Im Alltagsgetriebe der Egoismen

aufhelfen

 

„Was tut man eigentlich gegen einen miserablen Ruf?“, fragte sie mich.
„Was sagt man denn so über dich?“, fragte ich zurück.
„Heuschrecke nennen sie mich. Ich sei ein Toffee-Bombe, sagen sie! Kurzatmige Krähe nennen sie mich auch. Die Vorwürfe gehen derartig an der Wahrheit vorbei“ Sie schnaufte ein wenig.
Ich musst nachdenken. Warum eigentlich?
„Ach, Vorurteile sind so alt wie die Menschheit. Manche Ereignisse sind absehbar“,sagte ich.
„Was meinst du damit?“, fragte sie.
„Auch wenn du dich dagegen stemmst, du kannst sie nicht aufhalten, meine ich damit.“
„Ich soll sie hinnehmen?“, fragte sie. Sie glaubte, ihre Adern im ganzen Körper zu spüren.
Ich nickte. „Ja, nimm sie hin.“

fraucomiic3
„Ich will aber nicht falsch beurteilt werden!“ Hastig schlürfte sie ihren Tee.

„Erwartungen machen manipulierbar. Bleib gelassen. Was hast du davon, wenn du dich aufregst? Dir geht es schlecht und diese Leute sitzen bereits in bester Laune im nächsten Cafè“, antwortete ich.

„Du hast leicht reden! Es ist deren Ehrgeiz, deren Neid. Menschen sind so gierig auf die Idee, andere zu besiegen, dass sie alles rundherum vergessen. Sie drücken der Welt ihren Stempel auf und blicken auf andere hinab. Sie neiden den Aufstieg des Kollegen. Sie erklären scheinbar tüchtige Mitarbeiter zu Strebern. Jeden Fehler werden sie versuchen aufzudecken, jeden seiner Schwächen offenlegen. Klingen tun sie aber schon zumeist anders: honigsüß. Der Neid wird mit Schokoladenüberzug verschönert. Vertrauen wird missbraucht, um dem Kollegen zu schaden. Sie gehen tausend Meilen ohne einen Schritt zum Herzpunkt “ Sie seufzte laut und vernehmlich.

„Neid begegnet dir schon in der Sandkiste. Dort zertritt dir ein kleines Kind deine Sandburg, weil der Burggraben fehlt. Denk`daran, es gibt ein physikalisches Gesetz: Energie geht nicht verloren. Brüte nicht darüber, ebenso mit Gehässigkeiten zu reagieren. Sonst bist du es, die am Ende von Schwärmen von „Wespen“ umgeben ist.“

„Wespen? Du sprichst in Rätseln.“

herzkaffeemaedchen„Na, die hitzigen, hasserfüllten Gedanken, die wie Wespenschwärme in der Atmosphäre umherschwirren und ihresgleichen suchen. Sie landen eventuell gar nicht bei jenen, sondern überall dort, wo sie „Entsprechendes“  eine gleiche oder ähnliche Gedankenwelt antreffen. Sie spritzen ihr Gift dort hinein, wo sowieso schon Neidgedanken oder Hassgedanken vorhanden sind – alles kommt noch mehr in Wallung. Gift stachelt Emotionen an.
Und ja, die meisten Menschen glauben, das Größte, was man erreichen kann, sei es, der Welt seinen Stempel aufzudrücken. Es gibt aber auch Menschen, die der Auffassung sind, das Größte, was man erreichen kann, sei es zuzuhören und diese Welt zu verändern, indem man in sie hineinträgt, was kein anderer hören kann. Sie bringen einen Zauber mit Erkennungszeichen in diese Welt, eine Frische, die solchen Menschen im Alltagsgetriebe der Egoismen dermaßen beunruhigend und unpassend vorkommt, dass sie verzweifelt verspüren, diesen Zauber anpassen zu wollen und irgendwann erkennen: Nicht der Zauber muss sich ihnen anpassen. Sie bedürfen der Ergänzung.

Die erste Regel: Habe Respekt vor dir selbst!  Die zweite Regel: Es ist manchmal gut, Ruhe zu bewahren und eine Situation auszusitzen. Auch damit hinterlässt du Spuren. Oder sage ihnen mit Überzeugung, wie richtig sie liegen. Genau, das wollen sie  nämlich nicht hören.Aber kämpfe nicht mit ihnen. Lass dich von ihnen nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Schau mal unter deinen Freunden und Bekannten, gibt es da einen, von dem du wirklich sagen könntest „Er redet niemals schlecht über irgend jemanden?“ Mir ist in meinem Berufsleben nicht einer begegnet, der nicht missbilligende Kommentare über Personen oder Prinzipien von sich gegeben hat. Manchmal ist die Kritik bösartig, manchmal ist es heftiges Mobbing, häufiger handelt es sich um beiläufige Krittelei, eine Tendenz, eine Überzeugung und Handlungen eines Menschen herabzusetzen. Dieses Herumnörgeln an anderen gibt scheinbar einigen ein Gefühl der Stärke? Egal, was die Gründe sind. Es ist immer eine Übertretung des Gebots „Liebt einander.“ Es ist ein Stolperstein auf dem Weg zu spiritueller Reife“, sagte ich.

„Keiner ist gerne der Kritik ausgesetzt! Keiner!“, sagte sie.

„Ja, umso erstaunlicher ist es.  Was für ein Recht habe ich, der ich so unvollkommen bin, über die Unvollkommenheit eiens anderen zu urteilen? Welches Recht habe ich, in den scheinbaren „Fehlern“ anderer herumzustochern?  Warum kehre ich die Situation nicht um und bemühe mich, statt gedankenlose, abschätzige Kommentare abzugeben, mich in die Welt des anderen hineinzuversetzen?  Wir neigen dazu, äußerlich wahrzunehmen. Wie die Pharisäer urteilen wir  „nach dem Fleisch“ statt hinter den Anschein zu schauen.
Oh ja,  es gibt sie die Klatschtante. Klatschen wir nie? Und was ist mit den anderen Charakterzügen der Person? Was gibt es Gutes über sie zu sagen?
Ja, wir sitzen auch manchmal vor „Maschinen“  und nicht vor Menschen. Sie schaffen es nicht einmal bei Eintreten in ihre Büros von ihrem Schreibtisch aufzusehen, eher irritiert über die Unterbrechung  – und genau solchen Leuten soll man etwas Persönliches über sich erzählen. Schnell ist das Urteil gefällt. Ja, wir  stehen  auch vor Menschen, die ihrer Tätigkeit im Moment unseres Aufeinandertreffens kein Lächeln abgewinnen können. Und sofort sind wir empört über ihre Unfreundlichkeit. Sie sind nicht so grimmig wie sie scheinen. Vielleicht sind sie überarbeitet, vielleicht sind  ihnen seit Wochen selbst  nur Unfreundlichkeiten und nicht lächelnde Menschen an ihrem Arbeitsplatz begegnet, die alle unter Zeitdruck stehen und die ihren ganz persönlichen Dampf  nur allzu gern an den Arbeitsplätzen dieser Menschen ablassen?  Was wissen wir denn davon, wie sich ein Tag anfühlt, an dem nur „Grummelinge“ und „Kritter“ an ihnen vorbeiziehen? Was wissen wir denn davon, was sie gerade „unter ihrer Nase haben“?
Begrüßen wir den Menschen in ihnen.

Ein Meinung zu äußern ist etwas anderes als herumzukritteln. Das Motiv ist ein anderes. Meinung entspringt dem Wunsch, die „Wahrheit“ ans Licht zu bringen, und nicht dem Wunsch nach Selbstverherrlichung. Geistige Selbsterforschung, um die eigenen Motive ausfindig zu machen, führt uns auf den Weg, ob wir ein „Wahrheitssucher“ oder ein „Krittler“ sind. Ist das Motiv gezielte Boshaftigkeit, Überlegenheit beweisen zu wollen? Ist es eine Gewohnheit geworden?

Lasst uns verstehen, worin wir irren.

Damit du es morgen weißt: Der Himmel ist über dir, der Wind weht, die Vögel singen und dein Herz kann sich für die Liebe und das Mitgefühl entscheiden.  (Danke an die Schauspielerin Marieke Oeffinger, die mich mit ihren wunderbaren „Kissed by Murphy“ und „Kirchengeschichten“  an diese „einfache“ Wahrheit erinnerte. )

 

Werbeanzeigen

7 Kommentare zu “Im Alltagsgetriebe der Egoismen

  1. arabella50 sagt:

    Liebe Martina,
    1.Danke
    2.ich weißte gar nicht, dass wir in der gleichen Firma arbeiten
    3.du und ich (und natürlich andere auch noch) werden höchstwahrscheinlich mit dem Gedanken der Zufriedenheit, der Dankbarkeit und es inneren Friedens aus dieser Welt scheiden.
    Ich kenne einige, die eventuell denken könnten, Mist, ich wollte dich noch das 651.Kleid vorführen um Frau X.endlich zum Neiden zu bringen.
    4.Da ich weiß, dass ich nicht allein so denke, weil du das Gleiche denkst, fühle ich mich wohler und erleichtert.
    5.Bitte mehr davon.

    • martinakunze sagt:

      Liebe Arabella,

      hahahahahaha, ich hatte keine Ahnung, dass ich deine Firma so gut kenne. 🙂
      ich glaube, diese Geschichte kann für fast jede Organisationsform geschrieben werden, in der mehr als zwei Menschen tätig sind.
      Ganz lieben Dank für deine Punkt 1-5 Anmerkungen. 🙂
      Ich wünsche mir , dass mit all jenen Gefühlen und dem Gedanken der Zufriedenheit aus diesem Leben scheide und mit einem Gefühl der Demut. Ich hoffe, sie gehören schon zu Lebzeiten in mein Leben. 🙂
      Ja, das 651 Kleid, der größere Wagen, ein Urlaub mehr als mein Nachbar, den besseren Rasenmäher, die teurere Kosmetik, meine Kinder sind schlauer als die meiner Schwester, sie hat sechs Ringe von ihrem Mann geschenkt bekommen, du hast mir nicht mal zwei…, unser Chef hat sie zweimal angelächelt, mich nur einmal..

      Es gibt den, der andere zum Neid bringen will und es gibt den vom Neid geprägten.

      🙂 Punkt 5: Du bringst mich zum Lachen. Oooka–y, ich bin bemüht.

      Allerliebstes dir.
      martina

  2. marieke2012 sagt:

    Wunderbar liebe Martina 😀
    Da hab ich heute in meiner App „Wise Oracle“ (von meinem Lama Gangchen) genau die passende Tagesweisheit gelesen:
    „Work on keeping your inner smile. When others overwhelm you with negative information, don’t drink from their energy: it damages the body just as much as an intoxicant!“
    Auf weitere wundervolle gegenseitige Inspiration und Schubbser und auf all die Engel in der Luft.

    • martinakunze sagt:

      Liebe Marieke,
      herzlichen Dank für die absolut passende Tagesweisheit. Ich wüsste keine bessere Ergänzung. 🙂
      Was es alles für Apps gibt. Bald fahren wir unser Mobile Phone aus und dann breiten sich Kochlöffel vor unseren Augen aus , die nach Anleitung einer App für uns kochen.

      Ja bitte, auf weitere wundervolle gegenseitige Inspiration. Ging mir nicht aus dem Kopf…Liebe und Mitgefühl.. Amma…fehlende Liebe….Danke, Marieke. Auf all die Engel der Luft. 🙂 Ja….!!!!
      Lächelnd.
      Achte den morgigen Tag. Er ist dein Leben.
      Martina

      Keine App, live in der Bahn auf der Fahrt nach Köln:
      Eine Lehrerin unterrichtet Persisch.
      Sie sagt ihren Schülern: .
      „Ihr lernt hier nicht Buchstaben. A, B, C, D.
      Ihr lernt hier Buchstaben der Menschlichkeit, Buchstaben der Liebe und Buchstaben der Freundlichkeit und Buchstaben des Friedens.“
      Mein Herz schlug über….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s