Mit Theodor spielen wir nicht mehr

lehrer2

„Nein. Nein. Mit Theodor spielen die Kinder nicht mehr.
In jeden Quark steckt er seine Nase.
Stänkert wie`n Käse
Hat ewig Wiederkaugummi im Mund.

Manchmal kommt Gott dir entgegen auf deinem Weg. Indem er dich von etwas trennt, was du nicht zu opfern bereit warst, macht er dich ein Stück freier. 

wackelpudding

Ich saß inmitten eine Glasschale grünen Wackelpuddings in erbsgrünen Hosen und mit kirschrotem Wams.  Ein mysteriöser Zwischenfall brachte mich hier hinein.  Und so  ging ich meiner Sehnsucht nach Sommer nach. Hob ich den Finger, blühten die Rosen. Hob ich die Hand, rauschte die Welle im Meer. Zwischendurch eine Löffelchen Kunstpudding. Alles so wabbelig und glitschig hier. Man kann mit dem Finger hineinstochern, wie und wo man will,  alles ist biegsam. Schiebt man ein kleines Stückchen, passt sich gleich der ganze Pudding an.

„Emotionale Anpassung“ sagt Elain Hatfield dazu. Die Wissenschaftlerin spricht dabei  allerdings von  uns Menschen.  Wenn wir Geringschätzung an den Tag legen, veranlassen wir unbewusst andere dazu, sich ebenso zu verhalten. Wie ein Buschfeuer breite es sich aus. Und nicht nur Ihr unmittelbares Gegenüber, sondern auch passive Zuschauer. Emotionen wie Wut, Angst und Verachtung seien in hohem Maß ansteckend. Angesichts der in fast allen Organisationen gegenwärtigen Mobber sei es schier unmöglich, einen ganzen Arbeitstag zu absolvieren, ohne gelegentlich in die Luft zu gehen oder in Situationen zu geraten, in denen wir uns wie Widerlinge aufführen. Selbst ansonsten mitfühlende Leute verwandeln sich, wenn in einem vom klassischen Typ des dominanten, fiesen Mobbers geführte Gruppe, zeitweise in exakte Kopien des Alphamännchens.

Das Herz eines Menschen, das sich der Natur entfremdet hat, wird hart. Mangelnde Ehrfurcht vor dem Lebendigen und allem, was da wächst, lässt irgendwann auch die Ehrfurcht vor dem Menschen absterben, hört man von  Weisen der indigenen Völker.  Vielleicht ist das der Grund, warum es auf dieser Seite der Welt, so wenig feinfühlige und integre Menschen gibt?
Vermutlich pendelt daher unser Einfühlungsvermögen in Menschen und Situationen oft zwischen höchster Sensibilität und kühler Gleichgültigkeit.

Dass Gemeinheit eine ansteckende Krankheit ist, die man sich schon beim Boss einfangen kann, wird von vielen Studien belegt. Anhand von 177 zufällig ausgewählten Krankenhausmitarbeitern, zeigt eine Studie von M. Duffy auf, wie sich moralisch indifferent Vorgesetzte, die Hänseleien, Herabsetzungen und abweisendes Verhalten tolerierten, auf die Belegschaft auswirkten. Sechs Monate später stellten sie fest, dass Mitarbeiter, die für diese Bosse arbeiteten, sich überdurchschnittlich häufig selbst wie Widerlinge aufführten. Duffy erklärte in der New York Times, „diese moralische Indifferenz breite sich wie ein Bazillus aus.“  Ist man von Leuten umgeben, die wütend aussehen, fängt man an sich wütend zu fühlen.

„Eine Horde Arschlöcher“ wirke wie ein „Freundlichkeitsvakuum“, das aus jedem, der hineingerät, „Wärme und Freundlicheit“ heraussaugt und durch “ Kälte und Verachtung“ ersetze. (Ich mag diese rüde Ausdrucksweise nicht, ist aber nun einmal so formuliert). Man solle Menschen nicht nur nach ihren Erfolgszahlen und ihrem Wissen betrachten. Falls künftige Kollegen eigensüchtig, boshaft, engstirnig, unethisch, überarbeitet und körperlich angeschlagen wirken, habe man kaum eine Chance, aus dem Arbeitsplatz einen gesunden Ort zu machen. Im Gegenteil stoße man zu einer mit „Kotzbrocken“ besetzten Gruppe, laufe man viel eher der Gefahr, sich an deren Krankheit anzustecken. Das dünne Funier aus Höflichkeit, das über allem liegt, verberge  heftige und abstoßende Rechthaberei nur unzureichend. Mit rüden Unterbrechungen und sperrfeuerartigen Redeweisen werde zumeist gekämpft. So gut, moralisch, integer und willensstark, wie man sich selbst gern sehe, sei man nicht. Vor Ansteckung sei niemand gefeit.

Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass wir keine ohnmächtigen Schachfiguren sind. Wir müssen uns nicht klonen lassen.  Es ist leichter am Anfang zu widerstehen, als am Ende, hat Leonardo da Vinci einmal gesagt.  Anders ausgedrückt: Je mehr Zeit wir knietief in einer von Fieslingen dominierten Umgebung verbringen, umso mehr laufen wir Gefahr wie sie zu werden.

Ich piekste erneut in meinen Wackelpudding. Ein Gedanke fuhr mir durch den Sinn:
Hat doch alles nur eine Chance, wenn die Schäfchen an Abhängigkeit Freude haben.  Ich muss nicht zum dienstbereiten Instrument negativer Kräfte werden, die solch Denken brauchen, um ihre eigenen Süppchen zu kochen.

Und ich dachte weiter: Schon seltsam. An keiner Schule der Welt wird das Zu-Ende-Denken gelehrt. Nirgendwo wird die Stärkung des freien Willens und des Selbstvertrauens gefördert, die uns helfen würde, der Selbstbetäubung ohne inneren Kampf zu widerstehen. Abschätzen, wohin eine Billardkugel rollt, wohin ein Schachzug führt. Hinter die Kulissen blicken. Erkennen, Symptome täuschen nicht, Ursachen liegen mitunter freier, als wir es wahrhaben wollen. Wer Ursachen erfasst, behandelt Ursachen.
Es ist seltsam, aber  wohl auch wahr: Viele Menschen erkennen, was richtig wäre, und pflegen dann die Überzeugung, ihre Einsicht sei in irgendeiner Weise wertvoll, wenn sie auch nicht danach handeln. Sie sagen zum Beispiel: Ich weiß genau, wie ich mich als guter Lehrer meinen Kindern gegenüber verhalten würde – und dann wird tatenlos zugeschaut, wie genau diese Kinder in der Schule schikaniert werden.

rettungEin dunkler Schatten fiel auf den Pudding. Wenige Sekunden später  schoben sich zwei Hände  durch die Glibbermasse.  Sie hatte schweren Herzen ihr Löwenkind wieder aufgespürt. „Brunhilde, was für ein Glück. Hol´ mich hier heraus“, sagte ich fest und beobachte den grünen Glanz des Wackelpuddings, der mir von der Hose tropfte. Behängt mit hässlichen Wahrheiten sehnte ich mich in den Wald der Erkenntnis zurück. „Was setzt du dich denn in ne` Wackelpudding-Schale?“, fragte Brunhilde skeptisch.

„Ich will  an die Orte gehen, vor denen ich mich fürchte.“
“ Äh? Seit wann fürchten sich Menschen vor Wackelpudding?“
„Nun, tja, seit heute nachmittag. Ich wollte mich dorthin begeben, wo ich mit meinem Wissen am Ende war. Frische spüren „, erwiderte ich.
Stille. Die Stille um einen Menschen herum sagt nichts über sein Wissen und seinen Wert aus. Die Lautstärke mit der ein Mensch spricht, verrät auch nichts über seine Qualität.

Erinnern wir uns:
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Manche Früchte brauchen etwas länger um zu reifen,
als unsere Geduld und Aufmerksamkeitsspanne reicht.

„Jeden Tag, wenn wir mit anderen Menschen reden, bekommen wir deren Erwartungen, wie wir uns verhalten sollen, wie eine  Art Straßenkarte zurück. Erzählen wir, dass wir verwirrt sind, wollen sie uns oft in die Richtung weisen. Berichten wir von einem Schmerz, geben sie uns ein Rezept an die Hand. Teilen wir unser Wünsche mit, machen sie für einen Plan. Die Erwartung beherrscht einen großen Teil unseres Denkens und das Entsprechen oder Ablehnen dieser Erwartungen kosten uns viel Energie Na, du weißt schon,all das tun, was andere von dir erwarten, und noch mehr, auch noch die Hoffnung, dafür geliebt zu werden. Oder das Gegenteil sein, aufsässig, das Gegenteil dessen tun, was vielleicht nur zart angedeutet war, damit sich da ja niemand bemächtigt. Ist es nicht so?“, fragte  ich.

“ Ja, das ist so. Jenseits all der Pläne, all des Drucks und all der Erwartungen, jenseits aller Schubser, die wir von fast jedem erhalten, wissen wir aber  eigentlich gar nichts über unseren nächsten Schritt. Er ist unbekannt, Martina.  Deine  Aufgabe ist es, dich von den Erwartungen anderer zu befreien, wenn du das Wunder Leben staunend erfahren möchtest.  Frischeste Schritte gehen, frische Luft atmen, neue Gefühle fühlen, ohne auf jemand anderen zu reagieren. Staunend über das, was möglich ist“, erwiderte Brunhilde.

Irgendwas presste mir die Luft aus meinen Lungen.

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“ Frisch rein und klar bleibt nur der sprudelnd  fließende Bach, der sein Wasser freigebig verschenkt. Stehendes Waser verwandelt sich in einen stinkenden Sumpf. Eine indianische Weisheit, nicht von mir, meine Liebe“, sagte Brunhilde.  Lebensfreude vibrierte in ihrer Stimme. „Willste noch was Schlaues?“

„Gib mir alles!“ Ich lachte.

„Sei bereit, dich von Bindungen und Identifikationen zu lösen. Wo du Bindungen aufgegeben hast, hinnehmen und dem Fluss mit Freude am Leben begegnen.  Geh auf größtmögliche Distanz von Fieslingen. Du darfst aufstehen und  gehen. Verhülle nicht deine Gefühle, auch wenn du spürst, dass es dadurch kälter wird.
Wir müssen wieder lernen, wir selbst  zu sein und die Vielfalt in uns fühlen und entdecken.  Umkehr und Neuanfang, nicht Selbstanklage und schlechtes Gewissen. Und schon gar keine blockierende Resignation. Dieses „nicht schon wieder!-Geplänkel.  Ohne Glauben und Liebe ist alles nichts und nichtig. Schade nur, dass sich diese einfache Wahrheit so sehr versteckt im Alltag. Halte fest an deinem Urvertrauen. Das Leben ergäbe sonst keinerlei Sinn.  Und lass dir  niemals , hörst du , niemals die Freude an deinem eigenen Weg nehmen.  Ein großes Abenteuer, dass sich zu bestehen lohnt.“

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