Heilwissen der Maya

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Was ist Krebs?

„Eine Entartung körpereigener Zellen», sagen westliche Mediziner.
„Ein Ungleichgewicht des ganzen Systems, des Menschen mit sich selbst, mit seinem Umfeld, mit der Natur und mit dem Schöpfer“, sagen die Maya.

Ein Schweizer Mediziner sagt:

„Wir geben Chemotherapie, wir machen alle drei Monate ein Bild, und hoffen, dass die Therapie anschlägt. Überspitzt gesagt: Es geht weiterhin darum, Tumorzellen zu vergiften, zu verstrahlen, herauszuschneiden. Und mit diesem technischen Ansatz stosse man an Grenzen.“

 

Unterschiedliche Definitionen, unterschiedliche Behandlungen.

 

Die Maya sagen:

Ajajpul Ajal Q’ana  würde das bezeichnen, was in der westlichen Medizin als Krebs bezeichnet wird. Zumindest in einigen Maya-Sprachen.

Krankheit sei eine Verletzung der Balance von Energie, des Gleichgewichts oder der Harmonie einer Person.
Krankheit sei das Resultat eines Verhaltens, das nicht mit den Regeln der Gemeinschaft zu vereinbaren ist. Die Seele löse sich vom Körper, sie entferne sich, und oftmals verliert sie sich an den heiligen Orten. In dieser unsichtbaren Welt bewohnt von Lebewesen, die sich von den Menschen sehr unterscheiden; an diesen Orten wird sie gefangen genommen, sagen die Maya.

Eine Vielfalt an Pflanzen stehen den Maya  – neben spirituellen Zeremonien – zur Verfügung, um zu heilen. Sie behandeln erkrankte Hautpartien mit einer Heilpflanze und setzen sie anschliessend dem Sonnenlicht aus. Dabei nutzen sie unterschiedliche Tageszeiten, also unterschiedliche Wellenlängen des Lichts, beispielswiese das langwellige, rote Sonnenlicht am Morgen oder am Abend.

Das westliche Prinzip  der Photodynamischen Therapie ist, Tumorzellen mit bestimmten Wirkstoffen empfindlich auf Licht zu machen.

Das energetische Potential –  die Lebensenergie eines Menschen – wird durch den Zeitpunkt der Geburt bestimmt, sagen die Maya. Der Mensch steht mit einem Nahual, einem Geist in Verbindung, der sein energetische Potential bestimmt.
Krankheiten entstehen aus der Verletzung und dem mangelnden Respekt vor der Natur, sowie aus Verletzungen von Grundprinzipien der sozialen Ordnung oder religiöser Prinzipien. Einige Krankheiten werden in Verbindung mit einer Besitzergreifung durch Geister interpretiert. Auch Epidemien werden in ähnlichen Kontexten interpretiert.

Ihr Konzept ist ein ganzheitliches, in dem religiös-spirituelle Kräfte von hoher Bedeutung sind. Im Popol Vuh, ihrem Heiligen Buch, finden sich einige Hinweise zur Medizin und Pflanzenheilkunde. Geist, Körper, Lebensenergie stellen für die Maya eine Einheit dar.

 

Ein Schweizer Mediziner sagt:  Krankheit und Mensch werden getrennt betrachtet.

Für die Maya (betrifft alle ganzheitlich behandelnden Heiler)  ist es völlig unverständlich, wie westliche Mediziner überhaupt jemanden heilen können, wenn sie nicht das Ganze – die Erkrankung, die Persönlichkeit des Patienten, seine Lebensumstände und sein Umfeld – betrachten. Die Maya-Heiler bauen ein enges Verhältnis zu den Erkrankten auf und glauben, dass diese Verbindung den Heilungsprozess maßgeblich beeinflusst.

Der wichtigste Faktor für Ärzte ist die Körpertemperatur. Bei den Maya ist es der Pulsschlag. Heiler können mindestens 18 bis zu 42 Pulstypen unterscheiden.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist Krebs ein Sammelbegriff, in dem Zellen unkontrolliert wachsen und gesundes Gewebe verdrängen oder zerstören. Sie besitzen eine überlange Lebenszeit und benötigen hohe Ressourcen. Sie verbreiten sich über Blut- und Lymphgefäße. Unsere Medizin teilt sie in gut- und bösartige Krebszellen ein.

Die Maya kennen keine chirurgischen Eingriffe.
Zum Tragen kommen ihr spirituelles Weltbild und ihre Annahmen über das Wirkungsgefüge der Entstehung von Krankheiten. Disharmonie mit der natürlichen und sozialen Umwelt. Die Ursachen der Disharmonie müssen gesucht werden, um das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen. Dies geschieht durch einen spirituellen Prozess.  Das zentrale Nervensystem wird beeinflusst, und damit andere für das Immunsystem relevante Hormone. Zellinternes ebenso wie Zellexternes spielen eine Rolle bei der erfolgreichen Behandlung von Krebs.

zwiebel

Es existiert ein differenziertes Heilungs- und Geburtshilfewissen bei den Maya.
Bei Brechreiz kann es die Zwiebel sein. Bei Lähmung der Käse. Krankheiten wie auch Heilpflanzen können kalt oder heiß an Wirkung sein. (wie im Ayurvedischen und in der chinesischen Medizin)

Zu den kalten Pflanzen zählen beispielsweise Kürbis, Melone oder Aloe Vera, da sie kühlend und entzündungshemmend wirken. Warme Pflanzen wie Chili oder Cayennepfeffer regen die Durchblutung an und wirken wärmend.
Bei einem Sonnenstich wird zunächst eine wärmende Brühe aus Rosmarin und Chilischoten verabreicht, um für kurze Zeit die Temperatur zu erhöhen. Danach werden wasserhaltige kalte Pflanzen wie Kürbis, Melone oder Gurke gegeben, um das Fieber langsam zu senken.

 

Behandlungen erfolgen durch eine Kombination von Pflanzen und Mineralien sowie spiritueller Rituale. Pflanzen spielen in Heilprozessen bei allen Maya Gruppen eine Rolle, aber es existieren große regionale Unterschiede, in der Art und Intensität der Nutzung von Pflanzen. Es gibt Heiler, die mehr als 500 Pflanzen kennen und ihre Einsatzmöglichkeiten schriftlich notiert haben. Immer aber geht es um die Balance-Prinzipien.
All is about Harmony.  Familienmitglieder nehmen in aller Regel an den Heilprozeduren mit teil. Sie „fiebern“ sozusagen mit.
Das „Heilige Feuer“ hat eine große Bedeutung. Es schafft eine Allianz zwischen Patient, Heiler und den Heilmitteln.

Pflanzen werden völlig anders genutzt als bei der uns bekannten Krebstherapie. Sowohl die Herstellung als auch die Anwendung unterscheiden sich. Pflanzen sind für die Maya Teil des Universums, so wie es der Patient ist. Viele Heiler sprechen mit den Pflanzen und fragen den Maya Gott um Erlaubnis, bevor sie auf diese Zugriff nehmen. Sie werden nur zu bestimmten Zeitpunkten eingesetzt. Die Aufbereitung erfolgt durch Rituale, ebenso die Anwendung, die häufig mit Tieropfern verbunden sind. Zeitgleich findet ein intensiver Dialog mit dem Universum und den Göttern statt.

Spezielle Massagen, Schröpfen (Ventosa), Pinchar (vergleichbar mit Akupunktur in Verbindung mit Aderlass) sind weitere Behandlungsmethoden der Heiler. Für die geistige Heilung setzen sie wie die Medizinmänner ihrer nordischen Verwandten Gebete, Seelenrückführungen, Traumreisen, Geistführer, Amulette, Räucherwerk und Mano (Handauflegen) ein.

 

Der heilige Trank Essiac
1922 machte die kanadische Krankenschwester Rene Caisse eine interessante Entdeckung. Sie lernte eine alte Dame kennen, die ihr erzählte, sie habe vor 20 Jahren eine Krebserkrankung besiegen können. Dazu hätte sie 12 Monate lang zweimal täglich eine spezielle Kräutermischung der Ojibwa zu sich genommen, die ihr ein alter Medizinmann empfohlen hatte. Rene Caisse erfuhr, dass diese Essenz aus vier Kräutern angesetzt wurde: Klettenwurzel, kleinem Wintersauerampfer, Rhabarberwurzel und nordamerikanischer Rotulme. 50 Jahre lang setzte sie das Elixier mit guten Erfolgen bei aussichtlosen Fällen ein, die von der Schulmedizin nicht mehr behandelt werden konnten. (am Ende des Artikels erfahren Sie mehr dazu)

 

 

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Carmen del Playa, Yucatan Mexico, Foto Kunze

 

Onkologie trifft auf die Maya

Krebs soll es schon vor 150 Millionen Jahren gegeben haben, sagt die Forschung. Vor knapp 100 Jahren wurde an fossilen Funden von Saurierskeletten Veränderungen entdeckt, die in ihrer Beschaffenheit einem Knochenkrebs entsprechen.
So. So. –  Na, dann sind es wohl die Gene?

Erkrankte damals auch jeder dritte Saurier im Gebiet des heutigen Österreichs an Krebs?  Nahmen die Brustkrebserkrankungen bei Saurierweibchen  auch stetig zu? Lag die Zahl der  an Krebs Erkrankten im damaligen Gebiet Deutschlands  bei 2 Millionen Saurier?  Und gab es damals auch schon Saurier, die ein politisches und finanzielles Interesse an dem Verkauf von Medikamenten hatten und Saurier, die es nicht ganz so ernst nehmen mochten mit dem Eid des Hippokrates?

Schon vor über 2000 Jahren beschäftigte die Menschen Brust- und Gebärmutterkrebs, sagt die Forschung ebenso.
Ein evolutionäres Erbe, das wir vermutlich mit unserer Chemie in Nahrungsmitteln und weiteren Umweltbelastungen verschlimmert haben?

Galen (129-200) erklärt Krebs als das Ungleichgewicht der vier Körperflüssigkeiten.

 

Nun wollen die Schweizer westliche Medizin mit dem Wissen der Maya in Beziehung setzen.

Es scheint als sei altes Wissen wieder gefragt und aktueller denn je. Jahrtausendaltes Wissen erfährt eine Renaissance.
Die Sehnsucht danach, seine Gedanken zur Ruhe zu bringen, sein wahres Ich zu erkennen, das Yoga-System der Inder,  die chinesiche Medizin, die Heilkunst der Essener oder auch das Wissen der Maya erhalten Zulauf.

 

Das MACOCC – Projekt
(ETH Zürich, Universität Zürich)

In der Schweiz bemüht man sich um einen integrativen Ansatz zur Krebsforschung und will nun altes Maya-Wissen mit einbeziehen.

 

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Don Alejandro, Maya-Quiche Ältester. Der Ältestenrat der Maya Guatemala ist mit in das Forschungsprojekt einbezogen.

Acht Maya Heiler aus Guatemala besuchten im letzten Jahre eine Klinik in der Schweiz. High-Tech begegnet  Gebeten, Feueritualen, Zeremonien und Pflanzen. Erstmals untersuchen Wissenschaftler nach westlichen Forschungsstandards, wie die Maya Krebserkrankungen diagnostizieren und behandeln. Fünf Maya-Ältestenräte wirkten zuvor bei den in Guatemala abgehaltenen Zeremonien hierfür mit.

Das ist auch neu für die Maya, die nach Jahrhunderten der Verfolgung und Diskriminierung grosses Misstrauen gegenüber Aussenstehenden haben und ihr Wissen lange geheim hielten. Sie leben noch heute sehr zurückgezogen in den Wäldern der traditionellen Maya-Regionen.  In ihrem eigenen Land begegnen ihnen viele Vorurteile, umso mehr freut es sie, dass sie in der Schweiz Medizinern auf Augenhöhe begegnen können.

„Anfangs habe ich wie alle meine Kollegen die Maya-Medizin nicht ernst genommen. Inzwischen denke ich, dass wir einander nicht länger ignorieren dürfen. Die Lebensumstände und Psyche eines Patienten miteinzubeziehen und seinen Kampfgeist zu wecken, wie es die Maya-Heiler tun, sollte ebenso zur Therapie gehören wie Medikamente zu verabreichen. In dem Bereich können wir viel von den Maya lernen“, sagt Eduardo Gharzouzi, Onkologe am Guatemala National Cancer Institute (INCAN)

Die Maya sind sich der Gefahr durchaus bewusst, dass sie Wissen verlieren könnten. Sie sehen darüber hinaus aber  eine Chance, dass Maya-Wissen dokumentiert wird und erhalten bleibt. Zudem verweist man auf den Maya Kalender und den Beginn einer neuen Epoche. Damit verbindet sich für die Maya die Absicht, „der Welt etwas zu geben“ , sagt Don Alejandro, und zum anderen, wolle man eine „Brücke zwischen den Maya und der westlichen Welt bauen.“ Zudem würde es die Zusammenarbeit einzelner Maya-Councils stärken. Und es diene zur Stärkung der Position der Maya in ihrem eigenen Land, denn dort seien sie nicht sehr geschätzt. Sie bekommen keine Unterstützung vom Staat. Im Zuge dieses Projekts wird über den Bau eines Maya-Krankenhauses und eine Maya- Universität nachgedacht, um das Wissen zu pflegen und zu stärken.

 

Historisches Misstrauen, sprachliche Probleme, Priester-Heiler, die ihr Wissen nur an Personen reichen, die auf der gleichen Stufe sind, der enge Rahmen von Wissenschaftlern, medizinisch-wissenschaftliche Fragestellungen, die umschrieben werden müssen, da es beispielsweise bei den Maya keine Worte für Organismus oder Metastasen gibt – gibt es überhaupt Metastasen ? Kann aus einer Hautzelle ein Leberzelle werden? Es wird Gründe geben, warum die Maya so ein Wort überhaupt nicht kennen. Wie dem auch sei, es gibt eine Reihe von Hindernissen, die überwunden werden wollen.

Fünf verschiedene Maya-Sprachen müssen per Tonband erfasst und von Sprachkundigen  ins Spanische und ins Englische übersetzt werden – medizinische Begriffe, spezifische Bedeutungen. Zudem müssen Prieser oder Leiter der Maya- Councils hinzugezogen werden. Einige der Begriffe sind den Linguisten nicht bekannt, weil sie nur auf der höchsten Hierarchiestufe der Priester-Maya verwendet werden. Das Krebsverständnis der Maya muss in Prozessen beschrieben und in Bezug zu Krebstherapien gesetzt werden. Die Erarbeitung von Interviewfragen waren verbunden mit großen Zeremonien.

Das zentrale Element der Zeremonien ist das Heilige Feuer. Es gab im Jahr 2012 13 Interviews mit Heilern. Die  herausragende Bedeutung der Zahl kam auch  bei der Anzahl von Interviews zum Tragen.  Kosmologische Repräsentation auf allen Ebenen. 13 Himmelschichten, 13 Himmelsgötter, 13 Opfergaben, die Betonung der Ostseite der Altare, der Altar selbst als  Zentrum innerhalb der vier Ecken (kan tu`uk- il) nicht nur auf dem Altartisch, sondern in seiner Ausdehnung auf Zermonialplätzen insgesamt

Es treffen fundamental unterschiedliche Kosmologien aufeinander, die sich im innersten Kern vermutlich nicht mit Sprache fassen lassen.

Ein integrativer Ansatz soll der Onkologie mehr Klärung in der Forschung bringen. Dazu gehören auch diese Fragen:  Unter welchen Bedingungen erkennt das Immunsystem Krebstumorzellen? Welche Signale rufen Aktivitäten hervor?

 

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Herz und Mund in Einklang bringen

Lernen können Ärzte sicherlich von den Maya, wenn es um den Kontakt zum Patienten geht.
Ein Heiler kann allein durch den intensiven Kontakt mit einem Patienten – also durch das, was in der westlichen Medizin nahezu überhaupt nicht mehr stattfindet – schon überaus genaue Diagnosen stellen. Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass schon bei der ersten Ritualbehandlung, bei der zwischen Heiler und Patient kein Wort gewechselt wird, die Behandlung in eine positive Richtung gelenkt wird, sich Blutdruck und Urinwerte beispielsweise senken oder normalisieren. Die Medizinmänner führen das allgemein darauf zurück, dass Heiler schon von Natur aus ein anderes – offeneres – Verhältnis zu Körper und Seele hätten. Deshalb seien sie sich ihrer seelischen Potenz bewusster, als es die Weißen seien.

Die Patienten brauchen keinen Wissenschaftler, der Anweisungen aus dem Laborhandbuch ausführt. Sie wollen an ihrer Gesundheit und an ihrem Tod teilhaben. Deshalb sei die Verbindung und Kommunikation zwischen Heiler und Patient die Voraussetzung für eine Genesung.

 

Träume

Träume sind Kräfte, die man nicht ignorieren dürfe, sagen die Maya. Beil Albträumen und Selbstzweifeln, die sie als Dunkelheit ansehen, die vergleichbar sei mit einer Geleemasse, würde man innerlich verhärten, wenn man sie nicht erobere und vertreibe.  Man müsse ihnen gegenüber treten, beispielsweise mit einem Salbei-Dampfbad und anderen reinigenden Kräutern. Salbei wird aufgrund seines geraden hohen Wuchses mit dem männlichen Prinzip assoziiert, während das biegsame Süßgras für das Weibliche steht. Beide Kräuter werden bei Reinigungszeremonien eingesetzt.

Man müsse die Botschaften der Träume nutzen, um den dunklen Einflüssen zu begegnen.

„Verhärtendes Gelee“, die beste Definition, die ich bislang für eine Neurose gehört habe.

 

Abgelöste Seelen

Heiler arbeiten mit Gebeten und Gesängen, sie räuchern und trommeln. Sie sind die Pflanzenkundige. Sie nutzen die Schwitzhütten. Wenn es jedoch um die Seele geht, dann konsultieren sie gern einen Schamanen, als Mittler zwischen den Welten. Nicht jeder Medizinmann ist ein Schamane, auch wenn es  diese Kombination gibt. Der Schamane arbeitet mit Träumen, Geistführern wie Krafttieren und Visionsreisen.
Eine der wichtigsten Aufgaben eines Schamanen ist die so genannte Seelenrückholung. Die Maya wissen, dass sich ein Teil der Seele abspalten kann, um sich etwa vor einem Trauma zu schützen. Sozusagen als Überlebensreflex nach einem schweren Unfall, einem Missbrauch oder nach einer Operation.

 

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Hunbatz Men mit Schamanen, Palenque. Yucatan, Mexico Foto: Kunze

Die Curanderas oder Curanderos Mexicos

Heiler werden bei den Maya curanderas oder curanderos genannt und  auch H`men, gesprochen Hemän, was so viel wie Wissender bedeutet. Sie sind Priester und Heiler.

Sie haben das Wissen von ihren Vorfahren weitergegeben bekommen.
Die alten Mayapriester-Heiler wünschen nicht, dass ihr Wissen verloren geht. Sie lehrten ihnen in ihren Träumen, die Fähigkeit des Heilens.

Ihre Ausbildung dauert etwas 10 Jahre. Schon als Kinder werden sie von erfahrenen Heilern angeleitet.

Dennoch soll an dieser Stelle erwähnt werden, das Durchschnittsalter der Mayapriester liegt bei weit über 60 Jahren. Meist fehlen Nachfolger für diesen speziellen Beruf, der außerdem noch eine Berufung voraussetzt. Die Bonner Altamerikanisten leiden ein wenig an Zeitdruck, weil sie Sorge haben, ihnen könnten die „Daten  und Analysen ausgehen.“

 

In den 80er Jahren schlossen sich einige der Heiler Mexicos in verschiedenen Organisationen zusammen. Fehlende Unterstützung, bisweilen mussten sie sich darüber hinaus als „Hexen“ oder „Hexer“ diffamieren lassen. Ihre Medizin wurde in ihrem eigenen Land verunglimpft.

Es ist traditionelles Heilwissen der indigenen Völker dieser Länder. In Träumen bekommen sie vieles gesagt. Immer geht es um die Harmonie von Körper und Geist, um den Fluss der Lebenskraft, um das Ausgleichen von Ungleichgewichten in Körpern. Diese Lebenskraft nennen die Maya Ch`uel.
Die traditonelle Medizin der Maya arbeitet mit Pflanzenheilkunde, Pulsdiagnostik, Schwitzhütten und schamanischen Ritualen, wobei das Wesentliche dabei Gebete sind.

Ihre Medizin ist  eng mit der traditionellen chinesischen Medizin verwandt, bei der es ebenfalls um die Ausrichtung der Lebensenergie (Qi) geht. Die Maya hielten das Ch’ulel für ein Zeichen der Wechselwirkung von Körper und Geist.

Dieses Ungleichgewicht wird mit Pflanzen und Kräutern, einer eigenen Form von Massage und Akupunktur, Hydrotherapie, mit Feuerritualen und Gebeten behandelt.

I`lol  ist eine Heilerin, die den Puls fühlt.
K`oponej witz ist eine Heilerin, die in den Bergen betet.
Tzak`bak ist eine Heilerin, die die Knochen kennt.
Jve`tome ist eine Hebamme.
AC vom ol  ist eine Heilerin, die die Pflanzen kennt.
(gilt alles auch für Heiler)

 

In der Kultur der Maya hatten die HeilerInnen eine wichtige Rolle in der Gemeinschaft inne, vor allem in den Kulturen von Yucatán und Campeche. Sie nutzten ihr umfangreiches Wissen über Heilmittel, um kranke Menschen wieder in einen Gleichgewichtszustand zu versetzen. Diese Heilpraktiken wurden viele Generationen lang mündlich überliefert, und einige Nachfahren der Maya-Heiler praktizieren sie auch heute noch.

Der Heiler ist in vielen Fällen eine traditionelle Autoritätsperson oder ein Führer der Gemeinschaft und wird meist als Diener der Allgemeinheit angesehen“, schreiben Hernán García, Antonio Sierra und Gilberto Balam in ihrem Buch „Wind In The Blood: Mayan Healing And Chinese Medicine“. „Diese Heiler sind immer noch von entscheidender Bedeutung für die Gemeinschaften. Allen gesellschaftlichen Änderungen zum Trotz stehen sie auch heute noch in so hohem Ansehen, dass sie auch weiterhin ihre Heilkunst ausüben können.“

 

 

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Weinraute – Zauberpflanze. Mönche, die ihr Keuschheitsgebot halten wollten, pflanzten Weinraute. Sie mäßigt die Lust bei Männern. Achtung! Zur Stärkung  der Augen  ist sie aber sehr gut.

Verhütung mit Weinraute und Schokolade

Frauen gehen in die Dörfer und vermitteln ihr Wissen über Körper, den Zyklus, die Empfängnis, Wissen über Pflanzen. Die Weinraute (Ruta graveolens) war den Maya schon seit mindestens 1000 Jahren bekannt. Hildegard von Bingen beschrieb das Heilkraut ebenso im Mittelalter. Heute ist bekannt, dass die Weinraute eine östrogene Wirkung hat.
Sie kochen einen Liter starken Weinrauten-Tee, wenn die Blutung schwächer geworden ist. Darin wird noch eine Kugel traditionell hergestellte Schokolade aufgelöst. Schokolade nimmt eine wichtige Rolle in der Maya-Medizin ein. Der Trunk wird auf einmal getrunken. Die Frau wiederholt das jeden Monat. Dieses Verhütungsmittel ist der Pille sicherlich unterlegen, aber die Frauen achten so mehr auf die Signale ihres Körpers, auf die Zeichen der Fruchtbarkeit. Sie sind von Kindesbeinen an eigenverantwortlicher als die „westlichen“ Frauen, die  von Beginn an eine Bevormundungsmedizin gewöhnt werden.

 

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Kakaotasse der Maya

Die Maya aßen Schokolade in rauen Mengen.

Schon vor 2600 Jahren nahmen die Maya regelmäßig Schokolade zu sich. Nachdem Archäologen Schokoladenreste in einer alten Teetasse fanden, vermuten sie, dass die Maya bereits 1000 Jahre früher als bisher angenommen Schokolade tranken. Somit war das uralte Superfood Kakao ein regelmäßiger Bestandteil ihrer Ernährung. Einige vermuten sogar, dass es zu jeder Mahlzeit Kakao gab.

„Kakao war das Getränk der einfachen Bevölkerung, aber auch die Speise der Herrscher und Götter“, berichtet Jonathan Haas, Kurator einer Ausstellung zum Thema Schokolade im Chicagoer Field Museum, in einem Gespräch mit National Geographic. „Und tatsächlich lautet der wissenschaftliche Name für den Kakaobaum Theobroma cacao, die Nahrung der Götter.“

Dank des hohen Flavanol-Gehalts von Kakao und Kakaoprodukten trug Schokolade aller Wahrscheinlichkeit nach erheblich zur Gesundheit der Maya bei. Flavanole sind Antioxidantien, die auch in Rotwein, Beeren und Tee enthalten sind und eine günstige Wirkung auf Herz und Gehirn haben. Kakao ist zudem reich an Magnesium, einem für viele Körperfunktionen wichtigen Mineral, und enthält neben hohen Mengen an Kalzium, Eisen, Kupfer, Zink und Kalium auch jede Menge Ballaststoffe.

 

 

Mit der Pulsdiagnostik können die Heilerinnen den seelischen Zustand der Schwangeren und des Kindes spüren. Mit einem Kerzenritual und Gebeten nimmt die curandera Kontakt mit der Seele der Schwangeren und ihres Kindes auf. Sie bittet um Schutz für Mutter und Kind. Liegt das Kind am Ende der Schwangerschaft nicht richtig, wird sie das Kind mittels Kräutertees, einer Drehung von außen und Bittgebeten im Geburtskanal richtig positionieren.

Sind Sie jetzt irritiert?  Die Seele dem göttlichen Schutz unterstellen? Ist das reiner Humbug? Es braucht doch Ultraschall. Kann Sicherheit geschaffen werden ohne Apparate und Technik? Die Curanderas können umgekehrt die Zweifel von „westlichen“ Frauen daran, ob es eine göttliche Macht gibt, die uns Menschen  beisteht, gar nicht verstehen. Und so staunen wir übereinander. Unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Behandlungsmethoden.

 

Die Psychoneuroimmunologie hat es herausgefunden, dass die Fähigkeit unseres Immunsystems ganz direkt mit dem Befinden unserer Seele zu tun hat. Verdrängte Traumata (eine verirrte Seele) könne krank machen – so krank, dass wir daran sterben können. Was für die Schulmedizin eine Neuerung scheint, ist uraltes Wissen der Maya und Kulturgut weiterer  indigener Völker.

 

Die zyklische Natur des Lebens

Das Gebet bei einer Behandlung oder auch Geburt ist  die Hauptsache. Es ist ganz wichtig, dass sich eine Seele nicht verirrt. Sie muss geschützt werden, sagen die Curanderas.
In Deutschland steigt die Zahl der Kaiserschnitte kontinuierlich. Existentielle Situationen werden versucht im Leben zu beherrschen.  Immer mehr Frauen wünschen sogar einen Kaiserschnitt.

HeilpraktikerInnen und andere Behandler mit alternativen Methoden wissen um die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele.
Vielen werden ebenso um den Schock von Diagnosen wissen, auch den Traumata durch schulmedizinische Methoden, denen sie mitunter ohne Unterstützung ausgesetzt sind.

„Die Maya glaubten fest an die zyklische Natur des Lebens: nichts wird ‚geboren‘ und nichts ‚stirbt‘. Dieser Glaube spiegelt sich auch in ihrer Sichtweise der Götter und des Kosmos wider“, ist auf der Website „Ancient History Encyclopedia“ zu lesen.

Die zahlreichen Rituale und Zeremonien der Maya standen in engem Zusammenhang mit diesen Zyklen.

Ein derartiger spiritueller Glaube ist mit einer Vielzahl potenzieller gesundheitlicher Vorteile verbunden, darunter weniger Stress, eine Verbesserung der psychischen Gesundheit und vielleicht sogar ein längeres Leben.

 

Biopiraterie – Jenseits der Vorstellungswelt der Cuanderas

Kaum erkannt, schon ging es los.  Der Bundesstaat Mexicos gehört zu einem der artenreichsten der Welt. Das indigene Volk hat bis heute ungeheures Wissen über die Heilwirkung von Pflanzen und Tieren. Multinationale Konzerne haben dieses schon längst erkannt. Immer auf der Suche nach Profit, alles in Geld verwandeln, was dieser Planet bietet, sind Pharmakonzerne seit den 90er Jahren auf der Jagd nach dem indigenen Heilwissen und den natürlichen Ressourcen. Patentrechte machen es möglich, das sie in ihren Besitz gelangen. Kulturgut und Wissen anderer Völker – ihre heiligen Pflanzen werden zur Ware und zu Monokulturen, weil Pharmakonzerne sich damit  mehr Profit versprechen. Dabei gibt es auch hier vor Ort genügend Heilpflanzen. Kolonialherrendenken im 21. Jahrhundert. Statt ihre Arbeit zu schützen, werden sie erneut ausgebeutet. Das Armutsgefälle wird dabei gänzlich unberührt gelassen.

673 indianische Heilkräuter hat die Schulmedizin inzwischen anerkannt und erfolgreich eingesetzt.

 

Zeremonie Corazones

 

Ergänzend zum Kräuterheilgetränk Essiac

1959 wurde der Leibarzt John F. Kennedys, Dr. Charles Brusch, auf die „Essiac“ genannte Mischung aufmerksam. Selbst ein begeisterter Forscher der Kräuterheilkunde experimentierte  gemeinsam mit der inzwischen 70-jährigen Rene weiter und erweiterte die Mischung um nochmals vier Kräuter: Brunnenkresse, Rotklee, Braunalge und Kardobenediktenkraut. Diese Mischung konnte nun unter dem Namen „Flor Essence“ ausschließlich oral verabreicht werden. Vorher wurde der kleine Wiesensauerampfer injiziert.
Doch trotz nachweisbarer Heilwirkung u.a. bei Tumorerkrankungen, Rheuma und Diabetes lehnt die kanadische Regierung bis heute „Flor Essence“ als Medikament ab. 1992 brachte dann ein kanadisches Unternehmen die Kräutermischung als „Heiltee“ auf den Markt. Heute wird „Flor Essence“ in 55 Ländern vertrieben und kann sowohl zur Vorbeugung als auch zur Unterstützung von Heilbehandlungen eingenommen werden. Damit ist einmal mehr beweisen, dass sich ein Blick auf die indianische Heilkunde durchaus lohnen kann.

Es braucht etwas Geduld bei der Anwendung dieses Naturheilmittels. Es stärkt den Körper.  Es soll immer sehr nützen, bei jedem Zustand, der dem Körper zu schaffen macht.

Die Ojibwa Indianer sagten von ihrer Naturheilmedizin,  es  sei ein heiliges Getränk, das den Körper reinige und jeden wieder zurückbringe ins Gleichgewicht mit dem „Großen Geist“. Es baut das Blut auf, hilft der Verdauung, wirkt sehr günstig auf die Darmflora und verhindert Verstopfung. Die Essence regtdas Immunsystem stark an und entgiftet den Körper. Sie verleiht rundum ein Gefühl von Wohlbehagen.

 

Quellen:

Indianisches Heilwissen.

Paul Bakkius: Gesund durch Indianerheilwissen.

Schweizer Projekt : Onkologie & Maya-Wissen
ETH Life, Zürich.

Doris Braun, Heilpraktikerin in Stuttgart, engagiert sich für eine größere Vernetzung und einen direkten Austausch mit den Curanderas  Mexicos.

Informationen zu OMIECH, einer Organisation indigener Curanderas in Mexico finden Sie unter http://www.medidnamaya.org. OMIECH arbeitet daran, dass dieses Wissen nicht nur nicht verloren geht, sondern sich auch verbreiten kann.
Oder unter: FFGZ Stuttgart, http://www.ffgzstuttgart.de

 

mehr zu Biopiraterie: Verlorenes Wissen

 

 

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