Tu immer Dein Bestes

Tu immer Dein Bestes

thanks. Foto: J.W. Keedy

Ich schaffe das. Ich schaffe das. Ich werde  besser darin! Ich werde es schaffen!

Ich werde keine voreiligen Schlüsse mehr ziehen. Die Neigung habe ich nämlich! Sie etwa auch?

Naja, die Neigung haben wir alle irgendwie.
Nehmen Sie zum Beispiel die Zigaretten. Da steht er wieder, der miefige Piff-Paff- Raucher  und räuchert sein ganzes Umfeld gleich mit ein. Na, der Arme,  denke ich, ist ja nun mal eine Sucht. Kann er nix dafür! Nun erfahre ich, in seiner Zigarette sind zwar an die zweihundert verschiedenen Chemiesubstanzen enthalten, einige davon lösen auch nachweislich Krebs aus, vor allem bei denen, die Ausgeatmetes inhalieren müssen, aber nicht eine einzige der Substanzen macht süchtig.  Süchtig macht, die Lust nach dem tiefen Einatmen. Also jener Moment Genuss, der Rauchern, das gewisse Stück Entspannung und Wohlgefühl bringt, wie es ebenso eine Tasse Kaffee tut. „Warum erschmeckst du nicht lieber Rosinen in deinem Leben? Ist ja nicht gerade wenig, was dich von einem perfekten Selbst trennt, was! “fluchte ich stehenden Fußes in einer Nikotin-Stinkewolke.  Es wurde noch schlimmer mit mir. Ich gab ihm Ratschläge mit: „Schenke deinem Umfeld lieber Wohlgefühle und nicht dieses stinkende graue Etwas“, sagte ich und knallte ihm dabei einen Provence-Strauß über seinen Kopf. Schließlich ist der Geruchssinn älter als der Homo sapiens. Er ist einer der wichtigsten Sinne, um intuitiv zu beurteilen, ob Gefahr droht oder nicht. Gerüche sagen uns, ob wir entspannen können oder auf der Hut sein müssen. Gerüche vergessen wir nicht. Wenn uns ein alt bekannter Geruch begegnet, wird sofort unsere entsprechende Empfindung geweckt! Also qualme mich nicht zu. Sind Sie im kindlichen Stadium steckengeblieben? Erst Luft einsaugen, dann Milch einsaugen, dann Nikotin einsaugen. Wenn du Lust auf tiefe Atmung hast, Glückwunsch! Probiere es doch mal mit einer Meditation! Oder willste` etwa so bleiben, wie du bist?“, brummte ich ihm noch entgegen.

Ich schaffe das. Ich werde besser. Achte auf deine Gedanken, Martina. Vermutlich ist das alles mal wieder die Resonanz meines Unterbewusstseins. Ich kann das, was da draußen gerade geschieht, in meinem Innern verändern. Du kommst um die kleinen Schritte nicht herum, Martina! Geduld.  Erlebe dich nicht ohnmächtig, sondern handelnd.

„Wer besser werden will, hat`s nötig“, erklang es schlicht aus seinem Nikotinmund.
Sogleich donnerte ich ihm noch einmal den Provence Strauß auf den Kopf.

maedchenmilch3„Es gibt ein Yogasystem, das sich Patanjalis nennt. Es ist ein Arbeitsmittel, in dem eine ganze Philosophie steckt. Das könnte dir gute Dienste erweisen. Danach steckt unsere Persönlichkeit in fünf Samenhüllen, in fünf Körpern. Patanjalis ist ein indischer Weisheitslehrer. Er sagt, wir haben nicht nur einen Körper, sondern Schichten über Schichten von Körpern, genau gesagt fünf. Auch einen reinen Nahrungskörper. Deshalb sagt Patanjalis, man muss sehr wachsam mit dem sein, was man isst, was man in seinen Körper hineinlässt,  denn das macht dich aus, es wird dich millionenfach beeinflussen, weil Nahrung nicht nur Nahrung ist. Sie wird zu deinem Blut, deinen Knochen, deinem innersten Mark. Sie übt eine ständige Wirkung auf dich aus. Wenn der erste Körper rein ist, sagt er weiter, dann ist es einfach in den zweiten Körper- den Energiekörper – zu gehen. Wenn der Körper belastet ist, wird es schwierig Bewusstheit herzustellen. Nun ja, Millionen von Menschen sind sich nicht einmal bewusst, dass sie einen zweiten Körper haben – hinter der ersten Hülle versteckt. Menschen in Russland haben es bereits herausgefunden, noch bevor die Krankheit auf unseren physischen Körper wirkt, erleidet sie schon dein Energiekörper – sechs Monate vorher. Man kann also behandeln, bevor er krank geworden ist. Deshalb besteht Yoga so sehr auf die Reinheit des Atems.
Durch den Atem gelangt feinstoffliche Energie in deinen Körper.
Wenn du richtig atmest und das Richtige einatmest, bleibt dein Energiekörper gesund.

Kleine Kinder sind so voller Energie,  dass sie manchmal ihre Eltern in einer Stunde verschleißen. Sie springen, laufen, rufen, schreien. Warum haben sie so viel Energie? Weil sie noch wissen, natürlich zu atmen! Sie sammeln viel Atem im Bauch an. So tief atmet heute kaum noch ein Erwachsener und Sie als Raucher schon gar nicht. Schauen Sie mal auf das Bäuchlein von kleinen Kindern. Darin steckt Energievorrat. Die Brustatmung ist eine Notvorrichtung. Würde man in einer Notsituation in den Bauch hineinatmen, wären wir entspannt und gelassen, wäre man zu buddhagleich und könnte nicht weglaufen. Schlecht, wenn das Haus in Flammen steht!  Schlecht, wenn ein Tiger auf dich losgeht!
Wenn man immer von der Brust her atmet, wird man immer in einer sehr angespannten Verfassung sein. Man wird immer in Angst sein, denn die Brustatmung ist nur für Angstsituationen bestimmt. Statt die Zigarette an deinen Mund zu heben, solltest du deinen Bauch sich heben lassen!“

Ah, Martina, sagte ich mir, niemand ist perfekt. Andere sind alkohol- oder fernsehsüchtig. Verzeih` ihm diesen Makel. Halte dich zurück mit deiner Selbstoptimierungspropaganda.
Ein Wettlauf, den ich nicht gewinnen konnte. Und so folgten weitere schlaue Verbesserungsangriffe: „Je eher du deine Talente entdeckst, desto gezielter kann man sie fördern. Übe dich in Mantras. Magische Wörter jeden Morgen – und nach Bedarf – einen neuen Satz. Heften dir die magische Wörter an deinen Badezimmerspiegel oder an deine Tür. Wörter, die wohlig entspannen: Schlaf. Träume. Dahintreiben. Rosa. Bett. Fluss. Stille. Sanftheit. Tee. Duft. Weiche. Ruhen. Wohlgefühl. Meeresrauschen. Liegestuhl. Leise. Sachte. Zartheit. Harmonie. Sicherheit. Berührung. Gelassenheit.

Oder Wörter für Spaß bei der Arbeit: Jetzt. Sofort. Los. Schaffen. Energie. Erreichen. Komm. Erfolg. Ich will. Spaß. Vorwärts. Loslegen. Ja! Genau. Ziel! Wille. Push. Rhythmus.“

Und schon war ich mittendrin, im Schaffen jeder Menge emotionalen Giftes durch das bloße Ziehen voreiliger Schlüsse. Es gibt Augenblicke im Leben, in denen man glaubt, das Projekt der Selbstoptimierung scheitert.
Was wäre denn so schlimm, wenn er bliebe, wie er ist?, dachte ich.

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Lichttanz. Lucas Boira.

Oh, oh, der heilige Ort des Menschen liegt in seinem Bewusstsein, und das größte Heiligtum überhaupt befindet sich in seinem Unterbewusstsein. Der Mensch muss schweigsam über die Erde gehen, dann wandelt er auf dem Meer. Was tue ich hier nur wieder? Ohhh, wieder ein paar Bewusstseinsverwerfungen. Störungen. Weg mit der Sorge, Verstimmtheit, Nervosität. Weg mit dem Seufzen und Stöhnen. Konzentriere dich auf das Üben eines Prinzips, indem man sich Freundlichkeit, Mitleid, Freude und Nichtbeachtung gegenüber angenehmen, schwierigen, schönen und  hässlichen Objekten vergegenwärtigt.  Damit bewirkt man Bewusstseins- Abgeklärtheit. Oder übe dich im Hervorstoßen und Anhalten von Atem.

Das Problem ist, wir glauben, die voreiligen Schlüsse seien die Wahrheit. Wir ziehen Schlüsse über das, was andere tun oder denken – indem wir es persönlich nehmen – und reagieren, indem wir mit unseren Worten emotionales Gift senden. Jedem Klatsch begegnen wir mit Annahmen. Wir verteidigen diese Annahmen und versuchen andere in ein schlechtes Licht zu setzen. Wir sehen nur, was wir hören und sehen wollen. Wenn wir eine Sache nicht verstehen, stellen wir eine Annahme in Bezug auf deren Bedeutung auf.

Wir neigen auch dazu, in jeder Art von Beziehung von der Annahme auszugehen, dass andere wissen, was wir denken und wir ihnen nicht sagen müssen, was wir wollen. Die anderen werden tun, was wir von ihnen erwarten, weil sie uns ja so gut kennen. Und wenn sie es nicht tun, fühlen wir uns verletzt.

dance Lucas Boira

Innerer Abstand ist der Schlüssel. Mach dich frei von Überzeugungen und Ansichten. Innerer Abstand. Annähern an das, was wir ohne Konflikt erkennen. Geist beruhigen.  Tu dein Bestes.  Dann gibt es kein Bedauern. Egal, habe keine Angst, Fehler zu begehen. Irrtümer müssen begangen werden, sonst gibt es keine Wachstumschancen.
Lass ihn seine eigenen Antworten auf seine Lebensprobleme finden. Lass ihn verantwortlich werden.  Dann wächst sein Geistkörper. Meiner auch.

dance Lucas Boira4

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