Sieben Phänomene: Teil 6, Kristalle und Cenoten im Land der Maya

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Ein Naturwunder tief unter der Wüste von Mexico. Der Anblick ist einzigartig im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt keinen anderen bekannten Ort auf diesem Planeten, an dem sich die ganze Schönheit der mineralischen Welt in solcher Pracht zeigt. Die Kristallhöhle “ Cueva de los Cristales“ im Norden Mexico`s im Bundesstaat Chihuahua  ist eines der schönsten Plätze auf dieser Welt. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 50 Grad Celsius in 300 Meter Tiefe. Saunatemperaturen, Schwefelgeruch und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Nicht unbedingt ein Ort zum längeren Aufenthalt, wären da nicht die weltweit  größten Kristalle, die etwa 600.000 Jahre alt sind. Vermutlich vor Millionen von Jahren entstanden im mineralreichen geothermalen heißen Wasser, das die Höhle füllte.

Sie sind mitunter 14 Meter hoch und wiegen 50 Tonnen. Hier zeigt die Natur, was möglich ist.

Im Jahr 2000 wurde die Höhle von zwei Brüdern entdeckt, als man das Wasser aus der Höhle pumpte. Sie ist Teil eines Bergwerkes. Diese Kammer wurde angebohrt. Wenn aus bergbautechnischen Gründen nicht mehr nötig ist, das Grundwasser auf dem niedrigen Level zu halten, wird die Höhle wieder mit Wasser gefüllt und dem natürlichen Verlauf überlassen, heißt es. Die Mine liegt direkt über eine Magmablase.

Schon vor 2000 Jahren entdeckten die Maya die Mine von Naica. Im 1. Jahrhundert unserer Zeit hatte der römische Schreiber Plinius der Ältere seine Naturgeschichte verfasst. 37 Bände über alles, was man damals wusste. In den Büchern beschreibt er die Minen in Segòbriga, in der heutigen spanischen Provinz Cuenca. Dort förderte man Lapis spcualaris-Kristalle. Frei übersetzt: Steine, durch die man hindurchsehen kann. Chemisch ist es nichts anderes als eine Form von Gips. Selenit – durchscheinender Gips.  Das war in der Höhle  der Schwerter. Sie ist Teil der Naica-Mine in Mexico.  Gearbeitet wurde in der Mine seit Ende des 18. Jahrhunderts. Der Bergbau wird dort seit hundert Jahren von der Wissenschaft begleitet.

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Kristalle so groß wie Baumstämme

Den Boden des Hohlraums bilden riesige farblose, flächenreiche Kristallitblöcke. Weitere Kristalle ragen aus den Wänden und aus der Decke heraus, entlang feiner Risse, in denen – wie in größeren Brüchen und Verwerfungen – das Wasser im Gestein zirkulieren konnte.

Am fantastischsten aber sind die riesigen Kristalle, die aus den durchscheinenden Blöcken direkt aus dem Höhlenboden herauswachsen wie Strahlen aus verfestigtem Licht. Sie sind fast einen Meter dick und kreuzen die ganze Breite der Höhle über eine Länge von mehr als zehn Metern.

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Es gibt noch weitere interessante Höhlen in Mexico. Die Golondrinas-Höhle beispielsweise erinnert an einen überdimensionalen Brunnen. Die Schwalbenhöhle ist die zweittiefste im Regenwald Mexico`s. Die zweite Ebene ist 512 m tief. Hier nisten Schwalben und Grünsittiche. Die Höhle liegt in der Nähe des Örtchens Aquismon, im Osten des Bundesstaates San Luis Potosi.  Den lokal ansässigen Huaxteken ist die Höhle seit langem bekannt.

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Die faszinierende Cepillos-Höhle befindet sich ebenso in der Region Aquismon im Osten Mexico`s.

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Man muss kein Maya sein, um an solchen Plätzen ehrfürchtig zu werden

 

Und auch die Cenote in Sotuta de Peon, Yucatan, Mexico beeindruckt durch ihre Schönheit und Größe.
An den Cenoten waren die Maya nicht beteiligt, aber die natürlichen Höhlenseen waren ihnen heilig.
Sie galten als die Tore zur Unterwelt.

 

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In den  Cenoten, den Karsthöhlen unterhalb der Halbinsel Yucatán lebte in der Glaubenswelt der Maya ihr Regengott Chac.

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Regengott Chac, Chichen Itzà, Yucatan, Mexico

 

Die Cenoten galten als die Münder des Regengottes. Chac ist einer und ist viele zugleich.  Jeder Donnerschlag ist von einem anderen Chac verursacht. Jeder Gott bewohnt eine eigene Ebene der Realität, dazu kommen Dutzende Götter, die in den 13 Himmeln über der Weltebene und auf den neun Ebenen der Unterwelt leben. Sie bestimmten den Alltag der Maya mit ihren Träumen und Visionen, sie prägten die Kalender der Maya. Chac hat sich bewegt. Also wird die Aussaat bald beginnen. Noch heute hat dieser Glaube Gültigkeit bei den Maya.Noch immer sind viele Menschen vom Ertrag ihrer milpaFelder abhängig.

 

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Anrufung Regengott. Der Priester kniet vor dem Altar. Die vier Ecken des Altars symbolisieren den Kosmos. Speisen als Opfergaben. Foto: Sh. Schwarz

Regen war  überlebenswichtig. Mais mit Kürbis und Bohnen wurden angebaut: eine wichtige Eiweißquelle. Der Boden des Regenwaldes ist eher locker und besteht aus kärglichen Bäumen, deren Wurzeln sich ins Gestein krallen. Mais zieht große Mengen Nährstoffe aus dem Boden. Deshalb brandrodeten die Bauern jedes Jahr ein Stück. Entwaldung sicherte ihr Überleben. Ebenso bedeutsam war der richtige Regen.  Kein Regen im Winter, damit die Felder im Frühjahr so trocken sind, dass sie ausgebrannt werden können. Ein wenig Regen Anfang mai, damit der Boden für die Aussaat locker genug ist. Sanfte Regenfällte, damit die Saat gut aufgeht. Regen in großer Menge, damit die Kolben kräftig zulegen. Fällt der Regen nicht wie gewohnt, wird die Nahrung knapp.

 

 

Die Heilige Cenote von Chichèn Itzà liegt im Norden der Pyramide, zwei andere Höhlen befinden sich im Süden und Südosten. Die Cenote Holtùn genau im Nordwesten der Pyramide. Möglicherweise die Vollendung einer Rautengeometrie, die wichtigsten Koordinaten des Gesamtentwurfs von Chichèn itzà.

 

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Cenote Holtùn. Der Archäologe Guillermo de Anda wird an einem 19. Juli in die Cenote Holtún hinabgelassen. An diesem Tag und dem 23. Mai steht die Sonne hier im Zenit, und ihr Licht fällt genau senkrecht auf das Wasser. De Anda zufolge könnte an der Oberfläche einst ein Gebäude der Maya gestanden haben, das die Sonnenstrahlen in ähnlicher Weise einfing. Foto: p. nicklen

Die Cenoten waren wichtig in der Astronomie ihrer Kultur. Sie dientenden Maya  in Chichèn Itzà  als heilige Sonnenuhr und Zeitmesser, wenn die Sonne am 23. Mai und am 19. Juli exakt am Zenit stand, fanden jüngst Forscher heraus  Die rechteckige Öffnung wurde wohl so bearbeitet, dass sie die vier Ecken des Maya­Kosmos widerspiegelte. Sie bündelt die Sonnenstrahlen, deren Reflexionen wie Flammen über das Relief der Stalaktiten tanzen. Auch das Wasser scheint aufzulodern, wenn das Licht darauf fällt. Seine Farbe wechselt dann von einem dunklen Ton in ein transparentes Türkisblau. Die Sonnenstrahlen dringen nahezu senkrecht ein. Es ist eine Lichtsäule, die genau von oben ins Wasser eintaucht. Nicht nur die Sonne, sondern auch die Cenoten spielten eine Rolle für den Standort und bei der Ausrichtung ihrer Pyramiden.

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Cenote Holtùn. Das Sonnelicht lässt die Höhle wie eine Kathedrale wirken. Foto :P. Nicklen

Kleine Bezirke verdienen am Maya-Tourismus bis zu 10 Milliarden Dollar.  Die kleinen Maya-Gemeinden werden an dem Gewinn allerdings kaum beteiligt. Auf die Frage, woran man einen Maya erkennt, antwort mancher Maya: Wir sind kleinwüchsig und arm.

Die Maya kennen vierzig verschiedene Pflanzenarten und mehr, mit denen sie Krankheiten, Brüche und Schlangenbisse heilen können. In bedrohlichen Situationen vermögen sie schützende Feuerringe um jemanden zu legen. In Träumen lernen sie, was und an welchem Wochentag sie die Götter fragen müssen. Sie wissen, wo die heiligen Höhlen zu finden sind. Sie glauben an das „Sprechende Kreuz“, das während des Kastenkrieges 1847 bis 1901 eine wichtige Rolle spielte. Es habe das Wort Gottes an die Indigenen weitergegeben. Bis heute wird es bewacht und kein Weißer darf  sich dem Kreuz nähern. In ihrer Umgebung gibt es keine Fabriken, keine Maschinen, keinen Qualm. Nachts ist es friedlich und still. Sie arbeiten nicht für andere. Als Maya ist man sein eigener Herr. Priester, Heiler und Zauberer vermitteln zwischen den Welten der Götter und Gläubigen vermitteln. Ihre Berufung entdecken sie im Traum.

 

 

 

 

 

 

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3 Kommentare zu “Sieben Phänomene: Teil 6, Kristalle und Cenoten im Land der Maya

  1. magguieme sagt:

    Danke für diese wahrlich ehrfurchtsvollen Bilder! Wunderschön.
    Berufung im Traum entdecken, diesen Schlussatz nehme ich noch mit, bevor ich schön langsam in genau diese Richtung tendiere.
    Herzliche Grüße!

    • martinakunze sagt:

      Ja, den Bauch entspannen und die Berufung im Traum entdecken. 🙂 So sollten wir es tun, lernen zu tun.
      Ich hoffe, du hattest einen schönen Traum.

      Ich staune immer wieder darüber,was die Natur uns an Schönheiten und Besonderheiten schenkt. In Demut schaue ich darauf.
      Herzlichst

  2. […] Sieben Phänomene Teil 6: Kristalle und Cenoten im Land der Maya Sieben Phänomene, Teil 5: Unterwasser-Canyon Sieben Phänomene, Teil 4: Woher kommen wir? Wunderkinder und Reinkarnationstheorie Sieben Phänomene, Teil 3: Woher kommen wir? Prophezeiungen der Kogi Sieben Phänomene, Teil2:Woher kommen wir?  Machu Picchu in den Anden Sieben Phänomene, Teil1: Woher kommen wir?  Die Dogon in Mali […]

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