Wahrheiten ein- und ausatmen

schmetterin mond

Der Mondlichtschmetterling ist eines der weltweit größten Schmetterlinge. Er kann eine Spannweite bis zu 30 cm aufweisen.
Das ist mehr als mancher Singvogel misst.  Er wird auch Kometenschweif genannt und lebt in den Regenwäldern von Madagaskar.

400 Kilometer entfernt vom afrikanischen Festland liegt die Insel Madagaskar. Sie hat eine Größe von Frankreich. Etwa 14  Millionen Menschen leben auf ihr.

Bereits bevor die Dinosaurier ihre große Zeit hatten, vor gut 250 Millionen Jahren, flogen die ersten Schmetterlinge durch die Lüfte. Sie sahen unseren heutigen Motten sehr ähnlich. Zum Vergleich: Die ältesten Bienen entstanden erst viel später in der Kreidezeit zwischen 135 und 65 Millionen Jahren. Somit zählen die Schmetterlinge zu den ältesten Insekten der Erde.

Viele Kilometer weit können Männchen ihre Weibchen in ganz kurzer Zeit orten – so wie hochempfindliche Antennen – bereits wenige Moleküle Lockstoff reichen. Unser Körper ist auch zum Zwecke der Wahrnehmung gemacht, und das Gefühl des Berührens und berührt zu werden ist eine Wonne. Es ist weniger Wonne, wenn wir Wunden an unserer Haut tragen. Dann schmerzen Berührungen mitunter.

Der menschliche Geist ist wie unsere Haut. Jeder Mensch hat einen emotionalen Körper, der mitunter mit recht viel ungesunden Emotionen bedeckt ist. Zum Beispiel Hass, Wut, Neid und Traurigkeit, Verbitterung. Manches bricht alte Wunden in uns auf. Wir leiden an Angst. Und häufig sind unsere emotionalen Körper damit so erfüllt, dass wir unseren verwundeten Geist als „normal“ bezeichnen. Es ist aber kein „normaler“ Zustand.

Kein Schmetterling kann fliegen, ohne die Flügel zu öffnen. Und niemand kann lieben, ohne sein Herz zu öffnen. Das ist eines der inneren Gesetze, so unausweichlich wie die Schwerkraft.  Und es ebenso unmöglich, sich in irgendeinen Zustand zu erheben, ohne jene Teile zu offenbaren, an denen wir am engsten festhalten.

Wir brauchen zunächst einmal die Wahrheit.
Wie finden wir sie?

Wir müssen vergeben. Und zwar nicht, weil andere Vergebung verdienen, sondern weil wir uns selbst so sehr lieben, dass wir nicht mehr für die „Ungerechtigkeit“ zahlen wollen. Es ist eine Form des Mitgefühls uns selbst gegenüber. Anderen zu vergeben, bedeutet Selbstliebe und Selbst-Akzeptanz.

monument nelson mandela

Ein Monument errichtet an dem  Ort, an dem Nelson Mandela einst festgenommen wurde.

Nelson Mandela trug nach dem Ende der Apartheid ganz und gar eine vergebende Haltung in sich. Er hat damit eine ganze Nation von ihrer Identifikation durch ihre Täter befreit. Der damalige südafrikanische Präsident und Archbishop Tutu richteten  die Truth und Reconciliation Commission ein. Der Fokus wurde in Südafrika nach dem Ende Apartheid nicht auf die Bestrafung gelegt, sondern auf die Wahrheitsfindung. Auch seine ehemalige Ehefrau Winnie Mandela trat vor die Kommission und hatte Fragen zu beantworten. Die Apartheid brachte schreckliche Seiten in den Menschen hervor, mitunter auch auf Seiten der eigentlichen Opfer. Winnie Mandela hat während der Apartheid Kinder zu Spionen gemacht. In ihrem Haus fanden schlimme Dinge statt. Archbishop Tutu ist der Patenonkel eines ihrer Kinder. Er saß mit im Gremium. Er weinte in jener Sitzung und er bat Winnie immer wieder, immer wieder bat er sie, die Wahrheit zu sagen und das auszusprechen, was sie damals nicht bereit war sagen: Please, please, please, say at least I am sorry. Es waren andere Zeiten, war ihre Antwort.

Damals ging jeder Täter straffrei aus, der bereit war, über seine Taten zu berichten, über das, was sie wussten. Es sollte dem Zweck der Wahrheitsfindung dienen. Darüber erhielten  auch manche der  Opfer erstmals den Raum, öffentlich über ihre Wunden zu reden. Über das, was ihnen angetan wurde. Das Unaussprechliche aussprechen zu können, gehörte zur Heilarbeit jener Jahre. Erstmals wurde ihnen zugehört. Einige der Menschen konnten sich mit Fragen an jene Täter wenden. Und diese Frage waren von gewichtiger Art: Wo habt ihr unsere Kinder hingebracht? Sagt es uns! Gebt sie uns zurück, wir wollen sie beerdigen.

Vergebung ist der einzige Weg zur Heilung. Aus Mitgefühl zu uns selbst. Wir sind dann nicht mehr der große Richter, der gegen sich selbst vorgeht. Wir sind dann nicht mehr derjenige, der sich selbst bestraft. Wir sind dann nicht mehr das Opfer.

Die Wahrheit ist mitunter wie ein Skalpell. Die Wahrheit ist schmerzhaft, da sie alle Wunden öffnet, die von Verdrängungsmechanismen verdeckt sind,  damit wir heil werden können. Es ist auch gut, dass wir dieses System der Verdrängung haben, weil es uns erlaubt, unsere Wunden zu verdecken und weiterhin zu funktionieren. Aber es geht nur eine Zeit lang gut, wenn wir Gefühle unterdrücken.  Sie wagen nicht zu sagen, was sie sagen wollen. Der Druck baut sich auf und die Luft wird knapp.

Und eigentlich sind wir nie mehr als einen Herzschlag davon entfernt, uns aus dieser Isolation zu befreien. Nie weiter als ein Schlucken, ein Räuspern davon entfernt, zurückzufallen in die Offenheit.

Damit Wunden heilen können, braucht es die Wahrheit und die Vergebung.  Die Wahrheit führt uns zu unserem Pulsschlag, zu dem, was uns heilig ist. Wir gewinnen Vertrauen in uns selbst Vertrauen zurück. Sie gibt uns unsere Achtung.

Es braucht ein waches Bewusstsein. Wir müssen, die auf Angst basierenden Vereinbarungen beenden. Der Krieg in unserem Kopf  erfordert Disziplin. Die Disziplin, wir selbst zu sein, egal was passiert.  Es macht einen Unterschied, ob wir Gefühle zurücknehmen oder sie unterdrücken. Ein Opfer unterdrückt seine Gefühle. Die Gefühle bewusst zurückzunehmen heißt, sie im richtigen Moment zu zeigen.

Wir können unseren Eltern vergeben, unseren Brüdern, unseren Schwestern, unseren Freunden und Gott. Wenn man Gott vergeben kann, kann man sich selbst auch vergeben. Sobald man sich selbst vergibt, ist es mit der Selbstablehnung vorbei.
Wir können akzeptieren, wie wir selbst sind.

Wir können Erfahrungen aus uns heraus brennen lassen,
egal, ob das, was dabei herauskommt, intelligent oder hübsch ist.

Wir können unsere Lebendigkeit damit gesund und warm halten.
und am Ende fliegen wie ein Schmetterling.

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