Die Fortsetzung von Lets peace together

gandolf

 

Aus dem Fahrtenbuch.
Eine Tankstelle in Bonn.

Ab ins Auto. Die nächste sonnige Entspannungsrunde steht auf meinem Selbstliebe-Programm.
Rumms – raus aus der Garage. Eine Kurve nehme ich schnittig. Die nächste eher verträumt.
Vorbei an Schlagzeilen des Tages. Denen lächle ich zu und denke: Ihr zieht mich nicht in eure Negativität.
Dem viel zu groß geratenen Bus für kleine Bonner Straßen gebe ich wenige Sekunden später gern Raum.
An der Ampel wird leise vor sich hingesummt: Let peace together…lalalalala.
Meine Fahrt führt mich zu einer Bonner Tankstelle.
Blinker heraus. Rechte Spur einfädeln. Abbiegen.
Normalerweise wäre danach ein sofortiges Linksabbiegen fällig, doch ich muss in die Bremse treten.

Stau an der Tankstelle. Auch gut.

Vier wartende Autos an der linken Seite, drei wartende Autos an der rechten Seite zähle ich vor und hinter mir an dieser Tanksäulenstraße.
Lets peace together…lalalalala summe ich weiter vor mich hin.  Neben mir warten zwei Frauen in einem kleinen roten Auto.
Man lächelt sich einander freundlich und entspannt zu.  Nach wenigen Minuten blinzle ich mich von Zapfsäule zu Zapfsäule und erkenne fast nebenbei, die erste Zapfsäule ist unbesetzt.  Dies teile ich den beiden Frauen  in ihrem roten Auto gerne mit. „Einen kleinen Bogen und sie können tanken.“ Dankend nehmen sie den Hinweis an. Mich vergesse ich dabei und summe weiter: Let s peace together…summ summ…Träum. Träum…Doch irgendwann blitzt es in mir auf: Mensch Martina, eine Zapfsäule ist von beiden Seiten befahrbar. Auch du kannst den Bogen auf der rechten Seite fahren und dich rückwärts an die erste Zapfsäule heranpirschen. Manches braucht eben, wenn man träumt. Man trifft sich an der ersten Zapfsäule wieder und lachte besonders herzlich.
Allen geht es gut.

Doch dieser Eindruck ist trügerisch.

Ein Frauenlager zeigt sich an den Zapfsäulen. Keine Damen, die noch währenddessen ihren Lidschatten nachtragen oder sich die Strumpfnaht gerade rücken. Alles ist im Flow. Alles findet bis dahin in angenehmer friedvoller Stimmung statt.  Hinter mir, links neben mir, dahinter und noch dahinter ebenso.

Der Friede währt nur kurz. Ungeduldige Männer wollen anderes. So richtig klar ist es keinem, warum das so ist.  Ein Hupkonzert besonderer Art begann. Erst die eine, dann die nächste, als hätten sie sich verabredet. Mitläufertum vom Feinsten.

maedchenmilch_klein2Hupen an einer Tankstelle finde ich ja so was von daneben. Es hallt und ist darum doppelt laut. Meine Ohren tun weh.
Ich blicke verdutzt zu der Dame hinter mir und frage: „Was ist los? Meinen die uns? “
Sie lacht und meint: „Nur lassen. Die müssen noch lernen.“
Ich meine: „Weniger Fleisch essen, dann sind sie weniger übersäuert.“

Ihr kleines Kind hinten im Kindersitz bekommt ein wenig Angst von dem Krach, aber was kümmert das schon einen Huper, dem die Welt gehören soll.

Wir Frauen lächeln. Die Männer hupen.

Der Moment der Wahrheit trat ein. Uns wurde der Krieg erklärt. Also ich muss schon sagen, ein Buddha sieht in seiner Erleuchtung vermutlich anders aus. Flammen des Ärgers waren zu spüren. Für Männer tun sich in solchen Momenten offensichtlich andere Welten auf. Wir müssen ihnen wie eine Wand vorgekommen sein, die sich nicht mehr für sie öffnet. Ihre Angst, sie könnten zu kurz kommen, verhungern an einer Tankstelle, muss groß gewesen sein. Sämtliche Aggressionen flogen gebündelt über die Autodächer an dieser Bonner Tankstelle. Das Hupen nahm kein Ende. Nein, sie wollten sich von unserem Lächeln und unserer friedvollen Stimmun nicht anstecken lassen.

Ich hätte noch so laut Lets peace together summen können. Die hätten mich nicht gehört.
Ihre Hupen übertönten alles.

Es kostete ein wenig mehr Energie, sich von diesem aggressiven Verhalten dieser Männer zu distanzieren. Doch es gelang. Wir Frauen lächelten gemeinsam und wünschten uns eine gute Weiterfahrt. Die Zeit nahmen wir uns noch.

Wieder im Auto sitzend, dachte ich an meinen Freund im Gaza. Was dieser Mann, was diese Menschen dort gerade auszuhalten  und zu erleiden haben, übersteigt  unser Vorstellungsvemögen. Und hier an einer kleinen Tankstelle in einer Provinzsstadt in Deutschland finden Kriege besonderer Art statt, weil  Menschen – in diesem Fall die Herren –  ihre Aggressionen offensichtlich nicht unter Kontrolle haben und es nicht schaffen, zwei  bis fünf Minuten länger zu warten als gewöhnlich.

So unangenehm diese Huperei in Deutschlands Städten ist,  man darf froh sein, dass Hupen in das Lieblingsspielzeug von Männern eingebaut wurden. Man stelle sich vor, es gäbe dieses Ablassventil für deart getaktete  Männer nicht. Vermutlich würden sie ansonsten mit einem Knüppel aus den Autos herauslaufen und auf alles einhauen, was sich ihnen in den Weg stellt.

Wie soll der Frieden im Großen gelingen, wenn es in einem der sichersten Länder, in einem Wohlstandsland dieser Welt schon an der Tankstelle, an der nächsten Ampel, an der Kasse beim Einkauf  scheitert? Selbst in der Wellness-Anlage streiten sich Menschen um Stühle. In einem Bereich, in den man fährt, um sich zu entspannen, sehen Menschen zu, dass sie sich auf Kosten anderer bevorteilen. ICH habe bekommen, was ich wollte. Zu welchem Preis, sie es bekommen haben, danach fragen sie nicht.

Mein Wunsch richtet sich heute an Männer
Springt durch euer Ego.
Es funktioniert so nicht. Gebt auf, was nicht mehr funktioniert.

Wir brauchen einen Erdboden des Herzens

denkmalnach23

 

 

 

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3 Kommentare zu “Die Fortsetzung von Lets peace together

  1. arabella50 sagt:

    Männer haben es auch nicht leicht.
    Ich sah kürzlich einen Herren, ca. Ende 60, der in den Ausgang der Waschanlage einfahren wollte.
    Als das nicht ging, zündete er sich eine Zigarette an,unmittelbar neben den Tapfsäulen und grummelte laut die Frau von der Tankstelle an,die ihm nur hinweisend helfen wollte.
    Es wird alles auch mit den Jahren nicht bei jedem besser.

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