Ein hörendes Herz

Ein hörendes Herz

Da, ding-dong-a-ling-dang, klingelte es.
Brunhilde rief an.
„Zu Diensten!“, sagte ich und lachte.
„Frau  Fels ist ein Gartenzwerg auf den Kopf gefallen. Sie liegt im Krankenhaus“, sagte sie, nach Luft schnappend.
„Ein Gartenzwerg? Du scherzt! Sie klettert doch nicht mehr auf Bäume. Gartenzwerge stehen für gewöhnlich ebenerdig in irgendwelchen Gärten? Wie kann ihr bitte ein Gartenzwerg auf den Kopf fallen?“, fragte ich erstaunt.
„Der fiel vom Balkon. Knallbumms. Sie liegt im Krankenhaus. 99-jährige kommen doch immer sofort ins Krankenhaus. Es geht ihr aber wieder gut“, sagte sie. „Die wollen sie aus ihrem Haus loswerden. Hab` ich doch immer schon gesagt, kann ich aber nicht beweisen.“
„Mmh! (Oder so ähnlich), sagte ich. „so viele Zwerge und so böse Menschen. Gibt’s auch noch einen Zauberer, Gold und den Drachen und all das?“

Brunhilde, 82 Jahre, redete und redete, sie vergaß das Wetter, und redete und redete weiter. Sie hätte unangenehme Träume. Sie erklärte mir den Unterschied zwischen Katholiken und Evangelisten. „Wir wurden als Evangelisten im katholischen Rheinland schief angesehen. Andere wurden ausgeschimpft, weil sie mit mir befreundet waren? Das ist alles noch nicht lange her, Martina. Aber Gott lässt sich nicht zwängen in Tempel von Menschenhand gemacht, er kommt zu den Seinen zu seiner eigenen Zeit.“
„ Wer sein Bild immer oben halten möchte, hat irgendwie immer das Bedürfnis, andere nach unten zu drücken. Ich denke, die beste Verteidigung ist, zu sein, wer du bist“, antwortete ich.

herz i balance

heart in balance. Quelle:S.B.

„Eben, schau dir die Bäume und Blumen an. Sie unterdrücken einander nicht. Selbst, wenn es eng wird, wachsen sie in alle Richtungen, um zum Licht zu gelangen.“  Und sie redete und redete weiter.
Sie beklagte die falsche Ernährung. „Die Sünden der Väter werden sich bis in die dritte und vierte Generation rächen, wissen denn die jungen Eltern das nicht? Immer mehr Kinder kommen doch heute schon belastet auf die Welt.“

Kinder, wie die Zeit verströmt. 45 Minuten am Telefon. Mein schicksalsgebeuteltes Ohr gebietet STOP. Liebes Kind der Stunde Null, in the name of peace, dachte ich. Ich schwitze und schnaufe. Nur nicht in den Problemen anderer völlig verlieren. Ich werde reich sein, ganz alt werden und voll jung bleiben. Gleich warteten ein Bad mit Milch und Honig, eine Handvoll Meersalz und einem Esslöffel Lavendelöl auf mich. Seelentröster. Kopf waschen. Herz Luft machen.

„Du lernst am meisten vom Zuhören, Martina. Die Musik ist immer da, man muss einfach nur zuhören. Du brauchst nur auf dein Herz hören“, flüsterte Brunhildchen in mein Ohr.
Ups, wie konnte sie nur wieder spüren, dass ich ungeduldig losrasen wollte? Jetzt nur nicht mein Herz ausschalten, sagte ich mir selbst. Wie nur die Balance schaffen, nah bei anderen und durchlässig zu sein, während ich laufe. Wie nur fürsorglich und präsent zu sein, ohne mir die Angst anderer aufzuladen und ohne abtauchen zu müssen?

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kunze

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum das Nachdenkende in uns existiert? Die Frage hat es in sich, was?

Ich nehme die Frage mit in mein Honigbad. Gute Gedanken denken. Nützliche Gedanken. Menschen nützen, statt mit Gedanken zu prahlen.  Ohne Wenn und Aber das Jetzt akzeptieren. Keine Begrenzungen durch Trotz, Groll und Verletzungen.  In freudiger, schlichter Freiheit ohne Zweifel im Herzen erkennen,  dass alles, was man will, immer zur Verfügung steht. Unser Leben ist ein Energiesystem. Auf unser Herz hören… Wie wenig spüren wir von dieser Lebenswissenschaft. Warum mögen wir daran nicht glauben? Warum vertrauen wir nicht auf unsere Lebensmelodie?

„Die einzige Gewissheit, wie du leben sollst und was du tun musst, kann nur aus dem Herzen aufsteigen. Schon Salomo im Alten Testament bittet um ein hörendes Herz. Primär ist das Herz im alten Israel nicht der Sitz der Gefühle oder der Liebe, sondern vor allem der Sitz der Vernunft und des Verstandes. Heute würden wir von emotionaler Intelligenz sprechen, die ermutigt, der Stimme des Herzens zu folgen. Wer sich nach Licht sehnt, ist nicht lichtlos. Gute Nacht, Martina, in ein paar Tagen sprechen wir uns wieder“, ergänzte sie.

Jeder Mensch, dem wir begegnen, ist ein Lehrer.  Wirklich jeder…liebe Brunhilde. Danke.

Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude.
Ich erwachte und sah, das Leben ist Dienen.
Ich handelte und merkte, Dienen ist Freude

(Tagore, indischer Dichter)

Mit einem hörenden Herzen….

…mit diesem hohen Wert dürfen wir uns ganz getrost den Weg bahnen durch unser Leben und von unseren Talenten Gebrauch machen.

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