Eine spontane Reise zum Papst

Eine spontane Reise zum Papst

Brunhildchen bekam eine Privataudienz beim Papst.Audienzkarte hat sie Online bestellt. Schönes Wetter. Petersplatz. Auf geht`s.

„Brunhildeeee? Du pfeifst dir einen Joint reinnnnn….mit 82 Jahren!!! Waaaas ist los?????? Afrika Bambole???? Jetzt langt`s aber! “

Derweil johlt und klatscht sich meine 82-jährige Freundin in Rage. Ihre Augen blitzen, ihr Körper zuckt. „Hunka-Tschanka. Hunka-Tschanka! Action!“ schreit Brunhilde. Dieser Aufruf gilt mir. Ganz klamm wird es um mich herum. Sie plobbt aus der Rauchwolke lauter Ahs und Ohs in die Lüfte. Augenrollend umtanzt sie meinen Pott Tee. Dramatisch. Dramatisch, denke ich.

brunhilderaucht

Sie ist außer sich vor Zorn. foto:kunze

„Wir fahren noch heute nach Rom! Ischhh hab`ne Audienz beim Papst“, lallt sie mir frenetisch entgegen.

Das sitzt!

„Beim Papst???“, frage ich. „Mit Palästinertüchern oder komischen Rasta-Frisuren? Great Girl, very talented. Sie tut ganz fürchterlich afrikanisch. „ Wir??…..Zum heiligen und hochverehrten Bimbams? Der hält uns bestimmt für zwei doofe Studentinnen, die mal ganz vorurteilsfrei seinen Segen erhalten wollen!“ juxe ich ihr zu.

Noch glaube ich an einen Scherz. „Ein paar Stunden Bedenkzeit vielleicht?“, merke ich belustigt an.

„Bedenkzeit kriegste nicht. Hier sind die Tickets für unseren Bustrip nach Rom. Gepackt ist alles. Gleich geht`s los.  Die Kanne muss mit in den Beichtstuhl. Vorher noch einen kräftigen Schluck! Wird schon keiner was mitkriegen.“
„Die Kanne bleibt da, Brunhilde.“ Mein temperamentvolles Aufbäumen zeigte keinerlei Wirkung auf sie.

In der Kanne vermutet Brunhilde den ultimativen Seelentröster. „Den trinke ich, wenn weißer Zorn in mir aufsteigt und wenn es anfängt, in meinen Gallengängen zu randalieren!“, verteidigt  Brunhilde ihr flüssiges Schäflein.

„ Ja, dann, gute Nacht.“

„Ich werde dem Papst die Farbe aus seinem Gesicht jagen! Wir wissen es jetzt alle,  werde ich ihm sagen.  Die Vergangenheit wird bezahlt, weil die Kirche im Jahr 1803 im Zuge der Säkularisation Enteignungen hinnehmen musste. Dann singe ich ihm ein Loblied auf meinen gesunden roten Zorn.“

„Wieso bist du zornig? “

„Hast du es nicht verstanden? Die Kirche hat daraus das größte Geschäft ihrer Geschichte gemacht. Staatliche Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhen bis zum heutigen Tage – seit mehr als 200 Jahren werden Milliarden beiden Kirchen gereicht, der evangelischen und der katholischen Kirche. Nicht etwa aus dem Topf der Kirchensteuer, sondern aus dem allgemeinen. Beladen mit den schlimmsten Greueltaten aus jenen Jahrhunderten sitzt da der Kirchenvertreter, ein Kölner Weihbischof und lacht auch noch in die Kamera, er lebe ja bescheiden in einer 3-Zimmer-Wohnung ohne Fahrstuhl, und überhaupt, so isses nun, es bestünden doch Rechtsansprüche? Bitte??…Herr Weihbischof haben Sie schon vergessen, wie Kirche oftmals zu Land kam?“

„Ähm…Alle Steuerzahler sind davon betroffen? Das geht doch nicht! Dann würden ja alle Nichtkirchengeldzahler, Andersgläubige als auch Atheisten die KIrche in allen möglichen Formen mitfinanzieren? “

„Und ob! Es geht! Unsere Politiker haben es möglich gemacht! Man will es kaum glauben, aber es ist wahr!  Wir – ob in der Kirche oder nicht – zahlen jedes Jahr an die Kirchen, weil irgendwelchen Bischöfen zu Zeiten Napoleons weitere 20 Lehen genommen wurden. Ah! Oh!“ Brunhildchen nimmt einen langen Zug.  Der Qualm wird dichter und dichter. „Oh! Ah!…..Und damit nicht genug, waren es unsere Politiker, die mit den Kirchen solche Verträge schließen mochten. Sollen diese Verträge jemals aufgelöst werden, müssen die Zahlungsempfänger zustimmen, so steht es in den Verträgen!   Und ohne eine bindende Ablösesumme kommt  schon mal gar keine deutscher Steuerzahler davon. Über 200 Jahre jährlich Milliarden aus dem allgemeinen Steuertopf. Oh! Ah! Oh! Oh!  Diese Priesterleine“, schrie sie gequält. „Und diese Politiker erst!“

„Und diese Pastorleine“, ergänze ich. „Da muss eine  großartige Kirchenfrau wie die Frau Margot Käßmann wegen eines Glases Weines zu viel und einer roten Ampel zurücktreten und die wirklichen Skandale finden an ganz anderer Stelle statt“, sage ich und stecke mir ein paar geröstete Mandeln als Nervenfutter in den Mund.

„Man kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hände, meinte sie damals. Naja, bei einer Staatspension von vermutlich 7000 Euro kann der Fall nicht so tief  gewesen sein!“, wettert Brunhildchen weiter. „ Oh nee o nee! Wie kann sich die Legislative ihre Gesetzgebung nur aus den Händen nehmen lassen. Stoppt diese Zahlungen! Sie sind verfassungs-und sittenwidrig! Unsere Politiker müssen umnachtet sein! Gesamt Ostdeutschland ist auch gleich noch mit jenen Verträgen über den Tisch gezogen worden.“

„Das einstige Land der Atheisten ist auch davon betroffen?“

„Ja, und der Günther Jauch mochte als treuer Katholik seinen Studiogast den Herrn Bischof auch nicht weiter auf die Finger hauen, als dieser kundtat,  sie würden von Einnahmen aus Besitztümern finanziert.“

„Auch für Sie, lieber Herr Jauch,  Gehälter von Bischöfen, Kardinälen, Erzbischöfen und Weihbischöfen, von Kanonikern und Oberkirchenräten, von Domvikaren und Messnern, von bischöflichen Sekretären, Militärbischöfen-und pfarrern, wie auch Reparatur und Erhalt zahlreicher Kirchen und kirchlicher Gebäude, Ausbildung der Priester und Theologen, konfessionelle Religionsunterricht an öffentlichen Schulen werden von unseren Steuergeldern finanziert. Wohlgemerkt aus dem allgemeinen Steuertopf,  während beide Kirchen unsere Kirchensteuer in ihren Sparstrumpf stopfen.
Du kennst doch den von mir sehr geschätzten Herrn Drewermann. Katholischer Theologieprofessor, als Andersdenkender vor vielen Jahren aus seiner Kirche hinausgeworfen. Dr. Eugen Drewermann. Er sagte erst jüngst auf nw-news.de: Die katholische Kirche habe enorme Rücklagen und sei der größte Großgrundbesitzer in Deutschland. Das sei der eigentliche Skandal, nicht der Limburger Bischof…In Köln und München leben die Bischöfe schon auf einem so großen Fuß, da muss sich Limburg erst einmal hin hocharbeiten. Bewusstseinserweiternd was? Hauptsache der blinde Kirchenvolkshaufen rennt jeden Sonntag wieder in die Kirche, dankt und tut Buße.“

„Der unter euch ganz und gar ohne Sünde ist – in Gedanken, Worten und Werken, der werfe den ersten Stein“, gebe ich altklug von mir und versuche damit Brunhildchen zu besänftigen.

„Da wirst du nichts Hartes fallen hören! Aber erzähle ich den Menschen, ich sei der direkte Vertreter Jesu, erkläre ich mich auch noch zum Heiligen Vater, der eigentlich Gott ist,  und kehre am Ende noch beiden den Rücken zu? Mein Höllenkompott hätte ich noch in die Reisetasche packen sollen!“

„Klingt so, als würdest du dich gerade köstlich amüsieren. Seit 70 Jahren sollen diese Verträge abgelöst werden. Man kann wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Vermutlich sorgten sich  alle Politiker der letzten Jahrzehnte  und bis zum heutigen Tage darum, im „Fegefeuer“ zu landen, wenn sie nicht dafür sorgen, dass jene Forderungen nicht „bis in alle Ewigkeit“  erfüllt werden…“, sage ich lächelnd.

joint „Oh! Ah! Ich spreche da mit alle Mann!“ Sie seufzt, vereint mit einem Joint. “ Das geht nur mit Smoke, anders überstehe ich dieses heuchlerische Lügenkartell nicht. Kennst du ihn noch? Edmund Stoiber, überzeugter Katholik. Der soll 1998 an den damaligen Kultusminister geschrieben haben. Er wisse das Haus des Kultusministers  habe in den letzten Jahren  Körperschaftsrechte an Orden nur dann verliehen hat, wenn deren Mitgliederzahl deutlich über 200 lag. Der Deutsche Orden umfasse zwar nur knapp 30 Fratres und Patres, doch die Altersstruktur sei in diesem Orden sehr günstig. Es geschah, was geschehen sollte. Aus dem Orden wurde auf Drängen von Herr Politiker Stoiber eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Nur kurze Zeit später ergab sich: Der Orden hatte damals Schulden von ca. 350.000.000,00 DM. Der Staat, also wir Steuerzahler, mussten die Schulden bezahlen. Nicht anders verhält es sich mit dem Bistum – dank unserer Politiker sind unsere Großkirchen Körperschaften des öffentlichen Rechts. A 13 und mehr. Das langt doch wohl!“

„Ob die jemals von ihrem Gewissen überführt werden?“, sage ich.  Wir näherten uns dem Vatikan. “ Oh nee, oh nee, hoffentlich wirst du nicht mit Gras erwischt oder schläfst in der Sixtinischen Kapelle ein!“sage ich weiter und beobachte sie aus den Augenwinkeln.

„Jede Menge Subventionen fließen sowieso schon an die ach so armen Kirchen. Die katholische Kirche ist der größte Großgrundbesitzer in Westeuropa, mindestens Deutschlands. Eigentümer von unzähligen Firmen, Häusern, Aktien. Mich wundert es nicht, dass man vom Papst vor einigen Jahren nichts zum Thema Investmentbanker hörte! Eine örtliche Kirchengemeinde baut einen neuen Kindergarten, sie zahlt nur ein Drittel, der Staat zwei Drittel. Die Kirche wird jedoch alleiniger Eigentümer – oft wird das Grundstück sogar geschenkt!“ Sie zog erneut an ihrem Joint. „ Ohne Joint schaff` i das net, sonst knall` ich dem noch meine Thermosflasche an den Kopf! Das ist doch Vodoo auf katholisch und evangelisch! Kirchenlobby in der Politik, dreister geht es nicht mehr! Unsere Politiker haben „unkündbare“ Konkordate und Staatsverträge mit den beiden deutschen Großkirchen abgeschlossen, zusätzlich zur Kirchensteuer, zusätzlich zu weiteren  Milliarden, Kostenübernahmen für die Instandhaltung von Kirchenobjekten, Straßenschildern, kirchliche Sozialeinrichtungen. Seit 2010 soll  das Land Schleswig-Holstein vergeblich mit der evangelischen Nordelbischen Kirche verhandeln, um eine geringfügige Kürzung des jährlichen staatlichen 12-Millionen-Geschenks an die Evangelische Kirche zu erreichen. Die Geistlichen denken nicht daran. Plus all die Taten und Mitläufertum während der Nazizeit, ohne jegliche Aufarbeitung, plus all die schrecklichen Geschichten um sexuellen Missbrauch hinter verschlossenen Kirchentüren. Plus all jene Priester, die heimlich ein Doppelleben als Familienväter führen müssen. Plus jene Unverfrorenheit, eine Erzieherin wegen Ehescheidung zu kündigen, in einem Kindergarten, der zu hundert Prozent von allgemeinen Steuergeldern finanziert wird! Ich frage dich, was hat das mit der Botschaft Jesus zu tun? Diese Geistlichen gehen wohl mit Jesu nur an Sonntagen spazieren. All euer Tun soll zeigen, dass Jesu euer Herr ist.  soll mal in die Gänge kommen und sein Haus aufräumen! Und dann sitzt da noch so ein Kölner Weihbischof vor laufender Kamera und lacht, weil es ja eben so ist, wie es ist und beruft sich auf jene Verträge. Haben die Kirchen schon ihre Greueltaten aus jenen Jahrhunderten vergessen. Erinnern  sich beide Kirchen nicht mehr daran, mit welcher Brutalität und Gerissenheit, sich Kirche Land aneignete? Der Reichtum der Kirchen ist auch Blutgeld. Die Tonnen an Gold wohl das wenigste. Und die werten Politiker? Öffentliche Gelder. Da muss doch jemand fragen, wenn sowieso schon viel da ist, wie viel geben wir da rein?  Wofür? Und wie viel Mitspracherecht resultiert daraus. Keine Denkverbote – Haltung wäre angesagt, sowohl oben, als auch unten in euren Häusern! “

Rotgesichtig und zappelig macht Brunhildchen sich auf den Weg…….

Quellen: Zeitschrift „Der Theologe“, Herausgeber Dieter Potzel
               Wirtschaftswoche, nw-news.de
               Verlag Das weisse Pfer

http://www.stop-kirchensubventionen.de/dotationen_gemeinden.html.

Im Jahr 2009 griff Panorama das Thema wiederholt auf. Nichts scheint sich bisher getan zu haben.
Informationen zum Thema:
2002http://daserste.ndr.de/panorama/media/kirchen100.html
2009  http://daserste.ndr.de/panorama/media/panorama260.html

ZDF-Bericht vom 24.9.2010

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