Ein kahler Baum trägt keine Früchte

meditieren

Schüler in Peru während ihrer Meditation.

Schau dich an, wie du bist. Akzeptiere dich genau so, wie du bist. Du bist liebenswert
und grenzenlos, und zwar unabhängig von gegenwärtigen Lebensumständen oder Aussehen.
You are loved.

Jeden Tag einen Faden weben, und schließlich kann es nicht mehr reißen.
Ich bin so. Ich bin, wer ich bin. Jeder ist einzigartig Jeder ist so, wie er ist.
Akzeptieren wir das.

 

Lernte jedes Kind im Alter von acht Jahren zu meditieren,
gäbe es eine Generation weiter keine Gewalt mehr.

(Dalai Lama)

Warum können wir eigentlich nicht an unseren Schulen in so etwas „Neues“ gehen?

Gestern unterhielt ich mich im Bonner „Wohnzimmer-Cafè“ mit Jerome. Jerome findet, dass  sein Schulkamerad Arno, der  ihm immerhin seinen Bleistift gestohlen hat, auch überhaupt nicht rechnen kann. Jerome geht in die zweite Klasse und erzählte mir schon eine Menge über die Note 6, obschon es erst in der dritten Klasse Noten für ihn geben wird. Ein älterer Herr schaute ihm tief in die Augen und maunzte zu allem Überfluss:  „Wa-a-a-s eine Note 6? Nee, mein Junge, das geht  aber gar nicht. Mit einer Note 6 bist du ein Nichts“.

Der Herr erzählte von seinen beiden erwachsenen Söhnen, die erfolgreich seien und in mega-verantwortlichen Chef-Etagen emsig schuften. Und überhaupt Probleme hätten wir nur, weil es zu viele Studenten gäbe, die alle studieren, was sie wollten. Ähm? Wirklich? Seit wann studieren Studenten, was sie wollen?…yippie…Mitgefühl..Martina. Mitgefühl reduziert Meinung.  So blieb es bei meiner Frage,  ob seine Söhne glücklich seien?  „Klar, die sind sehr glücklich, die sitzen in besten Jobs und haben ganz viel zu tun. Als Ausgleich ginge einer seiner Söhne zur Jagd. Ein wenig „Herumballern“. Jerome zeigte sich sichtlich beeindruckt. Ich machte ein Noten-sind-doof-Gesicht.

—  So geht`s los, dachte ich, und vermutlich beginnt der Stress schon viel früher, dachte ich auch noch. Das ist es, was zählt. Ich bin kaum in der Schule, schon b i n ich eine Note, die darüber entscheidet, ob ich gut, normal bin, oder mich schlecht zu fühlen habe. Und schon beginnt die Reise mit der Energie und der Bewegung. So wächst sie heran – die unbewusste Angst, in die Lebendigkeit zu gehen.Und irgendwann müssen Wunder geschehen, damit Jerome den Ort in sich wiederfindet, an dem buchstäblich alles möglich ist. Ist das in Harmonie mit allem sein?

Werde, wer du bist.

Klingt gut. Mein Herz ploppt. Muss leider backen. Bestimmt fällst du gleich auf die Nase, wenn du dich ausprobierst! Wir sind doch alle die Tollsten und Schönsten und Erfolgreichsten. Yippie!

Kein Mensch beginnt, er selbst zu sein, bevor er nicht seine Vision gehabt hat, sagen die Ojibway-Indianer.

 

Wo sind sie, die geschützten Räume, in denen man Neues ausprobieren kann, wenn es peinlich ist? Wo darf man „Gefährliches“ sagen? Sich trauen, Abweichendes zu sagen, wo denn laut seine Gefühle zeigen? Wo sind die Räume, in denen es nicht darum geht, einen „guten Eindruck“ zu machen? Wo können wir experimentieren? Wie soll man in diesem Bewertungssystem von Leistung und Noten ab der 3. Schulklasse herausfinden, was mit unserem Bedürfnissystem übereinstimmt? Wie sollen denn Kinder mit sich in Kontakt sein können, wenn sie bereits im Kleinkindalter unter Versagensängsten leiden? Selbstverantwortung statt Vermeidungsstrategien lernen – nicht nur cool tun?

schueler von heute

„Mist, alles vermatscht! Müüüüde.

Und  gerade  eben lausche ich erneut. Eine Oberschullehrerin  sitzt einen Tisch weiter und erzählt. Kaffeegespräche. “ Siehst du“,sagt sie zu ihrem Schüler, „du hast jetzt drei Sechsen, dann wartet noch die Vokabelarbeit auf dich. Die Aussichten stehen sehr schlecht für dich.“ Mit Sechsen sei das immer so ein Ding. Ich bin da ganz hart, meint sie zu ihren Freundinnen. Mit einer Sechs bist du schnell weg, oft weil ein  Punkt fehlt. Sie bekam eine Arbeit vom Schüler gereicht, die  war „hingerotzt“, sagte sie. Die Arbeit war „unkorrekt“. Tja, dann hat er die „Quittung“ bekommen. In der Oberstufe zählen Punkte. Null oder ein Punkt mache einen großen Unterschied, der über Ja-Klageschutz oder Nein entscheidet.
Das Problem:  du hast wirklich schlechte Schüler. Viele Lehrer trauten sich aber nicht, sie gingen  dem  Kampf mit den Eltern lieber aus dem Weg, vergeben lieber eine Note Vier minus , dann hast du Schüler  mit einer Vier minus in drei Hauptfächern, die in das nächste Schuljahr wechseln und dort schaffen sie es noch weniger, zischte sie.  Sie scheuten den Konflikt. Keiner der Lehrer traue sich schlechtere Noten zu verteilen, damit bloß keiner mal ein Jahr wiederholt in diesem System. Sie wisse gar nicht, warum?

Fabelhafte Schulwelten.

Es ist sicherlich noch sehr viel komplexer, dachte ich zuhörend. Und vermutlich muß man so manchem Schüler erzählen, dass auf dem Mond ne` Limo steht, damit er sich für ihn interessiert, aber ich fragte mich schon, warum es nur um Noten ging. Ich hätte gerne mehr darüber gehört, in welchen  Lernschwierigkeiten das Kind steckt.  Und ich fragte mich, unter welchen Bedingungen lernt ein Kind  gut? Braucht es eines solchen Bewertungssystems als „Antreibemodell“?

Denke ich zu romantisch?

Später dann fragte ich sie.  Nein, erziehen müsse sie nicht mehr an der Oberschule, obschon es darauf ankäme, in welchem Viertel einer Stadt man unterrichte. Aber letztlich ginge es  auf der Oberstufe mehr darum, Prüfungen zu bestehen. Die Eltern –  allen voran jene „Bildungsbürger“ –  seien da eher das Problem, die um jeden Preis wollen, dass ihr Kind kein Schuljahr wiederholt. Die Respektlosigkeit sei ein weiteres Problem, erklärte sie mir. Doch, doch, man bespreche die Verteilung von Sechsen schon mit seinen Kollegen. Zumeist erhält man ein Schulterzucken, ein Lass es lieber, es  erspart dir Ärger folge zumeist. Wenn man Pech habe, stünde nicht einmal die Schulleitung hinter einem. Und es brauche jemand, der einem den Rücken stärke im Umgang mit Eltern, die mit Rechtsklagen drohen. Hinzu kämen die Beschlüsse vom Ministerium, die sie als Lehrer umzusetzen hätten. Sie seien vielfach fern jeglicher Realität.  Man könne aber als Beamter nichts machen.

Der Beamtenstatus gehöre ihrer Ansicht nach abgeschafft, sorge er für Trägheit bei den Lehrern. Es gäbe keine Aufstiegschancen, egal, ob man Überstunden mache oder sich besonders engagiere, es spiele überhaupt keine Rolle, man bekäme sie weder bezahlt noch in anderer Form anerkannt. Ihrer Meinung nach sei das  ein Motivationskiller, da könne man mit noch so viel Idealismus seinen Job antreten. Fehlender Rückkhalt von der Schulleitung. Fehlender  Respekt der Schüler. Eltern, die sofort mit Klage drohen, aber ansonsten nicht mehr viel mitbekommen, was  ihre Kinder tun, killt Idealismus. So viele Scheidungskinder gäbe es, oder die Eltern steckten beide im Stress ihrer Arbeitswelten und Karrieren fest.  Hinzu käme, viele der Lehrer wählten ihren Job wegen Perspektivlosigkeit. Es gäbe für Frauen mit Kindern  – trotz  der Ganztagssschulen – keinen besseren Beruf, um Job und Kind unter einen Hut zu bringen. Als Frau in der freien Wirtschaft wäre ihre Situation mit Kind ein völlig andere. Aus dem Kaffeegespräch einer Lehrerin in ihren ersten Jahren des Schuldienstes.

 

gegenwart
Brutal. Könnte es sein, das dieses Wort zutrifft? Brutal der Leistungsdruck?
Werden die Mutigen dort schon gebrochen? Sind Lehrer nur noch Aussortierer? Sind Noten wirklich aussagekräftig, oder teilen sie Kinder nur in Gewinner und Verlierer ein?
Lernen für Prüfungen.

Lernt man unter diesem Druck Sozialkompetenzen?

Noten, die nicht hinderlich sind für Eltern, so lange sie gut sind.

Wie viele saßen schon zu meiner Studienzeit an der Uni und trauten sich nicht, etwas zu sagen, aus Angst etwas Falsches zu sagen. Jene Seminare mutierten oftmals zur One-Man-Show. Wer bekam gute Noten? An den Universitäten, derjenige, der über Themen referierte, die dem eigenen Professor nah waren. In Form einer Literaturliste waren sie größtenteils vorgegeben. Das Kaufen von Büchern des  eigenen Professors war quasi Pflichtprogramm, wollte man gute Noten bekommen. Studenten des Faches Jura stahlen  Prüfungsvorbereitungs-Kopiervorlagen, um sich für jene Prüfungen Vorteile zu verschaffen. Indiviudalität in ganz spezieller Ausfertigung.

Da liest sich doch der Humanismus von Goethe und Schiller gleich doppelt gut. Sturm und Drang? Werde, wer du bist? Dass ich nicht lache. Selbstanforderungen basieren einzig auf Fremdanforderungen. Gehorsam wird belohnt. Egoismus und Durchbeissen ebenso.  Vermeidungsstrategien entwickelt. Schnell durch`s Studium und ab in die Arbeitswelt, wo es ähnlich weitergeht. Weg ist er, der Raum für kreativen Selbstausdruck. Der Marktplatz Leben fordert sein Tribut. Welche Gesellschaft streckt die Hände nach denen aus, die  an den Rändern leben und lädt sie immer wieder ein? Welche „Kirche“ dehnt die Liebe auf alle aus? Welche Gemeinschaft von Menschen, ob Familie, Schule, Beruf ist entschlossen, über die Angst hinauszugehen? Mein Kind spricht mit vier Jahren drei Sprachen. Mein Kind kann schon mit einem Computer umgehen? Wessen Ängste sind das eigentlich? Die der Kinder oder die der Eltern?

Der indische Weisheitslehrer Jiddu Krishnamurti sprach vor langer, langer Zeit bereits von „geistigen Entstellungsprozessen“ mit Blick auf unser Bildungssystem.

Interessant für mich jenes Kaffeegespräch, unterhielt ich mich gerade einen Tag zuvor mit einer studierten Mutter, die sich ganz bewusst für ein Mutterleben  in den ersten Jahren ihres Kindes entschied. Sie habe sich häufig ihrem Umfeld gegenüber erklären müssen, erzählte sie mir und gerade anderen Müttern gegenüber, weil  sie kein Schlüsselkind  heranziehen wollte. Sie könne daran nichts „Langweiliges“ erkennen.  Nein Anerkennung habe sie als  Mutter in ihrem täglichen „Rund-um-die- Uhr-Arbeitseinsatz“ nicht erfahren. Ihr Mann komme – da Pendler –  spät am Abend nach Hause, aber immerhin haben beide zu einer Wochenend-Ehe Nein gesagt. Das tägliche gemeinsame Abendessen halte sie für wichtig, auch um dem Kind einen Hauch von Familie zu geben, so wie sie es aus ihrer Kindheit kannte. Und sie sei irgendwie auch froh, dass ihr Mann den Job fern der Wohnstadt habe, denn hier vor Ort seien längst alle entlassen. Sie habe sich gerne ehrenamtlich im Kindergarten engagiert und darum bekam sie mit, wie viel Stress es mitunter für Kinder bedeutet, einen ganzen  lauten Tag in dem Umfeld Kindergarten zu verbringen. Es ist eben nicht das Zuhause von Kindern. Es ist keineswegs nur Entspannung und zwangsläufig förderlich, meinte sie. Und sie habe auch erlebt, wie gestresst berufstätige Mütter mitunter ankämen, wenn sie ihre Kinder abholten. Und klar hätten Männer kein wirkliches Bild davon, was ihre „Hausmütter- Ehefrauen“  täglich leisten. Die  haben ihren Job als „Ausgleich“, sehen ihre Kinder für eine Stunde. Parallel  zu den auf sie einprasselnden Fragen der Kinder halten sie gleichzeitig die Fernbedienung des Fernsehers in  ihrer Hand oder sie sitzen vor dem Computer  – auch sie wollen vom Arbeitsallag „abschalten“.

Mir scheint, die Flügel, die dieser Generation gegeben wurden, werden allmählich müde.

denkschablonen

Denkschablonen

 

Neues – Meditation an Schulen?

 

Das Leben ist nicht planbar, und doch wird es uns ständig eingeredet. Etwas auszuhalten, scheint fast unmöglich. Tausend Strategien der Ablenkung folgen, wenn etwas schief läuft. Der Zustand des Nicht-Wissens, der eigentlich wach und lebendig macht, verunsichert derart, dass wir uns lieber  mit vorgefertigten Bildern im Kopf , wie etwas zu sein hat, das Leben erschweren. Wir brauchen, wir wünschen, wir fordern, wir schreiben fest  – bis sich die letzte Emotion erschöpft hat.

Vergleiche, Verunsicherung, Veurteilungen, Zweifel, Resignation – aber die Frage, wo wir uns JETZT gerade in unserem Leben befinden, die stellen wir uns nicht. Schmerz wird verdammt. Untergangspropheten wird geglaubt.

 

imagine

 

Eine Schule der Ermutigung.
Erkennen, was die „Wahrheit“ über mich selbst und andere ist.
Wenn Meditation hilft, in die eigene Kraft zu kommen, warum nicht? Eigenschaften, die  immer schon in uns steckten, pflegen. Sich nicht als weniger Vollkommen erleben. Alle seine Seiten umarmen lernen. Üben im Geben und Nehmen, im Führen und Nachfolgen, im Sprechen und Zuhören, im Handeln und Nichthandeln. Das zu teilen, was man hat, statt Habgier und all die anderen lieblosen Alltagstaten. Nicht mehr länger  Angst als Sprachrohr.

Fühlen 
und nicht automatisiertes oder unbewusstes Reagieren.

Fehler machen,
nicht Perfektion.

Das Wesen der Meditation ist leicht und liebevoll – und nicht Kampf und Krampf. Wahrnehmen, ohne zu bewerten. Fühlen, ohne etwas damit zu tun. Keine Gefühle vermeiden, auch nicht die unangenehmen.

Anstatt Wünsche aufzugeben oder unser Leben zu kontrollieren, regen die Veden an, das zu vertiefen, was uns wirklich interessiert. Wenn wir das tun, was wir wirklich möchten, sind wir motiviert und kommen in den Fluss.

Den Raum zwischen den Gedanken finden. Sanft und mühelos. Stille finden, die bereits da ist. Lernen, was wir eigentlich schon können. Oder einmal konnten. — Vergessen haben in der Welt des Machbarkeitswahns  und des Rückzuges, weil wir womöglich verletzt, enttäuscht und beschämt wurden.

Es heißt, Gefühle sind die Sprache der Seele. Wenn wir fühlen, sind wir uns selbst am nächsten, sind wir unserer Wahrheit am nächsten. Wenn wir herausfinden wollen, was wahr für uns ist, brauchen wir nur auf unsere Gefühle hören.

Die Probleme beginnen dort, wo wir anders sein wollen oder andere uns anders wollen, als wir sind. Sie beginnen dort, wo wir bewerten, wo wir uns selbst verurteilen.  Sie beginnen, indem wir uns von Erfahrungen abspalten,  legen wir damit einen unbewussten Berg unterdrückter Gefühle an.

Angst kann niemals Liebe hervorbringen.
Wo lernen Kinder, dass sie sich JETZT nicht entscheiden müssen. Sie warten können, bis ihre Angst vergeht?
Dass sie sich nicht friedvoller fühlen werden, wenn sie aus der Angst heraus, eine Entscheidung treffen.
Tatsächlich nur noch mehr Wut empfinden.
Das Ego uns zwar ständig Versprechungen macht, es aber keine Lösung bereithält,
für irgendeinProblem unseres Lebens.
Damit keine Missverständnisse aufkommen, ich plädiere  nicht dafür, dem Ego und der Angst den „Kampf“ anzusagen.
Weder das Ego noch die Angst gilt es loszuwerden, sondern ihrer gewahr zu sein und sie anzunehmen.
Ich sehe, was du tun willst Ego. Ich werde darüber nachdenken.
Aber im Moment will ich mich dafür öffnen, dass es noch andere Perspektiven gibt.
Ich sehe, dass du Angst hast. Es ist in Ordnung.
Liebevoll statt angsterfüllt.
Es ist in Ordnung, Angst zu haben.
Es ist in Ordnung, die Antworten nicht zu wissen.
Die Liebe lässt los.
Die Angst kontrolliert.

Blockaden beginnen in unserem Herzen. Jede.

Das Herz zeigt jedem Menschen seinen eigenen Weg.

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Ein kahler Baum trägt keine Früchte

  1. […]    Nichts anderes sagt der Daila Lama. […]

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