Die tiefsten Augen öffnen

indianer

 

Die  Hirnforschung  sagt: man entwickelt sich nicht aus der Enge und der Begrenztheit, sondern aus der Fülle, aus dem Überfluß. Deshalb sind wir Menschen am Anfang unseres Lebens mit viel zu viel Nervenzellen ausgestattet – noch vor unserer Geburt sind wir das. Vorgeburtlich haben wir sozusagen schon die größten Verluste zu beklagen, ohne es gemerkt zu haben.  Die genetischen Programme wissen nicht, wie viele Nervenzellen man braucht für ein gutes Hirn. Sie wissen auch nicht, wie viele Nervenzellen man vernetzen soll. Deshalb geben sie uns Potential mit.  Es werden sozusagen erst einmal Vernetzungsangebote gemacht. Ein riesiges Überangebot an Optionen werden uns bereit gestellt.  Dann fangen wir an unser Hirn zu nutzen, wie das dann in der Kleinfamilie, in der Kommune, in dem Land, in dem Kulturkreis möglich ist, in dem  Umfeld, in dem wir eben heranwachsen. Und am Ende hat man dann das Gehirn, das in die jeweilige Kultur passt.
Jetzt ahnst du wohl, wo das Problem steckt?
Jetzt hat man sozusagen eine Situation, in der man sich optimal an die herrschenden Verhältnisse angepasst hat. Dabei ist auch einiges passiert. Es ist übrigens nicht das auswendig Gelernte, das unser Hirn vernetzt. Es sind immer die Erfahrungen. Deshalb sind die Erfahrungen auch so wichtig. Deshalb  nutzen wir auch niemals unser Wissen, wenn es um entscheidende Dinge geht, sondern wir greifen auf unsere Erfahrungen zurück.
Am Anfang unseres Lebens sind unsere Erfahrungen alle authentisch. Wir krabbeln selbst. Wir haben nach den Dingen gegriffen. Es existierte eine unendlich enge Bindung an den eigenen Körper. Alles wurde aus uns selbst heraus entwickelt. Irgendwann schafft die Identifkation mit dem Verstand aber einen undurchdringlichen Schleier aus Konzepten, Worten, Urteilen und Definitionen, Vorlieben, Abneigungen, Interpretationen, die jede wahre Beziehung blockiert.  Wiederkehrende Denkmuster, Tonbänder nach denen wir greifen und die uns Sicherheit,Geborgenheit und Zugehörigkeit geben sollen. Hunderttausende von Augenblicken angefüllt mit Denken und Erfahrungen. Mit zwei Erfahrungen starten wir aus dem Mutterleib heraus, mit denen wir versuchen, sozusagen als Potentialentfalter unterwegs zu sein.
Die eine Erfahrung ist die, dass man am Anfang des Lebens auf`s Engste verbunden war mit anderen.
Und die zweite Erfahrung ist, dass man am Anfang des Lebens immer gewachsen ist und über sich hinausgewachsen ist, körperlich, später auch mental.

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Diese zwei Erwartungen versucht man, also ähm ja, versucht man also  auch später im Leben umzusetzen. Das sind Erwartungshaltungen. Man erwartet also, weil sie beide so tief als Erfahrung verankert sind, also ja so ist das wohl, man erwartet bis ins hohe Alter, dass man diese zwei Grunderfahrungen oder Sehnsüchte auch erfüllt bekommt. Zugehörigkeit, Anerkennung, Wertschätzung, Geborgenheit. Das andere ist diese Sehnsucht, dass man doch irgendwie Aufgaben finden möge, die einem helfen, dass man wachsen kann. Das Bedürfnis nach Autonomie, nach Freiheit, dann nach, etwas leisten zu dürfen. Klar, dass genau dieses nicht so einfach ist, wenn man sich nach Freiheit sehnt und gleichzeitig gebunden sein will, befindet man sich in einem Dilemma. Solche Dilemma sind ja besonders interessant, weil sie  nicht lösbar sind. Man muss  die Lösung auf einer Metaebene finden, meint auf einer höheren Ebene. Von dort aus sind sie plötzlich lösbar.

 

Die Metaebene für die Lösung des Dilemmas zwischen dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Geborgenheit und gleichzeitig nach Autonomie und Freiheit, diese Metaebene ist eine besondere Form der Beziehung, die man  entwickeln muss. In der Führungsetage von Unternehmen nennt man diese Ebene ‘Supportive Leadership’. Das heißt, man müsste eine Beziehung finden, wie Menschen sich gegenseitig darin unterstützen, in ihre Potentiale zu kommen und gleichzeitig sich auch das Gefühl einander geben, dass sie dazu gehören.  In einer etwas  prosaischeren Weise nennt man das Liebe.  Sind wir wieder beim Pantoffeltierchen.

Dann macht man sich auf den Weg und es bildet sich das authentische Selbst heraus. Alles eigene Erfahrungen, nicht von außen aufgezwungen. Die Welt alleine entdeckt und dann lernt man irgendwann sprechen.
Spätestens dann  hört es mit dem Eigenen auf, dann wird man erzogen. Das authentische Selbst gerät in ein Dilemma. Eigentlich möchte es rebellieren. Aber das  Kind in einem  möchte gelobt und geliebt werden und will dazu gehören. Deshalb fangen wir an, Teile unseres authentischen Selbst zu bekämpfen. Ein schmerzvoller Prozess, etwas zu tun, was man gar nicht will, weil man etwas anderes tun will.
Das, was da entsteht ist ein Konstrukt: das Ich.  Das  Ich konstruiert man dann auf diese Weise. Teile dieses Ich`s sind einem…man hat sich verbogen…aus der eigenen Kraftleistung heraus gewachsen, deshalb identifiziert man sich auch noch mit dieser Leistung und hält, das, was konstruiert wurde für sein ICH und, hält es auch noch für vollkommen richtig.

Das Hirn ist eine Baustelle, sagen viele Hirnforscher.  Na dann, war wohl am Anfang meines Lebens  das Fundament noch ganz gerade und passte zu meinem Körper und zu meinen Erfahrungen. Dann wurde weiter gebaut. Da mein Baumeister immer drinnen war und  sich noch immer nur drinnen aufhält, merken weder er noch ich das Krumme an meinem Ich. Alles schief, aber mit Wohlfühleffekt. Baumeister meinen immer, alle müssen so ein Haus haben. Sie/Du also auch?  Dann wird das immer schräger bisweilen und manchmal eben so schräg, dass es anfängt zu wackeln. Also geht man nochmals zurück zum Fundament und sieht nach, wo man hergekommen ist. Wiederfinden, was man verloren hat. Potentialentfalter werden. Woran liegt das hirntechnisch, dass wir dazu neigen, in solche Entwicklungen hineinzugehen, die dann – gehen wir immer länger so – weniger Okay werden? Durch die Nichtbefriedigung der angesprochenen zwei Grundbedürfnisse bildet sich im Hirn Unruhe. Man hat ja eine Erwartungshaltung und das, was man sieht, ist anders als die Erwartung. Das kann man auch Stress nennen. Das kann man Leben vom Ego beherrscht nennen.  Das kann man  Angst nennen.  Angst vor Verlust, Angst vor Versagen, Angst vor Verletzung usw., Unbehagen, Sorge, Nervosität, Anspannung, Schrecken, Phobie – es gibt sie in vielfacher Ausformung.

Das Ego fühlt sich immer bedroht. Es fühlt sich sehr unsicher und verletzlich. Selbst so etwas Triviales wie das zwanghafte Bedürfnis, bei einem Streit Recht behalten zu wollen, ist durch die Angst vor dem Tod des Egos begründet. Als Ego kannst du dir es nicht leisten, Unrecht zu haben.

Wie finden wir die Richtung?

Die Hektik in unserer Umgebung ist eine gute Übung, die eigene Mitte zu stabilisieren. Gebt der Stille in euch Raum. Atmet Frieden.

Der Stille in uns Raum geben,  sodass wir in der Lage sind,  was wir erfahren, zu integrieren.

Dem Impuls unseres Herzens folgen.  Das Bild mit unserem tiefsten Atem umhüllen.
Wir können etwas in dem Maße fühlen,w ie wir bereit sind, uns auf etwas Tiefes einzulassen. So wir sehen und fühlen und unsere Schranken aufheben, können wir unser Herz öffnen und aus unserer eigenen Tiefe heraus leben.

Um tief zu sehen,  um tief zu fühlen, müssen wir uns tief öffnen.

 

 

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Ein Kommentar zu “Die tiefsten Augen öffnen

  1. Margot sagt:

    Das ist klasse! Wunderbar zu Weihnachten. Danke!
    Margot

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