Nichts ist anders

gaza
So sieht Krieg im Gaza-Streifen aus. Israelis schauen zu. Fast wie im Kino, möchte man meinen. Das Morden wird verniedlicht, rationalisiert und letztendlich legitimiert.

 

Nicht einmal 50 Kilometer von Tel Aviv entfernt, gibt es keine Wasserversorgung, die Versorgung mit Medikamente und Lebensmitteln ist schwierig. Nicht einmal fliehen können die Palästinenser. Sie sind in dem Kessel der Gewalt eingesperrt!

Seit Jahrzehnten erleben Palästinenser: Diskriminierung  bei der Ausreise, im alltäglichen Leben, im Beruf, der Ausbildung, Diskriminierung beim Zugang zu Wasser, Betonmauern, Siedlungsbau, Stürmen von Häusern in der Nacht durch die israelische Armeen, selbst Kinder wurden in den vergangenen Jahren verhaftet – durchaus für die Hamas eine einfache „Beute“, wenn diese Kinder aus der Gefangenschaft wieder zurückkommen.

Wasser-Apartheid in den palästinensischen Gebieten

Regen, oh ja Regen fällt schon in Israel-Palästina. In Gaza nur rund 300mm Regen pro Jahr, während auf den vorwiegend besiedelten Höhen der West Bank (Nablus, Ramallah, Jerusalem, Bethlehem) mehr Regen fällt als in Berlin, Paris oder London.

 

gaza wasserKein palästinensischer Siedler kontrolliert auch nur einen Tropfen Wasser.

Seit Beginn seiner Militärbesatzung hat Israel sämtliche Wasserressourcen unter seine exklusive Kontrolle gestellt – durch Miltärerlasse, sogenannte Military Orders aus dem Jahr 1967. Palästineser brauchen danach für jegliche Arbeiten im Wasserbereich Erlaubnisscheine (permits), die ihnen jedoch regelmäßig verweigert werden. Die Zahl der Brunnen, die gebohrt werden konnten seit 1967, seit dem Oslo-Abkommen 1993/1995 und seit Oslo II liegen bei null.

Israelis werden in illegalen Siedlungen sofort ans Wasser geschlossen.
Nach 45 Jahren Besatzung sind 20 Prozent der Palästinenser noch immer an kein Wassernetz angeschlossen.

Für Reparaturen von Brunnen benötigen die Palästinenser israelische Militärerlaubnis. Ausbesserungen von 140 Jahre alten Bewässerungsbrunnen aus jordanischer Zeit sind nicht möglich,weil Israel die Erlaubnis verweigert.
Israel zerstört auch Regensammelzisternen, da diese nach geltendem Militärrecht als illegal betrachtet werden.

Von den Grundwassermengen, die der West Bank entspringen und die nach Israel hinein fließen, entnehmen die Palästinenser daher gerade einmal 11%. Fast 90% sind exklusiv für Israel.

Haben Sie darüber schon einmal etwas in unseren Medien gelesen, gehört, gesehen?

Wasser ist Leben. Der Wasserraub und die systematische Diskriminierung in Zugang und Versorgung sind integraler Bestandteil und verstärken die Ungerechtigkeit der Besatzung, die nicht nur zu tiefen ökonomischen und gesundheitlichen Schäden führt.

Wasser ist nur ein Bereich, in dem die Unterdrückungspolitik der Israelis geschieht.

Die Welt hat all die Jahre zu- oder gar weggesehen.
Es geht ja auch viel israelfreundlicher – wir sehen einfach über die Rechtsverletzungen hinweg, und versuchen es über  die Entwicklungshilfe zu regeln oder bitten um Spenden. Die Europäische Commission (ECHO) ist da stark im Einsatz in den palästinensischen Gebieten.  Millionen von Euro jedes Jahr. Klar, der Weltfriedensdienst und wie sie alle heißen, sind natürlich auch dabei.  Und dann kommt alle paar Jahre so etwas wie dieser Krieg jetzt – und all die Millionen „Entwicklungszusammenarbeit“ verschwinden im Rauch der Waffenindustrie. „Entwicklungs- und Friedensarbeit“ mit null Wirkung.

Und jetzt ist alles anders, schreibt der außenpolitische Korrespondent der ZEIT: Ägypten will die Hamas nicht. Saudi-Arabien denkt wohl nur an seine Petro-Dollars- die nicken wohlwollend aus der Ferne. Da treffen sich die Ex-Geheimdienstler der Saudis und Israel in Brüssel. In München wird die israelische Justizministern Tzipi Livni gelobt. Saudis und Israel treffen sich gerade laufend. Saudische  und israelische Diplomaten treffen sich in Marroko und Indien, in Wien und Genf. Im Kampf gegen die Muslimbrüder geeint. Ägypten, Israel und die Saudis – Sorge macht ihnen gerade Obama, der mit dem Iran zu einem Ausgleich kommen will. Schon plant Israel die Abkürzung über Saudi-Arabien. DEUTSCHE Leopard-Panzer für Saudi-Arabien werden von Israel ausdrücklich begrüßt.  Oh ja, die Leos sind wichtig gegen Iran.
Derweil wächst die nächste Terrorgruppe in Syrien und Irak heran: die Isis.
Erklärte Feinde der Israelis, Ägypter und Saudis: Muslimbrüder, Isis und der Iran.

Die Bomben auf  Gaza sind Teil dieses Feldzugs.

Wertgebunden ist das alles nicht – das kann sich auch alles wieder ändern, Bin Laden war ja auch mal ein Freund der Amerikaner. Erst später dann wurde er zu ihrem gefürchtesten Terroristen. Warum sollte das unter den Saudis, Ägyptern und Israelis nicht so laufen.

Und jetzt ist alles anders?

Was ist anders?
Wieder braucht man nicht über hundert Millionen Arbeitsplätze reden. Wieder braucht man nicht über gleiche Rechte von Menschen  reden. Wieder werden Menschen für Machtinteressen missbraucht.  Wieder werden Aufständische,  die um ihre Freiheit kämpfen und sich gegen Unterdrückungsregime wehren zu Terroristen erklärt. Widerstand, den Unterdrückungsregime selbst erzeugt haben.  Wieder ist es eine menschenverachtende Politik. Wieder wird eine landraubende Besatzungsmacht zu den „Guten“ erklärt. Wieder sitzen jene, die  diese Kriege schüren mit dicken Bäuchen in maßgeschneiderten Anzügen sicher in ihren Palästen. Die Rüstung läuft auf hohen Touren. Die Öl-Feudalen freuen sich. Wieder erzählen alle , es ist eine „Antwort auf“…
Wieder und blitzschnell ist der neue Feind erklärt. Propagandafeldzüge,  und die Medien machen- wie immer – mit.

Da bringen palästinensische  Extremisten drei israelische Jugendliche um. Da schleift ein jüdischer Extremist einen Jungen in den Wald und verbrennt ihn.  Da sind Eltern, die in dieser Situation Haltung und Humanität bewahren. Sie weinen die „Tränen der Stärke“ Da sind Palästinenser, die zu dieser trauernden Familie gehen und mit ihnen trauern.
Da sind israelische Soldaten, die ihren Dienst verweigern und dafür eingesperrt werden.

Da ist ein Netanjahu, der den Gazastreifen „entmilitarisieren“ will. Wer entmilitarisiert Israel?
Warum bringen sie, lieber Herr Netanjahu,  nicht Arbeit, Wasser und Einkommen in das Gebiet? Damit würden sie radikale Gruppierungen entmachten. Die Masse der Bevölkerung steht nicht wirklich hinter der Hamas. Sie müssen ihr diesen High-Tech Raketenbeschuss nicht zumuten!  Ein Großteil der Raketen aus dem Gaza-Streifen sind primitive Geschosse, die wenig Wirkung zeigen. Gaza verfügt nicht wie Israel über High-Tech  wie Abhör-und Rakektenabwehr-Systeme.  Die Folgen der Beschüsse durch israelische Raketen sind ungleich größer. Ein Großteil der Zivilisten sterben.

Wieso lehnte die israelische Regierung Gespräche mit der Fatah und den Hamas ab, obwohl Amerika und die Europäische Union auf gemeinsame Gespräche drängten. Die Hamas ist nicht die Al-Kaida oder die Isis oder die syrisch-irakische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ !  Die Hamas ist eine radikale Widerstandsbewegung. Vernichten die Israelis die Hamas wird es noch radikaleren militärischen Bewegungen Raum geben.

Es gäbe Alternativen, liebes Israel.

Und währenddessen sterben weitere unschuldige Kinder, Frauen und Männer, Palästinenser, die nichts weiter wollen, als in Frieden und Freiheit ihr Leben leben.

Und wir?
Wir sehen zu oder weg.

Nichts ist anders.

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9 Kommentare zu “Nichts ist anders

  1. guinness44 sagt:

    Liebe Martina, das ist eine Sicht. Der Link unten zeigt eine andere Sicht

    http://spiritofentebbe.wordpress.com/2014/07/25/ein-paar-anmerkungen-zur-lage/

    Wer hat Recht? Wer war zuerst da? Wer ist schuld? Wer hat welche Interessen?

    Ich denke es lassen sich sehr leicht Argumente für jede Seite finden. Die jeweiligen Völker haben sich ihre Führer ausgesucht bzw. sind bereit sie zu tolerieren. Alle leiden unter diesem Krieg und doch denken beide Seiten, dass sie das „Richtige“ tun.

    Wenn man bequem in Deutschland sitzt, dann lassen sich leicht Ratschläge geben. Man könnte das doch so oder so machen. Die ganzen guten Ratschläge nutzen nichts, wenn die handelnden Parteien sie nicht umsetzen wollen.

    Nehmen wir doch einfach einmal an, dass das Saarland der Gaza Streifen ist. Die Führung der Saarländer fordert alle Deutschen zu vernichten und beschießt Rheinland-Pfalz, aber auch Teile von NRW, BW und Hessen mit Raketen, da die Deutschen ihnen keine Möglichkeit geben zu reisen, zu handeln, etc. Die Deutschen wiederum sind es leid, alle […] Monate mit Raketen beschossen zu werden und bekämpfen die Saarländer mit allem was die Bundeswehr her gibt. Stell Dir vor, Du bist Kanzlerin Merkel. Du würdest genauso mit aller Härte versuchen den Raketenbeschuss zu stoppen. Ich wäre der Führer der Saarländer. Ich weiß, dass ich keine Chance gegen die Bundeswehr habe, aber je mehr Opfer ich zeigen kann, desto heroischer ist mein Kampf und desto eher werden die Saarländer mich unterstützen. Mit jedem toten Saarländer wird der Hass auf die Deutschen größer werden.

    Man kann das jetzt weiter spinnen. Man kann die Positionen tauschen. Man wird es nicht lösen können.

    Ich denke, dass es am Ende wieder mutige Führer auf beiden Seiten braucht. Wahrscheinlich müssen es vermeintliche Hardliner wie Scharon sein, die den Mut aufbringen eine bei der eigenen Bevölkerung unpopuläre Maßnahme durchzudrücken, z. B. die Charta der Hamas zu ändern und nicht mehr den Tod aller Juden zu fordern. Oder die Grenzübergänge wieder zu öffnen. Und dann können wir alle hoffen und beten, dass sich der Erfolg der Maßnahmen einstellt bevor Extremisten auf beiden Seiten wieder alles kaputt machen.

    • martinakunze sagt:

      Lieber Guiness,

      zunächst einmal ganz lieben Dank für deine Anmerkungen.

      Wie nur in aller Kürze darauf antworten?

      Ich stimme dir zu: Es lässt sich leicht reden von Deutschland aus.
      Schweigen deshalb? Nein.Ich mag an dieser Stelle nicht schweigen. Manchmal braucht es klare Positionen, auch im Wissen darum, dass ich längst nicht allem gerecht werden kann und vielleicht hier und da etwas übersehe.

      Die Menschen in Palästina werden keine Kraft mehr dazu haben. Vorher schon nicht – Jetzt garantiert nicht mehr.

      Ich traue mich zu sagen: Hört auf Israel. Ihr schreibt die Kriege für die Zukunft fest.

      Ich lernte vor etlichen Jahren, dass die Israelis ein extrem hohes Sicherheitsbedürfnis haben. Dafür sind auch ihre Erfahrungen mit den Deutschen ein Grund – das ist zu respektieren.

      Aber vor lauter Sicherheit zu vergessen, dass es Menschenrechte gibt, die für alle Menschen gelten, da hört es dann für mich auf.

      Israel ist eines der stärksten Militärmächte dieser Welt. Aus dem Gaza fliegen zusammengebastelte Geschosse.

      Warum wählte eine Gruppe der Palästinenser diese Aktionen?
      Trauen wir uns doch einmal zu fragen, was muss geschehen sein, dass Menschen mit zusammengebastelten Geschossen und Selbstmordattentätern auf die Straße gingen?

      Wenn wir uns die Gründe dafür ansehen, landen wir bei all den Demütigungen und Diskriminierungen, derer sich dieses Volk seid Jahrzehnten ausgesetzt sah. Grundlegende Menschenrechte sind ihnen vorenthalten. Daran kommt Israel nicht vorbei!
      Warum sonst gießt Europa jedes Jahr Millionen in diese Region?

      Freiheitsrechte, Bürgerrechte, Recht auf Bildung, Wasser auf Land und Leben mit einer Lebensqualität Einkommen,…Reisefreiheit, Meinungsfreiheit…ecetera…

      Das sind grundlegende Menschenrechte, die den Israelis nach 1947 selbstverständlich sind. Allen Demokratien sind sie selbstverständlich.

      Es ist mir am heutigen Tag egal, wer das Land wann erobert hat, ob es tatsächlich das verheißene Land ist, in dem Milch und Honig fließen.
      Ich sehe keine Milch und keinen Honig fließen. Ich sehe Blut fließen. Und ich frage mich, ob das „auserwählte Volk“ wirklich noch mit dem Gott in Verbindung steht, der ihnen dieses Land zugewiesen haben soll?.

      ich wage ja fast die These, sie haben sich mit dem Land vertan…vielleicht war ja ein ganz anderes Land damit gemeint?…wer weiß….
      .
      Diese ganze Welt ist überhaupt ein einziger Eroberungsfeldzug….:), künstliche Grenzziehungen, Größenwahns einzelner europäischer Staaten , die – da braucht man nur auf Afrika blicken – die Zukunft für all die späteren Konflikte legten. Mal ganz zu schweigen von den Jahren der Stellvertreterkriege, in Zeiten des Kalten Krieges, die bis heute noch nicht ausgeheilt sind.

      Waffen sind keine Antwort auf die Zukunftsfragen von Menschen. Sie schüren weitere Konflikte, Traumata, Hass und Trennung.

      Ja, ich stimme dir zu, vermutlich braucht es einen israelischen Führer, der sich traut, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Das wäre all den Menschen vor Ort zu wünschen.

      In der ZEIT ONLINE schrieb vorgestern ein Israeli
      „Wer glaube, Israel seien fanatische Nachbarn lieber als ein florierender Businesspartner, verstehe vom Judenstaat so wenig wie von den Islamisten.

      Herr Gil Yaron schüren sie nur weiter die Angst vor den „Islamisten“ – haben wir ja nicht schon genug von dieser Art der Berichterstattung.

      Nun, ich glaube, dass viele Menschen in Israel durchaus sehr große Angst davor haben, Palästinenser inmitten einer israelischen Gesellschaft florierend zu sehen, die in sich selbst ja schon massiv uneinig, gespalten und ökonomisch extrem ungleich ist. Ich glaube, dass es die große tiefsitzende Angst der Israelis ist, Palästinenser gleichwertig mit allen Rechten eines Bürgers eines Staates neben sich stehen zu sehen. Was wünscht man sich als Staatsbürger einer Nation? Florieren kann man nicht, wenn man hinter einer Betonmauer eingesperrt zu leben hat.
      Herr Gil Yaron schreibt auch, Gaza hätte das „Singapur des Nahen Ostens“ werden können. 2005 hätte man 22 Siedlungen abgerissen, das hätte ein Neuanfang sein können. Nun „ernten sie, was sie säen“.

      Ich frage mich, wie muss sich diese Meldung für die palästinensische Zivilbevölkerung im Gaza anfühlen? In welchem „Judenstaat“ lebt Gil Yaron, dass dieser Mann so blind geworden ist?
      Was weiß dieser Mann über das Leben im Gaza-Streifen?
      Und was nützt es, wenn 2005 Siedlungen abgerissen werden und sogleich an anderer Stelle neu aufgebaut, einschließlich dieser Riesenmauer, die den Palästinensern vor die Nase gesetzt wurde jegliches Brunnenprojekt von Seiten der Israelis verhindert wird. In allen Dingen, die das tägliche Leben lebenswert macht, werden die Israelis bevorteilt. Palästinenser leben als eine sozial marginalisierte Gruppe in ihrem Land. Sie müssen Wasser teuer von den Israelis kaufen, während die Israelis täglich das Fünffache von dem verbrauchen, was einem Palästinenser zugestanden wird.
      Wasser ist Leben. Wasser garantiert Gesundheit..etc…

      Palästinenser nehmen diese Art von israelischer Siedlungspolitik als Landraub wahr. Das sollte niemand wundern! Sie wollen nicht kleingehalten werden von den Israelis. Es ist auch ihr Land, möchte man Herrn Gil Yaron antworten.

      Lassen wir doch mal das Volk, die wirklich wahren Betroffenen im Gaza zu Wort kommen. Lassen wir sie doch mal ihre alltäglichen Geschichten erzählen. Hören wir ihnen doch einmal zu, was sie in der Begegnung mit den Israelis an den Grenzstationen täglich erleben oder auch sonst so in ihrem Alltag.

      Lieber Guinness, du sprichst die Charta an, in der die Hamas auf ihre Liste ein „Tod aller Juden“ gesetzt haben.
      Es ist mal wieder eines der vielen Totschlag-Argumente, an denen sich alle festhalten.
      Das passt auch so prima in die Angst vor den „Islamisten“….
      Nach wie viel Jahren der Demütigung und Frustration geschah dieses?
      Was muss zuvor alles geschehen sein, dass Menschen derartiges formulieren?
      Wenn wir die Gründe dafür finden, kommen wir den Wahrheiten ein Stück näher.
      Ich bin keineswegs Pro Hamas. Wahrlich nicht! Weder Fatah noch Hamas….Ich finde es schlimm, dass sie ihrem Volk mit dieser Art das Leben noch schwerer machen. Denen müssten die Ohren langgezogen werden für soviel Blödheit.
      Aber lassen wir mal die Kirche im Dorf.
      Nochmals, Israel ist eines der stärksten Militärmächte dieser Welt.

      Fakt ist, gerade löschen die Israelis die Palästinenser aus. Mit High-Tech kämpft Goliath gegen David. Raketenpräzisisonstechnik mit 1 Millimeter Genauigkeit würde ich mal behaupten wollen, Raketenabwehrschirme, Abhörsysteme vom Feinsten und und und…

      Die Israelis haben ihr Reiseticket in ihrer Tasche – im Ernstfall können sie ausreisen zu ihrem „Freund Amerika“. Die Menschen im Gaza sitzen fest. Sie sitzen fest. Ich glaube, wir haben nicht anähernd eine Ahnung, was das wirklich für die Menschen im Gaza bedeutet. Israelis bestimmen, was sie tun dürfen und was nicht.

      Kein Volk lässt sich das bieten, kann kein Volk kann sich so etwas bieten lassen. Früher oder später passiert genau, das was passieren musste: sie wehren sich. Worte schafften es irgendwann nicht mehr.

      Fakt ist auch, wenn die Israelis wollen, dass die Hamas dieses von ihrer Liste entfernen, müssen sie mit ihnen kommunizieren.
      Raketen der Israelis schaffen das nicht – damit schüren sie lediglich die Kriege der Zukunft.

      Wer stoppte die Israelis, als sie – trotz der Vereinbarungen – ihren Siedlungsbau ausweiteten? Niemand.

      Wie bitte sollen die Palästinenser auf ihre Situation aufmerksam machen?

      Ja, jedes Opfer ist tragisch und schlimm und auf beiden Seiten sollen bitte keine Menschen sterben.
      Aber man muss doch fragen dürfen:
      Was bringt Menschen dazu, Geschosse zu basteln und abzuschießen?
      An den Grenzsstationen warten sie nicht selten bis zu acht Stunden, mitunter werden sie jeden Tag wieder zurückgeschickt mit ihrer Ausreisegenehmigung, kurz und knapp: Heute nicht!

      Wie lange würdest du dich mit so einer Behandlung abfinden wollen? Die Palästinenser tun dies seit mehreren Jahrzehnten.
      Wie lange würdest du dir von israelischen Soldaten auf die Nase schlagen lassen? Für einen Araber ist das eine besondere Schmach – das wissen die Israelis.

      Du schreibst, sie haben sich ihre Führer ausgewählt.
      Ich bin mir nicht sicher, welche Auswahl die Palästinenser dabei hatten. Groß kann sie nicht gewesen sein. Das ist nicht Deutschalnd, und selbst hier wählen wir doch nicht selten Politiker in das Parlament und entdecken auch erst später die großen Fragezeichen an ihnen.

      Das kann kein Grund dafür sein, schweigend zuzusehen – seht doch zu, wie ihr klarkommt, ihr habt euch doch die Führer ausgewählt.

      Schon vergessen: Deutschland brauchte die Internationale Gemeinschaft, damit wir unseren Größenwahn beendeten. Der Frieden wurde uns von Außen auferlegt, den haben wir uns nicht selbst erarbeitet. Die Einsicht der Deutschen war nicht mal kurz vor dem Ende des Krieges da. Uns wurde damals sehr geholfen. So ein Mann wie Eichmann, der wurde nicht rot im Gesicht, weil er Juden ermordete, sondern weil er versäumte aufzustehen, als der Richter den Saal betrat und der Richter ihn darauf aufmerksam machte.

      Sieh hier in Deutschland, in dem sicheren Land – siehst du hier jemanden auf die Straße gehen und gegen all die Ungerechitgkeiten und Fehlpolitiken ein Veto einbringen? Was erwarten wir da von einem Volk wie dem der Palästinenser, die wahrlich einen anderen Alltag zu leben haben. Wieso erwarten wir gerade von ihnen, dass sie die Kraft aufbringen, sich gegen ihre Führer aufzulehnen?

      Lieber Guinness, du zeichnetest ein Szenario – Saarland, Rheinland-Pfalz. Nun ja…
      So aus heiterem Himmel schießt David nicht auf Goliath…:) Frau Martina Merkel antwortet:

      Wenn das Saarland nach vierzig Jahren Unterdrückung sich nicht anders zu wehren weiß, als mit Drohgebärden auf die Apartheidpolitik eines Machtpolitikers zu reagieren, gar noch Dümmstes bis Schlimmstes täten, nämlich die „Tötung aller Deutschen“ forderte, würde ich, Martina Merkel, schleunigst einen Gesprächstisch bereitstellen und mit ihnen reden, denn nur über die Kommunikation werde ich sie dazu auffordern können, diesen Satz aus der Charta zu streichen.
      Jede weitere Waffengewalt verschärft den Konflikt.

      Mein Szenario:
      Stell dir doch bitte vor, der Iran würde auf die Weise mit dem kleinen Landstrich Israel umgehen, wie es Israel all die Jahre mit dem Gaza und jetzt aktuell tut. Die US-Flotten stünden sofort vor der Küste im Mittelmeer. Die gesamte UN-Garde wäre in Kampfanzug gekleidet. Die Deutschen würden dreitausend Leoparden-Panzer lossenden.
      Wetten! Keinen Tag würde die Internationale Gemeinschaft tatenlos zusehen.

      Was unterscheidet die Menschen in Israel von Menschen in Palästina?
      SIE sind alle Menschen! Das Gottesvolk Israel sollte wissen: vor Gott sind wir alle gleich.

      Statt Raketen zu schießen, sollten die Israelis darüber nachdenken, wie sie Wasser gerecht verteilen, wie sie Arbeitsplätze für ein Million Palästinenser schaffen können, wie sie gemeinsam mit den Palästinensern eine florierende Wirtschaft für die Palästinenser in Gang bringen können – zum Wohle aller Menschen in diesem Land am Mittelmeer.

      Seltsam nicht wahr, dass sie sich diesen Themen einfach nicht stellen mögen.

      Lieber wird eine gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt und kriminalisiert.

      Liebes Israel, ihr sorgt dafür, dass die Kinder der Palästinenser leichte Beute werden für die Extremen.

      Doch, doch – ich traue mich aus dem sicheren Deutschland so etwas zu sagen. Und ich wünschte in jeder Zeitung, in jeder Radiosendung, in jeder Talk-Runde im Fernsehen auf dieser ganzen Welt würde laut gesagt werden: HÖRT AUF, ISRAEL, HÖRT AUF. So stiftet man die Kriege der Zukunft und keinen Frieden. Es müsste so ein großer öffentlicher Druck entstehen. All die Jahre mussten die Palästinenser mit dieser Pro-Israel Medienöffentlichkeit leben oder gar keiner. Die Israelis konnten machen, was sie wollten.
      „Gebt den Menschen eine Aufgabe“, schrieb Alexander de Toqueville 1830 in seiner empirischen Studie über die erste Demokratie Amerika. Interessant und aktuell wie eh und je, schreibt Tocqueville über die Schwächen und Stärken einer Demokratie.
      Stärkt die schwachen Menschen, dann müsst ihr euch auch nicht darum sorgen, dass sie zu den Extremen überlaufen.
      Manchmal ist die Lösung einfach. Gott ist auch einfach.

      Sorry ich traf nun einmal auf Palästinenser, die weinten und sich sorgten, wann die nächste Rakete auf ihr Haus fiel. Die seit mindestens zwanzig Jahren keine Zukunft haben und nicht mehr ein und aus wissen. Und ich traf auf Israelis, die in Tel Aviv Tennis spielen gehen und Beach Party`s veranstalten, die aus dem Urlaub zurückkamen, die Zugriff haben auf alles, was das Leben lebenswert macht, ist nicht lange her – mir schienen sie nicht sehr angstvoll. Nein, mit dem Bus fahre man nicht mehr, aber man habe ja das Auto. Das mit der Angst, das kann sich in den letzten Tagen auch für sie massiv geändert haben?
      Ich traue mich das als Deutsche und als ein Freund von Israel auszusprechen. Ich bin auch Freund von der palästinensischen Zivilbevölkerung.
      Und ich sagte auch zu Salah, Hass bringt niemandem den Frieden. Wir müssen vergeben lernen. Wir müssen einander vergeben. Die Geschichte können wir nicht mehr umgestalten, aber die Zukunft, die können wir sehr wohl gestalten.
      Wir müssen den Palästinensern ihr „Gesicht zurückgeben“.

      Ich habe die Apartheid-Politik in Südafrika kennen gelernt. Ich habe die Folgen der Apartheid-Politik über mehrere Jahre sehen und begreifen dürfen. Ich lernte die Townships und Armenviertel in Südafrika kennen, die krassen Gegensätze völlig unterschiedlicher Leben von Menschen in einem Land. Ich hörte den Weißen zu, den Farbigen und Schwarzen. Ich sah Weiße, die noch immer mit dem Finger auf die „Kaffer“ zeigten. Wann immer von Gewalt in den Townships berichtet wurde, meinten sie: „Siehst du, so sind sie…habe ich dir doch gesagt.“
      Sie begriffen nicht, dass sie erst durch ihre Apartheidpolitik, Menschen sozial marginalisierten, sie dadurch diesen Zündstoff überhaut erst geschaffen hatten. Manche Gegenden schienen mir wie „tickende Zeitbomben“, Ausgegrenzte mit null Chancen – Mandela war der große Mann, der dafür sorgte, dass in Südafrika die Gewalt nicht eskalierte. Seine vergebende Haltung war das große Zeichen damals. Die Anerkennung aller Sprachen, aller Rassen, die Einrichtung einer Wahrheitsfindungs-Komission (TRC) brachte den Raum dafür, dass manche der Opfer darüber reden konnten. Man hörte ihnen erstmals zu in ihrem Land.

      Ich wünschte die Israelis würden begreifen, welch`große Chance sie gehabt hätten….vielleicht ja doch noch haben…ich weiß es nicht…

      es ist traurig…mehr kann ich dazu nicht mehr sagen…von Salah habe ich noch immer nichts gehört….ich hoffe, er und seine zwei kleine Mädchen, auf die er so stolz war, leben noch….ich hoffe…

      so genug der Probleme….wir müssen die Hoffnung in diese Welt tragen…das tun wir nicht, wenn wir über diese Probleme wälzen….

      Danke Guinness, lieben Dank für deine großen Gedanken hierzu…
      LG
      martina

      • guinness44 sagt:

        Liebe Martina,

        vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich gehe bewusst nicht auf alle Punkte ein. Zum einen, da ich denke, dass wir unsere Positionen bereits definiert haben und ohne direkten Zugang zu Informationen, die wir beide ungefiltert und unzensiert aufgenommen haben, wahrscheinlich uns nicht groß bewegen werden. Betrachte das nicht als Kritik.

        Bzgl. der Kraft der Bilder ein sehr interessanter Artikel aus der gestrigen FAS:

        http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ueber-gaza-berichten-gegen-die-bilder-ist-unser-text-machtlos-13078468.html

        Bzgl. Deines Zitats aus der ZEIT. Ich habe die Artikel auch gelesen und fand es sehr interessant, dass in Zeiten von Aufständen in der arabischen Welt auch die Palästinenser sich fragten, warum es in Ägypten, Tunesien, Libyen zu Veränderungen kommt und nicht in Gaza. Es ist ein erfolgreiches Mittel seit Tausenden von Jahren, dass ein externer Feind die innenpolitischen Probleme erst einmal unterdrückt. Das gilt auch für Israel und für jedes andere Land. Hier scheint mir allerdings ein sehr deutlicher Zusammenhang zu bestehen.

        Die Solidarität der Araber: Warum kümmern sich die arabischen Brüder nicht um die Menschen in Gaza? Bei dem ganzen Geld, dem Platz, etc. wäre es doch ein Leichtes für sie. Aber sie wollen sie auch nicht haben. Ägypten riegelt die Grenzen ab und auch die anderen tun nichts bzw. nicht besonders viel. Das entbindet Israel nicht aus der Pflicht etwas zu tun, aber mich wundert es schon.

        Die Sicherheit der Menschen. Ich hatte zu Zeiten der 2. Intifada die Gelegenheit eine Gruppe Israelis in London zu treffen. Die erzählten beiläufig wie toll es ist durch die Straßen zu laufen und nicht bei jedem Mann oder Frau mit langen Mantel an einen Selbstmordattentäter zu denken. Von denen hatte jeder Militärdienst geleistet und jeder hat gehofft nicht wieder einrücken zu müssen.

        Zu Südafrika: Ich bin sehr gespannt wie es in diesem Land weiter gehen wird, nachdem Mandela gestorben ist. Ich hoffe es geht Südafrika nicht wie Simbabwe. das einst als Rhodesien die „Kornkammer Afrikas“ war. Die Weißen wurden vertrieben und die Felder unter den korrupten neuen Machthabern aufgeteilt. Die Menschen werden nicht mehr von Weißen unterdrückt sondern von Schwarzen, den Freunden von Mugabe. Wenn ich mir die Korruption beim ANC anschaue, dann kann man nur hoffen, dass nach Zuma wieder jemand an die Macht kommt, der eher wie Mandela ist.

        Abschließend kann ich Dir nur zustimmen, dass wir uns auf die Hoffnung fokussieren sollten und im Kleinen helfen Dinge besser zu machen.

        Vielen Dank

        LGA

      • martinakunze sagt:

        Zwischenmeldung

        Lieber Guiness,
        entschuldige bitte, dass ich erst heute reagiere.
        Bin gerade…etwas…mehr beschäftigt..

        Ich antworte dir in jedem Fall noch ausführlicher.
        Danke dir herzlich für deinen wow -interessanten Ausführungen.
        Las den Artikel bereits…werde dir noch…
        Möchte ich in Ruhe und nicht auf die Schnelle beantworten.
        Bitte um Verständnis. Ist mir eine Freude, mich mit dir hierzu auszutauschen. DANKE.
        Wünsche dir einen sonnigen Tag.
        martina

      • guinness44 sagt:

        Liebe Martina, kein Thema. Bitte keinen Stress machen.

      • martinakunze sagt:

        Lieber Guinness, nun aber…
        entschuldige bitte, dass ich dich einige Zeit auf Antwort warten ließ.
        Lieber Guiness, nun aber
        entschuldige, dass einige Zeit brauchte.

        Du kennst dich aus 🙂 London, Begegnung mit Israelis, Südafrika…Mbeki war- aus meiner Sicht – schon nicht der richtige Nachfolger. Zuma – dieser Mann schien mir immer schon aus einer anderen Welt. Die Korruption beim ANC ist schrecklich – sie ist überall schrecklich. Ein zweiter Mandela wäre ihnen zu wünschen, den gibt es nur nicht. Gibt es einfach nicht….
        Zu jenen Israelis, der Zeit der Intifada und den Sprengstoffattentätern, die Angst und Schrecken verbreiteten. Ich kann mir denken, dass es sich ohne angenehmer lebt. Nichts davon will und werde ich gutheißen. Grauenvoll die Vorstellung. Bitter für jede Familie, die Opfer wird. Ebenso tragisch ist es für die Mütter dieser Selbstmörder-Kinder (nicht selten waren es Jugendliche), sie auf diese Weise zu verlieren.
        Sicherheit – weiter wollen viele Israelis aber auch zumeist nicht denken und die Politiker ebenso nicht. Ihren Part darin wollen sie sich einfach nicht ansehen. Und so werden aus einstigen Freiheitskämpfern Terroristen. Fliegt noch eine Rakete, bauen wir noch einen Zentimeter Mauer, statt den Menschen endlich ihr Land, Wasser, Arbeit zurückzugeben.
        Das gesamte Denken der Israelis dreht sich nur um Sicherheit. Dass sie ihren Wohlstand auf Kosten eines Teils der dort Mitlebenden im Land leben genießen – und nicht zu vergessen – aufgrund der Flüchtlinge, die in umliegenden Ländern noch ganz anders zu leben haben, das mögen sie weniger gern hören. Und am wenigsten wollen Israelis über ihre eigenen vielen Radikalen reden, die in ihren Parteien sitzen und Stimmung machen.

        Es gibt nicht nur die Guten auf der einen und die Schlechten auf der anderen Seite.
        Wir müssen die Ursachen, der so einen Wahnsinn entstehen lässt, erkennen und diesen abschaffen.
        Und wir sollten aufpassen, dass wir nicht alle Araber in einen Topf werfen. Gaza ist kein religiöser Kampf! Das war er nie.
        Mein Traum sieht so aus: die Israelis haben keine Probleme mit der Hamas oder Fatah, weil sie sich zur Ruhe gesetzt haben. Die Palästinenser leben in einer überaus florierenden Wirtschaft. Dann darf Israel sich seiner eigenen gespalteten Gesellschaft annehmen und, die in sich schon massive Ungleichheit an Lebenschancen innerhalb der israelischen Bevölkerung endlich einmal betrachten. Sich mit sich konfrontieren….Ich glaube, die größte Angst ist, dass Palästina eine starke bis stärkere Wirtschaftsmacht werden könnte.

        Den Artikel in der FAZ las ich sogleich und ich erinnere mich noch an meinen ersten Gedanken, nachdem ich ihn gelesen hatte. Ich teile ihn dir einfach mit:„ Oh, lieber Journalist, schreibe einfach – denk nicht so viel“, dachte ich. Seinem Anspruch wird er nie und nimmer gerecht werden können.
        Alles seriös verpackt. Die FAZ, die Welt – scheinbar alle objektiv. Es sind Meinungsmacher mit je unterschiedlichen politischen Farben.
        Die Sache der angeblichen „Objektivität“ ist keine Sache der Erkenntnis, sondern Ergebnis spezifischer Interessen. Es geht um Auswahl und Gewichtung von Behauptungen, allein dadurch erfährt jeder Bericht schon Wertung, verstärkt durch den Gebrauch von Metaphern, Wortphrasen, Wiederholung, Hervorhebung, Platzierung, Verknüpfungen mit bekannten Symbolen oder Weggelassenem für die sich keinen Wahrheitsanspruch erheben lassen. Immer wird etwas nicht gesagt bzw. geschrieben. Es geht immer auch um Blickwinkel und Einstellung. Da „versagen Migrantenkinder“, dort sind die „flotten Alten…“, die „Hamas verärgert Berlin“
        ….Krieg überhaupt beförderte die Massenmedien. Auslandsberichterstattung ist in der Regel als Dauerkrisenbericht etabliert. Gut und Böse ist bedeutend. Komplexes wird auf die Alternative Sieg oder Niederlage reduziert. Plötzlich taucht sehr häufig das Wort Terrorismus auf. Gibt es ihn oder machen ihn die Medien, und wenn ja, warum? Das sind heute Tricks, die nach den Regeln der Produktwerbung funktionieren. Wir befinden uns im „Fabelland der Konstruktionen“ schrieb ich vor einigen Jahren zum Thema Friedensjournalismus. Klar Auslandsjournalismus wird seriös verpackt und moderiert, ist in hohem Maß Choreografie von Daten und Vermutungen im Kontext des öffentlichen-rechtlichen Mainstream-Journalismus- eng verbunden mit Wirtschaftsinteressen. Medienwirklichkeit spiegelt nicht, sie inszeniert Realitäten. Wir stecken doch schon wieder fest in dem Bild: Der Westen gegen den Rest der Welt- damals waren es die Russen, jetzt ist es der Islamismus, der Terrorismus.
        Wer spricht über die Vergehen von Demokratien? Wer spricht über die Verursacher?
        Im Kongo sterben seit Jahren täglich 1000 Menschen – keiner berichtet darüber. Im Sudan war Dafur das Thema, dann der Südsudan, währenddessen starben viele Menschen im Osten des Landes. Es existiert nur das, worüber die Medien berichten. Ich traf auf Spiegel und Neue Züricher Auslandskorrespondenten im Sudan. Zwei Männer – mehr nicht. Sie waren nicht nur für den Sudan zuständig, sondern für den südlichen Raum. Völlig unmögliche Situation, um auch nur annähernd das „reale Bild“ einzufangen. Sie waren aber vor allem frustriert, wegen ihrer Frauen, saßen die meiste Zeit im Internationalen Camp, schnappten hier etwas auf und dort. Den deutschen Entwicklungshelfern war es verboten mit ihnen zu reden. Selbst dort gelangen sie nicht an die „Wahrheiten“. Man fürchtet Kritik. Über den Wahnsinn könnte man ein Buch füllen
        Ich sende diesen Teil schon einmal an dich.
        to be continued… 🙂 “ Kraft der Bilder…“
        Ich danke dir für deine interessanten Anmerkungen
        Ja, unbedingt, lieber den Fokus auf Hoffnung,t und.Im Kleinen.wirken. .
        LG
        Martina

      • martinakunze sagt:

        Medien. Mainstream-Medien: Zunächst einmal sind sie immer dort, wo sich die Welt aus den Angeln hebt – Katastrophen verkaufen sich besser. Sie arbeiten wenig de-eskalierend und konfliktlösend. Nun wird jeder Journalist sagen: das ist auch nicht meine Rolle. Ich soll berichten, damit die Menschen sich eine öffentliche Meinung bilden können. Darüber könnte man reden. Warum sollen sich Rollen eigentlich nicht auch dort einmal ändern dürfen. Es gab so viele Medien-Beispiele in der Vergangenheit, da waren sie es gerade, die aufwiegelten und Konflikte anheizten.
        Auch bei uns. All diese Stimmungsmache mit „Das Boot ist voll“. Jedes ärmere Nachbarland von betroffenen Ländern nahm mehr Flüchtlinge auf. Eine „Flut“ rollt auf uns zu…Schutzzäune um Europa mussten aufgebaut werden.

        Kriegsberichterstattung berichtet über das Leid und das Trennende von Menschen und weniger über das militärische Herrschaftsgehabe, weniger darüber, was die Konfliktparteien gemein haben und wo sie ansetzen könnten. Ich lernte im Sudan, Kinder haben dort dieselben Träume wie Kinder hier vor Ort, vielleicht ist die Sehnsucht nach Frieden ein Stück mehr präsent als hier. Israelische Mütter sorgen sich um ihre Kinder wie palästinensische Mütter. Lasst sie reden. Stattdessen hören wir, wie viele Panzer und Raketen flogen, entsprechend gestalten sich die Bilder.
        Der Wahnsinn von Krieg, die wahren Kriegstreibenden, die Wirtschaft, die dahinter steckt, diese Doppelmoral, die Rolle der Internationalen in diesem Konflikt werden zumeist nicht benannt – nicht in den Mainstream-Medien. Es gibt Regierungen, die kaufen ganze Zeitungen auf, um eine bestimmte Meinung in die Welt zu transportieren. Juncker ist nicht nur Politiker, der besitzt in Luxemburg eine eigene Zeitung.
        Ich denke, letztlich müssen wir uns immer fragen und am Ende auch daran messen lassen. Hat uns diese „Wirklichkeitskonstruktion“ für das Überleben von Gesellschaften gedient? Konnte ich mit ihrer Hilfe Informationen gewinnen, die dafür nützlich sind? Bauen wir uns ein bewohnbares Haus oder einen Käfig?
        In der Kriegsberichterstattung verfängt man sich oft in der existierenden Konfliktdynamik. Der Krieg ist etwas anderes als die Berichterstattung über den Krieg
        Leichter zugänglich sind häufig Militärstatements,, etc.
        Häufig werden Meldungen eingekauft. AP
        als offizielle Nachrichtenagentur zitiert am
        stärksten offizielle Sprecher, Da kann sich die NATO NATO- von einer rei
        nen Verteidigungsallianz zu einer offensiven
        friedenserzwingenden Organisation entwickeln, die sich erstmals in die Angelegenheiten eines
        souveränen Staates einmischt – wurde damals von der Berichterstattung weitgehend ignoriert .

        Die öffentliche Meinung ist von der noblen Sache
        zu überzeugen. Und so wird der Krieg als Konfli
        kt zwischen der „Zivilisat
        ion“ und der „Barbarei“
        dargestellt. Dazu begeht der Feind systematisch Grausamkeiten, während die Fehler im
        eigenen Lager nur zufällig und unabsichtlich geschehen.
        Geht es um unanfechtbare Werte ist Krieg imm leicht durchzusetzen….Geo lieferte damals im Golfkrieg bereits eine Karte mit einer Aufteilung der Länder, in der die Pläne der NATO bereits vorweggenommen waren. Der BBC spielte während des Irak-krieges auf Anweisung leichte Musik. Meine Bekannt sage Adè zur Tagesschau. Dort saß sie in der Redaktion. Massenmedien funktionieren nach Regeln, die ihr nicht mehr gefielen. Äußere dich bei einem bestimmten Sender zu einem politischen Thema nicht „senderkonform“ und du bist weg vom Fenster. Kritiker des Irakkrieges mussten in Amerika Anzeigenseiten kaufen, um sich Gehör zu verschaffen.
        „Wir haben diesen Krieg nicht gewollt“…er ist nur eine Antwort…Wie oft hörten wir das schon von Staaten,d ie in Milliardenhöhe in Staatskassen greifen, um der Weltöffentlichkeit ein bestimmtes Image zu suggerieren.
        Iran – also mal kurz erinnert: Wann jemals ging vom Iran ein Krieg aus? Traut man sich nicht zu fragen….warum eigentlich nciht? Passt gerade nich so hinein, in die Stimmung gegen den „Terrorismus“. Kein Wort erfahren wir über die Absprachen mit den Nachbarstaaten. Gaza ist nicht nur eine Sache zwischen israel und Palästina..
        Friedliebende Staaten sind immer die Demokratien. Die konnten nur nie anders.Dabei sind sie allesamt immer auch in Kriegen beteiligt gewesen.
        Die Medien bestimmen, was wir erleben.
        Genau, wo sind sie denn die anderen Nachbarn?
        Du schreibst:
        „Die Solidarität der Araber: Warum kümmern sich die arabischen Brüder nicht um die Menschen in Gaza? Bei dem ganzen Geld, dem Platz, etc. wäre es doch ein Leichtes für sie. Aber sie wollen sie auch nicht haben. “

        Saudi-Arabien sitzt im Geld und in Amerika.
        Jordanien besteht zur Hälfte aus Palästinensern. (Transjordanien…)
        Libanon dort leben Millionen von Flüchtlinge.
        Sie haben die Erfahrung vo 1967. Wer sich mit Israel anlegt, legt sich mit Amerika an. Das wären meine Antworten darauf. Ob es den Kern der Wahrheit trifft, kann ich nicht wirklich beurteilen, lieber Guinness.
        Vermutlich sind sie auch die „Juden der Araber“ geworden? (im Sinne des Journalisten aus den 80er Jahren) Und ehrlich, wo soll das hinführen? In den dritten Weltkrieg? Und was wissen wir schon von den Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Ich meine damals, nach dem 1967 Krieg gab es anschließend Absprachen mit jenen Ländern, damit sie sich heraushalten…wer weiß, wer weiß…was da gereicht wurde?…..

        Jedes Zeitung, jeder Sender hat eine politische Linie und kein Journalist darf zu weit davon abweichen.

        Die Funktion der Medien, dem Frieden zu dienen, ist juristisch und ethisch unbestritten.
        Ethikcodics finden sich in fast allen Ländern der Welt.
        Ruanda: Hetzkampagnen, die letztlich zu der Katastrophe geführt haben:
        Kosovo März 2003: es war die Berichterstattung im Radio, die zu den Gewaltausbrüchen geführt hat.
        Beim WDR heißt es: „Der Westdeutsche Rundfunk soll die internationale Verständigung fördern, zum Frieden und zur sozialen Gerechtigkeit mahnen, die
        demokratischen Freiheiten verteidigen und nur der
        Wahrheit verpflichtet sein.“

        Feindbilder bleiben nur so lange real, wie die Ängste dahinter real bleiben. Es gibt Diskussionen darum, wie
        Medien statt negativ (verschärfend), konstruktiv transformierend (schlichtend) auf Konflikte einwirken können
        Aus diesen Denkschablonen müssen wir uns alle befreien. Darum bin ich dir auch so dankbar, dass du um Ausgleich bemüht warst. 🙂
        Es ist nur so, wenn alle Beteiligten Angst um den Verlust von Wasser haben, dann macht es wenig Sinn, die Lösung darin zu sehen, dass nur EINER der Gewinner von Wasser ist.
        Viel mehr von normalen Menschen berichten.
        Damit komme ich zu dem Punkt: „Einsatz von einheimischen Journalisten für die internationalen Medien.“
        Ich war selbst im Kosovo damit konfrontiert. Wir wären vermutlich sofort ausgeflogen worden, (nicht wirklich- der Flughafen war als erstes dicht gemacht) Ein Mitarbeiter hätte mit seiner Familie dort bleiben müssen. Nicht gut. Ich sage dir, nicht gut. Gar nicht gut. Denn am Ende, sind sie in einer noch viel präkereren Situation. Sie sind die „Feinde“, weil sie mit Internationalen zusammenarbeiten. Die Gewalt richtete sich damals gegen die Internationalen, allen voran die UN.

        Ich finde es nicht in Ordnung, dass sie in die Gebiete laufen sollen, in die sich Internationale nicht mehr hinein wagen. Vermutlich steht es ihnen frei, Ja oder Nein zu sagen. Können Sie das wirklich? in solch`einem Hype und Druck, Meldungen bringen zu müssen, und emotional sowieso stark involviert zu sein…nun ja. Das ist auch Big Business.Solche Bilder sichern Einschaltquoten und den Verkauf von Zeitungen.

        Wo wurde über friedensförderliche Aktivitäten vor dem Krieg berichtet? Wo fordern Journalisten Politikern kreative Lösungen mit ihren Fragestellungen ab?
        Wo über die Hoffnungen der Menschen, ihre Gemeinsamkeiten?

        Wo wird über die Komplexität berichtet und nicht nur über Schwarz-Weiß-Schablonen. Dann wird es teuer für Medien – das braucht Expertise und Recherche.

        Oh es gibt guten Kriegsberichtserstattung. Der Fokus liegt allerdings auf Krieg – nicht auf Frieden.

        Oh, man darf Politikern auch schon mal sagen: Ihr seid ganz schön blöd, auch wenn ihr vorgebt, die good guys zu sein. Israel ist gerade so was von blöd.

        Wo ist der israeiische Radiosender, der auf Versöhnung setzt und auf Menschenrechte, der sich stark macht für gleiche Rechte?
        Wo ist die israelische Zeitung, die schreibt: Gewalt hat kein humanes Gesicht?
        Medien könnten mitwirken an einer Konflikttransformation…könnten…
        Wir wollen bei einem Verkehrsunfall nachvollziehen können, wie es dazu kam. Warum nicht beim Irakkrieg odr Krieg im Gaza? Etwas ließ dieses wachsen…was ist es?
        Der Grad des Betroffenseins variiert – wir wir wissen.
        Da können Kinder totgeknüppelt werden im fernen Sudan oder Kongo und es interessiert hier niemanden. Auch nicht die Medien. Es existiert das, worüber die Medien berichten. Im Kongo sterben täglich 1000 Menschen. Wer weiß davon? Wen kümmert es? Wehe, es geschieht in israel oder in Amerika oder in Heidelberg oder….
        Warum hat man den Palästinensern nicht mal bei der Deutschen Welle eine Stimme gegeben? IHnen einen Sender eingerichtet? Oder im israelischen Radio…Die Zivilgesellschaft hören, vobei an den Hamas-Leuten und diesen Fatahs- die Zivilgesellschaft stärken.
        Raum schaffen, damit sie sich trauen dürfen, auszusprechen, worum es ihnen geht. Ihnen zuhören.
        Über Versöhnunsprojekte berichten und zeigen: es ist möglich – es führt in die bessere Richtung für alle Beteiligten.
        Ein Kaffeehaus mit Palästinensern und Israelis einrichten. Es sind nicht alle Israelis gegen Palästinenser. Es gibt Liebesbeziehungen und Freundschaften. Dialoge auf der Ebene der Zivilgesellschaft fördern,wenn die Politiker zu blöd sind.

        Friedensmacher vorstellen….Hoffnung, Frieden, Gemeinsamkeiten darauf die Aufmerksamkeit lenken.
        Wer erzählt von den Bemühungen einer Organisation im Gaza, die eben – wie diese Frau kürzlich schilderte- Yoga mit de Frauen machte.

        1,5 Millionen private Söldner sind an der Börse dotiert! Militärfirmen. Die organisieren ihre Nachfrage selbst…in dieser Welt… CIA, FBI & Co.

        Die Kraft der Bilder:

        oh ja – darum wissen sie alle. Sie werden auch sehr gut bezahlt. Im Golfkrieg kauften die meisten Journalisten alles von den Amerikanern – sie hatte sämtliche Rechte…

        Wie wäre es mal mit Friedensfotografie?.
        Zeigen, was möglich ist. Gerade in Zeiten wie diesen. Zeigen, wonach die Menschen sich soooo sehr sehnen.
        Im Waffengewitter nicht möglich. Aber vorher- nachher..
        ich drückte Kindern einmal Kameras in ihre Hand. sie sollten umherlaufen und fotografieren, ihre Welt zeigen.
        und was sie ändern möchten und wie sie ihr Dorf sehen möchten. Das macht Mut und schafft Kreaitivität.

        Positive Zukunftsbilder können helfen.
        Reichen wir Organisationen einen Oscar, die darauf hinweisen, welche Themen in den Massenmedien vernachlässigt wurden.
        Wir sollten mal wieder fragen:
        Spiegelt sich eigentlich das Interesse der Öffentlichkeit in den Medien wieder?

        Den „Kampf der Kulturen“ gibt es nicht…der ist gemacht. Uns steht kein Islam gegenüber.

        Gaza ist ein Kampf um Zugang zu elementaren Menscherechten nicht um Religion.

        to be continued…
        LG
        Martina

  2. gunst01 sagt:

    Liebe Martina,
    das perfide an der ganzen Geschichte ist, dass die Hamas durch Gelder Israels aufgebaut wurde um die Fatah zu schwächen.

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