Maya: Bewege den Wind

rad der medizin

Rad der Medizin

 

Krankheitskonzeptionen der Maya

Ist Ihnen heiß oder kalt?
Die Maya sagen, besonders Deutsche seien „heiß“. Wie sie darauf wohl kommen, frage ich mit einem Lächeln auf meinen Mund?

Durch Wut, Ärger, Trunkenheit oder auch durch die falsche Ernährung könne man heiß werden, sagen sie. Neugeborene seien heiß und auch Pubertierende gelten als heiß, mächtige Personen ebenso. Wenn Eltern keine Kinder bekommen, empfehlen Maya-Heiler den Eltern,  „heiße-“ Nahrung zu sich zu nehmen. Traurigkeit könne hingegen jemanden „kalt“ machen.
Es gibt  für die Maya heiße und kalte Nahrung, ebenso wie es  heiße und kalte Pflanzen, Tiere oder eben Menschen gibt.

Zu den „kalten“ Nahrungsmitteln gehören Schweinefleisch, Schmalz, Fisch, Bohnen, Avocados, Tomaten und Früchte und natürlich noch viele andere, die ich an dieser Stelle ausspare. Zu den „heißen“ Lebensmittel gehören Hühnerfleisch, Käse, Kaffee, alkoholische Getränke, Honig und Rindfleisch. Auch hier ist die Liste beliebig erweiterbar.

Um gesund zu bleiben, sei es wichtig sowohl „heiße“ als auch „kalte“ Speisen zu sich zu nehmen, damit eine Balance im Körper entstehe.

Krankheiten unterteilen die Maya auch  in kalt oder heiß.  Erkältungen, Fieber, Verbrennungen und Nierenprobleme gelten als heiß. Kopfschmerzen, Suslo, der Seelenverlust, Knochenbrüche und Erbrechen gelten als kalt.

Das Heiß-Kalt-Syndrom ist in ganz Mesoamerika bekannt, doch variiert das System von Region zu Region stark.

 

maya schamanin

Maya-Schamanin

Ein großer Teil der Mayabevölkerung besitzt medizinisches Grundwissen. Besonders Frauen haben ein breites Repertoire an Hausmitteln und besitzen Kräuterwissen. Es gibt Heilkundige wie die Parteras. Sie sind Hebammen. Es gibt die Hueseros. Sie befassen sich mit den Knochenbrüchen, Verrenkungen und Verstauchungen. Sie heilen im ganzen Land, manche sogar im Ausland. Es gibt die Curanderos. Dies sind Frauen und Männer, die von Gott berufen sind, andere  von ihnen erlernen den Beruf vom Vater oder einem anderen Verwandten. Sie behandeln Kranke, die nicht durch Hausmittel geheilt werden können.

Zahorines sind Wahrsager. Auf der Basis der Ritualkalender beantworten Zahorines Fragen aller Art,  geben Prognosen oder machenTraumdeutungen. Zudem werden sie bei sehr schweren Krankheiten hinzugezogen. Zahorines rufen verschiedene Heilige an, bis einer dieser aus der geistigen Welt zu ihr spricht. Die Ausübung sei eine Berufung, die vorbestimmt sei, sagen die Mayas.

Schamane wird man durch göttliche Bestimmung. Sie erfahren ihre Bestimmung durch Träume, die in den Wäldern verloren schienen und durch auf mysteriöse Weise gerettet wurden. Es kann auch durch Nahtoderfahrungen geschehen. Erfahrene Schamanen führen in die Zeremonie- und Heilpraktiken ein.

cenote 1Die Gebete von Schamanen umfasssen eine lange Liste von heiligenNamen,einschließlich der Maya-Gottheiten und katholische Heilige.
Ebenso gehören Altare, heilige Orte wie die Cenoten, die Unterwasserwelt der Maya, dazu. Das Rezitieren von Namen ist im Gebet der Schlüssel.
Die Heilige Drei-Einigkeit findet in der Regel zuerst Erwähnung tu kili `ich k`aba Dios Yumbil, Dios Mehenbil, Dios Espiritu Santo – im Namen des Heiligen Vaters, des Heiligen Sohnes und des Heiligen Geistes.
Es folgen Namen von baalamo `ob – der spirituelle Beschützer. kanano`ob – Beschützer. iik`o´ob – Winde. meyajo`ob – spirituelle Helfer. joyao`ob – Wässernde und tepalo òb – Herrscher. Es folgen katholische Heilige: Santa Maria, Santa Ana, Santa Lucia, Jungfrauen, Erzengel Michael, Santo Cristo Chumayel, San Francisco und weitere Heilige.
Das Gebet selbst wird leise gemurmelt. Die Wörter sind heilig. Gebete können bis zu dreißig Minuten dauern.  Maya Phrasen werden ebenso rezitiert. Es kann durchaus geschehen, dass ein Schamane, während in der Kirche gesungen wird, neben dem Altar der Kirche kniet und die Becher hält, um Getränke zu reichen. Die Maya akzeptieren bestimmte Aspekte des kirchlichen Glaubens. Der Regengott würde allerdings nie in einer katholischen Messe erwähnt werden.

 

Bevor eine Behandlung durchgeführt wird, zünden die meisten Heilkundigen Kerzen an und verbrennen Copal.  Dabei werden Gott, die Heiligen und Numina angerufen. Falls sie das unterlassen, werden sie von diesen bestraft.

 

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La curandera. Die Heilerin. Gemälde von Josè A. Gonzàlez. Atitlan, 2005, Museum Völkerkunde Hamburg

 

Als Krankheitsursache seien die Awas oder akwas sehr wichtig. Die meisten entstehen im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln. Dies sei ein natürlicher Vorgang, bei dem weder Gott noch die tzuultaq`a`involviert seien. Wie awas in den Körper gelangen, scheint auch den Maya unklar. Hauptsächlich seien aber Kinder von den awas betroffen, sagen die Maya. Sie werden im Mutterleib von dieser Krankheit befallen, wenn die Mutter sich vor einem Nahrungsmittel oder einem Geruch ekelt oder ihre Gelüste auf ein bestimmtes Nahrungsmittel nicht stillen kann. Nach der Geburt weisen die Kinder dann körperliche Merkmale auf, die Bezug zu den jeweiligen awas haben.
Die Liste der Ursachen für awas ist lang und sie treten ohne Ekelgefühle auf.

Beim Tomaten-awas finden sich rote Flecken auf der Haut des Kindes. Die Mutter hat sich in diesem Fall entweder vor Tomaten geekelt oder aber keine bekommen, als sie Appetit auf diese hatte. Die fettige Haut eines Kindes wird vom awas manteek, dem Schweinefett-awas verursacht. Hierbei ekelte sich die Mutter vor fettem Essen.

Die Auswahl der Nahrungsmittel ist nicht willkürlich, sondern folgt dem Heiß-Kalt-Konzept.  Die meisten awas-erzeugenden Lebensmittel sind kalt. Die  Awas werden als kalt klassifiziert, weil das Blut schwach fließt.  Durch kalte Nahrung kühlt die Mutter ab, dadurch auch der Fötus und das führt zu einer kalten Krankheit. Ausschließlich heiße Nahrungsmittel sind aber auch nicht gut für den Embyro. Heiße Lebensmittel wie Käse können ebenso zu awas führen. Eine ausgewogene Balance  sei daher wichtig. Schwangere sollen ebenso zu „heiße“ Personen meiden.

Durch ein Ritual, dass sich rawasinkil nennt, soll das Kind in den meisten Fällen wieder geheilt werden können. Rawasinkil meint: die Winde herausbekommen. Meist führt die Mutter das Ritual durch. Die Mutter geht mit ihrem Kind nachts an den ersten drei Nächten des abnehmenden Mondes jeweils an eine Wegabbiegung. Dort wird das rawasinkil jede Nacht je nach Art des awas abgehalten.  Vom Lebensmittel durch welches jenes awas ausgelöst wurde, wird ein Stück abgebissen und ausgespuckt. Mutter und Kind sollen das tun. Oder das Lebensmittel wird am Körper gerieben und dann – ohne zu sehen wohin – weggeworfen. Dann rennt die Mutter schnell mit ihrem Kind nach Hause.
Das Nahrungsmittel kann aber auch verbrannt werden. Das Kind soll den Rauch inhalieren. Die Asche wird danach weggeworfen. Zumeist werden die kalten Lebensmittel verbrannt. Durch das Verbrennen wird das Lebensmittel heiß und wenn das Kind  – erkrankt durch jenes kalte Lebensmittel – es als ein Heißes inhaliert, wird der „Schaden des Kindes aufgehoben“. Das Objekt und sein Abbild am Kind werden wiedervereinigt.

 

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Mexico über den Wolken

Aigres

Aigres sind Winde, die in den Körper hineinfahren, um ihn krank zu machen. Die Maya glauben, dass die meisten Krankheiten durch Winde in den Körper gelangen. Malaria beispielsweise  mala aria bedeutet schlechte Luft. Die Schamanen der Maya haben die Kraft, die Menschen davon zu befreien.

Es gibt drei Arten von agires.

Bei der ersten gelangt der Wind zufällig in den Körper. Das lässt sich leicht behandeln.

Mehr Respekt haben die Heiler vor der zweiten Art, die von unreinen Personen oder Dingen ausgeht.  Kuhmist soll helfen, damit schwitzt der Patient. Der Erkrankte soll darüber hinaus kalte Speisen zu sich nehmen. Die Farbe Rot soll auch schützen.

Die dritte Art von aigres wird von missgünstigen Personen geschickt. Dann fließt Blut an die wärmste Stelle des Körpers,den Kopf. Das Gehirn erhitzt sich und das Denken fällt schwer. Dies könne durch einen Fluch geschehen, den jede Person auszusprechen vermag. Die Windgöttin trägt ihn zum Opfer. Erkrankte leiden dann an Erbrechen, Krebs, Tumore oder Anämie. Im Westen Guatemalas haben die Heilkundigen eine andere Vorstellung hierzu. Dort vermischt es sich mit dem Kalt-Heiß-Syndrom. Die Winde befallen jemanden.

hunbatz men Schamanen 2014

Maya-Schamanen. In der Mitte Hunbatz Metz

 

Nimm dich in Acht vor dem gelben Abendwind

Im ländlichen Yucatan Mexicos gibt es das Santiguar-Ritual, um die Erkrankten von diesen Winden zu befreien.  Es ist ein Reinigungsritual. Santiguar ist ein spanisches Wort und bedeutet: ein Kreuz auf etwas markieren. Für die Maya ist es ein Heilritual, in dem der Schamane, der je-meen, betet und den Patienten mit heiligen Blättern „bürstet“ und so reinigt.

Manchmal hinterlässt der Heiler ein Kreuz auf dem Körper des Patienten, manchmal auch nicht. Die heutigen Schamanen Mexico`s haben  einen Altar in ihren Räumen. Ich durfte während meines Aufenthalts jemanden begleiten. Auf Don E`s. Altar sah ich damals eine alte Holzbox, die Jungfrau Fatima, die Jungfrau Guadelupe und noch eine andere Jungfrau, Virgen de Perfecto Socorro wird sie genannt , das Kreuz Jesu und einen Engel stehen. Ein Kerzenhalter mit fünf Kerzen stand vor dem Altar, etwas, was den Schatten eines Vogels warf, frisch gepflückte Pflanzen und in einer anderen Ecke stand ein leeres Glas. Der Schamane bewegte sich so, dass der Patient Richtung Osten sah. Die Ausrichtung nach Osten ist für die Maya enorm wichtig. Zeremonien, Altare sind immer nach Osten ausgerichtet. In das Glas kippte der Maya aguardiente, einen klaren Likör, der aus Zuckerrohr hergestellt wird. Die Kerzen wurde angesteckt. Ein gefaltetes Stück Stoff nahm er in seine Hände und holte holte daraus etwas, was er zwischen Daumen und Zeigefinger hielt und kurz darauf in den Likör eintauchte. Das Etwas  nennen die Maya koj kaan, Mund der Schlange. Sie brauchen jetzt nur an ein Stück Klapperschlange denken, dann wissen Sie, was im Likör getränkt wurde.

Kommt ein Patient beispielsweise mit Kopfschmerzen, werden damit der Nacken und die Schultern viele Male berührt, also abgetupft. Dabei wurde der unteren rechten Hälfte des Nackens spezielle Aufmerksamkeit gewidmet. Danach legte der Schamane das Stück Schlange zur Seite und rieb mit seinen Fingern den Likör aus dem Glas auf den Nacken des Patienten. Danach wurde der Nacken mit dem Bund der heiligen Pflanzen und dem Likör ,sipche, besprenkelt und abgeklopft.
Die Blätter sind so angeordnet, dass sie Spuren eines Kreuzes auf der Haut hinterlassen, was der Pflanze eine sehr heilige Qualität verleiht. Der Likör gibt den Blättern zusätzliche Kraft. Der Patient steht und der Schamane „bürstet“ Kopf und Schulter mit dem Blättern. Danach folgt das „Bürsten“ des Rückens.  All das ist begeleitet von Gebeten. Am Ende bringt der Schamane die Luft über dem Kopf zum Zirkulieren. Mit den Blättern wird im Uhrzeigersinn geweht und beendet wird das Ganze mit einer spiraligen Bewegung der Blätter, als würde darüber die Krankheit aus dem Körper himmelwärts gezogen. Ein Kind, das stetig mit den Augen blinzelte wurde mit Santiguar behandelt und der Mutter wurde anschließend eine Tasche voll Blätter mitgegeben sowie weitere Medizin. Das Mädchen blinzelte nicht mehr!
Es wird auch gerne die Kräuterpflanze Ruda, eine ebenso heilige Pflanze in Mexico, für das Ritual verwendet.

wind

Mit dem Santiguar wird der Wind bewegt, iik in Mayan.

Für die Maya gibt es etwa 21 verschiedene Winde.
X-akat iik`ist ein Wind, der auf dem Grund des Boden herumhüpft.
Buhua`an iik`ist ein Wind, der vom Himmel kommt und Menschen verletzt.
x-buyut iik`ist ein Wind, der den Körper des Menschen wie eine Decke umhüllt.
Es gibt den wirbelnden Wind, Wind, der kommt und Menschen verletzt und wieder weit in den Himmel zurückkehrt, Wind, der sich wie ein Schmetterling bewegt, Wind, der Seelenwind genannt wird, tankas iik. Es gibt den  x-toh iik`, den Wind, der geschossen kommt wie ein Pfeil. Es gibt den Wind, der einem im Rücken trifft und den Wind, der sich wie ein Drachenflug formt. Er kommt aus dem Wald oder aus einem stehenden Gewässer.

 

schamane3yucatan
Kontaktaufnahme mit den himmlischen Wesen

Santiguars sind die am häufigsten verwendeten Reinigungszeremonien in Yucatan, dem Mayland in Mexico. Die unterschiedlichsten Beschwerden werden damit behandelt, auch bei  Kopf- und Magen-, Hals- und Ohrenschmerzen. Durch die Techniken und das Wissen des Schamanen werden die Informationen, die hinter jeder Krankheit liegen, entsprechend interpretiert. Der Schamane liest dies in den Körnern von Mais oder anderen Gegenständen. Im Falle von Maiskörnern werden dreizehn von ihnen in einem heiligen Muster ausgelegt. Die Numerologie ist der Kern dieses Verständnisses.

Die Zahl 13 ist die heiligste aller Zahlen für die Maya. Zwei Reihen mit je drei  Paaren von Körnern, machen sechs in jeder Reihe. Das dreizehnte Korn ist das Zentrum, das die Maya „Herz“ nennen. Puksi`ik`al in Maya.  Er schüttelt sie alle zusammen und zieht Körner heraus, schüttelt sie wieder zusammen, ordnet sie nach numerologischen Schemata an und „sieht“ übernatürliche Kräfte.

Dies wird dreimal wiederholt. Während er dazu betet, erhält der Schamane Inspiration. Dann liest er seine saastun.  Das ist zumeist ein schmales Glas. Es können  auch andere Glasgegenstände oder die berühmten Kristallkugeln der Maya sein. Alles, was mit Luftbläschen gefüllt ist. Diese Luftbläschen nehmen eine Schlüsselrolle ein in der Kommunikation innerhalb ihrer spirituellen Welt. Sie lesen in den Anordnungen der Luftblasen. Mit der Kombination von  Maiskörnern und dem Lesen in Luftblasen ist ein wirkungreiches  kuenta vollzogen.

Mitunter werden sechzig Maiskörner und vier saastun`ob verwendet.  Glaskugeln in allen möglichen Farben, die alle gemeinsam zwischen den Fingern positioniert und ins Licht des Himmels gehalten werden. „Siehst du die kleinen Löcher im Himmel? Sieh, du kannst die Engel sehen!“  Ti àan t ka` an èlo. Dort sind sie im Himmel. Ihre Worte kommen herunter. Leuchten die saastuns, hat der Schamane sein Zeichen erhalten. Durch das saastun sehen sie den Himmel.

Auf einem Holztisch werden die Körner ausgelegt, wieder zusammengetan und geschüttelt, wieder ausgeworfen. Fünf, fünf, fünf, eines bleibt über, beten,  wieder werden alle kombiniert, zur Hälfte wieder aufgeteilt. Nachdem dieses siebenmal wiederholt ist, arrangiert der Schamane sie zu Clustern 1, 4, 1,2, und 5.  Dann noch ein Cluster mit 5 und zwei, die darüber platziert werden: sieben Punkte. Am Ende bleiben drei Körner über. Die werden in der Mitte des Tisches platziert. Und irgendwie sahen die Cluster in ihrer Anordnung aus wie die  Maya Zahlen: einen Balken für die Zahl 5, Punkte für die Zahl 1. Der Patient wird gefragt, wie lange er schon unter der Krankheit leidet. Am nächsten Tag soll der Patient mit speziellen Blätter und drei Eiern wiederkommen. Die Zahl am oberen Ende des Tisches entscheidet, wie viel der Patient davon am nächsten Tag mitbringen soll. Sie gibt auch Auskunft darüber, wie viele Tage der Erkrankte die Medizin nehmen soll. Die Instruktionen hierzu kommen aus der unsichtbaren Welt.
Susto ist in ganz Lateinamerika als ein Krankheitskonzept bekannt.

Bei den Maya werden die Menschen in starke und schwache Menschen eingeteilt. Kinder und alte Menschen gelten als schwach. Aber auch positive, besonders begehrenswerte Eigenschaften führen zu Schwäche. Darunter fallen Schönheit, Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit. Die positiven Eigenschaften können zu Eifersucht bei anderen führen, darum gelten sie schwach. Es gibt ebenso starke und schwache Pflanzen. Je dorniger oder wilder eine Pflanze ist, desto stärker ist diese.
Ein Mensch kann sich durch emotionale Ungleichgewichte eine temporäre Schwäche zufügen. Hunger, Überarbeitung, Eifersucht, Alkoholkonsum, Wütendsein.
Schläge, Wunden, Hämatome, Verbrennungen schwächen den Körper. Die Schwachen sind empfänglich.

Jeder emotionale Schock oder die Angst kann ein susto auslösen. Ein schweres susto kann durch übernatürliche Wesen verursacht werden, sagen die Maya. Geister eines Toten besuchen einem im Traum.
Die leichteren Sustos werden mit Kräutern geheilt, oder es werden Lehmpuppen hergestellt, ausgestattet mit Haaren, Kleidung des Erkrankten. Damit geht der Patient in Begleitung an den Ort des Verlustes. Dort wird der susto aufgefordert, die Person zu verlassen und in die Puppe überzugehen. Dann wird die Puppe begraben.
Curanderos behandeln sustos so:
Drei Kerzen werden entzündet, Limette, Mejoral (ein Schmerzmittel ähnlich dem Aspirin) und die Heilpflanze Ruda werden vermischt und auf den Körper aufgetragen. Dann wird in das Gesicht des Kranken geblasen, damit er reagiert. Susto kann auch mit Tabak, Schnaps, Knoblauch und Rauch geheilt werden.  Alles wird gemischt und in das Gesicht des Patienten gespuckt, damit das Böse, tzini, entfernt wird.

Ein Mensch kann seine Seele verlieren. Dies geschieht auf verschiedene Arten.  Sie kann sich aus natürlichen Ursachen vom Körper lösen. Aber auch „Numina“ (göttliche Wesen) können die Seele absichtlich ergreifen und sie der Person entwenden. Am häufigsten gehe eine Seele außerhalb des Dorfes, in Aufenthaltsorten wie Wald, Höhle oder am Fluss verloren, sagen die Maya. Die Krankheit nennen sie „Berg-awas“.
Durch Schrecken oder Furcht kann sich die Seele lösen, auf den Boden fallen und von einem tzuutaqà eingesammelt werden. Die Seele kann sich auch durch ein Bad im Fluss lösen. Ein asoziales Verhalten gegenüber den Mitmenschen kann ein Einschreiten bewirken. Es muss nicht immer die sich fehlverhaltende Person treffen, es kann sich auch gegen ihre Angehörige richten. Die Symptome von Seelenverlust seien ständiges Hinfallen, Zittern und Schwachsinn. Stirbt der Mensch frühzeitig, weil er seine Seele nicht wiedererlangt muss die Seele im Reich des lokalen tzuultaq`a bleiben und für diesen arbeiten.
Diagnostiziert wird der Seelenverlust anhand des Pulsschlages. Es handelt sich um eine „heiße“ Krankheit. Um die Seele wiederzuerlangen, muss der Patient wieder an die Stelle gehen, wo er sie verloren hat. Bei den Quichè Maya gibt es „Rufer“, Frauen, die einen dorthin begleiten. Der Name des Kranken wird gerufen, gebetet und dabei Copal und Kerzen verbrannt. Wurde die Seele an einem Fluss verloren, wird eine Figur aus Bienenwachs mit Nägel, Haaren, Kleidung des Kranken und Copal am Fluss verbrannt. Die Pflanze rismal wird verbrannt, der Rauch eingeatmet. Die Seele kehrt entweder sofort oder nach einigen Tagen zum Kranken zurück, meist im Schlaf.

Aus diesem hier Beschriebenem kann keine Verallgemeinerung für Krankheits- und Behandlungskonzeptionen des  „gesamten Mayalandes“ abgeleitet werden. Die Behandlungen sind von Region zu Region verschieden. Es existiert eine große Heterogenität. Die Maya sind sehr heterogen. Jede Gruppe Dorf, Familie, jede Region hat seine eigenen Krankheitskonzeptionen, die innerhalb einer Sprachgruppe stark variieren können.

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3 Kommentare zu “Maya: Bewege den Wind

  1. magguieme sagt:

    Kurz mal dazwischen gefragt: Was ist Suslo? Eine Abkürzung oder eine tatsächliche Krankheit? Nie gehört…

    • martinakunze sagt:

      Seelenverlust….die kann verrutschen durch Schock….sagen auch andere Geistheiler. 🙂 keine Abkürzung.
      Naja, interessant und irritierend finde ich, dass die Krankheiten bei den Maya scheinbar alle von außen kommen, durch Winde…..aber vielleicht denke ich da zu „linear“. .Winde = Energie, Geist= Energie. Gedanken=Energie.

      • magguieme sagt:

        Hihi, hatte bei der Frage noch nicht alles gelesen. Sorry. Manchmal bin ich eine Spur zu schnell.

        Mir fällt spontan ein, dass man von nassen Haaren krank wird. Auch so ein Bild, ein Spruch. Meiner Meinung nach sind es nicht die nassen Haare an sich. Eben, wie du sagst, das Ganze. Die Energie. Wie reagiere ich darauf? In welchem System glaube ich? Oder auch wo ist die Energie geschwächt? Wem oder was wird die Türe geöffnet?
        Winde sind bestimmt nicht Winde. Auch die sind in dem Gesamtverständnis anzusehen. Ein großes, mehrdimensionales Gesamtverständnis.

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