Worte sind wie Wind und Wellen. Taten bestätigen oder entkräften sie

Worte sind wie Wind und Wellen. Taten bestätigen oder entkräften sie

Happy Meal. „Komm, binde dir die Schuhe zu.  Leg` dir deine Ponyfransen gerade. Zieh deinen schwarzen Pullover an, stell`die Bücher ins Regal zurück, knips`das Licht im Arbeitszimmer aus. Wir gehen essen. Dicken Fisch aus einem kleinen Teich“,platzte es aus ihr heraus.
„Jetzt?“
„Jetzt. Ich stehe schon vor deiner Tür!“
„Du machst mich fertisssch!“ Ich flitze lachend vor die Tür.
Sie sitzt in ihrem Mercedes mit Wasserabpralllackierung und strahlt vor Glück. Das Auto meiner lieben 82-jährige Freundin gleicht einer fahrenden Bücherei.  Marc Aurel. Imanuel Denk-Lehren. Der Lichtweg. Die Urreligion. Briefe zur Lebensweisheit. Hildegard von Bingen. Und jede Menge Boulevard-Blätter mit Kreuzworträtseln. „Für meine Freundin. Die ist schon 99 Jahre und freut sich immer, wenn ich ihr die Heftchen bringe.“ Seit Monaten parkt eine wunderschöne Pflanze in einem handmade Übertopf auf dem Boden. Brunhilde weiß noch nicht, wem sie die schenken möchte. Wir gießen sie bei jeder gemeinsamen Fahrt.

Eine Dreiviertelstunde später betreten wir ein romantisches Weinlokal auf einem hohen Berg mit Blick auf den  Rhein.

„Hab dich vermisst“, sagt sie.
“ Du brichst mir das corazòn. „, sage ich.
„Lüge!“, sagt sie.
„Dachte schon, du hast mich aus Mitleid mitgenommen“, sage ich.
„Die dämliche Nymphensittich-Marotte hab ich längst abgelegt. Aus Mitleid? Dann werd ich dich ja nie wieder los“, sagt sie.
Wir lachen uns schlapp.
Auf unserem Tisch steht das Konzentrat einer Landschaft.  Gaillac in der Nähe von Toulouse. Atlantik, Mittelmeer und Gebirge. Vine de Autan, tiefgoldene Farbe, Nase von kandierten Früchten, Aromen von Quitte und Birne. Vollmundig.
„Üppig. Üppig, Brunhildchen!“, sage ich.
„Wollen wir über das Älterwerden philosophieren oder über Lügen?“, fragt sich mich.
“ Charmante Auswahl. Über das Älterwerden…bei so einem guten Wein?  Nein, das klingt trostlos. “
“ In vino veritas. Lass uns lieber über Lügen und Wahrheiten reden. Lügen sind handlich, weil man sie selbst basteln kann“, sagt sie. „Sie passen einem in den Kram. Die Wahrheit kann man sich nicht ausdenken. Der Wahrheit wirst du dich anpassen müssen. Sie lässt sich nicht zurechtschneiden. Lügen sind schön, weil du dich nicht zu ändern brauchst. Du änderst einfach die Lüge und schon sitzt sie. Sie ist sehr kuschelig. Du darfst bleiben, wie du bist – immer derselbe. Die Lüge richtet sich nie gegen dich“, sagte Brunhilde.

„Mmmh…Und die Wahrheit?“ fragte ich mit einem bohrenden Lächeln.

„Der ist es egal. Die Wahrheit ist schon da. Sie muss nur entdeckt werden. Jeder hat seine eigenen Lügen. Sie sind sehr anschmiegsam. Darum werfen Lügner auch mit Steinen auf jene, die Wahrheiten sagen, denn wenn sie Recht haben, wäre ja ihr ganzes Leben im Unrecht. Lügner lassen nicht zu, dass ihre Lügen zu Bruch gehen.

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Blacky von der Pfalz.

Da ist der, der ausbeutet, sich selbst bereichern will, einzig auf Geld aus ist, mit der Haltung eines Geiers ständig nach Nützlichkeit ausschaut, ein zur Profitgier Heruntergeschrumpfter, wie dein Blacky von der Pfalz, dieser Pfennigfuchser mit Berechnungsschlüssel, der sich seinen eigenen Absichten genügt, sich und sein Umfeld täglich belügt – …“

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Tulpen-Paula: „Lass mich ehrlich werden“, fleht sie jeden Morgen mit all der Inbrunst und Hoffnung in ihrer Lebensphase des Ego-Ichs.

Ich  wirbelte meinen Dessertlöffel zwischen meinen Fingern und fiel ihr ins Wort. „Ja, unglaublich lustig. Nichts therapiert so sehr wie das Leben. Tulpen-Paula passt zu seinem Problem wie ein Schlüssel zum Schloss passt.“
„ Es wird schon nicht im Notarztwagen enden“, lacht Brunhildchen.
„Nein, sicher nicht!“  Sie wird sich mit einem Zum-Glück-Blick und einem Kulturbeutel in den tropischen Regenwald zurückziehen und sich dort  im Bett eines Truckers wälzen. Er wird mit einem Das-überwinde-ich-nie-Selbstmitleidsblick, einem Millionenschuldenhaushalt seine Umgebung zujammern und jede seiner Gesten mit der Bemerkung Du- kannst- dir- gar- nicht- vorstellen, -was- ich gerade- durchmachen-muss begleiten. Es wird bei ihm immer um ziemlich viel Bier und Whisky gehen; sich dabei  an seinen Traum vom vierten Reich klammernd. Auf seinem Grabstein wird zu lesen sein: 30 Jahre habe ich gehofft. Und seine Kinder werden mit Diktatorenstimmen und teilnahmsloser Miene „Woowoowoo, das haste` jetzt davon, du Assi“ jodeln.“   Voila`.
„Es gibt sie überall – die Lügen. Politikerlügen, Wirtschaftslügen, Statistiklügen, Steuerlügen, Medienlügen, in Geschichtsbüchern, selbst auf den Grabsteinen finden sich die größten Lügen“, fuhr Brunhilde fröhlich fort.

„Und da ist dann noch Facebook, das Schwarze Loch, das alle an sich reißt.“
„Facebook? Was ist das?“
Bling-bling. Je älter Brunhilde wurde, je heiterer schien sie. Ich legte meinen Kopf schräg. Würdevoll bauscht sich in meinem Gesicht ein kleines Doppelkinn auf. Wie wunderbar, wenn es noch Menschen gibt, die sich einander persönlich begegnen müssen, um einander zu verstehen. Ich feiere den Augenblick.
„Tja, was ist Facebook? Facebook bietet einer völlig ‚versingelten‘ Gesellschaft ein beheiztes Wohnzimmer, in dem alle miteinander chatten und so der Gefahr von der grenzenlosen Sehnsucht nach totaler Zuwendung allzu sehr enttäuscht zu werden, erfolgreich ausweichen können. Da finden sich auch Werbeplakate von Bundesministerien. Die werden auf facebook gepostet.“, erkläre ich und füge hinzu:
„Und dann sind da doch auch noch diejenigen, die uns erzählen, das Königreich sei im Himmel.“ Ich verdrehte die Augen. „ Oooh, meine gesamte Kindheit und Jugend war diesem Bild geprägt. Ich sah immer nach oben in den Himmel, wenn vom Königreich im Himmel die Rede war.“

Brunhilde richtete sich auf: “ Das ist ja man nun eine Lüge derjenigen, die vorgeben die Vertreter Gottes zu sein und uns erzählen, ohne sie, würden wir das Königreich nicht finden. Dabei sprach Jesus: Hört nicht auf jene, die  sagen, das Königreich sei ihm Himmel, sonst lasst ihr euch das Reich auf immer und ewig entgehen. Denn das Königreich ist in eurem Inneren, nirgendwo anders! Und es ist außerhalb von euch. Es ist drinnen wie draußen. Gott ist nicht der Maler, der da außerhalb irgendwo sitzt und sein Bild malt. In uns sitzt die Schöpferkraft. Wir sind der Herzschlag Gottes. Der einzige Unterschied zwischen irgendeinem von uns und Jesus ist: Jesus wusste, dass Gott sich durch ihn ausdrückte. Jesus wusste, dass es keine Trennung gab. Wir denken, dass es möglich sein könnte, an einem guten Tag. Wir hoffen es. Aber er war sich dessen sicher. Er sagte: „Ich gehe fort, aber ich werde trotzdem immer bei euch sein!   – Nun ja. Ich habe auch so einiges gehört, was angeblich von Gott kam, und es kam nicht von dem Gott, den ich kenne.   An legendären Ausschmückungen und Übertreibungen fehlt es also nicht einmal in der Bibel. “

„Eben. Und von Seiten der Theologen gibt es bis heute kaum Schluckbeschwerden, auch wenn die historischen Angaben in den Evangelien keineswegs zuverlässig scheinen.“

Ich sehe Brunhildchen tief in die Augen und sage, was ich fühle: „Danke. Es tut mir gut im Herzen, dass du mir von etwas erzählst, was für dich selbst sehr persönlich und eine große Erfahrung ist.“
Mit einem nachdenklichen Blick sagt sie leise: „Und ich bin froh, dass du mich nicht fragst, ob ich Medikamente nehme, mir mit einem Hör auf damit begegnest oder mich von Aktion Mensch abholen und in die Praxis fahren lässt. Ich bin davon überzeugt, er steckt in uns. Aber wir suchen nicht in uns nach ihm. Erkennt  euch, dann werdet ihr erkannt. Er sprach auch von einem lebendigen Gott. Es ist ein Gleichnis, ein Bild für eine tiefe, organische Beziehung. Dieses ganze Universum kümmert sich um dich, um mich, um uns. Bewusstheit ist nun einmal der Schlüssel. Selbsterkenntnis. Es ist alles in dir. Zwischen dir und Gott stehen einzig deine Gedanken. Wir sind der Herzschlag Gottes. Er ist in uns. “ Sie schaut mich an. Sehr direkt schaut sie mich an.

zirkusWach auf und träume, sage ich mir. Wenn ich morgens aus dem Bett steige, gelingt das, weil ich davon überzeugt bin, dass ich es kann. Die Macht des Glaubens ist also eine tägliche Erfahrung.

Die Welt der Quanten kam mir in den Sinn.
Unsere  Erfahrung beruht auf Bewusstsein.  Wir wissen heute, dass Materie ein Gewebe von Energien ist, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde, so formulierte es einst Max Planck. In der Quantenwelt gelten ungewohnte Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten im Meer aller Möglichkeiten. Diese Welt besteht also aus Wellen und Wahrscheinlichkeiten,  in unserem Körper und sie gehen fließend über bis hinein in das Universum hinein. Organismen – auch der Mensch- sind materielle Raum-Zeit-Konstruktionen, die quantenphysikalischen Gesetzmäßigkeiten unterliegen.  Die wichtigsten Impulse kommen aus unserer Gefühlszentrale, dem Herzen. Alle Interessen, alle Werte, jede Motivation beruhen auf Gefühlen. Gefühle sind Energiespezialisten für die Realitätsschaltung.
In Kontext dieses neuen (alten) Wissens aus der Welt der Quanten stellt selbst die Himmelfahrt Christi ein überwindbares Phänomen dar, denke ich.  In extrem seltsamen Augenblicken überfallen einen extrem seltsame Gedanken.

„Wozu gibt es dann noch die Kirche, einen Vatikan, einen Priester, wenn wir alles in uns finden, wenn Gott in uns existiert, so wie ich bin?“ frage ich. „Und was ist mit den Ungereimtheiten in der Bibel?  Lukas erzählt eine andere Geschichte als Matthäus. Das Matthäusevangelium war abhängig vom Markusevangelium.  Das Markusevangelium gilt als das älteste.  Die Reihenfolge soll darin nicht stimmen. Er schrieb die Worte Petrus auf, sagen die einen. Andere zweifeln dies an,  weil Johannes Markus immer nur als Begleiter von Paulus erscheinen lässt.  Will ich wirklich Jesus, sein reales Leben kennenlernen, eignen sich vermutlich die Evangelien nicht. Was weiß ich denn schon. Weniges aus seiner Kindheit und dann als dreißigjähriger Mann, als er gekreuzigt wurde. “

„Aber wichtig sind doch seine Botschaften“, entgegnet mir Brunhilde.
„Mmh ja,  aber die stehen  nun einmal in der Bibel und die Schriften sind  nun mal eingebunden in theologische Leitideen  und Halbherzigkeiten der Kirche und vor allem in  handfeste Interessen.  Die Kirche spricht vom Tun, von Moral. Jesus spricht vom Sein, weil er wußte, wenn Menschen im Sein wurzeln, ändert sich alles, dann wird Beten reine Dankbarkeit. Dann wird Geben zum Mitgefühl.  Zum Licht werden, das ICH bin.  Wenn Liebe, Mitgefühl und Licht aus dir kommen, zeigt es, dass die Ganzheit erreicht wurde.  Ab ins Innere, in den innersten Kern. Liebe an sich ist der Wert. Gibst du aus Freundlichkeit oder für dein Ego?  Ein Bischof, der sich  für 31 Millionen einen Bau hinstellen lässt, meinst du, der betet noch aus dem Herzen heraus?  Da oben ist Gott – hier unten bin ich der Mensch.  Jesu Verkündigung ist die Liebe, er predigte nichts von einer Hölle, das tat die Kirche, er wollte Gefangene befreien, Blinden das Augenlicht geben, Armen die frohe Botschaft bringen. Jesus sagte, heilt die Kranken,  nicht lehrt sie die Wahrheit.  Er sagte nicht, zwingt sie, meine Botschaft zu glauben.  Macht sie ganz, das ist alles. Geht hin und gebt ihnen ihr Zentrum, macht Zeugen aus ihnen.   Weiß ich, ob ihm das wenige, dass er selbst über die Hölle sagt, nicht in den Mund gelegt wurde? Wo wurde er ausgebildet? Ich meine, ein so junger Mann. Er steht da und sagt Kommt, folgt mir, und die  folgen ihm. Das nenne ich  Vertrauen.  Nicht eine einzige Frage. Wer bist du? Er war nicht aus ihrem Dorf. Nie gehört. Nie gesehen.“

“ Sie fühlten seine Ehrlichkeit. Martina, …erkennen, dass er der Sohn Gottes ist und nicht nur das, durch ihn werdet ihr erkennen, dass ihr die Söhne Gottes seid, sagt er . Wenn ihr nicht erkennt, der in euch ist, den Lebendigen, den Bewussten, dann werdet ihr einfach nur gefressen werden, mehr nicht„, erklärt  Brunhilde.
„Ich eine T o c h t e r Gottes  bin! Und die Bibel reduziert es  in einigen Abschnitten  ...erkennen, dass er der Sohn Gottes ist.
Schon mit der Geburt Jesu verhaspeln sie sich untereinander. Historisch gibt es gar keinen Zweifel, dass es Jesu gab.  Das wissen wir!  Aber weiß ich, ob er wirklich für unsere Sünden gestorben ist?  Er war Liebe und Licht, er war ein Menschenfreund, ein Heiler, Gottes Sohn,  er lehrte und seine Lehre war eine andere aller sonstigen Lehrer.  Sei nackt, sagt er. Lass alles fallen, was dir die Gesellschaft gegeben hat. Sie hat dir nicht das Leben geschenkt, sondern Kleidung. Sie hat dir nicht das Selbst gegeben, sondern das Ego. Lass die Kleidung fallen.  Genau das sagt Jesus. Was er sprach, geschah. Er zeigte den Menschen etwas von der Schöpfermacht und traf auf Menschen, die ihm sofort vertrauten, ihm folgten, er traf aber auch auf jene,  deren Blick das Große in ihm nicht zu sehen vermochten und er traf auf weitere, die vermutlich eine Ahnung hatten und seine Größe sehr wohl erkannten und ihn schon aus diesem Grund seiner Macht entzogen sehen wollten.

„Ja, auch weil sie ihn fehlinterpretierten. Er sprach von einem Königreich. Wenn ihr betet, werdet ihr verdammt werden! Wenn ihr fastet, werdet ihr euch versündigen!  Wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr eurem Geist Böses tun? So soll es in einer nicht autorisierten Version der Ägyptenfunde heißen.  Es gibt allein 1 Million katholische Priester, die reichste Organisation, die es gibt, ist die katholische Christenheit, mit Millionen Menschen, die für diesen Kirchenstaat arbeiten. Und Jesu entzieht jeder organisierten Religion die Grundlage, weil er sagt: Das Wirkliche muss aus eurem Wesen kommen.  Mit solchen Aussagen brachte er sich in Gefahr, weil Machtbesessene, um ihre Macht fürchteten.  Dass sein Königreich im Innern der Menschen liegt, war denen nicht klar und ist so vielen heute noch nicht klar. Da begegneten sich Himmel und Erde. Da wurde versucht, das Unbekannte mit damalig bekannten Begriffen zu erklären. In Form von Gleichnissen, Mythen, Geschichten.  Das taten sie alle. Buddha, Laotse, Jesu. Er war ein Revolutionär. Er sprach von einem inneren Reich. Er sprach in Bildern, in Gleichnissen. Die Letzen werden die Ersten sein, die Ärmsten werden die Reichsten – er stellte alles auf den Kopf. Er erklärte das Königreich Welt für nutzlos, weil es die Menschen nicht nährt „, sagt sie.

„Naja, die Kirche hat da aber auch nicht zum besseren Verständnis beigetragen.  Die Welt des Feinstofflichen, wir ausgestattet mit Schöpferkraft. davon hörte ich nichts von der Kirche.  Nur gut, dass Gott einen Plan hat, auf die Kirche als Organisation möchte ich mich nicht verlassen müssen “ , sage ich

„Martina, die Möglichkeit einen Jesu misszuverstehen, die besteht immer. “

„Möglich, aber kannst du dir vorstellen, dass ein Jesu, der, den du gerade beschrieben hast, Wasser in Wein umwandelt, und es ging um viel Wein  für Menschen, die bereits betrunken waren, nur um zu beweisen, dass er Wunder vollbringen kann? Jesus war sicherlich ein Krankenheiler.  Das wissen wir! Aber was uns die Kirche als unumstößliche Wahrheit verkauft, beginnt doch schon mit der Lüge, dass beispielsweise Matthäus und Lukas gar nicht die Autoren ihrer Schriften sein sollen.  Die Schriften des Thomas haben es nicht in die Bibel geschafft, trotz gewichtiger Lebensweisheiten, die Jesus gesagt haben soll. Der Mann geht als ungläubiger Thomas in der Kirchengeschichte ein. Dabei stellte er nur Fragen,  die wir vermutlich an seiner Stelle nicht anders  gestellt hätten und der – so man der Geschichte glauben darf – mit Jesu in den Tod gegangen wäre. Wie kann so ein Mann als ungläubig bezeichnet werden?

„Sie wurden doch erst in Fragmenten 1905 und 1945 gefunden“, sagt Brunhilde.

„Jesus war doch nicht gegen das Beten oder gegen das Fasten, nicht gegen das Teilen oder Geben. Er war gegen die falschen Masken. Erkennt das, was nicht Nahrung in euch ist, was nicht durch Nahrung in euch entstanden ist Dann werdet ihr noch weiteres verstehen…

Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Dieser Satz soll bis zum fünften Jahrhundert nach Christus in keiner Handschrift enthalten sein. Ob Jesus ihn gesagt hat, ist ungewiss.

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„ Ja, ja, es gibt die verschiedensten Geschichten des Größten“, sagt Brunhilde und nickt.

„Herodes lässt alle zweijährigen Kinder und darunter töten. Ich meine, da leuchtet ein großer Stern einer Karawane, um die Heiligen Drei Könige  direkt zum Jesukind zu führen. Jeder in der Stadt hat doch vermutlich gewusst, in welchem Haus Jesu zu finden ist. Wieso musste Herodes  dann gleich alle zweijährigen Kinder umbringen lassen? Er hätte doch leichtens Jesu finden können?

Für Matthäus wohnen Maria und Josef nicht in Nazareth, sondern von Anfang an in Bethlehem. Lukas lässt die beiden nach Bethlehem wandern. Matthäus wollte offensichtlich irgendwie, dass Jesu nach  Nazareth gelangt. Und so flieht in seiner Schrift  Jesu vor Herodes nach Ägypten, dann aus Furcht vor dessen Nachfolger nach Nazareth. Hätte er nicht auch gleich nach Nazareth fliehen können?  Lukas berichtet alles anders. Bei ihm sind sie nach vierzig Tagen direkt nach Galiläa und Nazareth zurückgekehrt.

Die Jünger sitzen ein letztes Mal mit Jesu an der Tafel und Jesu erklärt: Einer von euch wird mich verraten. Petrus fragt, wer es sein wird?  Lukas berichtet in seiner Schrift davon, sie müssen  untereinander gestritten haben, wer von ihnen als der größte gelten könne. Was taten sie denn danach? Keiner, der Judas von seinem Verrat abhalten mochte? Wandten sie sich nach so einer Nachricht einfach wieder dem Essen zu? Sie sollten mit Jesu wachen, schliefen aber immer wieder ein. Und warum wartet ein Judas mit seinem Verrat bis Jesus seinen Verrat ankündigt?

Im Matthäus wird mit Bezug auf das Alte Testament berichtet,  Judas soll 30 Silberlinge in einen Tempel geworfen haben für einen Acker des Töpfers. Im Alten Testament steht nichts von einem Töpfer. So richtig weiß kein Theologe, woher der Töpfer bei Matthäus stammt.
Es gab zu Jesu Zeiten Gold-und Silberdinare, das Doppelas, Drei-As-Stücke, Minen, Selas, Schekels, Drachmen und Doppeldrachmen, aber keine Münze oder Währung, die als Silberlinge bekannt war. Sie kamen schon 300 Jahre zuvor aus dem Umlauf.

Bei Matthäus erhängt sich Lukas nach dem Verrat. Bei Petrus stürzt er vornüber zu Boden.  Und dann liest man in einem Kirchenlexikon auch noch darüber,  es läge kein zwingender Grund vor von zwei Überlieferungen auszugehen, es sei wohl möglich, dass, was Petrus erzählt, am Leichnam des Erhängten sich zutrug. Bitte? Die eine Todesart schliesst wohl die andere völlig aus, sollte man meinen. 

Für Paulus – das ist der große Verkünder der Auferstehung –  hat die Auferstehung offensichtlich nichts mit einem leeren Grab zu tun.  Er war derjenige, der alle ihm überlieferten Zeugnisse für Jesu Auferstehung sammelte, von einem leeren Grab liest man bei ihm nichts. Er begegnet dem Auferstanden Jesu, erwähnt im ersten Korintherbrief.  Es wird auferweckt ein geistiger Leib, lehrt Paulus.  Ein leeres Grab beweist doch auch keine Auferstehung. Auferstehung ist etwas anderes als Wiederlebendigwerden eines Toten.  Der Mensch malt gern aus.

Verschieden sind die Zeitpunkte, an denen das Grab aufgesucht wurde, im Neuen Testament. Samstagabend oder Sonntagmorgen.  Mal sind es zwei Frauen, bei Johannes ist es Maria Magdalena,  bei Markus  sind es drei Frauen, bei Lukas mindestens fünf Frauen. Maria Magdalena ist  alledings jene, die bei allen erwähnt wird.

kluges Maedchen2
Hey, mir wurde im Konfirmationsunterricht und im Religionsunterricht an der Schule erklärt, alles sei  so passiert, wie es in der Bibel steht.  Alles sei historisch so, wie die Bibel es schildert. Der Mann wurde nicht gekreuzigt, weil das, was er sagte, falsch war, sondern weil er die gesamte verlogene Struktur gefährdete. Vermutlich würde man ihn heute genauso schnell wieder unsichtbar machen wollen. Allen voran die Kirche – psst, bring bloß keine Unruhe rein, es läuft doch, die Bibel ist in alle Welten Länder verteilt. Wir machen das schon…

Stetig berufen sich alle  Jünger im Neuen Testament auf Weissagungen in Bezug auf Jesu auf das Alte Testament.  Die Apostelgeschichte:  Pfingsten (kommt vom Wort pentecoste=der fünfzigste Tag)  galt  im Judentum dem Gedächtnis des Bundes Gottes mit seinem Volk. Im Spätjudentum, also zu Zeiten Jesu, feierten die Juden Pfingsten vor allem als Fest der Gesetzgebung, als Erinnerung an die Gesetzgebung am Berg Sinai und als Erntedankfest.  Pfingsten wird dann mal eben zum Gründungstag, der von Christus gestifteten Kirche. Das Christentum schnappt sich dieses Fest und  erklärt es zu ihrem Kirchengründungstag.“

„Wie das, bitte?“,fragt Brunhilde erstaunt.

“ Seit diesem Tag sei der Heilige Geist auf die Führung der Kirche übergegangen und auf einen Centurio (Hauptmann).  Der Heilige Geist muss damals eine Schwäche für Führungsspitze gehabt haben, kirchliche und militärische. Aber nicht nur auf die Kirchenherren, sondern richtig wichtig war,  dass der Heilige Geist auch auf die Heiden übergegangen war. Damit rechtfertigte man den universellen Anspruch.  Natürlich ist der Heilige Geist nur auf alle Brüder heruntergekommen.  Es waren keine Frauen dabei.

maedchenmilch2Seit wann gibt es einen Heiligen Geist exklusiv nur für Männer?

Prophet Joel spricht im alt-jüdischen Testament allerdings dieses: Gott sagt, ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden prophetisch redenÜber meine Diener und meine Dienerinnen werde  ich  meinen Geist ausschütten (Apg 2, 17f).

Vor diesem Hintergrund kann man den Herren der Kirche nur sagen: Ihr solltet ganz schön still sein.  Keine Ahnung, was am Pfingstfest auf euch herabfiel, aber der Heilige Geist, den der Prophet Joel verheißen hat,  kann noch nicht heruntergekommen sein, jedenfalls nicht in der  katholischen Kirche.“

Ich hatte da so eine Ahnung. „Die ganze Geschichte ist doch gefärbt zur Stärkung von Macht der Kirchenhierarchie.  Fröhliches Pfingstfest wünsche ich.

Paulus ist der Gründer der Kirche.  Das Alte Testament wird in den Dienst der christlichen Kirche gestellt.

Über 1000 Jahre jüdische Propheten, Priester, Künder, Söhne, Väter des jüdischen Volkes an Gebet, Opfer, Wortaussage wird nun zum unantastbaren Gut der christlichen Kirche.

Es waren auch nicht die Römer, sondern die Juden, die Jesu kreuzigten, wird von Anfang behauptet. Die Römer werden also zu Befehlsempfängern und Handlangern degradiert?

Ich bin Martina Kunze, und ich brauche jetzt eine Pause.

 

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