Ein kleiner Landstrich im Nahen Osten

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Die Lage in Jerusalem ist angespannt. Vor den Stadttoren und oberhalb des Tempelbergs und an allen weiteren wichtigen strategischen Positionen stehen die Soldaten Pontius Pilatus. Der Jerusalemer Tempel, hebräisch Bet HaMikdasch, ist noch unvollendet.  Um ihn herum erstrecken sich über Hügel und Täler zumeist zweigeschössige Häuser mit flachen Dächern. Dazwischen ein Gewirr aus Gassen, Plätzen und schmalsten Durchgängen. Das jüdische Volk leidet unter dem römischen Joch. Religiöse erregte Gruppierungen, verhasste Besatzungstruppen in einer unübersichtlichen Stadt. Einem Mann namens Jeshua rufen viele Menschen „Hosanna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“ voraus. Vor rund 2000 Jahren hat Jesus an einem Randgebiet des Römischen Imperiums Weltgeschichte verändert.

Durch welche Welt wanderte Jesus?  Hat Jesus jemals das Mittelmeer gesehen? In welcher Welt predigte der Mann, der mit Essenern in engem Kontakt stand?

 

essener schuheJesus war Jude und stand in einer eintausendjährigen Tradition. Diese jüdische Tradition war durch Roms Eroberungspolitik und dessen kulturelle Nähe zur hellenestisch geprägten Nachbarwelt des Nahen Ostens bedroht. Jesus Umgebung war eine abgelegene, eine ständig unruhige Region.

Jahrhunderte der Kriege herrschten in der antiken Welt.

Die Geschichte Palästina-Israels ist eine Geschichte von Demütigungen, Traumata und Landraub. Es ist auch eine Geschichte über Israels Knechtschaft in Ägypten, dem Exil in Babylon,  dem Überfall der Assyrer im 8. Jahrhundert vorchristlicher Zeit, die zehn der zwölf Stämme des Volkes Israel vernichten und vertreiben. Es ist auch eine Geschichte von Unterwerfung durch das hellenistische Seleukidenreich und anschließender Eroberung der Region durch Rom.

Unterschiedlichste Völker leben in dem schmalen Scharnier zwischen großen Kulturräumen wie Ägypten und Mesopotamien. Das Reich der Ägypter ist zu jener Zeit – auch nach 2000 Jahren – noch immer eine Macht, wenn auch eine, die im Untergang begriffen ist. In Kleinasien kämpfen die Lyder, Perser oder das Seefahrervolk der Phönizier um die Vorherrschaft. Ihre Nachbarn sind die Griechen. Ihre Kolonien sind über die Welt verstreut. Nordafrika, Süditalien, Südfrankreich und Spanien. Im westlichen Mittelmeerraum stoßen die Griechen auf das Reich der Handelsmetropole Karthago in Nordafrika, auf die Kelten in Frankreich, auf die Etrusker in Mittelitalien und auf die Iberer in Spanien – und auf Rom. Die Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen und verehren unterschiedliche Götter. Roms Bauern dienen als Soldaten in der Legion. Mächtige Adelsfamilien bestimmten die Politik.

146 v. Chr. machen sie Karthago dem Erdboden gleich. Griechenland, der Balkan, Syrien unterwerfen sich Rom im ersten vorchristlichen Jahrhundert. 30 v. Chr. ist Ägypten bereits römische Provinz. An Spaniens Atlantikküste und in der judäischen Wüste, am Rhein und am ersten Nilkatarakt – überall stehen römische Legionen, überall gelten dieselben Gesetze, überall bezahlt man mit der gleichen Münze. Ob spätere Städte wie Köln oder London, antike Städte wie Athen oder Alexandria –  alles ist auf Rom eingestimmt. Die Kultur, die Mode, Roms Reichtum, Roms Werte sind Maßstab für die Menschen eines ganzen Weltreiches. Staatskult und die Götter Isis, Kybele, Dionysos, Mithras sind die neuen Unsterblichen. Es existiert einTempel für Jupiter und Minerva, für Neptun und die Venus.

Eines gibt es aber in Rom nicht. Religion. Es gibt keine Antworten auf Moral, auf ein Weiterleben nach dem Tod, auf Mystisches oder gar Übersinnliches.

Der geistige Horizont der Juden ist ganz anders. Sie verehren nicht einen Gott, sondern den Gott. Ins Judentum wird man hineingeboren, in die anderen Religionen wird man aufgenommen. Die Juden sind ein Volk,  ein stolzes, denn ihr Volk ist das von „Gott auserwählte Volk“. Die anderen bilden Gemeinden.Viele Juden glauben, sie sind Gott im Tempel besonders nah. Sie verbinden mit dem Tempel auch wirtschaftliche Interessen wie Geldhandel. Der „Priesteradel“ sichert sich durch Spenden und Steuern seine Einnahmen.

Die Essener und später Jesu stehen dem Tempelkult sehr kritisch gegenüber.

 

Mesàd Chasidin – die Festung der Essener
Glaubt man dem Geschichtsschreiber Flavius Josephus, sind die Essener die größte Gruppe im Land.

Moreh ha -sedek, der Lehrer der Gerechtigkeit  oder auch der einzig gemäß der Thora „wahre Recht Lehrende“  ist etwa 159 v. Chr. Hohepriester am Tempel. Sieben Jahre später wird dieser „Lehrer der Gerechtigkeit“ verdrängt. Er flieht nach Syrien ins Exil, kehrt aber um 150 v. Chr. nach Judäa zurück und gründet die Gemeinschaft der Essener. Die Gebote der Thora und die Religion der Juden unverfälscht zu erhalten, war sein Ziel. Die Essener sahen sich als „Auserwählte“ des auserwählten Volkes Israels, als die einzigen, die rein im Glauben waren. (Essener im Hebräischen: Chasidim, die Frommen). Sie sind Außenseiter, aber sehr geachtete Außenseiter. In der Stadtmauer Jerusalems gibt es sogar einen Durchlass, der „Essenertor“ genannt wird (sh. letzte Abbildung unten).

Die traditionelle Elite sind in jener Zeit die Sadduzäer. Aus ihren Familien stammen die Hohepriester der Tempel. Apokalyptische Spekulationen lehnen sie ab. Mit Rom haben sie sich arrangiert. Im Volk sind sie verhasst, erscheinen sie gierig wegen der Tempelsteuer und käuflich wegen der Nähe zu Rom. Die Pharisäer studieren die Regeln der Thora penibel. Herodes stärkte ihre Macht als Gegengewicht, waren sie mit den Essenern und Sadduzäern verfeindet. Auch sie glaubten-  wie die Essener – an einen Erlöser, der erscheinen wird. Auf den Maschiah hoffen viele Juden im ersten nachchristlichen Jahrhundert.

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Mesàd Chasidin – die Festung der Frommen in Qumran

Die Essener leben in Jerusalem mit ihren Familien, in kleinen oder größeren Gemeinden. Einige von ihnen, etwa 100 vielleicht auch 200 Menschen leben ständig in Qumran. In der Tat ist es eine Glaubensfestung, dazu eine  „Akademie“ und „Schriftfabrik“ der Essener, die 15 Kilometer von Jericho am Nordwestufer vom Toten Meer liegt.  Gleich dahinter liegt die Wüste Judäas. Zu Zeiten der Essener nennt das Volk die Ansiedlung „mesàd chasidin“ – die Festung der Frommen. Erst viele Jahrhunderte später wird der Ort von den Beduinen  „Chirbet Qumran“, der „Mondhügel“ genannt.

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Die antike Ruine einer Mikwe in Qumran. Ritualbäder waren Teil aller jüdischen Siedlungen,  nicht nur Teil der essenischen Siedlungen.

 

Über fünfhundert verschiedene Handschriften wurden anhand der gefundenen Schriftrollen von der Wissenschaft ausgemacht. Es wurde sehr viel in Qumran geschrieben. Die Essener sind davon überzeugt, mit Hilfe Gottes und seiner vier Erzengel werden die Auserwählten über alle Mächte des Bösen triumphieren. Eine Schriftrolle, die  lange vor ihrer Zeit existiert, aber immer detaillierter von ihnen ausgestaltet wird, ist die „Die Kriegsregel- Schriftrolle“. In ihr  ist in Einzelheiten der „finale Kampf des Guten gegen das Böse“ beschrieben. Ein Kampf, der vom Messias geleitet wird. Die Essener beziehen sich dabei auf die Prophezeiungen von Jesaja.

qumran karte2Jesus spricht- wie Johannes der Täufer, wie die Essener, wie viele andere Juden jener Epoche, vom baldigen apokalyptischen Ringen zwischen Gut und Böse, das zur Herrschaft Gottes führen wird. Jesus sagt, sie sei schon da. Johannes spricht davon, dass sie nah sei und die Essener berechneten die Jahre, erwarten ihn in nächster Zukunft.

Arm sind sie nicht und sie leben auch nicht- wie manchmal vermutet – als eine mönchische Gemeinschaft in Qumran.
Dutzende Schmuckstücke findet man während der Ausgrabungen in Qumran. Glas aus Rom, aus Stein geschnittene Kästchen, Ziegenleder als Schreibmaterial, Krüge, Tintenfässer und vieles andere. Persönliche Vermögen werden der Gemeinschaft geweiht.  Sie sind im ganzen Land, und weit über das Land hinaus bekannt.
Sie leben auch in Damaskus und anderen Städten Syriens und Ägyptens

Die Essener waren als Heiler,  in Ägpyten als Therapeuten bekannt.

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Höhlen von Qumran, in denen die Schriftrollen versteckt waren

 

Im Jahr 68 n. Chr. tobt der jüdische Aufstand gegen Rom. Qumran wird dem Erdboden gleichgemacht, die Essener umgebracht oder als Sklaven verkauft. Hunderte von Brandpfeilen fand man in den Ruinen. Einzig ihre „Bibiliothek“ überlebte zwei Jahrtausende: Tausende von Schriftrollen in Tonkrügen gelagert, schnell noch versteckt in Höhlen nah Qumrans. Die Jesaja-Rolle blieb vollständig erhalten.

Im Jahr 70 n. Chr. wird Nazareth verwüstet. Ob die noch heute verehrte Grotte je von Mutter Maria (aramäisch: Mirjam) betreten wurde, weiß niemand.

Im Jahr 81 n. Chr. kommt der Christenverfolger Kaiser Domitian auf den Thron. Der frühchristliche Chronist Eusebios überliefert, Verwandte von Jesu seien dem Kaiser vorgeführt worden.

 

Das uralte Kulturland Palästina

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Und heute noch einmal. Weil es so deutlich zeigt, was hier allein in der jüngsten Geschichte, in den letzten 66 Jahren geschehen ist. Das Grün zeigt Palästina. Zeitraum  1947 bis 2014. 66 Jahre Landraub.

 

Palästina ist ein uraltes Kulturland. Schon 10.000 Jahre vorher werden Menschen dort sesshaft in einer Landschaft, die winzige, autonome Siedlungen in Tälern oder kleinen fruchtbaren Ebenen an natürlichen Häfen oder Oasen begünstigt. Ein schmaler Streifen fruchtbares Land, eingeklemmt zwischen dem Mittelmeer und den Wüsten Sinai und Negev, zerteilt vom Grabenbruch des Jordan, der im Toten Meer vierhundert Meter unter dem Meeresspiegel abfällt.

 

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Rot umkreist: Herrschaftsgebiete Herodes Antipas. Grün umkreist: Philipper. Judäa mit Jersualem  war bereits Teil des Imperiums von Rom unter Pontius Pilatus als Jesus im Land wirkte.

Um 2000 v. Chr. leben Dutzende Völker in diesem engen Land. Keniter, Kenissiter, Kadmoniter, Hethiter, Pheresiter, Rephaiter, Amoriter, Kannaaniter und andere. Neben alteingesessenen leben irgendwann aus Nordafrika und Asien eingewanderte Stämme.
Man weiß wenig um sie. Sicher ist, Palästina war beständig ideales Aufmarschgebiet für die Truppen benachbarter Großreiche. Und sesshafte Bauern waren immer auch durch die Nomaden aus der Wüste bedroht. Sinai und Negev waren damals die fruchtbaren Regionen. Sie drängten immer wieder in die bewässerten Gebiete ein.

Reisen ist in diesem unruhigen Landstrich der Welt unsicher. Eine Reise von Galiläa nach Judäa gilt als weit. Die meisten Menschen sterben vor ihrem vierzigsten Lebensjahr. Mit 50 oder 60 ist man außerordentlich alt. Die Essene hingegen wurden 80 bis über 100 Jahre alt.

 

Die Hebräer

Aramäisch sprechende Stämme waren ursprünglich in Mesopotamien angesiedelt.  Sie wanderten über die Wüste bis nach Palästina.

Um 1500 v. Chr. ist es in Palästina sehr unruhig und unübersichtlich. Alteingesessene Stämme sind ständig  neuen Herrschern unterworfen. Aus allen Himmelsrichtungen strömen sie in das Land ein. Ab etwa 1500 v. Chr. ziehen aramäisch sprechende Stämme ein. Dazu gehören Abraham, Isaak und Jakob, die damals Nomaden sind.  „Ein umherirrender Aramäer war mein Vater“, so heißt es im Deuteronomium, dem fünften Buch Mose.

Aus kleinen Gruppen werden Großfamilien, aus Großfamilien gründen sich Verbände über die Generationen – die zwölf Stämme Israels. Josua soll der Gründer der zwölf Stämme gewesen sein.  Er selbst kam aus dem Stamm Ephraim. Um 1200 v. Chr. unterwerfen sie sich das Land, in das sie eingewandert sind. Ein Machtvakuum nutzen die Erben Abrahahms aus.
Die zwölf Stämme Israels erobern langsam größere Gebiete zwischen 1200 und 1000 v. Chr. auf  Kosten der älteren kanaanitischen Bevölkerung, der Philister an der Küste und der gelegentlich aus den Wüsten einfallenden Nomaden. Sie werden sesshaft und vereinen sich zu einem politischen Gebilde und einem religiösen Bund. Erstmals bekennt sich eine Kulturgruppe zu einem unsichtbaren Gott, der sich am Berg Sinai offenbart hat. Die „Bundeslade“ wird zum sichtbaren Zeichen des gegenwärtigen Jahve. Moses verkündet Gottes Gebote. Die Stadt Sichem ist zunächst ihr „Heiliges Zelt“. Mächtig sind die Priester dort. In einer Art Rat befinden die Stammesältesten über gemeinsame Angelegenheiten.
(Die Fünf Bücher Moses sind erst im 5. vorchristlichen Jahrhundert verfasst worden, also fast ein Jahrtausend nach den Ereignissen, die in den Büchern beschrieben werden)

Einige Jahrzehnte zuvor hat Pharao Echnaton in Ägypten ebenfalls kurzzeitig den Monotheismus eingeführt in Gestalt der alleinigen Verehrung des Gottes Aton.

Hapiru ist ein ägyptischer Begriff, aus dem sich das Wort Hebräer ableitet. Damit bezeichnen Ägypter eine soziale Klasse, Heimatlose, die sich freiwillig in der Fremde in Dienst begeben. Moses leitet sich aus dem Ägyptischen her. Die Wortwurzel bedeutet Kind oder Schöpfer. Moses hat die Stämme aus Ägypten geführt.
Sicher ist,  der Name „Israel“ als Volk in den Gegenden Kanaan, Aschkalon und Geser wird ein einziges Mal in der viertausendjährigen Geschichte Ägyptens auf einer Stele des Pharao Merenptahs (1213-1203 v.Chr.) erwähnt.

Saul wird – dem Alten Testament nach – um 1000 v. Chr. zum König der Juden gewählt.  David (“ Geliebter“) wird um 1000 v. Chr. in Bethlehem geboren. Nach Sauls Tod wird er zum König von Israel.

 

 

Der Tempelkult

David ist zunächst Söldnerführer, dann König. 40 Jahre regierte er und führte etliche Eroberungskriege gegen Nachbarvölker. Seine Soldaten unterwarfen die Mittelmeerküste, die auch heute zum Staat Israel gehört. Der Gaza-Streifen, heute Palästinensergebiet, war zu Davids Zeit der einzig noch nicht von den Juden eroberte Rest des einst mächtigen Philisterreiches. David machte Jerusalem zu seiner neuen Residenzstadt. Doch erst sein Nachfolger Salomon gab um 965 v. Chr. den Auftrag zum Bau des ersten Tempels in Jerusalem. Die Stadt hatte damals etwas 2000 Einwohner. Sie wurde mit dem Bau des Tempels endgültig zum neuen Mittelpunkt der jüdischen Kultur.

Etwa 300 Jahre später wurde das ganze Land von den Babyloniern besetzt. Es begann die Zeit des Exils für die Juden. Sie wurden ins Zweistromland verschleppt. Erst 539 v. Chr. durften sie wieder zurückkehren. Ruhe kehrte für sie nicht ein. Die Perser, Alexander der Große und auch die Ägypter beanspruchten den Nahen Osten. Im Jahr 167 v. Chr. erhoben sich die Juden im Makkabäer-Aufstand gegen das hellenistische Seleukidenreich. Judäa entsteht. Der König ist ein Priester. Die Priester fördern den Tempelkult. Mit der Thora werden die Gesetze festgelegt.

In jenen Jahren entstehen im Volk neue religiöse Bewegungen, wie die der Essener und Pharisäer. Ein Jahrhundert später kommen Roms Legionen. Die Römer vernichten 63 v. Chr. das Seleukidenreich und auch das Judäareich. Pompeius betritt am Versöhnungsfest (Jom Kippur) der Juden des Jahres 63.v. Chr. den Tempel in Jerusalem.

 

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Sechs bis sieben Millionen Juden leben im  Weltreich, im „Imperium Romanus“. Rund eine Million Juden in ihrer „Heimat“, verteilt auf zwei Regionen: Judäa und Galiläa,  der Landstrich westlich des Sees Genezareth. Galiläa ist die griechische Umschreibung  des hebräischen galil hagoijm, was „Heidengau“ meint und auf die nicht-jüdische Bevölkerung hinweist, die in jener Region  mehrheitlich lebt.

Herodes wird als Handlanger der Römer zum Herrscher des Landes. Seine Mutter ist Jüdin, sein Vater Heide. Er baut eine  künstliche Hafenstadt aus dem Nichts: Caesara. Die  prachtvolle Residenz zwischen den Städten Haifa und Jaffa ist eine Kopie Roms. Imperial, römisch, zutiefst weltlich. Kolossalstatuen, marmorverkleidete Bauten, ein Amphittheater mit Platz für 8000 Menschen,  ein Palast,  kein Scheren um jüdische Gesetze. Römische  Rechtssprechung und  Lebensart halten Einzug,  damit eine Prunksucht, die dazu führt, dass 25 bis 40 Prozent aller Ernte- und Handwerkerlöhne eingezogen werden –  eine durch und durch heidnische Stadt – das Gegenstück zu Jerusalem, das religiöse Zentrum der Juden. Auch in Jerusalem baut Herodes. 18000 Steinmetze und andere Handwerker heuert der Regent an, um den Jerusalemer Tempel in ein Monument umzugestalten. Zwei Generationen bauen an ihm.

 

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Topographie Jerusalems

Außerhalb der Stadtmauern der Altstadt Jerusalems befindet sich die Davidstadt. Es ist der Teil der Stadt, der die längste Besiedlungsgeschichte aufweist und den Hiskija-Tunnel beherbergt. Mit diesem Tunnel, den König Hiskija im Jahr 701 v. Chr. erbauen ließ, sicherte der König die Versorgung der Bewohner Jerusalems mit Trinkwasser in Zeiten der Belagerung. Noch heute ist es möglich, einen Teil dieses Tunnels zu durchschreiten. Mit einer kleinen Lampe watet man 450 Meter durch kniehohes Quellwasser bis man den Shiloah-Teich erreicht, jener Teich zu dem Jesus einen Blindgeborenen zum Waschen schickte, woraufhin dieser von seiner Blindheit geheilt wurde.

Verlässt man die Davidstadt und überquert das Kidrontal, so gelangt man zum Ölberg, an dessen Fuß der Garten Gethsemane liegt. Das Wort „Gethsemane“ ist griechisch und bedeutet „Olivenpresse“. Tatsächlich stehen hier sehr alte Olivenbäume, deren Stämme nicht höher als fünf oder sechs Meter sind und deren Alter auf mehr als tausend Jahre geschätzt wird. In diesen Garten soll Jesus im Anschluß an das letzte Abendmahl gewesen sein, um mit seinen Jüngern zu beten. Dort soll er verhaftet worden sein.

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Jerusalemer Tempel, Quelle A. Pichlmeier

Um 965 v. Chr. gab Salomon, der Nachfolger David, den Auftrag zum Bau des ersten Tempels in Jerusalem.

167 v. Chr. mit dem Aufstand gegen den damaligen Oberherrn entsteht Judäa. Es ist ein Reich von Priesterkönigen. Der Monarch ist zugleich Oberpriester. Die Priesterkönige fördern den Kult im Tempel. Sie stärken die uralten Sabbatgebote. Mit der Thora werden auch Gesetze festgelegt, die das Leben in allen Aspekten genau regelt.

Der Jerusalemer Tempel ist das religiöse und nationale Heiligtum Israels um die Zeitenwende. Herodes der Große lässt
ihn ab 20 v. Chr. grundlegend umgestalten. Der Herodianische Tempel wirkt in seiner Pracht auf zeitgenössische
Betrachter wie ein Weltwunder. Die Plattform des Tempelberges wird aufgeschüttet und damit künstlich vergrößert.
Die Grundflächen von Heiligem und Allerheiligstem werden zwar beibehalten, doch wird das Gebäude deutlich höher
errichtet. Im Verlauf des Jüdischen Krieges 66-70 n. Chr. wurde der Tempel von den Römern zerstört.
(Herzlichen Dank an die Wissenschaftlerin A. Pichlmeier für die Informationen zum Tempel.)

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Vor dem Tempel war der Priestervorhof mit dem Altar, davor der Hof für die Israeliten, noch davor
der Hof für die Frauen. Nichtjuden durften nur den Bereich eines äußeren Vorhofes betreten. Verbotsschilder, von denen einige erhalten sind, drohten bei Zuwiderhandlung die Todesstrafe an.
Herodes setzt seine Politik, seine Steuern und Bauvorhaben mit Gewalt durch. Sieben eigene Söhne lässt er sogar ermorden, weil er sie für Verschwörer hält. Ende März oder Anfang April des Jahres 4. v. Chr. stirbt er.  (es soll auch das tatsächliche Geburtsjahr Jesu sein). 33 Jahre Herrschaft enden.  Einer seiner Söhne,, Herodes Antipas, regiert danach Galiläa und eine Nachbarregion. Judäa wird von einem Präfekten, einem römischen Magistraten regiert, der nur dem Kaiser und Gouveneur der Nachbarprovinz Syria untersteht.Es ist eine Zeit der Unruhen und Unzufriedenen, der Überfälle und Aufstände. Der Kaiser muss seine Truppen entsenden. Roms Macht wird im Alltag noch spürbarer. Die Römer behandeln Judäa und Galliäa gleich hart. Nach dem Tod von Herodes ziehen Legionäre im Jahr 4 v. Chr. durch Galiläa. 2000 Aufständische lässt der Kommandant kreuzigen. Dreizehn Jahre später zieht dieser Kommandant auch durch Germaniens Wälder.
Jeder Römer kann fortan jeden „Juden“ zum Weggeleit zwingen, was bedeutet, jeder Legionär kann jeden beliebigen Passanten anhalten, damit er für ihn eine Meile Gepäck trägt – ohne Lohn. Später wird Jesus Demut predigen:
„Und so dich jemand nötigt eine Meile, so gehe mit ihm zwei.“

 

 

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 Es gab in Jerusalem sogar ein Tor, das nach den Essenern benannt wurde.

 

Unter dem römischen Präfekten Pontius Pilatus leben etwa 40.000 Menschen in Jerusalem. Eine Stadt, die schwer zu kontrollieren ist. Sie ist ein Gewirr aus Gassen, Plätzen und schmalen Durchlässen. An einem Passahfest, eines der wichtigsten Feste, drängen sich viermal so viele Menschen durch die engen Straßen. Pilgerer kommen aus Kapernaum, Nazareth in Galiläa, aus Jodefat und Gamla auf dem Golan, aus Jericho, aus Alexandria, aus Griechenland und Rom. Manche der Juden, die in der Diaspora leben – etwa die Gemeinde von Rhodos -beziehen Herbergen. Das Passahfest wird zum Gedenken an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft begangen. Ein heiliger Tag in einer unübersichtlichen Stadt unter der Knechtschaft Roms- und dann kommt auch noch Jesus mit einer großen Anhängerschar auf den Ölberg –  Pontius Pilatus dürfte alarmiert sein. Es ist der 9. Nisan des jüdischen Kalenders, das 17. Jahr der Herrschaft des römischen Kaisers Tiberius – Sonntag, der 2. April des  Jahres 30.
Jesus hat noch 120 Stunden zu leben.

Wer jetzt zu rechnen beginnt, dem sei gesagt: Mönch  Dionysius Exiguus verrechnete sich im Jahr 553 bei der Berechnung des Geburtsjahres von Jesu. Althistoriker sind sich  – dank einiger antiker Quellen –  einig: Jesu kam kurz vor dem  Frühling  im  vierten Jahr „v. Chr.“ zur Welt.  Jesus Geburtstag ist auch nicht der 25. Dezember. Der Tag passt ebenso nicht in die Berechnungen zum „Stern von Bethlehem.“

 

Es bleibt rätselhaft.  Alles was wir haben, sind Bruchstücke, Puzzleteile, Spuren, hier und da – zweifelsohne – spektakuläre und bedeutsame Funde, allen voran sicherlich die Schriftrollen der Essener, das Haus, in dem Jesus für eine Zeit am See von Genezareth gelebt haben soll und weiteres. Es gibt Widersprüche,  Fehlinterpretationen und ein großes Stück Legendenbildung von Seiten der antiken Schreiber und christlichen Theologen. Die Änderungen im Sinne einer christlichen Geschichte sind zahlreich, manchmal grob, manchmal subtil.

Von einem Stall ist bei  Lukas die Rede, bei Matthäus nicht. Kein Chronist aus damaliger Zeit überliefert den von Herodes befohlenen Massenmord an Kindern. Selbst manche Theologen sprechen heute von einer Legende. Vermutlich hätte das zu einem Volksaufstand geführt. Der wichtigste antike Geschichtsschreiber Flavius Josephus nennt 45  Orte in jenem Land – Nazareth aber nicht. Jesus muss als leiblicher Sohn Josephs angesehen worden sein, denn sonst wäre er nicht im Matthäus-Evangelium (evangelios: frohe Botschaft) mit  Hinweis auf all seine Vorväter erwähnt. „Dies ist das Buch von der Geburt Christi, der da ist ein Sohn Davids, des Sohnes Abrahams…bis hin zu Joseph. Warum Judas seinen Meister verraten hat, wenn er es denn auch tatsächlich war, darüber verlieren die Evangelisten kein Wort.

Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten des jüdischen Hohen Rates können auch ohne Mitwirkung der Römer Verhaftungen vornehmen. Das tun sie in der Nacht des 14. Nisan, der 7. April des Jahres 30 wird Jesus verhaftet. Gerade noch soll er mit seinen Jüngern  im Garten Gethsemane im Kidrontal östlich des Tempels gebetet haben. Er wird verhaftet. Die Jünger werden nicht verhaftet. Auf Jesus wartet der Hohepriester Kaiphas und ein Teil der 71 Köpfe des jüdischen Hohen Rates aus Priestern, Adeligen und Gelehrten –  die in allen Belangen die höchste Autorität im Land nach Pilatus sind, beherrscht von den Sadduzäern und ganz wenigen Pharisäern. Sie bringen Jesus mit samt der Klageschrift zu Pontius Pilatus. Es eilt, der heilige Sabbat und das heilige Passahfest nahen.
Es sind vor allem die Frauen, Maria, Maria Magdalena, Salome und weitere, die unter seinem Kreuz stehen, nicht seine Jünger. Einzig Johannes und Jakobus sollen anwesend gewesen sein.

 

Um noch eine noch offene Frage zu beantworten: Jesus soll die Mittelmeerküste nicht gesehen haben. Das kann man glauben oder auch nicht.  Die Geschichte über diesen Mann ist und bleibt ein Puzzlestück. Fest steht, er hat uns den schönsten Satz  hinterlassen, den je ein Mensch auf dieser Erde ausgesprochen hat:

„…und was nicht entstanden ist im Herzen des Menschen.
Das werde ich euch geben“

„Ich werde euch geben, was das Auge nicht gesehen hat… – aber werde erst ein Einsamer.“ Erkenne, dass du alleine bist, und fühl dich in dieser Alleinheit daheim. Ich werde euch geben, was nicht einmal im Herzen entstanden ist, etwas, dass keine Theologie erreichen kann. Er sagt: Wirf alle Orientierung fort, wir alles, was außen ist, fort, und komm zum innersten Kern, wo nur du bist, wo nur Sein pulsiert. Dies „sei einfach nur“ ist Meditation. Wenn du vor deiner eigenen inneren Leere nicht fliehst, wenn  weder Gefühl noch Gedanke keine Wolke um dich herum, wolkenlos, kein Rauch um die Flamme  existiert- dann bist du eingetreten.

Das ist Mystik, nicht Religion.
Keine Religion, keine Theologen, keine Lehrer –  alles ist in dir. Komm zu dir.

jesus laechelnd

Jawohl. Jesu, so wie er ausgesehen haben könnte – lächelnd. Ich verabschiede mich von dem Leidenden , blutig am Kreuz Hängenden, der für meine Schuld  gekreuzigt wurde.

Jesus Verkündigungen sind mitunter nicht weniger rätselhaft. Er hat zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten zu verschiedenen Anlässen gepredigt  Was hat er tatsächlich gesagt? Was ist  ihm zugedichtet?

thomas evangelium

Ein Blatt aus dem Thomas-Evangelium. Vor dem Jahre 100 verfasst.

Das Thomas Evangelium, geschrieben vor dem Jahr 100. Es enthält 144 Lehrsätze Jesu – viele von ihnen sind anders überliefert als im Neuen Testament.

Liest man die aramäischen Schriften, gelangt man noch zu ganz anderen Erkenntnissen.

Die Welt durch die Jesus wanderte, war mehr als „nur“ ein kleiner Landstrich. Ich schrieb, Jesu war Jude. Seine Tradition war zweifelsohne ein jüdische. Seine späteren Reden hingegen waren  reine Vedanta. Jesu war in diesem Sinne  wohl auch Hindu. Jesus wurde ausgebildet, bei den Essenern, bei großen Weisheitslehrern Indiens. Er studierte die Schriften Gaudamas. Das Thomas-Evangelium zeugt davon.

Er redete zu Prostituierten, Bauern, Fischern und Kranken – er blieb in der Welt. Er war kein Weltflüchtling.
Er selbst hat sich weder als Christ  noch als Messias bezeichnet. Die ersten Christen waren Juden.  DIe Christen wollten sich von den Juden absetzen. Sie machen Jesus, den Juden zum Christen ihre Evangelien.

 

Flavius Josephus, wichtigster Autor und Jude schrieb in den Jahren 93/94 das Werk „Jüdische Altertümer“. So weiß man heute:  Der Name Jesus war ein häufig genutzter Beiname. „Jesus der Justus nannte“ oder „Jesus, der Christus genannte“ wurde verwendet, um Eindeutigkeit zu gewährleisten.

 

 

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Heilige Geometrie der Natur. Blume in Mexico

 

Johannes der Täufer ebenso wie Jesus und seine Familie gehörten zu den Essenern.
Jesus verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Qumran und stand auch später noch mit den Essenern in Verbindung. Die Kreuzigung überlebte Jesus. Monate nach seiner Genesung machte er sich nach Damaskus auf. Das ist kein Zufall – auch dort lebten Essener. Darüber berichtete ich bereits in anderen Beiträgen.

Amerikanische Wissenschaftler (!) eines ein DNA-Projekts , schließen heute nicht mehr aus, dass Jesu die Kreuzigung überlebt haben könnte. Es gäbe  Hinweise,  dass Jesu in Kaschmir am Himalaya  im Alter von etwa 80 Jahren gestorben sei. Dazu gehöre die Existenz eines Grabes, an dessen Seite auf einer Tafel Fußabdrücke mit jenen Wundmalen einer Kreuzigung zu sehen sind. Es soll  das Grab eines „Propheten“ mit den Namen Yuz Asaf sein. Yuz Asaf (Asaph) ist ein Weg, um ‚Sohn des Josef (Joseph)‘ zu sagen. Diese Anwendung war in dieser Region zu der Zeit von Jesus üblich.

Es wurde zudem Buch geführt: Dokumentationen über den Besuch von vielen Königen, die über  Jahrhunderte das Grab besucht haben. Irgendwann wird es plötzlich still um dieses Grab.  Die Dokumente seien in den Händen der indischen Regierung. Es gibt darüber hinaus  eine Familie, die noch heute behauptet, sie stamme von Jesu ab. Jesu soll zwei Kinder gehabt haben.  Man habe das Schweißtuch von Golgota, man habe das Turiner  Grabtuch, so könne  man eine DNA-Probe von der Familie in Kaschmir durchführen, die den Anspruch erhebt von Jesu abzustammen. Es könne durchaus bedeuten, dass sich einige Überzeugungen, die einigen sehr heilig sind, ändern könnten. Es  gäbe eine Gruppe von Muslimen, die sich Ahmadis nennen, die davon überzeugt sind, der wirkliche Jesus liegt im Roza Bal Grab. Noch fehlen wohl die Gelder für das Forschungsprojekt.

 

 

weitere Beiträge zu den Essenern:

Zeit ist`s.

Die Zeitrechnung der Essener

Es fühlt sich wie ein Senfkorn an

Eine Reise von siebzehn Jahren

Eine Reise von mehr als siebzehn Jahren

Die Essene: Bräuche und Sitten

Die Essener: Eine Reise zu den Ursprüngen

Der Lehrer der Gerechtigkeit

Die Heilkräfte der Essener

Setzt Gott keine Grenzen

Die verlorenen Schafe

Maya, Kabbalah, Essener: kein Wort hat nichts zu sagen

Der Stein der Weisen

Meine erste Rückführung

 

Es gibt noch einige mehr im Blog….

 

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3 Kommentare zu “Ein kleiner Landstrich im Nahen Osten

  1. arabella50 sagt:

    Ich lese sehr gern bei dir,etwas weniger an Fülle,ließe mich den Inhalt leichter verarbeiten.Das ist aber nur eine Randbemerkung,liebe Martina.
    Herzliche Grüße

    • martinakunze sagt:

      🙂 Liebe Arabella,
      haaaaaaaaaaaaaaa haaaaaaaaaaaaa – „nur eine Randbemerkung.“ Zu höflich, zu höflich. 🙂

      Du würdest lachen, hättest du mich beim Schreiben erlebt. Ich dachte ähnlich beim Schreiben. :), da kamen die wirrige Martina und wirrige politische Zeiten zusammen.
      Wahrlich ich sage dir (in Anlehnung an Jesus *hihi..): Das war bei mir heute wie mit dem Regen hier gerade. — Gleich schwappt der Rhein über. Weltuntergangsstimmung. Das Wetter tobt. Es blitzt und donnert und es regnet Bindfäden.

      Die Lehre Jesu war auch unsystematisch, rätselhaft, mitunter ziemlich fordernd….hahahahahahahahaa…

      Ich mach jetzt mal lieber Schluß – zu viel Donner und Blitz.
      Herzlichen Dank, ich schätze deine Anmerkung, liebe Arabella.

      Blitzgrüße von Martina

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