Bis nur der Berg bleibt

elefan meditation

 

 

Bin ich jetzt wach?
Habe ich viele Millionen Jahre geschlafen?

 

Waren Sie schon einmal auf einem Berg? Ich war schon einmal auf einem hohen Berg. Für ein paar Tage. Acht Stunden aufwärts unter Afrikas Sonne.  Niemand sonst dort.  Niemand.  Was ich dort erblickte, erwartete ich in meinen kühnsten Träumen nicht. Meine Liebererklärung an den Rausch lautete damals: Danke, lieber Gott, danke, niemals war ich dir näher. So fühlte ich mich. Ich sang Miten & Deva Premal`s Song: There is so much magnificene near the Ocean…“
Eine zweite Welt lag hoch oben auf diesem Berg. Bis dahin dachte ich alle Berge haben oben nur eine Spitze und man muss sehen, dass man nicht herunterfällt. Dem ist ganz und gar nicht so. Weite begegnete mir. Wolken zum Anfassen, wunderschöne Bergseen, Wasserfälle, uralte Bäume, deren Wurzeln vier Meter aus der Erde wachsen, Farne zwei bis drei Meter hoch, tiefe Schluchten und weite Wiesen, auf denen Südafrikas schönste und farbenreiche Botanik  zu Hause ist.  Zwei Mal blinzelte ich am frühen Morgen. Nach der ersten Nacht auf hartem Holzboden kroch ich aus dem Schlafsack heraus.  Ich blinzelte mit den Augen,   um zu klären, ob ich wirklich bin , wo ich bin und sehe, was ich sehe. Vor mir lag der  Indische Ozean. So weit mein Auge reichte –  alles voller Meer. Die ankommenden Wellen dort tief unter mir  spürte ich bis hinein in mein Herz. Der Wind fegte mir die Zahnpasta um die Ohren und ich lachte so über alles Glück hinaus. Diese wunderschönen türkis- und königsblauen Farbinseln des Indischen Ozeans, diese unglaubliche Stille dort hoch oben auf dem Berg. Und ich meine  Stille. Sie machte mir bewusst,  wie laut wir in unseren Städten leben.  Über mir die Sonne, Millionen von  Pflanzen in leuchtenden Farben, die weltweit nur dort wachsen, schwimmen im kristallklaren Bergsee und duschen unter einem Wasserfall. In weiter Ferne ein Luchs, der mich wohl erblickte, sich aber nicht an mir störte. Dieses völlig andere Körpergefühl ist mir noch in Erinnerung.

Nie zuvor und nie, nie wieder danach fühlte ich mich so verbunden mit der Natur wie dort oben und überhaupt in Südafrika. Wir Stadtmenschen haben uns weit  entfernt von der Natur.  Ich durfte für ein paar Jahre im Einklang mit der Natur leben. Ich habe es nie vergessen, wie ich mich damals fühlte.

Heute ist wieder so ein Tag. Ich fühle mich heute wie ein Berg.

Wie fühlt sich ein Berg an?

Im Herbst ist der Berg manchmal von einem Mantel leuchtender Feuerfarben überdeckt, im Sommer liegt auf ihm kein Schnee. Gelegentlich ist der Berg von Nebel und Wolken umhüllt, oder Regen prasselt auf ihn nieder. Bergwanderer sind vielleicht von ihm enttäuscht, aber das ist dem Berg gleichgültig. Es ist ihm egal, ob er gesehen wird oder nicht, ob er im Sonnenlicht liegt oder von Wolken verüllt wird, ob es glühendheiß oder eiskalt ist – er sitzt einfach nur da und ist er selbst. Von Winden unvorstellbarer Stärke wird er umtost und manchmal sind es Stürme, doch sitzt der Berg unerschütterlich da. Der Frühling kommt, auf den Bergwiesen und Hängen erblühen die Blumen, und in den Bergbächen schießen gewaltige Mengen von Schmelzwasser zu Tal. Während all dieses geschieht, hört der Berg nicht auf dazusitzen, ohne sich vom Wetter und von dem, was auf seiner Oberfläche geschieht, beeindrucken zu lassen.
Wir erleben Zeiten des Lichts und der Dunkelheit, lebhafte Farben und düstere Dumpfheit. Wir erleben Stürme und Gewalt, in der äußeren Welt ebenso wie in unserem eigenen Leben und in unserem Geist. Wir stehen Zeiten des Schmerzes ebenso durch, wie wir Augenblicke der Freude und Hochstimmung genießen. Selbst unsere äußere Erscheinung verändert sicht ständig, so wie die des Berges, während er dem Wetter und der Witterung ausgesetzt ist. Wir neigen dazu alles persönlich zu nehmen, obwohl es weitgehend unpersönlich ist.

Wenn wir sitzen, können wir angesichts der Veränderungen in unserem Leben von Sekunde zu Sekunde, von Stunde zu Stunde die gleiche unerschütterliche Stille und Verwurzelung erfahren und aufrechterhalten.

In der Meditation werden wir selbst zum Berg.  Mit einem Höchstmaß an Gewahrsein begegnen wir unserer Stärke und Stabilität. Wenn wir uns unseres eigenen Berges bewusst sind, können wir zu einer tiefen Ruhe, Stille und Weisheit gelangen, und dies inmitten all der tosenden Stürme.

Wir sitzen zusammen, der Berg und ich.
Bis nur der Berg bleibt

 

 

 

 

 

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5 Kommentare zu “Bis nur der Berg bleibt

  1. arabella50 sagt:

    Ein kluger Artikel voller Leben und Liebe.
    Danke liebe Martina, ich nehme ihn mit in mein manchmal zu lautes Leben.
    Herzliche Grüße an dich.

  2. marieke2012 sagt:

    Liebste Martina!
    Oh, vielen Dank für die Reise auf den Berg in Afrika! Wie wunder-, wunderschön!!! Habe dein Lachen gehört und Deva und Miten. Dem Himmel so nah und diesen Schatz für immer im Herzen. Solltest du auf deiner Herzenskarte eintragen 😉
    Und das Bild vom Bergelefanten ist toll!!!

    • martinakunze sagt:

      „Every breath you take, every move you make….I ve been watching you….every word you say…“
      (Jazz version toooootal schön), zartes Saxophone- Solo setzt ein….Über deine Worte freue mich so sehr!!!!..Oooh ja, eine wirklich schöne Idee, von dir, danke, ich werde dieses Gefühl in die Herzkarte eintragen, du Liebe. . 🙂 e-e-e -very move you make….I v been….dubbi duuuu…Ich schwimme gerade mit diesem Song in meinem Alone time lake. hee.hee. Next song .Trying to be me. Doing the best I can. ……been around, up and down in sideways too…….I wrote it on a peace of paper .but it didn`t get me through.

      Deva und Miten: ja–aa, stimmt – du hast sie …in der Bahn..837, 8.41 Uhr…:) Ich liebe ihre Musik.

      Viele Schätze – es gibt sie. Auf ewig bleiben solche Gefühls-Erinnerungen im Herzen. Wahrlich, liebste Marieke, es war genau so: wunder – schön!!
      Atemberaubend, eine Reise iin ein noch ganz anderer Welt. Eine Reise in ein neues Körpergefühl, eine Reise auch zu mir. Der See dort oben hätte dir sehr gefallen. Näher konnte man dem Himmel nicht sein – so fühlte ich mich dort oben. Bunteste Wiesen, alles unberührt, alles lächelte. Dort wirst du eins mit der Landschaft und begreifst, welche Naturkräfte am Wirken sind und wie sehr sich unserer Herz nach dieser Verbindung sehnt.
      Raus aus dem Alone time lake, ab in den Sea of books.
      Schön, dass du gerade mitgeschwommen bist. 🙂

      Ja, das Foto vom Bergelefanten liebe ich geradezu….wie ich Elefanten sowieso immer schon liebte….Einem Elefanten in die Augen sehen zu dürfen, ist …mmh, ist wie..wie… auf dem Urgrund deiner Seele anzukommen. Ich verneige mich vor ihnen. Ich meine, was ich hier schreibe.Und auf ihm zu sitzen und mit ihm in schwingenden Bewegungen barfuß durch den Dschungel zu reiten, ist wie einmal quer durch die Landkarte meines Herzens zu rutschen, die Nektarblase meines Herzens platzte auf – es erblühte eine Lotuspflanze…..

      So wie deine wunderschönen Drachen-Wolken-Fotos …..“Flieg Traum, flieg hoch und höher“……(dein Blick auf jenen Moment hat mich sehr berührt.)
      Danke, liebe Marieke

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