt ist ein Spiegel unseres Selbst.

Materie folgt Geist.
Energie folgt Aufmerksamkeit

Glück ist kein vergänglicher Gnadenmoment, sondern Ausdruck unserer Bewusstheit.
Ich muss da mit etwas in Resonanz gegangen sein. Ich weiß auch gerade nicht, wie mir geschieht.
Von allen Seiten werde ich auf besondere Weise  mit wunderschönen  Worten, Gedanken und Weisheiten beschenkt.

 

Und da saß ich nun vor meinem verehrten Dichterfreund, hineingekuschelt in seine Grand magic Dichtung , ein Meister der Worte mit metaphysischem Pinselstrich. Braune Augen untermalten seine Gedichte. Das kühle Helle zischte an der durstigen Kehle dieses  gut aussehenden Mannes hinunter.

Nein, nein – kein Honey-Trallala. Kein Sum-Sum….Ich lauschte Feinsinnigem. Ich tauchte ein in jede individuelle Stimmung seiner Gedichte.

„Martina“, dachte ich leise vor mich hin, „die Forschung machte bereits klar, dass die Reaktion auf das Leben zu wenigstens 99 Prozent der Zeit die eiserne Kontrolle des Glaubenssystems spiegelt.“
Es ist nämlich so:  In unserem hinteren Schläfenlappen an der linken Außenseite, dort liegt unser Leben als ein Glaubenssystem. Wenn wir also lang genug mit Selbstzweifel, Dichtmachen, also Abwehr leben, dann macht uns unser Sinn für Grenzen vergesslich gegenüber positiven Alternativen. Programmieren wir uns auf Selbstzweifel oder Abwehr, gehen wir geradewegs in den emotionalen Stress hinein und unser Gehirn antwortet mit dem Muster: „Bereit zum Kampf oder Bereit zur Flucht“. Muskeln stehen unter höchster Anspannung. Die Blutversorgung zieht sich vom Vorderhirn zurück, um sich im Schläfenlappen zu sammeln. Auf diese Weise ist das Überleben bestens gewährleistet.  Das jeweilige Glaubenssystem übernimmt die Kontrolle. Wir sind unseren Überzeugungen ausgeliefert, die wir für wahr halten.
All das geschieht auf der Grundlage unserer vergangenen emotionalen Lebenserfahrung. Glaubensmuster sind unsere inneren „Sklaventreiber“. Sie sind Blockaden und stauen darum unseren Lebensweg.

 

Mensch, wenn wir nur erkennen würden, wie viel blockiertes Potenzial in uns steckt.
Der Ausweg aus dem goldenen Käfig unseres Verstandes führt mitten durch ihn hindurch.

Inmitten dieses bewegten Lebens saß ich also mit meinem Glaubenssystem vor einem Mann, der nur halb meiner Vorstellung vom „Mann-Sein“ entsprach und mein ganzes Staunen hervorzuholen vermochte. Jede Spur der Eigenschaft, die traditionell mit Männern in Verbindung gebracht werden  – ein lauter Knallfrosch, eine hologrammverdichtete Imagination von Ich Tarzan, Du Jane –  gerieten in diesem Moment in Vergessenheit.  Langsam, tief, rück- und vorsichtig, mit offen gelassenen Türen, mit zarten Fingern und Augen las er mir vor. Sicher setzte sich seine Stimme über die Textwellen. In Selbstoffenheit zeigte er sich rhetorisch sehr wandlungsfähig. Der Rest waren Gefühle, Schweigen und Höflichkeit. Dazu noch eine Formel aus der Naturwissenschaft auf einen Bierdeckel mit feinem Federstrich gezeichnet und mir bis ins letzte Detail begründet und erklärt, warum es die schönste Formel der Welt ist.  Ich setzte meinen Rotstift an, was meine Klischees betraf. Von diesem Mann kann man(n) lernen, wie man mit Emotionen umgeht.

 

So ist es: Stereotypen. Irgendwann läuft man mit und bemerkt es gar nicht. Die Welt ist eine Bühne. (Shakespeare) Wir sind an ein kollektives Bewusstseinsfeld angeschlossen. Wir sehen durch die Sehgewohnheiten der Menschen. Es geht längst nicht nur um unseren persönlichen Erfahrungshorizont, sondern immer auch um ein Gruppenbewusstsein. Das kollektive Feld durchdringt alles.  Das erst macht ein Schnuller zu einem Schnuller oder ein Fahrrad zu einem Fahrrad. Je mehr Menschen es bestätigen, desto wahrhaftiger wird es in dieser unseren Maja-Welt. Wir leben inmitten eines konstruktivistischen Weltbildes. Der Vorteil: alles lässt sich unmittelbar erfahren. Weniger gut: Das Ego klammert sich an solche Stereotypen/ Fakten. Das Ego neigt leider dazu, sich zum Maß aller Dinge zu erheben. Naja,  so ganz ohne Stereotype geht`s bei uns Menschen auch nicht. Man kann sie nicht per se ablegen. Ohne sie könnten wir die soziale Welt nicht vollumfänglich begreifen. Es käme quasi zu einer Reizüberflutung. Sie zu hinterfragen und zu erkennen, kann nur im Einzelfall gelingen. Wichtig ist, sich selbst immer wieder bewusst zu machen, dass man in Schubladen denkt.
Ein Glücksabend. Ein wunderschönes Gespräch. Poetisches mit wiedererkennbarem Ausdruck. Stimmungshaftes. Innehalten Staunen. Gefühlsmomente besonderer Art. Erkenntnisse. Horizonterweiterung.
Das Wissen darum, dass Umstände weder ungünstig noch günstig sind. Sie sind ein Indikator, wie wir innerlich gestimmt sind. Denn die Umstände folgen dem Geist, nicht umgekehrt.

Alle Wirklichkeit nährt sich von der Energie unserer Aufmerksamkeit und wird von ihr bewahrheitet.

 

Meine Aufmerksamkeit verlagerte ich  am gestrigen Abend kurz zu Nietzsche. Der sagte:  „Man sollte sich in die Liebe verlieben. Nur mit dem Willen zur Liebe wird man die liebenswerten Seiten des Lebens entdecken. Die Liebe sollte man dazu nutzen, die Welt um sich herum zu verzaubern.
Ich befand mich eindeutig im Flow-Zustand. Selbstvergessen, ganz in den Gedichten von Michael Damarowsky aufgehend. Ich hätte eine Leinwand mit Farbe füllen können. Eins werden mit dem Bild.
Liebe in diesem Sinne meint nicht die persönliche Liebe, sondern die reine Liebe. Diese Liebe macht nicht blind, vielmehr öffnet sie einem das Auge für das Göttliche im anderen, für das wir zumeist blind sind.

Die gestrige Begegnung mit jenem wundervollen Poeten war göttlich. Die seligsten Momente stellten sich ein, weil sich inmitten des Alltagstreibens jener Ich-Projektionen der Horizont lichtete. Alles war liebenswert. Alles schien in jenen Momenten vollkommen. Empathische Zeilen, keine Selbststilisierung. Perspektivisch zog er aus den Bildern der Natur das Leben heran, dabei offene Blicke anvisierend.

….Hätten wir nichts zu wollen, brauchten wir nur noch unserem Leben zuschauen. Vermutlich wäre Heiterkeit die Folge.

 

virgina opossum klein wie ein Bohne

Virgina opossum, klein wie eine Bohne

 

Und….

zwischendurch dachte ich an ihn. (links im Bild). Virgina ist mein Freund.

Was soll ich dazu sagen? Außer: Ich liebe diesen kleinen männlichen Freund, dem ich einen weiblichen Namen verpasste.

Und…

Stellen Sie sich mal vor, es gäbe eine Abschiedsparty für „typisch Mann, typisch Frau“.

Stellen Sie sich mal vor, da ist keine Kraft mehr, keine Kampf, keine Anstrengung, keine Bemühung. Wir resignieren einfach aus dem Gefühl der Nichtigkeit – boah, das würde ja den Tod bedeuten?
Genau das ist ja die Angst des Ego! Hier loszulassen erfordert Mut. Dabei ist es doch so:
Wenn wir uns irgendwo hineinfallen lassen, kommen wir auch irgendwo wieder hinaus. Wir durchwandern Schicht für Schicht und fallen ins Bodenlose. Wenn wir unsere Ich-Strukturen loslassen, ins grenzenlose Sein floaten, können wir  nicht untergehen. Es ist auch irgendwann kein Fallen mehr, sondern ein Schweben. Ganz frei und leicht und ganz licht ist es dann.

 

In diesem Zustand können wir unser wahres Selbst spüren. Wir werden durchströmt von einer liebevollen Kraft. Im Augenblick der Hingabe stürzt das Ego ein.Jenseits des Ego sind wir einfach, ohne Einschränkungen, ohne Identifikationen, ohne persönliche Anhaftungen.
Dichter und Dichtung vermochten es gestern.
In allen Aspekten wortkünstlerisches Denken,
sinnstiftende Spürbarkeit, stillste Worte mit Herzblut geschrieben,
alles multiplizierte sich vor meinem inneren Auge.

 

Mein Herz wurde angesprochen. Durch  – und zurück.
Was Lebensfreude spendet, stärkt auch die Abwehrkraft gegen die Erlahmung der Gehirntätigkeit.

In Dankbarkeit.

..nächste Woche erfahren Sie mehr über die Gedichte von Michael Damarowsky…..

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2 Kommentare zu “In meinem Herzen kreiselt es

  1. arabella50 sagt:

    Das muss ich in Ruhe lesen, bis später…

  2. arabella50 sagt:

    Auf die Gedichte freue ich mich sehr…

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