Großes und Kleines

galapagos schildkroeten

Geochelone elephantopus. Riesenschildkröten fangen auch mal klein an.

 

Wer  den englischen Buchautoren Terry Pratchett mit seinen Scheibenwelten-Romanen kennt, in denen
die Schildkröte Groß-A-Tuin durch den interstellaren Ozean schwimmt  – sie  aus dem Nichts kommend – und über die
vielen anderen Himmelsschildkröten stolpert, denen das Schicksal neue Welten auf den Rücken legt und über den Magier Rincwind
stolpert, der seine Stelle an der unsichtbaren Universität verliert, weil er von einem geltungssüchtigen Zauberspruch befallen wird,
der fühlt  sich für mindestens zwei Augenblicke an die Schöpfungsmythen der Maya erinnert.
Seine Scheibenwelt ruht auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte.
Vielleicht hat er sich ja tatsächlich in seinen Geschichten von den Mythen der Maya inspirieren lassen?

 

Maya 127

Itzamnà, der Sohn Hunapu`s, der Gott über Mais und Kakao. Als Sonnengott herrscht er über Tag und Nacht. Yucatan, Mexico, Foto: Kunze

 

Dort spielt die Schildkröte eine große Rolle. Im Popol Vuh, dem „Buch des Rates“,  dem heiligen Buch der Quichè- Maya  sind uralte Überlieferungen enthalten, die im gesamten Maya-Kulturraum verbreitet waren. Der Schöpfungsmythos der Maya, die Gründungsgeschichte des Quichè-Reiches bis hin zu ihrem göttlichen Ursprung.

Eine davon erzählt: Hun Hunapù, der Vater der Zwillinge Hunapú und Ixbalanqué wird in der Unterwelt getötet. Doch mit Hilfe der Söhne wird ihr Vater Hun Hunapù wiedergeboren.  Nicht zu verwechseln mit Hunab Ku, dem Gott aller Götter, dem Schöpfer des Universums.

Hun Hunapù entsteigt in bildhaften Darstellungen der Maya einem Schildkrötenpanzer. In manchen der Mythen ruht die Erde auf einer im Ozean treibenden Schildkröte. Das Sternbild Orion ist für die Maya eine Schildkröte.  Drei Sterne des Orions sind eng mit den „Drei Sternen der Schöpfung“ verbunden. Der Vater der Zwillinge war jener, der das Schöpfungsfeuer errichtet hatte.

Die Untwelt bestand aus neun Schichten. Sie war von den schrecklichen Xilbalbas bewohnt. Über sie herrschte Gott Came. Came wurde während eines dieser berühmten Ballspiele von den Zwilingen besiegt.

Die Verbindung zwischen Orion und dem  Schöpfungsfeuer wurde in den modernen Maya-Mythen bewahrt. Jedes Jahr am 13. August, dem Jahrestag der Schöpfung, erscheint Orion am Himmel nahe dem Punkt, an dem die Milchstraße die Ekliptik kreuzt. Kurz vor der Dämmerung erreicht er seinen höchsten Stand. Genau dort wurde der Maisgott geboren.

Die Schöpfung wurde bei den Maya durch vier Ecken, vierfaches Abmessen, vier Pfosten in den Himmel, auf die Erde, die vier Seiten, die vier Ecken ausgedrückt.

Der Himmel bestand für die Maya aus dreizehn Himmel. In jedem der Himmel herrschte ein anderer Gott.
Sie lebten jeden Tag mit ihren Göttern.

Die meisten Gottwesen der Maya hatten Menschengestalt und bestimmte Attribute. Ein und dieselbe Gottheit konnte sowohl gut als auch böse, sowohl weiblich als auch männlich und jung oder alt erscheinen. Chac war der Regengott. Kulcucàn war der gefiederte Schlangengott, den die Azteken Quetzacoatl nannten.  Der Wacah Chan der Maya, ihr Weltenbaum trug Äste in den Himmel. Seine Wurzeln reichten in die Unterwelt. Seelen konnten in den Himmel und die Unterwelten wandern.

In Uxmàl, ausgesprochen OOSH-mahl, eines der bedeutendsten Maya-Stätte auf der Halbinsel Yucatan, existiert ein Schildkrötenhaus. Es ist mit einer Reihe von Schildkröten verziert. Schildkröten sollten in der Vorstellungswelt der Maya auch Regen anziehen. Uxmàl bedeutet “ dreimal“, dreimal ernten, dreimal errichtet und bezieht sich auf die Pyramide, die in den Jahren der klassischen Puuc-Ära „aufgestockt“ wurde.
Und auch im Hinduismus ist die Schildkröte das, was die Taube für das Christentum darstellt. Der mächtigste Gott Vishnu verwandelte sich einst in eine  Kurma, eine Schildkröte. In Bangkok gibt es ein Schildkröten-Kloster. Dort leben Tausende von Schildkröten. Thailand meditiert all seine schlechten Gedanken, Krankheiten und familiären Probleme in eine Schildkröte seiner Wahl. Sie sind dann mit einem Leukoplaststreifen mit Schriftzeichen auf dem Panzer versehen. Wer sich für die Mythologie von Schildkröten und vieles mehr über sie interessiert, auf  Schildi24 gibt es  Interessantes nachzulesen.

Riesenschildkröten auf den Galapagos-Inseln

14 Unterarten gibt es von ihnen. Sie werden über 150 Jahre alt und können
über 270 Kilo wiegen.
Sie paaren sich im Alter von 20 bis 30 Jahren während der Regenzeit von Januar bis Juni.
Ihre zwei bis drei Eier, die die Grösse von Tennisbällen haben, legen sie in trockene Gebiete
in 30 cm Tiefe ab. Über das Geschlecht der Schildkröte entscheidet die Wärme im Nest.
Bei über 30 Grad schlüpfen mehr Weibchen. Vier bis acht Monate beträgt die Brutzeit.

Schildkröten auf der Südhalbkugel der Erde sind Halswender.
Sie krümmen ihren Hals s-förmig und legen so den Kopf waagerecht unter den Panzer.

Europäische Schildkröten sind Halsberger. Sie ziehen den Kopf in den Panzer und krümmen dort erst ihren Hals s-förmig.

Durch die Menschen und seine eingeschleppten Haustiere sollen bereits drei Hauptarten ausgestorben sein. Weitere sechs Unterarten vom Aussterben bedroht.

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Wikipedia

Galapagos, die verzauberten Inseln

Die  etwa 130 Inseln in Ecudador gelten als Tierparadies. Nirgends sonst kann man mehr Tierarten finden.

Sie liegen etwas 1000 Kilometer vor dem Festland im Pazifischen Ozean.

Bekannt wurden die Inseln durch den Forscher Charles Darwin.

Die wichtigste ist die Isla Santa Cruz.

1959 wurden die Galapagos Inseln zum Nationalpark erklärt.

Neben Riesenschildkröten trifft man auch auf Haie, Pelikane und Silberreiher, Pinguine,

Darwinfinken, Kuckuck, Sumpfohreulen, Grüne Meeresschildkröten, Rochen, Seelöwen, Delfine, Albatrosse und armlange Leguane.

Tropische Bananenpalmen, karibische Strände, kilometerlange Lava-Tunnel, der Himmel blitzblau, das Meer kristallklar.

80.000 Besucher jährlich belasten die Inseln nicht wenig. Sie bezahlen, um etwas zu sehen, was noch so ist wie früher, als die Menschen

nicht hinflogen.

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Panorama Blick auf die Inseln. 25.000 Menschen leben auf den Inseln. Weltkulturerbe der UNESCO   Quelle: Google

Die Galápagos-Inseln liegen auf einer ozeanischen Platte (Nazca-Platte), die sich wärend eines Jahres etwa 7 cm nach Südosten unter die Südamerikanische Kontinentalplatte schiebt. Durch Hot Spots, das sind Gebiete mit hoher Wärmeströmung im Erdmantel, kommt es in unregelmäßigen Abständen zum Aufsteigen von Magma. Diese submarinen Vulkane können schnell bis über den Meeresspiegel anwachsen. Auf diese Weise entstanden die Inseln.
Über 200 Jahre wurden hier Aufzeichnungen gemacht und es wurden nicht weniger als 50 grössere Eruptionen verzeichnet.

 

galapagose

Wikipedia

Die Inseln Santiago, Santa Cruz, San Cristóbal, Floreana und Pinta sind zwar noch als Vulkane erkennbar, jedoch meistens mit erodierten Formen und dichtem Pflanzenbewuchs. Auf den kleinen östlichen Inseln Espanola, Santa Fe, Plaza und Seymour sind kaum noch vulkanische Formen zu erkennen. Sie sind mit 4 Millionen Jahren die ältesten Inseln des Archipels, was nach geologischem Maßstab aber sehr jung ist

 

 

 

 

schildkröte gigante Galapagos

Galapagos.  Im Sudan  saß ich auch mit einer Riesenschildkröte neben einer Teefrau. Es gibt sie auch dort, wenn auch nicht in so großer Zahl wie auf den Galapagos-Inseln. Fotos Schildkröten:  privates Archiv, Mexico,  gracias

Landschildkröten existieren vermutlich seit 250 Millionen Jahren. Sie haben im Laufe der Erdgeschichte alle Widrigkeiten überstanden. Weder Naturkatastrophen noch Klimawandel wie die Eiszeit konnten ihnen etwas anhaben – im Gegensatz zu den Dinosauriern. Schildkröten sind anpassungsfähig.

Der größte archäologische Fund eines Schildkrötenfossils ist an die 70 Millionen Jahre alt. Das Skelett einer urzeitlichen Wasserschildkröte ist vier Meter lang und stammt aus South Dacota/USA. Anschauen kann man es sich im Naturhistorischen Museum in Wien.

 

schildkroete nilpferd

Zwei, die sich mögen. Das sind nicht die Galapagos-Inseln.

Schildkröten sehen sehr gut. Sie können Farben sogar besser unterscheiden als Menschen.
Sie können auch sehr gut riechen. Ihre Geruchsrezeptoren befinden sich im Rachen.
Über den Duft erkennen Schildkröten nicht nur ihr Fressen, sondern auch ihre Partner

Bei manchen Schildkrötenarten können die Weibchen den Samen des Männchen speichern,
sodass sie über Jahre ihre Eier befruchten können.

schildkroeten wasser

 

schildkröte

 

 

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2 Kommentare zu “Großes und Kleines

  1. magguieme sagt:

    tolle Bilder; ich liebe Schildkröten, sie bevölkern das eine oder andere Eckchen in unserer Wohnung 🙂

  2. […] “It was like finding the Mona Lisa in the sewage system,” sagte Robert Hansen 2009. Hunaphu und Xbalanque, die beiden Helden-Zwillinge, die in die Unterwelt gehen, um ihren Vater, One Hunaphu oder Hun Hunaphu, zu […]

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