Der Verstand kommt da nicht mit

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Was ist die feste Welt?

Fast alles in dieser Welt gehört jemandem. Häuser, Wälder, Katzen – –
Fast alles auf diesem blauen Planeten ist seit einigen Jahrhunderten aufgeteilt. Land, Wasser – und sogar die Luft.
Überflugrechte wurde eigens dafür ausgehandelt. Gekämpft wird auch um Wasserrechte. Der kleine Junge nimmt den Bagger seines Freundes weg.
Alles ist genau vermessen, definiert in Grundbüchern und darum wird nicht selten innerhalb der Familien heftig gestritten. Besitz wechselt die Besitzer.
Wenige haben ganz, ganz viel, und ganz, ganz viele teilen sich den Rest.
Mein und dein wissen wir sehr genau zu unterscheiden.

Hast du WAS, bist du WAS.
Könige fühlen sich königlich, weil sie auf ererbten Thronen sitzen.
Diebe freuen sich diebisch, weil sie anderen etwas wegnehmen und es dann ihr Eigen nennen.

Ich habe Angst, also bin ich..
Ich habe Hoffnung..
Ich bin enttäuscht, also bin ich..

Und wenn du plötzlich aufhörst zu reden, fällst du aus dem Rahmen der menschlichen Gesellschaft und Zivilisation heraus. Sprache macht uns überhaupt erst zu einem Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Die Sprache, die aus tiefer Stille geboren wird, ist uns fremd geworden.

Buddha hat einige Grundformen des Leidens definiert:

Nicht bekommen, was man will
Bekommen, was man nicht will.
Bekommen, was man will – und dann daran hängen.

… und unter allem liegt: grundlegende Rastlosigkeit, Unbefriedigtsein, Frustration.
Das ist der Schatten des Habens. Leiden am Haben und Leiden am möglichen Verlust.

Solange alles unseren Erwartungen entspricht. Es ist eine feste Welt, die eine Länge, Breite und Höhe hat, eine messbare, eine, die etwas wiegt und die Bedeutung und Gewicht in unser Leben bringt.

Und richtig schwierig wird es  ja erst, wenn wir bekommen haben, was wir wollen. Wenn unsere Wünsche wahr geworden sind und wenn wir das Ding der Begierde tatsächlich in den Händen halten. Dann müssen wir aufpassen, dass es nicht verloren geht, dass es niemand stiehlt, dass es nicht kaputt geht, dass wir nicht zu schnell die Freude daran verlieren. Zwei Füße und dreihundert Paar Schuhe. Wenn das Glas voll ist, ist kein Platz mehr – auch nicht für den köstlichsten Wein.

Materielle Werte sind zugleich ideelle Werte. Der Wert definiert sich zumeist durch die Intensität der Anhaftung

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Mit Papier Feuer machen

 

Vögel fliegen. Fische schwimmen.  Das Schwere fällt. Das Leichte fliegt.
Erst die Hose, dann die Schuhe. Wasser fließt bergab. Täler sind tief. Wolken verdichten sich – es gibt Regen. Die Ernte der Weinreben war nicht so gut, also wird es weniger Wein geben.
Ein Scherz macht froh, eine Lüge bewirkt Leid. Jede Wirkung ist Ursache für eine neue Auswirkung.

Alles hängt mit allem zusammen  – und dieser Zusammenhang hat eine Ordnung.
Sie ist so unscheinbar, dass wir ihr keine weitere Beachtung schenken.

Außer dann, wenn die Dinge plötzlich nicht mehr so sind wie erwartet. Dann tun wir alles dafür, dass sie wieder so werden, wie er oder sie glaubt, dass sie sein müssten, sein sollten oder niemals sein dürfen.
Ausgangspunkt sind dabei jene von Menschenhand gemachten Gesetze, Regeln, Konventionen, Vereinbarungen, die unserer Miteinander regeln.
Sie wissen schon: Die Schuhe gehören in den Schrank. Der Hut auf die Hutablage.
Die meisten unserer Regeln sind nicht im Einklang mit der Natur. Sie sind höchst selten im Einklang mit unserem inneren Gefühl.

Ich weiß noch, wie ich mit dem Auto durch weite Landschaften Südafrikas reiste und hier und dort vereinzelt Menschen im Schatten ihrer Hütten sitzen sah – nah bei ihren Feldern – und dachte: Hier spielt die Zeiteinteilung nach Stunden überhaupt keine Rolle. Es hing keine Uhr an ihren Handgelenken. Sie sahen nicht ständig auf  den großen und kleinen Zeiger.

Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit. (afrikanisches Sprichwort)

Es gibt sie noch heute, jene Menschen, die den Gesetzen der Natur folgen. Sonnenstand und Sternenbilder bestimmen ihren Zeitpunkt der Aussaat und der Erntezeiten. Sie beobachten die Natur sehr genau und lesen die Gesetzmäßigkeiten aus der Natur heraus.

Es gibt sie noch immer die uralten Gesetze, die nicht aufgeschrieben sind. Auch wenn uns der Geruch gepflügter unter dem Asphalt der Straßen und der Schilderflut abhanden gekommen ist. Es gibt sie….
jene natürliche Ordnung, jene heil-ige Ordnung. Heilig im Sinne von heil, ganz, ganzheitlich:

Wenn man wochenlang schlecht über die Nachbarin spricht, sie diffamiert und über sie lästert, dann kann man ihr nicht mehr offen in die Augen schauen, wenn man sie im Supermarkt trifft. Wenn man nicht den Mut hat, dem anderen die Kritik offen ins Gesicht zu sagen, mag es klug sein zu schweigen.

Unsere Fingernägel wachsen nach voraussehbaren Gesetzmäßigkeiten.

Die Jahreszeiten folgen einem uralten Rhythmus.

Leben ist zerbrechlich. Die stille Wahrheit von der Flüchtigkeit, dass alles leise kommt und wieder geht, behagt uns nicht. Darum suchen wir alle nach der großen Sicherheit. Und so binden wir uns immer fester an Gewohnheiten. Wir machen lieber das, was wir kennen. Schnarch. Wo sind die Träume unserer Jugend hin? Die Illusion der Sicherheit wird zu unserer eigenen Falle.  Wir greifen, halten fest, fixieren.  Jeder Anker ist uns recht. Dabei genügt uns schon die Illusion von Halt.  Geld, Festgeld, Beton, Vorsorgen ist angesagt in diesem endlos weiten Raum. Dem Raum der Welt. Weltraum. Offener Raum scheint uns gefährlich. Dabei wird der Weg durch tausend Richtungen angezeigt.
Wir erkundigen uns bei A über B. Hören wir etwas Falsches, übernehmen wir es. Wer B ist fragen wir nicht. Wir wollen herausfinden, ob das Vorurteil nun zutrifft oder nicht. Jemandem von Herz zu Herz begegnen, der Weg scheint vergessen. Unserem inneren Gefühl vertrauen wir nicht.

Begegnen wir der Liebe mit einem Bild, ist sie schon tot. Wie können es zwei Menschen aushalten, wenn sie sich nur in ihre eigenen Bilder verlieben?
Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal. Hand in Hand ist gut – solange es dauert.
Wer das Loslassen nicht lernen will, der muss ständig halten.

Je durstiger wir werden, desto  größer wird das Feuer in unserem Herzen. Und erst dann können wir die Angst fallen lassen und den Sprung wagen, wenn der Durst größer ist als die Angst. Der Durst ist schon da, wir unterdrücken ihn nur. Laufend unterdrücken wir etwas, was immer tief in uns ist.

Wir selbst sind das Hindernis zwischen dem, was wir sehen und dem, was wir suchen. Zwischen dem Durst und dem Wasser. Zwischen unserem Hunger und dem Sattsein, zwischen Unfrieden und Frieden, zwischen einer Frage und der Lösung.

Ich kann nichts tun, als den Moment abzuwarten, wo mein Durst so stark geworden ist, dass ich nicht mehr anders kann, als zu springen, ins Unbekannte zu explodieren, den Schritt nach vorn zu wagen.

So steht es mit uns – mit jedem von uns.
Absolut genauso.

Niemand hindert uns.

..außer unser Ego. Das, was wir für unser eigenes Ich halten…

Sich selbst. Da steckt das Ich schon drin. Mit diesem Bezug schauen wir die ganze Welt an.

Es ist eine Ansammlung von Form, Gefühl, Wahrnehmung, Bewusstsein, die zusammen die Illusion einer Identität ergeben.
Es ist ein Trugbild. Dieses Ego schafft die Illusion jener unumstößlichen Außenwelt. Um sich selbst eine eigenständige Existenz zu geben, wird gemessen, bewertet, verglichen, gelobt und bekämpft.  Wir dienen anderen lediglich als Bestätigung unserer individuellen Einzigartigkeit. Sogar durch Ignoranz können wir andere bestätigen. Ich bin der, dem du egal sein darfst.
ICH fühle mich besser, stärker, klüger als andere
Nein, das war nicht ICH…
Ich kann das nicht so gut wie…
ICH bin heute ganz anders als ich früher war…
Eines bestätigt das andere.

Wer als Kind geliebt wurde, entwickelt sich anders als jene, die schon früh um Anerkennung kämpfen mussten.
Jemand der unsicher ist und ständig nachprüfen muss, ob er noch einen Schatten wirft, kann keine Ruhe finden in seinem zerbrechlichen Hauch von Ich. Das dicke Ich  bläht sich auf.  Das dünne Ich versteckt sich am liebsten.

Dies ist eine Vereinbarung unter uns Milliarden von Menschen.

Ego los zu sein – ist Freude.

Liebe ist unteilbar. Und sie will immer nach draußen – zum anderen.
Sie ist eine Sache des Herzens.

Die schönste Liebe ist egolos.
Atemzug um Atemzug. Schritt für Schritt in kleinen Schritten.
Diese Liebe kann man üben.

 

 

 

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13 Kommentare zu “Der Verstand kommt da nicht mit

  1. enigma57 sagt:

    Halo Martina !

    Vielen Dank . Super schon und nicht nur paar aussgewahlte citate ! Ganze beschreibung ist Gold wert. Weoter so ! Grusse von Georg. st du WAS, bist du WAS.

    Fast alles in dieser Welt gehört jemandem. Häuser, Wälder, Katzen – – Fast alles auf diesem blauen Planeten ist seit einigen Jahrhunderten aufgeteilt

    Um sich selbst eine eigenständige Existenz zu geben, wird gemessen, bewertet, verglichen, gelobt und bekämpft.  Wir dienen anderen lediglich als Bestätigung unserer individuellen Einzigartigkeit. 

    Es ist eine Ansammlung von Form, Gefühl, Wahrnehmung, Bewusstsein, die zusammen die Illusion einer Identität ergeben.

    Wysłane z telefonu Samsung

  2. arabella50 sagt:

    Ein Beitrag von Frau Silberdistel brachte mich gestern zum Erinnern.
    Es ging um ein Fahrrad. Früher fuhren alle Frauen in meiner kleinen Stadt mit dem Fahrrad. In den Kindergarten, oft auch zum Einkauf, zur Arbeit.
    Dafür ist keine Zeit mehr.
    Zu langsam ist man damit.
    Schade.
    Ich wünsche mir Zeit für diese Gesellschaft der Oberflächlichkeit.
    Danke für deinen Artikel, die Bilder sind großartig.
    Herzliche Grüße an dich.

    • martinakunze sagt:

      Es sehnt sich in uns…
      Irgendwie wissen wir es.
      Was würde geschehen, wenn all jene Frauen wieder auf ihre Räder umstiegen?

      Nimm sie dir die Zeit. Sie gehört DIR!!!!
      ES IST DEIN LEBEN. ES IST DEINE ZEIT. MIT JEDEM ATEMZUG.

      Danke, liebe Arabella.
      …die Fotos liebe ich, ….

      • arabella50 sagt:

        Die momentan herrschende Geldgier ist fürchterlich.
        Erst jüngst hörte ich 3 (recht erfolglosen)jungen Leuten zu, darunter eine Frau.
        Freudig verkündigte diese, vergangene Woche eine Firma platt gemacht zu haben.
        Wenn ich dir noch sage, diese junge Frau arbeitet beim Finanzamt, bist du genauso traurig wie ich.
        Zustande kommt so was, das ist meine persönliche Meinung, die kein Recht auf Gültigkeit erhebt, durch die immer oberflächlichere Bildung der Mittelschicht.
        Kulturelle Werte sind hier kaum noch bekannt und der Einfluss des Mediums Fernsehen deutlich bemerkbar.

        Schön, dass dir meine Fotos Freude machen, es war ein herrlicher Nachmittag im Garten meiner Schwester. Bei Gelegenheit gibt es eine Geschichte dazu.
        Der Sonntag verspricht sonnig zu werden. Genießen wir ihn.
        Herzliche Grüße. 🙂

      • martinakunze sagt:

        Liebe Arabella,

        Neil Postman schrieb einst: „Wir amüsieren uns zu Tode.“ In seinem Buch ging es um jene Oberflächlichkeiten, jener Verfallserscheinungen einer Gesellschaft.

        ich lächle die Platttreterin an und denke, sie hat noch einen langen Weg vor sich.
        Schön, dass es in deiner Nähe einen Raum des Herzens und der Liebe gibt. Hundertmal stärker ist deine/eure Kraft – wirst sehen.. Wir stecken mitten im Wandel..Die Maya irrten noch nie ….Du legst die Samen dafür..(Schaukelinhaberin, all deine Wissenden…)
        Nur nicht den Mut und das Vertrauen darin verlieren. SEIN. Es hilft den anderen, in diese andere Energie hineinzutreten….:) Sie müssen ihr erst begegnen, um zu erkennen…. Wirbel mit deiner Energie herum..Stelle solchen jungen Leuten Fragen, LIEBE…..Los mach schon! *lach 🙂
        Herzelige Umarmung.

        HIer schwebt ein grauer Himmel über sattgrünem Blattwerk. Genießen werde ich den Sonntag dennoch. Viel Freude unter der Sonne.

      • arabella50 sagt:

        Zunächst ziehe ich mich zu einem Schläfchen zurück…

        Das Laute solcher Menschen schreckt mich ab. Ich arbeite daran.<3

      • martinakunze sagt:

        Ja, ich lege mich mit schlafen. Schreckt mich auch…und doch….manchmal, wenn es passt….

        ..dann geschehen wundersame Dinge….:)

      • arabella50 sagt:

        Die Hoffnung stirbt zuletzt würde meine Frau Mutter sagen.:-D

      • martinakunze sagt:

        Die Liebe nie.

        🙂

      • martinakunze sagt:

        Auf deine Geschichte bin ich schon jetzt gespannt. Deine Fotos bereiteten mir wirklich Freude. Der krönende Abschluss eines sehr besonderen Tages. ich fiel mit einem Lächeln auf meinem Gesicht in den Schlaf. Schöner geht`s nicht….mitten hinein in einen Traum…

        Ah, im Garten deiner Schwester…Es gibt dich noch einmal *lieblächelnd. Wie schön!!!!

        Herzlichst 🙂

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