Sei nicht für oder gegen

geh weg

Es begann einfach überall zu geschehen, wenn ich meiner inneren Führung folgte. Es ist die einfache Wahrheit.

Und plötzlich sah ich es – und musste laut auflachen.

Und jeden Augenblick kommen Vögel ins Zimmer geflogen – und fliegen wieder durch`s offene Fenster hinaus.
Und jeden Augenblick kommen Situationen angeflogen.
An Situationen fehlt es nie.

Es sieht fast so aus, als ob irgendwo im Hirn eine Täuschungszentrale arbeitet.

Aristoteles brachte die Sache der großen Täuschung bereits auf den Punkt, als er feststellte, Parmenides Beschreibung der Wirklichkeit käme dem Wahnsinn nahe, so nahe, dass man annehmen müsse, er habe kalte Füße bekommen und streue darum ein paar originelle Ideen über die Welt ein, um alle damit zu überzeugen, er sei nicht verrückt.

Die Welt der Täuschung. Eine Welt voller wohlig quälender Selbstwidersprüche, in der alles ein durchscheinender Schleier ist, der sein Gegenteil zugleich fein verhüllt und offenbart.  Nichts ist so wirklich, dass es berührt, geschweige denn festgehalten werden könne.  Licht und Dunkelheit –  nichts ist ohneeinander.  Aphrodite war nicht nur die Göttin der Schönheit. Sie war außerdem die höchste Göttin der Täuschung und Illusion, die ihre Opfer hilflos und benommen machte.  Der Trick ist, wie man dafür sorgt, dass sie hilflos bleiben.  Täusche sie so, dass sie denken, sie wüssten, was sie tun und sich einbilden, sie seien alles.

Verheimliche ihnen die Realität ihrer Situation, so lange, dass die meisten auch dann, wenn ihnen schließlich gesagt wird,  wie die Dinge stehen, dies niemals glauben werden. Im Thomas-Evangelium steht:  „Selig bist du, wenn du weißt, was du tust.“
Du kannst  bei den Geboten stehen und kannst weit weg von Gott sein. Diesen Gedanken drückt Hermann Hesse in seinem Buch „Narziß und Goldmund“ aus.
Du kannst dem Geschäftemachen den Rücken kehren, aber nicht dem Geschäftsgeist. Die Raffgier bleibt. Früher zählten die Münzen, jetzt zählen deine Gebete.  Deine Haltung ist deine Welt.

Hals über Kopf stürzen wir uns in die Welt der menschlichen Meinung. Mit einem einzigen Wort können wir Erinnerungen an ganze Szenen auslösen, in allen lebendigen Einzelheiten.  Was man offen ausspricht, ist nur der kleineste Teil dessen, was gesagt werden könnte.  Persönliche Signaturen in Wortspielen. Wenn du zu lange stehenbleibst, um nachzudenken, oder dich umzusehen, bist du verloren.

schiller

Ein ganzes Leben nichts als eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, die wir als Schleier vor unseren Augen tragen.  Ständig holen wir uns neue Schleier, mit denen wir uns umhüllen. Der Schleier des Wissens, der Schleier der Gelehrsamkeit, der Schleier aus diesem und jenem.  Man kann sehr gut in Täuschungen leben, aber falsch sind sie, auch wenn sie schön sind. Sie bringen uns nicht weiter. Du kannst dich im Traum zum Kaiser ernennen, aber du bleibst trotzdem Bettler.

Glauben, dass wir jemand sind. Jeder hält sich für etwas Besonderes. Niemand ist  – jemand!  Niemand ist – niemand!  Dieses Jemand-Sein ist Ego, ist eine falsche Größe, eine Erfindung. Daran klammern wir uns. Tun so, als ob. Diese Seifenblase unterstützen wir mit allen Mitteln: mit Geld, mit Arroganz, mit Ansehen mit Macht, mit Wissen, mit Selbstgeißelungen. Hauptsache beweisen, dass wir der Nabel der Welt sind.
Warum sollten ausgerechnet wir der Nabel der Welt sein? Die Welt gab es schon vor unserer Zeit, und die Welt wird noch da sein, wenn es uns nicht mehr gibt. Wir sind eine Welle, Wellen kommen und gehen. Nur das Meer bleibt. Diese So-tun-als-ob ist die Schranke.

Unser Ego ist eine riesige Menge. Eine Ansammlung von Erfahrungen, von Schatten,  von Spiegelreflexen. Das Ego braucht immer zwei, um zu bestehen. Das Ich existiert nur als Brücke zwischen mir und dem anderen.
Und man bilde sich nicht ein, man könne es mit eine Vielzahl von Meditationen fallenlassen.  Danach ist man wieder das Ego, nur ein Sich- selbst -fallen-gelassenes Ego,  dass sich einbildet, sich überwunden zu haben. Und sofort schauen wir wieder in die Runde. „Wow, einen so Ich-losen Menschen haben wir noch nie gesehen.“ Und sofort greifst du danach, dass du der Ich-lose Mensch bist.

Ent-Täuschung ist das Tor. Niemand braucht über heiße Kohlen laufen. Niemand braucht sich auf ein Nagelbrett legen. Aber durch das Leiden der Ent-Täuschung muss man durch.

Ich hab` von einem Betrunkenen gehört, der eine Straße entlanglief, eine sehr große, breite Straße. Er fragte einen anderen Mann: „Wo ist die andere Seite?“ Der Mann nahm sich seiner an und half ihm auf die andere Seite.  Als er auf der anderen Seite angekommen war, fragte er wieder einen anderen Mann:  „Wo ist die andere Seite?“ Der Mann versuchte ihn auf die andere Seite zu führen. Der Trinker blieb stehen und meinte: „Moment mal,  sie bringen mich auf die Seite von der ich gekommen bin und sagen sie sei da drüben. Wo ist denn nun die andere Seite?“

„Wo du bist, ist egal: Das entgegengesetzte Extrem wird zu anderen Seite und damit attraktiv. Denn Entfernung erzeugt Anziehungskraft. Du kannst dir nicht vorstellen, welche Anziehungskraft Sex hat, für jemanden, der versucht im Zöllibat zu leben. Du kannst dir nicht vorstellen, welche Anziehungskraft das Essen hat für jemanden, der fastet.

Was gilt es zu lernen? Extreme meiden.

Das Wesen,  das uns dazu verführt, ihrer großen Täuschung Glauben zu schenken, kann auch beschließen uns zum Ausweg daraus zu verführen. (Aphrodite)

sufi3Lehrer oder Meister?

Und dann ist da jemand, der glaubt, er ist weit, ist er aber nicht. Der andere denkt, er ist noch nicht so weit, ist er aber.  Und ein Meister muss sich in der allergrößten Kunst auskennen: in der Kenntnis des menschlichen Herzens – denn hier stellen sich die subtilsten Probleme, die es gibt.
Auf andere darf er nicht hören – das wäre schlimm. Er muss sein Süppchen im Stillen kochen. Auch andere kann er nicht hören, denn sie wissen nicht, was sie sagen. Sie wissen nicht, was in ihnen vor sich geht. Er muss sich auf sich selbst verlassen. Für einen Meister ist der Mensch das Maß aller Dinge – nicht die Menschen, sondern der individuelle, persönliche Mensch. Nicht die Menschheit, sondern du, ganz und gar, so wie du bist.  Er leitet keine allgemeinen Lehrsätze ab. Man kann nichts von dem, was er sagt, verallgemeinern. Verallgemeinerungen sind immer falsch.  Es kann auch gar nicht anders sein, denn es geht darum das menschliche Herz zu verwandeln.

Ein Lehrer überhäuft dich mit Informationen über Gott, über die Wahrheit, über Himmel und Hölle. Ein Meister öffnet dein Herz, er führt euch vor, was Wahrheit ist.
Ein Lehrer ist ein Irrer seine Lehre bedeutet ihm die ganze Welt. Er ist tot, lehrt eine tote Lehre. Er kümmert sich nicht um dich. Er besitzt eine Lehre und die gibt er weiter. Ihm geht es um die Lehre, nicht um dich. Du bist überhaupt nicht in seinem Blickfeld. Seine Lehre ist nicht für die Menschen da, sondern die Menschen für seine Lehre, für seine Ideologie.  Aber für einen Meister sind Ideologien Spielzeuge: Ideologien sind nur solange brauchbar, wie sie helfen, und verwerflich, wenn sie nicht helfen.  Dem einen dienen sie als Brücke, dem anderen dienen sie als Schranke.

Um einen Meister zu verstehen, musst du nah an ihn herankommen. Von einem Lehrer kannst du dich so weit entfernt halten, wie du willst, es macht keinen Unterschied. Es kommt nicht auf Nähe an, es kommt auf Initimität an.
Bei einem Meister musst du dich restlos aufs Spiel setzen. „Du kannst nichts von mir bekommen, bevor du nicht stirbst.“  Sich restlos hingeben. Worte, die man im Westen nicht gern hört. Alles, was tief ist, macht Angst. Im Westen kennt man nur Lehrer. Im Westen weiß man noch nicht einmal zwischen einem Lehrer und einem Meister zu unterscheiden, sagte einst ein indischer Weisheitslehrer.

„Wir tragen den Himmel in uns. Die Hölle auch. Jeder Mensch trägt wie eine Spinne sein eigenes Netz in sich Wir tragen es mit uns, und wo wir uns aufhalten, schaffen wir ein Netz aus alten Mustern. Wir haben eine Ahnung, vage, neblig. Wie unoriginell, nicht mal neue Fehler können wir uns ausdenken. Astrologie gibt es nur deshalb, weil wir Menschen uns so mechanisch verhalten. Durch Bewusstheit können wir uns der Deutung entziehen. Wenn der nächste Augenblick unbekannt ist, wenn er sich ergeben wird, wenn ich nicht weiß, was ich als Nächstes tun werde, dann kann ihn niemand vorhersehen. „

Sei nicht für oder gegen. Sei dir dein eigenes Licht.

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