LOVE

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„Ich will einen knallharten Coach. Ich will ein neuer homo sapiens postmodernus in der Liebe werden“, prustete ich aus meinem Mund voll mit Weihnachtskeksstaub hervor.

Mit betonter Herzlichkeit reichte ich Brunhilde den bunten Keksteller.
„Der sechste, liebes Brunhildchen!“  Wir feierten fröhlich Kerzenlicht-Kaffeerunde.

„Lady Swami Gauri Martina, die Meisterin der transzendentalen Meditation sitzt in ihrem weißen Wickelgewand auf nackten Füßen in ihrer Stadt der Sehnsucht  und malt Träume. Ihr Haupt umkränzt von Lorbeeren“. Ein Lachen sprudelte aus ihr hervor.

Brunhildes Sinn für Humor entging mir völlig.

„Es ist nicht immer einfach, ein neues Geschöpf in der Liebe zu werden. Es geschieht nicht auf einmal. Es zaubert dir keiner herbei – und es ist auch keine wissenschaftliche Theorie, sondern eine fröhliche Erfahrung in unserem winzigen Ausschnitt unserer Wirklichkeit und viel-erfahrenen Gewohnheit. Das geht weit darüber hinaus, deinen Nachbarn nett zu grüßen. Die Reise in die Liebe könnte einer deiner größten Abenteuer werden. Du wirst dein ganzes Sein öffnen müssen. Nichts, was nicht unverändert bleibt, Martina.

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„Möchtest du mir sagen, das Projekt sei zu gigantisch für mich, um für mich im Kleinen begonnen zu werden? Ich will mich nicht mehr durch meine Gewohnheiten fesseln lassen“, sagte ich. Meine Augen sprühten ihr zuversichtlich Lichtfunken entgegen.

„Nein, nein, ich bin nicht gegen Erfahrung. Es ist immer gut, zu erkennen, wie sehr unsere Gewohnheit für die Erschaffung der kompletten Welt, die wir wahrnehmen und in der wir uns bewegen, verantwortlich ist. Unsere festgefahrenen Spuren – die Macht der Gewohnheit. Ihr zu entkommen ist die eigentliche Aufgabe. Es geht nicht nur darum, eine einfache bewusste Entscheidung zu treffen, die man mal eben gemütlich im Sessel trifft. Dafür musst dir der Kräfte bewusst werden, die in der Welt wirken. Kräfte,  die uns unbewusst, taub, blind, benommen bleiben lassen. Du müsstest aufhören, mir meine Kekse vorzuzählen“, erklärte meine 82-jährige Freundin.

Ich lauschte atemlos. Zwischendrin kredenzte ich Brunhilde genüsslich den Keksteller.
„Du wirst hungrig sein. Sieben.“

„Herz-Gemüt,  handeln im Geist der Liebe, im Rhythmus deiner eigenen Seele durch die Welt gehen. Sorge, Furcht, Angst, Verurteilung, Hass, Zweifel, Überdruss, Langeweile  auslöschen. So viele Autoritäten haben einen solchen Lärm darum gemacht, dass wir die Machtfülle die das Königreich der Liebe, die uns allen innewohnt, vollständig übersehen haben. “

„Acht.“  Frohes Lachen.

„Mmh. Köstlich. Ich glaube, ich werde heute alt. Ich habe zu nichts anderem mehr Lust.
—– Wenn du deinen Kraftstrom der Liebe erweckst,  zählst du mir auch nicht mehr meine Kekse vor! Bedenke, der Leib ist Gott, und die Sinnesfreude, die der Leib gewährt, ist als göttliche Ekstase zu feiern!“ Sie tunkte Keks und Herz in ihre Kaffeetasse.“
Brunhilde war wunderbar, intensiv und überzeugend wie immer. Ein schöner Humpt-Dumpty-Nachmittag. Kekse bedeuteten ihr die Welt – ihre Kinderwelt. Sie schwelgte bei Keksen gerne in Erinnerungen, erzählte mir von den Gerüchen, den Händen ihrer Mutter, die den Teig kneteten, den Ring aus Mehl, den Butterflocken, dem Ei, das zielsicher in der Mitte landete, von ihrer Küchenzauberbox, die sie als Kind ritterlich bewachte, damit auch keiner ihrer Kekse ohne ihr Wissen entnommen werden konnte. Bei Keksen wurde ihr Herz melancholisch. Ihre Mundwinkel betraten den Raum des Lächelns.

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„Du willst dich also geistig auf eigene Füße stellen? Du willst dein Himmelreich in dir betreten? „

„Ja.“

„Du willst Schüler deiner eigenen Seele werden? Du willst Begrenztheiten fallen lassen? Um Erfolg zu haben, musst du wünschen, du musst glauben und du musst tun, Martina! Sonst bleibt dein Wunsch ein kleiner zarter Fluss.“

„Ja.“

„Du musst auf beide Füße fallen. Ein lauwarmes Interesse an dieser schöpferischen Energie reicht nicht. Du musst Einstellungen und Entscheidungen verändern. Wünschen und Glauben ist ohne ein entsprechendes Handeln tot. Du musst an den stillen Ort in deinem innersten Sein gelangen. Dein Beten muss ein wenig weiter gehen, als bis zur Zimmerdecke. Und erwarte nicht, dass es danach gleich bei dir klingelt..“

„Ja.“

„Du willst raus aus der Gebundenheit und Begrenztheit. Mach langsam, Martina. Dies ist kein Himmelreich, das man mit Gewalt einnehmen kann. Du wirst hadern. Es wird steinige Stellen in deinem Bewusstsein geben. Deine Glaubensinhalte, Konzepte und Einstellungen werden an dir nagen. Du wirst mitunter auch nicht vom Fleck kommen.  Auch das Scheitern gehört dazu – frohen Lachens. Es ist die Art und Weise, wie du hinschaust. Du solltest keine Ergebnisse mehr wollen.  Du musst Sein lassen.“

„Ja“  .
„Wir leben in zwei Welten, Martina. Du musst still werden, um hören zu können. Im geistigen Bereich zu wachsen, bedeutet dich mit den universellen Gesetzen des Lebens vertraut zu machen: dem Gesetz der Anziehung, dem Gesetz der Leere, dem Gesetz der Fülle und weiteren. Das sind nicht die Gesetze der materiellen Welt. Wenn du Monopoly nach den Regeln von Bingo spielst, funktioniert das auch nicht. Es ist ziemlich so wie der Unterschied  zwischen Atomphysik und Quantenphysik. In beiden herrschen andere Regeln.“

„Ja.“

„Was für eine Welt würde diese Welt sein, wenn wir alle gegeneinander offen sein könnten und voller Bereitschaft zum Schenken. Was für eine Welt würde diese Welt sein, wenn wir alle das Gesetz der Fülle lebten? Was für eine Welt würde diese Welt sein, wenn wir begriffen, dass die Freude unsere Stärke ist. Es wird nicht mangeln, solange wir wissen, wie wir unsere Hände füllen, aber solange der Austausch nicht in Liebe und freundlicher Gerechtigkeit erfolgt, wird er nur einige zur Gier und andere zum Hunger führen, sagte mir vor vielen Jahren ein alter und sehr weiser Mann.  – – Ich wünsche dir, dass du dein Licht findest.“

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2 Kommentare zu “LOVE

  1. M-M.Bauer@t-online.de sagt:

    Danke, für die Weiterführung der schönen Geschichte! Danke, für die Illustrationen! Eine Freude die Erzählung weiter zu verfolgen! Passt mir irgendwie gerade in die Adventszeit, von der mir aus der Kinderzeit ein paar Gefühls-Fragmente geblieben sind. Ob ich da anknüpfen soll, ist die Frage. Vielleicht besser, ich installiere meinen Advent mit Deiner Geschichte ganz neu! Allerdings ist mir noch nicht ganz klar, was [Neuer Beitrag] in diesem Zusammenhang für mich heute genau bedeutet. Das Blogger-Wesen will noch erarbeitet werden.

    Umarmung! Margot noch’n Anhang gefällig? Da geht’s um meine katholische Vergangenheit. So war’s wirklich. Allein, am Schluss die erinnerte Kuh-Szene entstammt einer anderen Kindheits-Erfahrung.

    • martinakunze sagt:

      Liebe Margot,
      ich lache. Du solltest vielleicht bedenken, dass alle Leser deinen Kommentar lesen können. Kommentare sind öffentlich, meine LIebe. hahahahah ich lache mich hier kringelig. Umarmung. Immer her mit deinen Themen. Bitte. Unbedingt. Du wirst es herausfinden. Ich bin mir sicher. Gott ist gut. Fröhlichen Abend noch und so lieben Dank. Du schenkst mir Freude.martina

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