Von Maya-Königen und Prinzen

mayafundstuecke

Kakaobecher. Kakao war das Getränk des Adels in der Maya-Gesellschaft.
Fotos: Archäologisches Projekt Uxul/Universität Bonn

 

Die Maya-Stadt Uxul wurde bereits 1934 von Archäologen im Dschungel Yucatans in Mexico entdeckt. Aufgrund seiner extremen Abgeschiedenheit blieb der Ort  fast 100 Jahre für die Forschung verschollen, bis er im Jahr 2005 von Forschern der slowenischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Bonn und dem Nationalen Institut  für Anthropologie und Geschichte (INAH) Mexicos wiederentdeckt wurde.

Ein Trinkbecher gab den entscheidenden Hinweis. 2012 entdeckten Bonner Archäologen in Zusammenarbeit mit Mexico`s Nationalem Institut (INAH) ein reichhaltig ausgestattetes Prinzengrab. Die Inschriften weisen darauf hin, dass es sich um den Sohn eines Königs handelt. Zu lesen ist:  „[Dies ist] das Trinkgefäß vom Jüngling/Prinzen“ .

Ein Glücksfall für die Archäologen. Fundort ist ein Gebäude des königlichen Palastkomplexes der Maya-Stadt Uxul in Mexico, im Bundesstaat Campeche auf der Halbinsel Yucatan. Die archäologische Grabungsstätte Uxul liegt zwischen den großen Maya-Städten El Mirador im Süden und Chichen Itzà  im Nordosten.  Uxul bedeutet: am Ende. Und das ist es irgendwie auch, zumindest heutzutage. Drückende Hitze, 95% Luftfeuchtigkeit, Tausende Insekten. 120 Kilometer Fahrt durch den Regenwald, mehr oder weniger im Schritttempo. Wenn der Regen einsetzt, kommt niemand mehr für neun Monate in das Gebiet. Zwanzig Kilometer mussten vom Forschungsteam erst einmal freigeschlagen werden, um das Ziel überhaupt mit Ausrüstung erreichen zu können.

Am Ende lag Uxul jedenfalls nicht während der Blütezeit der Maya-Kultur, vielmehr mitten drin in einem Netz von Städten, Handels- und Herrschaftsbeziehungen. Möglicherweise nannte sich die Stadt damals „Naah-k’a-Naah“. Gesichert ist dies jedoch noch nicht. Der alte Name von Uxul ist für die Wissenschaftler noch immer ein Rätsel.

Sicher weiß man, dass sich die Maya in Uxal 300 vor Christi und 200 nach Christi auf den von Sümpfen umgebenen Hügeln niedergelassen haben. Aus einer kleinen Siedlung wurde Königssitz.

Man fand ebenso Überreste eines 20 bis 25 Jahre alten Mannes.In einer steinernen Sitzbank hatten die Forscher ein aufgefülltes Loch entdeckt. Etwa anderthalb Meter unter der Bank fanden sie einen Keramikteller, jedoch ohne jeglichen Dekor. Wissenschaftler der Universität Bonn wühlten sich weiter in die Tiefe.  Beharrlichkeit brachte den Durchbruch: Unter dem Teller entdeckte man einige Steinplatten, und als man sie auseinander schob, öffnete sich darunter ein Hohlraum – das Grab.

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Uxul liegt zwischen den großen Maya-Städten El Mirador im Süden und Calakmul im Nordosten. Beide Orte spielen eine zentrale Rolle in der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Maya-Kultur: El Mirador gilt als das bedeutendste städtische Zentrum der Präklassik (600 v. Chr. bis 250 n. Chr.), und Calakmul war das bedeutendste politische Zentrum und Sitz der einflussreichen Kaan-Dynastie in der Klassik (250 n. Chr. bis 900 n. Chr.)

 

Yotoo Till ist der Name des Verstorbenen. Explizit sei er als  Ch’ok“ (Prinz) ausgewiesen. Woran der Prinz mit dem Namen „Haus des Tapirs“ zwischen 725 und 730 n.Chr. starb, wissen die Bonner Forscher nicht zu sagen.

Zahlreiche hochwertige Grabbeigaben deuten auf die hohe Herkunft des Verstorbenen hin. Ein Teller mit Bemalungen im “ Codex-Stil“ lag auf dem Schädel des Verstorbenen. Auch ein zweites modelliertes Gefäß soll  einen Prinzen erwähnen. Ein endgültiger Hinweis auf die Identität soll dies aber nicht sein, sagen die Bonner Wissenschaftler. Bislang weiß man, dass es sich  um einen Königssohn handelt, der nicht in direkter Thronfolge stand.  Die sonst übliche Jademaske fehle. Und auch die Inschrift auf einem der Becher lege dieses nahe.

Der Teller, den man auf seinem Körper fand, trägt die Weihinschrift: „Dies ist die Schrift auf dem Teller für Kakao des Yotoot Til.“ Der Teller ist im „Codex-Stil“ gehalten, benannt nach dem Stil der wenigen erhaltenen Maya-Bücher. Darin dominieren die Farben Schwarz und Rot auf cremefarbenem Untergrund.
Insgesamt fand man fünf Keramikbecher. Anhand eines Datums auf einem der Becher, das dem Jahr 711 n. Chr. entspricht, kann der Tod des jungen Prinzen und die Anlage seines Grabes auf die ersten Jahrzehnte des 8. Jahrhunderts nach Christi Geburt datiert werden.

Ein Jahr später stieß man auf weitere Überreste. So weiß man, Jade wurde in die Zähne eingesetzt. Jade war ein beliebter Körperschmuck und ein Zeichen für eine hohen sozialen Status.

Die Keramiken zeugen auch von Verbindungen zum mächtigen Nachbarn Calakmul.

 

 

867 Gebäude sind bislang  in Uxal vermessen, an rund einem Dutzend davon wird gegraben. Die Bonner Forscher sprechen von
„ Klein-Calakmul“. Die Maya-Architekten  haben in Uxul das Stadtbild von Calakmul fast eins zu eins kopiert – von der Anordnung der Pyramiden und der Gebäudeformen bis zur Lage des Ballspielplatzes und der Gestaltung des großen Königspalastes.

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Sanierungsarbeiten an der Pyramide in Uxul. Quelle: Bonner Archäologie.

 

Grabräuberschächte des 20. Jahrhunderts und Urwald setzen der Statik der Maya-Bauwerke in Uxal zu. So manches Gebäude muss heute gesichert werden.

Uxul

Uxul

 

Uxul soll das Zentrum einer unabhängigen politischen Einheit gewesen sein. Inschriften berichten aber auch von der Eingliederung Uxuls in den damaligen Regionalstaat von Calakmul in der Zeit der späten Klassik. Die letzten Inschriften von Uxul datieren 692 n. Chr. und deuten auf ein frühes Ende der Königsdynastie hin.

Irgendwann im 10. oder 11. Jahrhundert war die Stadt weitestgehend entvölkert, bis auf vereinzelte Bauern vielleicht.

 

 

 

 

CALAKMUL

 

maya pyramide  calakmul

Mit 55 Meter Höhe eines der höchsten in der Maya-Welt.  Hier sieht man wie Pyramide mit einer anderenPyramide überbaut wurde. Seit 2002 Weltkulturerbe. Calakmul, Yucatan, Straßengebühren, Eintritt sind zu zahlen. Mexico. Fotos: Kunze

 

Der  Palast wurde auf den Stelen 101- 103 als   Ox Te’ Tuun,  der „Ort der drei Steine“ bezeichnet oder als „tip’il k’inil na= Sonnenuntergangshaus“.

Die Ur-Pyramide obere Spitze wurde nur von einer kleinen Elite von Priestern  und Adligen aufgesucht, während die Mehrzahl der Gläubigen ihre Rituale unten an der Basis vollzogen.

Die Region war seit 600 v Chr. besiedelt. Die erste Pyramide wurde keine 300 Jahr später erbaut und wies eine Höhe von 12 Metern auf. In späteren Jahren wurde aufgestockt.

Der Begriff „ka kalam“ taucht in diesem Kontext ebenso auf. Er bedeutet: „zwei Schlangen/Mächtige“ und soll auf zwei Dynastien hindeuten und nicht auf den Ort. Wasserwege, Zisternen, Vorratsspeicher, Arbeitsspezialisierung durch kleine Steinmetzviertel,  Mühlenviertel,  sak be: künstliche Wege, um alles besser transportieren zu können, Tempel, Zeremoniebauten, Paläste, Ahnentempel, U-förmig angelegte Räume, Empfangs- und Festplätze.  Für mehr als 1000 Jahre  war diese Tempelanlage das Zentrum  dieses mächtigen Stadtstaates  mit Ausmaßen – zumindest zeitweilig – eines Terretorialreiches mit einem zusammenhängenden Staatsgebiet.

 

Bereits im Jahr 2011 legte das Forscherteam verschiedene Tempel  des Königs Calakmul frei. Dabei entdeckte  man im größten Palastgebäude sechs Relieftafeln, auf denen vier Könige der Herrscherdynastie von Calakmul beim Ballspiel zu sehen sind.

 

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Inschriften.  Uxul, Quelle: INAH, Mexico

Rechts im Bild:

Inschrift in der südlichen Treppe vom Hauptgebäude des Palastes. Der Ballspieler ist Yukno’m Yich’Aak K’Ahk‘, Regierender von Calakmul zwischen den Jahren 686 und 695 n. Chr.. Das Datum ist  der 6. Februar  695 – sechs Monate vor seinem Tod.

Der am weitesten verbreiteste Titel war übrigens bei den Maya „ajaw“ , Herr oder Herrscher. Damit wurde das höchste Amt eines Zentrums bezeichnet. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Titel kùhul ajaw, göttlicher Herrscher, eingeführt.  Ein weiterer Titel, der aber nur den Herrschern der bedeutendsten Maya-Zentren vorbehalten war, war der des „kaloomte“.

Das Wort enthält die Silbe te und bedeutet Baum oder Stab.

 

 

 

maya-herrscher-bezeichnungen

v. li.: 1. ajaw,                2. k’uhul ajaw,               3. kaloomtè,                     4. ochk’in kaloomte’,             5. sajal , Quelle: Martin und Grube, Bonn, 2000.

 ochk`i kaloomte =westliche Herrscher. Sajals sind Angehörige der Elite. Sie werden von der Wissenschaft als „Provinzgoverneure“ angesehen. Die Träger des Titels aj kùhuun waren dem ajaw untergeordnete Angehörige der Elite, die oftmals mit Herrscherhaus eng verwandt waren. Es ist der, der anbetet, verehrt.  Bakab wird auch immer wieder für den lokalen Herrscher verwendet.

Als Kùhul – göttlich, heilig –  wurden  ebenso dreizehn politische Einheiten bezeichnet. Auch hierzu fand man in den Glyphen Hinweise und verweist dabei auf die räumliche Aufteilung in vier Himmelsrichtungen plus ein Zentrum. Es gab natürlich mehr politische Einheiten. Jene dreizehn galten aber als die herausgehobenen im Maya-Land.

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Die Natur findet ihren Weg. Calakmul liegt nicht im Zentrum der Touristenströme, Yucatan, Mexico

In Calakmul befindet man sich bereits im sogenannten Petén auf Yucatan,  dem eigentlichen Ursprungsland der Maya in Mexico. Die Maya- Stätte liegt inmitten dichten Urwalds. Heute ist die Region Naturschutzgebiet,  mit 723. 000 ha das größte im Regenwald Mexicos. Im Reservat finden sich Jaguar, Puma, Ozelot, Ameisenbären, Klammeraffen und auch die Klapperschlange. Das Naturschutzgebiet ist Heimat von 200 Vögel- und 400 Schmetterlingsarten und unzähligen wilden Orchideen.

Calakmul liegt rund 90 Kilometer von Tikal im heutigen Guatemala entfernt. Der Ort gilt als größte Maya-Stätte der „klassischen“ Zeit (250 n. Chr. bis 900 n. Chr.) und zugleich als die bevölkerungsreichste Mayastadt.  Nach einer Schätzung soll die Zahl um rund 40 Prozent über Tikal gelegen haben. Wenn man in Begriffen von Supermächten denken möchte, dann war Calakmul  in der Blütezeit der Maya eine Großmacht. Jedenfalls lässt der Fortschritt der Entzifferung von Hieroglyphen diese Annahme zu.
Die Ruinen sind auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern zu finden.

Im Jahre 1931 durch den Amerikaner Cyrus Lundell entdeckt, stellt Calakmul auf über 100 Quadratkilometern  fast 6.500 Strukturen, von denen man ausgeht, dass sie über eine Periode von über 1.000 Jahren erbaut wurden. Führend in seiner Rolle war Calakmul in den Jahren zwischen 250 und 690 n.Chr., bekannt als Königreich des Schlangenkopfes. König Garra de Jaguar verlor schließlich nach langen auch inneren Zwiespalten den Krieg gegen Tikal und der Abstieg Calakmuls war beschlossen.
Zwischen Tikal und Calakmul muss es immer mal wieder zu ordentlichen Streitereien gekommen sein, auf die ich hier nicht eingehen werde.  Von Kriegsgeschichten sindunsere Geschichtsbücher unserer männlichen Historiker bereits voll geschrieben. Man weiß heute, dass sich durchaus viele politische Einheiten der Maya Calakmul friedlich unterordneten – so sagen es jedenfalls die Wissenschaftler. Innerhalb der „Provinzen“ soll es ein friedliches und harmonisches Miteinander gegeben haben.

Hinweise über Tikal und Calakmul gibt es auch auf Stelen in den Maya-Stätten Copàn und Palenque. Ein vage Verbindung zwischen dem Einflußbereich Calakmuls und Coba findet sich auf der Coba Stele 1.

Naja, warum sollte es sie auch nicht gegeben haben?

Calakmul weist eine einmalige Anzahl an Stelen auf, die sich so in wohl keiner anderen Maya-Stätte wiederfinden lässt. Die Angaben über die Anzahl deroft schon stark erodierten Stelen schwanken zwischen 100 und 120. Auch in Calakmul wurde die Pyramide mehrfach überbaut. Der kleine Palast auf der Spitze der Pyramide wurde während der klassischen Periode erbaut. Er enthielt neun Räume, ein Dampfbad, einen Altar und Grabmäler.

Man fand eine Grabkammer, die auf das 5. Jhdt. nach Christus zurück datiert wird. Sie war durch einen kleinen Gang mit dem darüber gelegenen Palast verbunden. Man fand in der Grabkammmer einen etwa 30-jährigen Maya-Leichnam, der auf einer geflechteten Matte mit fünf keramischen Gefäßen lag. Er trug eine Jademaske aus Mosaik auf seinem Gesicht, eine heute weltbekannte Maske, die auf vielen Ausstellungen gezeigt wird.

jademaske

Jademaske, Ausstellung in Rosenheim,  2007 Foto:Zabe, Mexico-City

 

Eine weitere Maske wurde auf seiner Brust und seiner Hüfte gefunden. Man fand ferner unter den Schmuckstücken drei Ohrringe aus Jade, 32 Jadeperlen, 8.252 Muschelperlen, den Stachel eines Stachelrochens und verschiedene keramische Stücke. Es war einer der bedeutendsten Funde der Maya-Zeit. In einem weiteren Gebäude fand man mehrere Tausend Schmuckstücke aus Jade und anderen Materialien. Viele der Fundstücke befinden sich heute im Archäologischen Museum von Campeche.

 

 

 
Die Stele 52 von Calakmul

Erstmals  wurde die Stele  um 1930 fotografiert.  Die Glyphen weisen auf den Herrscher  Yuknoom Took’ K’awiil hin, der für einige Dekaden Calakmul  im frühen 8.Jahrhundert regiert haben soll. (Martin and Grube 2008; Martin 2005)

Ganz in der Nähe  von Stele 52 soll  Stele Nummer 54 gestanden haben, auf der eine Frau abgebildet war. Es gibt mehrere dieser männlich-weiblich Darstellungen in Form von Stelen.

Das  Manikin-Szepter als Herrschaftszeichen, besser als Zeichen für einen Erbsohn ist mit Stele 52 erstmals für Calakmul  dokumentiert. Dies erschien an anderen Orten schon früher.

Mir fallen die großen Bommeln an den Schuhen des Mannes auf.

CMHI photos

Museum Mexico City

 

Im Museo Dolores Olmedo in Mexico City können sie heute
bestaunt werden.

Direkt über dem  Porträt des Königs sieht man ein Band von fünf Glyphen  und einige an der rechten Seite.  Das Datum ist 4 Ahaw 13 Yax  oder 9.15.0.0.0 .

 

 

Maya-Stele

Stele 52 (Quelle D. Stuart)

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gab Vorläufer. Stelen (Bildsäulen) findet man schon bei den Olmeken.

 

 

Wissenschaft teilt die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung in Perioden der Klassik (250 bis 900 n. Chr.) und Präklassik (2000 v. Christi bis 900 v. Chr.) ein. Jene zeitlichen Einteilungen werden nicht die letzte Antwort sein können. Komplexe Symbolsprachen, Könige, Paläste, Begräbnisse, Ritualgegenstände, die bislang der klassischen Epoche zugewiesen wurden, lassen sich auch vor über 2000 Jahren feststellen. So entdeckte der Archäologe Francisco Estrada-Belli die Maya-Stätte Cival. Ihm zufolge nach eine der größten Städte in der Zeit der vorklassischen Maya gewesen ist.  Ihm zufolge, sei jene Symbolsprache bereits vor der klassischen Zeit weit verbreitet gewesen.

Maya- Grabstätte Uxul Yucatan Mexico

Grabkammer

All die grandiosen Pyramiden mit breiten Steintreppen, großzügigen Palästen, kunstvoll beschriebene Stelen und Tafeln, die Menschen mit prächtigem Schmuck zeigen, alle jene rätselhafte Ruinen liegen auf 324000 Quadratkilometer verteilt – ein Gebiet, kaum kleiner als Deutschland. Das Maya-Land reicht vom Tiefland der mexikanischen Halbinsel Yucatán über Chiapas, Belize, Guatemala und Honduras bis hin zum südlichen Hochland und der Pazifikküste.

Im Gegensatz zu den alten Ägyptern, Griechen oder Römern waren die Maya bis ins 19. Jahrhundert über ihre Grenzen hinaus unbekannt. Über sie gab es nur wenige vage Berichte aus den Zeiten der spanischen Eroberer. Lange wusste man über die Maya derart wenig, dass der Vorstellungskraft kaum Grenzen gesetzt waren.  Die spärlichen bekannten Details wurden bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts äußerst kreativ interpretiert. Zu schön, um so einfach wahr zu sein: Vor 3000 bis 4000 Jahren hätten die Maya aus dem Nichts heraus mit dem Aufbau ihrer Hochkultur begonnen. Bis heute ist vieles ungeklärt.

Und dann, ganz unvermittelt, noch vor dem Jahr 1000 – das Aus. Ende, Untergang. Irgendetwas war schiefgelaufen, und zwar gründlich. Sie waren wie vom Erdboden verschwunden.
So liest man immer wieder. Auch  Uxul soll von den Maya im 9. Jhdt. plötzlich verlassen worden sein.
Der sogenannte „Maya-Kollaps“  wird allerdings  inzwischen von der Forschung viel differenzierter als eine Zeit großer Veränderung betrachtet.

Etwa 1.000 nach Christus übernahm eine andere Bevölkerungsschicht die Führung, deren Bauten sich unter anderem an ihrer schlechten handwerklichen Qualität erkennen lassen. Schließlich wurde die Region für beinahe ein Jahrtausend verlassen. Über die Ursachen lassen sich bis heute nur Spekulationen anstellen.

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

Martin, Simon, and Nikolai Grube. 2008. The Chronicles of Maya Kings and Queens: Deciphering the Dynasties of the Ancient Maya. 2nd edition. London: Thames and Hudson.

Stuart: Maya Decipherment
Bonner Universität, Altamerikanistische Abteilung.

Nikolai Grube: Toponyms, Emblem Glyphs, and the Political Geography of Southern Campeche.2005

INAH, Mexico.
Archäologisches Museum, Mexico.

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2 Kommentare zu “Von Maya-Königen und Prinzen

  1. gunst01 sagt:

    Wieder ein wunderbarer Text. Anbei noch eine kleine Ergänzung:
    Der Forscher Joachim Rittstieg schreibt auf seiner Website:
    „Die meisten neuen Siedler kamen zwischen 1000 und 1065 n. Chr. ins MAYA – Gebiet, einmal 3500 Schiffe voll,“ heißt es in der MAYA – Überlieferung.
    Vielleicht rottete ja eine Epidemie die Bevölkerung aus, ähnlich wie die Mound- builderkultur in Nordamerika..

    • martinakunze sagt:

      Das ist ja nun wirklich sehr interessant. Danke dir für diese Ergänzung und überhaupt! 🙂
      Werde ich gleich mal hinüberhüpfen.

      Wenn es eine Epidemie gewesen wäre, hätte man doch sicherlichmenschliche Überreste in hoher Zahl gefunden, denke ich gerade. Epidemien schlagen zu, in wenigen Tagen Tausende von Menschen…das geht so schnell. Unvorbereitet…
      Wie wurde dann all das alte Wissen gesichert, gerettet?

      Die Maya haben in aller Präzision Vorhersagen über eine Zeitraum von 26.000 Jahren und länger machen können. Sie lebten mit den jeweiligen Tagesnergien, im Einklang mit der Natur. Ihre Prophezeiungen haben noch heute Gültigkeit. Ich glaube,….mmh, ich glaube, da steckt noch viel mehr dahinter.

      Urwald war damals nicht da. Im Gegenteil, stark besiedelt. Wichtiger Handelsplatz mit Wassergraben.
      Wissenschaftler – jedenfalls einige – meinen, es seien ökologisch-wirtschaftliche Gründe gewesen. Das beantwortet aber nicht die Frage, wohin sie alle verschwunden sind.

      Bei den Quechua weiß man, sie zogen sich zurück in die Berge zurück und sicherten darüber ihr Überleben, sozusagen dem Feind ausweichend.

      Danke.Danke. Es bleibt spannend.

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