Im Land der Meeresschildkröten

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Schlüpflinge sind kleiner als eine Handfläche. Kleine gepanzerte Winzlinge kämpfen sich aus dem Ei und der Erde.
Unermüdlich wie eine Schaufelradbagger wühlen sie sich durch den Sand. Sie rudern bis sie ins Meer gelangen. Nur
so entkommen sie ihren Fressfeinden. Vögel mögen Schildkröten.

Mucksmäuschenstill ist es. Die Menschen reihen sich alle auf. Sie haben sich zu einer Schlange zusammengetan, damit die Schildkröten das Wasser zielsicher und gesund erreichen. Winzig klein wirken sie auf dem endlosen Sandstrand. Und schon geht es los.

Viel Glück auf dem Beginn eurer Reise.

Meeresschildkröten existieren seit mehr als 150 Millionen Jahren. Sie können im Meer Wanderungen von mehreren tausend Kilometern zurücklegen und kehren nach etwa 20 Jahren zur ersten Eiablage immer wieder an jenen Strand zurück, an welchem sie selbst zur Welt gekommen waren.

Normalerweise schlüpfen sie bei  Nacht und der helle Horizont weist sie ins Meer.  Ein Schlüpfen am Tage führt zu Desorientierung.
Die Bedrohungen sind groß für sie. Plastiktüten und alle anderen Arten von Müll an Stränden und im Meer, die ihnen zum Verhängnis werden. Oft werden sie tot gefunden und Plastik steckt in ihrem Darm. Angetriebener Müll macht so manchen Strand für sie unzugänglich. Sie landen auch in Fischernetzen als Beifang und werden von Motorbooten überfahren oder geraten in die Motoren.
Meereschildkröten orientieren sich nach dem Schlüpfen aus dem Ei  am hellsten Horizont. Bevor der Mensch die Strände vereinnahmte und riesige Hotelketten baute, schien ihnen das Meer das Hellste. Mit all den künstlichen Lichtquellen sind sie nicht mehr nur am Tage desorientiert, sondern zunehmend auch in der Nacht.  Sie finden das Meer nicht, tagsüber vertrocknen sie dann in der Sonne.  Liegestühle, Sonnenschirme zerstören ihre Nester. Dort, wo Reifenspuren hinterlassen werden im Sand, wird es für die Meeresschildkröte zu tief, um alleine wieder herauszukommen.
Ich verbrachte eine Weile auf Zakynthos, eine charaktervolle Insel. Mein Geheimtipp. Aber  bitte nicht alle auf einmal dort hinreisen.  Die griechische Insel und ihre anliegenden Kleininseln sind Hauptnistplatz für Meeresschildkröten im Mittelmeer.

Sind sie erst einmal geschlechtsreif, zwischen 20 und 30 Jahren, legen sie bis zu 200 Eier pro Nest.  Diese Knirpse werden irgendwann einem über einen Meter lang und bis zu 110 Kilo schwer.

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Dieser Mann leistet großartige Aufklärungsarbeit vor Ort. Fände ich jetzt die Unterlagen, stünde hier sein Name. Ich finde sie aber gerade nicht. Die Organisation heißt Earth, Sea and Sky Fotos: Kunze

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Hauptnistplatz der Meeresschildkröten im Mittelmeer. Und sieht die keine Nachbarinsel nicht aus wie eine Schildkröte? An den Stränden dieser Insel buddeln sie ihre Eier ein.

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Unterwegs mit einem Katamaran zur Schildkröteninsel. Ein Stück Land, das nur aus der Entfernung bestaunt werden darf. Zutritt für Menschen untersagt. Nur darum können dort Meeresschildkröten ihrer Natur freien Lauf lassen.

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Von eintausend geschlüpften Schildkröten erreichen nur etwa 1- 2 das Erwachsenenalter. Ihre größten Feinde sind der Hai und der Mensch.

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Mit einem Katamaran kann man sich ohne Nebengeräusche ganz auf den Klang der Wellen und den Wind einlassen. Traumzeit. Fühlzeit. Jederzeit wieder…daneben auch Umweltschutz.

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…und man wird auf Zakynthos von Restaurantbesitzern zum Bleiben überredet und beschenkt mit einem Espresso, damit man DIESES  HIER noch erlebt. Oh mon dio. Die Welt ist schön.

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..und man staunt über Granatäpfel

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..und dort unten legt man mit einem Boot an und kann Sonne, Sand und Meer genießen. Nur vom Meer zugänglich. Die Schmuggler-Bucht. Atemberaubend. Spektakulär.

Zakynthos, italienisch Zante,  Homer nannte sie die „Bewaldete“.  Sie ist die drittgrößte ionische Insel. Die Venezianer beherrschten sie viele Jahre bis zum Fall Venedigs an Napoleon im Jahr 1797 und gaben ihr den Beinamen „Fio de Leviante“ , Blume des Ostens. Diese Insel ist eine Blume.  Es folgten eine Zeit der französischen Herrschaft, der russischen, der britischen, noch einmal der französischen Herrschaft und am Ende wurde sie an Griechenland zurückgegeben.
Also, sie muss damals schon als eine „schöne Insel“ erkannt worden sein.

Sie und ihre naheliegenden Kleininseln sind der Hauptnistplatz für Karettschildkröten im Mittelmeer.  Die Meeresschildkröten sind vom Aussterben bedroht. Teile von Strände werden daher ab 19 Uhr abgesperrt. Delfine, mit gefällt Delphine besser,  sie leben auch in nächster Nähe. Die Insel ist 40 Kilometer lang und 20 Kilometer breit. Auto ist zu empfehlen.

Zakynthos erlebte schon Erdbeben und Tsunamis, liegt die Insel auf der eurasischen Kontinentalplatte.
Korinthen, Olivenbäume, Granatäpfel. Zitronen und weitere Mittelmeerfrüchte. Eichen, Pinien. Einer große Schlange begegnete ich auf einer Wanderung. Sie schlengelte sich von der Straße. Die Straßen sind aber sonst sehr sicher und gut zu befahren. Fährverbindungen Richtung Peleponnes.  Edgar Allan Poe widmete der Insel ein Gedicht. Die Inselbewohner sind überaus freundlich. Vielfach begegnet man  Griechen vom Festland, die ihren  Zweitwohnsitz auf der Insel haben und während der Saison vom Tourismus leben.

Reisen macht Musik.

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2 Kommentare zu “Im Land der Meeresschildkröten

  1. nakedberlin sagt:

    ..und ich LIEBE die klein grossen Schildkröten! Dann werde ich mal Deine Insel besuchen müssen 😉

    • martinakunze sagt:

      Wunderbar! Ja, besuche die Insel. Freue mich jetzt schon auf deine Blogbeiträge. Berlin im Gespräch mit einem Schlüpfling. 🙂
      Freue mich auch, dass dir viel Wasser trinken gut tat.
      Sie ist wieder da. Juchhee.

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