Yoga als Werkzeug für Frieden

warrior of change

 

Nairobi ist nicht der erste Ort, der mir in den Sinn kommt, wenn ich an Yoga denke.

Und doch – seit 2007 existiert in der Haupstadt Kenias ein erfolgreiches Projekt mit bemerkenswerten Auswirkungen auf das Leben von Menschen in Bezirken, die vor Ort als „informal settlement“ bezeichnet werden.  Dort leben Menschen in bitterer Armut. Dort werden Konflikte  vielfach gewaltsam gelöst. Dort leben zumeist Menschen, die keinen Zugang zur Bildung haben. Dort fehlt es an sanitären Einrichtungen und Wasser. Dort herrscht eine extrem hohe Arbeitslosigkeit. In solchen Gebieten kann es geschehen, dass die Stadt mit Bulldozern auftaucht und ganz Häuser niederwalzt.

Paige Elenson  reiste in jenem Jahr mit ihrer Familie  nach Kenia. Sie traf auf Akrobaten im Busch. Als Yoga-Enthusiastin brachte sie ihnen Yoga-Übungen bei. Eine Idee nahm Form an. Heute bildet das Projekt Yoga- Lehrer in jenen Regionen aus.

 

Eliam Sandra Wanjiku:

yogakenia

 

Eliam Sandra Wanjiku ist eine solche  Yoga -Lehrerin. Heute bringt die Kenianerin Erwachsenen Yoga bei: „Ich dachte Yoga wäre für Reiche. Bevor ich mit Yoga in Berührung kam, war mein Leben ein einziges Chaos. Ich war ein aggressives Mädchen, die mit allen stritt. Ich lebte in einem Haus ohne Wasser und sanitäre Anlagen. Als ich das erste Mal eine Yoga-Klasse besuchte, fiel mir eine große Last von meinen Schultern. Ich fühlte mich plötzlich wie neu und als vollwertige  Person. Ich bin heute eine verantwortungsbewusste Mutter. Ich bin höflicher und ich lebe in einem guten Haus mit Wasser und Toilette.“

 

The Africa Yoga Project wirkt auf wunderbare Weise in ganz Kenia. Über zweihundert Jugendliche konnten kostenlos an Trainerkursen teilnehem. 72 Lehrer  arbeiten mittlerweilen für das Projekt. Darüber sind sie selbst und  ihre Familien versorgt. Diese Lehrer erreichen in der Woche über 6.000 Menschen  in 350 Klassen in Regionen des „informal settlements“. Das Projekt erreicht zudem Waisenkinder, Schulen mit „special needs“, Gefängnisse und auch Menschen in ländlichen Gegenden.

Im Zentrum von Nairobi ist das „Shine Center“. Yogis aus aller Welt kommen in das Center und reichen  ihr Wissen  in verschiedenen Programmen weiter.  Am 200- Stunden- Lehrertrainings-Programm nahmen Interessierte aus Äthiopien, Südafrika, Ruanda, Sierra Leone, Israel und Palästina teil, in der Hoffnung, dass sie  ihre eigenen Yoga-Klassen in ihren Wohnbezirken aufbauen.

Das nächste Ziel des Projektes ist es, Yoga für jene Menschen anzubieten, die jene jüngsten terroristischen Anschläge in Nairobi miterleben mussten.

Das Africa Yoga Projekt ist nicht die einzige Organisaton, die Yoga für Menschen in Krisengebieten einsetzt.

 

Brücken bauen. Barrieren aufbrechen.

Yoga in Africa

Paige Elenson Foto: R. O`Neill


YogaBeatsConflict ist ein Programm der Organisation Yogabeats mit Sitz in New York. David Sye initiiert seit 2004 Projekte im Mittleren Osten. Er erinnert sich an sein erstes Projekt, in dem Palästinenser und Israelis  teilnahmen:

“There were 160 people from both sides and my friend, a Palestinian, stood up and said very sternly to the Israelis: ‘We have one thing to say to you!’ The Israelis all looked tense and held their breath before she yelled, ‘We love you!’, and after that we all went crazy, dancing and doing yoga altogether and no-one wanted to leave.”

David Sye wurde damals gefragt, ob er Kurse geben könne. Er wollte, aber er wollte nicht einen Tag Palästinenser und einen weiteren Tag Israelis unterrichten. David Sye wollte sie  gemeinsam unterrichten.

sye david

Yoga as a tool for peace. David Sye. Yoga-Lehrer aus London, England

 

Sein Wirken in Konfliktregionen ist eine Herzensangelegenheit.  Der Engländer David Sye erlebte selbst Krieg. In Belgrad saß er während des Krieges in Jugoslawien fest. Damals arbeitete der Londoner als Radiojournalist

Yogabeats entstand daraus.

„Ich sagte mir, wenn ich hier lebend herauskomme, werde ich Yoga für den Rest meines Lebens  unterrichten. Es war eine Art Pakt mit mir selbst. Es war mein Weg, um den Krieg zu überleben.“

Weltweit ist der Peace Worker unterwegs. Österreich, Südafrika, Israel-Palästina, in Städten wie London, Belgrad unterrichtet  der ambitionierte  Yoga-Meister auf unkonventionelle Weise. Von Yogis zeitweilig als  „bad boy of yoga“ verrissen, zeigte sich David Sye wenig beeindruckt und setzt seine Arbeit  unbeirrt fort. Der Yoga-Meister nutzt Yoga  als ein „Instrument“, um soziale Veränderungen herbeizuführen.

„Yoga works for everyone“

Schon längst ist David Sye eine Legende unter den Yogi-Meistern und International bekannt.
„He`s got the Beat.“

Yogabeats heißt „micromoves“: kontinuierliche Bewegungen, die den Körper nicht blockieren und seine natürliche Beweglichkeit fördern. Auf das Warmup folgen eine intensive Praxis, Elemente aus dem Thai Yoga, Partner Work und schließlich Meditation. Yogabeats ist einfach Spass – begleitet von Musik und Rhythmen. Egal, welches Alter.

Spüre Deinen Körper, deine Kraft und lass Dich inspirieren.

yoga specialcenter

Yoga Special Center, Jo Manuel, London

 

Ein weiteres Projekt in England arbeitet mit Kindern, auch mit Kindern an Schulen. Jo Manuel gründete das Projekt „Specia Yoga“ in London. Die Yoga-Lehrerin  sieht erstaunliche Ergebnisse mit  Kindern. „Was immer ihre Potentiale auch sind, Yoga hilft den Kindern, diese aus sich herauszuholen. Einige Kinder mögen Bewegung in sich finden, die sie bislang für unmöglich hielten, anderen finden heraus, dass sie gut reden können. Sie entspannen und fühlen sich besser.

 

yogaspecial

So viele Familien mit denen die Yoga-Lehrerin arbeitet, sagen Yoga sei der beste Moment in ihrer Woche. Jo Manuel ist davon überzeugt, gäbe es im Leben von Menschen mehr von diesen Erfahrungen, pflanzten wir mehr Samen für soziale Veränderungen in dieser Welt.

„Yoga hilft, uns emotional zu managen. Nach einer Yoga-Stunde fühlt man sich innerlich gelöst und friedvoll. Man verspürt mehr Selbstbewusstsein. Würden mehr Menschen Yoga praktizieren, wäre die Welt ein besserer Ort und es würde weniger Gewalt geben.“

 

 

   Nichts anderes sagt der Daila Lama.

yoga

 

 NAMASTÈ.

 

Es gibt so wunderbare Projekte. Lasst uns darüber reden und schreiben.
Lasst uns davon inspirieren. Ich erinnere mich an ein vor vielen Jahren geführtes Interview mit einer Besitzerin eines Ayurveda-Hotels. Die Dame war eine der ersten, die Ayurveda mit nach Deutschland brachte.  Sie antwortete mir damals, auf meine Frage, wie es sich für sie anfühle, dass „ihre Idee“ nunmehr  auch in Deutschland weit verbreitet sei, auf diese Weise : „Wunderbar. Es ist immer schön zu sehen, dass man etwas wirklich Gutes in die Welt gebracht hat. Und wenn es kopiert wird, bestätigt es mir doch nur, dass es etwas Gutes ist. Etwas Gutes zu kopieren, daran ist nichts schlecht. “

 

Africa Yoga Project
P.O. Box 69 Woodstock, New York 12498, US
www.africayogaproject.org

 

Yogabeats
http://www.yogabeats.com
London.

 

Special Yoga
http://specialyoga.org.uk

The Tay Building
2a Wrentham Avenue
London
NW10 3HA
0208 968 1900

 

 

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7 Kommentare zu “Yoga als Werkzeug für Frieden

  1. magguieme sagt:

    Danke für das Teilen dieser tollen Projekte.
    Ich muss an den Sudan denken…
    Peace Worker… Yoga… an vielen Orten, weltweit… ich brauche das manchmal einfach nur in mir

    • martinakunze sagt:

      Ich danke dir.
      Ich dachte auch an den Sudan.
      Könnte ich mir gut vorstellen.

      In jedem Fall ein wunderbarer Kontrast zu jenen Dauerseminaren: Was ist ein Konflikt. Wie analysiere ich Konflikte, etc…. „, von denen ich ehrlich gesagt – zumindest für jene Zielgruppe – wenig halte und damals schon nicht hielt. Die Menschen wissen wahrlich genug über Konflikte. Was sich so manche Theoretiker hier in Deutschland für Konfliktgebiete ausdenken, erscheint mir mitunter fern von ….

      Yoga…Konkreter, Wirksamer allemal.
      Wer es selbst einmal erlebt hat, weiß, wie anders man durch den Tag geht.

      Dafür bräuchte das Projekt eine Yoga-Lehrerin. 🙂

      I c h bin keine.

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