Erster Moment, bester Moment

maedchen sonnen

 

„seufz…..tingeltidi….tingeltida…Mich ergriff das Gefühl
der Bodenlosigkeit. Um nicht in dem Gedankensog

altes radiozu versinken, stellte ich einen kleinen polierten Kasten an und lauschte zur Musik. Ein luftig gesetzter Song in langsamen Rhythmus mit Pausen zwischendrin.
aufkleber

Ich warte. Ich kann warten.  Mit der direkten Erfahrung breiteten sich kleine Wellenringe aus. Gut und behaglich, angenehm und loyal gegenüber mir selbst sein. Nicht von meinem Atem abschweifen. Alles drängt mich auszusteigen aus diesem rasanten Tempo der Technikentwicklungen. Alles App. Wildes Web.  Leben inmitten eines pausenlose Surrens, Brummens und Blinkens. Telefon, Radio, Auto, PC, Tablet, MP-Player, Play-Station, Facbook &Twitter…Hunderte von Gesprächen laufen gleichzeitig, dazu noch die Fernsehgeräte. Das ergibt einen Höllenlärm – viel Geschrei und hitzige Gespräche.

Wir hissen die Fahnen, weil man das nun eben einmal mit Fahnenstangen so macht. Die Fahnen sind ein ausgezeichnetes Bild für das, was mit uns hierbei geschieht. Wir werden einfach hierhin und dorthin geweht, wie es gerade kommt.

 

 

handy generationen

Für alle Fans und Freunde der Marke Tempo: Ein Stück Technigenese. Ja, ja, so sahen sie mal aus, die mobilen Telefone. 

Schon bald soll ein neue Generation von Computern auf den Markt kommen. Die Maschine wird die Computerwelt revolutionieren, sagen die Entwickler. Tonnen von Informationen transportiert und verarbeitet diese Wundermaschine in einer Millisekunde und dabei solen siel 80-mal weniger an Energie verbrauchen.  Und 6-mal stärker sind sie als die bisherigen Computer.
Mobile Telefone werden in Kürze den Unterschied zwischen einem Druck mit dem Finger oder dem Fingernagel erkennen können. Die alten auf den Technik-Müllberg,die neuen auf den Markt. Die nächste Fernseher-Generation ist bereits in Vorbereitung. Wir werden mit ihnen sprechen können. „Einen Kinderfilm bitte“ und schon sucht das Technikwunder den entsprechenden Sender aus. Ich saß bereits  inmitten eines Forschungsteams vor einem dieser Wunderkisten und durfte mit einem F e r n s e h e r sprechen. Das wird manchen wie Schokolade essen vorkommen. Möglicherweise werden die ersten Bissen ein Genuss sein. Aber schon kurz darauf setzt die Spirale der Gedanken ein. ..Jedenfalls bei mir.  Wie fühle ich mich denn, wenn ich mit einem Fernseher spreche? Wahrlich blöd.  Und wo landet all das eigentlich, was wir an täglichem Technikmüll produzieren?  In Indien, in Afrika, in Lateinamerika – in den Händen von Menschen, die für einen Hungerlohn ihre Gesundheit auf`s Spiel setzen müssen. Dabei gab es doch gerade erste die große Auslagerung von Fernseh-Generationen.
Irgendwelche Dinge blitzen auf und verschwinden nach wenigen Jahren wieder. Und in den Ländern des technischen „Fortschritts“ stehen die Ritter in strahlender, stolzer Erscheinung, geblendet von ihren Errungenschaften. Toll, wir können jetzt mit dem Fingernagel die Taste unseres mobilen Telefons drücken und es wird von der Technik erkannt. Dafür muss eine neue Handy-Generation her. Tonnen von Informationen in Millisekunden. Schon jetzt kommen viele nicht mehr mit dem Berg an Emails in ihrem Büroalltag und dem Zugzwang, der sich daraus ergibt, klar.

Der, der uns Unterstützung und Hilfe anbietet, kann auch der Wolf im Schafspelz sein. Und kommen sie nicht mit genügend Blendwerk daher ? Versprechen sie nicht große Geschenke für die Menschheit?  Erzählen Sie uns nicht : „Wir haben keine Alternative“.

computer neue generation

Wir holen uns das in unser Leben, was wir zulassen. Wenn wir Nein zu dem sagen, was wir nicht wollen, bringen wir das in unser Leben, was wir wollen. So einfach ist es im Grunde. Kompliziert wird es, weil wir häufig nicht wissen, was wir wollen und uns von anderen erzählen lassen,was wir meinen zu „wollen“ und was „gut“ ist für uns.

Mithilfe der Magnetresonanztomographie ist es Forschern möglich, manches zu sehen, was im Gehirn vor sich geht. Wissenschaftler fanden heraus, dass eine tiefe Spur im Gehirn erkennbar ist, sobald wir die gewohnten Dinge tun – wenn unser Geist auf Autopilot geschaltet hat und wir mitgerissen werden, wenn wir uns in Gedanken verlieren oder in Emotionen eskalieren lassen. Diese Spuren sind wie Furchen der Gewohnheit, sie werden immer tiefer, je häufiger wir die gleichen Sachen machen.  Es ist die neurologische Erklärung dafür, warum es so schwer ist, aus den gewohnten Bahnen herauszubrechen.
Das klingt schwerfällig, nicht wahr?
Das klingt nach Fixieren, nach Einfrieren. Das klingt nach starrer Identität. Das klingt ganz schön langweilig.
Vermutlich gibt uns die fixierte Sichtweise ein Gefühl von Gewissheit und Sicherheit, eine falsche Sicherheit.

Auf diese Weise begegnen wir nicht selten auch anderen Menschen. Wir lassen sie erstarren.

Ich brauche nur dies oder das zu tun, und schon reagiert ein mir lieber Mensch genau so, wie er oder sie immer gewesen ist. Ich brauche bloß dies oder das tun. Und schon macht sie das. Und so weiter und so weiter. Hören wir dann andere Menschen über diese Person reden, scheint sie eine ganz andere Person zu sein. Egal, um wen es sich handelt, Partner, Mutter, Chef, Arbeitskollege – wir lassen Menschen gewöhnlich erstarren.  Statt mit dem Fluss zu fließen, haben wir eine starre Meinung von jemand anderem: eine fixe Idee von uns selbst und von anderen. Vielleicht ist es Ihnen schon einmal begegnet?  Man hat sich zwanzig Jahre nicht gesehen und selbst dann begegnet man Ihnen noch mit den alten fixen Ideen von damals. Dabei ist nichts so fest gefügt, wie es aussieht. Es ist eine falsche Gewissheit, es ist eine falsche Sicherheit.

Ist es nicht oft so, dass unsere Erfahrungen bemerkenswert von dem abweichen, was wir wollten? Es scheint da etwas auf der bewussten und unbewussten Ebene in unserem Leben zu wirken. Der Geist ist halt kreativ. Der erste Gedanke ist der frische Moment. Aber dann kommen die Gedanken, die nur noch die Vorstellung, die Erwartung dessen sind.
Erster Moment, bester Moment.
Unser Leben ist voll von diesen Momenten, voll von diesen vollkommen frischen Momenten. Wenn mich jemand anspricht und ich mich umdrehe. Das ist der frische Moment.

Wann und wie finden wir heraus, was wir wirklich brauchen und wirklich wollen?
Ich glaube, wir finden es nur heraus, wenn wir Klarheit in uns verspüren.  Wenn wir in der Lage sind, jederzeit dem Leben mit einer frische Sichtweise zu begegnen. Wenn wir hinter die äußeren Erscheinungen schauen und uns dessen bewusst sind, dass Fortschritt  im Sinne einer technischen Entwicklung nicht per se die Richtung bestimmt. Und Fortschritt in diesem Sinne auch nicht zwangsläufig  eine „gute Entwicklung“, eine „fortschrittliche“  für uns Menschen bedeuten muss.

Ich rede nicht alles schlecht. Ich rede nicht alles gut. Ich sehe es mir an, als ein Akt der Freundlichkeit mir selbst gegenüber.

Wenn wir Menschen und unsere Umwelt zunehmend unter dem zu leiden haben, was die Technik auf den Markt bringt, weil die Risiken mitunter größer sind als der eigentliche Nutzen von Technik, mag ich fragen, brauchen wir all das wirklich?

Und wenn ich sehe, wie wir im Alltag miteinander umgehen, hasten, eilen, unsere Listen der zu erledigen Aufgaben ständig länger werden, unser Geist ständig anderswo ist, Termine, an denen Freunde Zeit  für ein Gespräch haben, sich auf den nächsten Monat verschieben, sich im Gespräch dann tausende Hintergrundgeräusche zeigen, die ablenken, wir jammern, beschuldigen, uns selbst und andere, wir  eine ganze Tafel Schokolade essen, aber in Wirklichkeit uns höchst selten erlauben, auch nur ein einziges Stück zu essen und ganz und gar präsent zu sein dafür,

…dann, dann sehne ich mich nach jenem frischen Moment, nach jenen frischen Sichtweisen, nach Erfahrungen, die über das Ego hinausgehen, nach Klarheit und nach Menschen, die hinter die äußeren Erscheinungen sehen, nach Menschen, die mit liebender Präsenz in die Augen von anderen Menschen schauen, weil ich daran glaube, dass ist die Art von Erfahrung, die ein Leben verändert.

Aus den Entscheidungen, die wir treffen, erwächst unser nächster Moment, unsere nächste Stunde, unserer nächster Tag, unser nächster Monat. Unser Leben wird von Moment zu Moment durch unsere Entscheidungen, die wir jetzt treffen, bestimmt.
So das waren sie, meine Gedanken. Ich schließe jetzt meine Sinnespforten nicht, sondern tauche geradewegs in meine lauschige Musik ein, die aus dem polierten Kasten erklingt.
Tingelitidi…Tingelitida….ein luftig gesetzter Song mit langsamen Rhythmus und Pausen zwischendrin.

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2 Kommentare zu “Erster Moment, bester Moment

  1. magguieme sagt:

    ein Nicken, ein Staunen, ein Betroffensein, ein Aufatmen, ein Nicken, ein Mitsingen

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