Ostergedanken

elefanten4

 

 

 

elefantmitdem herzen atmen

Heute ist Ostern?

Es ist das Jahr 1582. Gregor der VIII hat die Nase voll.  Ein Politikum erster Güte.

Ein Kalender-Relaunch scheint ihm notwendig.

Der Grund: das christliche Osterfest. Und das da etwas nicht stimmt, fällt nicht nur dem Papst auf, sondern auch den Astronomen.

Im 3. Jahrhundert hatte man sich darauf geeinigt, dieses Fest der Christenheit  immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also einem beweglichen Datum zwischen dem 22. März und 25. April, stattfinden zu lassen. Wegen der damals  ernsten Konkurrenzsituation mit dem Judentum soll das Fest auf keinen Fall mit dem Pessach zusammenfallen. Der julianische Kalender ist zu lang. Im Jahr 46 vor Christus  legte man das Jahr auf 365,25 Tage (also 365 Tage und sechs Stunden) fest. Es ist der Versuch, sich den 365,2422 Erdumdrehungen eines Sonnenjahres rechnerisch anzunähern. Das Julianische Jahr, benannt nach Julius Cäsar,  ist aber damit gegenüber dem Sonnenjahr um elf Minuten und 14 Sekunden zu lang, sodass die Abweichung im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage beträgt.

Im 16. Jahrhundert sind es bereits 10 überzählige Tage. In Folge beginnt der Frühlingsanfang immer früher. Ostern rückt immer weiter zurück.

Ein Papst, der  eigenmächtig in die Zeit eingreift.
Eine Komission wird einberufen. Von 1570 bis 1580 beraten Italiener, Franzosen, Spanier, Deutsche, wie man Ostern wieder am 21. März feiern kann.

Die Lösung:

Vom 4. Oktober 1582 werden einfach zehn Tage übersprungen und direkt beim 15. Oktober 1582 weitergezählt. Schaltjahre  werden eingeführt, um die Notwendigkeit  eines weiteren Eingreifens in die Zeitrechnung zu verhindern.
Der Jahresbeginn wird in diesem Zusammenhang auf den Januar gelegt.

Jede Menge Widerstand rollen auf  Papst Gregor zu. Alles was vom Papst kommt, ist Teufelswerk. Ein Landgraf aus Hessen macht sich für einen neupersischen Kalender stark. Selbst in der katholischen Kirche gibt es erheblichen Widerstand.
Ein heilloses Durcheinander entwickelt sich. Manche Länder ziehen  erst viel später hinterher. Auch in Deutschlands zahlreichen Kleinstaaten war dies so.  Wenige Kilometer weiter gilt  der gregorianische Kalender schon nicht mehr.  In Europa feiern plötzlich  Länder zu unterschiedlichen Zeiten Weihnachten. In Augsburg, Dinkelsbühl, Ravensburg kommt es zu Straßenkämpfen. Augsburg ist dem Bürgerkrieg nah, weil der evangelische Rat dem Kalender zustimmt. Und selbst in Italien bleibt es zunächst  in einigen Gebieten beim alten Kalender. Im litauischen Riga kam es deswegen zum Lynchmord von zwei Ratsmitgliedern.
Ideologische Grabenkämpfe. Aber nicht nur, auch die „einfachen“ Menschen sind tief verunsichert.
Frevelhaft sei die neue Zeitgebung. Andere fürchten finanzielle Verluste. Es soll  bei einem  einheitlichen Handels- und Markttag bleiben, rufen die Menschen.

Die reformierten deutschen Kleinstaaten folgen erst 1700. Die gregorianische Zeitrechnung wird zuletzt von der Türkei im Jahr 1926 und von China im Jahr 1949 übernommen.

Kalender sind keine nüchtern- neutrale Zeitrechnungssysteme.

Unser Kalender ist christlich ausgerichtet.
Und zwar nicht nur  mit der christlichen Chronologie, sondern in seiner gesamten Struktur.

Unser Weltkalender ist ein päpstliches Reformwerk.
Der Papst wollte – geschwächt von der Reformation – den universalen Geltungsanspruch der katholischen Kirche sichern.
Mit regen Bauarbeiten in Rom und am Vatikan tat er dieses. Aber auch mit Reparaturarbeiten an der Zeit konnte er die Alleinherrschaftsansprüche  der katholischen Kirche nicht besser untermauern.

In den 60er Jahren wollten Adenauer und De Gaulle einen europäischen Kalender auf den Weg bringen und so kam der „republikanische Kalender“  erneut ins Gespräch. Das ist ein weiterer Kalender, der zumindest  in den Augen Napoleons aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt gehörte, galt er als Symbol der Revolution.
Zu Zeiten Napoleons wollte  man sich von der biblisch begründeten Woche befreien.
Der  „siebte“ freie Tag, der gewohnte Ruhetag sollte abgeschafft werden. Man wollte nur jeden zehnten Tag (decadi) als freien Tag zulassen.  Den antikleral Ausgerichteten war dies ein besonderes Anliegen. Man forderte die Einteilung des Tages  in zehn Stunden zu jeweils 100 Minuten – entsprechend des Dezimalsystems. Sie scheiterten.
Zeit als Ausdruck politischer Herrschaft.

Geschichtliche Kämpfe um das Osterfest

Erst 1000 nach Christi begannen Kalenderfachleute damit, sich mit  Berechnungen zum Geburtsjahr Jesu zu beschäftigen. Bis heute ist das Datum heiß umstritten. Dionysus Exiguus hat sich um einige Jahre verrechnet.
Kalendarisch korrigiert wurde der Irrtum bis heute nicht.
Dionysus Exiguus wurde auch Denys der Kleine oder der Geringe genannt. Er lebte um 500 n. Chr. und lebte als Mönch in Rom, in einer Zeit radikaler Veränderungen, im Westen Europas war die Macht des Römischen Weltreiches gerade zusammengebrochen.
Völkerwanderung. Italien, Kernstück des untergegangenen Imperiums, wurde in jenem unruhigen 5. Jahrhundert vom legendären Ostgotenkönig Theoderich beherrscht.Weltpolitik wurde nicht mehr in Rom gemacht, sondern im Osten Europas, in Konstantinopel.

Das Millenium feierten wir vermutlich auch zu früh. Mathematiker meinten damals, rein rechnerisch sei das neue Jahrtausend erst am 1. Januar 2001 gewesen. Andere behaupteten, wir feierten es viel zu spät. Jesus wurde nämlich lange vor dem Jahre 1 unserer Zeitrechnung geboren. Wer wissen will, wie es zur Festlegung dieses ominösen Jahres 1 nach Christus kommen konnte, der muss sich mit Dionysius Exiguus beschäftigen. Exiguus übersetzte seinerzeit  im Auftrag des Papstes griechisches Kirchenrecht ins Lateinische.
Kirchenführung unter Führung des Papstes war das erklärte Ziel.

In jenen Jahren feierte man in einigen Regionen bereits Ostern, in anderen Regionen fastete man noch. Der Papst wollte in der prekären Situation nicht noch einen Streit hervorrufen. Dionysius  wurde gerufen. Ihm waren die Osterberechnungen des Kyrill von Alexandria bekannt. Nach dessen Vorbild verfasste er in Kleinarbeit eine Ostertafel, auf der die Ostertermine für die nächsten 95 Jahre im Voraus bestimmt wurden. Er  musste  die Kirchenvertreter davon überzeugen. Und darum griff der Mönch zu einer Notlüge. Die Osterberechnung nach Kyrill, so argumentierte er wider besseren Wissens, gehe auf einen Beschluss des Konzils von Nicäa zurück, das den rechten Weg durch eine Erleuchtung des Heiligen Geistes gefunden habe. Dieses Argument wirkte unwiderstehlich, denn das legendäre Konzil von Nicäa aus dem Jahre 325 stellte eine Autorität dar, der sich niemand zu widersetzen wagte.

Diese Notlüge führte das Ende des Osterstreits herbei. Doch damit hatte Dionysius seinen Beitrag zur Historie längst nicht vollendet. Kyrill hatte die Jahre nach dem Christenverfolger Kaiser Diokletian datiert. Für den Mönch geziemte sich dieses  nicht. Die Jahreszählung habe mit der Geburt Christi zu beginnen. Die Evangelisten schweigen sich darüber ziemlich aus. Geschichtsquellen aus der Antike hielt er für heidnisches Machwerk und ignorierte sie darum auch.  Er konstruierte ein höchst fragwürdiges Denkmodell. Jesus sei an einem 25. März auferstanden. Er suchte nach einem passenden Ostertermin der Vergangenheit und stieß auf den 25. März des Jahres 784. An diesem Tag, so Dionysius, musste Jesus auferstanden sein. Die Bibel erzählt nämlich von einem 30-jährigen Gekreuzigten, so gelangte Dionysius zum Jahr 754 römischer Zeit. Daraus machte der Mönch das Jahr 1 christlicher Zeit.  Fortan besaß die Christenheit ihre eigene Zeitrechnung. Die Ostertafeln nannte er um:  „Menschwerdung des Herrn

Alles Maya?

Zieht man alle verfügbaren Quellen heran, insbesondere die astronomischen Daten im Zusammenhang mit dem „Stern von Bethlehem“, dann könne die Geburt des Jesuskindes nur in der Zeit zwischen 7 und 4 vor Christus stattgefunden haben, sagen Forscher.

Übrigens könne man auch nicht mehr ausschließen, dass Jesus die Kreuzigung überlebt habe, räumt heute auch so mancher Forscher ein.

In meinem Beitrag  über die Essener, Teil 5,  berichtete ich darüber:  Zeit ist`s.
Jesus in Indien lebend. Moses in Kaschmir begraben. Abrahams Heimat am Fuße des Himalaya.

Das leere Grab gilt jedenfalls als ein historisches Faktum. Die Auferstehungsbotschaft hätte sich nicht einen Tag in Jerusalem halten können, wenn man parallel zu ihr auf das Grab hätte hinweisen können. Dass das Grab leer war, bestreiten noch nicht einmal die Gegner Jesu. Berichte über die Begegnungen mit dem „Auferstandenen werden in allen Evangelien überliefert. Die Jesus-Bewegung war im Keim erstickt, glaubte man. Doch nur kurze Zeit später sind es dieselben Jünger, die ihre Berufe aufgeben, sich wieder versammeln und eine sehr konkrete Botschaft verkünden. Und sie waren bereit, den Rest ihres Lebens damit zu verbringen, das zu verkünden, ohne dass es sich menschlich gesehen, für sie auszahlte.

Ich stehe jetzt so in der Küche und knete Brot, eingebunden in etwas Grösseres, freue ich mich schon auf den Duft.

Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün. Heute feiern wir das: Die grenzenlose Liebe. Ostern – Auferstehung- Neues Leben. Und wir feiern es mit dem Bild vom Weizenkorn. Viel Frucht, nicht allein für sich. Darum ging es Jesus. Nicht nur kurzzeitig, nicht nur von der Hand in den Mund, sondern für immer. Menschen viel Brot geben, das sie nicht mehr hungern lässt. Brot, das Leib und Seele satt macht. Brot geben, das Hoffnung schenkt, Lebensfülle, die keine Grenzen kennt. Liebe, die wie Weizen wächst, weitergeht, zu Brot des Lebens wird, das nährt.

Ich hoffe, Ihr Osterfest ist im grünen Bereich.

Om om om…..frooooooooooooo  om om….

frohe ostern1

 wünsche ich Ihnen.

Advertisements

4 Kommentare zu “Ostergedanken

  1. magguieme sagt:

    Also das Elefantchen! Zum Kugeln! Musste ich gleich noch ein Paar Augen zum Schmunzeln rufen. Ich kenne da einen, der spielt auch gerne mit den Wellen 🙂
    Oh, und das Nachfolgende habe ich ebenfalls interessiert gelesen. Merci, vielmals. Viel Freude und Sättigung beim Brotessen. Am besten nur mit ein bisschen Butter dazu.

    • martinakunze sagt:

      Jaaa, das Elefantchen – allerliebst. Ich lachte auch so sehr.SEHR. Einfach genial lustig. So sind sie. Wellenspiele, wunderbar 🙂

      Weniger wunderbar, mein Text durchlöchert von Flüchtigkeitsfehlern…heute früh, ich war um 5 Uhr wach, nicht hellwach, aber wach. Als ich auf „Publizieren“ drückte, war ich wieder sooo müde…:)

      Ich danke dir.
      Brot mit Butter. Ja, das kenne ich auch noch aus meiner Kindheit. In der guten Butter soll ein Stoff enthalten sein, der sehr wichtig ist für uns Menschen, und den es auch nur in der Butter geben würde, sagte mir mal eine Kräuterkundige.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s