Ein ungeschminktes Stück Leben

raps in china

Wie ein goldenes Meer. Rapsfelder in der Provinz Yunann, China.
Jedes Jahr von Februar bis März blühen sie.

Zur Welt erwachen.

comic schuh

  I am on mission.

Die Bienen. Fleißige Pollensammler sind sie. Von Blüte zu Blüte fliegen sie. Eine Dienstleistung, die wir gar nicht genug schätzen können. So wichtig sind sie für unser Leben. Doch sie kämpfen ums Überleben.

In jedem Winter sterben 30 Prozent der Bienenvölker in den USA. In Deutschland sind im vorletzten Winter (dieses Jahr ist er uns ausgegangen) 15 Prozent der Bienen verloren gegangen. Vor zwanzig Jahren lag sie noch bei 3 Prozent in Frankreich, inzwischen sind es mehr als 30 Prozent.

Die Honigproduktion bricht ein.
Klingt dramatisch – ist es auch.

Allein in den USA sind in den letzten sechs Jahren Bienenvölker im Wert von 2 Milliarden US-Dollar vernichtet worden.  Deren weltweite Bestäubungsleistung beziffern Wissenschaftler mit 260 Milliarden Euro – pro Jahr. Ich murmel bei so viel Getön hinzu: Mit Geld ist längst nicht alles rückholbar.

Wie sähe unser Lebensmittelangebot ohne Bienen wohl aus?

Von 453 Produkten eines Lebensmittelgeschäftes würden mindestens 237 verschwinden, darunter auch Äpfel, Zwiebeln, Karotten, Zitronen, Brokkoli, Avocados und Gurken. Drei Viertel der Pflanzenkulturen, die die Menschheit ernähren, sind abhängig von Bienen. Allein in den USA werden 90 Frucht- und Gemüsesorten von den fleißigen Insekten bestäubt. Stellen Bienen ihren Dienst ein, würden wir drei Viertel der Obsterzeugnisse verlieren.

An den Ausläufern des Himalayas in China sind die wild lebenden Bienen, die normalerweise die Apfelbäume bestäubt haben, bereits ganz ausgestorben. Deshalb müssen dort inzwischen Arbeiter die Blüten mithilfe eines Pinsels von Hand bestäuben.

Und in holländischen Gewächshäusern sorgen  Hummeln  für die Bestäubung von Tomaten oder Zucchini. Angeliefert werden die gelbschwarzen Brummer vom Fachhandel in kleinen Pappboxen. Hummeln sind in der Lage höher als der Mount Everest zu fliegen.
Ein wirklicher Ersatz für die Biene sind sie nicht.

70 Prozent des Anteils an pflanzlich produziertem Vitamin A, das Menschen zu sich nehmen, geht auf insektenbestäubte Nutzpflanzen zurück. Einen noch größeren Anteil hat die Bestäubung beim lebensnotwendigen Vitamin C und Beta-Carotin. Der Anteil hier liegt bei 90 Prozent. In Ländern, in denen keine Milch konsumiert wird, sind die Menschen von pflanzlichem Calcium abhängig.

bienen

Die Biene.  Damit wir uns an sie erinnern.

Pestizideinsatz von Bayer und Syngenta auf Mais-, Raps-, Sonnenblumen- und Baumwollfeldern. Saatguthändler, die zugleich Pestizide verkaufen. Monopolstellungen werden errichtet. An die Bauern werden ganze Pakete verkauft.  Saatgut + Dünger + Pestizide.
Über Jahrtausende waren es Bauern, die Saatgut aufhoben, weiterentwickelten und züchteten. Schon vergessen? Das letzte Drittel wurde aufbewahrt. Wie ein Schatz gehütet. Zwei Drittel des kommerziellen Saatgutmarktes weltweit wird von nur zehn Firmen kontrolliert. Diese wenigen global Player sind auch untereinander gut vernetzt. Und auch mittelständische Saatguthändler reisen angestrengt durch Deutschland, um das Übriggebliebene in ihre Hände zu bekommen. Saatgut und Agrochemie unter einem Dach. Sie bestimmen, was Landwirte anbauen können. Bauern, die sich gegenseitig um ein paar Cent ausspielen. Und eine Politik, die diese Entwicklung auch noch fördert.

Wissenschaftler fanden  insgesamt 35 verschiedene Pflanzenschutzmittel, mit denen Bienen in Berührung kommen bei gerade mal 63 Bienenstöcken. Ein Bienenstock kann innerhalb von zwei Tagen sterben.

 Chemieflüge

chemiefluege2
Weltweit

Im großen Stil

und

im kleinen

monsanto

Bye bye, Biene.

Wenn Sie es Ihren Kindern erklären wollen,
dann vielleicht so:

Gigantische Firmen und weniger gigantische Firmen,
die Saatgut und zugleich Pestizide verkaufen, wollen
vor allem viel Geld verdienen.

Und sie wollen auch nicht, dass Bauern ihr eigenes Saatgut züchten.
Denn sie wollen noch mehr Geld verdienen.
Früher mussten Bauern keine Schulden machen,
um ihre Saat auszusäen.
Eine geringere Ernte war nicht immer so schlimm.
Doppelte Preise für Saatgut, aber keine doppelten Ernten.
Gentechnisches Saatgut  ist dazu noch viel teurer:

Also versprechen die Saatgutfirmen
Bauern großartige Ernteerträge, wenn sie ihr Zeug verwenden.
Vergiftungen und Todesfälle der Plantagenarbeiter beim Spritzen sind an der Tagesordung.
Die Umweltverschmutzung ist groß. Die Pestizide gelangen ins Grundwasser und verseuchen die Brunnen für Trinkwasser.
Die Bewohner bekommen schreckliche Krankheiten davon. Viele Kinder sterben.
Sie entwickelten transgene Saatkörner.
In die Pflanze wurde also eine Bakterie eingebaut, die Insekten gleicht tötet.

Damit fallen Insekten, Raupen, die an den Blättern fressen tot um.
Was passiert, wenn ein Vogel,  eine Eidechese oder Frösche sich nun diese Insekten schnappen?
Darauf  haben die  Produzenten und Verkäufer keine Antwort.
Obendrein sind die Pflanzen empfindlicher geworden..
Die Baumwolle zum Beispiel bekam neue Krankheiten.
Sie verbraucht jetzt auch viel mehr Wasser.

Heute erzählen uns Gesundheitsratgeber, welches Obst und Gemüse wir besser nur noch als Bio kaufen,
auch wenn  längst klar ist, dass
Bio nicht immer zwangsläufig bedeutet, gesünder zu essen.

Über 20 Pestizide fanden die Experten in der türkischen Paprika.Ethephon, eine gefährliche Chemikalie, wird verwendet, um das Gemüse schneller einzufärben.
Im menschlichen Körper soll Ethephon wie ein Nervengift wirken.
Auch Tafeltrauben aus der Türkei enthalten im Schnitt zehn Pestizide.  Birnen seien
ebenso besorgniserregend.
Weinblätter, ob türkisch, griechisch, mediterrane, ihnen wurde eine Nicht-Kauf-Empfehlung ausgesprochen.
In jedem Fall auf Bio zurückgreifen, heißt es.
Kirschen weisen hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf.
Sie tauchen regelmäßig  in Süß- und Sauerkirschen auf.
Von Kirschen aus konventionellem Anbau soll man besser die Finger lassen.

Ich höre an dieser Stelle auf, Ihnen weitere niederschmetternde Ergebnisse
jener Expertenkreise mitzuteilen

und

verweise  lieber auf eine großartige Idee

garten anders

und ich verweise

auf ein großartiges Filmprojekt von Michael Hart, ein Bauer lebend in Cornwall, England.
Das Besondere am Film: Es geht um den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in den USA.
Die US-Farmer haben einen Rat für ihre europäischen Kollegen:
Lasst eure Finger davon!

Michael Hart sprach mit Berufskollegen.
Er verfolgte über Jahre die Entwicklungen.
In den USA werden von mindestens einer Million Farmern gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut.
Seine Intention dieses Filmprojekts war, dass der Rest der Welt hören kann, wie es jenen Bauern damit geht.
Er interviewte viele, um am Ende wenige zu finden, die sich  trauten vor der Kamera zu sprechen.
Die Angst vor mächtigen Konzernen scheint groß.
Zu seiner Überraschung gab es nicht viele, die etwas Positives zu dieser Technologie zu sagen hatten.

Wie kommt es, dass ein USA Farmer mit 1.400 Hektar Fläche und Anbau nicht genügend Ertrag erhält, um seine Familie zu ernähren?
Ein indischer Farmer hingegen auf etwa zwei Hektar eine sechszehnköpfige Familie satt bekommt.

In englischer Sprache.

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2 Kommentare zu “Ein ungeschminktes Stück Leben

  1. magguieme sagt:

    Ich nahm mir einen Apfel und setzte mich vor den Computer. Dann lese ich, ihn gäbe es gar nicht. Er schmeckt augenblicklich ein bisschen saurer. Immerhin hat er noch Kerne drin, also nicht komplett totgezüchtet…
    Schade, dass du darüber nachdenkst, Kindern Bienen über Bilder vorzustellen, weil sie nicht mehr gekannt werden.
    Frag einmal Imker, wie viel Zuckerwasser auch hierzulande zugefüttert werden muss, weil die fleißigen Tierchen nicht genug „Honig“ finden.
    Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird, doch Filme wie diese, sind wichtig. Danke.
    Das nächste Honigbrot werde ich mir mit besonderer Achtsamkeit und Dankbarkeit schmecken lassen.

    • martinakunze sagt:

      an apple a day keeps the doctor away. HERZlichen Dank für deinen frisch-obstigen Kommentar. Kernreich- wie schön!
      Was? Wie? Ich halte Kindern Fotos hin – nein, nicht den Kindern, Blogbeitragslesern, die ihren Kindern vielleicht erklären möchten, warum das große Bienensterben um sich greift. Aber durchaus: Ich traf auf Kinder (bioland-garten), die wussten nicht mal wie eine Tomate oder Gurke in real Life aussieht. Kein Witz! Ich wollte es auch nicht glauben. Bittere Realität.
      Ja, schade, finde ich auch. Immer wieder, so viel Wertvolles und Wichtiges, auch Wissen, scheint verloren zu gehen. Ich glaube an die Biene. Ich will an sie glauben. Eine schreckliche Vorstellung. Bestäuben von Hand. Eine neuer Berufszweig: Bestäuber – bitte nicht. Vor fünf Jahren sprach ich mit einem Bioland-Anbau-Gärtner. Er hatte so viel dazu zu sagen, ob „wir“ nicht wüssten, wie wichtig Bienen für unser Leben seien. So traurig war er darüber. Es scheint nicht anzukommen, bei den Leuten, die es ändern könnten und müssten….

      Mmmh, Zuckerwasserfütterung – viel in eurem Lande? Wie habe ich es zu deuten? Esst ihr zu viel Honig? Oder gibt es zu wenig Blüten oder bei euch etwa „zu viele“ Bienen? Diese Einfütterung findet doch nur statt, weil wir ihnen den Honig entnehmen, oder?

      Meine wertschätzende Erfahrung mit Bienen: Ich mähte Rasen und ahnte nichts Böses, damals kannte ich mich nicht aus – das Geräusch machte sie so betörend wild, dass ich innerhalb weniger Sekunden behangen war mit Millionen von Bienen. Durchaus Panik auf meinem Gesicht,sah aber niemand, war ja behangen mit Bienen. Stillstand meines Körpers – jetzt nur nicht wild um dich schlagen. Meine Augen lukten durch Bienen hindurch.. Ich hatte mich im Garten vom Pullover zu befreien. Rasenmähabenteuer wurde selbstverständlich danach beendet. Einst in Luxemburg saß ich auf so einem Rasenmäher-Minifahrzeug, juchhee, 3x um die Birke, und noch einen Schwung, ich drehte fröhlich meine Kreise , ganz selbstbewusst träumte ich meine kleinen Geschichten währenddessen, und auf der Geraden bekam ich dann die Kurve nicht, landete im Hang mit dem Ding. Mein Verhältnis zu Bienen und Rasenmähern ist seither ein wenig gestört.

      Die Zuckerfütterung ist mit ein Grund, warum es den Bienen nicht so gut geht. Uns Menschen geht es ja auch nicht gut mit dem üblichen weissen Zucker. Er soll auch für die Bienen Schwerstarbeit bedeuten.
      Ja, Honigbrot ..mmh, mit Achtsamkeit und Dankbarkeit. Dito…mmh..Das Wunder Leben. Gleich tiefer atmen….danke dir , martina

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