Lebenswirklichkeiten von Palästinensern, Teil 1

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Give back Israel. Give back what belongs to the Palestinians: Equal Rights.
Share resources and prosperity, you lived on for so many years.

 

 

Palästinenser – gefangen zu Land, Luft und See.
Drei Stunden Strom am Tag im Gaza vor dem Krieg, jetzt gar keinen, weil das E-Werk zerbombt ist.
Kein sauberes Wasser -68 Brunnen sind bombardiert. Seit Wochen kein Müll verbrannt. Infektionen, die sich ausbreiten.
Schon vor diesem Massaker war Trinkwassersituation im Gaza katastrophal.  In weniger als sechs Jahren,  sagt die UN,  wird der Gaza kein Platz mehr zum Leben sein.  Was diesen Menschen  in den letzten 67 Jahren an Unrecht widerfahren ist, das können Worte nicht fassen.
Jetzt wieder: Zehntausend beschädigte Wohnungen, beschossene Krankenhäuser, Betriebe, die stillstehen. Hunderttausende von Menschen, die traumatisiert sind. Mehr als die Hälfte der Bevölkung ist unter 18 Jahren. Von den etwas 2000 Toten seien knapp 81 Prozent Zivilisten, heißt es. 95 Prozent der Verletzten sind ebenso Zivilisten. Die Israelis bestreiten dieses. Ich frage mich, woher sie das wissen wollen? Da werden jetzt von Seiten der Palästinenser Totenscheine mit den Augenzeugen und Verwandten abgesprochen, verglichen, um festzustellen, ob sie der Hamas nahstanden…Das ist Wahnsinn.
Ein Niederländer, der eine israelische Auszeichnung zurück gibt. Seine Familie versteckte damals eine jüdische Familie. Seine Nichte ist mit einem Palästinenser verheiratet. Sechs ihrer Familienangehörigen wurden bei in diesem Krieg durch einen Bombenangriff getötet.

All die Jahre knallharte Blockaden des Gazastreifens – und die Welt hat zugesehen. Sie wundert sich allerdings, dass die Hamas irgendwann mit  Raketen schießt.  Dieser Krieg ist kein religiöser Krieg. Das war er nie. Sehr wohl, wird er- wie immer- politisch instrumentalisiert. Ja, es gibt die radikale Hamas. Es gibt aber genauso auf israelischer Seite Parteien, die von rassistisch -religiös-nationalen  Ideologien geleitet sind.

Es ist ein Leben zwischen Beton und Stacheldraht und seit so vielen Jahren, zwischen Check-Points und täglichen Diskriminierungen und Schikanen von Seiten der Israelis. Familien, die durch Zäune getrennt wurden. Keine ausreichende Medizin, Fischer dürfen nicht mehr fischen, jeder Tropfen Wasser wird von Israel kontrolliert.  90 Prozent für die Israelis – 10 Prozent für die Palästinenser. Das ist Apartheid-Politik. Tagelanges Warten an den Check-Points. Dreimal wieder zurückgeschickt – ohne Begründung. Mal vier Stunden dort stehen und warten, es können aber auch acht Stunden werden. Begründungen gibt es nicht von Seiten der Israelis. Wie jene Palästinenserin, Hidayat Schamuun, in ihrem Brief schilderte. Seit acht Jahren lässt man sie nicht ausreisen. Sie kann darum ihre Doktorarbeit nicht schreiben. Es ist ein Leben, in denen ihnen formell Land enteignet  oder durch wilde Aneignungen Land und damit ihr Lebensraum weggenommen wurde. Davon hängen auch Ansprüche ab, ob man als Bevölkerung ein „Volk“ ist.

Die Expansion der Israelis treibt voran, durch staatliche und militärische Zonenordnungen, und auf der privaten durch systematisch betriebenen Landerwerb. Ihre Bürger werden bevorzugt. Sie erhalten Steuervergünstigungen und können bestimmte Infrastrukturen und Sicherheitsvorkehrungen in Anspruch nehmen.

Die Kriegstaktik des Militärs „Verbrannte Erde“. Ja, die haben sie wohl jetzt hinterlassen.

 

 

„Selbst Schuld“, hörte man damals und hört man dieser Tage wieder so manche sagen. Was habt ihr den Teilungsplan von 1947 abgelehnt. Die Zionisten sagten damals Ja.  Gibt es Palästina überhaupt, las ich an mehreren Stellen. Wer sind denn Palästinenser?
Welche Sprache sprechen sie? Wo ist ihr Land? Wer war ihr Präsident? Wenn Sie mir diese  Fragen beantworten können, dann gibt es sie..“  Damit wandte sich ein Blogschreiber an seine Leser.

Ihnen widme ich heute diesen Beitrag

  • Bis heute ist Israel kein „kompletter Staat“, fehlt ihm das verfassungsmässig festgelegte Staatsgebiet.
    Wer war der Präsident von Israel vor 1948?
  • Wer Palästinenser zu einer Ethnie im Land Israel machen möchte, dem sei gesagt:
    Dann ist Israel auch deswegen keine komplette Nation, weil dazu auch die behutsame Integration von immer weiteren Teilen der Bevölkerung (Ethnien) gehört. Davon kann ja nun keine Rede sein
  • Will man behaupten, dieses Land gehöre Israel, müsste es hierzu Bemühungen geben.
    Darum ging es nie, wie wir alle wissen
  • Um einen Staat zu gründen, braucht es Macht, um Herrschaft zu legitimieren.
    Israel bekam 1947 große Unterstützung von Amerika und der UN.
    Darum – und nur darum konnte Israel 2008 60 Jahre Staatsgründung feiern. Palästina wartet seit 1947 auf  seinen Staat. Eigentlich seit 1915, denn schon damals versprachen die Briten ihnen Land und Unabhängigkeit. Die Briten waren damals Mandatsträger von Palästina.

 

golda meirGolda Meir, einst Ministerpräsidentin, behauptete damals auch, es habe Palästinenser überhaupt nicht gegeben.
Palästina sei ein Schimpfwort der Ägypter gewesen, um sie zu ärgern, sagte sie damals. Es sei ein „gehässiges Wort“ gewesen.

Komisch, wie kommen Ägypter auf ein solches Wort?

Israelis  verweisen auch gerne an eine PLO- Aussage von Ahmed Shuqeiri, der spätere Vorsitzende der PLO,  Der habe vor dem Sicherheitsrat wenige Jahre nach 1947 gesagt: „Jeder weiß, dass Palästina nichts anderes ist als das südliche Syrien.“

Wissenschaftler sagen,  Palästina leitet sich von dem Wort „filistino“ ab.  Es meint „Philister“.

Biblisch begründen Israelis ihren Anspruch auf das Land.

Es ist das Land, das ihnen Gott verheißen hat. Es ist das Land, in dem „Milch und Honig fließen“. Siesind das „Auserwählte Volk Gottes.“

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Grab von König David. Zionsberg

Bevor König Saul und danach der Soldatenführer und spätere König David etwa zwischen 1200 und 1000 v. Chr.  nach und nach Gebiete des  Landes  e r o b e r t e n, soll es ein mächtiges Philisterreich gewesen sein. Die Nachfahren Abrahams  führten einige Eroberungskriege und unterwarfen das Land auf Kosten ihrer Nachbarvölker.
Die Erben Abrahams nutzten damals ein Machtvakuum aus. Es gab zuvor Nicht-Juden in dem Land. Es gab immer auch Nicht-Juden in dem Land. Es gab vor ihnen bereits ansässige Bauern wie es auch Nomaden gab.
Abraham, Isaak und Jakob sollen etwa um 1500 v. Chr. aus Mesopotamien/Irak eingewandert sein. Sie waren  Nomaden, sagen Wissenschaftler. „Ein umherirrender Aramäer war mein Vater“, so heißt es im Deuteronomium, im  fünften Buch Mose.

Heute sagen uns Archäologen, die ihre Funde zum Teil auf  4000 bis 10.000 Jahre v. Chr. datieren, die gesamte aufgestellte Zeitrechnung von Kulturen, von Hochkulturen muß neu datiert werden.

Zwischen den Geschehnissen und den Büchern Moses liegen tausend Jahre, sagen uns Wissenschaftler. Das Alte Testament wurde weitgehend im Exil geschrieben. (Assyrer, Babylonier)
Könnte es  nicht  sein, dass man sich hier und da ein wenig in der Geschichte geirrt hat? Kann man ja mal fragen, nicht wahr!

Ich sehe in den 3000 Jahren Geschichte um Jersualem kein Land, in dem Milch und Honig geflossen ist. Ich sehe es auch jetzt wieder gerade gar nicht und all die letzten 70 Jahre sah ich  nur für einige Wenige  Milch und Honig fließen. Ich sehe ein Land, in dem fast ausschließlich Gewalt und Blutspuren hinterlassen wurden. Und gerade wieder Schreckliches geschieht.
Ich sehe kein „auserwähltes Volk Gottes“. Also jedenfalls kann ich mir nicht denken, dass Gott seinen „Auserwählten“ gesagt hat, sie sollen andere Menschen hinter Zäune und Mauern einsperren und sie zerbomben. Ich kann mir nicht denken, dass Gott ihnen gesagt hat, sie sollen sie diskriminieren und wie Menschen zweiter oder dritter Klasse behandeln.

 

 

Nichtbiblische, historische Fakten

jerusalem 2

Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung gestellt werden

Es gibt Palästinenser.

1886 machten sie 95 Prozent der Bevölkerung in Palästina aus.
Um 1880 lebten 10.000 Juden in Palästina.
1947 waren es  600.000.

 

„Was können wir für den Antisemitismus in Europa und in Polen?“, fragten die Palästinenser damals.

In Deutschland lebten jüdische Bürger:
1820 220.000
1871 512.000
1910  615.000
Tendenz steigend.

Zwischen 1924 und 1932 begannen die ersten Einwanderungswellen nach Palästina.

Es gab eine reiche jüdische Kultur in Deutschland und vor allem in Polen. Vermutlich würden diese Menschen noch heute unter uns  in dieser starken Zahl leben, wäre das Schrecklichste vom Schrecklichen nicht in unserem Land und in Europa geschehen.
Antisemitsmus gab es nicht erst seit 1930 in Europa. Das Wort gibt es seit 1880.  Judendfeindliche Stimmungen  lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen.  Worte reichen nicht, um das zu fassen, was damals an Schrecklichem und an Unrecht von NS-Deutschland ausging.

Man kommt dennoch nicht umhin, zur Kenntnis zu nehmen, dass Palästinenser – mehrheitlich – für viele, viele, Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende  in dem Land am Mittelmeer  lebten.

juden in afrika

Ein jüdisches Dorf in Äthiopien von H. A. Stern, Wanderings Among the Falashas in Abyssinia London, 1862, Wikipedia.

 

Wo lebte die jüdische Bevölkerung vor 1947?

Vom 11. bis 20. Jahrhundert lebten 80 bis 90 Prozent der Juden in Afrika, Indien, China, Nord-und Südamerika, Australien,  Europa, Polen war ein jüdisches Zentrumsland, in der Sowjetunion, im Orient, in Persien lebten. Es gab von 1825- 1925 einen jüdischen Europäisierungsprozess in ungeahntem Ausmaß.  Auch Amerika war das favorisierte Land.

 

 

 

  • Achtzig bis neunzig Prozent der Juden lebten im 12.Jahrhundert noch im Orient und in Nordafrika.
  • Ende des 15. Jahrhunderts zählte das Gesamtjudentum nur noch eineinhalb Millionen Menschen. Hiervon lebte die Hälfte bis höchstens zwei Drittel im Orient, der Rest in Europa. Etwa 25.000 lebten in Italien.
  • Im 18.Jahrhundert lebte die Hauptmasse des Volkes, etwa 1,5 Millionen, in Polen; 1/4 Million war auf West- und Mitteleuropa verteilt, 3/4 Millionen lebten im Orient (Vorderasien, Indien und Nordafrika), davon nur 10.000 Juden in Palästina
  • Es weist im 19.Jahrhundert eine starke Wachstumstendenz auf.
    Von 1825 bis 1925 steigt die Zahl von 3.281.000 auf 14.800.000.
  • 5 Millionen lebten in Polen und der Sowjetunion.
  • In Europa stiegen die Zahlen in diesem Zeitraum von 2.730.000 auf 9.296.000
  • In Amerika von 10.000 auf 4.230.000
  • In Asien von 300.000 auf 662.000
  • In Afrika von 240.000 auf 448.000
  • In Australien von 1.000 auf 20.000.
  • Das Einwanderungsland par excellence, Amerika, zeigte das stärkste Wachstumstempo, es folgt in großem Abstand Afrika und Asien.

 

Die Zahlen vor dem 11. Jahrhundert sind mir nicht bekannt.

palaestina zu jesu zeitVermutlich lebten sie schon viel früher in Ländern entlang des Mittelmeeres, denn die 3000-jährige Geschichte Jerusalems ist eine Geschichte der Fremdherrschaft, Eroberungszüge. Alle Herrscher hinterließen  Blutspuren. Es wird einem schwindlig, wenn man sie liest.

Juden, Perser, Griechen,  600 Jahre Römer und das christliche Byzanz,  gefolgt von  Eroberungen der Araber, wieder Byzanz, Kreuzfahrer, Abbasiden, muslimische Mamluken, die Ägypter, Türken, Engländer.  Byzanz kämpfte gegen sunnitische Seldschuken. Rom gegen Persien, Richard Löwenherz belagerte  Städte in Palästina, Friedrich der II,,  die Franken, die Seldschuken von Damaskus, das ägyptische Fatimidenreich unterwarf  979 Syrien und Palästina. Es bedeutete fünf Jahre Verfolgung der Christen und Juden. Es war die Zeit der Pogrome. Es gab auch christen -und judenfreundliche Zeiten und Zeiten der politischen Stabilität. Es gab Zeiten, da spielte Jerusalem keine politische Bedeutung, da waren es palästinensiche Städte wie Ramla und Tiberias.
Selbst als Juden ihre  (eroberten!) Königreiche führten, gab es Unstimmigkeiten. Davids Sohn erbaute um 969-930 (1 Kön 8) einen Palast und den ersten Tempel für JHWH (G`tt).
Jerusalem wurde damals das Zentrum des Judentums. Danach spaltete sich das Königreich in die Staaten Juda (Süden) und Israel (Norden). Jerusalem wurde die Hauptstadt des Südreiches. Die Stadt Samaria das Zentrum des Nordens.

David entmachtete zunächst einmal Saul und eroberte dann Jerusalem. Zuvor entmachtete er die Amalekiter und Philister und weitere Stämme. (1 Sam 16ff).  Der Regierungssitz wurde danach – also um 1000 v. Chr.  von Hebron nach Jerusalem verlegt. Dort legte kein Stamm der Israeliten Besitzansprüche. Fortan nannte er seinen Regierungsitz „Davidstadt“.
Keine vierhundert Jahre später wurde der erste Tempel zerstört, es ging ins babylonische Exil. Knapp 50 Jahre später durften man zurück und den zweiten Tempel aufbauen. 70 n. Chr. verwüsteten die Römer das Land.

Westjordanland wird heute  von Israelis bewusst Juda und Samaria genannt, um darauf hinzuweisen, dass es einst jüdisches Land war.  Es scheint, glaubt man den Historikern,  da gab es zuvor noch andere Stämme…

 

1898 jedenfalls schlug Theodor Herzl der Begründer der zionistischen Bewegung Uganda als „Heimstätte für Juden“ vor. Gruppierungen innerhalb der Bewegung lehnten dieses 1905 ab.

 

Es gibt Palästinenser, die können ihre Ahnen aus dem Jahre 639 benennen und erzählen, wie diese auf dem Pferd mit dem Kalifen Omar in die Stadt ritten, um die heilige Stätte den Byzantinern zu entreißen. Das arabische College in Jerusalem besaß die älteste Bibliothek des Landes.

 

Die Einwanderung ausländischer Juden wird forciert
Ein Beispiel:

juden in afrika

Häuser von Juden in Äthiopien

Beta Israel (Haus Israel) sind äthiopische Juden.
Ein Königssohn aus Äthiopien besuchte seinen Vater Salomon in Israel und dann kam er zurück nach Äthiopien begleitet von  israelitischen Erstgeborenen,  als deren Nachkommen sich die Beta Israel betrachten. Während des Mittelalters bestand bis 1616 ein jüdisches Königreich in Nordwest-Äthiopien. Ihre Zahl wurde im 16. Jahrhundert noch auf 250.000 geschätzt. 2010 lebten etwa 120.000 von ihnen in Israel.

Seit 1977 wurde von der israelischen Regierung unter  Menachem Begin intensiv um die Erlaubnis der Auswanderung verhandelt. Von 1977 bis 1984 kamen über 8000 Falaschen nach Israel, im Tausch gegen Waffenlieferungen an die äthiopische Regierung.
1984 wurden per Luftbrücke weitere 8000 äthiopische Juden aus dem Sudan nach Israel geflogen. (Operation Moses). Nachts im Geheimen flog man.  Im Mai 1991 flog man 41 Flüge um 14.324 Juden von Addis Abeba nach Tel Aviv zu fliegen.  Von 2011 bis 2012 wurden weitere 7846 nach Israel gebracht.

Sie sollen unter Diskriminierung zu leiden haben. Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert ihre bessere Integration.
 
Nach fast drei Jahrzehnten hat Israel die organisierte Einwanderung äthiopischer Juden im Jahr 2013 beendet. Aktion Taubenflügel nannten sie diese.  Die letzten 450 Juden  wurden aus Äthiopien eingeflogen.
 
 

Israel verweigert noch heute vehement die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge. Dies ist eine Bedingung , will Palästina Staat werden. Humanität fällt der Angst vor der Minorität zum Opfer. Es lässt sie vergessen, dass sie selbst einst empört aufschrien, als die Briten während der großen Einreisewellen die Rückkehr der Juden in „ihr Land“ als „illegal“ bezeichneten.

 

 

 Palästina heute

gaza palestine

Palästina vor 1948 und heute

 

 

Palästinensische Flüchtlinge

Weltweit gibt zwischen 10-12 Millionen Palästinenser.

palestine worldwide2

Quelle: arte.tv. Danke.

Knapp die Hälfte der heutigen Palästinenser (41 %)
sind  Flüchtlinge.

Sie leben seit 1947/1948  als Flüchtlinge in Jordanien, in Kuweit, im Libanon, in Syrien, in Saudi-Arabien, in Ägypten, in Oman, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Libyen und in Qatar. Dort leben sie in der Diaspora.
Selbst im kleinen Gaza-Streifen gibt es ein Flüchtlingscamp. ebenso im Westjordanland.

Vor 1948 lebten 500.000 Palästinenser im Westjordanland. Mehr als 1300 Jahre. Nach dem ersten Krieg von 1948 flüchteten  400.000 oder sie wurden vertrieben.

1948 wurde die Flüchtlingshilfsorganisation der UN eingerichtet.

 

 

 

Seit 1948

Vergessen von der Welt

palestine libanon

Menschen mit provisorischem Status. Es ist ein politischer Skandal. Quelle arte.tv.

 

Seit 1948 leben die Flüchtlinge des ersten israelisch-arabischen Krieges in Flüchtlingcamps im Libanon. Ein Teil von ihnen darf man als Elendsviertel bezeichnen. 15  Camps sind nicht von der UN anerkannt. 12 werden von der UN versorgt. Diese Menschen  haben keine Rechte. Zwei Drittel leben unterhalb der Armutsgrenze. Viele von ihnen kamen im Elend der Lager um.
Auch 1970, als das nächste Grauen in Jordanien, in der Stadt Amman geschah- damals von ihren eigenen arabischen Brüdern.

 

Wir lesen von  UN-Teilungsplänen und Verhandlungsgesprächen und Besorgnissen, die Staatspolitiker aussprechen. Über den Fernseher laufen so viele grausame Bilder, dass wir sie überhaupt nicht mehr als Einzelschicksale von Menschen wahrnehmen.
Ich schreibe von 400.000 Menschen, die  flüchteten oder  vertrieben wurden. Was sagt dieser Satz schon aus? Ja, eine große Zahl von Menschen….Hinter jedem dieser Menschen steht ein persönliches Schicksal. Und von diesen hören wir so gut wie gar nichts.
Da ist eine Frau 1940 geboren und muss 1948 mit ihrer Familie fliehen, nah Gaza wird sie an der Front gestoppt und lebt danach für viele Jahre getrennt von ihrer Familie allein bei Nomaden in der Wüste Negev. Ein acht Jahre altes Mädchen. Dann zieht sie allein ins Westjordanland, heiratet dort irgendwann.  1967 marschieren dort die Israelis ein. Sie flüchtet mit ihren vier Kindern und ihrem Mann in den Südlibanon.  Dort lebt sie zum ersten Mal in einem Steinhaus. Ihr Mann gehört inzwischen zur PLO. 1978 fallen die Israelis in das Land ein. Sie flüchtet nach Beirut. 1982 kamen die Israelis auch dorthin. Kein Wasser, kein Strom, nichts mehr zu essen. Die Kinder durften nicht mehr mit libanesischen Kindern spielen. Ihr Mann war weit weggeschafft. PLO Kämpfer wurden damals auf Schiffe verfrachtet mit trotzigem Victory-Sieg-Zeichen und Salven verabschiedet, in Siegerpose.

Lesen Sie bitte das Folgende. Es gibt ein Bild von dem, was die Menschen damals durchleben mussten.

November 1947.  UN-Teilungsplan.

 

Es soll einen  israelischen und einen palästinensischen  Staat geben. Jerusalem soll unter internationale Verwaltung gestellt werden.
Die arabischen Staaten lehnen ihn in der UN-Vollversammlung ab. Der Plan wird nie umgesetzt.
Als der Plan bekannt wird, kommt es zu Unruhen.

„Jehud alaina“  – die Juden kommen. Tausende von Arabern liefen geschockt aus ihren Häusern. Erst eine Woche war es her, dass eine Hundertschaft der jüdischen Terror-Organisation Irgun und Stern-Bande ein Araberdorf westlich von Jerusalem überfallen hatte.  Sie wollten dem Raum um Jerusalem araberfrei machen, den Arabern das Fürchten lehren und sie so zur Flucht treiben.

Die Bewohner hatten sich bis dahin strikt aus den Kämpfen herausgehalten.

Von drei Seiten fielen sie schießend und Handgranaten werfend in den Weiler ein. Sie metzelten alle nieder. Alles, was sich im Dorf bewegte, wurde getötet. Kinder wurden in Stücke gehackt, Männer durch Genickschuß getötet, schwangeren Frauen wurde der Bauch aufgeschlitzt. Jene Männer dieser Einheiten vergewaltigten Schulmädchen und rissen Frauen die Ohrläppchen ab. Sie sprengten Häuser samt ihren Bewohnern in die Luft.

Kein böser Film. Das sind harte Fakten aus der damaligen Zeit. Das berichteten nicht arabische Märchenerzähler. Das Grauen in Deir Jassin verglich der britische Historiker mit dem Wüten der SS-Zeit. Schweizer Rotekreuzhelfer berichteten. Sie waren Augenzeugen. Sie sahen wie Kindern Füße abgehackt wurden. Ein jüdisches Mädchen stach auf ein altes Ehepaar ein.

 

avraham tehomi

Commander der Irgun-Terrororganisation

 

Alle waren geschockt.  David Ben-Gurion schickte ein Telegramm. Der Ministerpräsident Begin verteidigte später diese Schlächter und befand: „Ohne Deir Jassin hätte es kein Israel gegeben.“

Die Palästinenser flüchteten danach in Massen. Sie hatten panische Angst.

david Raziel

Commander der Irgun-Terrororganisation

 

 

Das ist auch neu für mich. Darum wusste ich bis vor zwei Tagen nicht.

Man erhält eine vage Ahnung davon, was sich in jenen Jahren noch alles abgespielt haben wird.  So sah Vertreibung damals bei den Isralis aus….meine Güte…

 

 

… und manche Menschen  behaupten,  es habe Palästina und Palästinenser nie gegeben. …

teilungsplan 1937

Teilungsplan von 1937

 

Schon im Teilungsplan von 1937 stand, dass diese „Terror-Organisationen“ aufgelöst werden müssen. Golda Meir nannte sie „Sicherheitseinheiten“ und lehnte die Auflösung dieser Gruppen wie auch jenen Plan ab.  Sie sollten damals die besten Küstenstreifen erhalten und das fruchbarste Land. Sie lehnte ab, weil es ihr nicht groß genug war.

 

„Geschlagen, vertrieben, verraten“ – schrieb in den 80er Jahren ein Journalist über jene Zeit. „Die Palästinenser sind die Juden der Juden geworden.“

 

Waren die Israelis damals kompromissbereiter?
Wieso lehnten die arabischen Staaten den Teilungsplan von 1947 ab?
Wieso brachen sie eine Krieg vom Zaun?

 

 

  • Die Zionisten waren damals politischer –  sie taktierten. Ja, sie machten einen Schritt zurück, um dann zwei nach vorne preschen zu können. Heute sind sie hemmunglos! Damals war ihnen klar, gegen die Besatzungsmacht, die Briten, können sie nichts machen.
  • Das Ziel der Zionisten war damals schon: Expansion. David Ben Gurion sah in diesem Kleinststaat die Basis für eine spätere Expansion. Zitat: „…nachdem wir eine große Macht aufgebaut haben, werden wir die Teilung des Landes beseitigen und über ganz Erez Israel expandieren“
  • Der Teilungsplan sah eine „überwiegend jüdischen Staat“ und einen „arabischen Staat vor. Er sah eine 80:20 Teilung vor.
    1947 lebten 600.000 Juden und 1,2 Millionen Palästinenser in Palästina.
    600.000 Menschen sollten die Meeresküste und den fruchtbareren Boden bekommen, 1,2 Millionen Menschen , den weniger fruchtbaren Boden und die Wüste.  Es gab auch noch Streitpunkte hinsichtlich Jerusalem.
  • Der UN-Teilungsplan baute auf einem Konstruktionsfehler auf, sagte mir einst ein UN-Experte. Er übersah, dass es  bereits Menschen in diesem Land gab, Menschen mit einer jahrtausendalten Geschichte. Menschen, die über die Jahrhunderte die Mehrheit in jenem Land ausmachten. Sie wollten keine Teilung ihres Landes. Und Churchills Plan von 1922 sah auch keine Teilung vor.  Er wollte damals einen binationalen Staat. Es sollte eine „jüdische Heimstätte“, nicht ein jüdischer Staat werden.
    Der wird noch heute vehement von Israel abgelehnt. Dann wären sie Minorität.
  • 1915 versprachen die Briten den Palästinensern das Land und Unabhängigkeit. Dafür kämpften sie mit gegen die Türkenherrschaft. Dafür kämpften sie mit gegen das NS-Unrechtssystem.
  • Keine sechs Monate nach dem Teilungsplan von 1947, im Mai 1948 proklamierte Ben Gurion den Staat Israel. Erst daraufhin, marschierten fünf arabische Staaten in das Land. Sie glaubten damals, es kann sich nur um ein Irrtum handeln. Inzwischen weiß man, die israelische Seite ist in den Auseinandersetzungen von 1948 mindestens so sehr Aggressor gewesen.
    Israel weitete damals seine Gebiete über den Teilungsplan von 1947 hinaus aus. Gaza wurde von Ägypten kontrolliert. Die Golanhöhen von Syrien und Ostjerusalem und Westjordanland von Jordanien. Die Rechte übertrugen sie  später an die PLO.

 

Es kam zu einer weiteren Massenflucht mit dem Sechstagekrieg von 1967. Etwa 700.000 Menschen flüchteten in alle Richtungen. Ostjerusalem, Gaza, Golanhöhen und das Westjordanland wurden von den Israelis besetzt.  Es wurde als „Selbstverteidigungskrieg“ deklariert. Es ist längst anerkannt, dass Israel damals Aggressor war.  Die Israelis planten damals einen Angriff. Die Sowjets teilten dieses Syrien mit. Die USA sagte : Diesen Krieg müsst ihr alleine führen. Daraufhin stellten Syrien, Jordanien und Ägypten seine Armeen an ihren Grenzen auf. Israel griff  Ägypten an. In wenigen Tagen stand die Armee Israels vor den Hauptstädten jener Länder. Sie gewannen, eroberten weite Gebiete, mussten aber  einen Teil der Gebiete wieder zurückgeben.
Erst seit 1994 sind einige Gebiete in der Westbank und im Gaza-Streifen unter palästinensischer Autonomie. Die Sicherheit und Kontrolle unterliegt in den meisten Gebieten weiterhin der israelischen Armee.

Palästinenser  flüchteten in den Libanon, nach Syrien und nach Jordanien, aber auch ins Westjordanland und in den Gazastreifen.

 

 

 

Darum wird es im nächsten Beitrag gehen:

gaza karte

Lebenswirklichkeiten im Gaza

 

Der Gazastreifen ist 45 Kilometer lang. Im Süden 13 km breit. Im Norden 6 km breit.
1,8 Millionen Menschen lebten dort vor dem aktuellen Massaker. Jetzt sind es etwa 2100  (?) Menschen  weniger. Zehntausend Verletzte. Vermutlich sind sie allesamt traumatisiert. Mehr als die Hälfte der Menschen sind unter 18 Jahren.

Auch im Gaza sind die meisten Menschen Flüchtlinge. Man sagt, Gaza sei das größte „Flüchtlingslager“ der Welt. Selbst in dem kleinen Streifen am Mittelmeer gibt es Flüchtlingslager.

 

  • Israel erklärt den Rest der Welt zum Zahlmeister
  • Wasser im Gaza
  • Wasser im Westjordanland
  • Siedlungspolitik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Lebenswirklichkeiten von Palästinensern, Teil 1

  1. […] Beitrag vom 15. August Lebenswirklichkeiten von Palästinensern, Teil 1 berichtete ich vom Schicksal einer […]

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