Sieben Phänomene: Woher kommen wir? Teil 3

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Kogi, ein indigenes Volk Kolumbiens. Sie leben in der Bergen der  Sierra Nevada
Foto: J.L.

„Das natürliche Gesetz war den ersten Menschen gegeben. Es steht in den Farben geschrieben. Es ist auf die Steine geschrieben und es ist im Wasser, es ist in den Farben der Berge und dem Land, es ist in der Farbe der Ozeane und den Flüssen und dem Schnee. Es ist in den Farben der Pflanzen und der Bäume. Es ist in den Farben der Vögel , der Fische und allen anderen Tiere Es ist in den Farben der Menschen – die braunen, die weißen und die schwarzen Menschen, die roten und die gelben Menschen und in den Menschen aller Farben, die dazwischen liegen. Der „Jüngere Bruder kann lernen, die Farben zu lesen – mit viel spiritueller Arbeit und Bemühung“ , sagen die Kogi.

 

 

Dieser Beitrag ist mir eine Herzensangelegenheit.  Bitte nehmen Sie sich Zeit für das Lesen dieses Textes.  Wenn Sie und ich die Gedanken der Kogi verinnerlichen, Sie  und ich ihren Sinn wirklich an unser Herz heranlassen, dann lernen wir ein weites Stück mehr unsere Heimat kennen. Ja, so kühn bin ich und behaupte es an dieser Stelle. Ich glaube, ich übertreibe  nicht.  Es sind Gedanken, die tief gehen. Die Worte  und Gedanken dieses indigenen Volkes Kolumbiens, ihr unendlich weiser Sinn für das, was Leben ausmacht und worin der Sinn des Lebens liegt, lassen einen nicht unberührt.

 

Himmel und Erde, Alpha und Omega  –  das Leben ist ein Werden.

DIE GEDANKENWELT DER KOGI

 

Wir sind aus dem „Meer der Gedanken“

 

Die universellen Gesetze der Natur, der Atem und die Gedanken sowie die Himmelsrichtungen sind in der Tradition und den Riten  der Kogi von großer Bedeutung. „Atme die schlechte Energie aus. Drehe dich nach Osten und denke nur gute Gedanken. Lass dein Herz rein werden. Atme in alle Himmelsrichtungen aus und denke in alle Himmelsrichtungen nur gute Gedanken…“

Am Anfang existierte nichts  – kein Land, kein Wasser, keine Pflanzen oder Tiere, keine Menschen. Nichts. Nur Aluna. Nur das „Meer der Gedanken, das Aluna ist. Aluna ist die kreative Vorstellung, der Geist, das Bewusstsein. Alles ist durch Aluna kreiert.
Nichts existiert ohne die Vorstellung dessen. Nichts wird, bevor es nicht gedacht und gefühlt ist. Genauso verhielt es sich mit Aluna. Alles war zunächst gedacht in Aluna. Alles wurde durch die Kraft der Gedanken. Die Gedankenkraft ist die Quelle unseres Seins. Aluna ist alles, alles, was war und jemals sein wird. Wir,  also Sie und ich, die „Älteren Brüder“  (Urvölker) und die „Jüngeren Brüder –  sind durch die kreative Kraft der Gedanken Alunas geboren.

 

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Flusslandschaften, grüne Hugel, beeindruckende Naturkulisse, tropische Wasserfälle – all das kann man in Kolumbien bestaunen.

 Wasser ist Aluna.  Wasser ist Leben.

 

Am Anfang existierte das Meer von Aluna. Das Wasser des Bewusstseins. Das war der Anfang, den es immer gab und  gibt. Mit den Gedanken wurde alles geschaffen. Aluna kreiert die Zukunft.  Wir können in den Wissensraum von Aluna eintreten, in ihre Visionen, in dem wir das Wasser beobachten, in dem wir tief in die Blasen des Wassers schauen. In den Blasen können wir alles lesen, was jemals war. In den Blasen können wir die Visionen unserer Zukunft sehen. In den Farben der Blasen erkennen wir, wenn unser Geist eins wird mit Aluna.
Die Mamos (Schamanen) der Kogi können jederzeit in Aluna „hineintreten“.  Wir können das rein theoretisch auch.  „Die Jüngeren Brüder haben nur vergessen, dass sie es können. Als sie die Berge verlassen haben, haben sie den Kontakt mit Aluna verloren und damit das Bewusstsein des All-Eins.“  Die Kogi haben dieses nie verloren. Sie halten sich bei Aluna auf. Dort entdeckten sie die universellen Gesetze. Dort hören sie, was sie tun sollen, was ihre Aufgabe ist, dort lernten sie den Sinn und Zweck von allem im Leben. Darüber kennen sie ihren Platz im Leben und im Großen Plan der Mutter Aluna.  In der Aluna sehen sie, was in der Welt – auch außerhalb der Berge  – geschieht.  Die Kogi können die Vergangenheit und die Zukunft lesen.  Sie können Gedanken lesen.  Sie sehen und sie sind besorgt.

 
Alles war am Anfang Wasser

Das Wasser war die Mutter. Das Wasser war Aluna. Wo Wasser ist, ist Leben. Wasser ist Erinnerung der Vergangenheit und Wass ist das Potential für die Zukunft. Das Wasser ermöglicht, dass alles über die Vorstellung in das Sein gelangt. Ohne Wasser gibt es keine Vorstellung. Ohne Wasser gibt es keine Pflanzen. Ohne Wasser würden wir Menschen sterben. Die Mutter selbst würde sterben. Das ist das grundlegendste Gesetz: Ohne Wasser gibt es kein Leben. Die Menschen können dieses Gesetz nicht ändern – auch nicht die Mamos (Schamanen und Älteste der Kogi), kein König, kein Präsident, kein Kongress, kein Parlament. Das Gesetz der Natur ist unabänderlich – für immer. Wenn wir uns um die Welt kümmern, müssen wir uns zuerst um das Wasser kümmern, sagen die Kogi.

Ende der Geschichte. So ist es. Kümmern wir uns nicht um das Wasser dieser Erde, sägen wir an unserem eigenen Ast.

 

Die Geschichte ist noch nicht ganz zu Ende:

Wir sind im Wasser geformt. Dort formte uns die Mutter. Das Wasser ist wie die Milch einer Mutter, die ein Kind zur Welt gebracht hat.  Wir sind alle im Wasser von Aluna geboren. Wenn du geplant bist, dann ist es Aluna, die es zuerst weiß. Es steht im Wasser geschrieben. Deine Zukunft ist in Aluna bekannt, noch bevor du geboren bist. Das Wasser aller Ozeane und aller Flüsse ist das Leben spendende  Element dieser Erde. All unsere Erinnerung ist zuallererst im Wasser, im Ozean von Aluna. Es war immer so.  Es war,  bevor es war, im Wissen der Mutter. Von Anbeginn, so lange wie Wasser Planeten und Bäumen Leben schenkt, so lange wie Wolken, Regen und Schnee da sind. Wir sollten nicht vergessen, dass die Bäume und der Himmel all das in sich tragen.
Alles ist Wasser: Steine, Felsen, Schnee, Bäume, Pflanzen, die Tiere, die Vögel, alles lebt, weil durch sie Wasser fließt. Es ist Leben in dem kleinsten Tropfen Wasser, der durch den kleinsten Berg fließt. Alles ist aus demselben Wasser heraus geboren – jedes Tier, jede Pflanze, jeder Mensch, jeder Berg. Wir haben alle dieselbe Mutter. Es fließt dasselbe Wasser durch uns. Darum ist jeder Berg dein Bruder, deine Schwester, deine Mutter, deine Großmutter. Jeder Baum ist dein Cousin. Wir sind Teil des Einen, sagen die Kogi.

Sie sagen auch, wenn man tief in das Wasser sehen möchte, muss man es aus den vier Himmelsrichtungen heraus tun. Drehe es in deinem Verstand herum und betrachte es von oben nach unten, von links nach rechts, dann drehe es wieder umgekehrt herum und seitwärts und betrachte es erneut. Du musst das Wasser mit beiden und mit weit geöffneten Augen betrachten, wenn du das Leben darin betrachten willst. Mit den Augen eines Kindes musst du tief in die Farben der Blasen schauen, wenn du dich selbst entdecken willst.

 

Lass deine Gedanken gehen und werde wach, um dich kennenzulernen.

 

Das ist keine Magie, sagen sie. Es ist wie in die Sterne schauen. Man braucht keinen Namen der Sterne. Man muss nicht wissen, ob einer kleiner oder größer ist, um etwas über sich und seinen Platz in dieser Welt zu erfahren. Man braucht sie nur ansehen. Man muss nicht wissen, wie die Blasen arbeiten, aber du musst offen dafür sein, von ihnen zu lernen und das Licht in ihnen zu erkennen. Du musst alles loslassen, dass dich davon fernhält, klar zu sehen, all deine Urteile und Vorurteile, wenn du auf eine neue Weise sehen willst.

Wir können lernen, Veränderungen zu sehen. Wir können unser Bewusstsein erweitern und in Aluna „eintreten“.  Wenn wir nicht lernen, die Veränderungen zu lesen, werden sie geschehen, ohne dass wir uns darüber bewusst sind, und die Erde wird sterben, sagen die Kogi. Wenn der „Jüngere Bruder“ seine Augen nicht öffnet und erwacht, wird sie sterben.  Die Erde stirbt und der „Jüngere Bruder“ schläft. Sie wird nur überleben, wenn die „Jüngeren Brüder“ die Augen öffnen. So weit öffnet, dass er die Umstände um sich herum erkennt. Bis er die Welt begreift,  in der er lebt.

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Gracias J. Lundi

 

Jüngere und ältere Brüder

Die Mutter schuf erst die „ursprünglichen Menschen“, die Älteren Brüder“, sagen die Kogi weiter,  und dann kreierte sie noch weitere Menschen, die „Jüngeren Brüder“.  Die „Jüngeren Brüder“ besitzen auch die Kraft der Vorstellung und können Dinge ins Sein bringen. Es sei sogar ihre Aufgabe, sagen sie. Aber der kreative Verstand sei bei den „Jüngeren Brüdern“ wie bei den Affen  – sie bilden diese Kraft niemals aus. Sie springen von hier nach da. Sie springen von einem Zweig auf den nächsten. Sie hören nicht auf die lehrende Mutter Aluna. Sie ignorieren die universellen Gesetze der Natur. Sie wollen nur neue Dinge.  Sie wollen nicht stillstehen und der Mutter zuhören. Sie schenken ihrer Lehren keine Aufmerksamkeit. Sie hören nicht auf die Leidenschaft und das Gefühl ihres Herzens. Sie verbrauchen ihre Energie dafür, Dinge herzustellen und zu nutzen, aber sie nutzen ihre Fähigkeiten nicht dafür, für die Dinge zu sorgen, die bereits um sie herum existierten.  Sie bilden ihr Gehirn aus, aber sie bildeten niemals ihr Herz aus. Sie kamen zu uns und dachten, es sei ihre Aufgabe neue Welten zu erobern und ignorierten ihre Verantwortung der Erde zu zeigen, die die Mutter kreiert hat.

Für die Kogi  hat alles Spirit. Jeder Baum, jeder Stein, jede materielle Kraft der Natur. Die Mamos, die spirituellen Führer der Kogi, sorgen seit vielen Jahrhunderten für die Bewahrung der spirituellen und materiellen Kraft. Sie sehen sich als Beschützer der Erde.

 

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Sierra Nevada Kolumbien Foto: Google

 

Die Kogi leben in den Gebirgszügen der Sierra Nevada im Norden  und Osten Kolumbiens . Sie werden auch Kággaba genannt.
Die Gletscherberge  der Sierra erreichen  Höhen von 5800 Metern bis 7000 Metern. Es ist mit das höchste Küstengebirge der Welt. Der Gletscher Rio Jerez mündet in die Karibik.

Bis zu dem Tag, an dem die BBC eine Dokumentation Anfang der 90er Jahre über die Kogi ausstrahlte, lebte das indigene Volk Kolumbiens  im Dschungel des Amazonas versteckt vor dem Rest der Welt. Sie schickten das Filmteam  auch sofort nach den Aufnahmen weg und schnitten die Seile der Brücke ab, über  die sie  zu ihnen gekommen waren.

 

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Mit Seilen werden Flüsse überquert. Foto: gracias Sarina

 

Die Prophezeiungen ihrer Ahnen sagten voraus, dass es zu Katastrophen kommen wird mit dem Wachsen der modernen Welt und ihren  technischen Entwicklungen. Früher oder später würden sie sich zerstören und darum mussten sie sich schützend abgrenzen. So leben unberührt  seit 1500 von Jahren, heißt es. Weder die spanischen Eroberer noch Missionare wirkten auf sie ein.

Vier Ethnien leben in der Sierra: die Kogi, die Arhuaco, die Arzarios und die Kankuamo. Alle vier sind Nachfahren der Tairona Zivilisation. Die Arhuacos lebten ebenso mehr als fünfhundert Jahre in völliger Isolation. Sie leben im Süden der Sierra, haben aber in den letzten Jahrzehnten mehr Kontakt zu den Spaniern.

Sie nennen uns „Jüngere Brüder“, die Techniken entwickeln, die der Welt Probleme schaffen und viel zu oft für Kriege Verwendung findet.Die Kogi sehen sich als die „Älteren Brüder“, als die Erstbewohner, die ihr Land und die Natur bewahren und schützen wollen. Die Kogi  glauben daran, dass ihr Volk der Wächter des Lebens auf der Erde ist. Die Erde ist Aluna, die Mutter allen Lebens.
Wenn eine Entscheidung ansteht, befragen sie  mit der Technik tu-tuma die Große Mutter Aluna. Sie ist die Mutter von Allem.  Heilige Perlen, tuma, werfen sie  in das Wasser. Und dann lauschen sie auf die Antworten. Die Antworten hören sie. Sie  kommen durch die Blasen an die Oberfläche.
Weil Wasser Aluna ist und Wasser Leben, beobachten sie  die Blasen und hören ihnen gut zu. In ihnen steckt die Erinnerung an all das, was war. Sie sehen sie in den Blasen. All das, an was wir uns erinnern sollten, kann im Wasser gefunden werden.

Sie sind bekannt dafür, dass sie über hohe telepathische Fähigkeiten verfügen.

In der  Tradition der Kogi wird alles mündlich überliefert. Niemand schreibt. In ihrer Tradition sind keine Verabschiedungen oder Grüße aussenden notwendig. Für sie beschreiten wir all denselben Weg, auch wenn es scheint, wir würden unterschiedliche Wege gehen.
Alles ist eins.

Die „Ältere Schwester“ ist die wichtigste Priesterin des Volkes. Ihre Präsenz ist eigentlich das gehüteste  Geheimnis ihrer Religion. Damit ist es wohl mit Ankommen eines Fotografens vorbei. Die Priesterin lebt in einem Tempel  in siebentausend Meter Höhe, wo sie  ein auserwähltes Kind erzieht und unterrichtet, das später ihre Nachfolge übernehmen wird.  Die Vorbereitung darauf  dauert elf Jahre. Dazu gehört auch das Erlernen der Meditation. Das Kind darf den Tempel während der Zeit nicht verlassen. Die Priesterin ist von Geburt an der einzige Mensch, dem erlaubt ist, das Kind zu berühren. Vom Dorf der Kogi aus braucht es zwei Tage, um den Tempel zu erreichen.
Es gab in den 90er Jahren einen Fotografen, der für seine Aufnahmen während des Bosnien-Krieges, 1992 den Pulitzer Preis erhielt. Der BBC-Film wurde seinerzeit ebenfalls ausgezeichnet. Sie hatten eine Dokumentation über die Kogi erstellt. So hörte er von den Kogi. Er überredete seine Redaktion, Fotos von den Kogi machen zu können. Seine Reise begann. (mehr dazu unten im Artikel)

 

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Kogi- Gruppe  Quelle: Bangor University Wales

Immer weiter mussten sie sich in die Berge zurückziehen, um sich und ihr Kultur zu schützen, weil die Weißen über ihre „Linien“ hinauswuchsen. Es war einst der „Garten Eden“. Sie nennen es das „Herz der Welt“.  Alles, noch so  jede kleine Aufgabe wurde in einer speziellen Weise getätigt, um Gesundheit und Wachstum sicherzustellen. Jedes Jahr beten sie in einer speziellen Zeremonie für die Welt.

Die  Arhuaco sagen:

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Dorf der Kogi.

Ihr Weißen kauft euch alles. Durch euch sind wir mit in den Konsum gezogen und müssen plötzlich bezahlen, um zu essen.  Das hat uns früher die Natur gegeben.

Sie dürfen  legal Koka für ihren Konsum anbauen. Sie verstehen nicht, warum wir die Blätter als Droge bezeichnen. Für sie  sind die Kokapflanzen etwas Spirituelles. Für sie besitzen Kokablätter enorm wertvolle Heilkräfte.

 

Einzigartigkeit der Kogi

 

So weit mir bekannt,  gab nur einen einzigen Ethnologen, der sich den Kogi Anfang des 20. Jahrhunderts nähern durfte. Konrad Theodor Preuss (1869- 1938) sagte, die Kogi wiesen sicherlich viele Gemeinsamkeiten mit anderen Indigos der Karibik auf,  dennoch gäbe es zugleich so wesentliche Unterschiede, dass man am Ende sagen kann „die Kogi sind einzigartig.“
Sie sind vielleicht das einzige indigene Volk, das es geschafft hat, ihre Kultur zu schützen  und zu bewahren und sich nicht von anderen Kulturen beeinflussen ließ.  Sie leben isoliert und zurückgezogen.  Ihre Traditonen haben darum überlebt.  Sie glauben, es ist ihre Pflicht, sich um die  Heiligen Berge zu kümmern und sie zu bewahren. Sie sind in ihren Augen „das Herz der Welt“.  Sie selbst nennen sich „Ältere Brüder“ und sie nennen uns „Jüngere Brüder“, die die Balance der Welt zerstören.

1990 befanden die Kogi, sie müssten der Welt etwas mitteilen. Es sei Zeit, den „Jüngeren Brüder“ eine Nachricht zu übermitteln. Sie stellten fest, dass etwas mit den Bergen nicht mehr stimmte. Wenn ihre Berge krank sind, ist die ganze Welt in Schwierigkeiten.  Darüber kam die Dokumentation mit der BBC zustande.

Eine Nachricht lautet: „Der Mensch hat Flüssigkeit in sich. Wenn die Flüssigkeit austrocknet, fallen wir, weil wir zu schwach sind. Dasselbe kann der Erde geschehen. Schwäche lässt dich fallen. Schwäche“ (Auszug aus dem Film From the Heart of the World – The Elder Brother`s)

Eine weitere Nachricht: „In den Anfängen Kolumbiens  blieb alles, alles blieb wie es war unter uns. Die Ureinwohner hatten denselben Glauben, dieselben Masken, denselben Tanz. Alles war gut organisiert. Es gab Platz für jedes Tier.
Die Jüngeren Brüder hatten ihren Platz an anderen Orten, in anderen Ländern. Das Meer trennte uns. Jüngere Brüder jene Seite. Ältere Brüder diese Seite. Du konntest es nicht kreuzen, denn Kolumbien war das Herz der Welt und des gesamten Universums. Aber die Jüngeren Brüder kamen und sahen sofort Gold und sie begannen sofort zu rauben. Es gab goldene Zeichen, goldene Orakel. Die Mama prophezeite mit goldenen Bällen. (Mamas  oder Mamos sind die Schamanen der Berge. Es sind männliche Schamanen, von denen hier die Rede ist). Er hatte einen goldenen Tuma. Er hatte alles und der Jüngere Bruder nahm all das weg und brachte es in ein anderes Land. Und nun ist die  Mama traurig. Er sagt, die Erde wird schwach. Sie verliert ihre Stärke, weil die Jüngeren Brüder ihr zu viel Öl, Kohle und viele Mineralien entnehmen.

Und darum fängt sich die Erde alle möglichen Krankheiten ein. Die Tiere sterben und die Bäume trocknen aus. Menschen werden krank. Und viele Krankheiten werden aufkommen. Und es wird keine Heilung für sie geben. Warum? Weil der Jüngere Bruder unter uns ist. Der Jüngere Bruder ist gewalttätig. Er handelt gegen das Grundlegendste,  gegen die universellen Gesetze.
Er baut Schnellstraßen, er raubt, er durchwühlt, er nimmt sich Öl und Mineralien. Wir sagen Euch, wir die Menschen dieses Ortes, Kogi, Asario, Arhuaco: das  ist Missachtung. Es ist ein Verstoß gegen die Gesetze. …Die Erde wird schwächer, wir müssen sie schützen, wir müssen sie respektieren, denn Er respektiert nicht die Erde. Er respektiert sie nicht. Der Jüngere Bruder denkt: Ja. hier bin ICH. Ich weiß viel über das Universum! Aber dieses Wissen zerstört die Welt, zerstört alles. Sie zerstört alle Menschlichkeit.

Die Erde fühlt. Sie nehmen ihr das Öl und die Erde fühlt diesen Schmerz. Darum sendet die Erde Krankheiten aus. Es gibt viel Medizin, Pillen, aber die werden am Ende niemandem nützen. Die Mutter sagt diese Geschichte müssen die Jüngeren Brüder begreifen. „

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Kogi-Mamos, Schamanen , Ältestenrat

 

Heilendes der Kogi

Die Kogi nutzen  besondere Steine für verschiedene Zwecke. Steine, die mitunter 2000 Jahre alt sind. Sie sagen Grün ist die Farbe der Heilung und darum binden sie grüne Schnüre an ihre Steine.  Der grüne Stein  ist für die Heilung und bereitet die Energie der Erde an Stellen auf, an denen  Samen gepflanzt werden müssen. Der schwarze Stein repräsentiert das Leben, den Tod, den Lebenszyklus der Natur und die Zeit vor dem Erwachen.

Heilpflanzen wie „Sarsaparilla“, das Kraut der Schlange, das jeden Parasiten im Körper tötet. Bevor Heilendes verabreicht wird, bitten sie den Beschützer der Heilpflanzen zu helfen. Bekommt man etwas, muss man den Bergen etwas zurückgeben. Blut hat  dabei einen hohen Wert für sie.

 

 

 

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Foto: John Lundin.

 

Sie tragen keine Schuhe oder Sandalen. Sie wollen den Boden fühlen. Sie wollen das Wasser an ihren Füßen spüren. Sie wollen immer mit der Erde in Kontakt sein. Sandalen sind eine ungesunde Trennung von der Erde, sagen sie. Mit Schuhen ist man nicht mehr in Kontakt mit der Erde.  Die Erde mit der Sohle zu berühren, erinnere sie daran, dass sie eins  mit der Erde sind.

Dazu schrieb vor wenigen Tagen die Buchautorin Marga Auwald  gedankenreiche Worte, die so wunderschön dazu passen, dass ich an dieser Stelle darauf hinweisen mag. „Neben den Schuhen“

Sie versorgen sich hundertprozentig selbst. Felderwirtschaft, Kleidung stellen sie aus den eigenen Yucca-Pflanzen her.

 

Die Mamos, die Schamanen und Ältesten, wissen alle Details darüber, wie die Welt und alles auf ihr entstanden ist. Es würde neun Jahre dauern, um all  jenes zu erklären. Es sei wie das Spinnen einer Spindel. Es sei wie das Weben einer Mochilla (einer Umhängetasche), erklärten sie John Lundin.  Aluna schöpft und schöpft. Die Mutter steckt ihre Spindel in den ungeborenen Grund ihrer Vorstellung und spinnt  auf der Achse von Raum und Zeit die Vorstellung ihrer Welt in die Realität hinein.  Sie „spiralt“ alles nach Außen. Die Fabrik ist die gesamte Welt. Jedes Muster, jede Farbe hat sie sorgfältig ausgewählt. Sie denkt alles sehr vorsichtig in die Welt hinein. Aluna kreierte diese Welt und sie kreiert noch immer. Wir denken daran, sagen die Kogi, wir denken daran,  wann immer wir die Mochillas (handgefertigte Umhängetaschen)  tragen oder  Kleidung weben.  Alles, was in das Leben kommt, existiert zuvor in der Welt von Aluna.

 

Jeder hat eine Aufgabe auf dieser Welt. Jede Pflanze, jedes Tier hat einen Job zu tun. Die Aufgabe der Mamos ist es, sich um die Berge zu kümmern. Sie sind das Herz der Welt. Ist das Herz gesund, ist es im Rhythmus mit der Erde, dann ist die Erde gesund. Ist der Berg nicht gesund, ist die Energie nicht in  Balance, nicht im Rhythmus, dann ist die gesamte Welt nicht in der Balance.

Jene, die für die Berge sorgen, sind ebenso das „Herz der Welt“. Es gibt keine Trennung. Wir sind All-eins. Die Berge, die Menschen, das Herz der Welt. Die Mutter Aluna kreierte die Menschen. Die ersten Menschen kreierte sie, weil sie auf die Erde aufpassen sollten. Die Pflanzen, die Bäume, die Tiere,  sie sollten auf sie aufpassen und sie nicht dominieren und ausbeuten.

 

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Die Kogi sagen: Wir haben diese Zeichen nicht in die Felsen gemeißelt. Der Wind und das Wasser waren es, geschrieben von Aluna.“

Es ist eine Karte der Berge und noch mehr. Das gesamte Universum ist hier eingezeichnet. Die Mamos der Kogi können sie lesen.  Sie können die Berge lesen, ihre Orte, das Herz der Welt und sie  können das Land jenseits der Berge und  jenseits des Meeres lesen, das Land in dem die „Jüngeren Brüder“  alle Energie verbrauchen, um ihre Dinge herzustellen. Sie können die Veränderungen lesen. Sie können das Wasser beobachten, die Vögel, die Berge.

 

 

kolumbien6Um ihre Besorgnis  über den Zustand der Erde zum Ausdruck zu bringen, reiste der Ältestenrat nach New York.  Es braucht eines Bewusstseinswandel sagen sie. Das Problem ist nicht die Klimaveränderung oder der zu hohe Verbrauch von fossilen Energien. Das Problem  und die Lösung ist ein spirituelles.

 

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Ihre Reiseroute in Europa.

 

 

Es ist Zeit, damit aufzuhören, der Wirtschaft und der Politik blind zu folgen.
Wir sollen zurückkehren zur Natur und zur Spiritualität. Wir müssen unsere Beziehung zur Mutter Erde fundamental ändern und eine spirituelle Beziehung mit ihr leben.  Mit der Spiritualität sind wir geboren.  Wir haben es nur verlernt und wir benötigen jetzt die Rückkehr zu den Wurzeln der Spiritualität. JETZT. – Bevor wir die Erde für immer zerstören, und uns mit ihr.

 

 

Da benötigen wir die indigenen Völker, die uns westlichen Menschen , den „Jüngeren Brüdern“ die Ohren langziehen und uns daran erinnern, was wir einmal waren und sind. Sie kommen aus ihrer so sehr geschätzten Isolation heraus, um uns zu sagen, was ihnen notwendig erscheint.  Hören wir Ihnen auch wirklich zu?

 

Wir Menschen sind Vorübergehende.  Wir sind hier mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung. Passanten auf der Durchreise. Wozu all dieser Wahn, dieses Denken in Profit,  in Macht, in Konkurrenz und Vorherrschaft. Warum eine Wissenschaft, die sich jeweils immer nur auf einer Wirklichkeitsebene auskennt? Wozu dieser Hochtechnisisierungstrip, der weder der Erde noch uns Menschen gut tut?

Die Kogi bringen es in aller Einfachheit auf den  Punkt: Wir glauben zu wissen, aber von welcher Qualität ist unser Wissen, wenn es letztlich dazu führt die Balance der Erde zu zerstören?

 

Alice Bailey schrieb bereits  im letzten Jahrhundert in einem ihrer vierundzwanzig Bücher, das die Menschheit im Zeitalter des Wassermannes – in dem wir uns gerade befinden –  erkennen werden müssen, dass wir eine Verantwortung für das gesamte Ganze haben. Der Gruppengedanke muss in unsere Herzen einziehen. Das innerste Heilige sei der Weg für das  Leben im Außen, für ein Dienen auf dieser Welt.

Woher kommen wir?
Auf die Frage wird es sicherlich keine endgültigen Antworten geben.  Sie hilft aber, auf dem Weg der Selbsterkenntnis ein Stück voranzukommen.  Auf die Frage, was dient dieser Welt und damit der gesamten Menschheit, gibt es Antworten. Wir müssen nur auf unser Herz hören wollen und auf das, was uns die indigenen Völker  schon seit Jahren erklären mögen.

Ich bin dankbar, dass mich die Frage „Woher kommen wir?“ zu den Kogi  mit ihrer einzigartigen Kultur führte.  Andererseits bereitet es mir auch Probleme, bin ich mir nicht sicher, ob wir, die wir hier über sie berichten, allen voran jenen Foto-Journalisten, die  zu ihnen vordringen,  um auf der Biennale in Venedig Punkte zu sammeln, einen guten Dienst erweisen… selbst in Mexico wollen manche Menschen nicht fotografiert werden, weil sie glauben, dass man ihnen damit ihre Seele stiehlt.

 

Himmel und Erde, Alpha und Omega  –  das Leben ist ein Werden.
Wir sind noch nicht… Es ist noch nicht getan..

 

Die aktuelle Situation zeigt sich für die Kogi und andere indigene Völker in Kolumbien so:

 

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Der Umgang mit jenen Ureinwohnern ist geprägt von kolonialistischer Herrenmentalität. Noch im Jahre 2005 wurden ein angesehener Geistheiler der Kogi von Revolutionären Streitkräften, paramilitärische Gruppen,  ermordet. Armee, Paramilitär, Guerillas.  Einschüchterungspolitik. Ihre Siedlungsräume werden missachtet, ihre Kultur nicht respektiert, ihre Mobilität eingeschränkt. Erdölförderung, die Gier von Großgrundbesitzern, Korridore für den Waffen- und Drogenhandel in den Grenzgebieten, oder einfach weil ihr Land gut ist für den Anbau von Kokapflanzen, jenem heiligen und heilsamen Blatt der Indios, das die „moderne Zivilisation“ der Weißen zu einem Rauschgift verkommen ließ.

Indianische Gemeinschaften in Südkolumbien leisten gewaltlosen Widerstand. Es ist der Widerstand der „Guardia Indigena“. Wenn eine Gemeinschaft bedroht ist oder ein Bürgermeister oder ein Ratsmitglied entführt wird, ziehen sie zu Hunderten oder Tausenden los, nur mit ihren traditionellen Zeremonalstäben in der Hand, und bilden ein Schutzkordon oder suchen die Entführten. Sie beschützen Protestaktionen oder zerstören Kokain-Laboratorien. Dafür erhielten sie vor zwei Jahren den kolumbianischen Nationalpreis für den Frieden, verliehen von den Medien und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Würden wir uns auf die Reise machen, um sie zu schützen, um die Erde in Balance zu bringen?

Lasst uns aufwachen.

 

 

Die Geschichte von

Hernando C. Kulez, Journalist, erhielt 1992 den Pulitzer Preis für seine Foto-Reportage während der Kriegstage in Bosnien.
Ein BBC-Team wurde zur selben Zeit ausgezeichnet und so erfuhr Kulez von den Kogi`s in Kolumbien. Etwas zog ihn hin zu ihnen.
Und so überredete er seine Redaktion, Fotos von den Kogi`s machen zu können. Er sagte ihnen, er wolle von ihnen lernen. Sie stimmten zu, um ihm zu zeigen, wie sie  die Welt spirituell heilen. Dafür befragten sie ihre Heiligen Blasen im Wasser. Die Antwort im Falle des Fotografen  überraschte sie selbst. Er sollte der Älteren Schwester begegnen. Sie ist die wichtigste Priesterin des Volkes.

Es wurde tragisch. Bei der ersten Begegnung mit der Heiligen Priesterin wollte er das tun, was ihn sein Beruf lehrte. Hole die Kamera heraus und schieß zuerst ein Foto. Sie erschrak heftigst. Er machte ein Foto von dem geheimnisvollen Heiligen Kristall. Die Priesterin starb.  Über das Bleiben des Fotografens befragten die Priester erneut die Blasen des tu-tumas. Viele waren über die Antwort enttäuscht  Natürlich wollten sie  ihn eigentlich nicht bei sich sehen, nachdem ihre Heiligste Priesterin umgekommen war . Was passierte, war auch für sie ein Schock. Die Antwort war dennoch Ja. Er sollte bleiben. Der Journalist musste aber  Kamera und Film abgeben.  Letzlich wurde Kulez über die Jahre in die Zermonien eingeführt. Es gab dann noch ein Erdbeben.Der Heilige Tempel stürzte ein. Das Kind konnte gerettet werden. Kulez verließ sie die Kogis nicht mehr. Er baute den Tempel mit auf.
Aus dem Buch The Laborus of Hercules, eine wahre Geschichte des Kogi Volkes in Kolumbien.

 

 

Quellen:
Mirada Alemanas. Ibero-Amerikanisches Institut.
Staatliches Museum Berlin.
Alice Anne Bailey: The Labour of Hercules. Herausgegeben by Lucy Trust.1948 und 1974
Souledout.org.
Kogi You Tube Videos
Seren. Helping Sister.
ITV-Net. Canada.
Wiener Zeitung
John Lundin  lebte 2011 bei den Kogi. Eine weitere Ausnahme. Es ist ihr Weg,  um ihre spirituellen Nachrichten in die Welt kommunizieren  zu können.  Buch: Journey to the Heart of the World. Lundi hat  ebenso gemeinsam mit dem Dalai Lama ein Buch über östliche Weisheiten für westliche Nationen herausgebracht.

 

 

 

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3 Kommentare zu “Sieben Phänomene: Woher kommen wir? Teil 3

  1. magguieme sagt:

    Bereits nach den einleitenden Worten hatte ich das Gefühl, es sei alles gesagt, mehr müsse ich nicht mehr lesen. Das stimmt – hier unten angekommen – immer noch und trotzdem bin ich dankbar und reich beschenkt, weil ich deiner Erzählung weiter gefolgt bin. Wie wunderschön zu lesen!
    Mich führte mein Weg heute wieder zur Hängebrücke. Dieses Mal sogar mit kurzem Halt mittendarauf (!). Das Wasser fließt und springt darunter über Steine. Ich sehe gerne dem Wasser zu. Zuerst auf der einen Seite, wo alles abfließt, den Weg weitergeht. Nichts bleibt, alles ist im Flow. Dann zur anderen Seite. Einfließen lassen, füllen lassen mit dem Frischen und Lebendigen.
    Bei meinem nächsten Besuch werde ich an die Kogi denken. Alles ist verbunden. Alles ist Wasser. Danke!
    Schuhe, Füße, Verbundenheit. Welch unvergleichliche Ehre zwischen diesen Bergen stehen zu dürfen! Namaste.

    • martinakunze sagt:

      Ihr habt sogar eine Hängebrücke in der Nähe.
      Atme ich sogleich tiefer durch.
      Wasser fließen. Wasser ist Kraft. Wenn ich dem Wasser lausche, werde ich innerlich butterweich und weit. Wasser auf der Haut macht mich lächeln. Flusswasser oder Bachwasser ist so klar und weich. Hier in nächster Nähe ist noch ein kleiner Fluss, die Sieg, im Sommer kann man an manchen Stellen mitten im Flussbett stehen. Paradiesische Zustände für mich. Oder 10 Kilometer von hier gibt es eine kleine Insel Grafenwerth auf dem Rhein, dort führt eine ganz schmale Landzunge so in den Rhein, dass, wenn du dich dort hinsetzt, du dich verbunden fühlst mit dem größten Fluss Deutschlands. Vor dir steht anmutig der Drachenfelsen. Kennst du nicht? Nun, kennst du vielleicht den Kölner Dom? Die Steine sind vom Drachenfelsen abgetragen . 🙂 Im Fluss sein…:) frisch und lebendig. Alles ist Wasser – du schreibst es. Verbundenheit.
      Du zwischen deinen Bergen ….ein schönes Bild. Danke.
      Namaste.

  2. […] Mehr über die Kogi`s in Kolumbien: Sieben Phänomene: Woher kommen wir? Teil3 […]

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