Bunter Faden Leben

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Ich bin gesegnet.
Ich bin überhaupt noch nicht fertig mit Leben – das Leben schreibt weiter.  Durchaus, vieles schwebt unsortierbar im Kopf herum – wenig Festhalten können – sehr gut. Manchmal leide ich auch an mir, an meiner gleichzeitigen Sehnsucht nach Unterwegs-Sein – und Ankommen-Wollen. Ich lächle dann irgendwann und sage mir: Martina, das ist der Grundwiderspruch deines Lebens, der sich vermutlich nicht auflösen lässt. Und ich weiß wohl auch,  ich möchte mich gar nicht von allem befreien, was mein Leben einkerkert.
Vom Ufer der Rollenerwartungen abgefahren — hinaus in das offene Meer begab ich mich vor vielen, vielen Jahre auf Entdeckungsreise, um nach meinen heilenden und magischen Kräften in mir selbst zu suchen. Weisheiten, Erfahrungen, alle mit Energie geladenen Stellen in mir aufspüren wollend. Schwitzkuren dabei aushalten. Lernen, meinen Gefühlen zu vertrauen. Sammeln: Zuhören, Vergnügen, Trost, Kraft, Freude, Weisheit, Schweigen, Frieden, lachen, träumen, denn Träume machen stark, ja, auch  in die Irre gehen, überzeugt sein von einer Sache, in Cafe`s sitzen, wo Leute das Brot brechen und sich Geschichten erzählen, mitunter auch zur falschen Zeit am falschen Ort sein,und immer wieder ins Leben zurückkehren. Manchmal dem Willen Vorrang gegeben. Doch jetzt mehr und mehr vom Herz und der Seele leiten lassen. Und all dieses als meine Vergangenheit mit all ihren Lektionen respektieren. Der Mensch werden, der ich heute bin, in einer Welt, einer Wirklichkeit, die letztlich nach ganz wenigen Gesetzen funktioniert.

Kürzlich hat mich jemand gefragt, warum ich schreibe? Ich war leicht verblüfft über die Frage und zuckte etwas ratlos mit den Schultern.
„Hören auf das, was in mir ist. Etwas, was ich tun muss.“, waren meine spontanen Antworten.
Warum schreibe ich?

Manchmal bin ich wenig bei mir und das Schreiben bringt mich zurück. Im Schreiben kann ich mit mir so umgehen, wie ich es will und wie es im Leben da draußen oft nicht möglich ist. Selbstheilung, Selbsterkenntnis. Beim Schreiben muss ich mehr nachdenken. Geschriebene Worte sind nicht so flüchtig wie es gesprochene Worte sein können. In einer Unterhaltung mit Menschen geht es im Gespräch sehr häufig um Gewinnen und Verlieren  wer behält Recht?  Gedanken fliegen hin und her statt im Miteinander – vom – anderen – Lernen. Mit wem kann man schon im Gespräch schweigen?

Ich dachte nach und je weiter ich zurückging in meine Vergangenheit, desto klarer wurde mir, dass ich schon als kleines Mädchen viel schrieb, einen ganzen Schrank voller Tagebücher. Uuh, und ich blinzelte später dann auf so manche Zeile und dachte nur, oh wie peinlich, was hast du damals nur gedacht?… Aufsätze liebte ich im Unterricht. Berichtshefte bereiteten mir keine Mühe. Ich schrieb die Schreiben für andere, die Bewerbungen für andere, Geschichten um Filme herum, beruflich landete ich in der Schreibwelt. Und manchmal komme ich gar nicht mehr mit meinen Gedanken hinterher und stehe dann vor einem zehnseitigen Brief. Erschöpft davon, als hätte ich einen Tageslauf gemacht. Leer geschrieben. „Ich schrieb ja immer scho-ooonnn“, sagte ich, selbst höchst verblüfft darüber.

Das, was ich schreibe, ist ein Stück von mir. Schreiben ist auch der Versuch damit auf das zu hören, was in mir ist. Es hilft mir, mich ein bisschen besser zu verstehen. Oft ist es nicht fertig, aber das bin ich ja auch nicht.
Worte mit ihren Bildern sind mir wertvolle Begleiter in meinem Leben. Und ich bin glücklich, wenn sie auf jemanden treffen, der sie versteht. Also fühlt, was ich gefühlsmäßig schreibe. Ich mache mich mir selbst gegenüber  – ganz für mich alleine-  verbindlich.

Manchmal schreibe ich in der Nacht. Ich sammle die Gedanken des Tages, sortiere sie – Schreiben ist also auch eine geschriebene Form des Nachdenkens. Schreiben bringt Ordnung in mein Kopf-Chaos. Ich sehe die Schaumkronen auf dem Meer und fühle das Blau. Ich werfe mich in etwas hinein.
Schreiben tut mir einfach gut. In der Sprache ist alles möglich. Da können Figuren verschwinden und wieder auftauchen, völlig Absurdes, was man auschreibt, und dann plötzlich führt es einen ganz woanders hin und man lässt sich ziehen. Zumeist weiß ich nur sehr vage, was ich schreibe…

Wenn auch vage, es fühlt sich immer an, als zöge ich einen Kreis um mich, als wolle ich mir ein Stück Autonomie damit sichern… Puh, ja darum schreibe ich wohl auch.

Schön, dass Sie mir zugehört haben.

kreis2

 

 

 

 

 

 

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