Liebeserklärung

weltfrage

Neulich saß ich in einem Cafè, als ich im Lärm um mich herum ein Wort der Wahrheit vernahm, aus dem Mund einer Fremden, deren Gesicht ich noch nicht einmal sehen konnte. Ich drehte mich nicht um, genoß ich den Moment der Anonymität. Ich fühlte nur ganz einfach und tief. Ohne dass sie davon wusste, half sie mir, mehr in meiner Haut zu sein. Der Raum in meinem Herzen wurde groß.

Das Wort „G e b u r t s t a g“ schwirrte in mir.
Der Tag, an dem wir alles geben.
In einem Ausbruch der Güte und Liebe bringen uns Mütter zur Welt. Plötzlich finden wir uns in der Luft, ohne zu wissen, wohin es uns zieht. Lebenskraft, die sich auf geheimnisvolle Weise mitteilt.

Warum feierst du deinen Geburtstag?, fragte ich mich. Im Schoße meiner Mutter ging es mir doch gut. Es war warm, ich wurde versorgt. Dort habe ich das Wichtigste von einem Engel gelernt, und dann ging`s hinaus. Mein erstes Trauma. Ich landete in einer Welt, die kalt und hart war. Der reine Akt des Überlebens wurde zum Kampf.  Ich weinte.

Und doch feiere ich jedes Jahr diesen Tag. Denn es war der Tag, an dem meine Mutter voller Herzenswärme und Stolz auf mich blickte. Und doch feiere ich jedes Jahr diesen Tag. Denn der Tag, an dem ich geboren wurde, war der Tag, an dem ich mein eigenes Wesen wurde. Ich war nicht länger ein Anhängsel von jemand anderem, sondern wurde zu einer schöpferischen Kraft in der Welt.

Also feiere ich meinen Geburtstag seit einigen und einigen Jahren. Und ehrlich, Geburtstag schmeckt mir wie frische Milch und Himmel und Lachen schmecken.

Doch in diesem Cafè sitzend, dachte ich über die Frage nach: Was habe ich der Welt gegeben, was mir nicht gegeben wurde? Bin ich wirklich zur Welt gekommen?

Wie oft ist der Verstand über die Schritte des Herzens hinweggegangen? Nicht fühlend, nicht berührend, was ich sah, was ich tief im Innern wusste. Wie oft habe ich vom Fühlen geträumt, vom Schwimmen in den Wellen, vom mich ins Meer ziehen lassen, doch meine entschiedene Haltung, meine Angst, wieder verletzt zu werden, bewahrte mich vor den köstlichen Augenblicken. Und jene Momente, in denen mir Menschen auffielen, die mit einem Stein auf dem Herzen durch ihr Leben stolperten? Ging ich zu ihnen und hörte zu? Was hat mich alles im Fluss des Lebens aufgehalten? Ich meinte zu steuern, doch das Herz formt sich auf anderen Wegen.

Ich atmete tief durch, um die nächste Ladung Luft hereinzulassen. Ein Kernmoment in meinem Leben.
Wer auch immer die Logik schuf, man kann sie auch sein lassen. Offen wachsen. Licht kann ich nur sehen, wenn ich fühle und mich berühren lasse. Mein Herz will frei sein für das nächste Gefühl, das mir begegnet.

Damit ging ich in meinen Tag.


Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s