Olmeken und Maya waren Nachbarn

popol

Ein Stück Schöpfungsmythos der Maya in Stein geschlagen. Fries aus Kalkstein mit Stuck versehen.
Popol Vuh Relief in El Mirador, Peten, Guatemala. (Quelle: M.B. Project). Der Popol Vuh ist das
Heilige Buch der Quichè-Maya.
„It was like finding the Mona Lisa in the sewage system,“ sagte Robert Hansen 2009.
Hunaphu und Xbalanque, die beiden Helden-Zwillinge, die in die Unterwelt gehen, um ihren Vater, One Hunaphu
oder Hun Hunaphu, zu retten.
  In der Mythenwelt der Maya stellen sie Sonne und Mond dar.

 

 

Rund 8000 Hieroglyphentexte hat die Maya-Kultur hinterlassen, sagt die Wissenschaft. Sie reichen von kurzen Namensangaben bis zum in Stein gemeißelten 2000-Zeichen-Geschichtsbuch auf der großen Tempeltreppe von Copán und zu den geheimnisvollen „Codizes“, Büchern aus Baumrinde, von denen nur drei den Scheiterhaufen der spanischen Eroberer entgingen. Insgesamt gibt es etwa acht- bis neunhundert verschiedene Schriftzeichen. Gesichert lesen können die Forscher nach konservativer Schätzung etwa 500.
Bis heute kann kein Forscher genau sagen, wie viele Glyphen tatsächlich verwendet wurden. Und längst ist auch  noch nicht alles entdeckt und ausgegraben. Da wird sicherlich einiges Wissen hinzukommen, anderes wird möglicherweise umgeschrieben werden müssen.

Wie reich die Sprache der Maya einst war, wird vielleicht deutlich, wenn  man sich veranschaulicht, dass wir mit unserem Alphabet  auf  gerade mal 26 Buchstaben zugreifen.

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Skizze. Inschrift auf einer Stele

Ein Überbleibsel aus den „dunklen Zeiten des Kulturverlustes“: Bis in die 60er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts war in vielen Städten und Regionen Mexicos die Sprache der Maya, unter Androhung von hohen Strafen, noch verboten.

 

Bonner Altamerikanisten wollen nun eine Maya- Sprachen -Online-Datenbank anlegen.  Die Bonner gelten innerhalb der Wissenschaft als das „Entzifferungslabor“.  Der Leiter des Instituts, Professor Nikolai Grube, ist ein international anerkannter Wissenschaftler. Der Epigrafiker meint dazu:  „Für viele noch nicht entschlüsselte Zeichen gibt es Deutungshypothesen – die lassen sich leichter überprüfen, wenn man alle Texte kennt, in denen das jeweilige Zeichen vorkommt.“

Viele Zeichen, die jetzt noch nicht lesbar sind, sollen mit Hilfe der Online-Datenbank lesbar werden.  Die digitale Welt der Buchstaben soll sozusagen eine „Rasterfandung“ nach unbekannten Zeichen ermöglichen. Auf der Basis der bislang bekannten Schriftzeichen ist  ein Wörterbuch des Klassischen Maya geplant. Dazu erfasst das Team der Uni Bonn Abbildungen aller Schrifttafeln, Stelen und sonstiger Texte – mit allen Hieroglyphen, mit Umschrift der Aussprache und mit englischer Übersetzung. Hinzu kommen auch Kommentare zur Grammatik, Stichworte zum Inhalt und Hinweise auf noch offene Übersetzungsfragen.  Es ist ein Langzeitförderprojekt mit einer voraussichtlichen Laufzeit von rund 15 Jahren, dem das Land Nordrhein-Westfalen 10, 7 Millionen zur Verfügung  stellen mochte.

Zehntausend erschlossene bislang bekannte Schriftträger werden auf der Basis epigrafischer und linguistischer Analysen zu einem Wörterbuch der Klassischen Maya-Sprache , das zugleich als Online-Datenbank den gesamten Sprachschatz und dessen Verwendung in Schrift abbildet. All das klingt nach einem Mammut-Projekt.
Die Maya versahen ihre Texte mit Datum, die Entwicklung ihrer Sprache lässt daher genau verfolgen.

So weit mir bekannt, gibt es 30 verschiedene Maya-Dialekte.  Noch heute hört man in ihrer gesprochenen Sprache das typische Knacken der Kehlkopf-Verschlußlaute, die sich nicht wesentlich von der Sprache der alten Maya unterscheiden.

Dass wir „heute endlich die Maya-Schrift fast so gut lesen können wie die Schriftsysteme des Alten Orients, ist eine archäologische Sensation, die sich fast unbemerkt von der Öffentlichkeit in den letzten zehn Jahren zugetragen hat“, sagt der heute 47-jährige Wissenschaftler und Geschäftsführer der Abteilung Altamerikanistik und Ethnologie an der Universität Bonn.

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Professor Nicolai Grube. Foto: Planet Wissen

Als Student tourte er zu Fuß, per Boot, auf Maultierrücken oder wie heute mit Allrad-Fahrzeug durch Mexico, Guatemala oder Honduras, immer auf der Suche nach neuen Maya-Inschriften. Weit über die Wissenschaft hinaus engagiert Grube sich in Mittelamerika. In Guatemala gründete der Bonner eine Maya-Schule, sammelt Geld für ein Behindertenheim in Belize. Grube beherrscht längst mehrere Maya-Dialekte.

„Die Wiederentdeckung der Maya-Kultur liegt gerade mal 150 Jahre zurück. Wissenschaftliche Forschung hat erst Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen. Es ist noch eine junge Wissenschaft.“

Nikolai Grube ist kein Indiana Jones. „Die großen Aufgaben beginnen immer am Schreibtisch“, stellt der Wissenschaftler nüchtern in einem Interview fest. Viele Maya-Forscher früherer Generationen arbeiteten schließlich nur dort, am Schreibtisch, in der Bibliothek. Eugen Förstemann erwähnt Grube, der vor dem Krieg anhand des Dresdener Maya-Kodex fast den gesamten Kalender entschlüsselte, und ein Genie wie den Leningrader Ägyptologen Jurij Knorosow. Sie setzten nie einen Fuß ins Gelobte Land.

 

Der Dresdner Codex
Für die Maya-Forschung liegen Tausende von Dokumenten vor, meist in Stein gehauen, oft auf Keramik, Jade, ja sogar in Muscheln geritzt oder wie bei den vier Codices in Dresden, Paris, Mexico und Madrid,  in Form eines Faltbuches. Zur Zeit der Codices-Abfassung schrieb man nicht mehr in Stein wie in der Klassik, sondern auf Papier. Und das brannte rasch. Deshalb sind die vier geretteten Codices mehr als nur Papier. Jedes Jahr reisen etwa 20 Gruppen der Maya nach Dresden und halten dort Zeremonien ab. Ich traf in Cancun auf einen mexikanishen Journalisten. Er wollte sich aufmachen nach Dresden, um die Menschen davon  zu überzeugen, dass jenes Dokument ein wichtigste Erbe ihrer Ahnen ist, dass in die „Hände“ der Maya zurückgegeben werden sollte.

 

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Dresdner Codex. Die Dresdner Kostbarkeit hatte der kurfürstliche Hofkaplan und Bibliothekar Johann Christian Götze 1739 während einer Einkaufstour „bey einer Privat-Person in Wien gefunden, und als eine sonst unbekannte Sache gar leicht umsonst erhalten“. Weiter lässt es sich nicht zurückverfolgen.

Der Codex, so resümiert Maya-Forscher Grube, „war ein Wahrsager-Handbuch für intellektuelle Maya-Schreiber, ein hoch esoterisches Buch, das sich nur an eine kleine Gruppe von Spezialisten wandte.“ Es belegt jedoch – und das ist auch für die Experten neu –, dass mit dem „Kollaps“ am Ende der Klassik nicht alles komplett zusammenbrach und „Dunkle Jahrhunderte“ des Kulturverlustes über das Maya-Land hereinbrachen.

Heute weiß man, der Codex wurde nicht in einem Arbeitsgang, sondern über mehrere Jahre hinweg von verschiedenen Autoren geschrieben. Manche Seiten wurden begonnen, aber nicht fertiggestellt.

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Maya- Götter. Tulum Mexico. Foto: Kunze

Nikolai Grube erklärt:

Kapitel 1 stellt die zwanzig Götter der Maya vor. Sie werden angerufen, damit sie im weiteren Buch präsent sind.

Im Kapitel 2 stellt der gleiche Schreiber in immer neuen Abwandlungen die Mondgöttin vor. Vermutlich war dieser Abschnitt ein „Handbuch“ über Krankheit, Heilung, Gefahren bei Geburt und Abwendung von Kindstod. In einigen Szenen werden die Götter als Kinder beschrieben, denn die Mondgöttin war für die Geburt der Götter ebenso zuständig wie für die der Irdischen.

Mit Kapitel 3 taucht ein neuer Schreiber auf. (Grube: „Der große Intellektuelle“) ist hauptsächlich an esoterischen Dingen interessiert, insbesondere an astrologischen Fragen. Er stellt die Auswirkungen des Planeten Venus vor, der die Maya sehr faszinierte. Venus hatte nichts mit Liebe zu tun, sondern galt als aggressiv. Mit dem Venuskalender wurde der Erfolg von Kriegszügen berechnet.

Kapitel 4: Der große Intellektuelle befasst sich ausgiebig mit Finsternissen. Die Maya kannten den Zusammenhang zwischen Sonnen- und Mondfinsternissen und wussten, wann eine Finsternis auftreten kann. Doch ob sie im Maya-Gebiet auch zu sehen war, konnten sie nicht voraussagen.

Kapitel 5: Vom gleichen Schreiber stammen Multiplikationstafeln für die Zahl 78. Grube: „Die Bedeutung der Zahl kennen wir nicht. Aber es war sicher eine wichtige magische Zahl, die auch anderen Kalenderberechnungen zugrunde lag.“

Da im Dresdner Codex nur eine einzige Periode aufgeführt wird und nicht alle 13, „gehen wir heute davon aus, dass der Codex ursprünglich länger war und einige Seiten fehlen“, interpretiert Grube. Inschriften der Klassischen Zeit deuten darauf hin, dass die gegenwärtige Welt 33 mal 400 Jahre dauern wird. Demnach würde das Ende im Jahr 8077 n.Chr. nahen.

Speiseopfern für den Regengott in Kapitel 10. Der sitzt an wechselnden Orten und bekommt unterschiedliche Gaben: Fleisch, Fisch, Maisfladen. Nikolai Grube: „Das sind exakt die Zeremonien, die die Maya-Schamanen auch heute auf den Maisfeldern durchführen.“

Auf den Restseiten des Codex haben verschiedene Schreiber kurze Kapitel aufgetragen über die Reisen des Regengottes und den Mars und seine zyklischen Bewegungen. Welche Bedeutung der Mars für die Maya hatte, ist noch völlig unklar. Auf dem letzten Papierrest steht eine Multiplikationstafel für die Zahl 91 – was auch immer sie zu bedeuten hatte.

 

Die Archäologie der Maya-Kultur erfährt eine ungeahnte Beschleunigung.

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Aus frühester Frühzeit: Popol Vuh Relief. Spuren zur Entwicklungsgeschichte der Maya im Regenwald von Peten, in der Stadt El Mirador in Guatemala. Datiert auf 200 v. Chr. Entdeckung durch das Team von Richard Hansen, Idaho State University. Foto: Archäologisches Institut Amerika.

 

 Sensationelle Funde von Schriftzeichen verblüffen die Wissenschaftler immer wieder, so auch die Ausgrabungen in El Mirador, Guatemala.

Es ist ein Glücksfall, wenn weitere Schriftnachrichten auf Stuck oder Putz an einer Wand oder im Fries gefunden werden. Denn das Medium für Schrift war in der Präklassik nicht die Steinstele wie in der Klassik, sondern Papier.

Die ältesten charakteristischen Papierklopfer, mit denen die Rinde des Feigenbaums nach einem Wasserbad zu Papierstreifen gehämmert wurde, stammen von 900 bis 700 v.Chr.

Während Richard Hansen und sein Team  im Jahr 2009 Wassersammelstellen der Maya untersuchten, fanden sie ein Relief (li. i.Bild) an einem Haus. Es zierte die Wand eines Wasserkanals. Jedes Haus der Maya in El Mirador war mit einem Regenwasserleitungssystem versehen. Das Wasser wurde darüber in einem Reservoir im Zentrum der Stadt gesammelt.  Für die Wissenschaft ein großartiger Fund, der in seiner Bedeutung erhebliche Auswirkungen für die bisherige Einteilung der Epochen Präklassik und Klassik hatte und ihrer Annahmen über erste Schriften.

Mit der Ausgrabung der abgelegenen Stadt El Mirador in Guatemala nah der mexikanischen Grenze und der Pyramide von Nakbe stürzten Lehrmeinungen zusammen.

 

 Olmeken und Maya sind Nachbarn

Der Beginn der Maya-Hochkultur musste um ein halbes Jahrtausend zurück in die Frühzeit gelegt werden. Die  klassische Epochengliederung wurde zur Makulatur. Und damit könnten die Olmeken nicht mehr alleine die (Vor)-Väter der mesoamerikanischen Hochkultur sein. So werden sie auch im Anthropologischen Museum in Xalapa, Veracruz, Mexico, präsentiert.  Die Maya werden mit den neuen Erkenntnissen zu ihren geschichtlichen Nachbarn.

Noch vor wenigen Jahren galt unter Altamerikanisten die Meinung, Schrift habe sich in Mesoamerika erst in der Zeit nach der olmekischen Kultur entwickelt. Als früheste Schriftzeichen galten Funde aus Oaxaca, die man in die Zeit von 300 v.Chr. datiert hatte. 1998 begann ein Team von Archäologen unter der Leitung von Mary Pohl, Kevin Pope und Christopher von Nagy in San Andres mit Ausgrabungen. San Andres war vor gut 3000 Jahren eine Art Vorort von La Venta gewesen und gehörte damit in die zweite Phase der Olmekenkultur ab ca. 900 v.Chr.

Die Olmeken gelten als eine Art Mutterkultur des Kontinents. In der epi-olmekischen Inschrift auf der La-Moharra-Stele wird bereits das verwendet, womit die Maya berühmt wurden: die „Lange Zählung“ –  ein Kalendersystem.  Eine Kombination aus piktographischen und glyphischen Elementen sowie der Gebrauch des 260-Tages-Kalender und die Verbindung von Schrift und Kalender waren bereits vorhanden.

Auch in Kaminaljuyu im Hochland von Guatemala, einem Maya-Ort mit olmekischen Einflüssen, tauchte komplexe Schrift auf.

 

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San Lorenzo und Umgebung,  Zona del Olmeca Foto: Kunze

Die älteste olmekische Siedlung ist San Lorenzo. San Lorenzo war die erste Stadt, die die Olmeken direkt nach ihrem unerklärlichen und plötzlichen Kultursprung – vom Steinzeitbauern zur Hochkultur – um 1200 v.Chr erbauten. In der Nähe im Ort Cascajal fanden Wissenschaftler  im Süden von Veracruz in einem Steinbruch im Jahr 2006 Schriftzeichen auf dem Cascajal-Stein, die sie  auf 900 v. Chr. datierten.

Olmeken Cascajal

Skizze Cascajal-Stein. Cultura Olmeca

 

Olmeken Cascajal stone

 

„Das ist geschriebene Sprache.“ Der Stein ist der erste wirkliche Beweis dafür, dass die Olmeken auch die geschriebene Sprache kannten. Hier hat man es mit einer völlig neuen Schrift zu tun, die nicht verwandt ist mit anderen bekannten Schriften Mittelamerikas. Sie soll nur und ausschließlich während der San Lorenzo-Zeit der Olmeken angewandt worden sein. Weder gibt es irgendwelche Anzeichen darauf, wo sich diese Schrift entwickelt haben kann,  noch habe sich diese Schrift ausgebreitet und weiterentwickelt.

Die Chiffren sind waagerecht angeordnet, was für mesoamerikanische Verhältnisse ungewöhnlich ist, da hier normalerweise von oben nach unten geschrieben wurde. In die Platte sind 62 Zeichen geritzt, von denen 40 wiederholt vorkommen. Die Zeichen sind abstrakt und greifen nicht auf erkennbare Bilder zurück. Einige sind aus der olmekischen Ikonographie bekannt, was sie aber dort bedeuten, weiß man nicht. Der Cascajal-Stein, so Michael D. Coe, „ist eine Herausforderung für die Wissenschaftler – bis jetzt ist nur dieser Text der Olmeken bekannt“. Er folgert: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich aus dieser Schrift eine andere entwickelt haben könnte.

Einfach da. Plötzlich da wie die Kenntnisse der Olmeken in  Architektur, Mathematik, Astronomie, Geometrie, Vermessungstechnik, Logistik und anderem? Mich würde es nicht wundern, wenn da irgendwo wieder Thot auftauchte.
Ach, es gibt noch so viel zu entdecken.

 Cultura Olmeca

 

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Figura Atlihuayàn aus der Zeit der Olmeken, in San Lorenzo ausgegraben. Anthropologisches Museum , Xalapa, Veracruz, Mexico. Foto: Kunze

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Cultura Olmeca. Nachzeichnung. Zu den Werkzeugen von Archäologen, Epigrafern gehören immer auch Zeichenblock und Kohlestifte. Museum Mexico. Foto: Kunze

 

 

Die  Pyramiden der Klassik wie Chichen Itza, Tikal und Uxmal nötigen Hochachtung ab ob der architektonischen, logistischen und administrativen Leistung vor 1500 Jahren. Doch sie sind nur Abziehbilder der Maya-Bauten in der Präklassik: In der ersten Maya-Großstadt, Nakbe, entstanden schon ab 800 v.Chr. Pyramidenbauten von fast 50 Meter Höhe. Andere Siedlungen folgten: Lamanai, Cerros, Yaxha, Calakmul, Uaxactun, Tintal, Peru-Waka, San Bartolo und El Mirador. Der Peten, die Waldregion im Herzen der Yucatan-Halbinsel, entpuppt sich mehr und mehr als die Wiege der Maya-Kultur.

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Palast. Maya Stätte Nakbe

 

El mirador

El Mirador Foto:authenticmaya.

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El Mirador, Guatemala. Die zwei großen Pyramiden gehören  zu einem Komplex verschiedener auf Plattformen errichteter Gebäude.  2,8 Millionen Kubikmetern  Die höchste Pyramide der Welt. Foto: gizaforh.org

In El Mirador brach der Bau-Boom um etwa 300 v.Chr. aus und ließ die Siedlung bis zu ihrem rätselhaften Ende um 150 n.Chr. zur größten Stadt der Maya-Epoche werden. Die Stadt gilt als Wiege der Maya.  Sie hatte mit rund 4000 Komplexen deutlich mehr Bauten als Tikal und beherbergte mit der 72 Meter aufragenden Tapir-Pyramide das höchste Bauwerk der Maya-Welt. Eine entwickelte Gesellschaft mit Landwirtschaft, Arbeitsteilung, Kunst und zentraler Führung ist nicht wegzudiskutieren. El Mirador, das Machtzentrum der Maya-Präklassik im Tiefland, war mit einem weiten Ring von Satelliten-Siedlungen umgeben. 18 bis 24 Meter breite und 4 Meter hohe Dammwege durch das morastige Gelände verbanden die Metropole mit den Umlandsiedlungen und den über 20 Kilometer entfernten Nachbarstädten wie Nakbe und Tinta. Um 150 n. Chr. wurde El Mirador aufgegeben. Archäologen bezeichnen den frühen Niedergang der blühenden Kultur im Peten im zweiten nachchristlichen Jahrhundert als „kleinen Kollaps“. Der kann bislang noch weniger erklärt werden als der flächendeckende Zusammenbruch, der um 800 n.Chr. das finale Ende der Maya-Hochkultur brachte.

Heute weiß man:

Die Maya hatten eine fortgeschrittene Kultur entwickelt – und das deutlich früher als die Forscher bislang dachten.

Sie sind geschichtliche Nachbarn der Olmeken und nicht wie bislang dargestellt, die Nachfahren der Olmeken.

Ihre Schreiber konnten nicht nach Gutdünken etwas erfinden. Es gab Regeln und Traditionen. Begriffswörter wurden aneinandergereiht, grammatikalisch richtige und komplexe Sätze gebildet. Ganze Sätze mit Verb, Subjekt und Objekt lassen sich auf den Fundstücken durchlesen. Es gab eine standardisierte Schrift.

Ihr geheimes Wissen hielten die Maya in Büchern fest.

Die Maya haben die Olmeken in ihrer Kunst zitiert. Sie haben sie sehr verehrt.

Olmekischer Schmuck wurde über Generationen bei den Maya vererbt.

Olmekische Wörter wurden entlehnt. Teure olmekische Jadestücke landeten in Opferdepots der Maya. Olmekische Orte waren sakrale Stätten, in denen Maya gern siedelten.

Ihren berühmten Kalender der „Langen Zählung“ übernahmen die Maya von den Epi-Olmeken.

Man glaubte viele Jahre, dass Schriftsysteme auf der Welt nur einmal erfunden worden seien, nämlich im alten Orient.
Man glaubte,  alle Schriften auf der Welt  seien von den Schriften des alten Orients inspiriert worden
Man hat den amerikanischen Völkern eigentlich nie zugetraut, eine eigene Schrift zu besitzen.
Man sah die Bilder und glaubte, dass es eine Bilderschrift sei, wo jedes Zeichen für einen Begriff steht.
Man hat geglaubt, die Indianer können keine komplexen Schriften entwerfen.

Haben sie aber.

Man hat aus ihnen ja auch „Indians“ gemacht, obwohl sie nicht aus Indien kommen.

Sie verfügten über eine landwirtschaftliche Technologie, die viel weiter entwickelt war, als das, was wir in Europa kennen.
Sie waren in der Lage mit dem tropischen Ökosystem umzugehen und mit dem Urwald zusammenzuleben.

Städte wie Tikal oder Calakmul hatten 70 bis 80.000 Einwohner

Die Herrschaft der Gottkönige und die Paläste der Gottkönige gingen zuerst zugrunde. Und in einem zweiten Schritt, etwa 150 Jahre später, hat dann auch die Bevölkerung die Städte verlassen.

Heute ist es den Forschern möglich, festzustellen, wie damals der Pinsel angesetzt wurde, wie die Linien geschwungen sind und welche Ausprägung die einzelnen Hieroglyphen haben. Das ist weit mehr als Kunstgeschichte, das kommt schon kriminalistischen Arbeiten nahe.

Dennoch: Ob  unsere Wissenschaft mit all ihren Interpretationen  immer richtig liegt, sei dahingestellt. Manche Maya hätten dazu sicherlich noch einiges mehr und anderes zu sagen. Manche Funde werfen nicht mehr Licht auf die mesoamerikanische Kultur,  sondern mehr Fragen und machen sie noch rätselhafter. Die Geschichte hat bislang gezeigt, dass sie sich immer wieder geirrt haben und auch Bilder einer Zivilisation entworfen haben, die völlig unrealistisch waren.

Der Bonner Wissenschaftler Nicolai Grube mag – trotz aller neuer Erkenntnisse – daran festhalten, dass das „Erstgeburtsrecht für die Schrift bei den Maya liegt“.  Seltsam, wie ich finde. Vielleicht gab es die Maya ja schon vor 20.000 Jahren, dann allerdings wäre Grubes Festhalten nachvollziehbar.

Was man beispielsweise auch immer wieder liest: Die Maya waren plötzlich wie vom Erdboden verschwunden.
Die Maya sind nicht verschwunden, auch in der Zeit, als die Spanier kamen, hat es Königreiche gegeben. Sie waren nur nicht mehr so zu erkennen. Sie waren nicht mehr so prächtig, hatten keine großen Hauptstädte mehr und keine steinerne Architektur.

Und: ES GIBT SIE HEUTE NOCH.
Es sind etwa 10 Millionen Maya, die in Mexico und Guatemala und den angrenzenden Ländern Belize und Honduras leben. Und sie sprechen noch ihre Sprache und haben auch einen Großteil ihrer Kultur bewahrt.

Es bleibt in jedem Fall spannend.

 

Quellen:
Bild der Wissenschaft. Michael Zick.
Planet Wissen. Interview
Archälogisches Institut America, Zach Zorich.
Anthropologisches Museum Xalapa, Mexico
Kris Hirst, Archäologin

 

 

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2 Kommentare zu “Olmeken und Maya waren Nachbarn

  1. Zhenzhu Hei sagt:

    Hallo Martina, ich habe eine Frage, die nicht direkt mit deinem Artikel zu tun hat. Ich habe englische Beiträge gelesen, in denen behauptet wird, dass die Olmeken eigentlich aus Afrika stammen, da sie negroide Gesichtszüge (angeblich auch durch neueste Knochenpfunde und halt wegen diesen Kolossköpfen bewiesen) vorweisen und dass sie eigentlich die ersten „Ureinwohner“ Amerikas waren. Dies ist äußerst umstritten, das Thema wird eher klein gehalten und auf Deutsch finde ich leider überhaupt keine Artikel dazu. Weißt du vielleicht etwas Näheres?

    • martinakunze sagt:

      Wenn du ein paar Tage warten könntest, ich gehe ins Altamerikanistische Institut, dort sollte ich die Information zu deiner Frage finden. Wenn ich mich an jenen Besuch in Mexico (im Museum) erinnere, dann wurden sie dort als die erste Hochkultur in Mittelamerika erwähnt
      Ja, sie haben deutlich negroide Züge.
      Und die Wanderungsbewegungen waren 5000 Jahre v. Chr. nicht wenige. Die Maya kommen aus Indien. Die Sumerer sollen die geistigen Väter der Olmeken gewesen sein…Es gibt auffällige Parallen der ägyptischen und olmekischen Kultur.
      Mehr kann ich dir an dieser Stelle nicht sagen. Aber vielleicht in wenigen Tagen mehr.
      Herzlichst
      Martina

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