Du bist ein Segen

essbar

 

Ich knabberte so an meinem essbaren Espresso latte. Neben mir knöterte ein Smartphone. „Sieh mal an!“, rief eine Frau  ihrem Telefonpartner laut zu. „Du bist ja ein richtiger Segen…die Wohnung und der Bäcker und megacool, ja check mal deine Email….Oh, tut mir leid, die hab ich ja total vergessen!“ Sie schmatzte mit einem Luftkuss in ihr Phone.

Mehr Text fällt mir zu jener Situation leider nicht ein. „Öhm“, presste ich hervor. So was von ausgefallen. Wann erlebt man schon solche Situationen. Man will in einem wohlig-entspannten Cafè-Moment seinen Espresso genießen und dir grölt ein einzelner Lauttelefonierer wie eine Horde Fußballfans ins Ohr und zieht dich mitten in seine Privatdramen hinein. Wo sind sie nur, die schönen gelben Telefonzellen von damals? Manchmal habe ich richtig große Sehnsucht nach ihnen. Sie gurrte weiter. „Ach, das ist aber wirklich ein Zufall…“ Ich dachte an was Fieses, strengte mich aber schon ganz schrecklich an, ein Segen für diese Dame zu sein und ihr nicht das Telefon aus der Hand zu reißen. Wahrscheinlich konnte sie auch Gedanken lesen. Sie beendete ihr Gespräch, drehte sich zu mir. „Hach, was für ein schöner Tag! Ist das nicht herrlich hier?“

Ich zapfte ihren Gedanken an und fragte mich:  Wann ist man für andere ein Segen?
Ich will dich segnen. Ein Satz, der mich lockt  Ein Segen sein.
Vermutlich ist man ein Segen, wenn man ein gütiger Mensch ist? Großzügig, man gibt aus seiner Lebensfülle.  Überhören können. Ertragen, versöhnlich sein, freundlich, liebevoll, gute Gedanken über einen Menschen hegen.

Ein Segen sein? Ich muss erst einmal werden. Sein, da geht es doch nicht ums Machen oder Tun. Jeder Nachbar darf seinen Nachbarn segnen. Jeder Arbeitskollege, jeder Freund, jeder Vater sein Kind, jede Mutter ihre Kinder.  Jeder Gruß war ursprünglich ein Segen „Grüß Gott“ und meint Jetzt grüßt dich Gott.  Es gibt segnende Berührungen. Die Hand auf dem Kopf oder auf die Schulter legen. Ein gutes Wort sprechen.
Es gibt den segnenden Blick, die segnende Geste, den Segenswunsch.

Die zu segnen, die einen fluchen.

Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden. Jesus verwandelte  Fluch in einen Segen. Wer selbst gesegnet wurde, der kann nicht anders, als diesen Segen weitergeben, sagte Dietrich Bonhoeffer über den Segen.

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