Der kleine Mo und seine großen Fragen

seelenfragen

„Was ist eine Seele?“ fragte mich  der kleine Mo. Mo ist ein vierjähriger Junge, der mich manchmal besucht.

Ähwiesodenndasjetzt?  Uuui… da war sie,  und wie,  die Situation. Mo und ich  – alleine. Leute, Leute, wo ist sie denn, die Mutter dieses kleinen, süßen Mo`s?  Ich sah es  kommen – auf mich zurasen – genau, so `ne große Frage muss die Nichtmutter beantworten. Seit Wochen schon baute Mo Tempel im Sandkasten. Das weiß ich, weil ich seinen kryptischen Bauanweisungen in seinem  30 Kubikmeter-großem-Pharao-Land bis in die letzte Ecke  hinein zu folgen hatte. Jede  Maya-Stadt im fernen Mexico hätte nicht besser durchdacht sein können.  Offensichtlich ergriff das Thema Spiritualität recht früh von ihm Besitz.

„Ähm, naja, das ist so …mmh..es ist im Grunde sehr einfach“, sagte ich und holte  tief Luft.  Das hilft.   „Die Seele, lieber Mo, sie ist, ….sie erlaubt dir jeden Morgen etwas Ähnliches zu sagen, wie „Das bin ich, und ich heiße Mo“, anwortete ich. Eine Seele ist das Licht, dass dich in der Nacht verlässt, und in ein Land reist, in dem es keine Grenzen gibt, und von dort kommt sie mit Träumen und anderem zu dir zurück. Sie ist die große Kraft, die in dir wohnt.
„Aber ich habe das Licht noch nie gesehen!“
Wunderbar ..und nun, Martina, flüsterte ich mir selbst zu.
„Du wirst lernen, das Licht zu sehen, und du wirst es sogar berühren können, Mo“ .
„Wo ist das Land?“
Sprachbilder müssen her…

dna2„Ganz genau weiß ich es auch nicht. Aber es heißt, es ist das Land, in dem der  Hüter der Seelen lebt. Wenn du deine Seele, dein Licht in dir tanzen lässt, dann passt der Hüter der Seelen darauf auf.  Er sorgt dann für dich, immer.  Er bringt dir die Freude in dein Herz.  Immer wenn du ganz viel fühlst, und an ihn glaubst und an ihn denkst,  ist er in deinem Herzen und passt auf dein Licht auf. Dein Licht ist immer bei dir Mo , das will immer bei dir sein. Nur wenn du dich von deinem  Licht zu weit entfernst, dann wird es krank. Und wenn du dich jeden Tag hinsetzt für einige Zeit ruhig hinsetzt und die Augen zumachst, und alles einatmest, was es an Düften gibt, dann wirst du eines Tages dieses Licht sehen. Und das strahlt und strahlt dann.“
Wie sollte  ich es sonst beschreiben?, dachte ich leise.
Mo saß wie festgewachsen auf meinen Beinen.
„Aber woher weiß ich, dass das Licht bei mir ist?
Gute Frage, kleiner Pharao. Nächste Frage.
„Du wirst es spüren, Mo. Und wenn du es aus deinen Augen verlierst, wirst du dich irgendwann wieder an dein Licht erinnern. Du fühlst es.  Es wird dich anziehen. Es wird dir leuchten. Und ich erkenne es an dir, wenn du ein kleines Licht in deinen Augen hast.“
„Dann kann das Licht überall hinfliegen!“

„Ja, das kann es wohl. Nichts ist je unbeweglich, Mo. Dein Körper bewegt sich auch. Du wirst wachsen. Du fliegst also auch – nur anders.“  Ich lachte, blickte ich in die süßesten  und staunenden Augen eines kleinen vierjährigen Jungens.  „Auch dein Herz schwingt und bewegt sich, unsere Augen schwingen. Wenn sie leuchten, dann leuchtet es um dich herum. Wenn du lachst, glücklich bist, wenn du traurig bist, wenn du dir etwas wünschst,  leuchtet alles in unterschiedlichem Licht um dich herum.  Denk` dir  Farben um dich herum. Gelb, Blau, Weiß. Es gibt aber noch viele andere Farben, je nachdem, was du so fühlst. Wenn du gerade aus der Badewanne hinaussteigst, bist du nass. Dann sehen die Farben vermutlich etwas anders aus.

eischaleDenk` es dir wie eine Schale, die dich immer begleitet. Die ist immer um dich herum. Sie ist aber auch beweglich. An der Oberfläche unseres Körpers haben wir kleine Wellen. Die schwingen. Alles „fliegt“ in kleinsten Wellen. Hin und her. Hin und her. Diese Farben sind Energie.  Du hast da ganz viel Kraft um deinen Körper herum. Das ist so ne Art Verbindungsstecker zu deinem Licht, deiner Seele, zur Sonne, zu allem, was dir Energie schenken möchte -… leider auch nehmen kann.“

antwort16

„Hab nur ich ein Licht?“
Nur schön präsent bleiben, Martina. Die Fragen könnten nicht besser sein.
„Nein, Mo, wir alle haben dieses Licht. Wir sind alle – in gewisser Hinsicht – Himmelskinder. Und jeder hat sein eigenes Licht.  Manche Menschen schaffen es mit ihrem Licht eine ganze Versammlung zum Leuchten zu bringen. Andere Lichter leuchten weniger hell. Und nicht nur wir Menschen, jedes Tier, jede Pflanze, jeder Baum. Sie alle haben auch ein Licht. “

seelenfragen2„Wer leuchtet denn nicht hell?“
Die Kunst ist nicht, die Hand am Kind zu haben, sondern die Hand im richtigen Moment wegzunehmen. Der englische Physiotherapeut Bobath fiel mir ein.
„Das ist etwas, was du selbst entdecken musst. Du wirst die Antwort darauf finden.Lass dein Herz arbeiten, Mo. Nur dein Herz.
Das Gefühl ist eine Sprache, die aus dem Herzen, nicht aus dem Kopf kommt. Es hat eine große Macht, wenn du die Wellen von anderen Menschen lesen kannst.“
und ich dachte leise: ….so groß, dass es aus der Lehre der Kirche bereits auf dem Konzil von Nicäa, 324 AD entfernt wurde, Männer durften diese Gefühle nicht haben, Frauen sie nicht zeigen. Die Macht unserer Gefühle kann unsere Zellen, kann unser  Universum ändern. Egal, ob in Ägypten, ob in Peru oder im Tibet, überall gibt es geheime Bibliotheken. Dort findet man  die Hinweise.

Und ich erklärte weiter:
„Wichtiger, als darum zu wissen, wessen Licht nicht so hell leuchtet, ist es vielleicht, zu wissen, dass du und ich, wir ein bisschen dafür sorgen können, dass das Licht anderer heller leuchtet.“
„Und wie macht man das?“
„Nun, das können wir machen, in dem wir Menschen weniger das Gefühl geben, irgendetwas mit ihnen sei verkehrt. Ein gesprochener Satz ist wie ein ganzes Universum, Mo. Ein Satz kann so groß werden, wie der Sternenhimmel, in den du so gerne schaust. Eine Welt mit einer Sonne, ein Planet, eine Erde mit viel Leben. Wir fühlen uns nur gut, wenn wir uns akzeptiert fühlen. Wenn dein Freund dich mag und ihr zusammen spielen könnt, fühlst du dich doch gut, oder?
„Ja.“
„Du magst, wenn dein Freund dich mag, und dein Freund mag, wenn du ihn magst, das mögen wir alle, auch wenn wir schon längst keine Kinder mehr sind. Wenn wir uns gut und akzeptiert fühlen, dann leuchten unsere Lichter heller.  Das schaffen wir mit Worten.  Deine Worte haben Kraft, forme sie mit dem Herzen, denn wie jede Energie, hat sie zwei Seiten, sie kann beleben oder vernichten.  Wort können dich gut fühlen lassen, oder dir wehtun und dich traurig machen. Mit den Worten, die wir sagen, ist das  wie mit der Erde. Es gibt Erde, in der wachsen Pflanzen sehr gut. Und es gibt Erde, in der vertrocknen alle Blumen. Jedes Wort, jeder Buchstabe schlägt Wellen, hat eine bestimmte Schwingung.  Jeder Buchstabe hat  einen Ton.
Du kennst doch das Wort Gott? „, fragte ich.
„Ja“
„Nun, dazu gibt es ein ganz altes Wissen, das sagt, wenn du mit Gott sprechen willst, dann gibt es 72 Lichttüren.  Es sind 72 verschiedene Schlüssel, die dich mit dem Licht verbinden können.  Das sind also ganz viele Schlüssel.  72 verschiedene Kombinationen, die dich mit 3 aramäischen Buchstaben verbinden. Aramäisch ist eine ganz, alte Sprache. Und dann gibt es da noch eine Sprache, die nennt sich Hebräisch und auf diese Sprache hören die Schlüssel. Die Sprache soll schon so alt sein, wie der Turm, den sie in einem Land gebaut haben, das Babylon hieß. Das ist wie deinen Türmen in deiner Sandkiste. Da gab es auch Himmelgucker, die keine Lust mehr hatten, ständig den Kopf nach oben zu neigen, und darum bauten sie sich einen Turm. Naja, eigentlich wollten sie mit dem hohen Turm angeben, und  eigentlich soll es ein Baum gewesen sein, auf dem die Menschen bis in den Himmel klettern konnten, und als sie das auch taten, soll Gott alle Menschen von dem Baum geschubst und die Menschen  über die ganze Welt verstreut haben, und ihre Sprache hat er auch durcheinander gebracht.

Gleich müsste deine Mutter kommen und dich abholen…

Jeder Buchstabe hat eine bestimmte Schwingung, einen Ton. Jedes der 72 Worte weist auf eine Eigenschaft von Gott hin. Jeder Buchstabe steht mit einer Zahl in Verbindung. Buchstaben und Zahlen haben Kraft, sie haben ein Licht,  lieber Mo. Wenn wir sprechen, vibrieren deine Worte, dein Buchstaben, wir schicken auf diese Weise  Kraft in den großen, weiten Himmel. In jedem Bruchteil unserer Zeit erzeugen wir Welten. Das ist ein sehr altes Wissen. Die Geschichte davon  erzähle ich dir aber ein anderes Mal.

 

copyright
martina kunze

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5 Kommentare zu “Der kleine Mo und seine großen Fragen

  1. nakedberlin sagt:

    Danke für die wunderbare Geschichte und das teilen Deiner Worte in Humor und Liebevoller Tiefe!

  2. Margot sagt:

    Das ist mehr als zauberhaft wahr!
    Margot

    • martinakunze sagt:

      Danke dir. Von Herzen.
      Wie schriebst du in einer deiner Texte:
      „Gott ist einfach“.
      Ein Satz wie ein ganzes Universum.
      Der hat sich so in mir festgenagelt – den mag ich so sehr.
      martina .

  3. magguieme sagt:

    ich sitze auch auf deinen Knien und lausche… wusste gar nicht, dass sich die Farben in der Badewanne ändern; muss ich ausprobieren 🙂

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