Bärbel Höhn zu Besuch bei mir

hoehn und ich

Bärbel und ich auf dem Bonner Rathausplatz. Foto: Kunze

Na, das fängt ja gut an. Nimmt die Küchenschürzendame doch ihre Hand und täschelt mich erst einmal ganz familiär ab. Ich könne sie ruhig duzen. Appetit machen wolle sie. „Für was, bitte“, frage ich. Ihre Hand schiebe ich beständig von meinem Kopf weg. Aber die hörte gar nicht auf damit.

„Was tätscheln Sie mir denn ständig auf dem Kopf herum?“ lautet meine zweite Frage. Die erste Frage klang so: „Was wollen se denn hier in Bonn? Haben Sie die Abbiegung nach Berlin verpasst?“ Ich lache. Bärbel nicht. Mit dem Du will es noch nicht so gelingen.

Rötlicher Kürbis, rote Paprika, grüne Paprika. Wie originell. Die wollen ne rot-grüne Koalilllation. Na, Sie wissen schon, was das ist.  Zwei Pfannen stehen auf dem  siziliansichen Grillfeuer.  „Ihre Küchenschürze ist wohl noch eine Mitgift der Engelscharen?“, frage ich.  Glauben Sie nur nicht, dass sie meine ersten drei Fragen beantwortete. Sie lachte nur. Und noch einmal klatscht sie mir auf den Kopf.  „Hey! Ohhhh Nööö!“

Mathematikerin sei sie. Oho-oo! Rechnen könne sie aber dennoch sehr gut, ergänzt sie.  Wie meint sie das denn nun wieder? Seit wann kommt es  beim Kochen auf die Mathematik an?

Jetzt traue ich mich aber….

„Liebe Genossin, hast du auch noch etwas anderes, worauf du Appetit machen kannst?“frage ich. “ Nicht jeder mag rote und grüne Paprika oder gar Kürbis? So`n paar saftige Steakstückchen vielleicht?“ Sie schaute etwas verduzt drein. Na, was täschelt sie mich auch so.

„Was wird das denn hier, eine Heldentafelrunde?“ NRW Spitzenkandidatin macht Appeitit auf Rot-Grün.  Mit Steinbrückchen, dem Stinkefinger, habe sie sich wieder vertragen, erklärt sie.

„Ich rede jetzt mal Tacheles“, sage ich zu ihr.  „Bärbel haste denn das Gefühl, die Wählerinnen und Wähler –  und vor allen die große Masse der Nichtwähler – haben verstanden, wie das Land künftig von den Grünen gestaltet werden soll? Ich meine, was ist das denn schon wieder, diese ganze Aufregung, um die Steuererhöhung der Grünen. Da wird sofort hochgerechnet, das Ganze natürlich wissenschaftlich fundiert: Verdient ein Ehepaar 6000 Euro im Monat, so müsste es demnach  zusätzlich 105,97 Euro an den Fiskus zahlen. Im Jahr wären das also 1271,64 Euro mehr. Und schon tobt das Land. Zu jedem Wahlkampf die gleichen langweiligen Themen.   Wer als Paar sogar 10.600 Euro im Monat verdient, muss mit einem Steuernachteil von fast 600 Euro im Monat rechnen – 7200 Euro im Jahr.

„Mir kommen beinahe die Tränen. Bei 6.000 Euro im Monat rund 105 Euro jeden Monat mehr an Steuern abzuverlangen – diese armen, armen Ehepaare. Mir geht das schon jetzt sehr zu Herzen. Und so kullern mir vor der Bärbel ein paar Tränen aus den Augenwinkeln. Schluchz. Schluchz. Bärbelchen, kannste das nich mal für die Ehepaare anders machen, die haben doch nur 6.000 Euro für einen ganzen Monat. Wie sollen die denn damit nur klarkommen? Und bei 10.600 Euro sogar 600 Euro im Monat mehr an den Staat zahlen. Uiiih, da ist aber wirklich die Schmerzgrenze erreicht. Die müssen sich doch noch etwas Essen kaufen können.  Und der Single, der 8.000 Euro verdiene, müsse pro Monat 127,66 Euro mehr zahlen.  Oh, diese armen, armen deutschen Bürger. Kann ihnen denn gar nicht geholfen werden. Eine Tafel für bedürftige Gutverdiener und alle insolventen Wichtigtuer muss her, sollten die Grünen mit ihrem Steuervorhaben an die Macht gelangen!“

Bitte, liebe 8.000  Euro Single im Monat Verdiener, melden Sie sich doch mal bei mir. Ich würde gerne wissen wollen, wie viele wir davon in Deutschland haben.

„Und was wollt ihr denn überhaupt mit den Mehreinnahmen an Steuern machen? „frage ich weiter.  Meine Frage kann Bärbel nicht beantworten. Naja, Politiker müssen ja auch nicht alles wissen!

„Und reichen denn zehn Prozent der öffentlichen Wälder als Schutzgebiet? Dreiviertel des deutschen Waldbestandes ist doch schon so gut wie hinüber.
Steigerung des Radverkehr-Anteils? Ihr wollt ihn tatswahrhaftig um 20 Prozent erhöhen. …. bis zum Jahr 2020? Das klingt doch nach Konzepten, die die Zukunft Deutschlands im Blick haben. Wir werden mit mehr Radfahrern sicherlich die Nummer 1 in Europa bleiben, wieder werden oder ähm, is ja auch gerade egal.  Das sind dann wohl 2 Radfahrer mehr pro Jahr bis 2020 , oder? Ohhh, du bist besser in Mathe. Kannste das mal ausrechnen, Bärbelchen?“

Hat se natürlich nicht hinbekommen.

„Liebe Bärbel, befürchtest du nicht, dass bei den bundesdeutschen Radwege-Verhältnissen eure gewünschte Steigerung an Radfahrern die Ausgaben für die Gesundheit enorm steigen werden. Mehr Unfälle wegen misslicher Verkehrsführung und allzu schlechter Radfahrwege. „, frage ich auch noch.

„Ja, darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht“, antwortet sie mir.
Ich hab`s Brunhilde doch gesagt. Festhalten.  Ich kenn sie alle.

maedchentelefoniert  Mein Handy ringt. Und ringt. Und hört nicht auf zu ringen. ring.ring.ring.“T`schuldigung!“, sag ich zu Bärbel.

„So und wat kost der Spaß hier mit dem Appetit machen?“, schreit mir Brundhilde ins Telefon. Sie steht in der fünften Reihe der Zuschauer auf dem Rathausplatz.
„Ohhhh. Nööööö, Brunhildchen, später, ich interviewe doch die Bärbel gerade!Siehste doch!“
Bärbel kaut auf einem Kürbis herum.
Ich mach Interview weiter.

„Liebe Güte,  Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre? Haste dich mal umgesehen in der Republik? Willste diese mega-coolen Hip-Hop Fluffies , Big Brothers und Hilfe, ich bin ein Star-Früchtchen mit drei Handy`s in der Tasche und 2 Bierflaschen in der Hand sowie fehlenden Deutschkenntnissen wählen lassen? Von Mülltonnen halten sie gar nichts, den lassen sie gerade mal überall liegen, wo sie süppeln!“
Anstatt mir zu widersprechen, wie es der Anstand und guter Geschmack gebieten, sagt Bärbel doch: „Das ist gut für uns Politiker. Viele dumme, kranke, süchtige Menschen lassen sich gerne einlullen. Das ist das bequemste Völkchen für uns. “ Im Bärbelchens Innern wohnt also ein eiskalter Zynist.

„Haste auch ne AOK-Karte? Halten die dich auch drei Stunden beim Arzt in der Warteschleife?“frage ich noch. “ Hörste die Tippsen auch sagen:  Sie wollen was? Einen Termin? Freitag hat die Praxis zu und Mittwoch nachmittags hat sie auch zu und Montagmittag brauchste auch nicht kommen, ist keiner da. Und am Dienstag hat der Arzt keine Zeit. Nein, dafür kann ich keine Überweisung ausstellen, da müssen sie zu Frau Doktor…“
„Du kannst dir doch deine Zystenbilder per Email zusenden lassen. Das spart Zeit und schont die Umwelt.“, antwortet sie mir.

„Gern“, sage ich, so liebenswürdig, wie es mir nur möglich. Die bleibt eiskalt. Gesundheitsreform ist toll. Bin schon gespannt auf die nächste.
Brunhildchen wird gerade von zwei jüngeren Männern festgehalten. Sie tobt und will die Bühne stürmen.

Wie findeste denn den Trittin?“, frage ich weiter, nur um im Seichtwasser zu schwimmen (Brunhildchen beruhigen!)
„Dieser Breitmaulfrosch mit Quarkstimme. Dieser Tränenkoffer!“, schreit Brunhildchen von hinten.
O wei o wei, Brunhilde….Sie hört nicht auf: „Wenn es könnte, wie es gern wollte, wäre sein Spiegelbild sicher schon abgehauen!“
„Sieht doch super aus der Mann!“, sagt sie.
Als sie anfängt von seinem Eispickel-Penis zu erzählen, hab`ich innerlich weggezappt. Brunhildchen fiel derweil in Ohnmacht. Ihr entsprang ein Blumenkohl-großer Herpes. Der Rettungsdienst trug sie fort. Konnte ich ja nicht ahnen, dass sie das so aufregt.

„Wann zieht denn ihre Karawanne weiter?“, frage ich. Sie führe noch heute Abend weiter ins Hopfenland.
Der Abschied fällt uns Bonnerinnen und Bonnern schwer.

(Dieses Interview wurde natürlich nie wirklich geführt und Bärbel Höhn besuchte auch nicht mich. Sie war aber sehr wohl auf dem Rathausplatz. Und, ich betone, sie ist eine ganz wunderbar engagierte Politikerin mit der richtigen Portion Humor. Ich schätze die Dame der Politik sehr! )

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