Schauspiel des Nachthimmels

milchstrasse Titicaca see peru

Die Milchstraße am Nachthimmel vom Titicacasee.
Dieser einzigartige See ist der höchstgelegenste, schiffbare See der Welt. 13mal so groß wie der Bodensee.

Dieses dunkle „Band“ ist der Querschnitt unserer Galaxie und besteht aus bis zu 300 Milliarden Sternen.
Sie ist eine spiralförmige Sternenscheibe mit einer Verdickung. Das Zentrum unserer Galaxie ist  27.000 Lichtjahre von uns entfernt.
Astronomen gehen davon aus, dass die Milchstraße ursprünglich eine flache Scheibe war, durch deren Zentrum sich im Laufe der Zeit ein Balken aus Sternen gebildet hat. Dieser Balken hat sich verdickt und ist so zu der Erdnussform angewachsen.

Die Sonne umkreist das Zentrum des Milchstraßensystems in einem Abstand von 25.000 bis 28.000 Lichtjahren und befindet sich nördlich der Mittelebene der galaktischen Scheibe innerhalb des Orion-Arms, in einem weitgehend staubfreien Raumgebie

Die südliche Milchstraße ist nahezu im gesamten Andengebiet eindrucksvoll und unvergleichlich sichtbar, denn der Himmel über den indianischen Dorfgemeinschaften ist klar und gibt den Blick auf ein einzigartiges Schauspiel frei.

Wenn nicht dort, wo dann ermöglicht es dem Menschen, sich als Einheit mit der Welt und dem Kosmos zu erleben?

milchstrassensystem

Schematische Darstellung Milchstraßensystem. Für einen Umlauf um das Zentrum der Galaxis, ein so genanntes galaktisches Jahr, benötigt die Sonne 220 bis 240 Millionen Jahre.

peru2Die Quechua-Indianer in Peru bezeichnen die Milchstraße als „himmlischen Fluss“. In ihren Schatten sehen sie verschiedene Tiere. Zu jeder Konstellation gehört eine kosmische Erzählung. Für die Inka war die Milchstraße das wichtigste Objekt am Himmel. Anders als im System der Griechen und Römer, spielten bei ihnen die Sternbilder des Tierkreises, durch die Sonne, Mond und Planeten laufen, kaum eine Rolle.

Die Erde gilt als Kugel, die im kosmischen Ozean schwimmt. Die Milchstraße ist der Himmelsfluss, der sein Wasser aus dem Ozean unter dem Horizont bezieht. Für die Menschen ist er lebenswichtig: Denn das Wasser läuft im Fluss bergan und regnet dann auf die Erde nieder.

peru schilfboot

Schilfboot Titicaca-See. Peru

Die Milchstraße und auch die Magellanschen Wolken dienen der Zeitmessung und werden in Landwirtschaft und Viehzucht und für religiöse und weltliche Riten verwendet. Die indianischen Konstellationen des Andengebietes unterscheiden sich von unseren Sternbildern.  Jeder Ort in den Anden besitzt sein mythologisches Gegenstück in einem Himmelsgestirn. Der himmlische Kondor setzt sich beispielsweise aus drei Sternen hinter dem himmlischen Lama der Milchstraße zusammen. Der Kondor besteht aus der Leier, der Stern Vega bildet seinen Kamm, dem Schwan – dieser macht einen Flügel aus – einen Teil vom Drachen, Cassopeia und einem Teil des Pfeils.

Der Kondor symbolisiert in der Mythologie der Inkas die Entdeckung versteckter Wasser.

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Der Andenkondor ist vom Aussterben bedroht. Quelle: Stefan Neil Klemenc. http://www.kondor.de

Es gibt Orte, dessen Grundrisse dem Kopf und Schnabel des Kondors nachempfunden sind, exakt in Südwestrichtung, womit der dargestellte Kondor aus dem Nordosten heranfliegt. Nah der Haupstadt Cuzco befindet sich auf dem „Kuntur Orgo“, dem Berg des Kondors so ein Ruinenbereich. Am Sternenhimmel ist das exakt der Ort, an dem am Abend der Sonnenwende das Sternbild Schwan aufsteigt und die gesamte Milchstraße überblickt, deren Band quer über den Himmel geht mit dem Kreuz des Südens im Südwesten.

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Kondor.  Der Andenkondor ist an seiner weißen Halskrause zu erkennen. Condor ist ein spanisches Lehnwort der Qechua kuntur

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Lama. Chiway, Peru, 4.900 Meter Höhe

Sie  hatten ihre eigene Methode, die Sterne zu betrachten. Als Silhouette zeichnen sich ein Lama mit einem Jungtier ab, ein Fuchs, oder auch Schlange, Kröte und Wachtel. Die geflügelte Anaconda ist die Mutter des Wassers. Sie ist sichtbar in Zeiten, wenn die Flüsse viel Wasser führen, also von Dezember bis März.  Die Amaru (a-ma-ru) bedeutet Schlange und wird in der Inka-Tradition durch die Anakonda symbolisiert. Sie steht für die Schöpferkraft der Erde und Natur und die kreative Kraft des Menschen. Die Amaru ist auch die Verbindung in die  Unterwelt, die innere Welt. Im übertragenen Sinne also die Energien, die den Menschen außerhalb des Körpers lenken, steuern und die er zielgerichtet einsetzen kann. In Träumen sah man durch das Auge der Seele und im Schlaf besucht die Seele die „Obere Welt“.  Die Milchstraße verbindet in ihrer Mythologie den Himmel mit der Erde. Sie war ihr Kanal durch sie mit Huacas (dem Heiligen) kommunizierten.

maya sarkophag palenque

Maya-König Pakals Sakrophag.

Die Inkas, Maya, Azteken und  Apache/Navajo-Indianer teilten das Universum in drei Welten ein.
Die Erde, die obere Welt und die Unterwelt.

Kreuze symbolisierten in der Maya Kultur, die Milchstraße, die ein Kreuz mit dem elliptischen Weg der Sonne bildete. Der Weltenbaum, der Ort, an dem Gott die Welt kreierte. Berührte die Milchstraße den Horizont wurde sie zum Krokodil-Baum. Das Kreuz zeigt in alle Himmelsrichtungen. Dort, wo sie sich treffen, ist das Zentrum des Universums.
Für die Maya ist die Milchstraße  das Tor auf dem Weg  in die „andere Welt“ .

Doch es gibt auch viele andere Interpretationen. Aus der griechischen Mythologie stammt die bekannteste Geschichte, denn dieser verdankt die Milchstraße ihren Namen: Göttervater Zeus wollte Herkules, den er mit der sterblichen Königstochter Alkmene gezeugt hatte, die Unsterblichkeit geben und legte ihn deshalb seiner schlafenden Gattin Hera an die Brust. Diese erwachte von seinem heftigen Saugen und stieß ihn erbost von sich. Dabei spritzte die Milch aus ihren Brüsten und verteilte sich über den Himmel, wo sie den „Milchkreis“ bildet.

Die alten Ägypter interpretierten die Milchstraße als einen Fluss aus Licht oder als den Nil, in den die Göttin Isis floh, um dem Monster Typhon zu entkommen. „Al Nahr“ („der Fluss“) heißt sie auch in Arabien, „Mayu“ („Fluss des Himmels“) bei den Inka, „Fluss von Nana“ oder „Bett des Ganges“ in Indien, und in China „Tien Ho“ („Himmelsfluss“), worin die Mütter von Sonne und Mond ihre Kinder baden, bevor sie den Himmel betreten. In Nordindien wird die Milchstraße als Schlangenpfad angesehen, in Lappland als Pfad von Zugvögeln, bei den Eskimos als Schneepfad des Großen Raben, an der Wolga als Pfad von Wildgänsen, bei den Tataren im Kaukasus als Spur eines Strohdiebes und in irischen Legenden als „Bothar Bo Finne“ – „die Spur der Weißen Kuh“. Muslime interpretieren sie als die Richtung der Pilger nach Mekka, und Katholiken als Wegweiser zur Kathedrale von Santiago de Compostela in Spanien. Die vielleicht
originellste Deutung stammt von den Kung-Buschmännern der Kalahari in Botswana. Sie bezeichnen die Milchstraße als „Rückgrat der Nacht“, ohne das die Trümmer der Dunkelheit auf die Erde herabstürzen würden.

Auch die Indianer haben phantasievolle Vorstellungen entwickelt. So soll die Milchstraße der Schnee sein, den sich ein Bär aus dem Pelz geschüttelt hat, als er über den Himmel lief. Beim Stamm der Seminolen ist sie „so-lo-pi he-ni“, „der Geisterweg, auf dem die Seelen der verstorbenen, guten Menschen zur Stadt des Westens gelangten“

Die Cherokee nennen sie „gi li’ ut sun stan un’yi“, „der Ort, wo der Hund rannte“, denn sie deuteten sie als die Spur von Kornmehl, das ein diebischer Hund auf der Flucht verstreut hatte. Eine ähnliche Version wurde auch im alten Skandinavien erzählt. Manche Aborigines interpretieren sie als Rauch von den Opferbräuchen ihrer Ahnen, eine Vorstellung, die auch im alten Mesopotamien verbreitet war.

peru

Die Q’eros, Nachfahren der Inka, bezeichnen noch heute den Regenbogen als die „Amaru des Tages“ und die Milchstraße als „Amaru der Nacht“. Im Amazonasgebiet in Peru kennt man kleine Dörfer, deren Einwohner eine Anakondas zähmen und als Haustiere halten, die das Haus und die Familie vor Eindringlingen wie den Puma beschützt. Die Q‘ero-Indianer werden von vielen Völkern Südamerikas auch als Bewahrer der alten Tradition bezeichnet. Ihre spirituellen Wurzeln können sie bis zum ersten Inka zurückverfolgen.
Der Orion steht für das Ernten und Einlagern. Diese Betrachtungsweise der Sterne wird heute noch bei den Bauern praktiziert, um günstige Zeiten fuer die Saat oder die Ernte auszumachen.

Auch Sternwarten – auf Quechua „Intihuatana“, Orte, an denen die Sonne gefesselt ist, gab es in Cusco , dem Nabel Perus, die damalige Hauptstadt. Sie waren in die Felsen gehauen und besaßen in der Mitte einen steinernen Pylon – Gnomon, der durch seinen Schattenwurf die Uhrzeit anzeigte. Fiel kein Schatten war es Mittag, bei einem kurzen Schatten Vormittag und ein langer Schatten zeigte den Nachmittag an.

In unseren Breiten (Nordhalbkugel) ist die Milchstraße im Sommer (Juli, August, September) am schönsten zu sehen.

Nicht nur Menschen und Vögel orientieren sich am hellen Band des nächtlichen Himmels, auch Mistkäfer sollen dies tun, wenn der Mond nicht zu sehen ist, fanden Wissenschafter in Peru heraus.

himmel in den AndenQ’orik’ancha,  im Tempel der Inka in der Stadt Cusco ist der Sternenhimmel der Anden noch als Zeichnung zu sehen.

Nach den Überlieferungen der Inka sahen sie keine Tierkreiszeichen, sondern die Milchstraße als alles bestimmenden Fluss des Lebens und der Natur. Sternenkundige waren für sie zugleich Wassersucher und Geologen. Wassersuche sowie das Suchen von mineralischen Adern haben noch heute eine große Bedeutung in Peru.

peruverschiebungErdkrustenverschiebung um 14 Grad

Vor x-tausend Jahren lag der Nordpol in Mittelgrönland und die lateinamerikanische tektonische Platte war – aus heutiger Sicht – um 14 Grad gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Grundmauer von Pyramiden und Tempeln wurde in jener Zeit dieser Richtung angepasst.

Das Willka Qhichwa, das gesamte heilige Tal „Valle Sagrado“  ist voll von solchen besonderen Zeichen, an denen ihre Mythologie sichtbar wird. So wie beim Nil wird der Fluss Urubamba als irdisches Pendant zur Milchstraße angesehen. v sagrado

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Die Augen der Inkas in einer Felswand

Peru fasziniert und lockt. Nicht nur die weithin bekannten Orte und Plätze wie Cuzco, Machu Picchu oder der Titicacasee sind einen Besuch wert. Auch der Norden bietet unglaublich schöne und interessante Plätze, wie die heilige Stadt Caral die auch Zeugnis der ältesten Zivilisation Amerikas ist, oder die Huacas aus der Moche-Kultur und Chan Chan, die größte je erbaute Stadt aus luftgetrockneten Lehmziegeln aus der Chimu-Kultur. Im zentralen Amazonastiefland findet man Tiroler Bauernhäuser von Kolonisten die 1857 hierher kamen. Choq’ekiraw ist eine alte, verwunschene Stadt, die halb unter Dschungelpflanzen der peruanischen Anden verborgen ist. Obwohl sie früher als Machu Picchu entdeckt wurde ist sie in Europa kaum bekannt. Es führen weder Straßen noch Wege dorthin, nur ein äußerst strapaziöser Pfad der wild aus dem Felsgestein herausgerissen wurde. Ihn zu begehen kann tödlich sein, denn er ist gefährlich. Neben dem Pfad geht es 3.500 Meter tief in den Abgrund.

peru3Die wichtigste Felsenformation in Marcahuasi ist das 25 m hohe “Monument für die Menschheit”, welches bei Sonnenlicht 14 Gesichter und bei Mondlicht 2 Gesichter darstellt und umgeben ist von anderen kleineren Felsstatuen. Es gibt 5 Ruinenstädte auf dem Plateau und es wird erzählt, daß im 14. Jahrhundert über 30.000 Menschen hier gelebt haben sollen. Viele mystische Geschichten gibt es auch über das “Infernillo” oder den “Eingang zur Hölle”, ein großer Felsen, der metertief wie eine Gletscherspalte in die Erde führt.
Von den Schamanen (Curanderos) aus den Anden wird Marcahuasi als “Platz verhüllt vom Schleier der Zeit” bezeichnet und Legenden von mysteriösen anomalen Phänomenen wie nächtliche Feuerbälle, Begegnungen mit Wesen aus dem Inneren der Erde, überirdischen Erscheinungen und Geschichten von Levitation sind keine Seltenheit in dieser ätherischen Landschaft. Wenn man die Bewohner dieser Gegend nach Ufos fragt, erhält der fragende Besucher oft die verblüffende Gegenfrage, ob man selbst schon mal eine Kuh gesehen hat, so normal und alltäglich scheinen diese Phänomene hier zu sein.

Das Marcahuasi-Plateau wurde der Öffentlichkeit besonders durch den peruanischen Archäologen Dr. Daniel Ruzo bekannt. In den fünfziger Jahren  veröffentliche Ruzo seine Publikationen und Schriften, die  dem Gebiet der “verbotenen Archäeologie” zugeordnet werden. Der legendäre mythologische Steinwald mit erosionierten bis zu 26 m hohen Felsen ist unter anderem berühmt für seine verschiedenen Tier-Figuren und Gesichter und wird laut Ruzo auf eine Zeit noch vor der biblischen Sintflut geschätzt, die nach wissenschaftlichen Schätzungen im Jahre 6.470 v. Chr. stattgefunden haben soll. Die Marcahuasi-Monumente zeigen die gleichen von Menschenhand geschaffenen Symbole wie sie in den alten archäologischen Ruinen am Titicaca-See, San Cristobal und Los Angeles in Peru, in Tepotzlan und Guanajuato in Mexiko, Rio de Janeiro und Vilha Velha in Brasilien, in Stonehenge und Avebury in England, im Tal der Könige / Ägypten, den Karpaten in Rumänien und dem Kakadu-Nationalpark in Australien gefunden wurden, um nur einige zu nennen.

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3 Kommentare zu “Schauspiel des Nachthimmels

  1. Liebe Martina Kunze,
    ich habe eine Bitte. Dürfte ich ihr Foto von dem Felsen auf meinem Blog LEBEN*WERDEN*SEIN
    http://habenodersein.blogspot.de/
    natürlich unter Angabe ihres Namens und einem Link zu Ihrem Post veröffentlichen? Ich bin fasziniert. Danke für die Möglichkeit des Teilens …
    Herzliche Grüße Johanna Zentgraf

  2. martinakunze sagt:

    Liebe Johanna Zentgraf,

    natürlich dürfen Sie. Gern!
    Ich schaue auch mal gern bei Ihnen vorbei…
    Freue mich.
    Herzlichst
    Martina Kunze

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