Mein Freund im Gaza

danke5
(Quelle:yencd)

 

Ein Licht.

 

 

 

schreibend
Ich muss Ihnen, liebe Leserinnen und Leser unbedingt etwas erzählen. Und ich muss meinem Freund schreiben.

Heute erreichte mich ein Einzeiler von magischem Ausmaß. Eine eMail. Die erste Nachricht nach der Katastrophe im Gaza.
Und sie hob mich aus dem Stuhl. Ja, ich bekenne, sie ließ mich weinen. Glückstränen. Dankbarkeitstränen. Erleichterungstränen.
Danke. Danke, liebes Universum.

Ich spreche es noch einmal laut aus: Sie leben.
Mein Freund, seine Ehefrau und seine zwei Kinder leben. SIE LEBEN.

 

„Thank you for you kindness, Martina, I am fine and my family as well. The problem is that Catastrophy is more than to be described. I lost the ability to deal with things. I am so tired.“

 

Nein, dieser Mann ist nicht mehr der Mann, der mir vor ein paar Monaten schrieb. Nichts ist gut. Alles hat sich zwischen sein Herz und die letzten Monate gedrängt.

 

Ein Tropfen Leben nach dem anderen wieder zurück zu ihnen. Es werde Licht. Bitte, liebes Universum, dünge neu. Begraben und pflanzen. Lass neue Augenblicke spriessen. Lass Leben neu  auferstehen. Lass die Heilung der Gebrochenen tief gehen. Lass das Fühlen des Herzens gewinnen und nicht die Aufrechnung  der Gewalttaten.

 

Und wir?
Wir sollten uns erheben und in den Tag gehen, als wäre es unser erster und unser letzter. Nichts ist selbstverständlich. Nicht die kleinste Kleinigkeit in unserem Leben. Alles sollten wir im Leben aussortieren – auch wohlvertraute Selbstbilder – bis wir nur noch das Wesentliche in uns tragen.

Und vergessen wir nicht: Wir berühren alle dieselbe Mitte. Wir atmen alle dieselbe Luft. Keine Schöpfung ist besser als eine andere. Es gibt nur die eine. Als Kinder sind wir eins mit allem gewesen. Später erst lernen wir, zwischen uns und den anderen zu unterscheiden, zwischen der Welt, die wir in uns tragen, und der Welt, in der wir uns bewegen. Wir sind Zäunebauer geworden, wir pflegen Grenzen. Einen Fluss interessiert unsere Zäune nicht. Er bewegt sich in der Ganzheit des Lebens. Wir sind immer vom Ganzen umgeben.

Haben Sie ihn schon einmal gespürt, diesen flüchtlichen Augenblick, in dem alle Dinge eins werden?  Die Weisen nennen dieses Frieden.

 

Ich zünde jetzt eine Kerze an und setze mich still an ein Fenster.
Freude scheint mir gerade, ist das Gefühl der Einheit.

 

 

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7 Kommentare zu “Mein Freund im Gaza

  1. arabella50 sagt:

    Ich fühle mit dir. Still.

  2. magguieme sagt:

    Sie leben! – Worte, dich mich aufatmen lassen, auch wenn es noch viel Frieden zu wagen gibt.
    Dir verbunden, Marga

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