Ein Engel auf Reisen

maedchen i baum

Träume, die gegen Morgen länger werden, verhindern den Temperaturabfall beim Schlafen.  Je länger wir schlafen, desto stärker fällt unsere Körpertemperatur ab. Träume sind sozusagen unsere Aufheizphasen.  Träume produzieren Erlebnisse, die Hormone aktivieren, beispielsweise Adrenalin und Noradrenalin. Beide Hormone leiten die Fettverbrennung ein und der Körper heizt sich ein.

In dem Moment, in dem wir halb wach sind und bereits halb schlafen, beginnt unser Montagepunkt zu zittern. Der Schlaf ist so eine Art chemische Trennung unserer verschiedenen Körper. Der eine von uns mag gerne auf Reisen gehen. Alles ist dann weit fortgerückt. Unser Namen, unsere Absichten, unsere Gefühle, unsere Gedanken, alles, was wir waren, bevor wir eingeschlafen sind. Und so ist es: Alles läuft letztlich immer wieder auf die Frage der Energie hinaus.

In unserer Tradition sind es Engel, die uns im Traum die Buntheit unserer Seele vor Augen führen, die uns die eigenen Möglichkeiten aufzeigen. Träume muten uns manchmal einiges zu, vielmehr, als wir uns in der bewussten Welt zutrauen. Irgendwie scheinen sie uns daran erinnern zu wollen, welche Möglichkeiten in unserer Seele bereitliegen.

engelfotoIch war aufgeheizt und mein Montagepunkt zitterte tüchtig.
Letzte Nacht hatte ich einen Traum:

Ich fuhr mit dem Finger über die Rücken von vier Büchern entlang und stieß auf eine Geschichte, die allein stand. Nicht allein, aber so für sich stand sie eben. Sie ist kurz. Es geht um einen Engel, der in einem Haus schon so lange lebt, dass er sich nicht daran erinnern kann, warum Gott ihn auf die Erde gesandt hat. Jede Nacht spricht er laut zu ihm und jeden Tag wartet er auf einWort von ihm.

Zum Zeitvertreib geht der Engel durch die Stadt. Er bringt sich auch höhere Mathematik bei und er legt sich eine Sammlung Kieselsteine zu.

Zunächst bewundert er alles, doch mit jedem Tag blendet ihn die Schönheit etwas weniger. Nachts liegt der Engel wach. Jeden Morgen geht er an einem alten Mann vorbei, der seine Tage damit zubringt, indem er murmelt: Wer ist da?  Das ist alles, was er jemals sagt. Bis auf das eine Mal. Da sagt er: Wer bin ich? Dass den Engel, der nie spricht und mit dem nicht gesprochen wird, so erschreckt, dass er nichts sagt.

Je mehr Traurigkeit er sieht, um so mehr wendet sich sein Herz gegen Gott. Nachts geht er durch die Straßen. Er bleibt bei jedem stehen. Was er da für Sachen sieht und hört. Es wird ihm zu viel. Und wenn er Gott fragt, warum er ihn so nutzlos gemacht habe, zittern seine Flügel vor Zorn und seine Engelsstimme bricht.

Irgendwann hört er ganz auf mit Gott zu reden.  Eines Nachts trifft er auf einen alten Mann. Weil er einsam und  wütend auf Gott ist, weil er das menschliche Bedürfnis empfindet, sich jemandem anzuvertrauen, erzählt er dem Mann die Wahrheit, dass er ein Engel sei. Der Mann glaubt ihm nicht. So hebt er sein Hemd und zeigt dem Mann seinen vollkommenen Kreis auf seiner Brust, der das Engelszeichen ist. Der Mann hatte  keine Ahnung. Das Zeichen bedeutete ihm nichts. Zeig mir etwas, was Gott machen kann. Worauf der Engel naiv, wie alle Engel sind, auf den Mann deutet. Weil der glaubt der Engel lügt, boxt er ihn und dort fällt er in den Fluss, wo er fast ertrinkt. Denn eins hat es mit dem Engel auf sich, Engel können nicht schwimmen.

„Nicht schlecht“, sagt der Engel ruhig. „Gar nicht schlecht. Ich habe jetzt das ungewöhnliche Pech, dass mir gar nichts einfällt.“ Früher hätte er gewusst, wer er war: sein Name, seine Gestalt, eine Adresse – alles stand früher fest. Dies war ich, hätte er gesagt. Jetzt aber löste sich alles in ihm auf, das alte Haus krachte ein. Er wusste nicht mehr, wer er war, wo er war. Fürs Erste hat der Engel genug.

Frau  Das-Gefühl-und-wir-selbst zieht ihn aus dem Wasser.
„Danke!“ , sagt der Engel flügelschlagend.
„Nicht der Rede wert.“ Frau Das-Gefühl-und-wir-selbst ist sein Zauberspiegel. Er schaut in seinen Zauberspiegel und eine große und einzigartige Wahrheit entdeckt er und damit beginnen die restlichen Spiegel aufzuwachen. Er saß in der Zweiheit fest. Ein wildwucherndes Misstrauen herrschte in ihm. Er hatte sich geweigert über das innere Wissen hinauszugehen. Der Engel hatte sich einem Teil des Spiegelbilds gegenüber geweigert.

engeloMit ausgebreitenen Flügeln fragt er: „Wenn alles Eins ist, wieso bin ich dann an einem Ort der Zweiheit gelandet?“
Frau Das-Gefühl-und-wir-selbst fragt zurück: „Wieso nimmst du deine Identität lediglich durch das Handeln von anderen Menschen wahr? Wieso beklagst du dich über dein Leben, warum lachst du nicht darüber und freust dich, dahinzugelangen und erkennst, wie mächtig du bist?“

Ein Engel erhält nie verwirrende Botschaften über sich selbst. Aber diese hier verwirrten ihn.

„Wieso hältst du dich nicht in deinem Vorwärtsschritt und tanzt jedes Mal zwei Schritte zurück. Wieso nimmst du deine Gefühle nicht an und umarmst sie? Wegen dir gibt es große Hoffnung für alle anderen Spiegel. Es braucht nur einen einzigen, der in den Zauberspiegel schaut und eine einzigartige Wahrheit sieht, damit die restlichen beginnen aufzuwachen! Warum lebst du vom Prinzip des Lebens getrennt? Nur wegen dieser Getrenntheit gibt es dieses wildwuchernde Misstrauen, werden Kriege geführt, gibt es Krankheiten, unsichtbare Mauern und Grenzen. Alles nur, weil ihr nicht im harmonischen Fließen mit der Höchsten Intelligenz seid. Und das nur, weil es gegen das geht, was gesellschaftlich passend oder korrekt zu sein scheint?“

„Was wollen Sie damit sagen?“ Der Engel versteht nicht.

welt im lichtei

„Hat man je gehört, dass man einen Spiegel freiwillig in die Zimmerecke hängt? Du bist ein Spiegel Gottes. Sieh dich. Du bist schön. Sieh dein Licht um dich tanzen. Lerne innerlich deine Macht zu umarmen. Eines, wirklich eines der größten Lehren, die je hervorgebracht worden sind, was man als alltägliche Sprache bezeichnet, sind die Worte: N i m m G o t t  i n  d i r wa h r. Dieses Wissen ist die Hauptsache. Nimm deine Schöpferkraft in dir wahr. Du bist die Entdeckung von dem, was du hinter diesen Augen bist, was du bist und was deine Bedeutung und dein Sinn ist. Das ist das Mysterium. Du bist nicht die vielen Kleider in deinem Kleiderschrank. Man erkennt dich an deinem Licht und an deiner Energie. Man erkennt dich an deiner Schwingung. Du bist der gehauchte Atem von etwas ganz Großem. Das Licht um dich herum sind die verbliebenen Partikel deines Ursprungs. So`ne Art Transportmittel, durch das du hier auf Erden dieses Abenteuer Leben erfahren kannst. Umarme alle deine Möglichkeiten. Du bist hierher gekommen, um zu lernen zu manifestieren. Du wirst deine Macht niemals kennen und besitzen, bis du weißt, W e r  du bist, bis du weißt, dass du es We r t bist. Du hast es zugelassen, eingeschüchtert zu werden. Du bist in Schlaf versunken. Du hast dich in eine Ein-Drittel-Kapazität deines Gehirns hineingeträumt. Du hast vergessen, warum du hier bist. Du bist zivilisiert worden und denkst darum begrenzt. Abgeschaltet hast du. Nun, wenn du mächtig genug bist, abzuschalten, bist du auch mächtig genug, um aufzuwachen!“

„Ich habe so viel falsch gemacht“, seufzt der Engel.

„Eine Sache solltest du im Gedächtnis behalten, wenn du wissen willst, wer du bist: Erkenne alles an, was du getan hast“, ermahnt Frau Das-Gefühl- und- wir-selbst den Engel. „Werde ungeheuerlich, dann bist du das Original. Wenn du wüsstest, wie großartig du bist und wie mächtig deine Worte und Handlungen sind, dann würdest du begreifen, dein Körper ist nicht alles, was du bist. Du hältst nach dem Falschen Ausschau bei deiner Identität. Es ist das, was in dir ist und nicht, was um dich herum ist. Beginne alle Spiegel um dich herum anzuschauen. Und meine lieber Engel, du wusstest, worum es bei diesem Spiel geht, bevor du dich entschlossen hast, wieder zurückzukehren.“

Der Engel putzt seine Flügel. “ Ähm …Entschuldigung.“

„Alles, dass du bist, ist ein Wunder. Verbringe deine Zeit nicht mit dem Herausputzen und Verschönern und mit dem sich Abmühen, worin auch immer das Spiel besteht. Wenn es darauf ankommt, kommt dir dein Körper zumeist in die Quere, er lebt in einem anderen Zeitfluss. Alles, womit du dich in intensiver emotionaler Haltung befindest, zum Beispiel andere mit denen du dich im Streit befindest,weil sie einen Spiegel für dich darstellen und dir nicht gefällt, was du über dich selber siehst, bahnt sich seinen Weg durch Gedanke, Gefühl, Energie und endet im Körper.  Du manifestierst auf emotionale Weise das, was du von dir selber denkst. Du setzt dein Morgen fest mit jeder Imagination, jeder Fantasie, jedem Tagtraum, mit allem, was in deiner Seele Emotion erzeugt. Nur der Körper lebt in der Vergangenheit. Er trägt deine Vergangenheit in dir. Er ist nicht so schnell wie der Geist. Der kann deinen Träumen Jahre hinterher sein. Bring ihn durch deine Gefühle ins Jetzt.  Meistere dem Meister entgegen. Werde das Wissen, das du in dir trägst. Wache auf.

In jedem Moment, wo du etwas nicht magst, verlierst du deine Grandiosität. In jedem Moment, in dem du irgendetwas gegenüber unterwürfig bist, verlierst du deine Macht. Erkenne, wo deine Begrenzungen liegen. Erkenne sie, du musst sich nicht ändern. Aber übernimm Verantwortung. Hole dir deine Macht zurück, sei in Kontrolle deines Schicksals. Du kannst jeden Moment alles ändern. Es ist ein Wissen. E i n Wissen. Du wirst niemals Meister, wenn du nicht weißt, wenn du eh`nicht wirst, wenn du nicht kannst.  Es ist nicht das Baumeln lassen von Kristallen, das Tragen von Asche auf der Stirn, es ist, was du bist, indem du dich innerlich annimmst und liebst, was du bist. Dann ist es einfach. Und vergiß nicht, nichts ist perfekt. Wäre alles perfekt, bedeutete es das Ende von Evolution. Die Natur entwickelt sich, indem sie sich immerzu umstellt. Fühle, und habe keine Angst, etwas Falsches gesagt oder getan zu haben.“

Meine Finger hüpften an einer Rosenvase herum. Sie suchten den Wecker, der mich aus meinem Traum herausriss.

(copyright m.kunze)

Advertisements

6 Kommentare zu “Ein Engel auf Reisen

  1. magguieme sagt:

    Du schaffst es wie keine zweite, dass ich mir wie ein Engel vorkomme. Meine Flügel flattern befreit auf und nieder. „Endlich!“, schreiben sie in die Luft.
    Ach ja, und: „Hallo, Du!“ 🙂

    • martinakunze sagt:

      Hallo Du,
      lieber Engel mit flatternden Flügeln..
      ,
      Ich freue mich über unsere Begegnung
      Ich freue mich über unsere Begegnung.
      Ich freue mich über unsere Begegnung.
      Wiederholung, Der Freude wegen…

      HERZELIGEN Dank auch für deine vielen Gefällt mir. Ich lachte so richtig herzlich.. Gute Idee. Sie kamen auf diese Weise an. Alle.“viele“

      DAS WORT IM ORDNER.
      Du bist also auch ein Freigeist. Loslösen vom Computer – lesen, wo immer dir danach ist.
      Ich sehe dich mit dem Aktenordner „Das himmelgraue Poesie-Album der mkunze -“ wirbeln. o mei o mei….Ausdruck für die Zwischendurch-Momente. herrliche Vorstellung.- ich lachte heute mehrfach. Der ultimative Studienführer.
      Ich hoffe, du wirst nie fertig – meine Mailbox ist natürlich auf ewig geöffnet.

      Ein schönes Luftwort: „endlich“.
      Weite Flügelschläge wünsche ich dir. 🙂
      martina und ihre Freude sagen DANKE.
      .

      .

      • Anonymous sagt:

        Liebe Martina Kunze,

        ich finde das „Nordlichtbild („Engelfoto“) ganz toll. Hast Du das vielleicht auch in größer (mehr Pixel?). Wäre toll!

        Danke,

        Uli

      • martinakunze sagt:

        Herzlich lachend, der Engel mit flatternden Flügeln muss dir leider sagen: Nein, jenes Bild habe ich nicht in weiteren Größen. Ich erhielt es aus Mexico…sorry. Sonst liebend gern. Martina

      • Ulrich Eichhorn sagt:

        Wie schade!

        Wäre in schönem Rahmen wäre ein tolles Geschenk für meinen „Engel“gewesen.

      • Ulrich Eichhorn sagt:

        PS: ich meine den Engel am blauen Himmel – Du auch?

        Danke, Uli

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s